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Full text of "Zauber-Bibliothek : oder, Von Zauberei, Theurgie und Mantik, Zauberern, Hexen, und Hexenprocessen, Dämonen, Gespenstern, und Geistererscheinungen :"

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3au&er*3MMtot!lcf 


ober 


»olt Räuberei, 5:f>curgie unb 5D2antif , 
Zauberern, ^epeit, unb ^K^enproceffcn, 
Dämonen, ©efpenflern, «nb 
@etjhmfcf)einungen. 


3 u t 

©efirberung einer rein * gefcbicfjtlicbe n , oon Aberglauben 
unb Unglauben freien 53 eur Leitung biefer 
©egenftdnbe. 


53 o tt 

©eorg (üionrab 

©rofb*no8licb<^efpftbemÄiicbeitrfltM- 



SWainj, 1822. 

Sei glorian ^u?)ferberg. 


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3 n f) a i t. 


(Srfle 5ibt^t»Iung, 
au6f«t>rltdjc tüiffcnfcfjaftltche 3(6i)anblungen entljaltcnb. 

gortfefcung be« Stuffahe« oon bem gauberglauben , bet ®tagie, unb 
bet 3«uberfu«d in bet alten unb neuen SBelt. 

Seite 

3 weit er 31 hf dilti ft. Sßon bet 3bce be« gauberglauben« 
unb bet SKaflie, uub bereu oerfchiebenen äu«bilbmigcn in bet 


alten uub neuen SEBelt 3 

3 weiter 2t 6 f c£j n 1 1 1 . Sortierung 44 


3 » c i t e 31 fc t (j e t l u it g, 

ejebruefte, unb ungebruefte »irrige S^wöerfc^riften , ganj, 
ober im Sluöjugc ent^aitenb. 

SJererintierungen 79 

I. Dr. Iohann Faustens Miracul - Kunst- unb Wunder- Buch 
ober bie fcfyroatje stabe auch bet Dreifache Hüllen Zwang 
genannt. SGBomit id) bie ©eiltet gelungen, ba& Sie mir 
l>abeu bringen rnujjen, roa« ich begehret habe. <£ä fep ©olb 
ober Silber , Sch<i?e groj ober fleiu , auch bie Spring« 
Sffiutjel, unb toa« foitjl mehr bergleicheu auf «Erbe« i|t, ba« 
habe ich alle« mit biefem 33uch« |U SÜege gebracht, auch bie 
©eitler roteber loiifprechen fbnnen. Lion MCDXXXXXXIX. 86 


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II. Instrvctio Pro formandis processibus in causis Strigum, 


Sortilegiorum , et maleficiorum 115 

IIL De laniis et phitonicis mulieribus ad illustrissimum prin- 
cipem dommu. Sigismundu. archiducem austrie tractatu* 

pulcherrimus 127 

JV. Seraiphoras Slltö Schemhamphoraa Salomonis Regis. . 134 


©ritte St&t&eilung, 
SHctenftäcfe ju einer 9te»iftott be$ #erenproiefie$ enttjaftenb. 


©oreriittteruttgett 161 

I. SBabrbafte unb umft4nb!ic^e Sßacbricbt »ott bent gufalle; fo 
iai jungfräuliche Älofter Uutcrjdl näcbft SQirjburg be« 
Praemonstratenftr > Orben« betroffen. fOerfaffet ira 3abre 
1749 165 


II. Sptrabirte j^ejren / QSeFemitntffe unb .fjeren > Urtbeile , naeb 
beit nocb uugebrueften ,Original<5Icteu abgebrueft, fämmtlieb 

uu9 ber etilen £älfte be« ftebcttsebntcii 3al)tbunbert« . . 203 

III. 3er «unb mit bera Steufel , ober actenmäjiige ®ef<bi<bt«* 
eriäblung eine« ^epenproceffed ju sfteuenborf in ber aitmart 

»om 3«i>f 1671 215 

gierte 21 b t e i I u n g, 

nnffenfcbaftlidjc, s jst)ilofo 4 >t)if«i)c 316t>anblmtgen t'tber 

beit (Sefpenjlerglau&cn , Berichte »ott merftmirbtgett ©ei(Ier* 
erfdjeimtttgett, Slijnbungen, spropbejeibuttgett, fspmbolifrfjeit 
träumen tt. f. t». cntljalteub. 

•Soreriitnerungeit 329 

I. $eifpicl eine« merfmürbigett betrügerifeben ®efpeitffer*@puf9. 233 

II. 3ie ©eifler > gamilie. (Eine abeitt(>cucrlid)e ®efpen|ierge< 

febiebte au« neuerer gtit > 24l 

III. £in StcufeUgefpentl au« bem fiebenjebnten 3al)rbuttbert. 3 u t 
fortgefebten (Ebarafterifirung biefer ®attung »oit älberglaubeit. 255 

IV. 3er toilbe 3^9«- 211« Beitrag jur ®efcbicbte be« SBolf«* 

Aberglauben« 26l 


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V 


®«ftt 


V. Slodj einige feltfame SeufeÜ < ©efpenfler au« »trfcbiebenen 

Jetten. Jut £b«rafterifirung bei Seufeliglaubeni nach 
feinen oerfcbiebenen Sluibilbungen 264 

VI. ©efpenfter junt Sobtlacben. 2lli ©eitrag (u ben 8bentbeuer> 

licbfciteti beit ©efpenfierglaubeni 268 


g H f t t ?( t t (l t i I U » ^ * 

benfwärbige ©cfchicfctcn , Sljarafferjügc , 3Incfbot«t tc. «ui 

alten unb neuen SPüchcrn, SRcife6efdjreibungen , SDiiffionä* 
berichten u. f. jur SbardfcrifTrung bcö B^er» unb 
@ei|lergfaubeit$ enthdtenb. 

I. Monsieur Oufie , ober bet abenteuerliche SSebrroelf. 81« 
^Beitrag gur ©efcbicbte ber ©efämpfung bei Jauberglaubeni 287 

II. £>er Seufel belebtet ben J&errn »on Queriolet. ©in merf» 

rcürbiger ©eitrag jur betätigten ©efcbicbte bet Seufel unb 
©efeffenen oon Loudun 298 

III. £>er Äoblfcbmat^e Senfe!, bai ifl : Sine febarffe ifrebig oom 

vttb roibber ben Seulfe! , 3ui bet erften (Epi(Iel £t. < J)etri 
am 5ten ©. 9- €nn 28ieberfacber bet Seuffel gebet umbbtt 
mie ein brullenber Eonte, »nb fuebet, welchen et »erfdjltnge je. 
lieber einen erfcbriScflicbcrt Sali einer iDtannisiperfobn, bie 
fid) in Schwermut bern Seuffel mit eigenem ©lutb »er* 
febrieben, baruber in ^Bergroeijflung geraten, aber burdj 
©ottefi ©nab wieber'jurecbt gebracht, tmb bem Seuffel aui 
bent Stachen geriffen worben ; ben 24tett Sonntag Srinir 
tatii biefei binlauffenben l642 3abri, in benen befj heil gen 
Stomifcben Steidji Stabt Cfjlingen, bep ©olireicber ©e< 
meinb gehalten; 8ud) befambt .(jifforifeber Srjeblung beff 
febrceren ©ewifftnfalli felbjlen, »nb uuff feptett bei Ministerii 
mit bet atmen Seel gehaltenen '}5ro$e§ ; 5)en SÖerffocften jut 
aöarnung, ben Stebenben jut ©ermabnung, ben 2tnge< 
feebteuen jum Stoff, befebrieben, »nbt in Srucf gegeben, 
bureb Tobiam Slßagnern, ber ^eiligen Schrift 35oetorn 
*nb Pfarrern bafelbflen. ©ebrueft jn U l rit, bureb Säaltbafat 
Äubnfrt, Anno 1643 ............ 308 

» 


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VI 


Seite 


IV- £tn»ai aitsJ bem £ebett ber ^bcifhna Ipottiatorei ob» *JSouia* 
toioisfch/ ali ««trag jur ©efcf)ichte bei «Propheten < uttb 
Sföifionitocfeni im fiebentehntett 3«hrbunbert. (£4ch(i feit# 
fame, für beit 3»rjt febr wichtige firperliche uttb pftchifch« 

3uf4Ue eutbaltenb) 320 

V. &>a SDlargaretba gribliche anna gleifch», uttb anna ®taria 

SBetter. 2>rei ^ropbetitinfn. aii SBeitrag jur ©efcbicljte 
bei aberglaubeni, uttb namentlich bei SSeiflfagungi* unb 
Sifionitoefeni im fiebenjebnten 3abrbuttbert 332 

VI. antoinette 95curignon unb 3«ue £eabe 339 

VII. ©chrecflichfeiten aui ber SCeufeli < utib .pejeenprocefi # «Periobe. 

■ gortfetjung bei im eorb« gebenben Srijctle abgebrochenen 

auffagei 352 

VIII. £4d;erlichfeiten aui ber Seufeli > unb Jjejrenproseji # tyt> 

riobe. gortfet?ung bei im oorher gehenben Stbeile abgebro# 
ebenen auffagei 364 

SDliicellen 375 



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aiißfäfnrlicfye wiffenfdjaftHdje 2{bf>anblutignt 
eittfialtenb. 


m. 



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I 


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d t ft e 


gortfejjung beö 2luffa§e$ oon bent 

glauben, ber SWagie, unb ber 3«u&etrunft 
in ber alten unb neuen SBelt. 


3 w e i t e r 9 b f $ n i t t. 

©on ber " 

Sbee beS 3anberglauben$ unb ber üRagie, unb 
beren ocrfcbiebene n Sluä&ilbung in ber alten 
unb neuen Sffielt. 

VI. 

Son ber »eiffen ÜRagie. 

ttmbie^bee berüJiagie ju erfcbßpfen, unb nadj ihrem 
ganjen Umfang gehörig ju oeranftbaulicben, muffen 
mir in gegenwärtiger gortfejjung biefeS 2lbfcbnitt$ nun 
noch »on ben »ergebenen 

©attung en 

berfelben im Sinjelnen |>anbeln> 

SSon ber fcbwarjen übernatürlichen ober bärnoni* 
fdjen SDiagie toar 51 b* H. in ben unmittelbar »orber 
gebenben «Paragraph^ gegenwärtigen 2lbfcbnitte$ bereit« 
bie Siebe, ©ie grünbet ftch, wie wir bort gefeben b«ben. 


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4 


auf ba$ ^rincip be$ ©ualiämuä, nach SDtaafgabe, 
n>ie folcfjeö in ben »erfdjiebenen fReligionöphilofopbieen , 
fo rote im religidfen Gultuö ber ©6lfer entroeber ur* 
fprünglich angenommen, ober allmdhlid) mobificirt roar, 
unb erfchcint in ber ©efchichte ber fogenannten Steufelä* 
3auberei ober bem .fjerenprocef am confequentefien 
auägebilbet unb ju einer £öbe gefteigert, bie ©rauf) unb 
Gntfejjen erregt. 3h r »(* eigenbö jebeSmal bie b ritte 
Slbtheilung ber 3AuberbiHiot^cf geroibmet. ©aber 
haben roir nic^t nüthig , ^icr noch int ©injelnen unb be* 
fonberö baoon ju hanbefn, unb gehn fofort jur 
roeiffen SSJtagie 
in unferer weiteren ©arjMung über. 

©iefe fleht, roie flhon ihr alter ebrroürbiger 9?ame 
jeigt, gerabe ber fchroarjen gegenüber, unb helft beöroegen 
auch bie natürliche SDtagif, roie jene bie übernatürliche 
ober bdmonifche. 

Sluch fie hat im Sßefentlichen mit ber fchroarjen ©ine 
5Ccnbenj,unb ift ihrer @r un bi bee nach einerlei bamit — 
ndmlich baö ©treben , roo nicht, roie in ber fchroarjen, 
nach »blliger, boch nach gröferer Unabhdngigfeit 
»on fliatur unb ©chicffal, al$ bem (Sterblichen im 
gemeinen 2ooö befchieben ift. 

2lber fle fucht nicht burch ben ©influf frember ©eroal* 
ten, am roenigflen büfer flhabenfroher , fonbern allein 
burch ©rforfdjung unb perfldnbige ©enujjung 
ber fRatur unb ihrer geheimen Ärdfte, ©efejje 
unb SBtrfungen, namentlich burch ba$ ©tubiunt 
ber ©efefje »on ©pmpathie unb Slntipathif/ in 
Slnroenbung auf bejtimmte 3werfe, jubenf eiben fltcful* 
taten ju gelangen. 


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5 


©ie ijt nadb ihrem wahren Vegrijf, mithin mit ber 
leeren, ober, rcennman t»iH, geheimen 9? atur«Sif« 
fenfdfaft ein« unb bajfelbe. ©o toarb fie »on ben Sei« 
feit in ber Ur«Selt ereolirt, fo »on ben ©tagiern 
»ber Äennern ber öfteren 9tatur«Siffenfchaft 
in ber neueren unb neueften Seit, wenn amh ber »er« 
fcfjollene Stame SDtagie bei fiefcteren nieht mehr »orfommt. 


Sie Statur in ihrer £otalitdt unb ©öttlid)« 
feit — fie felbfl unb nichts anber«, ift ber ©egenjlanb 
ber reinen nteiffen ©tagte. 3<f> fage ber reinen — benn 
baß baä (Shamdleon «jRagie f<fron febr frühe au« feiner ur« 
fprünglidh nuiffen in aüerhanb anbere Jarben chan« 
girte, »irb in ben fogleidj folgenben ^Paragraphen erdr« 
tertmerben. 3nbi»ibuaf, organifd) lebenbig i ft , 
roa« in feiner Stiftung gleid) ifl ber gefammten 
Statur. Stuf biefer bunfel geahnbeten, ober heller er« 
grijfenen tiefen phpftologifdjen Sahrheit, bie eben erft 
in unferen Sagen mieber »on mehreren ^p^vftorogen beut« 
lieh unb mit Slnwenbung auf ba« ©efonbere ifl auäge« 
fprodjen toorben — auf ihr beruht bie gefammte »eiffe 
SOtagie nach ihrem ganjen Umfang, beruhte felbfl bie 
ganje Astrologia judioiaria , ba« SZgtioitdt«« 
ftellen ic., Vejtrebungen be« menfd)li<ben ©eifle« , be« 
nen tro£ aller *pbantaftcenfpiefe unb Verirrungen in ge« 
reiffem betrachte alfo , ndmlidj in ber 3bee, etwa« 
Sabre« §um ©runb lag. 3ft bemnadj »on ber reinen 
©tagie hier bie Stebe, fo fommt in ihr Sille« barauf an. 


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6 


beit ©inn ber Statur juerfennen, t^reß^araftere, ©ie» 
gel unb Signaturen beuten $u fonnett , bie 93erfnüpfung 
jroifchcn Sichtbarem unb Unftchtbarem unb tttte ftdj bie 
3bee, ber ©eift gleidjfam feinen £eib erbaut, bie ©efefce 
ber Slttractionö » Gobdjionö » unb ©cßeibungöfrdfte beiber 
SBelten, furj ba$ 333ir fliehe , Sebenbigc, SSBirf# 
fame , ©roige, in ben ©rfdjeinungen ju begreifen, 
unt fo bie ©injelbeiten in ihrer 33ebeutung $um ©an» 
jen ju tiberfdjauen , unb mittel »ober unmittelbar $u be< 
berrfchen. — 3Baö ber Äünftler unb ©ichter unb mit ihm 
jebeö reine ©emütb im 3beal alö roabr ober real erfennt, 
unb wenn 93eibe nur erft bie ibeale 2Birffid)feit baoon ahn» 
ben ober aufdjauen , baä wirb »om SJtagier im © ebiet fei» 
ner SBiffenfchaft eben fo als »abr unb real für bie St a# 
tur erfannt , unb roenn fte’d gleich roirflid) noch nicht 
heroor gebracht, ober richtiger — roenn er e$ gleich noch 
nidj t erforfcht l;dtte. ©ie fchönfle Stofe ober £Üie , bie 
ganj bie 3bee , bie ©ignatur einer Stofe ober SKlie au8< 
füllt , bat , rote im ©eift beö ÄünftlerS , fo in ber Straft 
ber Statur unb SOtagie ihre Sßirflicbfeit, unb alfo burcb 
ba$ gefammte Unioerfum ober fogenannten SOtafro»unb 
SOiifrofoämod mit Ment, ©ie ©rforfchung ber Sta» 
tur in ihrer rounberuollen gbttlidjen ©otalitdt 
— bie# ift ber guten SOtagie Slufgabe, unb baß fte beren 
Strdfte, ©efe&e unb ^Beziehungen , roie ber Äünftler ba$ 
Sbeal int Stealen , noch eher erfennt ober ahnbet , als 
bie SBirflichfeit fte ihr t>6Cfig vor bie Slugen fletCt ober »iel» 
mehr, al$ fte berfelben ben »erhüHcnben ©chleier entroen» 
bet hat, bief ift ihre 93irtuofitdt. ©iefe ©eifteäfübttt 
heit, biefe höhere ©enialitdt , welche ber Statur ihre 93er» 
borgenbeiten gleichfam rounberthdtig entreißt , tft ju allen 


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7 


3etten bab gewefen, wab bie SSefdjrdnftheit SKagie in 
böfem ©in«/ 3 au ^ re */ £ e r enf 6 n ft e genannt tjat. 
3« allen 3titen ift burch ©enialitdt bab JBejle unb Jfjödj* 
ftegefehehen, unb cb mürbe ein 3ahrMuffenbe langeb, noch 
fo mühfeligeb gortarheiten ber untergeorbneten ©eijler 
bab Sßerf beb ©anjen »ielleicht nic^t um ein Haarbreit 
geforbert haben, wenn nidjt auö jenen felteneren ©enien 
ber jünbenbe, geftaltenbe, orbnenbe gunfe aubgegangen 
wdre. 2Bab unb ber ©eift ber Sßelt aub jenen, fdjäpfe* 
rifth berufenen unb Segeijierten , unb trab er unb in 
jenen höheren SDtomenten beb ©mpfangenb ber 3been4fcer* 
haupt offenhart, bab ifl bab wahrhaft ÜÄagifcfje unferer 
Statur , bem ftch, erft fpdter in ber SSBelt beb 33efonberen 
fort wirf enb, bab ©ewdhnliche , bab gemeine ÜJtenfdjlithe 
anfügt 

Der reinen SfJtagie ift barum bie gange Statur ohne 
bab alloerbinbenbe Sehenb * unb ©ilbungbprin* 
c ip , bai ihr inroohnt, eine bunfle, »erworrene bloffe 
Laterna magica, infofern fiherall niehfr bier.tfrfthei* 
nung , fonbern bab, wab ber (Srfdjeinttng Jum ©runbe • 
Hegt, b. h* wab bie Statur bei einem Dinge ge# 
badjt unb gewollt h at, ihrer Süifmerlfamfbit »erth 
ift* ©ie fucht baher in SHBfem , gleidheiel ob in einer 
©lumengattung, ober einem Planeten * ©pftem bab <5v 
genthümliche , bie Ur*3&ee, bie U«*©tgira-tittf} 
ben ©ortpp ber Statur, bem ftdf alleb Singelne unb 
3mbi»ibualiftrteanhilbet, ju erforfdjett, uitufo mitten irt 
ben »erfchiebenen ©arietdten unb3ufdHtgfeiten unenblidjer 
©rfcheinungen bie Statur nach ihrer geheimen Xotalitdt 
unb ©ättlidjfeit ju freien Sbeen beb ©eifteb' ju »er* 
wenben unb fomit , wenn man will , ju heherrfd;en» 


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8 


Stuf biefe Sßeife aufgefaßt , treten t^r bte Sbeen unb 
Signaturen btr Statur »on felbft b<rvor , affo , baß fte 
nad) ißren 93rincipien in Spmbol*unb (Ebarafterge? 
0 alten jerfdßt , bie , wie fte felbft unb an jtcb ewig unb 
notbwenbig ftnb , jugleüb ewigen unb notbwenbigen 3beett 
beö ©eifteb entfpredjen. 3been, welche biefer auö jid) 
beraub auf äße bie ©rfcbeinungen ponSeben, itraft, 2 lt? 
traction , Sympathie unb Antipathie hinüber trügt , in 
beren ÜHittelpunct er ba ftebt, unb beren (Einflüßen er 
auägefrgt ift , fo baß unfer eigenfteö Selbfl baburch mit 
bem ©an jen in einem fpmpatbetif<ben , magifcben Stap? 
port fommt, wie wir unä ungefdbr ba$ 93erbdltniß b$* 
berer Staturen jur Außenwelt unb ibr Sinwirfen auf bie? 
felbe benfen miffen aber fbnnen. - 

*;• * •{»!'. . » 

' ■' • - i ’> « st j 1 ; 's , : ^ ■ • « • 
irl ir.T. . ;r. : : ■ . 

Ättit SBunber in biefer £infubt, baß ftcb aud) bei ben 
SSirtupfen berÄunfl, bie SEßeurgie ftetä fo gern unb 
leicht mit ber 3bee ber weiffen ÜÄagie amalgamirt b«t* 
SJtan fucbte unb fanb bad in ben SBirf ungen dußerer @e; 
walten, »««$ man faurn in bem inneren eigenen ©eift 
ju fu<frett> mnb feiner (Eiefe jujutrauen wagte, ginben 
wir <bo<6 -Hr unb ed ift feltfam genug! etwaä AebnlidjeS 
felbft in. bem 3 u ft“nb bog.^eüfebenj , ba e$ SWittel? 
©lieber unb 9Jtittef*3uftdnbe gibt, »on berwtiffen 
Seite jur fcbwarjen, unb jwifcben SEag unb Stacht eine 
5Ddmmerung k ©ie. Weinen — nun wie foll man fte nen? 
nen? ©ie * Weinen ©utcben, $au$freunbe, gefcftdftigen, 
bilfreidben , ft<b für bi« ©enefung ber Äranfen intereßirem 


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9 


beit 9 ?atur * ©djujjgeifier , von bcnen mehrere <5 out* 
itambülen, 3 . SB. bie Ätein’ifdje, ©trombetf’ifcbe, 
SBar&erin’tfdje jt. ju erjd&len wiffen , haben außer bem 
eigenen @eift , ber fie im £eUfehen erzeugt unb ^pojTa; 
tijtrt , bocb rocl auch (eine anbere Grtflenj unb finb , 
tote fie auS t(>m in einem 3 uf!anb von © unfe Klar auf# 
(leigen, barum ol;ne 3 n>cife( gerabeaudj in ber ©dm# 
mecung fo jutßdtig unb gefcbdftig *). 2 öaö hier , bdm# 
mernb, im ©omnambuitämul ber $al(ifi, b«ö ifi 
von jeher, roachenb, im ©tubium ber wciffen ÜWagtebei 
SSielen ber galt gemefen , ba man ju folgen ©utrfjen > 
ober alten £auöfreunben unb .fjauämitteleben feine 3 U ' 
flucht nahm, unb fo bie reine ÜRagie in bie Sl^eurgie 
hinüber fpieltc. — Kenner werben verflebn , »ab Eternit 
angebeutet ifi. 3 m Verfolg gegemodrtigen HbfchnittS wirb 
noch auöfü^rftc^er bie SRebe bavon fejju, wenn wir von 
bet ceremonialifdjen ober tbeurgifdfen SDlagie, aW 
verwanbt mit ber weiffen, ( ndmlic& wenn auch nicht an 
fic&, boeh gefchichtlich) handeln werben. 


©ie $auptfadje bei biefem ©tubium ber SWagie, ober, 
ba biefeä SSJort je|t verrufen ifi, ber Statur, ifi bie 


*) « Stuf er beit Rnberea, fegt bie ©rüfin 35. in be« Ritter« een 
© a r b e r i n magttettfiifcbem Stagebuch , aufiet ben 2lnberen (beit 
guten untergeorbneten ©ttttelgeiffern , bete« fie fecb« ober geben 
aU (leine leichte 2flolfd>en in ihrer üldbe unb mit ihrem SEBobl 
befchüftigt f«h) fab ich auch ©inen ober ein 3)ing , oon bem 
ich eine £inbernib befürchtete, ba« übelnoUcnb auf mich mirfte, 
unb ba« ich mit berfianb gurucf tu gehen fuchte u. f.a. » Schabe, 
bah Jamblich, iPorpbpr, tyifellu« oon betgleichen ©rf a&* 
rungen für ihre 0ei|ter* unb Dämonen * £ebre noch (einen ©e* 
brauch machen fennten !!.' 



10 


Äenntnif namentlich ihrer geheimen Sßablbetwanbt? 
fchaften unb Statur ? ©pmpatbieen. 

Die Statur ijt eine in (Ich gefcblofene Sinbeit, eine 
göttliche £otalitdt. Durch bie Trennung in einen 
unenblidjen, nie aufjubebcnben @egenfa| aber, entfaltet 
fte fich in mannichfaftige Srjeugniffe. 3>ebe8 biefer Sr? 
jeugniffe ifi nur ein einfeitiger Stefler beä ©anjen, 
unb barum jeber einjelne Sntwicfelungö ? ‘Procef für (ich 
allein betrachtet, ifolirt, einfeitig, enbltch. Sieben bent 
©trebenalfo, (ich ju inbibibualifiten, herrfcht burch 
bie ganje Statur auch ein entgegen gefejjteö © treben , (ich 
ju generalifiren unb mit bem ©anjen ju bereinigen. — 
Daburch nun, baf int ©anjen baö Sinjclne unb im 
Sinjelnen baö ©anje lebt, werben alle, auch bie 
entfernteren Äörper, mehr ober weniger mit einanber 
berfnüpft , unb treten in eine gewifie berwanbtfchaftliche 
93erübrung mit einanber. 3eber inbibibuc/e ©ntwrcfe? 
lung^^procejj Idft fi<h auö biefem ©runb betrachten — 
einmal infofern er bie ihm inmobnenbe 3bee be$ Dafepnö 
unb Sebenö für (ich im Steaten barju(Men, ftch biefer 
3bee gemdjj auöjubilben, unb feine Sriflenj in ber Stufen? 
weit ju realijtren fucht: bann — infofern er afö integri? 
renber £betl be$ ©anjen, in fleter tßejiebung auf bie 
©pbdre, ber er jundchft angebört, (ich feiner Snbioibua? 
litdt jum£beif entdufert unb bem fremben Sinfluf willig, 
ja wie au$ freier SBahl begibt. — jtein organifdjeS 
Seben barum bermag, loögeriffen bom ©anjen, ober 
bon feiner umgebenben, ihm befreunbeten berwanbten 
Sßelt, für ftch ju befiehn, ober ju leben. 3>ebcr, auch 
ber bollenbetfie OrganiömuS , exijlirt nur immer im Stap? 
port mit bem ©anjen unb in biefem hinwteberum ju? 


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11 


ndcfeft mit ber ©p^dre, ber er, als ©attungSglieb, 
angehört. ©o »crbinben fuf) organifcfe 3nbi»ibuen burch 
wahfoerroanbtfchaftliche Ur t ©toffe unb ©ejiefcungen ju 
gleiten ©igrtaturen unb S^arafteren, ©attun* 
gen unb gatnilien, bie ihrer @eit$ nach bem eben 
©efagten wieber nur all eingelne Streife Oberer organü 
fcher 33erbinbungen anjufeljen finb, alfo, baß ©in ©er 
fe{$ »on förderlicher unb geiftiger 3tatur*©hnv 
patbiefunb 2Bahl»erwanbtf<haft bur<fj baS gange 
llm'oerfum waltet, in welchem julejjt aller Steiche ©efefce, 
Ärdfte, ©egiefungen gufantmen — wunberbar gufantmen 
fließen *). 

©ie ©rfdjeinungen nun, mefc^e burch biefe organi* 
fd)e ©erbtnbung unb Sßechfelbegiebung ber le* 
benbtgcn unb leblofen Statur unter ft d> unb 
mit bem Unioerfum begninbet werben, fie, worauf 
bie weiffe SJtagie wo nicht auSfdjließlich, boeb »or* 
gugdweife gegrünbet ijl: — biefe ©rfdjeinungen begeich* 
net man in ber höheren Statur # 2Bijfenfchaft unter bem 
allgemeinen St amen »on «©tjmpathie», unb nament# 

*) Ucber Sompathie »on D. Sr. .jjufelanb. SQeimar, 1811. 
aller anberen dlteren unb neueren ©Triften über ben ©egcitjlanb 
ber Sürje »egen bi« nicht ju gebenfen. fpiotin’« Anfidjtcit 
»on Spmpathie in .{jinftebt ber 3Kagie, S£h«trgie unb ©lantif 
ijt £(>• I 6. 44 f. ber 3 . im Allgemeinen bereit« gebucht. 
Sie finb »orjüglich beachtung«n>erth. 3» ber angeführten Stelle 
fann man nod) vergleichen : Ennead. IV. L. IV- C. 40.: 

2Da« ift alle 3 «über ei (in gutem Sinn, ba« uoit fp lotin 
, gebrauchte 9Sort ifl yojjxeta) aitber«, alt bie ffienntnifi 
ber Spmpathieen, rcoburd) Alle« in einem natür; 
liehen 3ufammenhung fleht, unb ba« ©anje eine 
©tannichfaltigfeit »on Ärüften ifl, bie burch <E i n e 
Sraft ju einem geben »ereiniget «erben :c. jc. 
ferner Ennead. II. L. III. C. 7. Enn. III. L. II. C. 16. 
Enn. IV. L. III. C. 12. L. IV. C. 32. 39. U. f. n>. 


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12 


lieft in ber Sbemie, 2l(cftpmie, unb natürlichen SOlagie 
unter bern ÄunßauäbrucF non « Sßaftlnerwanbtfcftaf* 
ten» *). . . 

9Hit bem ©tubium ber ©pmpatftieen ber Förperlicfteit 
unb geißigen, leblofen unb leSenbigen Statur iß bad 
©tubium ber 2(ntipatft«en beiber äßelten »am ftbcftßen 
©tanbpunFt auö betrachtet, ©ins unb baffelbe. ©ie »er; 
roicFetten gdße, fagt ©oetfte aueft in biefer JBejieftung 
fo trejfenb, ßnb eigentlich bie intereßanteßen. Grß bet 
biefen (ernt man bie ©rabe ber 93ern>anbtfcftaften , bie 
ndfteren, ßdrFeren, entfernteren, geringeren ©egieftungen 
Fennen, roie bie QSermanbtfcftaften überhaupt erß reeftt 
intereßant »erben, wenn fte ©efteibungen bemirFen, 
fo baß eö fogar ein bejeieftnenber ©ftrentitel ber Gtftcmifer 
mar, baß man ße ©cftetbeFünßler nannte, 3n biefem 
gaftrenlaßen unb Srgreifen , in biefem glieften unb ©ieft; 
©ueften traut man folcften Sßefen eine ftdftere 23eßimmung, 
eine 2lrt »on freiem Sßollen unb Sßdftlen ju, unb 
ftdlt ba$ ^unßroort 2Baftl#93ern>anbtfcftaften »ollFom; 
men gerechtfertigt. ©tan muß bie tobtfefteinenben unb 
boeft jur JEftdtigFeit innerlich immer bereiten SSBefen mir# 
Fenb »or feinen Slugen feften, mit Sfteilnaftme feftauen, 
t»ie ße einanber fueften, ßcftanjteften, ergreifen, jerßö* 
ren, »erfcftlingen, aufjeftren, unb fobann auö ber innig; 
ßen 93erbinbung mieber in erneuter, neuer, uner# 
n>arieter©eßalt fternor treten: bann traut man iftnen 

*) 5öo »ir ba$ 20ort 2öabl#ern>anbtfehaft im Solgenben 
brauchen, nehmen n»ir’5 in feinem allgemeinllen , bie forderliche 
nnb geifiige Statur umfagenben ginn, tvie’4 burch ©oethe'i 
ÖSahloertvanbtfchaften beflimmt, unb im äugerlichen 
unb innerlichen 2eben ber beiben .£>auj>tcharaftere biefeO inhaltf* 
reichen «uefjo fo geigooll »eraufchoulicht i(l. 



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13 

erft ein ewige« Seben, ja wol gar ©inn unb 
SBerftanb ju, weil wir unfere (Sinne faum genügenb 
füllen, fle recf>t ju beobachten, unb unfere Vernunft faunt 
ßinldnglicß , fie retftt ju faßen *). 

StuSfüßrlicßer uftb im ©efonberen ßieoon $u ßanbeln, 
ifl in einem 2luffag, für ben unö nur fünf bi« fedjö 
93ogen »ergünnt ßnb, unmöglich. 33on ber (Feber auf' — 
Sibanon bi« jum gjfopß im £bal, ober bem Smmergrütt - — 
an ber 2Banb, »on ber ©onne unb ben Planeten bi« jum 
9J?agneti«mu« , bem Slmulet, bem ©eifter# unb 3auber* 
ring x. wdre ba ju fprecßen. ©enug hier alfo mit biefen 
wenigen 9tnbcutungen jur ©eftimmung be« ©egriff« ton 
ber weiffen SSJiagie! — £a« (Jinjelne unb ©efonbere 
wirb in ber 3auber; ©ibliotßef nach unb nach an Ort 
unb ©teUe feine örörterung ßnben. 

dagegen in ßiftorifcber .£)injubt müffen wir jur 
SSeranfdjaulidjung ber 3bee »on ber weißen ®tagie nod) 
eine« unb ba« anbere bemerfen. ©« bebarf ber ©emer* 
fung faum, baß e« fid> hier nicßt »on einer ©efcbidjte 
ober auch nur »ollftänbigen Uebcrftdjt ber ©adfje ßanbelt, 
wobei wir bi« in bie Urgefdjidjte ber afiatifdjen SBelt, 
ju ben perftfcben SDfagiern, inbtfdjen ©»jmnofopßiflen 
u. f. f. jurütf gefm müßten. Sßir geben nur ein ^aar, 
für bie nddjjien 3 ro ecfe gegenwärtiger Slbßanblung »or* 
jüglich intereßante 3w9* i u ißrer ©efdjidjte. Sfämlidj 
au« ber mittleren unb neueren SSJtogie chrifilicber 
3eitre<bnung. 


*) ©oetbe’« aöa&I#ern>anbtfcbaften StJ. I. Gap. 4. »etgl. mit 
bem aiuffai} 3enfcittf! in bet btitten äujlage bet £io> 
na, bie biefci-3aht n«b erfötinen wirb. 


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14 


VIII. 

Sßon ber »eifftit ÜJJagi«. 

3« ber ©efcf)id)te ber mittleren unb neueren ÜRagie, 
fett f e II u ö *), SUbertSKognuö **), 9t o g e r 
93aco***) u. f. ro.; bann — feit £ritt[>emiu$ ****), 


*) + um’« 3«t>r 1105. 3*» SUlgemeinen bem ganjen aberglauben 
fein« 3eit ergeben, bod) nicht ohne einjelne tiefe Slicfe in’« ©e< 
biet ber natürlichen tDlagie unb namentlich ber Satur/ 
©pmpath ieettsuitb JEGahloerwanbtfehaften, nie au« 
beffen Suchern De Musica unb hnuptfächlich De Lapid. 
Virtt. erhellt. Sergl. .pamberger’« juoerliSfiige Sachr. 
Ith- IV. @. 9. f. Fabric. B. G. Vol. V. . fo wie im folgen* 
beit gegenw. Stbhanblung. ©ein -pauptroerf ifl bie beFannte 
©chrift De Operatt. Daemonum, eb. »Ort ©aulminte., 
uberfept von jicin. (Ein 2lu«sug barau« mit SlnmerF. in b. 
Seitr. |. Sefütberung be« oernünftigen OenFen« 
in ber Religion -peft I. ©. 87. f. 

**) t 3- 1280. ©eine Schriften finb sufammen eb. »on 3a mp, 
XXI. Jol. S. Sür bie natürliche ?R a g i e i(l barunter 
bie wichtigfle De Secretis. Ob ihm ba« üfter« jugefchriebene, 
nicht minber für bie natürliche 9Xagie htforifch interejiante Such 
De Mirabilibus mundi rotrf lief) }ugeb«re, fann hier nicht 
unterfucht werben, ©ewijj ifP«, baß birjjSuch bereit« ira brei/ 
lehnten 3ahrhunbert #orh«nben war. Sergl. ©emler’« 
Einleitung in Saumgarten’« ©lauben«lehre. S. II. @. 50 f. 

***) f um’« 3 fl hr 1292. Saum garten’« 2eben«befchr. a. b. 
Sritt. Siograph. Sh- IV. ©. 616 f. Sou f. ©chriften ifl für 
bie natürlich* SRagie am intcrefjantcficn unb oerbient hier 
genannt ;u werben De Secret. Operatt. Art. et Nat. 
eb. oon 3*& b. Sergl. Fabric. T. I. p. 161. 

***♦) stufet biefe« fleißigen unb terbiendoollen Spanne« befannter 
©teganographie. (3- ®- Sh- II- ©. 439-) finb oon feinen 
iahlreichen ©chriften für bie natürliche 2Ragieam wichtig/ 
den beffen Philojophia naturalis; DeGeomantia etc., 
eb. oon greher u. ». Scrgl. SöniFe'« ©efch. ber Unioerf. 
SBurjb. Sh- I. ®. 33. Saniler’« unb SOleigner’tf Quar/ 
talfchr. f. ältere Siterat. unb neuere 2ectüre 1784. Sieeron 
Sh- XVIII. 0.283. Ullb Fabric. T. IV. p- 154. *eq. 


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15 


earbanuö*), ^omponajji **), Gdfalpiituä ***), 
(Jampanella ****), ©affardli ic. ic. ****♦), Robert 
$lub ******), 6aöp. «peucer ***•***), ©ee, 

2le<}tbiu$ ©utmann, ^einridb Ä(junrat£, gsafob 
•ftorft ********) u. f. n>. u. f, tp. **♦***♦♦*) — i n fc tr 


*) f 1576. Garban’« ©driften »erben im fogleicb gclgenben 
genannt werben , wie bie oon ©ampanella, ipompouani 
u. f. ». £re(fenbe allg. 55emerfungen über Sarban, qjonu 
ponajji, eampanella, jc. in ©taublin'd ®efcb. be« 
©fepticidmu« 55. II. ©. 44. f. Garban'g Straumbucb ifl 
fl« cf) in'* Äeutfcbe überfeijt. SSergl. über.ibn aujer ©tor* 
bof'O Polyhist. 55rucfer’d Hist. Phil. T. V. p. 62. T. VI. ' 
p. 886. Cicero n Üb- X. ©. 453. €r bat fein eigene^ £eben 
befebrieben de propr. vit. Lib. 

**) f 15a6. €r lehrte ju <J5abua unb 55ononien ■Pbilofopbie. ©ef* 
fen Jjauptmerf für bie natürliche ©lagie: Lib. de naturalium 
effectuum admirandorum causis , sive de Incantationibus, 
mehrmals eb. , wie beffen De Imortalitate animae. ( £e$tere 
ausg, »on biefer ©ebrift Tübingen 1791.) ©ergl. Fa- 
bric. B. L. T. VI. p. 4. unbScfbarbtS iprogr. von p. £e< 
ben unb ©cbr. ©ifenacb/ 1793. 

***) f 1603. 33on ibm bauptfücblicb 35ruc?er T. IV. P. II. p. aao. 
unb 55aple Slrtif. ©efalpinus. 

****) t 1639. abelung’S ©efeb. ber «Rarrb. Stb- IV. @. 81. f. 
©ebrücfb'd £ebenobefcb. 53. 1. ©.281. unb »orjüglicb C y p r i- 

ani vit. et philos. Campanelli. 

*****) 58on biefem in bem folg. S»bfcb. gegen». abb. s. II. a. »ergl. 

3. 55. St*. L abtb:. IV. 

******) 33cn befien Hist, utriusque Cosm. unb ben barin berrfebenben 
magifeben unb tbeurgifeben «principien »ar febon oerfcbiebentlicb 
in ber 3- 55. bie 9tebe , unb roirb unten abfeb. III. J. II. «Rum. 3. 
noch gebanbelt werben. £)as 55ucb iß wichtig für bie ©efebiebte 
ber natürlichen ©lagie. * 

******) gj on unl> frntn ©ebriften, bef. De Divinat. unten 
abfebnitt III. §. II. 

****♦**«) auch »on biefen unb ihren ©ebriften int Verfolg gegenwär< 
tiger abbanblung an bem oben bejeiebneten Orte. 

*********) jj n b fo weiter — benneine ©tenge ©cbriftjielleraui ber 
«periobe ber neueren ©lagie fünnten bi« noch genannt werben. £>«ji 


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I 


x 16 

©efdjidjte ber mittleren unb neueren 2flagte, bie man 
minber paßcnb auch bie rnenf<hltche(Magiamhunianam, 
im ©egenfafc ber bdmonifcfjen ! ) nannte, warb bie 3*ee 
ber muffen Sföagte fchr roeit aubgebcfmt. STOan b v 
trachtete — unb bie 2lnjid)t an j td) mar gemtß groß unb 
bie mürbigfte, man betrachtete bie fft'atur alb ein großes 
»erftegelteb fymholtfch * magifcheb ^ierogl^ph««' unb 
Sßunberbud?, unb baß eb bie Aufgabe ber meijfen ÜJ?a» 
gie fetj, bieß 33uch ju entfiegeln. ©chon spitniub hatte 
gefagt : Multa esse naturae miracula incompertae 

rationis et in naturae majestate penitus abdita, 
(H ist. N. XXX. C. 1 .) unb 3(uguflinub: Multarum 
rerum naturas nostrain superare scientiam et fallere 
etc. De Civitat. Dei L. XXI. C. 4- ©o mar bab 


2tgripp« unb <)>aracelfu« oben abfichtlid) nicht genannt ftnb, 
brauche td) faura tu bemerfen. £>cr ©runb ift , weit im fo; 
gleich golgeuben eigcnb« ton ©eiben gebanbelt roirb. 31uger 
ben tarnen ton gorbanu« ©runu«, 3uliu« €Üf«t, 
©anini, 5>aoib3orri«, ©obin, ©apt. iporta , <j)ig; 
na teilt »e. , beten Schriften noch im golgenben ootfommen 
»erben, mbgen hier torl4ufig nur noch €iniger Schriften au« 
biefer SPeriobe ftehn , »eiche tum Stheil »ettiger befannt , gleich; 
»ol aber für bie ®efchi<hte ber natürlichen SWagie, »ie fchott 
bie biogen SCitel teigen , ton torjüglicherem gnterege finb : 
gracaftoriu« De Sympathia et Antipathia ; ©iteloniu« 
De Secretis; 2eo 2emniu« De occuitis rerum Miraculis ; 
gernelliu« De abditis rerum Causis ; SBecferiu« De Secre- 
tis. ©al. #einr. ©0 gier Physica et Medicina sacra. gor; 
tuniu« £icetu« De Mundi et Hominis analogia. ©if. 
3 « n t ( l. Srachienu« Analogia Macrocosmi et Microcosmi , i. 
e. de relat. et proprietate Universi ad Hominem. Lutetiae 
1611. Steg. Oaineffu« De triplici Mundo , divino , ange- 
lico , et humano. Leodii, 1639 in Fol. 3uftui ©cfti 
De Magnetismo Macro-et Microcosmi. Erfurti, 1687. 4. 
(■©iefe Unteren brei Schriften finb in ihrer ärt oon oortugli; 
(hem gnterege.) Job. Schüße De Harmonia Macro-et Mi- 
crocosmi u. f. re. 


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17 


©treben ber Üttagie benn gleidjfam »on ber 9?atur fctbft 
aufgegeben unb in ber ©adje an fid> begrünbet, unb bie 
©pfydre berfelben »on unermeßlichem Umfang. 

©arunt fagt Gampanelfa: Quidquid sapientes 

faciunt irnitando naturam, aut ipsam adiuvando per 
artem, opus magicum dicimus etc., ac prius- 
quam ars vulgetur, semper Magia dicitur el6. 
Inventio pulveris bellici e. g. , Archibugiorum , Ty- 
pographiae, et Magnelis usus res magicae fue- 
runt, velNumine praeeunte inventae , nunc autem 
artes vulgares sunt , ubi notuere Vulgo etc. De 
Sensu rer. L. IV. C 6. p. 282. oergl. L. IV. C. 5 . 
p. 274 seq., reo er biefe Slnjtdjt tm®egenfag be$ roßen 
3<iuberglauben$ feiner 3^* weiter auö einanber fe£t. 

Sluf dßnliche 2 (rt btücft fich ^ig na teilt au$: Ratum 
firmumque est, esse quandam Magiam natura- 
lem, i. e. humanam, quam qui tenent, paucissimi 
autem bene tenent, possunt Mira facere, quae rüde 
vulgus putat opera et auxilio Daemonum fieri, tum 
quia opera illa sunt iilusitata, tum quod secreta qua- 
dam ralione et aliis occulta iiant. Consult. no- 
viss. LXII. p. 219. Quando igitur, fagt er beößalb 
an einem anberen Orte »otlfommen confcqucnt unb über 
fein 3eitalter ergaben, quando igitur dubium est, an 
effectus superet virtutem rei , quae adhibetur ad 
illam producendam , praesumi debet, talem effec- 
tum provenire a causa naturali etc. Con- 
sult. LIV. p. 181. 

(Jben fo bacßte ‘pomponayi ober 9)ompönattua. 
Oßne unfere fogenannten natürlichen (Srfldrungen 
auö ber eben perfloßenen tßeologifcßen ‘Periobe ju fennen, 
m. 2 


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18 


behauptet er tn ber oben angeführten Schrift an mehreren 
Orten, felbft bie hiblifcben 2ßunber mbdtfen ant Gnbe 
rcel auch nur SBunber ber natürlichen SDfagie geroe; 
fen fepn. JJiamentlid) behauptet er bief» »on ben SCBunbern 
ber dgpptifdjen #of$auberer, fo »nie ber ähnlichen 
SBunber SDiofe’d felbfl *). ©einen eigenen Sßorten nach 
rourben alle bicfe Sßunber # unb Sßunberjeichen blof »er? 
ruhtet: Temperamenti virtute purissima, E lernen- 
torum, et coelesti Influxa **). Quae enim, fügt 
er, naturalem vim sequuntur , semper et ubique 
opus suum per se sonsequuntur , ut Magnes 
e. g. semper ferrum trahit. Sn SS3at>r^ett für jene 


*) iöie ?B<b«nptuit8 fcmrnt in tiefer Dkriobe bei mehreren 6chrift; 
ftellern »or , unb warb nicht fei)t auffaHenb gefunben. £rft fpü« 
ter trat bie ftrengere ejcegetifche örthobopie ein. Unter Anberen 
behauptete auch @pinoja in f. Tractat. Theologico - Politico 
de libertate philosophandi Cap. VIII. baffelbe. djobbeS im 
Sesiathan befwirt ein SBunber nai» genug als ein SEQerF , 
worin Sott feine eigene ©efc^e , wornach er bie «Schöpfung ge; 
orbnet , überfcbreite , unb ;u dichte mache ! ! ! <Er fanb ben hef« 
tigftcu Sfßibcrfpruch , unb boch hatten hunbcrt unb fünftig 3«!)-' 
re früher Pompon aj|i unb Anbcre baffelbe fchon gefagt. 

**) Ütiemanb »«leugnet ganj fein Zeitalter; auch fPomponajji 
war bei feiner greibenferei oom Aberglauben feiner sjeit nichts 
weniger, als frei. 2BaS ec namentlich mit bem Influxa coe- 
lesti will, ficht man aus feinen eigenen <Sd)riften am heften. 
2luch folgcnbe «Stelle aus Agrippa (an« jüm Kommentar bie- 
nen: Deus, licet per Intelligentias et Coelos in 
haec inferiora operatur, nonnuuquam tarnen omissis bis me- 
diis , aut suspenso eoruin miuisterio , immediate ex se ipso illa 
( miracuia ) facit etc. €in@emifch oou greibenferei 
unb büntonifehem , ajirologifcbem , bioinatori» 
fchem Aberglauben war überhaupt bei mehreren 
©chtiftflellern in biefem Zeitalter bas eharafte; 
riftifche', namentlich bei beiten aus bet fogenantu 
' ten 3talicnifchen «Schule, was #on bem ©efchicht* 
fchreiber bes Jauberglaubcns in tiefer fßeribbe 
nicht übet ft hen wetten barf. 


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19 




ß 

3eit liberal genug, waö aber Bei einem ÜJlann nicht »er» 
rounbcnt fann, ber bie Celjre »on ber UnflerBlidjfeit 6ffent» 
lieb in Slnfprucb nahm. 3^3^^ erteilt barau«, in wie 
»eitern ©inne er bie 3bee unb ba$ ©treBen ber na« 
tätlichen SDiagie faßte, wo»on hier bie Siebe ift. Sßirf» 
lid) war biefe Slnfübt jur 3eit biefer ©enfer fo gewinn« 
li<f), baß Gampanella, ber nicht fo weit ging, a(6 
^Pomponajji, unb namentlich beffen Slnnabmen »ort 
ben 3ßunbern SDiofe’a u. f. »., alä burcb natürliche 
SfJiagie Bewirften, Bcftritt*), an bem oben angeführten 
Orte gerabeju fagt: ©ie n a t ü r li dj e ÜJiagie fep 
weiter nichts quam scientia ejusmodi proprietatum , 
quae non omnibus patent, quibus tarnen res 
naturales re vera gaudent, unb welche bie Kenner 
ber magifeben Sßiffenfcbaften (bie Siaturfenner) »ermögten 
ita dirigere atque determinare , coniungendo et se- 
paranda separando aliisque modis, ut admirandi 
prorsus atque stupendi efFectus inde sequantur. — 
©aß Garban, ^omponagjt u. f. w. bie richtige 
3bee ber weiffen SOlagie »erfolgten, fleht man felBft au£ 
ihren theurgifchen, bogmatifcb*fupranaturalifHfeben, unb 


*) Magiam supernäturalemCfo nannte man bie Sraft, SBum 
ber tu tt)un , 6a« gufünftige oorau« tu fagen tc. , unb fdjrteb 
foldje SRofe, ben Propheten , ja <£bnfh> felbft tu non esse 
naturalem, ut Plinio et Avicennae et Pomponatio videtur, 
palam est in eo, quod nemo valeat mortuos resuscitare, flumi» 
na in sauguinem convertere etc. , coelo et ventis imperare 
simplicibus tantum verbis. Creare enim, fd()rter barauf mit 
befonbew SXudficfjt auf bit SBunbcr im fogrnanntcu Steift b« 

©nabe fort / creare atque intrinsecus trauzmutare absque vio* 
lentia munus est proprium duntaxat primae potentiae , primae 
sapientiae, primi amoris , quo res cunctae coustant et roi in* 
trinsecus obediunt. De Sensu tetum iib. IV. C. 2. 
p. 2Ö8. seq. 


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20 


befonberd aflrologifdjen 93erirrungen babei, infofern 
wenigjtend bad Streben baraud Ijeroor geh t, bie alte »er» 
loren gegangene Jtunft wieder aufgufuchen unb auf’d 2Birf* 
lidje, auf 2 eben unb ©chicffal, übergutragen *). 
2tlfo baf ^pignatelli mit 9ted)t fagt: 53ei Slllem, wad 
übernatürlich gu fepn fcbeine, muffe man erft nadj 
bem fHatürlidjen barin fragen, unb bei ©ingen, 
welche nur burch eine übernatürliche (Jaufalität fdjie# 
nen gu ©tanbe gebracht werben gu fönnen , muffe man 
erjt nachforfchen , ob’d feine natürliche, nur und noch 
unbefannte, bagu gebe. Consult. LIV. p. 181. — 
Naturalem vero voce, fagt, biemit übereilt flimmenb, 
S3enebict ^)ereriud Adversus fallaces artes Lib. I. 
C. 1. deMagia p. 24., quo cognitione et applica- 
tione quarundam singularium virtutum , quae sunt 
in.rebus naturalibus, quaeque latent fere mortales, 
agentia et patientia suo loco et tempore, et sicut 
opus est invicem componendo et temperando, effec- 
tus quosdam inusitatos et admirandos, et quorum 
, ratio videtur incomprehensibilis , moliuntur etc. 


Sßie fte ftch bad, wad fte Magiam supranatura- 
lem (SBunber, SBeijfaguttg je.) nannten, wie überhaupt 
bie SEl;eurgie, ald innigere «participation am 
©afepn unb Sßirfen bdlfcrer SBefen, mitber Ma- 
gia naturalis in 93erbinbung badjten, fte^t man aud 
folgender, in mancher J^inflcht interepanten 2leuperung 

*) £)icfi roar recht eigentlich hei ben nftrelogifcben S&or&eiten, bem 
9tati»itat$ Stellen , unb felbfi ben eiiifeitigjlert chitemauufcf;cit, 
Pivinatorifchett je. je. 33erfuc&en bet Sali. 




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21 


l 

Gampanclfft’Ö: Magia naturalis in medio versa- 
tur, (ndmlich jwifchen Der übernatürlichen guten unb t>er 
bdmonifchen 1 ) ac qui ipsam probe execet, cum pietate 
et reverentia erga creatorem, raeretur saepe ad 
supranaturalem eligi et cum Superis parti- 
cipare : qui autem abutuntur, in maleficiis et vene- 
nis propinandis etc. , merentur a Daemone ludificari 
etadperditionem trahi*). DeSensu rerum L. IV. 
C. I. p. 26a. »ergl. mit C. II. pag. 266. wo er unter an# 
berem fagt : Loquor hic de Magia , quam homo ac- 
quirere potest etc. itaque assero^ fidem requirij 
(ndmlich ju ihrer 2tu6übung) et cordis puritatem non 
historicam , sed intrinsecam, quae cum Deo 
unanimes nos faciat etc. 

SBemerfenöwerth babci ijl’$, roie felbfl Sfödnner, 
roelche oorn bunfeljten ©dmonen#unb 
bcn ihrer 3«t eingenommen mären, atfo, baf? fieinal# 
fen püpjtfcfjen unb geijligen natürlichen SBirfungen bdmo# 
nifche Ginflüfe erblicften — mie felbfl biefe, menigftenö 
theoretifd) , hoch fo richtig über bie gute roeiffe SDtagie 
urteilen, unb ihre 3bee unb ihr ©treben mit ÄlarJjeit 
angeben. ^felluö, ber bei feinem tollen ©dmonenglauben 
fo h «de ©Hefe in’ö ©ebiet ber natürlichen ©tagte that, mag 
bie# alä ©eifpiel auä ber ©efchichte ber mittleren iperiobe 
beg djriflltchen 3<*uberglaubenö beroeifen. Haec facul- 
tas vel scientia ( bie natürliche ©tagie ) perscrutatur 
cujusque rei sub Luna genitae naturam, potentiam, 
qualitalem Elementorum inquam, eorumque partium, 

*) 33tan vergleiche hientit , ro«$ mir itt bent fogleich folgettbcit S. in 
biefer Jjinftebt hei ^aracelfufi mit» 21 g r i « hemerFeit 
werben. 


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22 


Animalium , omnium Plantamm , Seminum et Po- 
moram , item Lapidum et Herbarom et Summarum , 
quae inter se differunt et quae conveniunt etc. 3n 
ähnlichem ©inn unb ©eilt bcffen faft gleichzeitige ©eifteS* 
perwanbte Albert SOtagnuS, 33aco u. f. w., unb, 
wie wir eben gefehlt haben, in ber neueren SDtagieEErit* 
tenheim, Sarbanic. ©aß btefe liberalen 5t6pfe auf 
bem rechten S33ege waren unb bie 3bee, bie Aufgabe ber 
weiffen ÜRagie richtig gefaßt batten , wenn fie im ©injel# 
nen auch in ber Anwenbung fehlten unb bem Aberglauben 
JEbür unb Elb^r wo nidjt erbffneten, bod) offen ließen — 
bieß gebt auS bem biöber ©efagten pon felbft b«t»or* 


JX- 

58 o n ber weiffen 58t a g i e. 

Anbere, unb barunter mehr ober weniger felbft $a* 
racelfuS*unb Agrippa, brauten bie 3>bee ber weiffen 
SEWagte weniger mit ber Statur unb bem ©tubiurn ihrer 
»erborgenen Ärdfte, als mit bem ©lauben unb bejfen 
SBunberfraft in SSerbinbung, worin SOtanche fo weit 
gingen , baß ihnen baS , waS fie für weiffe SfJtagie b»el* 
ten, gteichfam ihnen felbft unbewußt, unpermerft jur pu* 
ren SEheurgie unb EEheofophie warb, unb fie felbft 
auS miffenfchaftlichen Staturfennern — geiftliche 
Abepten. 

Sßir wollen in biefem Paragraph jundchft bei fpara* 
celfuS unb A gr ippa ftehn bleiben. 

©ie Kenner ber ©cfjriften pon grfterem wiffen. 


'S 


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23 


baff er nicht immer einerlei Meinung fiat *). <5r fpricht 
ftf» oft »on ben natürlichen SBunberfrdften ber ©inge, 
unb tote ber SDlagier folche erfennen , anregen unb benugen 
muffe, unb er fpridjt nicht bloß alö theoretifcher Statur* 
fenner, fonbern jugleich alo praf t i f d> e r 2lrjt baoon**). 
3m ©anjen aber »fl feine natürliche ober »eiffe DJlagie 
boch nur mehr eine theurgifche. ©a feine 3been, »ier 
»ohl im 2lllgemeinen phantafHfch/ mit unter fühn, tref* 
fenb, originell unb »eiteren 9iachbenfen$ »ürbig finb, 
er auch ju ben berühmteren ber neueren SWagier gehört; 
fo »itl ich hw feine Jpauptgebanfcn oon ber natür* 
l i ch e n ÜW a g i e anführen, ©ie ftnb auö mehreren Orten 
feiner jahlreichen ©chriften jufammen gefegt, roobei jeboch 
Opp. T. I. p. 493 . seq. (©aöler Sluög.) ^auptfdc^fie^ 
berücffichtiget ift* 

«©er ©lenfch befleht auö einer thierifchen irbifchen 
©eele unb einem göttlichen ©eifl, einem fiberifchen fubti* 
len Seih ***) unb einem jtchtbaren plumpen .Körper. Slbant 
unb ©oa »aren »or bem gall auch »on Körper »eit fchö* 
ner unb »ollfommener , alö jegt. ©ie fcheinen jtch an ber 

*) SDtan eergleicf)« nur, um (ich hieoon su überjeugen, in f>infid>t 
auf feine Behauptungen »on ber natürlichen SKagie De 
Fhilosophia occulta L. I. Opp. p. 493. unb p. 540. seq. 
35 ott fflgt er, bic natürliche tftagie begeht ohne Zeremonien 
uttb ©eiltet /Befchroürungen, f!e fe» subtilis ars , nulliscaere- 
jnoniis aut coniurationibus contaminata etc. Jp ict ift bei ihm 
»ott bem gcrabe entgegen ©efctjten bie Siebe, unb fo, ba§ er in 
ben gangen Aberglauben ber bümonifchen unb theurgifchen 5Ka-- 
gie mehr ober weniger mit einjtimmt. 

**) €r war, wie ich hiebet gelegentlich bemerfe, in (einer üritlidjen 
gratis ein befonberer greunb 00 m ©ebrauch bei bjonigg. 
JOief fann matt fchon aus Äurt @pt enger« ©efchichte ber 
»rirttijäunfi fehen, ber bieg ausführlicher bemerft. 

***) Sieg ifi ber HJIatonifche ©elen.-Sürper, toooott im »orher gehen-' 
ben St heil Ab tt). IV. 6. 225. f. bie Siebe war. 


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24 


©djlange »erfehen unb baburdj bieffJiißgeßalt oon Äörper, 
bie bem üttenfchen gegenwärtig eigen iß *) , erhalten 5« 
haben. ©ieß ginggerabe fo ju, wie bei ben (schwangeren, 
bie ßch oerfeben unb eine mißgeßaltete grucht gebären , fo 
baß f>ierm gar nichts IBefonbereö ift , inbem folc^eö in 
Äraft unbSBirfung ber Imagination gefcbebe. » 

$ier fontmeit wir nun auf ben widjtigßen 
*Punct in ‘Paracelfuö magifcbcm ©pßent , roor# 
au$ felbß ba$, waö er »om ©lauben unb feiner 
Äraft behauptet, £id}t erhält unb erflärt wer# 
ben m u ß. fftäntlich — 

«©ie jtraß ber Imagination , in ber ßch affe an# 
bere Kräfte beö ©eißed wie in ihrem ©rcnnpunct eoncen# 
triren, überhaupt unb an fidb ift fo groß, baß 
ihre ffötrfungen nicht beftimmt werben fönnen. 
3öir fehen unaufhörlich , baß unglaublich fcheinenbe , 
©inge in Sfftenge noch immer burch ße »errietet werben, 
33or bem gaff fanb bieß injwifdjen noch oiel mehr ßatt j 
ba war fomohl bie Äraft, als ber <$ tnf i uf ber 3ma# 
gination noch weit größer, 2(bam beherrfchte bloß 
burch ße ben Sßiffen ber 3^f>iere , ja bie ganje 0?atur.- 
©ie erßen ÖWenfchen waren eben fo fdhig , burch bie ©in# 
flüße ihrer Imagination felbß perdnbert ju werben. 


©onberbar , bnfi biefer bijarre ©ebanfe , fr ob« anbertf geroen* 
bet , bei mehreren tbeofopbifebett ßcbriftftellcrn alter unb neuer 
3eit »orfommt. Sr urig non finbet ebenfalls ben jebigen meufeb# 
lieben fiorper febr ungeftaltet, unb bie 6 cb langt mochte nach 
ilje urfpninglicb leiebt feboner gewefen fepn , all ei )c?t ber 
COtenfcb ift- SBenigftenä batte fit auch -ßänbt unb 
Suite, bit ihr nun in bie -£>aut eittgeroicEelt fiub, 
reit einem Sü3ic(elfinb!i! — 3<ir 3eit berSSieberber# 
fttllung aller Singe aber reirb fiereieberibre men# 
feb eit -Unliebe ©eftalt betemmenll,' 


/ 


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I 


2 $ , 

wie ber Smbrpo noch gegenwdrtig burd) btcöinwirfungen 
ber fPbnntaße ber ßjfuttcr fann oerwanbelt werben , ald 
baburch dhnlicherwcife auch^auf anberc SBefen einju# 
wirfen. » 

«©iefeÄraftber^maginßtionwarmagifdjer 
ßfatur, unb i fl alfo ju nennen.» 

« Obgleich nun bie Smagination burd) ben ’^ re 
tnagifcße, baä beißt, bie ßiatur ber ©inge burch# 
bringenbe unb fold?e beljerrfchenbe Äraft größten# 
tfydlö »erloren hat; fo iß fie, gehörig in ber na# 
türlid)en 9D?agie gebraucht, bod) hod) immer ge# 
fdiirft, große unb wunberbare ©inge $u tl;un. 
©ie -fjauptfadje babei ißt, baß ße auf einen «punct muß 
concentrirt werben. 3e lebhafter biefelbe iß, bcßo mdcbtt# 
ger iß unb wirft ße auf magifdje SBet'fe. ©er ©afiliöf ' 
jum ©eifpiel töbiet bloß burd) bie heftig« boöhafte SBegierbc 
ju töbten , bie er in feinen ©lief legt , unb bie allein burd) 
bie Operation feiner ©orßeßungö#unb Sinbilbungrfraft 
wirft*), ©urd) bie Imagination wirb eine ^)eß in ei# 
nem Sanbe heroor gebradjt, aud) ohne Slnßecfung unb wo 
feine war, wenn man ßd) oor ber ‘Peß fo fehr fürchtet, baß 
burd) bie Imagination alle anbere ©orßeßungen »erfeblun# 
gen werben, fo baß einem nur bie Sine ©orßeßung bleibt, 
bie *peß werbe gan$ gewiß unb unfehlbar fom# 
men. ©o entßehn burch ße unaufhörlid) aßerhanbÄranf# 
heiten, welche bloß in ihr ihren ©runb haben, unb ba# 
her auch nur burch fie geheilt werben fönnen, 
wenn ndmlid) Imagination befdmpft wirb. » 


*) ©an tftiimlidje fommt auch fch»« in» -pejeen# Jammer «er. 
^dmonemagie Sh- II- ß. 268. f. 


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26 


) ■ 

« ©aber ijl bieSmagination mit bent «©tau# 
bennmagifcbunbfoinnigoerbunben/baßinihr 
»or jugömeifc bie Sttlmc^ht beffc Iben beftehtunb 
burch f te mirfet. » 

Jpicr gebt nun auf einmal ba 6 ^paracelfifche @ 9 # 
ftem, »on ber naeiffen ÜJlagte in tßeurgifche ©chmdr# 
meret über, ©ie fotgenben Steußerungen paracet # 1 
fuö’ö/ bie an mehreren Orten unb in mannigfachen 33 e# 
jiebungen in feinen ©Triften oorfommen, roerben baS 
oben hierüber bereite »on uns tüngebeutete jugleidh erldu# 
tern , unb beftdtigen. 

«©urdj ben ©tauben »ermag ber SSftenfcb, in 95 er# 
binbung mit ber Imagination, ba$ Unglaub# 
liehe. ©urch ihn »ermögen mir 93erjtorbene ju citiren, 
unö ©eifler ju unterroerfen, ja bie Ärdfte ober 3 n# 
ftucn jen ber ©eftirne heeab $11 jiehn unb ju be# 
herrfchen, menn unfere Imagination lebhaft unb unfet 
©taube an ihren ©influß auöbauernb , b. h* oh«« Unter# 
brechung unb ohne 3 weifel mirfenb ift. Sluch muß ba$ 
©ebet mit bent ©tauben »erbunben feijn. ©er magi# 
f d> e ober göttliche ©eift in und hat eben fomoht fei# 
nen Sßirfungöfreiö , alö bie trbifd&e ober thierifche 
©cete, bie ben ßeib bemegt , unb biefer SßirfungöfreiS 
erftreeft fich fo meit, als unfere ©ebanfen, unfere 
Smagination, unfer@taube, unb unfer ©ebet.» 

«©ie Sßiffenfcbaft, burch #itfe ber 3 magi# 
nation große außerorbentlidje ©inge ju mir# 
fen, i fl barum bie alleinige mahre SDlagie, b. h. 
biejenige, melche in unb bur <6 ben ©tauben 
befteht unb mirffamift, » — 



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27 


«®ie ddjte (Dtagie §eigtaud&, wie mir unmittelbar 
ju Sßerfegehn, unb bie5Jlacbt unfereä ©laubeng in be# 
ftimmtengdllen gebrauchen fdnnen. ©g gibt ndmlidj 
natürliche SDlittel unb$ilfen, unfere 3maginaüon 
ju erhöhe, unbunferen©laubenan ihre ©emalt 
ju fl dr fett, um ibn in feiner Sirffamfeit lebenbtger, 
anfchaulicher , gegenmdrtiger ju haben. ©o fönnen 
mir §. ©., inbem n>ir unfere Imagination auf ©inen 
*Punct ftriren , bieÄrdfte ber ©lerne in magtfche ©pie# 
gel einfchließen , bie toir unter beflimmten ^nfluenjen 
berfelben »erfertigen *). ©emijfe ©haraftere, alg jum 
©eifpiel ber ©barafter beö £egrammatong , auch ge# 
miffe magifcbe ©Über haben eine große jtraft, menn 
©laube unb ©ebet bamit »erbunben ftnb. Unter ben 
gehörigen ©onftellationen jubereitet, fönnen mir felbfl 
»on beflimmten 9Jlenfchen fleine magifche ©Über »er# 
fertigen, unb burch Jpüfe ber Imagination bereit 
©etfl in bag 9Wetal, ober moraug fie fonft ge#, 
macht finb> hinein jielm**). ©iefe ©über müffen mir 
falben unb arjnen, (um ung fcineö eigenen Sßortg ju 
bebtenen) gleichfam in drjtliche ©ur unb 'pflege nehmen , 
menn mir bem 9D?enfchen , ben fte »orfleßen , in Äranf# 
heilen magifch bamit helfen mollen, gerabe alg ob mir ihn 
felbfl »or ung hdtten. 2Bir fönnen, menn mir ein foldjeg 

*) damaliger allgemeiner geitaberglaube ! 5) <S m o n om a g i e~ 
Stt>. I. 115. 119. u. f. ro. 

**) SEßiebcr ganj nach bem allgemeinen gauberaberglauben jener geit ! 
Sämonomagie £&. I. 0. 114. f. 9lur burd> bie ?ara* 
ce Ififc&e 2el>re »on ber Äraft ber Imagination unb be« ®lau< 
ben« ein SiOdjen fublimirt!— 0o oeränbern fic& oft — nicht 
bie Singe, fonbern nur i&n Slamen unb ©cjlaltcn ! .' .' 


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u.S 


\ 


23tlb eine ©tretfe 2Begd weit gehen madjen, ed baburd) 
fogar bahin bringen , baß ber SDtenfd) , ben ed reprefen* 
tirt, eine gewiffe ©trecfe, bie in unferer Imagination 
»on und baburd? »orgeftellt wirb, in ber nämlichen 
3 ei t wirflicf) tinb in ^erfon jurücf legt. (Ohe!!! 
Ohe! ! !) 28enn wir unfer eigened 33ilb auf obige SSBeifc 
»on Gifen , " ©tabf ober SDtetall machen , nämlich unter 
ben regten ©cjtirn*3nfluen$cn, unb baß burch unfere 
Imagination gleichfam unfer anbered ©elbft in bad Gifen 
hinein gejogen wirb, fo werben wir baburch unser* 
wunbbar, wenn wir feften ©lauben baran haben. (!!!) 
©och muffen wir bad ©ebet babei nie »ergeßen, bad ein 
$ilfdmittel ift, unfere Imagination anjufeuern unb und 
in unferem ©lauben ju befefHgen. Durch ©ebet, 3>ma* 
gination unb ©laube fännen wir bann SOtagier 
ober SBunberthdter werben, wie bie spropheten 
unb Slpoftel, ja ber Jperr felbft» *). 

«Unb biefe Sßtagie ift erlaubt unb gut , wenn fle bie 
einige wahre ift. ^eboch ift fte leichttich auch großem 
SOtißbraud) unterworfen unb bann ju »erbammen. Die 
58efd)w6rungen jtnb in ber guten SOtagie »erboten, 
eben fo alle aberglaubifchen unb gottlofen Gere* 
monieen**), bie an ftch unfräftig ftnb , unb benen ber 


- *) £<Sge ei nidjt in ber rein ttiffenfdjaftlidmt ftieöfichett SSejiim* 

mung ber 3 . 35., fich aller tgeitenblicfe, felbji jeber gefchicbt* 
liehen iparaMe, bie }u 'Polemif fuhren tonnte, ju entiufern ; 
fo liege freh über biefe iparacelftfcbeit Schwärmereien in SSerbin* 
buug mit ben öffentlichen SSBunbercuren , bie ein ubergläubiger 
fPrinj in bem Slugenblicf, ba ich bieg fdjriebe, im fOaterlanb 
«errichtet, b. &. «errichten ju tonnen ftch au* Ueberglauben über* 
rebet, SOtancheO fagen. 

*”) So brüctt er fich tvenigflenä beflimmt in bet Philosoph« occuita 


■'i - 

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29 


Teufel «Uererfi Die $raft gehen muß unb gibt, bie fie 
»on jtd) felbfl nicht ^>abcn. Denn biefer unterläßt nicht, f 
Unö, wie unb wo er immer fann, jur »erbotenen 3«u # ^ 
ber;Äunft, b. i. entweber ju einem boshaften ©e* 
brauch unferer Imagination, ober gar ju einem 
förmlichen ©ünbniß *) mit ihm gu »crleiten, beffen 
Stbßcht hei feinem ^odjmutb ift, nichts burch unfere 
SEKacht, wie in ber guten EUtagie, fonbern burd) feine 
9)tad)t große, unb gwar nicht gute, fonbern böfe Dinge 
ju »ollbringen , um baburch be$ ewigen $eü$ »erlu* 
ftig gu gehn, wie man aub ber J^ereret, alb 2ßir* 
fung teufelifcher Sßänbniffe, unb fo »iclcn Jperen* 
proceffen unb Söeifpielen hingeridjteter 3auberer unb^jeren 
ergebt U. f. W. » De occulta Philosophia; Lib. 
Azoth**); Lib. de Virtute imagi nativa; Lib. 
de Imaginibus etc. 

©o »ielin biefer ^>inficht fner »on ^aracelfuö! 


Opp. T. I. au«. De illa ( bet toeilfert 9D?agie) etiam nec cere- 
rooniae, nec consecrationes , nec benedictiones, nec maledictio- 
nes adhibentur. ßie »evrieftte im ©egentheil , fd^rt er fort, 
ihreSOBunber sola fide, tpooon <£(>ri(iu4 fage, bafi er 35erge oer, 
fehen unb ficb bie ©eifter utiterioürfig machen fünne, »elc he« ro o r h 
lieb su oerficben feg u. f. to. Slitbere Orte ffebn biemit im Sßiber* 
fpruch, wie mir bereit« gefagt haben, unb auch au« obigem Au«jug 
erhellt. 

*) €« oerbient bemerft ju werben , bafi (ich iparacet; 

fu«'« Anfichten oon ber Sauber > Hexerei , Hexen, 
Hexenprocefien unb -j>eren<3nquifitoren jc. im AU, 
gemeinen in Sticht« über fein Seitalter erheben. @o tief faf 
biefer Aberglaube in her Seit ! 

**) ^Dief gilt für ein« feiner Hauptbücher. aSirflidj i(i'« ihn» in bem 
gtofen gamiliengcmählbe, ba« ihn uorfieUt, unb toooon 
H«uber eine Abbilbung unb ®efchreibung gibt, auch in bie 
rechte Hw» gegeben. 


t ■ i 


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30 


X. 

SSott ber »eiffen Sftagie. 

> ' 

2lud> bet paracet fuö 3« f ' unb ©eifteö»e«»anbfen, 
Slgrtppa »on 9?etteröbetm *) treffen nur unter einer 
SOtcnge inhaltsleerer phantajlifcber ^Behauptungen, auf 
einjelne tiefe tßücfe über bie 3bee unb baö SBefen ber 
roeiffen SÖlagte **). ©ie fließen mit feinen *principien 
ober ©chroürmereien »on ber mundus elementaris, 
intellectualis, unb coelestis unb anberen feiner 
Sieblingeannahmen fo in Eind jufammen, baß fid) nidjt 
toobl ohne roeitlduftige Erörterungen , mie jte in biefent 
2iuffa£ nicht ftatt ßaben fönnen, eine genügenbe lieber« 
ficht ba»on geben läßt, ©aju fommt, baß Slgrippa 
noch mehr beinab’ «1$ ^Paracelfud in feinen ^Behauptungen 
»oller Sßibcrfprüdje ifi, t»t'e er benn fetbfl bad ÜJleifie 
»on bem, t»ad er in feinen früheren ©djriften namentlich 
über SSftagie »orgetragen hat/ in ber ©chrift De Va- , 
nitate Scientiarum toieber jürücf nimmt, oberbe« 
bauert, gefdjriehen $u haben. ©ad SSorjügtidjfie über 
meiffe 9D?agie fomrnt bei ihm in ber P h i 1 o s o p h i a 
occulta, hauptfächlich Lib. II. »or, mo er »on ben 
9latur «Signaturen ber ©inge , beren ^rincipien, ge« 
beimen 23ebeutungen ic. hobelt. 


*) Adami vita Medicor. p. l(j. seq. Sein »pllfllnbiget Stflme 
t>ei^t: Jjeinricb eornelias Slgrippa »on 

Retters tjeim. 3fi'ä mögltcb, fo folt nodj in biefen brit; 
\ teil Steil eine Gebens befebreibung oon ibm s« (leb« 

fontmen. 

**) 0o urtbeilt bi« fdb|l ein «Wann, bem als geiftreicben biflorifdiet» 
35cfireiter bcS Aberglaubens, rcobl tßicmanb eine befonbere 5ßor* 
liebe für Agrippa sutrauen wirb — «Keiner S MertSbeföm* 
butig berühmter SSKÄnner 35. 1. 0. ai3. f. 




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31 

Sr Begreift unter ber erfauBten (»eiffen) SWagie ' 
bte Philosophiam occultam , »ie er ftd; auebrütft , (in 
engerem ©inn , fo viel Bei »Bm «Id Pnevmatologia oc 7 
culta) unb t{»eilt folcBe mit SBejieBung auf fein ©Aftern von 
ber mundus elementaris , intellectualis unb coelestis 
tn naturalem, caeremonialem unb coelestem, 
ober in ÜftatBematif unb S^^eolo^ie ein. 

('Pliniud gebenft fd)on einer Glafjification Hist. nat. 
XXX. i., jufolge beren bie SSÄagie bie brei Bauptfdcf)* 
lidjflen SßtffenfcBaften beö jnenfcBlidjen ©eifteö , — tres 
imperiosissimas htfmanae mentis artes — nümluf) 
ben ©öfter bienfl , bie SKebicin unb bie ©iatBe* 
ntatif in jicB faßt.) SBeologie unb Ültagie fleBit 
nacf> Stgrippa mitBin fo jiemlicB unter einer unb berfelbm 
Kategorie. 9iid)t — »eil in SBeiben Bet iBm bie ©änto* 
nologie unb 2lngelologie, wie man in ber 3«* nidjt 
anbcrd erwartet, eine große Solle fpielcn; nid)t — »eil 
er in 33eibcn mancBerlet a'ftrologifcBe Xrdumereiett 
einmifcBt *) : fonbern »eil er $ur Sl^eologte SSeBrereä 
redpiet, »ad redjt eigentBümlicB jur natürlidjen 2Jta* 
gte, ald tieferer Saturfenntniß geBört, j. ©. bie tfennt* 
nif ber Satur t ©ignaturen ber £)inge u. bgl. — 

Sr beftnirt bie £Beologie alfo: Theologia, quid 4 
Deus, docet, quid mens, quid intelligentia , quid 
angelus, quid denique daemon, quid anima, quid 
religio, quae sacra instituta, ritus, observationes, 

l 

sacra mysteria; instruit quoque de fide, de miracu- 
lis, de — • virtute Verborum et Figurarum, 

*) SWan »ergleiche |. 55. nur ba$ XXte unb XXIte Sa j> i 1 e 1 be$ b r i u 
teil 55ucf>e ber Philosophia occulta, um ftct) hievon ju unter» 
richten. 


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32 


de arcanis operationibus et mysteriis Sig- 
naculorum etc. 

3d) f>abe nid)t nöthig ju bemerfen, baß baö ^ier 
burd) gefperrte ©chrift ^luögejeic^nete rec^t eigentümlich 
unter tue Kategorie von natürlicher SSJiagie gebort. 
3njwifd)en fann eö, wie »on Agrippa gefchteht, alter# 
bingä auch mit tbeologifcben 3&e«n in Sßerbinbung gefegt 
werben, unb fo wollen wir bie sprincipien beffelben auf 
fidb beruhen laßen, unb führen bieß bloß b^Prifcb an. 
SDicbtiger ifl ba$ ^olgenbe. 

Sßad ^paracelfuö in ber guten Sßfagie junddjfl auf 
bie 3magination jurücf leitet, baö Agrippa mehr 
auf bie geheimen Ärdfte bcö 2öort3, bie, wie er injwi# 
fchen felbft babei bemerft, freilich auch nid>t ohne 3*nd# 
gination wirffam ftnb , fo wie auf bie Äenntniß ber 
9tatur#©ignaturen#9!Rp(terien, worin (Ich nach 
ihm ber innerliche 3iatur # unb inbioibuelle Dafepnägeift 
ber Dinge (Ichtbar lieh , unb baö SDfagtfdje ober ©chüp# 
f e r i f«h e barin gleichfam «erförpert unb im ©ichtbaren 
bargeftellt , auö&rütft. 2ßie weiter bie Äraft be$ SBortS 
-trieb , wie f>od) er folche anfdjlug — fleht man unter An# 
berem auö golgenbem. Die baroarifchflen SBorte, 
wie jle bei Anrufungen unb S3efdjwürungen oorfontmen, 
inepnt er, fünnten wol;l bei ihrem magifeben ©e# 
braud) (in opere magico) bie allergrößte .Kraft 4 haben, 
nur müffe man babei feft glauben, baß ihnen etwaö 
©ottlidjeä in wohne. Die ©teile ifl fo charafteri# 

flifd), baß fie »erbient, angeführt ju werben. ©ö ifl 
»on ben ©eflirnen bie Siebe, unb baß fie in ber ®?a gie 
ober Sheurgie müßten angerufen werben, nicht an (Ich 
unb alö tobte SDlaffen, fonbern — per nomina Intelli- 


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gentiarum, (ber flc feefecfenbett unb ihnen tntoohtybtben 
3ntelltgenjen ober 21 jtralgeifter , oergl. m. 2lb* 
hanbl. über bie 2lfi , ralgetßer in ber allg. b. ©ncpcl.) 
ipsis stellis praesidentium. Atque haec Nomina, 
fährt er barauffort, ita secundum proportiona- 
tos numeros sidereo calculo distributa, jugatis 
alternatisque literis compacta, sono licet et sig- 
nificatione ignota, ex secretis Theurgiae prin- 
cipiis necesse est confitem, plus posse in opere ma- 
gico , quam nomina significativa, dumatto- 
nitus in illorum Aenigmata animus, totaque mentis 
acie intentus , Divinum aliquod subesse firmiter 
credens , Verba et Nomina haec, licet non intel- 
lecta, reverenter sonant in gloriam numinis, cum 
spirituali pietatis affectu captivans se in 
illius obsequium. De occulta philos, L. IV. 
Opp. T. I. pag. 4^7^ seq. 

©eine Behauptungen oon ber natürlichen Äraft ber 
ntagifchen ober tbeurgifchen Formeln ungeachtet, h<U « 
habet mtt)t minber ald «paracelfud große Begriffe 00 nt 
©lauben unb beffen SEßtrfungen tn ber SBtagie, 
tote gefchichtlich beinerft toerben muß, unb außer hunbert 
anberen auch aud ber eben angeführten ©teile erhellt, 
©aß er babei oon ber Äabbala ein großer greunb-toar , 
unb baoon für fein tnagifched ©pffem allerhanb ©ebrauch 
machte, mag auch noch h‘* r Unb bieß fep oon ihnt 

benn an biefem Ort genug! - — ©ad (Jtnjige nur bemer* 
fen mir jur ©efchichte ber neueren meiffen üftagie noch > 
baß unter ben fpdteren ÜJlagiern ober S£h eo f°Ph en hefon* 
berd Stöbert glubb Bteled mit Slgrtppa gemein fwl* 
<St benugt äfterd nur 21$ r ippa’d 3been, bie er meiter 
111. 3 



34 


fludfü&rt , (wt »or bemfelben aber ben ©orgug , baf? bei 
ihm SlHedmeljr gu einem gufammen georbneten ©angeit 
geftaltet, unb einen bieten golianten binburcb in feiner 
Slrt fpflematifch »erarbeitet ift. 

©ei ©eiben, bei fparacelfud unb SJlgrippa, be# 
bauptet bie gute Üttagie , roie »iel ©chrodrmerifcheö 3eber 
aud) nach feinen ©infdllen hinein bringt, im ©angen 
t>od) noch immer ihren ddjten Sharafter, ndmlidj alö 
höhered Statur; ©tubium unb Statur# Äenntnifj. 

3m fiebengebnten 3nh*h u nbert ging biefer tiefere 
©eift beinahe gdnglidj oerloren , unb fie artete faft burdjaud 
entmeberin rohen 3auberglauben, ober in inhaltdlee# 
re theofophifdj* theurgifdje ©chrodrmereien aud. 


XI. 

SS o n ber toeiffen SWagie. 

©iefj Sejjtere ijl namentlich in ben theofophifdjen 
©pftemen ^porbage’nd, ©romlei’ö, Seabe’ä, 
©ourignon’d, ^oiret’d u. f.n>. ber gaß, ber beut# 
fd)en theurgifchen, theofophifdjen, mpftifdjen ©djriftftel# 
ler biefed 3eitraumö oon 3nf»b ©öhnt unb Heinrich 
Ähunrath biö gu SOtichael SSJieier, ©alth. SBalther, 
9)aul ©calich, SEBeigel, ©perber, Stolliuö «. ic. 
nicht gu gebenden. 

3»»ar fpielt bie SDtagie , bie gute, bie göttliche, ober 
wie jid) biefe ©chriftfießer lieber , unb »on ihrem ©tanb# 
punct in 2ßahrl;eit auch ridjtiger auöbrücfen, bie ma# 
gifche Äraft, bie magifdje Snflueng , in ihren ©9# 
ficmen eine grofe Stolle, unb wirb »on ^orbage. 


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35 


Seabe, ©ourignon cilö ba$ £ödjite unb ©ottlidjfte 
gefchilbert,, fo feem ©egnabigten ju £feeil werben fatttn 
3 tu erflep JEfeeit ber 3» ®* ©♦ 324. f. liefet fdjon ©er# / 
fcf>iebctted mit 2£nfi't^rung einiger (Stetten auö sporbage 
unb Seabe hierüber benierft, fo bieß Sltleö erldutem 

fann * - i ' ! 

Slber — eö tft ^icr nicht »on SJiagie ald (Jrforfdjung, 

alöÄenntniß ber Statur bie Siebe, atfo nid)t oonbem, 
roaä ber 9)tenf<h burd; Slnjirengung unb freie ©ei# 
fledf raft erftreben form unb folf, fonbejrti alö mm einem 
ibernatärlidjen ©nabengefefeenf, bg$ bem ®(au# 
‘feigen gerabe nach bem SDtaaß feiner ^Pafjtoitdt mitgetfeeilt 
wirb, ofene ©erbienft unb ©treben, burefe unmittelbaren 
Sluöfluß auö bem ewigen Sicht. 

2Bie ^aracelfu’ö ben Gentralpunft ber guten ÜJfagie 
tn; bie Imagination fegt, fo wirb oon biefen £feeo# 
fonfeen oorjugäweife Sttteö auf bie Äraft beä SB o r tö , 
fceä gefproefeenen , fo wie ber bamit oerfnüpften inner# 
tiefeen Intuition unb 3ntenfion jurücf gefiifert, info# 
fern nach einer an ftd) folgereichen ©efeauptung ^3orba# 
ge’ä, in ber magifchen dtraft 2öort unb ©ache, ©tre# 
feen, unb SEfeat, Intention unb Grfolg ©inä finb , 
alfo, baß wer in ßberjtnnlichen, ober magifchen ©ingen 
bed rechten 2Bort$ ftch bemdchtigt, auch bamit bie ©aefee 
feat unb iferer mddjtig ijl. 

£ieju gefedrt ber ©taube, burch ben ba$ SBort 
a lt e r er ffe feine magifche Äraft erfedlt. £iebei 
gefen ‘Porbage, fßoiret, Seabe, gerabe wie <para# 
cetfud bi$ — in’$ ^arabied junief, unb laßen Slfeam 
burdj SBort unb Siebe in Äraft be$ ©taubenö biefelben 
Sßunbertfeun, bie ifen , tpie wir oben gefefeen feafeen. 


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36 

Paracelfuö bar in burd) bie 3ntagination t^utt Idßt. 
3n gofge befTen pnben wir bie alten, an pch ehrwürbi# 
gen, unb fcfjon »on fo vielen Äirchenodtern auäge# 
fproebenen $been non ber wunberthdtigen Äraft bed 
©laubenö, hier in theurgifdjer 23ejiebung gewenbet unb 
angewenbet , bei biefer thcofopbifchen ©djule benn bid 
auf’ä |)6d)fie geßeigert. 

3d) werbe fdjon in bie fern Steile (2lbth. V.) bad 
JEb* !♦ gegebene SBerfprecfyen junt JEbeil ju erfüllen 
trachten, unb »orerß oon ©ourignon’d tbeofopbtfcb# 
tnagifebem ©pPtm, ober, wenn man lieber wifl, von 
beö pbantapereichen SK5eibö ©chwdrmereien eine ge# 
fcrdngte Ueberpdjt geben. $n ben folgenben lEheilen 
foß baffelbe in ^Betreff porbage’d , Seabe’d, poi# 
ret’d je. gefcheben. ©ann fonnen bie Sefer ber 3«uber# 
Söibliothef bie nütfrigen parallelen jiefmunb felbß ur# 
tbeilen , unb barum für ben ndchPen 3wccf gegenwdrtiger 
' Slbbanblung genug mit biefen wenigen bißoriphen Sin# 
bcutungen! — 

©iejj $ur aßgemeinen Ueberpcht ber weifien SDtagie 
mittlerer unb neuerer 3eiH 

©er ©enfer unb STEatur # «p^tlofop^en ber neueften 
3eit — benn biefe pnb, nachbem pd) ber Sprachgebrauch 
perdnbert fwl/ nun unfere 9Jlagier , unb eö bepnben pd> 
»erebrungdooße 9lamen barunter! — ihrer, fo wie bef# 
fen , wad pe in tieferer Srforfdjung ber 9latur über alte 
unb neue ßlatur# 2Beiö^ett, bad innere Sßefen ber ©inge, 
ßinbeit, 3ufammenbang , Rapport jwifeben ©eißigent 
unb Äürperlidjem, 9Jlagnetidmu3, natürliche SBunber# 
fraft jc. audgefprodfen , ober angebcutet hüben — ihrer 
fann leiber hier nicht »on und namentlich gebacht werben. 


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' I 

I / 

37 

»eil bieß ju Srörterungen führen würbe, für welche nicht 
gegenwdrtige 2tSt^ei(ung , fonbern biefer ganje 2beil bcr 
3«uber * SBibliotbef nicht 9faum genug barbüte* 


XII. 

25 o n btr »tifftn 3R a g i e. 

2Benn, wie wir nun gefebn haben, bie weiffe 90?ngie 
in ber 3aubergefd)icbte btt natürliche, Die menfcb* 
liebe beifjt, infofern jte ihrer reinen 3bee nach überna* 
türliebe, eö fepen bdmonifche, ober tbeurgtfche, prüfte 
perfchmdbt, um in eigener Äraft ba$ innerliebe 
Sieben ber ©tnge ju ergreifen unb bie $ülle 
aufjubeben, in btr bie 9?atur ihre SEGunber por 
öen 33 1 i cf e n ber Uneingeweihten verbirgt: fo 
»erbient fte , wie fte allein bcr büchilcn Sluöbilbung fdbig v 
»fl, allein aueb ben ebrwürbigen Sftamen ber SDtagie ober 
ber 9?atur # SBeiöbeit in höherer Sebeutung. 

Ußorauf ftcb ibe ©tubiutn bejicbt, wa$ eö umfaßt, 
ifl in ben erjten Paragraphen biefeö 2luffa|eö angebeutet. 

2ßte ftd) in ben 9iatur * Signaturen ber ©inge einer# 
feit# beren 3>been fpiegeln, fo burebbringt anbererfeitä baö 
®efe£ ber SBablnerwanDtfchaften unb ©pmpa# 
tbieen baä ganje Unioerfum, oom ftarren ©tein big 
jum ©pbdren#3Eanje. ©er SJlenfeb felbjt , wie geiftig, 

«fo fürpcrlich , lebt unb bewegt ftcb nur in beffen uner# 
mef lieber 2ßunberwelt , fühlt jtcb baoon ergriffen wie »on 
geheimen ©cwalten, in feinem $anbeln nicht weniger 
alö in feinem Selben, im ©enuß, in ber greube, in 
feinen Shrdnen, baß baä anbere ewig gleiche ©efefc ber 


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greißeit ißm it>o nicht jum Mattel, bodj $ur Aufgabe , 
jum ÜBpfferium unb SBunber »»erben fönnte, wenn er, 
im Sfßiberjlreit jwifcBen jwci ^Gelten fch»»ebenb , nicht 
Ärdfte in ficb füllte , beibc SBelten frieblidj mit einanber 
ju bereinigen, baburch, baß er in bie ©eßeimniffe 
ber 9?atur einbringt, um fie mit*3BiUfußr unb 
greißeit ju beßerrfdjen. ©arnadj nun ftrebt ihrer 
Sbeenacß bie gute ÜKagie, unb fein ©treben Fann ju* 
gleich menfd)lid)er , unb erlaubter jugleich unb ebler fepn , 
unb feine 3bce, feine Slufgabe einer Süßiffenfchaft erhabener. 

9Jian urtbeilc über bie ©ejtrebungen ber reinen 2)lagie 
alter unb neuer 3 e * f / über bie gcnialifcßen Sicßtblicfe, 
bie bijarrcn Mißgriffe in berfelben , »»ie man immer 
wolle: — »»er je jur »oHfommenen ©infubt in bie »crbor» 
genen , aller ©inge innerlidjed unb dußerlicßed SBefcn be* 
ftimmenben @efe£e ber 9iatur gelangen fbnnte, ber würbe 
bie in gegenwdrtigem 2tbfd)nitt angebeutete @r unb» 
3bee aller SPiagt'e, SBeßerrfchung ber Statur unb 
fced ©cbitffald, nicht allein richtig aufjufaßen, fonbern 
fo weit ed menfdjlichcrn ©efcßitf »crgbnnt ijl, auch felbjt 
ju realiftren im ©tanbe fc»;n. 


2ßie wir bie fdjwerftcn SBiffenfchaften , unb gerabe 
fie, jum SBeifpiel bie 2lftronomie, in ber Urwelt in einem 
©rab ercolirt fehn, ber itnfer ©rjlaunen erregt, fo be» 
fonberd bie SOfagie ald ^ 6 ^ e r e 9f aturs SBeidßeit ,• 
beren 3bte im graueften Slltertßum nicht bloß erjlrcbt, 
fonbern flar erfannt unb im Sinjelnen mit ©icherßeit 
audgeübt war. — 

©ie umfaßte in ber Urwelt bie ganje Statur, »or 


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t 


39 

allem ben SO?enfrf?en unb baS geben, baö mirfliche, 
nach feinen t>crfd>*ebenen 3 u ftä |,Dcn unö 33er$meigungen. 
£)ie Kenner ber meiffen SWagie bei ben alten SSölfern ma» 
rcn ißre 0?atur* spbtlofopben , if?rc ©taaten*$en* 
ner, nicht feiten ihre 33el;errfd)cr unb ihre gürflen. 
2Ran bejüntme nur baä 2ßort recht, fo fann man getrojl 
SJlofe unb bie ^Propheten, ja ß^riflum felbfl im 
©inn bcr alten 2Bclt, fOfagter Reißen. Gin ®JaguS 
mar ein aßfeittg gebilbeter SBeifer, Kenner ber Jllatur , 
(Beobachter bee ßßenfchenlcbenö, Grforfcher ber 3«** 5861* 
fer-'unb ©taaten*58crbAltniffe, ber bie in ber ©egenmart 
begrünbeten Greigniffe ber 3ufrmft antic ipirte, berechnete, 
in ihren folgen mit einanber verglich, unb barnach bie 
in ^Betreff ber innerlichen unb Äußerlichen (Staaten* Singe« 
legenl;eiten münfd)cn$mertben bber notbmenbigen ©taatä* 
Ginridjtungen beftimmtc unb anorbnete. — !öad, mae>. 
mir jegt info befchrAnftem ©inn ^)olitif nennen unb al$ 
fcaö ßJleißerfiücf ber neuen 3*ü bemunbern, ifl barum 
gar ber alten 2ßelt fo fremb nidjt , rnaö mir un$ in ber 
felbftgefAUigen ®efpiegelung unferer jungen SEBeiöbeit ein* 
bilben. Um jid) büvon ju überjeugen , barf man nur 
unfere btbltfchen Propheten , namentlich ben geijb 
voßeften bavon , 3efaiaö lefen. ©ogar auf allge* 
meine ©taat$*5ßajcimen ober regulative politi* 
fdje *|principien, ifl ihre @taat$ * Sßeidhet't ober po* 
litifdje SD? agi e fdjon jurütf gebradjt *). ©ie hatten 


*) 0. in nt. Ueberfe|»ting nnb ©rftörung beP ^Jrcp^rtett -fja&afuf 

(■©«(ja, 1795.) bie ülbbanblung über ben <J>ropl>etiäniutf 
in ber alten SB eit ©. 1 — 60 reo icf> biefi glaube anfcbauli<& 
gemacht ju h>abert. ©aa 'Princip ber Dteaction, reoritacb bie 
Propheten bie @cf;ieffale ber Staaten bioinatetifef) bcjlimmen , 


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ba$ ©pftem btr Dteaction ober 233iebtr»ergtlturtg, 
bad wenigftenö eben fo »iel taugt unb in jebem galt mo* 
ralifch/ b. h* im Smteren ber menfchlichtn «Ratur beffer 
begrünbet ift, alä unfer chimärifcheP fogenannteö ©leid)* 
geroitht$*©hftem, baü/ wenn eö fich gar fo gebehrbet, 
alö ob’$ bi c Diolle ber 23orfehung für — bie 
233 eit übernähme*)/ »üllig wibrig unb abgefchmatft er* 
fdjeint. 2llfo — ob fic gleich ben Siamen nicht führten / 
fo waren bie «Propheten/ in ber alten 23ebcutung bc$ 
233ort$, ber ©acbe nach hoch bie SSJiagier ber Sjt* 


ftnbet man an hunbert .Orten bei ibttett au«gebrücft €t famt 
aber nur in uttioecfal / biftorifcher Ueberficht grünblid) über bie 
bibl. «Prophetie geurteilt werben , uub bie ©ad?e ifl au« 
biefem ®eficht«punct noch nicht hinlinglich uitterfucht. SQopl 
blieften bie 'Propheten #on ihren politifchen harten 
(.fjabaf. II. l. 93ergl. m. anmerf. }u b. ©t.) weit unb hell 
unb nach allen Sichtungen. ©o mürben nach ihrem Sath auch 
Sünbniffe mit au«redrtigen ©taaten unterhaubelt. Pie 
fcharffinnig fie beten politifdje Sßortheile aber Sftachtbeile berech- 
neten — batxm unter einer (Senge SSeifpiele nur 3ef. XXX. u. 
XXXI. über ba« unfluge ®ünbni§ mit aegppten ; reie fie »on bet 
(Seer .-©tabt Stpru« unb ihrem Pelthanbel unb ihrer 
Spoliti! urtheilten, ba« erhabene unb in feiner 2lrt eiujige 
©emühlbe 3 cf- XX11I. u. f. re. -r aber biefe (Materie bebürfte 
einer fpecielleren aubführung , al« hier möglich ifi. 

*) Pie jum Seifpiel , reenn’« erlaubt ijl , folche« iu bemerfen , in 
biefem augenblicf ba« fegenannte curopäifche 0 1 eich ge? 
reicht in betreff ber Stärfei oom englifchen ilabinet gehanbhabt 
reirb. (San fann bic (loljcn Stiraben nicht ohne Unwillen lefen, 
reomit fich ©igennup unb SPolitif al« SBorfepung brüfien. 
aifo — rea« uitfere Jjanbeli'SPolitif für’« S5efte hält , ba« 
hält auch bie (ßorfehung bafür, unb ba« foU ba« ©chicffal 
aller £4nber, Nationen, SBelttheile auf ereig fepn, weil e« beit 
(Maximen -e- »om ®leichgereicht b. h. unfereu ^ anbei«? 
»ortheflen fo am angemclfenfien i(l!ü 9tad) bem oben be? 
jeichneten biblifchen 'Princip piefl e« oon beut Stürfen jept: 
5b u hafi unterjocht, unb reirfi nun auch unteriod;t »erben, £u 
hafi fremben SSülfern ben Staumelfelch gereichte nun mufit 5)u 
ihn auotrinfen u. f. re. 


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4i 


brder, unb Sötten, ald foldje, wie bie $0f agier bei 
*perfern, (Jhftlbderntc. namentlid) burd) t|>re böseren 
S)i»inationdfrdfte ben entfd)iebenften (Einfluß auf bad be» 
fonbere unb allgemeine SDfenfcßen s Golfer t unb 
©taatenleben ihrer Nation unb ihrer 3eit. £>ie alte 
SBelt lebte in ©rafeln unb 'Prophetiren. 3nweld)ent 
Anfehn namentlich bie bioinatorifche SDtagie, ald 
3weig berraeiffen, bei alten 536lfern ber Urwelt ftand, 
fieht man fclbft aud unferen neuteßamentlicßen Spange# . 
lien, ja aud ber eigenen Äinbbeitdgefchichte 3efu 9Jlatth* 
II./ um ber apofrpphifchen Swangelien nid)t $u ge; 
benfen , bie bid ju Shorheiten »oll ba»on fino. 

Äein SSBunber bemnad), baß wir in ber SSorjeit bie 
Kenner ber weiffen SDtagie überall eine fo große SMolle 
fpielen feßn. ©ie erfcheinen gentetniglid) in ber dürften 
unb gelbfjerrn 9ldhe, werben bei bebeutenben ©taatd# 
Angelegenheiten »on ihnen ju Käthe gesogen, beßnben fich 
in entfdjeibcnben ©tunben an ihrer ©eite. 33on9iebu; 
fabnejar’ö oberfiem ÜRagud, ber allein bieß Alled be; 
weift, heil und bie ©efchidfte fogar ben Kamen aufbe« 
wahrt. Sr befand fich mitten unter ben gelbherrn unb 
oberften Staatsbeamten , unmittelbar an bed gürfien 
©eite, ald ber Gbalöder ; Äonig wdl;renb bed ©turmd 
unb ber Eroberung unter einem ber Shore Serufalemd 
hielt , um ben Angriff durch feine ©egenwart ju bele# 
ben, unb bieß Kergal > ©arejer. 3er. XXXIX. 3. 
»ergl. 2 Äon. XXV. 4. f. *) 


*) Otadj ben anforudjen ber alten Seit an einen elften SDtagu*— 
batf Umt nichts frerab fepn obet entgehn, e$ fei j im ^immel 
unb über beit Seifen , (»ergt. Äu&nJbl’J fch4&barcn (Eommen* 
tat $(>. 1. 95. ®iattf>. II.) eher auf bet (Erbe. 3n Arabien unb N 

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42 


Sßenn bad ©ute mißbraucht wirb jum $3öfen, fo 
wirb eä baburch nicht bofe an ßch. So warb, jumal int 
gortgang bcr 3eiten unb &e» ßeigenber 33erfchlimmerung 
beö ©eßhledßö , auch bte weiffe SOlagie mißbraucht, 
llnoerßanb, Sorwig, 93oeh>cit oerfnüpften ße mit ber 
bämonifchen, namentlich beim abfcheulichen ßultuö bet 
unterirbifchen ©ötter; fic warb ju SSolfäbctrügereicn , 
jum SSortbeil bee £)efpoti$mu$ benugt non gürßen unb 
SDdntagogen; enblich in ben legten Sfömerjeiten $u offene 
lidjett Suß*unb@aufe(fpielen herab gewürbigt. 2lber bieß 
Slllei*, fo gewiß eö bi ßorifcß richtig iß, fo wenig wer# 
ringer t’ö ihre 3 bee an ßch , unb eben fo wenig bad 
Streben, folcbe, fo weit cd ntoglidj iß, ju realißren. 

3nbem ße ihre 9fachforf<hungen , ihre ©eßrebungen 
unb 93erfuche mit Shrfurdjt »or ben noch lange nicht er# 
forfchten ©eheimniffen ber 9f atur unb beö mcnfcb' 
ließen ©cißeä anßellt, babei mit ©djonung unb 9iclü 
gioßt&t ftir bie gefammte Schöpfung, bic belebte, wie 
bie unbelebte, iß ße biä biefe ©tunbe 9iatur#Stubium 
tm rcinßen Sinn bed Sßortd. 

Unb in ber Xfyat, eine SÖiffenfchaft, welche »on 
bem sprincip audgeßt, baß in ber JRatur nicßtd tobt, 
unb feine materielle gorm ohne geißiged sprincip, Seel’ 
unb geben, Sinn, (H;arafter un b «ßebeutung fep; baß 


(Eftalbäa marb bie aflrDtogifdje unb bimtiatorifdje fDtagie ju (Jtjriflt 
gelten »erjugtfroeife ejrcolirt ; ;um 58trbetben bet reinen Stftronomie, 
bie in beiben £4nbertt gerabc in ber Urwelt am bcrrlidtfen blüljte. 
©o mären betitt, mie biefer 9tergal<@arejer, aud) jene 
Sßeifen aui$ Stöorgenlanb (Arabien) Statur < SOtenfc&en» 336 b 
f er ; Seit * unb STOettbeo b achtet , .JjeUfe&er, 23er* 
funbiger gbttlidicr 9tat()fd»l4ge , »erborgener 
© dj i cf f a i t i u (t 4 n b e. 


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43 


ftch in bem burdb bie unenblid&e J?ette ber Sßefen bingieben# 
bcn ®efe§ oon Slttractionefrdften, Sßabloermanbtfdjaften 
unb ©pmpatbicen bie anfdjetnenbcn Sßiberfprücbe, Qxe 
treme ber Statur guglet'cb berühren unb abjtoßen, anjiebn, 
auflofcn, einen; jubelt, baß alle SBunberfraft fich auf 
ber b&bften (Stufe in Siaturfraft ocrmanbcln muß: mabr* 
lieb einer foldjen SBiffenfdjaft 3bee — unb büß i ft bet 
meiffen 9J?agie3bee! — ift etmaö gang anberö unb 
fcbließt etmaö gang anberö unb mehr in jtd) alä 93ielc, 
naebbem bag SBort in ber neuen 3fit einmal oerrufen tfl, 
nun abnben, ober glauben unb begreifen. 


$luö allem gelegentlich bid je|t ©efagten erhellt , wie 
enge bie roeijfe 9Dtagie — nicht an (ich, b. b* *b rer 3h ee 
nach, aber gefd)id)tlicb unb in ber Erfahrung, an bie 
£ b e u r g i e grenjt. £>ie SOtei ften ber in ben oorber geben# 
ben »Paragraphen genannten ©djriftjteller oerbunben mit 
bem, mae ihnen meiffe ÜÄagie mar unb b«eß/ guglcich 
mehr ober meniger tbeurgifche 3been, fo baß man ge# 
fd)id)tlich bie t b e u r g i f d) e SDtagie gemiffermaßen jur m e i f# 
fen rechnen fonnte, oon ben 9leu# splatonifern biö 
gu ^paracelfuä unb 2lgrippa, Gampanella, unb t 
spomponaggi, mie bieß SllleO bereite im oorber ©eben# 
ben an Ort unb ©teile angebeutet ift. Ohne genauere 
Äenntniß ber tbeurgifdjen ©fagie alfo fennt man bie 3 b ee 
ber mciffen, mie bie ber ©iagie überhaupt nur gur 
^)dlfte. SSir muffen baher, um bie 3bee berfelben gu 
erfchbpfen, in gegenmdrtigem Slbfcfjnitt auch noch »o« 
biefer h«nbcln. 


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44 


f 


^weiter b f cf) n i t t. 


(3 o r t f e $ u n g.) 


XIII. 

So« btt tbeurgifctjen ÜJlagie. 

3hr S^arafter befielt mit einem SSBort barin, baß fit, 
ohne baä ©tubium ber 9iatur §u toerfdjmühn / ja bfter$ 
in Serbinbung bamtt, noch außerbem jum Uebernatür* 
liehen, §u ©eifter roirfungen ihre 3^«^* nimmt, 
um §u ben 3*»ecfen ju gelangen , bie jte heabfichtigt. 

©o , in Sßerhinbung mit ber roeiffen SDlagie , mürbe 
fie jum SEbeil fchon »on ben perfifchen SDfagiern, mehr 
noch »on ben inbifeben ©pmnofophißen geübt; fo in 
ben ©cbulen ber SUeranbriner *) gelehrt, big ftch enb* 
lieh in ber neuen Sßelt bie eigentliehe ebri (Hiebe ober 
neu?tbeofopbifcbe SWagie aushilbete, bie in ihrer %xt 


*) SSir faredjett f)ier, wie t»ir au«brü<flidj biemit bemerfen, nur im 
allgemeinen. $enn allerbingg waren bie Sebauotungen , bie 
$i>ü»|bl>bcnte oerfebieben. 6o t>U(c ipiotin ©. bie @?ecu< 
latiou für jureidjenb, um fid) bem Slbfoluten ju näbern unb 
mit bem ©eiflerreid) in eine reale Sßerbinbung ju fomnten, 
3 am blieb aber »erneinte biefe, unb fe$te barum bie Stbcurgie 
über bie Sjwulation. gmifcbeu Reiben fdjwanfteit wieber 2tn< 
b:re in ber ffiittt u. f. w. 




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45 


I 


mit bereiteren ßeibnifchen tßeurgifcßen SJtagie in «parallele 
fießt, nur baß 2llle« in ißr chriftlicß tingirt, b. ß. nach 
d?rifltict>en ©egrtffen unb in cßriftlicber ©pracße barin 
mobißcirt erfcßeint, unb»on ber wir junt IBefcßluß gegen* 
»bärtigen Slbfcßnitt« ßanbeln werben. 

2lucß ber tßeurgifcßen SOtagie unb ißr »orjügfich liegt 
bie allgemeine 3bee beö 3 a ut>ergfauben$ — (Jrßebung 
über Statur unb ©cßicffal , ja wie in ber ©ütterwelt 
über bie ©üttcr, mit Sluönaßme ber ßüchjten ©ottßeit 
felbft über b a« gefammte ©eijtcrr eich, ©ngel unb 
(Jrjengel, ©ämoncn unb Teufel , jum ©runbe. 

SBunbere man ficß nicht , baß wir biefelbe 3bee unb 
überall biefelbe 3bee im 3a»bcrglauben wieber antref* 
fen, unb baß wir felbft fo oft barauf jurücf fommen. 
SBenn jene« natürlich ift unb im innerlichen SBefen ber 
©acße gegrünbet, fo ift bieß notßwenbig, um bie ©runb* 
bebeutung, ba« wefentficße ©treben be« 3««berglaubenö 
gur umfaßenben ßiftorifchen Stnfchaulichfeit ju bringen. 

©et ©rbe 5lönig fteßt ber SDtenfcß mitten auf bem 
©cßauplafj ber ©cßöpfungba, umgeben »onGFrfcßeinungen, 
»on Snfluenjen , bie er fennt, unb bie er nicht Fennt, 
unb füßlt fo, abwechfelnb mit ©chaam unb mit ©tolj, 
jegt feine Ueber legenbeit, nun feine Stbßängigfeit »on 
ber Statur unb ihren Prüften. 2Ba« ift natürlicher, wa« 
ber innerlichen Äraft feine« ©eifteö, bie er in all feiner 
Cßnmacht auf jeber ©tufe ber (Jntwicfelung in ftch trägt, 
angemeffener, a(« baß er ftch nach Äenntniffen , SJtitteln, 
Riffen, QSerbtnbungen umfießt, um ftch in ber ^jerr* 
fchaft ber Statur ju behaupten, ja, unrbe« ©cßicFfalö 
felbft SDteifter ju werben, folcße über ba« ©eifterrSteich 
auäjubeßnen? — • 


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46 


Oaju fommt ber allgemeine £ang be$ menfddichen 
©eifteS, ba$ ©eifrige, Ueberfinnlidje, 2lbfolute 
ju erforfdjen, weit if>m ba$ Snblidfe nicht genügen 
fann, unb weil b»e theoretifchen unb praftifd)en 3been 
eine SluSftcht jurn Sßfinbejten auf baS , roaö über bie 
©innenroelt ift, eröffnen, ©arumaber ift biefe 2luöficht 
nod) feine Sinficfjt, roie Slnfichten im ©ebiet beö Un? 
er fennbaren ncch feine Sinfiditen ftnb, unb bie Sr du? 
me feine SBirf lidjfeiten. 9lur ein bcraufchteö ©emütlj 
fann fidj einbilben, außerhalb ber ©renjen be$ 
Srfennbgren noch ein h^ereö reales Sßiffen $u 
ftnben. Darnach aber roarb unb roirb biö heute in ber 
theurgifdjen SOiagie, rote bei allen in baö lieber finn? 
liehe, mithin Unerfennbare, gehenben ©djrodrme? 
reien einer jtch felbjt überfprtngenben 93ernunft nicht ge? , 
fragt, unb gerabe biefe chimdrifdje 93orauöfe|3Urtg 
ift ber erfte 3rthum berfelben, roie ihre trügerifche 93aft$. 

Qnbent roirnun »on ber tßeurgifdien SRagie im Sin? 
jelnen hanbeln, müffen roir unfere Sefer recht in bie 
Siefen beö SlberglaubcnS hinein führen. 3 u gleich 
rodre h ier, roie roir einfeljen unb felbft bemerfen, ein feht 
paßenber Ort, »om gefammten magtfchen SultuSauS? 
führlieh ju hanbeln. 2lber bann roürbe nicht biefe 2lb? 
hanblung , fonbern nicht einmal gegenwärtiger Slbfehnitt 
in biefem Sheile beenbiget roerben fönnen. SEßir müffen 
unS fo ber gebrdngteften Äürje befleißigen, unb fönnen 
fo roenig als bei ber roeiffen ajfagie in bie öftere ©efchichte 
ausführlicher jurücf gehn. 9lur baS Sßefentlichfie aus 
ber neueren ©efdjichte ber tßeurgifdten SOfagie foll an? 
geführt roerben, gerabe roie im »orher geßenben bei ber 
roeiffen. Unb auch bieß nur hier roie bsrt , jundd;jt in 


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47 


i 

ber beflimmten £enben$, ißre 3bee, ißr ©treben, 
ald 3roeii? ber allgemeinen 9Jlagie, §ur allgemeinen hi* 
florifc^eit ^nfcfyau lic^f eit ju ergeben* 


XIV. 

©on ber tljeurgtfcben 5)?agie. 

Ca mir, miegefagt, jundchft bei ber neueren tße* 
urgifdjen 9Jlagie ftebn bleiben, fo muß id) in 3lbßcht 
auf folche ßier eine allgemeine ©emerfung »oraud fd)icfen. 
Stdmlicb — meinen 9lachforfcbungen nad) marb feit ^a* 
racelfud, Slgrippa, ^omponajji jc. bie naturlidje 
SRagie befonberd baburd) in bie theurgifche hinüber ge* 
fpielt, baß man bad , mad in ber bdmonifchen SWagie 
ald b&monifche SBirfung betrachtet mürbe, auf magifch* 
natürliche Sßeife aud ben Ginmirfungen ber 3ntagina* 
tion $u erfldren oerfuchte. 3nbem Urfadje unb 2Birfung 
hieoon nach bem ©efdjmacf ber 3«it aufgefucht ober erfldrt 
mürben, changirten rinoermerft bie Grfldrungdoerfuche, 
Statur unb llebernatur mit einanber amalgamirenb, aud 
bem 9latürlid>en in bad Uebernatürliche unb in 
bie ©elfter melt hinüber. ©o fnüpfte ftd? felbft bei ben 
freieften Äopfen , rcie namentlich j. ©. bei spompo» 
najji, bie 5£heutg»eflnbie3tatur;ÜRagie, unbfcbmolj 
mit ihr ju einem feltfamen ©emifch oon fRatur unb Uebcr* 
natur , 2Öahrheit unb ©d)mdrmerei jufammen. 

Ciefe ©emerfung fann h»ft nicht meiter audgefüßrt 
»erben, ba fie ju meitlduftigenGrürterungen führen mürbe. 
üRan »ergleiche aber nur bie folgenben ©teilen, fo mirb 
man feben , baß mir für ben fünftigen ©efchichtfchreiber 


i 


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48 


Dev SOTagie, fo reif für 3eben, fcen Die ©ache ndher in? 
terejiirt, ^iemit einen roefentlichen «punctinber neueren 
©efdjirfjte ber natürlichen foreof;!, alö t^eurgifcf? e-« 
SDfagie bezeichnet haben. SRdmiich : ^)aracelfuö Lib. 
de Imaginat. , fo reif an mehreren Orten de occulta 
Philosoph, $. 33. de vita longa; 21grippa de occulta 
Philos. an m. Ort. bef. L. I. C. LXV. ; spomponajji i 
de Incantamentis an m. ©t., namentlich C. III. u. IV.; 
ffllarfil. $icinuö Theologia Platoni^a Lib. XIII. 
C. I.; (»ergl. mit ^ct. Slttincenna de Anima Sect. 
IV. C. IV.)£h° m * 5 ienuö de Viribus Imagiuationis 
burchaues u. f. re. 

Unb nun fofort $ur ©ache, unb jrear ohne weitere 
(■Einleitungen fogleid) in mediam reift ! 


SBon ben magifchen 33inbung$ Mitteln. 

Ummitber ©eiflerreelt in reale 33crbinbung 
ju fomnten, — fo behauptete man , nachbem man 
einmal bie ©ache an (ich für möglich hielt! — ba$u 
bebarf’ö, alö reirfenber Slttraction öfrdfte, n. 
befonbererS3dnberober33inbungö?ÜÄittel, 
(Vincula. ) 

hierin fornmen bie öftere unb neuere theurgifche 
SDlagie ooUfommen mit einanber überein. 

2lu<h bie 33dnber felbfl finb im SBefentlichen bei 
SBeiben btefelben. 

Natürlich finben auch Stbreeichungen flatt. SDie 33dn* 
ber unb Slttractionöfrdfte in ben Slleranbrinifcben beibni* 
feben ©chulen 5. 53. fonnten nicht ganj biefelben fe^n , 
roie bie in ben neueuropdifchen cbriftlicben ober theofe^h»* 


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49 

fdjen. ^lotin, ^Jorp^r, Sam&lid?/ fprocluö je. 
fcl6ft bauten unb urteilten bereits über SDtancfjeö im tl je* 
urgifdjen Cfultuä »erfd)ieben, wenn fte auch in ber $aupt* 
fache , ndmlidj baß man $ur unmittelbaren 2lnfchauung bei 
lieber jinn lieben gelangen unb mitben ©eiflern einen 
realen Umgang anfnüpfen fdnne, mit einanber 
überein fiimmten. Oiefe «periobe, bie »iebtigfte in 
ber SC^eurgie , muffen wir inbeß tytx mit ©tittfdjroeigen 
übergehn *). 

2Dai man bagegen feit ^Jaracelfui unb Slgrippa ic. 
hierüber lehrte unb annahm, mollen mir nun fürjlidj 
fe^en. Sarin roirb bie 3bee jugleicb mit bem ©treben 
ber neueren theurgifefjen 9Kagie am beutlidjften |> i ftor i fd^ 
heroor treten. 

Sie meiflen neueren Üftagier, Sheurgen, Stheofophen, 
ober roie man jte nennen n>ill, namentlich Slgrippa, 
Stöbert grlub, Saoib ftorrii jc. **), tl;eilten bie 
Sßelt ( bai Unioerfum) in bie elementarifdje, intel* 
lectualifcbe, unb himmlifdje ein, 

*) £>a« SBefeittlicbfic ijl bereit« £b- I. 2lbtf>. I. erörtert. Heber bie 
tf)furgifii»eit ©plieme ober ©djreürmereien eon 3 «nt blieb, 
iproelu« je. toitb bie 3 - ®- >tocb befottbete 2^b«nblungen 
liefern. 

**) 93on Stgrippa, namentlich #on helfen ©intbeilung ber 29elt 
in bie elemetttarifcbe ic. rear im »orber ©ebenbett, itümlicb 
$. X. bereit« eigettb« bie Siebe, eben fo »on 9t. glub. 3>a»ib 
Sorti« , ben mir Pier iura erften SJlal nennen, b«t eine SDlenge 
Sficber ober Srocbüreit gefebrieben. SDergl. 21 belang’« @e/ 
febiebte ber mettfeb. ‘vtarrb. 3:b- III. @. 336. , t»o man ©. 398. 
ein SBerjeicbnij; »on'adjt uttb acbtjig berfelben .angeführt 
finbet, bereit einige man au«fübtlicb fann befebrteben lefen in 
Saumgarten’« £aU. Sibliotb. S. V. @. 249. f. 262. 
305. f. SEDeitere Sflacbricbten oou ibm in ©djrodb’« ßebett«« 
hefebr. S. I. @. 264. f. SOI o« beim’« Seijergefcb. Stb- H. 
©. 425. f. u. f. re. — 3« änfebung ägrippa’« muß ieb 
bict noch bemerfen , ba§ et fall in feinem 'puttet febreatifetiber 

. m. ’ 4 


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50 


©iefe Sinthtilung »fl nicht neu. Sehnliches rotntg# 
ftenS fommt fd}on bei ben Sie je« nbr in ern unb anberen 
Älteren ^b^rgen »or. Slber ^»er fehlt ber SHaum , 
parallelen ju jiebn. ©enug, bie Srt, wie Sgrippa, 
glub ic. ihre theurgifefjen ©djwdrmer eien an jene Sin# 
Teilung ober principien fnöpften, war ihnen mehr ober 
weniger eigen. 

SluS biefen brei SBelten nun finb bie Vin- 
cula, bie $3inbung$ / #ilfen genommen, um 
fich bie ©eifler unb mit ihnen fftatur unb 
©ehicffal unterwürfig ju machen. 993er biefe 
Vincula fennt unb anjuwenben weif, fennt 
ben magifchen Gült, unb — • bie ©eifler müffen 
ihm gehorcht# ! ! ! 


unb sollet SBibetfprucbe ifl , als in bem , rcaS er »on ben 
tbeurgifeben 03 inbung« mittet n Tagt; fo siet unb »ielerlei 
unb ausführliches et auch bapon »orbringt. 5Äan oergleicbe, 
um Heb bieoon ju über jeugen , nur de occulta Pbilos. L. III. 
de Magia caeremoniali seu intellectuali C. XXXIII. p. 449 seq., 

L. IV. p. 440 etc. mit bem ganjeu er fl e n 'Buch de Magia 
natural! seu Physica, fo nie bem i toeitCR de Magia coelesti 
s. Mathemat. £r befeunt bieg im lebten Sapitel beS britten 
BudjSOpp. pag. 562. fltlcb ft’lbjl. Lib. IV. de occult. Philos. 
p. 440. ctafTificire er bie »erfebiebenen Vincula, mit bem in 
bem »orber Bebenben bei ibm nicht recht überein ßimmenb alfo: 
Primum Vinculum est, quando conjuramus per res naturales: 
secundum componitur ex mysteriis religionis, per sacra- 
menta , miracula et huiusmodi: tertinm constituitur per 

divina nomina sacraque signacula. 2Bie roeit er bie Bemalt 
btefer Vincula auSbrijnte, fiebt man unter anberem aus folgen# 
ber «Stelle de occult. Philos. Lib. III. C. XXXIII. p.449: ” 
Sciendum etiara , quoniam per haec Vincula non solum 
spiritus, sed et omnes ligantur treaturae, ut tempe- 
states, incendia, diluvia, pestes, morbi, vis 
armorum et animalia quaeque, adsumendo illa, seu 
per modum adiurationis , seu per modum deprecationis , seu 
benedictionis etc. etc. 


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51 


©ief} ift ber J^auptpunct in ber tbeur gifcben 
SJlagie, unb Riebet wollen wir nun, SBelt für SBelt 
»on ben br rirn, färjlicb ftebn bleiben. 


XV. 

Sßo« ber tbeurgifeben ÜR a g i c. 

2Jon btn raagifefottt Sinbungg > föitteia. 

!Daö erjte unb wefentlicbfte Vinculum ift auö ber 
3ntellectual * SBelt ^er^enommen, mit ber wir affo 
Anfängen wollen. J ' ■ * * 

G$ beftebt in ©ebeten unb ©ebetSformeln , 
in befannten unb geheimen 9?amen ©otteä, ber 
Gngel, 5£bron * Gngel unb allerbanb SDtittel/ 
©eijter, in ^c6rdi fd)en , auch wol arabifeben 
unb alt i inbifdjen , befannten, begleichen in 
»eilig unbefannten, gang barbarifeben ©orten, 
bann in mtjfleribfen , in matbematifeben unb 
geomelriftben giguren unb Gbarafteren, in 
Siegeln, Jtreifen, Äreujj * 3*i<&*n 

u. f. w. 

“ Sefer , welibe bie Ute 21 b t b. ber 3 « “ b e r * 
23 i b l i o t b e f in ben beiben erften £b“fen aufmerffam 
gelefen , unb bauptfäcblicb — welche bie bort befütblicbe« 
Siegel, Gbarafteretc. einer 2(nfcbauung gewürbigt 
haben , biefe werben jub »on bem 2Ulen febon einen 
begriff machen fönnen, auch wenn ihnen biefe Seltfanu 
feiten juoor »öllig unbefannt gewefen. 3 m Ginjelnen 
fönnen wir bie Sache hü* nicht abhanbeln , bie mehrere 
befonbere Sluffäfje erfobert. Daö SBefentlicbfte foH be# 


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52 


nurft werben unb man muß ftdj roofif nur «uf-baS 
SJBefentlichjt e fccfchrdnFett/ wenn bieß bei einer fo 
reiefe^aftigcn SWaterie auf wenigen $ogen gefebeBen foll» 
®a wir in bie dltere ©efchichte ber Äürje wegen nicht 
ausführlich jurücf gehn Fonnen ; fo bemerfen pit nur 
.im Allgemeinen/ baß obige 33inbe t SDJittel ihre »er# 
fchiebenen SOiobiftcationen abgerechnet, fo alt finb, als 
bie üheurgie an (ich. SDFan lefe baS Such , ober »iel# 
mehr bie Fragmente beS 93uchS $enoch, in bem ber 
magifdjen Äraft ber 93efchw6rungcn, ber heiligen tarnen, 
ber S|>araFt<ye unb 3 f ‘^ en bereits gebaut ift ; man er# 
innere fiel), waS Sofep^u« unb «p ^ t f o baoon fagcn; 
man »ergtße nicht/ ftch baran ju erinnern/ waS bei 
Router, Sßirgil, £oraj, Doib, sproperj, 
^piiniuS ic . . , baoon »orFommtj man vergleiche / waS 
Biotin, ^amblich/ ^ProcluS k. *) von ber Äraft 

— . - . _ i 

*} De mysteriis ^iegypt. II. C. 11. « iOie göttlichen 

(tbeurgifeben) Zbaraftere, fagt I)ict 3a mb lieb/ bringen 
»ou fiel) fclbft ibre tigentbumlicbe üBirfung beroor, ol>ne ba§ 
»ireibenfen, benn bie oerborgene Äraft ber © d tt er, 
auf »eiche fie ficb bejieben, etfennt burd) ficb felbft 
ihre eigcntb&mlicben 'Silber u. f. ». » — £>ocb »out 
eitijelue ©teilen? — ®ie Äenbenj ber ganjen ©ebrift »on 
ben SXpfterien ber Tlcgpptiet ift, iu {eigen: ei gäbe eine innige 
unb reale Bereinigung mit (Sott unb ber ©eifter/ 
»eit, ( dpasnxTj evvjcng) welebe bureb feine Bernunft* 
©rfemttnift erlangt »erben fönne, fonbern allein bnreb geroiffe 
gebeimnifioolle .fjanblungen, Zeremonien, aöorte, 
Zbaraftere, welche eben barum, »eil tiefe SBirfung auf 
feiner Zrfcnutnij} beruhe, avußoXa unb avv^ua-ra genannt 
»irben, uub beten Äeimtnift unb änmenbung ober bie itbeurgie 
ein göttlicbei ©efebenf unb /Offenbarung feg u. f. f. Bergl. 
Seituemann’i ©efebiebte ber 'Pbilofopbie Sb- VI. ©. 271. 
Bocb beftimmter erflärt ficb 3# in blieb >• c. VII. C. 3.» 
nämlieb ba| bie tbeurgifeben ©orte ober heiligen Barnen 
gittltcben Urfprnugi fepen unb ibre gebeime ©ebeutung an ficb 
*. hätten ic. j lauteten fie frembartig unb unoerft 4 nblicb/ 


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53 

ber gdttfidjen 9kmen, ber Gharöftere u. f. w. behaupten; 
ferner, wag bie dTteffeh Ä-AbbaTiflen *) bavon lehre* 
ten: — unb fnttn wirb überall bie 93 e weife für biefe 
«Behauptung ftnben , nicht ohne Grflauneny wie biefet 
2j>rif beg allgemeinen menfdjlithen Slberglauheng fu& jb 
frähe J« e f inem gewiffen, überaff ftd) dhttlficljeh ©pfiein 
f»abe augbifben, unb fo piele, unb mit ; Ünftr bie geift* 
reichen i?öpfe, in ©eweguiig fcfcen > iuW'i'fc 3(rfhdngertt|, 
Sßertheibigern , ©ewunberern jid& hdbe’ eriWrBfcn fönnctr. 

Stber wir f ehren fofort wieber }ur‘ndh^eft©fcträdjtutig 
brr theurgifdjen SDtagte neuerer 3 ftW ' jürücf > wo 
wtr torjuggwetfe $J grippa berücfjtdjfi^cn werben J ber 
ft# übe* bie »erfebiebenen SEbetie berfefben fm SinjelneÄ 
am etfldrt bot 111 " 


■ • XVI. ""** 

..vnfi ■ jßon ber tbeurgifeben 3JJagt*e. ‘ ’ ’ '•* 
■il tu (%tft vincui«, au« bet 3nte Ueet ual rSDett.) ' ' 

1. ©ebete unb ©ebetg#5ormefn. ‘ fciefe finb 
bie £auptfacbe in ber'Sh’eurgie, namentlid) beim fyeili* 

- • 'i V.. : ■ 

fo t» 4 r e n ft e not aU, um fo wirffamer uttb ehr* 
toürbiger ju betrachten jc. f©a|Telbc behaupteten , wie 
reit im gofgenben febn »erben/ auch Slgrippa unb bie neue« 
ren St bewegen, unb — eoit ihrem €tanbpu(tct autf, wie 
man einficht/ aUerbing« auch ganj confcgucut!) 

3E3aä SPtocluo betrifft , fo behauptete et / bie 9Biffenfd)afi 
göttlicher £>inge ( b. i. bie Sth.eurgie ober theurgifche 
?Wagie) oermöge burch Söerbinbung unb Trennung ber 2a Ute 
(in ben göttlichen tarnen unb geheimen Wörtern) ba« per« 
borgene SBJefeu ber ©ötter ju offenbaren tc. Theol. Plat. II. 
C. 29. p. 69- 3lebnÜchc4/ fo ober anber« auJgebrücft unb 
mobtheirt, bei spiotin, Sporphor u. f. re. 3.95. I. &. 40-83. 

*) SBergl. Snorr oon St o fe n r o t f> ’ 3 CabpaU denpdata T. II. 
P. I. p. 36 seq. Sohar col. 401. 441. etc. Stabb. ?Xai« 
men blote Nevochim III. C. XXXVII. 


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54 


i 


gen — rote’* ber Aberglaube nennt , e# iß aber aller# 
btng# eher ein unheilige# unb verfeßrte# — namentlich 
beim heiligen 2Berf ber IBefchwörung. ©ie jweite 
Abteilung be# erßen unb jweiten 5£ht»l$ ber 3«uber# 
fBibliothef entßdlt bereite mehrere begleichen @e bete. 
3n ber J?nevmatologia occulta ßnb (ie in ber Xhat 
herjbreehenb genug. SSerfchiebene anbere , au# wichtigen 
magifchen> ober theurgifchen QRanufcripten , werben in 
ben folgenben SEheilen noch mitgetheilt werben. Stur 
fo fann man biefen 51 heil be# Aberglauben# am beßen 
hiflorifch veranfcbaulichen fowohl, a(# ebarafterißren. 

, i ©aß man nur ©ott allein anbeten müffe -rr 
baran binben fleh in ber theurgifchen ÜJtagie auch fonft 
vollfommen orthobore ©djriftßeller bei ‘protejlanten unb 
^atholifen nicht genau, ©ie geflattert vielmehr, baß 
wir un# ihrer SEBorte bebienen, in opere magico unb 
theurgico auch bie Anrufung von DRittelgeißern. 
G# ift bieß in feiner Art auch fehr confeguent unb in ber 
ptueren ( cßrißlichen ) theurgifchen SDtagie , wenn ße 
überall fepn unb geübt werben foH, (e# wdre aber beffer, 
fte wdre nicht unb würbe nicht geübt, weil fie fleh nicht, 
wie bie weiße, auf etwa# SteeHe# ßü&t!) eine wirf (ich 
nötßige Auößtlfe, ba fte ben haften einigen ©ott, ber 
nicht will, baß man 3hn, ober vielmehr baß man (ich 
felbft in SBerfuchung führen , fonbern baß man 3h m un* 
bebingt vertrauen foH, bei ihrem opere magico boch 
nie anber# a(# mit ©chüchternheit unb ber geheimen 
gurcht, ihm ju mißfallen, anrufen fann. 

©ie flraft be# ©ebet# hdlt Agrippa theilö für eine 
übernatürliche ober göttliche , theil# für eine natürliche. 
2Ba# Grßere betrißt , fo iß nicht# ©efonbere# bavon ju 


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55 


Bemerfen. Ucbfr 2 entere erFIdrt er f«h alfo : Verba 
hominum, res quaedam sunt naturales: et quia 
partes mundi naturaliter se invicem tra- 
hunt et in ae mutuo agunt, idcirco Magus, 
invocans per verba, operatur per. vires 
natura aptas etc. De occult. Philos. L. II. 
C. LX. p. 339. ©ine Grfldrung, worin jich ber greunb 
ber befferen natürlichen SSRagie nicht »erfennen Idft. 

lieber bie JBerfchiebenbeit ber 33efchw6rungd' unb 
©ehetdforaeln brfidft er (ich Lib. I. C. LXXI. p. 161 . 
alfo aud : Ultra verborum atque nominum virtutes , 
alia quoque maior virtus reperitur in Orationibua 
complexis, a veritate in eis contenta , quae 
maximam vim imprimendi , immutandi , ligandi , 
ligandi et stabiliendi habet etc. , cuiusmodi sunt 
Carmina, I ncantam enta , Imprecationes, 
Deprecationes, Orationes, Invocationes, 
Obtestationes , Adiurationes , Exorcismata 
ethuiusmodi. — SBei allen biefen »erfchiebenen ®t* 
beten/ Anrufungen, SBefchwür ungen unb 58e# 
fprechungen C beibed ifl in brr SRagie nicht einerlei!) 
ifl cd, wie er L. I. C. LXXIII. p. 166. fagt, ndtbig 
unb bie .Sjauptfache , b afl ber QRagud feinen Befotu 
beren Slffect unb (Sffect hinein lege, e. g. ut si 
herbam colligat , vel lapillum proferat , ad quem 
iusum id faciat: si fabricet Imaginem, cliCat et 
inscribat ad quem Effectum ea fiat, quas quidem 
Imprecationes et Inscriptiones etiam Albertus 
in suo Speculo non improbat, ©ajfelbe ungefähr, 
wad ^Jaracelfud indhefonbere von ber Imagination 
in ber weiffen 2Ragie fobert^ £ierin (Hmnten übrtgend 


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, 56 

alle Älteren unb neueren SRagier burefjauä mit einanber 
übereilt. 

Ob man nur §unt ^ 6 dt ft e n ©ott babei beten folle 
ober bürfe — barüber befanb ftdj Agr ippa, tote ^para* 
celfuä, Gampanella, spomponajji unb anbere 
gute Stiften in einiger 93erlegenbeit. Sr fagt, alle 
eigentlichen ©ebete fepen in opere magico freilich 
principaliter ad solum unum Deum dirigenda , 
(Dte occult. Philos. III. 5g. p. 536.) inptnfcben müffe 
man im magifchen (Jultue jroifchen Aboration, Obla* 
tion, 3noocation, unb ©epreeation unterfcheiben, 
unb fo fonnten benn auch mobl ©ebete ober Anrufungen 
an üttittelgeifler gerichtet roerben u. f. to. ©afelbft 
Lib. III. C. LXI. ♦) , 


II. öefannte unb unbefannte ober geheime 
Slamen ©ot tti , ber Sngel, (Snget ^ 

unb allerbanb SOtittelgeifter — 
tv Auch »on biefen Vinculis (jat bie 3« u b e r* 
SBibliotbef Abteil, in ben beiben erften ^heilen 
bereit^ hinlängliche 33eifpiele gegeben, i . , ■ . 

Deus, . fagt Agrtppa deoc. Ph. III. GL XI. p;573. 
Deus licet sit unitissimus, sortilur tarnen diversa 

— -r~» . 

*) 2>a SKaunt unb ndchüer 3»icf in gegcnmdrtigem 2luff«$ bie 
nähere SSerücffichtigung ber älteren SEbcitegie, roie gefagt, »er« 
i i hieten, fe mache ich hier nur mit €incm SBort auf bas auf« 
merffam, t»as ^antblich De Mysterii* V- 20. ausführlich 
»on ber theurgifchcn Äraft ber ©ebete »orbrittgt, n>o er ihnen 
(pag. 142.) eine rebuctiue, perfeettöe, imptetiue, 
unb enblich unitioc Scart jufchreibt. äöeitlduftig fpricht 
auch $lotin bauoit Ennead. iv. L. IV. C. 4./ namentlich 
Mn beren ÜQitfung in her SRagte unb Stbturgie. 


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57 


Nomina ). non quae diversas eius essentias aut Dei- 
tates exponunt, sed quasdam proprietates , ab eo 
emanentes: per quae Nomina in nos et ea, quae 
creata sunt , multa beneficia et diversa munera velut 
per canales quasdam distillant etc. 93on ber SB i r* 
? u n g ber »erfchiebcnen 9?amen ©otteö ^anbelt er 
a. «. Ott pag. 377-379./ wo tr in Sinftcht unb Sprache 
fflfl ganj mit ben Sllexanbrinern / namentlich «pro# 
duö *) überein Fommt. , 

2lußer ben befannten Stamen @otte$ , SIbonai, 
Gfobim jc. ifl nach ben ©ehauptungen bet Äüercn unb 
neueren ^^eurgen befonberö ber gebtimnißreiche 9tame 
Tetragrammaton »on befonberer Äraft in ber ÜKagie. 

«Diaimonibeö (Moreh Nevochim P. I. C. LX. 
p. 100 .) fagt: ©ß gibt Feinen JWamen ©otteß bei unß, 
ber nicht »on beffen SBerFen ober befonberen Stgenfchaften 
$ergenommen wäre, außer bem 9iamen Xetragram* 
maton, welcher an fich mpfteriöß ift, unb bie 
©ubftanj beß ©chöpferß mit reiner ©ebeutung 
oußbrücft, fo baß nichtö anberß barin an ©ott, bem 
Schöpfer, bem .^ochgelobten partictpirt, baher er auch 
ber abgefonberte JJiame $ei$t u. f. f. — 

Slgrippa fagt unter anberem golgenbeß barüber: 
2llß (ich bie ^abbaliften unb «Dlagier bemüht bdtten, 
bae ganje göttliche SBefen nach alten einjelnen ©cnen* 
nungen in ©inen Flamen jufammen ju faßen — has 
( appellaJtiones ) per naturarum potestatem abusivo 


*) «Bergt. Theolog. Platon. L. I. C. 19. V. C. 23. UUÖ 
ßnbernxfrM. 9tcl)«lidjcä bei 3<tntbli<f>/ porpfcijr jc. f ja, 
nie nir unten mit ein 'Paar SÖorteu npd) bemerfen merbett, 
feit) ft bei bett Kirchenvätern. 

e • 

/ 


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modo designarant, et quasi plurimarum nominum 
nobilitate De um appellare conati sunt. 

©ieß ift ber fftame, bie ©rubenfuß^ierogt^phG 
bie ben ^)ubt( in ©oethe’ß gaufi bannte, 

€D? 

©eßeb’ id)'ö nur, baß ich fytnaud fpajiere , 

SBerbtetet mir ein fleine$ ijinbemiß, 

I)«r Drubenfuß auf eurer (Schwelle — . 

ftauß. 

Da$ ^Jentagramma macht bir ^etn? 

€9 fage mir, bu <5ol)n ber £ 6 He, 

Senn baö bidj bannt, wie famß bu benn herein? 
Sie warb ein foldjer ©eiß betrogen? 

33? ept)iflo|sI><re«. 

Sefchaut e$ recht/ eö iß nicht gut gejogen, 

I)er eine Sinfel/ ber nach außen $u, 

3ß/ »te bu (iebft/ «in wenig offen. 

gauß. 

£aö hat ber 3 «faß gut getroffen! 

Unb mein ©efangner wdrß benn bu. 

9Ban »errounbere (ich über bteß ültteß nicht, ©etbfl 
bei ben ftirebenodtern ftnben wir, wie wir im 93or* 
beigehn noch bemerfen/ über bie jtraft ber göttlichen 
JRamen, befonberö ber geheimen unb mpfteriöfen, 
3been , bie unß nun feltfam genug »orfommen. 3* ©♦ 
Origen eg Contra Cels. L. I. C. I. Qui autera 
potuerit de Nominum secreta ratione philo- 
sophari, multa facile inveniet etc. bergt. 1. c. p. 45. 
2t r n o b i u ß adv. Gent. L. I. Magus fuit etc. 



X 

• s 1 

59 


\ 


Aegyptiorum ex aditis , Dei , Angelorum potentium 
Nomina furatus est etc., ©ufebiuh Praepar. 
cvang. L.XI. C. VI. p» 5ig. u. f. w. *) 1 


Ser ©ngel, * ©nge I unb allerbanb 

©tittelgeifter — 

Jf)ier f6nnen wir fdblechtcrbingä nicht in’d ©injelne 
gefm, baff wir j. 33. biefe ©ngel, 5r.hron*(5ngel, 
gute unb b6fe aNittelgeißer (ju (enteren gehören 
bie Seiten, burch bie Segenben ber gauftifcben OTagie 
fo berühmt geworbenen 2l§iel unb SD2e|>|>iflop^elcd !> 
ndber nach Sßamen, Slemter, ©iegeln, Sbaraf» 
tcren befcbrieben, roaö mehrere einzelne Slbbanblungen 
erfobert. Senn man (ich »on ber ntagifchen ängelo« 
logie einen «ollftdnbigen ©egriff »erfchaffen will; fo 
muß man notßmenbig biä jur allgemeinen orienta« 
lifchen ©eijierlebre, bei ben ©ngeln alfo namentlich 
nach Gbalbda unb QRcbien, unb fpdterhin vorjüglich 
§ur Älteren Jtabbala jurücf gehn, beren jum 2h«il 
äug bem 3<>ro«ßri$ntua unb 3nbici$muö entlehn« 
tcn 3been alb bie ©runblage «on ben jüngeren thal« 
mubifch t rabbinifchen Srdumereien in biefem ©ebiet 
b;ö SHberglaubenb ju betrachten jtnb. 

äußer bem 2h. I. unb II. in ber ^weiten äb« 
theilung bereite Sßiitgetheilten , wirb gaufl’h foge« 

*) 3« bet früheren feiten , al4 bergfeichen $inge noch an bet 
ftagetforbnung mären, i(l übet bieg Setragr ammaton Diel 
gefcbrieben worben. Stufet mehreren 5)i|fettationen , »ft b«4 
folgenbe ein* ber mic&tigflen Sucher baoon: Job. Turnern* 
Exercit. de Pronunciatione nominis Tetragrammati. Lond. 

1684 . 4 . 


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60 


nanntea eigenhdnbiged ötirafelr untrSSunberbutf?, 
wooon bet Slnfang fdfjott in gtgen»drtigem X^eil abge/ 
brucft »erben »irb , nicht «Bein ben Siefc^obern foldjer 
literarifeben Euriofitdten , fonbern felbfl bem ernflen 
hiflorifdjen g° r fd?er mandjed 3nteref?ante hierüber liefern* 
SBir »erben »on biefem 53ucf> unb feinem gefcbicbtlicbeit 
©ehalt für bie theurgifdje SWagie, in ber Einleitung 
baju 3tbth* II. nod? ein ^aar IBorte fagen. fllicht 
mtnber intereßant für bie neueren mcrgifcb ■> t^^urgifc^en 
©cb»drmereien »on ben Engeln unb namentlich »on 
ben »erfcbiebenen ©attnngen ber ÜÄitteUunbSlflral* 
geifler ift baa folgenbe ©ucb .*),• all eine 3trt engU> 
fd)er gaufl: Ofthe Nature and Substance o£ 
Devils and Spirits > in beffen $» eitern Eapitel, 
(mit gdnjlidjer 58erfjd;iebenheit »on §aufl*a üflirafel* 
©uch/ »ie »on beffen llenjmang!) »on ben jteben 
guten fo»of>l, ala böfen ober »ielmehr. mittleren ©eifler* 
gehanbelt »irb , an »tld;e ft<b ber Slbeurg in opere 
magico bei ©efcbwörungen ic. fmupffdcbticb ju 6nlten 
habe, alfo, baß bieß ©ucb, auö bem »tr in einem ber 
folgenben Xbeile ald parallele ju ben 5 a u fl ’ifdjen 
©üdbern einen Sludjug geben »erben, meßr nach bem 
©pftem ber eng lif eben , §«“11 ««b bie ißm dhnlicben 
bagegen, inehr nach bem ber beutfeben ÜÄagie in 33e* 
treff ber Engel unb QKittelgeifler fdjeint eingeridjtet 
ju fepn. . . 

Slllein auf bieß Sllled fdnnen »ir und hi fr nicht 


*) 9ii#t ju sermecbfeln mit einer Meinen ©#rift, reelle $Xegi< . 
nalb @.cot unter bemfelben Stitel gefebrieben unb altf 3lnbang 
ju f. Discoverie of Witchcraft beraub gegeben bat. 
®.ibc fiab febr »erf#uben, ha# 3nl>alt unb SCenbcitj. 




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/ 


öl 

weiter efnfaßen. SBir bemerfen $ur ®tfcbi<&te ber 
neueren tbturgifchen ©tagte nur noch bab Sinjige, baff 
barin bie ßngel* unb ©titteigeifterlebre mit ber 
Slftrologie jener 3«t f«b r innig »erbunben erfcheint, 
folglich mit ber 2 ebre oon ben ©eftirn* unb Slflral# 
geiftern. (SDtebr ober weniger war bieß freilich auch 
fdjon in ber öfteren unb dt teilen ©tagie unb SEbeurgie 
ber ! ) J^>ter »erbient unter ben Steueren »orjüglich 
vergüten ju werben £rittenbeim, fowobl in ber 
0 teganogr«pbif Lib. III. p. 160 seq. , alb in f. 
befonberen SEractab De Nominibus Spirituum, 
ber an ©larimiltan I. gerietet ift. 2luch Slgrippa 
banbeit auöfübrlicb bit^on de occult. Philos. Lib. IV. 
Opp. T. I. p. 4 2 7 seq. — Lib. I. p. 161 fagt er, 
bie ©efiirne an ftd) fonne man nicht anrufen , eb fönne 
nicht anberb gefcheben , alb per nomina Intelligen- 
te arum, (ber ©eftirn* ober Slftral ^ ober ©tittelgeifter) 
ipsis stellis praesidentium. Die .fjauptfacbe babei fety, 
baß man bie rechten Stamen unb eigentümlichen 
Sbaraftere biefer ©eflirn*Sngel gehörig fenne unb 
»erflehe. £ie§u nun gibt er > gleicbfam alb ob bie 
nicnfcblicbe ©ernunft »on bem Siffen etwab wiffen fönne, 
p. 427 seq. felbfl Anleitung. SKber fo gebt’b , wenn ber 
SDtenfd) bie ©renjen beb ©rfennbaren einmal überfpringt> 
ohne bie Ärdfte feineb ©eifteb ober bab, wab er wiffen, 
unb nicht wiffen ! a n n , einer dtritif ju unterwerfen. 
Sann fleht ihm niibtb im Sßege, jeben ©egriff, jebe 
©rille ju realifiren, ju perfonißciren, ju bhPojlatifiren, 
wie er will, unb feine ^bantaftcen * ©über werben SEBirf# 
Iichfeiten. freilich nur SßirflichFeiten , bie außer fei# 
nem ©ebirn nicht erijliren, aber bab abnbet er 


1 


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62 


nicht, unb glaubt feft an bie ©efpenßer, fo er ficb felbft 
gefcbaffen hat. Doch wir müffen jum golgenben eilen , 
wo noch Sinigeb , bab jugleidj tyttfyn gehört, namentlich 
eine charafteriftifche Steuerung Slgri pp a’b über bie 
©ngel*9Ramen, berührt werben wirb. 


Spornt/ in h'fcr&ifchen, auch wol arabifebett 
unb inbifchen befannten, bebgleichen in un* 
befannten unb vüllig barbatifeben SBorten — 
Daß bie hebrdifchen SBorte vor allen anberen eine 
befonbere .Kraft in operationibus magicis haben, ifl alte 
unb allgemeine Meinung. 6b rührt bieb von ber großen 
Hochachtung her, bie. man überhaupt gegen biefe Sprache 
hegte, bie aHerbingb auch eine befonbere Hochachtung 
' »erbient , welche aber in gang anberen Dingen , alb bie 
finb , fo man gemeiniglich annahm , g. $8. baß ©ott im 
‘Parabiefe hrbrdifch gefproeben habe jc. gegrünbet ftnb *). 
7>aracelfub, Slgrippa, Sampanella, ^pompo* 
naggi. — Stile fiimmen hierin mit einanber überein. 
Slgrippa fpricht üfterb unb immer recht con amore fo* 
wohl überhaupt von ben 5$or gügen ber hebrdifchen Sprache, 
alb inbbefonbere von beren SBebeutung in ber 
Slheurgie. ©r nennt ße eine lingua, divinitus creata, 
quam Deus doeuit Adamum etc.; — bieß nahmen 
SBiele unferer alten ^htvlvgen unb Stbfeten an! — er fagt 
wieberhohlt bavon, eb fep omnium procul dubio per- 
fectissima lingua, nach feiner ÜÄeinnng Angeli maiorem 

*) $ßer&l. Sie na II. ©. 34a. ber int. 2lufl. Sffieldje ntoffe* 

tiöi er&abene 3been <p&iU »<m ber pebr. ©prac&e batte, fie&t 
man befonberb «ui beffen De Cherubin. 


\ 


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ejus rationem habent, quam aliarum u. btrgl. — - 
SRamentlicb in auf ihren ma giften ©ebraud) 

fagt et : Illud verum non ignorandum est , hebraeas 
Litteras omnium esse efficacissimas , quia habent 
similitudinem maximam cum coelestibus et 
mundo etc. (f&ieber nach einer jiemlicb allgemeinen 
Slnnafjme, welche auch ‘Pomponajji in ber oben ange* 
f&brten ©cbrift De Incantt. , ©affarelli *) unb 2 ln* 
bete behaupten!) Unb an einem anberen Ort (De occ. 
Philos. L. L C.74. p. 167. »ergl. mitp. 169.) mit einem 
wirtUd) tieferen ©lief in ben mpfteriöfen ©au biefer 
©pracbe : prae Omnibus vero linguarum notis he- 

braeorum scriptura omnium sanctissima est in figuris 
Characterum, punctis Vocalium et apicibus Accen- 
tuum, veluti in materia, forma, et spiritu con- 
sistens. (Sin ©ebanfe, ber febr ernfl weiter entwicfelt 
werben finnte!) 

- Slrabifcben unb alt'inbifcfren (famStrebanifcben) 
SBorten — Dergleichen fomnten befonberö in magifeben 
ÜJtanufcripten unb Drucffcbriften cor, roeltbe junAcbji auö 
bem Orient flammen, unb mehr ober weniger ba$ 
©pftem ber mubamebanifeben 9 Äagie unb Sbeurgie oer* 
ratben, wie $um©eifpiel £erpentil’$ fd?war§e SWagie, 
bie in ben beiben erften Xbeilen mitgetbeilt ift. Slament* 
lieb ba$ 2 ßort OM , welcbeö einigemal jwifeben ben 
ligjten fftamen 2lgla unb iüetragrammaton vor# 
fommt, balle i<b für ba« alt*inbif<be mpftertöfe 
O. — U. — M. , (nacb ber inbifdjen Stbeologic in bret 


*) Curiositates inauditae etc., Utcintft$ fttraud gegeben 
oen ©regor. «Otidjaelii. Hamburg! , 1076, n>o man auch 
bimmlifd)« 2Upf>abet abgebilbec jinbet. 



©plhen ftu* jufprrdjen) wcTd&cö , wie man felbft au« 
SWanu fieht, hauptfdd)lich aud) in theurgifdjer 5 Be* 
jithung gebraust würbe *). 

•’ ' V« . ’ 


S5e$gleidjen in unbe!annten «nb »dllig 
barbarifchen Sßorten — 

Um nur baö 9Zothwenbigfte jum 3ufammenbang biefel* 
feltfamen Slnnabme mit ber theurgifchen SJlagie an$u< 
führen — in bem 23udj Arbatel wirb behauptet, biefen 
fremben barbarifchen Sßdrtern fet> »on ©ott un* 
mittelbar fogleid) rerum initio, wie’ö barin heijU, 
eine gaitj befonbere geheime Äraft mitgetheilt, 
unb fie fepen bem SMenfdjengefchlecht eigenbö burd) Sngef 
befannt gemacht worben. 28a$ für fonberbare'93chaup* 
tungen bei ben Jteuj^latonifern barüber oorfomnten, 
erregt S3erwunberung unb leitet ju mannigfadjen 9te* . 
flerionen, wie weit ber menfd)ltd)e ©eift fleh verirren 
Wnne, fo halb er einmal von an fid) unrichtigen 
^Jrinjipien auögcht **). 3n ben Orac. Chaldaic. ift 

*) €« ift ira lten mtb Qten £[). ber 3. 95. bereit« ginige« bier* 
über bemerft, e« foU bem SBort «ber noch ein eigener 2luffa$ 
geroibmet »erben. €« wirb in ber inbiftben fcbeologie aicfbara 
genannt b. b- ba« Uuoerg4 it gliche, weil e« bie brei 'Perfonett 
ber Jjinbu Strinitiit bejeiebuet. SKanu, II. s. 84. © 1 0 ff«? 
riura ju SKanu ©. 469. 

*•*) SKan »erglcicbe j. 95. nur 3 a mb lieb De Mysteriij Aegypt. 

L. VII. C. 3 unb 4. .f>ier fagt er p. 154. unter auberera, 
biefe barbarifeben Cmagtfcfcen ) Sföärter fepen niebt au« 
tnenfeblicber SßiUfubr, fonbern göttlich entjlanbeu, fie bürf# 
ten beOwegen auch nicht in eine attbere Sprache übergetrageit 
»erben , gefebäbe bief bennoeb , fo »erlüren fte ihre Äraft »e. 
IDie ©rieeben fepen Steuerer unb «erberbten burd) bcrgleicben 93er« 
fuebe biefe Jjeiligtbämer n. f. f. — Stiebt viel anber« baebte 
$roelu« Theol. Flat. II. 29. p. 69- ©tlbjl bie Äir eben« 


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65 


»orgcfchrieben , baß bit ovoftara ßapßapa nie »crdnbert 
werben follcn. spfelluö (in Schol. p. 97. ber gicin’i# 
fdjen Uebcrfe$. u. 21u$g.) fagt ju feiner 3 6. b- in 
ber mittleren ^)eriobe ber tbeurgifchen ÜRagie, mit ben 
Cbalbdifdfen Draceln, ber 3lleranbrincrn je. »ollfommen 
übereinjtimmcnb: Singulae gentes habent Nomina 
quacdam, divinitus data, quae incredibilem 
rim habent in sacris. Ne igitur illa commutes 
aut transferes, in — Graecorum sermonem. (©af# 
feite, wogegen ^amtlich frfjon eifert! ©ic jarten grie# 
dfifdjen — unb biefe abfdjeulichcn Saute bilben freilich 
einen üöiberfprud) an p<h!) Ut est nomen Seraphim , 
Cherubim, Michael, Gabriel etc., sic enim' 
jnxta Hebraeorum dialectum prolata , singulärem et 
ineffabilem Sacrorum administrationem habent: at 
in graeca nomina, prorsus sunt imbecillia! — 

Unter bie Kategorie »on ber gleichen Sauten geboren 
vorjugöweife , wie wir hier noch bemerfen muffen auch 
bie fogenannten ecpeaia ypafi^aro, ober ep^efefd>en 
Saute, SBorte, 33ann#!Huncn, welche juh burch 
fchmetternbe, würgenbe 5£one auöjeicbncten. Dabei »er# 
bient f>tflortf<^ bemerft ju werben, baß gerate bie 
griecbifchcn ^rießer unb SEbeurgcn felbß ©ebetö# 
Formeln in fold;cn barbarifd) lautenben SBorten für bie 
frdftigjicn hielten, feinbfelige ©dmonen ju »ertreiben 
unb ju befdnftigen , wie man unter anberen auch au$ 
Glemeng »on Sllcranbrien Strom. I. pag. 33g. V. 

uäter waren »on foldjen feltfamcn ^Behauptungen nicht gauj 
frei. SKait f. 4 . 35. Ör igeit cd Cont. Cels. L. I. p. 20, wo 
er unter anberem lagt : bie Söirfung folcher (barbarifeber) 2Qorter . 
fiep ni(f)t in Signlficationibus rerum, sed in ipsis Vocum 
qualitatibus etc. gcfegeu. 

m. 5 


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66 


p. 570 . erftebt. 2 (ld SrandjuS, bie SDtilefier »on ber 
^)e(t entfünbigte, befprengte er ba$ 5iolf mit Sorbeer# 
jweigen unb fang (nadj 95aß'tn3 Ueberfefcung) oor: 
jt'infeer, beit frejfettben @ott fingt laut , ... 

Unb btc trcffenbe ©Attin! 

worauf baö 93olf bie bergjerfnirfd>enbe Süanei an# 
ftimmte: , 

Bedü, Zaps, Clithon, Plectron, 
Sphinx, Knaxzbi, Chthiiptäs, Phlegmos, 
Dro-o-ops ! ! ! *) 

■ t A 7 t 

Ob* * u n & $er$jerreiffenbe fpmbolifdj « magtfdje 
$3ann*9iunen, bie mit immer »er jtdrfterem beulenbent 
©efdjrei mehrmals wieberboblt würben , unb benen man 
bie Äraft jutraute , bafi iic bie befdjüljenben ©Antonen 
befAnftigen, bie oerberbenben oerfdjeudjen würben. 

Da int ©ebraud) foldjer SBorte bie neuere üttagie 
nichts ©efonbcrcß b>at , fo ntad)en wir jum ©efcbluji nur 
nod) auf bie cbarafteriflifdje ©teile auS 2 lgrtppabarüber 
aufmerffam, welche bereite §. X. ijt angeführt worben. 
<5S ift bie folgenbe: De occulta Philos. Lib. III. 
C. 26 . Opp. T. I. p. 429 -, wo Slgrippa folcben 
Sauten etwas © 6 ttlid)eS, etwas SiefcreS unb ^rAg# 
nantereS jufcbreibt, als ben befannten Sßorten. 


Snblid) in geheimen @ha r <*fteren, in 
©iegeln, Greifen, 3i r feln — 

Jfjier wArc üttaterie genug für ein ganzes Such. ©a# 
her pon 2111cm nur baS Slllerwefentlicbfte! ©ie hier ge# 

*) ©uibad £tpt(. ypitf ifi. Stt&endu* L. XII. Clem. Alex. 
1. c. unb &ird)er 5 i Oed. Aegypt. T. II. P. II. p. 469. 


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67 


nannten ©acfjen flnb fo alt alö bic Stßeurgie fclbft, unb 
bie teueren ßaben im SBefentlidjen hierin nidjtö SBer 
fonbereä. 2Bir toollen alfo bei jebem einjelnen ©tticf 
Ginige$ auö ber älteren SD?agte barüber bemerfen. 

Sunt autem Cliaracteres, fagt Slgrippa, mit 
93ejießung auf bie ältefle SCRagie, 1. c. Lib. III. 
C. XXIX. p. 4-36.; nihil aliud, quam ignorabilcs 
quaedam litterae et scripturae sacrae, sacra Deorum 
et Spirituum nomina a profanorum usu et lectione 
custodientes , quas literas Veteres hieroglyphicas 
seu sacras vocabant etc. Unde Porphyrius ait, 
Veteres deum et divinas virtutes celare volentes, per 
sensibiles figuras, et per ea, qnae visibilia sunt, 
invisibilia significantes , quasi sacris literis 
magna mysteria tradidisse et symbolicis quibusdam 
figuris explicasse etc., quare Julianus eas sacras 
seu divinas Characteres yocat- SScrgl. Lib. I. 
C. XXIII. p. 6g. . 

3m 53udj Arbatel ober de Mag. vet. Aph. XVII. 
wirb ber ©ebraud) ber Gßaraftere, roie überall in ber 
neueren SSttagie, mit ber 21 ft ro lo gie in 3ufammenßang 
gefegt : Omnis Character a spiritu datus , quacunque 
ratione suam habet efficaciam in eo negotio, ad quod 
datus est, in tempore praefinito. Est enim 
eo utendum hora et die planetaria, qua datus 
est etc. 

\ 

3iemlidj allgemein (benn Ginige fdjreiben fte namentlidj 
3orafler’n ju!) angenommen ift’$, baß bie Gßalbäer 
unb 2leg»>ptier beren Grftnber fet>n follen. 9f icepftoruä 
©regoraö (De Insomniis p. 119 .) fagt: ©eifter unb 
SDAmonen evocantur ex aere et teiTa certis vocibus 


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68 


et Figuris, quae vocantur Cliaractercs, in— 
vcntaeque sunt a Clialdaeis et Aegyptiis, 
qui primo retexerunt Signum cuiusmodi daemonis 
diacritium. (!!!) (Sben fo im 93udj Arbatel unb bieten 
anberen magifcben Üttanuftriptcn unb 5Drucffd)riftcn aud 
öfterer unb neuerer 3«it* 

Stadjbem 2tgrippa Litf. III. C. q6. alTerbanb $cr* 
über unb hinüber über btefen ©egenflanb oorgebradjt bat, 
mad)t er Cap. XXX. Opp. T. I, p. 437 . folgenbe in 
ihrer 2lrt berftünbigere ©emerfung : Scire tarnen oportet, 
quod angelici spiritus, cum sint puri intellectus et 
omnino incorporei (hierin waren ^aracclfuö. 
Stöbert gtubb unb Unbere confequenter ! ) Signa- 
culis et Characteribus , Figurisque pingibilibus non 
compelluntur, sed nos, eroum essentiam qualitatem- 
que ignorantes, ab illorum nominibus seuoperibus, 
seu oliter signacula devovemus et consecramus , 
non quibus illos ad Nos, sed quibus nos ad 
Illos adsurgimus, quatenus per eiusmodi Cha- 
racteres Figurasque ignorabiles , primo sensu» 
nostros in illos conferimus, deinde rationis nostrae 
admiratione quadam in ipsorum religiosam inducimus 
venerationem etc. , ubi tune fide mirifica , spe in- 
fallaci, amore vivifico, illos in spiritu et veritate 
veris Nominibus Characteribusque invocantes, postu- 
latam ab illis adsequimur virtutem. 


Unter bic borjüglidjflen ntagifeben Gbaraftcre geboren 
bie (Siegel , bann Die 3irfet ober Ärcife, 


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69 




Statt ben ©eifter ; (Siegeln wollen wir nach t?ot# 
lenbctem Slbbrutf beö Jauft’ifdben SBunber » unb 
Sftirafel t ©udjö eigenbd itattbein. (Sin ^aar vor« 
läufige Sßorte bar über werben auch bereite in bie (Sin* 
lei tun 9 jur folgenben ^weiten 2lbtbeilung ju ftcbn 
fommen. 

2Ba6 bie magifeben 3»rf«l unb Greife betrifft; 
fo waren biefe f(f>on bei ben Gbfll&äern gebräuchlich. 
3 n ben Orac. Chald. ifl fdjon vorgefdjrieben : 

tvipyu IttQl TOV tXUTLXOV &TQÖ<pl\oV — wirf’ i n< 

- nerbalb ber £cfatifd)en greife!, woju ^)fellu$ 
1 . c. p. 97 bie ©emerfung macht: Hecaticus cir- 
culus orbis est aureus, in medio Saphirum in- 
clusum complectens , loco bubulo conversus undi- 
quaque varias Figuras et Characteres habens, quem 
rotanies , perficiebant Invocationes , atque eiustnodi 
sunt , quae Jungas vocare solent , sive orbicularem , 
sive triangulärem , sive aliam quameunque figuram 
habcant , atque dum circumagitant orbem illam , 
sonos inconditos cum clamore emittunt , ridentes 
et aerem flagris ferientes: docet itaque ritus Ope- 
rationen! , seu Circuli eiusmodi agitationem , ut 
quae vires arcanas habeat. Vocatur autem ille 
circulus Hecatinus, quia Hekatae dedicatus est, 
quae Hecatae Chaldaeis Dea est etc. (Q 6 war bieft 
eine 2lrt non Orafcl, wovon ^felluö im Jolgenbcn 
felbft fagt: est autem hoc oraculum futile , »ergf. 
3 ctubcr s SHingc in ber ©ämonomngie, unb waö 
im Ilten üb* ber 3 - ©• 2 tbtb. I. von Ber #ejretiM 
Königin £efatc bereite gefagt ift.) 


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70 


- < SSon ben .eigentUc^eit magtfcfyen Ä reifen fagt 
5pctruö Slppona (oon ißm mehr in bem folg. Slbfdj. 
gegen». Stbbanblung!) in f. Element, magic. p. 45 5: 
Circuli sunt munimenta quaedam , quae Ope- 
rantes a malis spiritibus reddunt tutos, unb 3X g r t p p a 
1 . c. II. 26. Opp. T. I. p. 254 ’. Hinc circularis 
Figura opmium amplissima..et perfectissima Liga- 
tionibus cengetpr etc. uude , qui malos Daemones 
adiurant , Circulo sese cominunire soleant ctc. 
Sorbanuö 33runu3 (De Monade, Numero et 
Figura Cap., XC. P. i5g.; auch »on ißm unb biefer 
feiner ©djrift im golgenben mehr ! ) »ar ein fotc^er 
33erebrer ber magifcfyen ©baraftere unb namentlich 
be$ 3 ft uber#Äreifeb, baß er am angeführten Orte 
begeifert auöruft : O ! quanta virtus est intersecutioni- 
bus Circulorum et quam sensibus hominum occulta ! ! ! 
Cum capat draconis in sagittario exstiterit, diacedio 
lapide posito in aqua, naturaliter (!) spiritus ad 
dandum responsa veniunt etc. ! ! ! — 

*■ 3 «r ©efchichte ber neueren tbeurgifchen ÜÄagie 

perbient betaut gehoben $u »erben , baß namentlich auch 
bie 3auber # unb 33efcb»6rungß * Greife »dbrenb biefer 
$eriobe, mit bem Slberglauben be$ bamaligen all ge# 
meinen aftrologifchen ©pjtemb innig »erbunben 
»orben. ? Wan fann bieß fchon auö bem, »aö barüber 
ijt ben beiben erften ^^eilen 21btb. II. »orfommt, er# 
feben, unb außer fafi unjdbligen anberen ©chriften be# 
fonberö auö ben JErittenbeimifcben, j. 33. ©tegano# 
gtapbif Lib. III. p. 160; ferner. De Nominibus 
Spirituum u. f. f. Slppano an bem fo eben ange* 


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/ 


71 

fü^rtett Otrte fagt: Oportet in constituendo Circulo 
considerare, quö tempore anni , qua die, qua 
hora Cireulum facias, quos spiritus advocare velis, 
cui Stellae et Region i praesunt, et quas functio- 
ues habent etc., womit aufjer ^PfelluS, 2Ubet*t • 
SWagnuS, SBaco, Xrittenbeim jc., bann ^onv' 
ponajjt, Giampanella, *pignatteüi, 

QorbanuS SBrunuS ic. , aucb ^aracelfuS unb 
Slgrippa pollfommen überein ftimmen. SOlan »ergleidje 
anfer einer SDtenge ©teilen in beS ©rjteren SSBerfen 
j. SB. befonberS beffen eigenes SBucb de Oharactc- 
ribus, unb ben festeren unter anberem in bet 
occulta Philos. Lib. IV. p. 447- seq. 

, 4 I * | • » 

' * * — • XV ' ' * 

. ; . * » • • »4 'j ...» 

3n «Kerbanb matbematifeben unb geometri« 
(eben 3 e i<ben, in 3®bfen/ in einzelne* SBudj* 
fiaben, in mannigfachen Sßerfejjuttgen, fo wie- 
SSermedjfelungen ber 3 a H«n unb SBudjjtaben 
unter unb mit einanber — 

9lud) alle biefe ©inge gebären unter bie allgemeine 
Kategorie »on magifeben Gbatnfteren. '• 

<5S bängt bieß übrigens mit ben ^Pptbagordifcben 
Sbeen oon ber geheimen SBebeutung folcber matbematifd)en 
unb geometrifeben 3 e i^ tn > “nb namentlich mit ben Alte» 
ften 9?atur >3 a H en unb ib™ r in ben roefentlicben 
SBejiebungcn ber ©inge gegrünbeten ©pmboltf innig ju* 
fammen, unb tpdre, wenn eS ber 9iaum ^ier gefiattete, 
itol;! SJlebrereS baoon ju fagen. SEBenigftenS bnben 


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neuere Staturforfdjer über bie Seifigen 9latur* 
3ablen ber Urwelt unb ißre ©ebeutung, toie fid> 
fuldje nad) ihrer SDieinung in ewigen SRaturgefegen ja 
erfennen gibt, ncuerbingd tiefere 3been angeregt, welche 
p jum SSttinbejten fo viel beweifen , baß nicht AUed , 
wad wir feit ungefdhr bunbert fahren unter bad gad) 
von Aberglauben geftellt haben , fo ohne SBcitered 
bahin gehört. 

3n ber Äabbala ijt biefer Xheil ber fogenannten 
geheimen SÖiffenfdjaften vor fafi allen anberen 
ercolirt. ©aß hier fcltfame ©inge , abentheuerlidje 
£>trngefpinn)le mitunter vorfommen werben, glauben und 
unfere £efer wohl gerne. 2Bir felbft werben noch in biefem 
Ühcile Abtß. V. einige groben bavon jur Grfchütterung 
bed 3**>ercbfelld mittheilen, ©abei jtanb ber ©laube an 
bie ©acbe an (ich / ber Sifer für ihr ©tubium , ihre An* 
wenbung in ber 3Ragie unb SEbcurgie bei ben Kalmus 
bi (len unb Diabbinen im höchften Anfeheit, wie man, 
außer ben befannten Schriften §. ©. Änorr von Stofen* 
rotß’d Cabb. denudata, ja felbft Sifcitmenger ’d 
entbetftem Subentljum , unter anberen befonberd aud 
spet. 33ungud de mysteriis Numer. fehen fann, 
worin biefer £h«il ber Kabbala audführlid) abgehanbclt 
i(i, auf weldjed Q3ud> wir im (egten Abfdjnitt gegen» 
wdrtiger Abhanblung nod) einmal jurücf fommen werben. 

Sßadbei ben ‘P^thagordern unb Steu^latoni* 
fern bavon vorfommt, fönnen wir hier nicht ndher er* 
örtern , unb machen nur auf bad aufnterffam, wad ^)or* 
Vhpr de abstinentia ab esu carnis Lib. II. 
darüber vorbringt. 


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73 


3n ber ©efcbicbfe bet neueren üftagie verbient vor# 
jüglich Sorbanuö 23runud Aber biefen Jl^eil ber ge# 
Reimen SKtffenfdjaften bemerft ju »erben, ber in feiner 
©cbrift de Monade, Nuinero et Figura eigcnbd im 
©efchmacf ber 3cit bavon gebanbelt bot. (21 ud) von 
biefem, in feiner 2(rt nicht unwichtigen SBudj im folgen# 
ben flubfübriicber !) S0?an vergleiche j. 93. Lib. I. p. n. 
tvo er unter anberen bad fabbalijtifdje Striom aufflcllt: 
Oinnis figuta Numerus sensibilis est, »ad allein fcbon 
für ^Pbantajte unb fdpvdrmerifdje ©peculation jener 3*it 
ein »eited gelb eröffnen muffte. (Sine gemiffe allgemeine 
literarifcbe 2infd)aulichfeit von ber oben bejeidjneten 91 u# 
hrif,< möchte wol bad folgenbe cpigrammatifdje ©unfcl# 
flar bei biefem , im 3. 1600 ald greibenfer bingerich# 
teten ©«hriftfleller gewdb«n: (Lib. I. C. V. p. 56.) 

Plurima sunt Tetratis mysteria , plura Magorum 
Atque Sacerdotum , arcanis compreliensa sigillis, 
Pythagoras Decadi ut initurn (initium) fontemque cclcbrat, 
Kam quod ea (Decas) est actu, virtute haec (Tetras) esse 

videtur. 

Scilicct ut Tctradi pars quacque inspccta seorsum est , 
Per Monadem, Diadem, Triadem, Sctradcm Decas cxit. 

Gin befonberer Siebbaber von biefem &b«il ber tbeur# 
gifchenüJJagie, »ie überhaupt ber Kabbala »ar 3a f ob I. — 
©. bicfed gürflen ©dmonologie Lib. I. C. V. Opp. 
p. 49 seq. *) ; ein 93ucb , bad »ir ebenfalls nodh febr 


*) Dae in ono I ogi a s. de Artibus magicis Dialogus etc. Utbft 
Oed fiettigd übrigen ©(triften jufammen ob. oon 3«f. SRoum 
tag ne. £>as 'Such erlebte fdjtteU hinter einanber mehrere 'äuf-- 
lagen , rcaö bei einem Such ber 3rt , baö ein ACiuig gefdjriebeu 
hat, nicht ju »errounhern i(l. ©. ©ümonomagie Äh- lb 
©. 450 - 462 . 1 


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1 


74 ' 

ausführlich in ber 3* 33. berficfftcbtigen müffen, ba beS 
ÄünigS 216er # unb Uebergfauben für baS ©pflem ber 
englifchen $ererei »on fo |»«flortfc^ wichtigen, trau# 
rigen golgen war. 

2 lud) 93aracelfuS fpricht »on biefern J£b«l ber 
SSttagie ganj im ©efchmacf feiner 3 e i f * ÜReifle 

fommt bdrüber bei ibm »or in f. äßuch deCharacte- 
ribus. Stuf welche matbematifche giguren er ben mei# 
fien SBertb fejjte, jtebt man auö folgenber ©teile p. 67 . 
Inter alios plurimos Characteres duo tantum sunt 
Veri et praecipui , quorum primus constat ex duobus 
Trigonis super se invicem ila depictis, ut Sexagonum 
Constituante Alterum diculii esse priori potentiorem 
et efficaciorem et esse Pentagonon etc. 

SIgrippa brachte bie -Sehre »on ben matbema* 
tifdjen 3 e i^ e n, ben pptbagordifch * fabbalijti* 
fcben 3 ft M tn * 33 er hd 1 t n i ff e n jc. — auch er 
brachte nach feinem ganjen ©pftem biefe SDfaterie »orjugö* 
weife mit ber 31 Urologie in 3 u f am »nenbartg. 58ergl. 
de occulta Philos. Lib. II. C. XXIII. XXIY. 
Opp. p. 254 seqq. 

Grnblich mar auch in ber (dlteren) 9?ofenfreu$eret 
»on ben magifchen 3 «hi*n* unb tßuchftabengebeinu 
niffen »tel 9?ebcnö, aber bieoon wirb an einem anberen 
Orte gcbanbelt werben. 


©nblich unb julefct in itreug jeidjen. 

SKan bat hiebei nicht auöfchliefj lieh an ba$ chrifUicbc 
Äreuj ju benfen. ©ic £reu$igigur i fl fehr alt# 


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75 


fommt fiftob in den SDtyfterien eor, und warb in ber 
alten Sßelt fftr mpfleriü« unb magtfcb gehalten. £«« 
mit fett inbeff bem Äreuj unb feinem ©ebrauch in ber 
theurgifdjen SDIagie cbriftlicben Xt)eilÖ feine cf>r iflüd^e 
©pmbolif, befonber« al« ÜJlittel, fcbAblicbe ©eifter oon 
ben 3 au berfreifen abjuhalten, ober auch folcbe jum @e< 
hotfarn gu nAt^igen, wie ftcb oon felbft »erfleht, nicht 
abgefprocljen werben. Agrippa fagt oon ber Äreug* 
gigur unter anberent giolgenbe« , womit e« wenigjlen« 
in betreff de« $iftorifchen feine 9tid>tigfcit hat : 
Figuram Crucis Aegyptii atque Arabes summam 
potentiam habere confirmabant, quodque sit omnium 
coelestium V i r i u m atque Intelligentiarum 
firmissimum Receptaculum , (SrAger) quia ipsa sit 
figura omnium rectissima, continens quatuor angulos 
rectos etc. Lib. II. C. XXIII. p. a54. 


£)iefj find die h<iuptfAchlicbflen Vincula 
ober 58inbung« * SDtittel au« ber Sntellectual* 
Sßelt, wooon e« fich in ber theurgifdjen SDIagie 
handelt. 


SRun find noch jurücf die Vincula au« ber 
elementarifdjen unb ^immlif^en 2Belt biefer 
©attung oon SDlagie. 

2Bie immer aber ich mich auch bemüht habe, wo 
nicht biefe ganje Abhandlung/ doch wenigfiten« gegen« 
mdrtigen Abfdjnitt oon ber 3bee ber ttRagie nach ihre» 


/ 


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76 


»erfchiebenen ©attungen, wovon bie reinschriftliche, 
ober tbtofopb»fthe noch gang gurüdE ijl, in biefcm 
Streife gu vollenbcn, affo , baß bei ber weifen unb 
tbeurgifeben ÜJtagie fafi nur bie neuere ©efchichtc ber« 
fclbcit einigermaßen genügenb bat beräeffiebtiget werben 
Fennen: fo ift eo bennod) bei ber SKeichhaltigFcit ber 
Materie unmöglich/ wenn cö nicht gum Nachteil ber 
übrigen Abteilungen gefcheben foll. 3n ben folgenben 
ober vierten X heil nun aber wirb unfehlbar bie 
gange Abbanblung gu (lehn Fommen. 


* 


0 



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3 «> e 1 1 e 3 b t H i ( « n g; 

gtbrurfte, unb ungcbrucfte to i cf j 1 1 g c ,3au6er; 
(Triften/ gonj, ober im 9(u6gugc 
ent$a(tcnb. 


✓ 


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79, 


Söoterinneru'ngen. 


N um. I. 

^amtt bem Slbbrucf ber 2lct e n ft ü cf e , weitem biefe 
Slbtßeüung gewibmet ift , fo wenig al$ möglich Gfintrag 
gefd)eße, roitt id) mid) bter möglicbft furj faßen, unb 
nur baä Slllernotbigfte erinnern. 

Num. I. »erbanfe icf) bem befonberen literarifdfen 
SBo^tvooden eineä boßen »ereßrungöwürbigen ®6nnerS 
im Siorben »on £)eutfd)lanb. £>aß bieö Jauft’ifd)e 
2Bunber/ unb SD? irafelbud? eineä ber roidjtigften 
Slctenftücfe für bie ©efd)id)te ber neueren Etagie 
unb £{)eurgie ift, brauche icf> nid)t ju bemerfen. (Jö ift 
jug(eid) in ber nod) immer nid)t genügenb aufgeflärten 
®tfd)id)te felbft »on ^iflortfdjem 3n* 

tereße, unb fann in gewijfer .^inficbt unter baö gad) 
ber alten beutfdjen Segenben * .£)iftorien * unb 
33olfäbüdber geftellt werben. 2öie außerorbentHd) rar 
e$ ift, weiß id) aud eigener (Srfaßrung , inbem id) e$ 
mehrere 3aßre ßinburcf) »ergebend aufjutreiben »erfudjt 
habe, bid eö mir 2Bof)lwoUen , literarifdje Siberalitdt, 
unb , wie id) ßinju fegen barf, 3ufricben()eit mit bem 
in ber3aw^*r f 53*bliot()ef auögebrücften parteilofen 
©treben, unoerßoft barboten. ©aö Gremplar, wornad) 


r 


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80 


meine Abfchrift genommen ift, &at ©cßrüpffr ftlbfl 
befeffert , unb cS brjtnben ficf) mehrere cigenbdnbige 
Anmerfungen Pon ißm babei, woburd) eS für ben SHeb* 
baber unb Äenncr bicfeS 5ad;ö, ja für ben Siterator über« 
ßaupt , noch einen befonbcren SBertb erb<Ut. 

ÜÄebr will ich porerft nicht über baS feltfame Buch 
fagen ; e$ wirb bicS am paffenbften nad; PoUenbetem Ab« 
brucf beö ©anjcn (im pierten ober fünften JEh c ti / bcnn 
baS Ms. ift jwolf Bogen ftarf) gefcbeben. 9iur ba$ 
Ginjige bemerfe idj, baß bie magifcßen Figuren 
unb namentlich bie ©rifter«©iegel bar in nicht ganj 
biefetben ftnb, wie man jte in mehreren Stectnftonen ober 
cinjeinen Abfchriften pon bem Buch ftnbet, fonbern bie« 
jenigen, welche ftch ©cßr 6pfer für eine ungemein große 
©umme in Jfjollanb perfchafft hat *), unb baß biefe 
giguren nach brffen Behauptung bie beften unb wirffamfien 
pon Allen ftnb ober fepn fotTeit, welche man hat/ worüber 
mir nun freilich fein Urtheil jufteht, ba ich Partei in ber 
©ache bin unb fchon jum BorauS entfd)ieben habe/ n&m« 
lieh — baß ade bergfetdjen theurgifchc Behauptungen auf 
Singen auö ber überftnnlicßcn 2B eit berußen/ Pon 
welchen wir nichts tmffcn , nichts wiffen tonnen, unb 
barum oßne 3«?eifel audj nidjtS — wiffen follen. 

Saß bie üjfentlidje ©cittheilung folcher Actenftütfe 
bem Aberglauben feinen Borfdjub, fonbern Abbruch 


*) Sie 6umme iß fo groß/ baß icf? Slnßanb nehme, fit tu nennen, 
weil bie meißen £efer ber 3auber*35ibliotl>ef oßne ^weifet 
barubee lachen würben, unb ich nicht einmal baä Siecht hätte, 
e<J ihnen tu verargen, <ti hat inbeß barnit feine oolffommene 
SKichtigfeit, wie felbß au« öffentlichen Nachrichten befannt iß, 
unb ich auch foußher (ams brieflichen Nachrichten) mit ©eteiß« 
heit weiß. 


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81 


l 

*but, fcfjetnt au«gemad)t gu fepn. 3ch »oflte . anfang« 
SDtanufcriptc unb ©rucffchriften ber 2lrt nur tfailt unb 
auSgugöweife in btr 3«uber / ©ibfiotbef liefern, 
wie roirflicb auch im erften Steile gefchehen iß, unb 
früher »on Räuber, 9ieichh«rbt unb 3lnberen 
gefchah. Stber von mehreren einßchtSooßen ©elebrten iß 
bieß eine übertriebene Sircumfpection genannt unb mir 
bemerft worben , baß ba« gange literarifche Unternehmen , 
burd) ©orenthaltung ober ©erßdmmelung biefer Do* 
cumente gur ©efchidjte be« Slbergfaubeni, feine« 
heften Xheif« beraubt werbe. 3a, bereit« hu&en dffent/ 
liehe ©Idtter fcfjon eben fo geurtbeift, unb bie »ölfige 
SDtittheifung ohne 3erßücfelungen gefobert , ba ja biefe 
©enfmafe be« Slberglauben« unb ber ©chwdrmerei , wie 
eS barin heißt/ feinem »erßdnbigen SDtenfchen f cf) oben 
fbnnten, bie Unoerßdnbigen aber, n>ie icf) fefbft in ber 
©djrift »on ber SJtagie bemerft hdtte, 2lße«, felbß bie 
©ibel mißbrauchen fdnnten. ©aß ich bereit« »or ber 
Slnfünbigung ber 3* ©♦ ernßlich bardber nachgebaeht* 
unb bie ©ach« münbfich unb brieflich mit mehreren litera* 
rifchen greunben beraten b«he , ob biefe Stctenßücfe 
»ollßdnbig mitgutheilen fenen, ober nicht, bieß geigt 
bie eben angeführte f feine ©chrift »on mir *), mo ich 
mich auf ben festeren ©ogcn ausführlich bardber erfldrt, 
unb ba« »ößig Unbebcnffiche bei ber ©acbe gegeigt höbe« 
©a fich bte 3«w&er # ©ibliothef außerbem nun 
gang in ber ©pßdre bloßer h>ifforifd>er Unter/ 
fuchungen bdlt, unb ich jebe gewagte ^ppotbcfe, ja 
gebe« abfprechenbe Sßort gür ober SEBiber redjt abftdjt* 

r - % j; * 

*) t8on bet alten unb neuen «Maste Urfarung, 3bte, 
Umfang, unb ©efc&icbte. SRaihj, 1819. i '*■ 

ln. 6 


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82 


lief? irbiefem SBerfe ju vermeiden ßrebe; fo weiß idfr 
nicht > aus welchen Urfacheri bad Such in einem großen 
europdifdjrn ©taate verboten worben iß. ©d fcheinen 
SJfißverßdnbniffe , ober unrichtige 5Boraudfe{jungen habet 
obgewaitet ju hoben, weiche vielleicht burch üBcrücfßch* 
tigung beffen > wad in brr eben angeführten {(einen 
©chrift von mir gefagt iß, hatten gehoben werben 
fhnnen,. ober vielleicht nodj gehoben werben fbnnten. 
©er 3*®ecf bed ©uchd iß ein rein wiffenfchaftlicber, 
ein rei« ^tflortfc^etr , meiner Slbfidjt nad) foH Die 
3<tuber;r S3ib(iothef fepit Omnibus aequa, 2We4 
barin sine ira et studio, wie auch auf bem Xitel aud* 
brücflich angebeutet iß. — 3d> habe in ber 93orrebe 
jur ©Amonomagie fchon gefagt: Sßdre bad 3auber* 
ttnb #erenwefen fein integrirenber wefenjtlicher Xheil bet 
©efchidße; wdre nicht bei tauffenb ©chriftßellern in bet 
alten SBelt unb in ber neuen bie Siebe bavon ; fbnnten 
namentlich alle magifchen ©chriften unb alle «beten* 
proeeße jernichtet werben, unb bad Slnbenfen ber 3JIen* 
fchen baran mit baju: fo follte, man wahrlich fein 28ort 
mehr weder bavon fpredjen , noch darüber fchreiben. ©o 
aber ,’ba bieß nicht müglich iß, febeint eine ruhige, un* 
befangene > feiner Sieligiondpartei , ja faurn ber inbivi* 
butUen ünßcht ju nahe tretende hißorif^e SDürbigung 
biefed bunflen traurigen Xheild ber allgemeinen ©efdjichte, 
eher ©anf ju verdienen, ald Xabel unb ©rfdjwerung. 

’’ •! _i i ■ ; ; . . . . v ' • 

• ■ ! : .. 

V?» K. . ' IL . •* . • > 

Num. II. , ndmlid) bie Instructio pro for- 
mandis p.roccssibus in causis Strigum etc. 

i) 


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/ . / 


Romae, 1667. »erbanfe «ft ber literorifcfteti CiberatitAt 
beg #errn SBibliotftefarg unb ©irectorg, SEBi^ttenbacft 
ju Syrier. ©ieß SStatt ift feiner 0 beigefeftriebenen ) 
Meberfeftrift jufolge, urfprünglieft im 93efi$ eineg wirf« 
fieften J^eren # 3ncjuifitorö in ©eutfeftlanb , Sffameng 
üeonftarb SJtefien, gewefen, unb bureft feinen 3nftalt 
für bie ©efeftieftte beg ^erenprocefjeg, befonberg im lieben» 
jeftnten ^ftrftunbert, ein äußerft intereßanteg 21 c tenfi ü cf, 
babei jugleicft wiefttig bureft feine ©eltenfteit , benn eg 
beftnbet fteft gegenwärtig oielleicftt in ganj ©eutfeftlanb 
nieftt meftr, ifi aueft, fo »ielmir bewußt, noeft ntrgenbg 
befonberg abgebrueft, ober in einer eigenen ©eftrift bureft 
ben ©ruef befannt gemaeftt worben, ©erabe um bie 
SWittfteilung fotefter feltenen , ftiftorifeft benfmürbigeri 
©ocumente aber ftabe ieft in ber Slnfünbigung ber 3««^' 
33ibliotftef gebeten , unb ieft füftle mieft ber literarifeften 
Siberalitdt beg »ereftrten ©eberg aufriefttig bafür »er* 
pfliefttet. 

: . . Y . . . ' . . ’ . ; ■ ' 1 

,,y - / Num. III. ,• ; 

Num. III. , aueft biefe ©eftrift ; nämlieft beg eblen 
SDfolitor’g De Laniis et pliitonicis (fo fieftt’g 
in ber »or mir liegenben Original « Sluggabe »on 
1489 gebrueft ba!) mulieribus adilluatris- 
simum principem dominum Sigismundum, 
Arohiducem Austriae tractatus pulcher— 
rimus »erbanfe ieft dftnlieftem literarifeften SBoftlmoöen. 
©ie ift wiefttig für iftre 3eit bureft iftren 3 nft alt an fiel), 
unb gleieft wiefttig bureft iftre ungemeine ©eltenfteit. 
©ie ift im 3aftr 1489 gebrueft, unb geftört mitftin ju 


« 


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84 


bert dlteflen ©rucfen. 3 cf) bejljje jum literarifchen ®e# 
brauch bie für ben ©rjberjog ©igiämunb gebrucfte 
^Prachtausgabe in 4 baoon. 

$Bon ÜRolitor* felbft unb feiner für bie ©efchichte 
ber #ererei benfwürbigen ©djrift — benn e$ war gewiß 
»iel, ju ber 3«* in ««ff an einen gürften gerichteten 
©cbrift baö J^erenwefen auch nur, im Sßiberfpruch mit 
ber allgemeinen ÜBeinung, ju bejweifeln! — werben wir 
nach ooffenbetem SlbbrucE beö SBerfchenö in aller Äürje 
noch befonber« bnnbeln. 3m Sfffgemeinen ift’d bereit« 
gefcheben in ber ©dmonontagie X§. I. ©. 193 f. 
201 f. 228 f., wo ich bem wadferen SWanne, nebft feinen 
3*it * unb @eifte$»erwanbten , Slbam Scanner unb 
GorneliuS 2oo«, alle ©erechtigfeit habe wiberfahren 
laffen. — . 3 ur Siterdrgefchichte be$ ÜBolitor ’ifchen 
Such« bemerfe ich oorlduftg nur noch, baß fleh in ber 
^mnffurtifchen 2lu$gabe be« Malleus Malefi- 
carum »om 3®bf 1600 Tom. II. pag. 34 seqq. ein 
(nicht genauer) Slbbrudf baoon befinbet. 2lber wie rar 
ijt auch biefe Sluögabe be$ Jperen#$ammer$ , wooon 
man nur noch in großen S3ibliotbefen , unb ba nicht 
immer unb überall (Sremplare ftnbet, fo baß wir un$ bei 
bem erneuerten Slbbrucf ber Keinen wichtigen 
©chrift, ber 3 u f r iebenbei( unferer Sefer jum $orau« 
besprechen ju bürfen glauben. 


Num» IV. 

©ad 93uch Semiphoras ober Schemharaphor 
rasch Regis Salomonis fpielt in ber neueren @e< 
fhidjte ber tbeurgifd&enQJtagie eine bebeutenbe Stolle, 
unb ijt ebenfall« bon großer ©eltenbeit. 


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85‘ 


Hntet mehreren ©driften verwanbten 3ntyatt$, j. 93.- 
ben Claviculae Salomonis, (von benen inbef jwei 
völlig vetfdjiebene fltecenfionen erifliren) btm 9i i n g 
©alomon«, ber Theosophia preymatica Salo- 
monis, bem Viten Sud? ©Jofi« ic. je. machen wir 
mit bem Slbbrucf von biefer ben Stnfang, weit bn« Q3ud) 
ba« ^iftorifc^e Itterarifd? veranfd)aulid)t, wa« bi« jejjt 
an mehreren Orten in ber 3 au ^ tr * ©ibliothef von 
ber magifd)en Äroft ber göttlidjen Stamen vorge* 
fommen ift/ unb vorgugöweife wa« Aber biefen ^)unct 
bertheurgifdjenSWagie eben in gegenwärtigem Streite 
Stbtfc. I. §. XIV. unb folg, »ieber&ofclt hat gefagt werben 
mAffen. 

©er Slbbrudf be«.©anjen ber fteinen ©d>rift wirb 
im folgenben Sbeile beenbigt werben/ ba benn noch etwa« 
im Stilgemeinen Aber ben 3jnhalt berfelben unb bie ©ad>e 
foü gefagt werben / wovon fte banbeit. 

©ieß Sßentge a(« altgemeine (Si«Ieit ( ung ju gegen* 
w&rtiger Stbtbeilung. 

I , 

I* / 

i 

! ' 

X 

I * • 

t 

I » 





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I.. JDr." Johann Faustens Miracul - Kunst— 
unt> Wunder-Buch ober b i e fdbroarje Stabe 
auch ber Dreifache Höllen Zwang genannt« 
SBom'tt id> bie ©eifler gejtüungen , baß ©te 
wir b en bringen mäßen, toad icf) begebret 
;i fyabt. . f-e 9 ©olb ober ©über, ©<f)ä|je 
groß obet Fi ein, auch bie ©pring* 2 Burjef 
unb roaö f 0 n ft mehr bergleic&en' auf ©irbei» 
tft, baö b®be id) ftffeö mü biefent 33u'(ije $t* 
s SBege gebraut, auch bie ©eifler triebet lob* 
fprec&en fönnen. . , .... , 

* ■ •> Lion MCDXXXXXXIX. ^r,; .* 



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V 


87 


Ijr, t©^i)e,:Sre9ß ließ midMidjt laut,;;: 
y .. .v. ; fonft bin id) bir gffdtjrlid; , . 

ber ©eiß bringt auf bic £aut , 
fö bu m'rfjt tD?adjt gew<5f)rficf) , . 

Idßt nttfjt abweifen (TU) , 




•V, 


' mitifym fit t) ju »erbinben , f 
er fe|ct fjart an bicb, “ 


. • , tx bid) Wo* t^t -fmben. .. 

. : , . ; ^J>ruia flflt uieigpu^fireyß . , 

ßharacter wofyi bemerfe« ... 

s tf I . . ■* A ; 7 * j •'.! 7 o 0 f . ' . 

jjteH an bte$ all$ utit gleiß 

T ‘ " elje bu fdjreifift'äuln 3öerfe. . . ' 

' ! *'>■’ ; 5Jrtn benf auf eilten ©eiß. ’**' ■> •" 

t : ‘^«be. Sldß auf beffen Beiden, ' -i " . . d 

-:ck -% j t»of«m bir Tie^t 'twäifl, >•. . ■> v,’ - :s 

, . Ejtfpct wirft bu »mieten, ; 

. i ; w«nn bu citisß in Straft, . ■ ; , 

fp tljuft bie ©elfter jwmgeit , . . 

' " ' "gletdj wie idjä felbft ‘gehiödft ! 

" ' :! • dH«# muß ber ©e^ bir brfngeiti - • 

*i : • jf- 4>? l ‘il 5 * * . » • f \ #•»■?'«• ' ‘t 

*. .1 V : , . t : » - »{#*''/• N 

; -.Vf-; -Afti den f |,e$pr ; 0( \ ; „ . 5 ,,. ; , ! j5 

3>d) Du. Johann Faust, ber id) benen fteüttt 
obtitfje/%ße »ielerfei IBüdjer »on 3>ugenb auf: gelefen* 
mir ift reinmal ein 93ud) $u Jpanöen gefommen »on allen 
fjanb 93efd)w6rungen bertr ©eifler ; uadjbem id) nu« 
einige 2ujt f)abe gehabt/ meine ©ebanfen hierüber ju 
nehmen, l>abe id) foldjeö auf bir ^robe gefejjet, weil e« 
mir Slnfangö ferneren ©lauben mad)te A baß «$ fobalb 
erfolgte , tvaä ba$ gelefene S3ucf) mir anbeutete. A gleicb? 
«>of)l würbe icb gewahr, baß ein fef>r mdef)tiger ©eift 
(Astaroth) ficf) »or mir ffeUte unb »on mir »erlangte , 
warum id) tyn gelaben , ba nun wußte id) in ber ßil 


\ 


/ 




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88 


.entfchließen / al$ baß er mir in aßerhanb 
a ©egthren bienftl. fein foßte , welcher ftdj 
nditionate gegen mich 6ejeigt; begehrte benen* 
juf6rberfl ein ©ünbnißmit ihnen $u treffen, rooju 
a ) benn anfänglich nicht geneigt mar, meiien ich aber 
faum mit einem fchlechten greift . »erfehen mar , biemeit 
ich nur eine Probe anßeflte, fo burfte ich ihnen feinen 
Urofc bieten, fonbern mußte ben SWantel nadh bem Sßinbe 
hangen , mar fobenn mit ber resolut ion fertig , baß fo 
fern et mir burch gemijfe «S 6 » 4 unb 3«& rt bienen unb 
verpflichtet fein woßte. Sfachbeme nun folchtö erfofgte , 
fteßete mir biefer ©eifl Mochiel ttor , ber mir ju bienen 
angemiefen worben. 3<h fragte 3h»e, rcie gefchminb er 
rodre? 2intm; SEBie ber 2Binb. $Du bienefl mir nicht, 
fahre mieber hin, woher bu gefommen. 2(l$balb fam 
Aniguel, biefer antwortete,, er mdrc fo gefchminb, mie 
ein ©oget in ber ßuft. . SDu bift bennoch §u (angfam, 
antmortete ich, fahre mieber hin. 3m Moment mar 
ber britte auch oor mir, Aziel genannt; biefen fragte 
ich, mit gefchminb er wäre? fo gefchminb mie ber 
gftenfdfren ©ebanfen! recht »or mich/ bich miß ich 
hoben, fp rach ich, unb nahm ihn an. ©iefer ©eift hat 
mir nun lange 3eit gebienet, mie benn baoon wettlduf» 
tiger gefchriehen. 

i Cap. I. 

hiermit miß ich ©ich nun unterrichten , mie bu bich 
»erhalten foßft, unb bie ©eifler mit hächßer ©emalt 
jmingen, baß @ie müjfen erfcheinen, unb »or beinen 
Sreiß fommen unb bir gehen Slßeä , wa$ bu »on 3h«en 
htgehrtfl. ©ie meigtrn (ich jmar SlnfangS, aber holte 
mit ber Citation an, fo fommen ©ie auf* ineifie jun» 


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89 


britttHtnal; fomtfit nun ber ©eijt, wie bu ihn geforbert 
hafM* fchhner (Btenfihengeftalt, fo empfangt ihn auf« 
©efU in £ ober 3 fragen, bamit b« ihn nicht unwillig 
machft , fommt er aber nicht in menfch(.@efta(t , fo 
peinig« ihn« unb enipfahe ifme nicht. Der Exercisf 
foUe auch §uoor mit feinen ©efclTen gebeichtet unb corrf- 
munlciret’ haben > auch mit btm ©ebett wohl »erfehe» 
fein ; "iforift Wollen btie ©eitler nicht pariren. 'Dein 
©taube muß auch barauf fO’ fefl gegwftnbet ffcin, aW 
ob eö fchon gefchehen märe, auch muß bie 3eit, Stag 
unb ©tunbe wohl in Sicht genommen werben, al$ 
SDtontagO um 8 Uhr unb um 3 Uhr, Dienftag um 9 Uhr/ 
um 6 Uhr unb um 12 Uhr in her Stacht, ©iefe §wei 
£age mußt bu altjeit in Sicht nehmen , wenn ber SDtonb 
voll ift, ba müffen bir bie ©eijter fdjajfen attt«, waS 
bu mitlft unb »erlangeft, unb bie Citationps müffen 
gefchehen an einem einfamen Orte, bannt ber E^ercist 
ja nicht gehinbert werbe. / Die Steif e unb atfeö müffen 
mit^leiß gemachet unb bereitet werben, alfo fotge meinen 
Unterricht , bamit bu nicht irreft , alfo hoff bu bie 
grünbliche. unb lautere Sßahrheit , wie man ftch halttn 
foÖ; biefeä fep bir Siothfeibenber unb armer Stächfter 
gefchertfet , baö habe atfeS , wa$ in biefem Suche flehet 
'verborgen, unb offenbare eö ja SGiemanben umfonft, 
fonjten wirft bu nicht glötflich fein unb baäjenige, wafi 
bu oon bem,.bem bu e$ giefcft, befommft, wenbe unb 
hilf bamit ben nothbürftigen unb bemütbigen SWchften 
auO feiner 9?o'th', fonft wirft ®u fein ©lücf noch Stern 
haben, (aß bir biefeä ju einer fteten ÜBarnung bienen, 
benn bu befommft bergt. Sßiffenfcbafte« nicht 
»ieber auf biefer Sßelt, all ich bir hiermit 

v 


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90 


) 


mtttbeito ^Brauche ti ja recf>t unb fei »erfcb»irgen 
uni) brauet e$ recht / ich joarne bicb ja offenbare e$ 
itiemanben , ber e$ nicht werth ifi , fonft wirb- bir'ber 
$alb gebrochen./ wenn bu eö einen glorieusseij TKen* 
fchen offenbare^ unb baöjenige ©elb, fo bu von ihnen 
bafur bcfororaft ) nicht einen leibenben unb bikftjgen 
SMtbften.giefcelt, |>atte t$ in ©theint/- h&te,* bicb ba# 
be»j oor pactis mit -b.cn.en ©tiftern ■, rbnmit eS 
feir nicht tge^e, ®te miri.gefcbe&en wirb.J, 

I 't '* . t . l l, t . : • /.' . i /V i» . t »/l 1 ■ 

<r > j'.rJ' : i < ;1 . 

" ;t;:j .. i.i|: »i ‘ . "... .hu t\ «tj: ;. 

iv::: 


Allgemeine Citation allen Geister. 


"■ Osola mica rama lamalii ; 

11 ' u Voläse cala moja mira sa*lame. if ' 1 f -* 
Vieitrisa molasolä Rama Afasala 1 


" Mirähel ZorabeTi Assaja. ■’ - 

iiii.i '/<!'• <i ’■’-*■} ■; ».. 

! V • ’ • Cap. 2. • •'* ™ 

**»»]" . V ' 'Siir f 

^)«nbelt »on ber 2lu.$legung berer Cxeisse. 

©rfilich wirb ein Greis gemacht mit einen &ecgen', 
bjjmit noch feiner befehliget geworben, . ai#f beu S)eegeit 
ber erften ©eite fommen folgenbe Gbaractere: 


: ’-’U - ' >i< yRAXl ghe Anacl. . 


r - r . » 

Stuf bie anbere ©eite fommen folgenbe: 





/ 


/ 


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T 


* 

V 

%br$ onbere wirb ber Äreti gelegt unb mit fofgenbett 


SEBorten »erfnöpfet: 

O Le Ja meni sete Mirari jael 



la mesc mihi Jasala Ale Jona 

\ i •* * r\* -i I f ) r 

Masa criel Finamiel- Siona 

O la sariel Assa Salimeni Arael 

/ - * , y \ , 

fasa, maja, Paja, Lalemisa Jerobeliel 

Maj asa faliel mica sariel olömisa 
lale jnasa Haj Ariel. 

SBenn bu biefeö getbani, fo mache 3 (Treujje unb bete 
fnienb einen ®(auben nnb 3 33ater Unftr ,-brittenö mußt 
bu biefeä fofgenbc 3 e ^* n mit rotier garbe »or bir 
in ben ^reiö legend wenn bu citireft. 


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\ 


\ 

101 

No. 11 . Anifels Siegel. 



3dj gaufte fragte einämafä meinen ©rofj/ftärften 
Aziel, roomit iftn bie ü)?enf<ften binben unb jmingen 
fönnten, fo fagte er, bieä fann icft bir nicftt fagen, ba 
fagte üf>, nun fo f (ft reibe e$ mir. O! fagte ber ©eiflt, 
mein ftauft, ftdtte icft mit btr fein 93erbünbniß gemacftt, 
mein Faust aber, bamit bu e6 »iffen foHjl, fo f (ft reibe 
idj bir biefea affo für, wie hiermit $u befmben ifl: 


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102 


, Sfttetit Fauste | , 

1 

F bas ifl mein 3«<»ng / wenn id? fagen fotf, 

Jesus Christus tft trk 

2. 3. 

b«g gfeifc& fomntett 
4. burci) bie Slltmadjt 
©ottcö, ba$ i ft n id? t «ugjugrünben , 

hM 5. unb wenn id) einen road galten foü, fo 
mup er mid> bei bem Sreuj angeloben unb 
fdjworen taffen, 

B 6. big id) mein 3*»di«n geben t^ue. 

Dieses ist das Zeichen, wie hier stehet: 

No. i3. 



Das höllische Reich bestehet in folgenden: 
i i. Lucifer, bereinig. 

3. Belial, Vice-Roi. 

3. Satan 
4- Beizebub 

5. Astaroth 

6. Pluto 


Gubernatores. 


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103 


i. Aziel 

а. Mephistophilis 
3. Marbuel 

4- Ariel 
5. Aniguel 

б . Anisei 
7 . Barfael 


') 




Gross -Für sten. 


r » • 1 ■** *{. 


Grand-Ministrcs ©efreimfct 

t>6üifd)C 


l. Abbadon 
a. Chainus 
3. Milea 
4 - Lapasis 
5. Merapis 

I. Milpeza, ©e£. 9?eicf)ö Secretarius. 
l. Chinicham 

а. Pimpam 
3. Masa 
4- Lissa 
5. Dromdrom 

б. Lomlia 

7 . PalaSa 

8 . Naufa 
g. Lima 

jo. Pora 

II . Saya 
13. Wunsolay 


r*. . *: j ’i.: 

■i 1 ■ : ’l / ' 

x i ? • r, . , 


Spiritus Faitiiliares. 


<1 


C Hvi' 

u 

V* 


•f: .1 


• } 


i ••• V 


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104 


Cap. 4- 

Hält in sich die Citationes und Conjurationes derer 

Geister. 

•i V ACIELIS. 

Citation. 

N. N. gebiete bir ©eift N., baß bu mir augenblicf* 
lid) erfdjeineft burdf) bag 2Bort N"Q"1N unb audj ben Gngel 
AfiagaXeA unb burdj ben ©fern Gadala unb gebet auf 
im lebten ©rab Capricorni, weldjeg id) N. jum 3<id)en 
biefeg anfejje, ich berufe bid) ©eifl N. burd) Durashaim, 
Maim, Lulim Hb Menim Senim Hb Zaim Hb Sulim Hb 
3d) befcbrobre bid) ©eift N. bei Hipim Hb Repim Hb 
Sepim >J< Gulum Hb Locsant Hb Dropep Hb Schamot Hl* 
N. 3d) N. 3d) N. gebiete, gebiete, gebiete, 
bir ©eift N. burd) ben bimmlifdjen ©ebieter * , ber ba 
erfdjaffen bat J^immel unb Gerben unb atleg mag barinnen 
ift, ber ben 4 Sinben ißefebl erteilet, ber bie ®e# 
fdjipfe regieret unb bem atTeö mag lebet unb fid) ge# 
fdjaffen nennet , geborfant fepn muß , baß bu ©eift N. 
mir alleg tbueft, mag id) bir gebiete, bei ben Sorten 
Alaja >{< Rasamuel *{< Moliel Hb Zynagamim Hb Lo Hb 
Aflrisi ifcMisahiel Hb, baß bu mir bringeft, bu ©etftN., 
alfobalb unb »orifco, in einem bein 3*i eben mit 
bir »or meinen Äreig, id) N. rufe bid) bei ben 4 Sinben, 
bei ber Suft , unb bei aßen ©efd)6pfen, baß bu mir N. 
»or meinen $reig anje&o oßne alle 5 ur d)tfejjung er# 
fcbeineft, in jtdjtbarer ©eftalt, id) N. befd)ipbre bid) bei 
Slllem, mag ba lebet, baß bu fommeft, fommeft, 
fommeft, bei ber ©tdrfe aller ©trtrfen, ber bid) be* 
jtoungen bat unballeg Reißet, id) befdjrobre bid) Suft, baß 
bu mir ben N. nicht porbeßalteft, fonbern alfobalb fenbeft. 


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105 


/ 

4 


O La Valasaja Hb Salajami >F Masei Hb , fonbern baß 
et mir N. »ernebmlidb 9?ebe unb Antwort gebe in 
Xeutfdjer ©pracbe. Simen. 

General BeshwÖrung beö ©eifte$ Aziels. 

Calemi Hb Cadem >F O Geist N. poramasa la 
hemise Hb Coelum >F et Firmamentum Hb Ca- 
sami Hb Misarajaet Hb Xamara Hb Sadalacha- 
mim »f Dusama Hb PopinietHb LemisisaraetHb 
Amen. 

So er nt cf? t f6mmt 3mal gefprodjen. 

Particular Citation des Gross-Fürsten 
Arielis. 

3* N. citire bidj ©cift N. Hb Fomm , Fomm , alfo* 
halb Hb burefj ben aliergrößejten unb alter geroaltigflen Hb* 
Firmament, (Jrbe, 2uft unb Silieä tcf> gebiete eu d) f 
baß ibr mir ben ©eifl nicht aufbaltet bei ben großen. 
SBorten unb 9iamcn Dala Hb Makasaiin Hb Rusa- 
loja Hb Munot Hb Phalaniet Hb jroinge bi<f> 
©eifl N. bei bem größten 3roange Roma * Sa Hb 
Ra H 1 Famila >F Rominase Hb Fomm, Fomm/ 
fomm, affo fort, Fomm, Fomm, Fomm, Anasai Hb 
fa Hb fali Hb monitase Hb fata >F Simen. 

Haupt Beschwörung be$ Gross-Fürsten 
Arielis. 

Vota Hb misa Hb Lasafe Hb ma Hb Homina Hb 
Sara Hb P a d a Hb Ohagiel >F M ata c h i a Hb 
Mecha Hb Enazarael >F O Hevilame Ga Hb 
Hie b an i * baß bu t$n fenbefl »or meinen Circnl, 


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106 


fonft fe^ bet'ne ©träfe 7mal grbßer auf bir ©cift N. in 
ber gölten, id) Roma Hb Sa Hb fu Hb Amiel Hb 
mica Hb suisa Hb Amen. 

Particular Citation des Gross -Fürsten 
Marbuelis. 

3dj N. befdjwbre bid> ©roß* gürft N. bei bem großen 
©ebieter im $immel urtb auf Srben, im Sßaffer, in 
ber Suft, imjfwet/ aufSrben, in bcr£6ffen, außer 
ber gölten unb bei bem SBorte, ba$ ba war im Anfänge 
ber 2Belt, ber bid) ©roß dürften N. bei feinet jtegreidjen 
£6llenfabrt überwunben bat unb b«t , bid) unter feine 
Süße getreten. 3d) N. befcbwöre bid) ©roßfürjt N. bei 
allem Saub unb ©raö unb bei altem waS ÜBeft bfifdl/ 
baß bu mir auftbueft alle ©runbfefte ber Grrben unb wolleft 
abfübren um beö S0?ad)t unb Äraft willen , ber fein 
G?nbe bat >F alle ©tein, ©eifler unb Grb ©elfter , unb 
fie »or meinen j?reid unb Circul führen, unb baß bu 
bei Hb Amala Saim Hb Fara Hb Lamim Hb Saiimi »F 
ma + alfo fort meinen SBillen »ollbringeft nach ben, 
ba3 tcb bir gebieten werbe 2lmen. Äontrn, Äomm, 
Somm. 

\ • *• * 

General Citation be$ Gross - Fürsten 
Marbuelis. i, 

i i . 

Ma >F Schaffot Hb Etanahoim Hb Masalami *F 
Fasta Hb Apiramus Hb Misa Hb ETANOGANASA Hb 
Padaschia *F Mizazima >F Avit >F Mot Hb Po- 
deschia Hb 3d) N. rufe bid) N. burd) Mas a »F Hipa »F 
Sapa Hb Raraa *F Laja Hb Meffi'»F Amen. ' 


/ 


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/ ' 

V 

'* ' 107 

i ■ > 

Haupt Conjurationen auf alle ©eifler, wenn 
foldje Rumor madjeit. 

O Ma »1» Räieschia HE* Nisanatos HE 1 Mop^i HE 
Laminasi HECoperaschHEMonasIiaHEAloliaHE 
MygyssaHb PompanaHt» NosisHE FirmamentaHE 
Samasa HE-JameschiaHE Fonascha Molami »i* 
Amen. 

Poraschalia HE* HE* 

Minischa HE* HE* HE* 

Semisa HE* HE* HE* 

«Dreimal biefe» gcfptocfyen. 

Conjuration, fo ftd? ber ©eifl ntd)t »er# 
roanbefn rot II. 

M osa HE O Naschi HE Gajala H« Pressi HE FafaHE 
Hisca HE Allismicos HE Felschema HE PotmasHE 
Saal^AmesdaHEProcecesHE T er r a HE Festus HE 
Spica HE Munisa HE Soila HE Desca HE Elesia- 
mini HE Amen HE HE HE- 

Qui venit in Nomime Domini 
O Kyrios HE O Kyrie Eleison HE 
Amen HE* HE* HE*- 
©reimal gefprotfyen. 

(Der ®rufj aller <B eifter. 

Palifesta HE Firmis Demecha >i* Haim <i*. 

■ • ■ ' ' . ■ 

• ■ - - 

, . > 

Caput 5. 

Handelt von der Geister Bindung, Auf- 
lösung, Geisselung unb Abdankung. 5ßer# 


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108 


v \ 

binbung , wenn ber ©eift nic^t ©tanb galten »iß , 
3 mal gefprocfyen: 

Deiy Pata Hb binbe »J< Jesus Hb Schalte Hb DEUS Hb 
Spiritus Hb binbe Hb burd) Äraft Hb Gbrifti »* knüpfe >i« 
fdjliejiie Hb ben ©eijt N, Amen Hb Hb Hb* 

Dreimalige Auflösung , wenn der Geist 
nicht antworten will. 

OSamihaHbAseffonila^Ja^La^mifflahiHb 

Mehahinesi Hb Milonahireil Hb* 

Die Geisselung dreimal zu sprechen. 

#aue in bi« Suft mit ber Stützen unb nadj bei 
©eiftei Siegel, wenn er ni<bt willigen will» 
Die Stutzen finb oon 28a^()oIber unb werben 
gebraucht $ur @e‘ijjelung ber ©elfter , werben g v 
fdjnitten an einem Donnerstage im neuen SjJtonben früh 
»or ber ©onne Stufgang in ber ©tunbe martis nnb 
veneris , barauf wirb gefdmitten : 

Deö Sßeibeö ©aamen foll ber ©drangen 
ben Jfopf jertreten. 

D e f i Ministrahel^ J as a Mifana Hb 

Hisanam Hb- 

Conjuration jur ©eifjelung. 
PrescioHbMipotHbDomisiacHbTufiHbMaha^ 
Huschia Hb Laemelisete Hb Hedera Hb Cade •!< 

Veleadis^LocisomnibusHbAmeschiamimHb 
ARIROSH * Laed e mische Hb Jehonale >i» Hi- 
sipo Hb Amen ►{« Hb +• 

Podarasche + Podarasche. 


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.115 


\II. Instrvctio Pxo formandis processibus 
in causis Strigum , Sortilegiorum , et 
maleficiorum. -i 

• ' • * \ » * * 
Experientia rerum Magistra aperte docet grauis- 
simos quotidie committi errores in formandis Pro- 
cessibus contra Striges , siue Lamias , et Maleficas 
in notabile praeiudicium täm iustitiae, quam huius- 
modi mulierum inquisitarum , itä vt. in Sanctae 
Romanae , et Vniuersalis Inquisitionis aduersüs 
haereticam prauitatem Generali Congregatione longo 
tempore obseruatum fuerit , vix, vnquam repertum' 
fuisse aliquem processum similem recte , et iuridice 
formatum, imö plerumque necesse fuisse quamplurea 
Iudices reprehendere ob indebitas vexätiones , in- 
quisitiones carcerationes , nec non diuersos malos, 
et impertinentes modos habitos in formandis pro- 
cessibus, reis interrogandis , excessiuis torturis in- 
ferendis , itä vt quandoque contigerit iniustas , et 
iniquas proferri sententias , etiam vltimi supplicij , 
siue traditionis Brachio Saeculari , et re ipsa com— 
pertum est, multos Iudices itä faciles, et procliues 
fuisse ob leue , ( aut minimum inditium credere 
aliquam mulierem esse Strigem, et ideo nihil om- 
ninö praetermisisse , vt ab huiusmodi muliere, etiäm 
modis iilicitis talem confessionem extorquerent , 
cum tot tarnen , tantisque inuerisimilitudinibus , 
varietatibus , et contrarietatibus , vt super tali con- 
fessione nulla, aüt inodica vis fieri posset; Qua- 
proptfcr vt Iudices de caetero magis cauti esse possint 
in conficiendis huiusmodi processibus , infrascripta 


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116 


diligenter , et accurate prae oculis habeant , et con- 
siderent. • * 

Error principalis , et peculiaris omnium fere 
Iudicum in hac materia est deuenire nedüm ad 
inquisitionein , et carcerationem ,- sed saepe etiäm 
ad torturam contra aliquäm mulierem de maleficio 
imputatam, quamuis non constet de corpore delicti 
siue maleficij , et tarnen in iure indubitatum est ad 
tales actus deueniri minime posse , nisi priüs de 
huiusmodi corpore constet, cum agatur de delicto, 
cuius vestigia remanent. Corpus auteift delicti non 
dicitur probatum , proüt multi Iudices videntur 
praesupponere ex eo , quod praetensus maleficiatus 
sit , yel fuerit infirmus , siue decesserit ; Clarum est 
enim quid infirmitas , et mors regulariter ex male- 
ficio non prouenit: Ideö oportet exquisitas diligentias 
iudiciales adhibere, examinäre Medicos, qui infir- 
mum curarunt , illos diligenter inflrrogando de 
qualitate infirmitatis , et an ex arte Medicinae 
dignoscere possint infirmitatem esse , vel esse posse 
naturalem , illos etiäm interrogando circa totam 
sericm, et accidentia ipsius infirmitatis ä principio: 
omnia fusius in processum redigere ad hoc , vt si 
forte aliquis medicus per imperitiam (proüt multoties 
euenit ) nesciuisset qualitatem morbi iudicare j et 
proptereä iudicasset non esse naturalem , sed ex 
maleficio prouenire , alius medicus magis peritus 
habita notitia omnium accidentium eiusdem infirmi- 
tatis, licet infirmum non yiderit, : possit dignoscere, 
an talis infirmitas ex morbo naturali , nec ne ,'prö- 
uenire potuerit. Et vlteriüs maxime congruum esset 


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117 


ad eundein effectum iudicialiter examinare familiäres 
infirmi pro habenda notitia principij infirmitatis , 

A et eius progreSsus , ex hoc enim apparebit , an 
conueniant depositiones Medicorum,. et familiarium\ 
circa accidentia infirmitatis , et sic tutiiis poterit 
ferri iudicium ä ludice , an eon$t$t > de corpore 
maleficij. Quod si ex huiusmodi diligentijs Iudici 
apparebit infirmitatem esse, velfuisse naturalem , 
procul dubio procedere non debet contri accusatam 
de tali maleficio': Si verö Medici periti clare iudi- 
cauerint esse, vel esse posse probabiliter nvaleficium, 
tünc Iudex securiüs cogitare poterit de inquisitiode 
formanda contra accusatam, * ,i„ •>, 

Insupkr ante quam Iudex deueniat ad carcerationem 
praetensae Maleficae, debet diligenter rimari cuncta 
indicia, quae sunt contra illam , neque ex sola de- 
nunciatione , praetensi maleficiati, et eius attinen- 
tium , esse facilis ad carcerationem, nisi simul allege- 
tur aliqua probabilis causa, ob quam animus Iudicis 
fationabiliter moueri possit ad credendum , quod 
mulier accusata tale maleficium oommittere voluerit, 
et eiusdeni causae aliquam probatiönen) , vel saltem 
non leue indicium habeat, ante quäm ad carcera- 
tionem deueniat. , 

Aduertat praecipue Iudex in ipso actu carcerationis 
diligentem facere perquisitionem in domo mulieris 
inquisitae , et talem perquisitionem per se ipsum , 
aut Vicarium idoneum faciat adhibito Notario , äc 
testibus , nec huiusmodi perquisitioni interueniant 
personae attinentes, aüt familiäres praetensi male- 
ficiati , ne contingat , proüt aliquandö suspicatum 


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est, dolose aliqua supponi maleficium denotantia I» 
graue praeiudicium Reae inquisitae , et in dicta peiv 
qnisitione annotentur diligenter per Notarium otnnia 
reperta in domo i" et capsis, et wen solüm quae pos- 
aunt iuuard^ Intentionem Fisciy sed etiam-j- quae 
possunt» iuiiare ; Reain inquisitam , proüt imagi’nes 
Sandtorum, Corona, diuina Officia, libri deuotionum, 
Sehedulae Cornmtinionis, aqua, et palma benedictae, 
et alia similia^ singillatim illa describendo in Inuen- 
tario : perqaisitionis conficiendo.- Nec sint faciles 
Itldices ad firniiter credendum aliqua reperta , proüt 
oleum in vasculi«^ pinguedo, pulueres, et similia 
esse aptata ad maleficium, sed faciant illa considerari 
i peritis ad effeetum , vt dignoscatur, an deseruire 
possint ad alium finerti, quam malefieij. 

Multotifcs eueirrt , quod familiäres praetensi male- 
ficiati cred ernte» uvdleficium , perquirunt intus ana- 
clinterium , befüHf&l', et puluillos lecti ipsius in— 
finni ,> et cum imreniant inuolucra , quae videntur 
ad maleficium aptata-, illa deferunt ad Iudicem , qui 
supfer hoc masimuni' faeit fundamentum ad effeetum 
probandi mateficiuüi', et in hoc debet esse multum 
vigilans, etcircufnspectus Iudex ; facile enlm euenire 
potest, vt talia ü familiaribus infirmi supposita fuerint, 
Vt sic faciliüs : Iudex Jnducatur ad credendum male— 
ficium, et ad procedendum contra aliquam personam. 

Praetereä Iudex bene aduertere debet qualitatem 
repertorum in huinstftodi lectis, cüm enim anaclin- 
teria, et alia praefata conficiantur ex pluma, aüt 
lana, et quotidie intermisceantur, et inuoluantur, 
düm lectus prosternitur , facile euenire potest, vt 



m 

\ 

spatio alicuius temporis, fiant quaedam inuölucra, 
qune videantor praeseferre suspicionem maLeficij, 
et tarnen naturalitfer contingere possunt , vhrä quod 
in actu huiusmodi confectionis anaclittteriorum, et 
aliorum praedictorum ex incuria Magistri illa fabri- 
cantis, aliqua interraiaceri potuerunt, ex quibus 
huiusmodi inuölucra ex se confecta fuerint. 

Et ideö $i perquirerentur singulorum lecti, prae- 
cipue,eX pluma confecti, de facili in oliquibus similia 
inuölucra reperirentur. Nec etiam est mirum quod 
in huiusmodi lectis quandoque reperiantur. acus, 
näm vb» sunt mulieres, acus vbique abündant, et 
facile est , quod per accidens spatio alicuius temporis 
jmultae acus in praedictis mobilibus introcludantur. 
i ■ . Neqiüe .forsan ab re est considerare , Daemonem 
aliquaado talia supponere potuisse absque partici- 
patione , et assensu alicuius, vt inde credatur male- 
ficiura , com missuni , et sic aliqua persona iüdebife 
damnuin patiatur , quemadmodum videmus in actu 
exorcismi nonnullorum obsessorum , quinvidentilr 
euomere acus , clauos , et diuersa iüuolucip* /quae 
tarnen impossibile est obsessos in corpore habere, 
-proüt nön habenty sed Daemon in illo actu, talia 
supponit id os obsessi , vt credatur forte , obsessum 
esse maleßciatum, et aliquis indi indebite molestetur. 
Ex quibus patet, quam circumspectus esse debeat 
Iudex circa huiusmodi reperta , cüm de facili t, vel 
potuerint supponi , vel esse naturalia , vel facta 
opera Daemonis sine alicuius ministerio. 

Consueuerunt (parum quidem prudenter) rnulti 
Exorcistae iuxta non bonam (quo ad hoc) theoricam 


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130 


Flagelli Daemonum , interrogare Daemonem in 
Exorcismis , quomodö ingressus fderit corpus ob- 
sessi , et an ex maleficio , et quis huiusmodi male— 
ficium commiserit: Vnde Daemon Pater mendacij , 
et inimicus quietis humanae saepe respondet , se 
ingressum esse corpus obsessi ex maleficio -facto k 
tali persona , in tali cibo , siue potu , et vt Daemon 
magis certum reddat Exorcistam , et alios de hac re, 
supponit euomenda ab obsesso quaedam similia ei 
rei , in qua dixit maleficium factum fuisse , et alia 
pleraque vt suprä dictum est. 

Hinc diuersis vicibus obseruatum fuit , aliquos 
iudices formare processus contra praetensos maleficos 
nominatos ä Daemone , vt suprä , tanquäm si ex 
dicto Daemonis probentur praemissa: Vnde super 
huiusmodi processibus nulla vis facta fuit k Sacra 
Congregatione , imö semper repraehensi fuerunt 
Exorcistae , Daemonem vt suprä interrogantes , et 
Iudices , qui super Daemonis responsione processum 
formarunt. 

Aliqui iudices opinantur (et perperam quidäm ) 
quod eo ipso, quod aliquis reperitur obsessus, id 
ex maleficio prouenerit, et ex hoc solo iniuste for- 
mant processus contra personas aliquo modo obsessis 
infensas, vel aliunde indiciatas. Hoc est maxime 
absurdum; Cui enim dubium est, quod sinfe maleficio 
ex permissione Dei potest Daemon vexare corpus 
alicuius? Caueant itaque omninö Iudices, ne ex 
sola obsessione Daemonis conficiant processus super 
maleficio , imö etiäm sint cauti ne decipiantur ab 
aliquibus, qui in praemissis imposturam committunt. 


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et diuersimode se obsessos esse simulant, saepe enira 
huiusmodi impostores reperiuntur. .& 

J * Non sint faciles Iudices ad faciendum magnam 
Tim contra aliquam personam vtl Strigem , et male- 
ficam ex indicio famae, quamuis- enim alias famae 
indicium sitmägni momenti , attamen in ista materia 
ob odium commune , quod habetur in Striges , contrii 
quas bmnes vnaniiniter clamant , facillime insurgit 
huiusmodi fama'contra aliquam mulierem, praecipue 
quando est Vetula j : et turpis formae ; Vnde vel 
modicum fundamentum super tali fama fiat , vel 
sahem diligens Iudex iiiterroget Testes , a quanto 
tempore ortum habuerit, et a quibüs , et ä qua occar 
siöne : Hinc enim forsan saepe ex processu apparebit, 
famam esse indicium modici momenti. 

•t» Vlteriüs aduertendum est , quemadmodüm mulie- 
rum genus est maxime superstitiosum , et sortilegijs 
praecipue amatorijs deditum , non tarnen sequi , 
.quod si aliqua mulier sortilegia, et incantationes , 
vel ad sananda maleficia, vel ad cogendam yolun- 
tatem hominum , vel ad alium quemcumque finem 
fecerit; ergo est strix formalis ; potest enim esse 
s<rtilegium sine apostasia formali ad Daemonem , 
licet non careat sflspicione apostasiae vel leui, vel 
Vehementi iuxtä qualitatem sortilegiorum adnotatam 
in c. accusatus §. sane de haeret, in sexto, et ideö 
bonus Iudex düm format processum contra aliquam 
mulierem confessam , vel conuictam de huiusmodi 
sortilegijs j non sit facilis ad concipiendum in animo 
«Uo , quod sit apostata formalis ad Daemonem , licet 
hoc esse possit, sed quando deueniet ad torturam 



122 


contra hancmulierem, illam .in gen er e interrogct , 
an habuerit aliquod pactum cum Daemone. jttxtä. «a , 
quae inferiüs dicehtur circa modüm torquendf: et 
ad hnc«maxiiqe aduertere.debeqtjudices, quia mulvi 
in hoc decipiuntur ; falsö putantes , quod huiusmodi 
«ortilegia fieri non possint sine apostasia formali ad 
Daemonem , et hino oriuntur maxima praeindicia 
mulieribus inquisitis de huiusmodi sortilegijs;, ludices 
■enim minus periti , vel alias nimis faciles (ob lectü- 
Iram aliquando librorum de sortilegijs , et Strigibus 
tractantium) falso praesupposito decepti , nullam 
Ti am relinquunt , etiam indebitam , pro extorquedda 
confessione mulieruin , quae saepissime ob diuersos 
cmalos, et illicitos modos habitos, tandem inducuntur 
ad fatendum ea, quae nunquäm cogitaruntj h:.uul 
V t autem euitentur huiusmodi mali .modi/, ad 
infrascripta attendant diligenter iusti ludices. i;iu( 
In primis (quatenüs fieri potest) non permittant 
anulierem carceratam ob maleficium, aut sortilegium, 
quempiam alloqui , et si plures reperiantur mulieres 
earceratae in rnateria praemissa , non permittant 
simul alloqui, sed retineantur in carceribus separatis, 
quia saepe multae conueneruttt falsum fateri contra 
seipsas in materia apostasiae, putantes hac via citiüs 
4 carceribus eximii •> 

i 

• Nullo modo; curent , neque .permittant ludices, 
quod custos carceris , aüt quisuis alius ille sit, 
mulieribus sic carceratis suadeat quid fateri debeant 
chm examinatae fuerint, multotifes enim compertum 
est, quod mulieres huiusmodi suasionibus impulsae, 
aut etiäm spe impunitatis promissae (quae tarnen 




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I 


133 


nuhquam 1 eis promltti debet ) fassae fuerunt id , 
quod neo etiäm somniamnl 1 •< •' .• ' * 

Iudices nunquam alloquantur huiusmodi mulieres 
earceratas circa merita caasae , nisl iüdicialiter eaa 


examinahdo. 1 111 


ti I '* S J • f ( f ! Ml' l 


Nulläs 'suggestiowes hi ilüs intemigandiä* ömninii 
faciant, sed ab initioibteihrögentur, Ay äfciäftt , vel 
praesumant causam eXartöi'hij'j' seu carcerationis, 
deindfe 'de inimicis , et de cäusisHnimiciliärüm, 
posteä possunt ihterrogati de cursu vrfäe suae, de 
frequentatione Sacramentorutn , quis ftierit eal*um 
Confessarius , et de alifs similibus , ex quibus detegi 
possit botaa , Vel mala e&rum vita, ,‘et conditio: 
Deinde in gbnere possunt"ixiteVrogari : , An sciant 
aliquod sorlilegium , et ad qbem effectum •, et an 
vnquäm huiusmodi , aut aliud sörtilegium executiöni 
demandaubrint,' ät si negaüerint, possunt fieri alia 
interrogatorfa in genere, paulatim eis obijciendo , 
quod deponitur in processu easscire, aut cotfimisisse 
tale, et tale sörtilegium ; ßt tandem si bmnia negent, 
possunt eis in diuersis interrogatorrjs paulatim objiei, 
quae in processu contra illas häbentur, circumscriptis 
tarnen nominibus, et cognominibus testium, et cil> 
custantijs, ex quibus ad notitiam deuenire possint y 
qui sint testes, et tandem completo processu infor- 
matiuo , si adhüc persistant in negatiua , erunt re- 
petendi testes processus offensiui , quae repetitio vt 
valide, et legalit&r fiat , formandi priüs suftt articull 
pro parte fisci super capitibus , quae pro fisco prae- 
tenduntur , et copia dictorum articulorum danda 
ipsis inquisitis , assignando eis Aduocatum , et Pru- 


r 


( 

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curatprem idoneum eliäm ex officio , quatenüs In- 
quisitae, vcl ob paupertatem , rel alia de causa illos 
non habeant, eisdemque, tempus congruum detur ad 
dandum interrogatoria, quo elapso , fiat repetitio ; 
Facta repetitione detur eisdem terminus ad faciendas 
defeusion.es , deturque copia processus , et factis de- 
fensionibus } seü lapso termino ad illas faciendas 
Iudices conuocent congregationem Consultorum pe- 
ritorum, (in qua per extensum processus., legatur , 
suppressis nominibus , et cognominibus., et circura- 
stantijs et ai de modq expeditionis causae non sint 
concordes , aüt causa sit grauis , vel ratione delicti , 
Yel ratione personae., non deueniatur ad torturam, 
nisi consulta Sacra Congregatione ad quam mitti 
debeat copia integri processus täm offensiui , quam 
defcnsiui , et quaudo videretur Iudicibus cum voto 
suae Congregationis sine difficultate ad torturam 
deueniri posse , quia indicia essent yrgentia , aduert 
tatur, ne in ipsa tortura interrogentur inquisitae 
de. delicto in specie, quod praetenditur , sed tantüm 
ante quäm deueniatur ad decretum torturae, obij- 
ciantur eis iteriim indicia, quae in processu habentur, 
et posteä in actu torturae interrogentur tantüm , vt 
dicant veritatem de ijs , super quibus fuerunt in- 
terrogatae , et si fateri coeperint , non suggeratur 
eis aliquid, sed tantüm recipiantur, et scribantur 
verba praecisa earum confessionis , interrogando 
postea in genere super vlteriori veritate. 

Aduertatur, ne tortura detur cüm squassis, aüt 
cüm aliquo pondere, siue baculo ad pedes, sed sit 
simplex eleuatio in torturam funis, aüt sit simplex 


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tortura alterius generis tomientorum , quatenüs tor- 
mento funis torqueri non possint. *i ~ v . 

Non sint faciles Judices ad repetitionem torturae, 
nisi causa sit grauissima quo casu iam erit consu- 
lenda Sacra Congregatio, vt dictum est. 

Nullo modo abradantur aliqui pili , aut capilli 
ipsarum mulierum , nec vim faciant Iudices contra 
inquisitas in quodam indicio ab aliquibus Doctoribus 
considerato, yideliöet quandö fortasse huinsmodi mu- 
lieres ( maxime in tortura ) non emittunt lachr ymas. 

Tortura nunquäm excedat tempus vnins horae , 
nec de facili per lioram tortura inferatur, nisi staute 
grauitate causae , et vrgentibus iudicijs simul , et in 
fine examinis annotetur tempus , quo in tormento 
manserunt. 

Maxime est aduertendum, quod in euentum, in 
quem huiusmodi mulieres apostasiam ad Daemonem, 
et accessum ad ludos diabolicos faterentur (quo casu 
corpus delicti aliunde probari non potest , quam per 
propriam confessionem ) curandum est sine minima 
suggestione , vt huiusmodi mulieres totam seriem 
facti , ä semetipsis recenseant , et quomodö ab initio 
ad id inductae fuerint , de tempore , et alijs circum- 
stantijs, nam hoc modo videri poterit an confessio 
huiusmodi apostasiae, et accessus ad ludos, veri- 
similis sit, nec ne, et cäsu , quo fateantur aliqua 
particularia , siue circumstantias , que sint verifica- 
bilia , omninö Iudices diligentias faciant pro ijs 
verificandis , quiä sic magis verisimiles reddentur 
Confessiones circa apostasiam, et accessus ad ludos, 
alias si tales circumstantiae adductae falsae compe- 



126 


rirentur, dubitari posse t de veritate huiusmodi con- 
fessionis forsan secutae, vel vi torturae , quae est 
remedium fallax, vel suggestione alicuius, veltaedio 
carceris, vel quiä aic credarent facilius ipsis indul- 
gendura esse,' proüt aliquandö coiHpertum est, 
diuersis istis respectibus , mulieres falsö fassas esse 
apostasiam , et accessus ad praefatos lüdos. Et vt 
facilius Iudices possint se abstinere ü quacumque 
suggestione y quando mulieres incipiunt fateri talem 
apostasiam, forsan melius esset , vt time Iudices 
obliuiScerentur eorum , quae dicunt Doctores in ista 
materia , quiä saepe visnm est , quod Iudices in 
ordine ad ea, quae perlegerunt penes Doctores, 
multa praeiudicia faciunt his mulieribus. 

Et quateniis tales mulieres fateantur apostasiam, 

. et accessus ad ludos, et nominent complices in huius- 
modi ludis ,- nullo modo procedatur contra huiusmodi 
complices , quiä cüm talis accessus plerumqub per 
illusionem contingere possit; iustitia rion postulat, 
quod contra complices cognitos, et visos, per illu- 
sionem procedatur. 

Omninö Iudices scribere faciant in processu in- 
terrogatoria otnnia per extensum ab ipsis ludicibus 
facta , vt ex lectura processus appareat qualia illa 
fuerint , et an adsint suggestiones , cüm maximo 
enim abusu , et praeiudicio consueuerunt aliqui 
Iudices scribi facere, Ad opportunam interrogationem 
Respondit, seü alias Respondit. 

Multi Iudices deueniunt ad formandum processus, 
nec colligitur ex processu , quäle fuerit primum in- 
dicium, et vnde prouenerit; sed processus sic inci- 


/ 


/ 


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127 


( 

piunt ; Cum ad aures deuenerit , seil alias ; Prae- 
cedente fama publica etc. Caueant igitür Judices 
ab isto errore ; et semper examinent in principio 
processus person am , seii personas , quae ad aures 
primb aliquid dixerunt, vel quomodb talis fama 
ad eius notitiam peruenerit , et cuncta seriatim in 
processum redigant, itä vt nihil omnino omittatUr. 

Plerumque contingere potest, quod Infantes de- 
cedant ex suffocatione in lectis pauperum Matrum^ 
et Nutricum , et ob id prohibetur Matribus , et 
Nutricibus, ne in earum lectis, sed in cunabulis 
separatis infantes retineant ; ideö prudentes iudices 
benb aduertant , quiä secuta aliquandö simili suffo- 
catione , ne illa detegatur , Matres , siue Nutrices 
propalant, infantes occisos ä Strigibus. 

In huiusmodi causis, et processibus formandis 
omnino seruentur Taxae alias transmissae 'de maiw 
dato Sacrae Congregationis , et quandö mulieres 
praecipue sunt pauperes , caueant Iudices ab earara 
bonorum expilatione. ’ 


III. De laniis et phitonicis mulieribus ad 
il 1 u str i ss i m u m principem dommu. 
Sigismund u. archiducem austrie 
tractatus pulcherrimus. 

Tractatus ad illustrissimum principem domin. 
Sigismundum archiducem Austrie. Stirie. karinthie etc. 
de lanijs et phitonicis mulieribus per Ulricum moli- 
toris de Constantia, studij Papiensis decretor. 
doctorem : et curie Constantiensis causa, patronum. 


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128 


ad honorem eiüsdem principis : et sub sue celsitu- 
dinis emendatione conscriptus r • 

Epistola 

Excellentissime princeps et domine. domine 
archidux colendissime. humilis vlricus molitoris de 
Constantia doctor tue celsitudini sese in obsequium 
offert cum itaq. supioribus annis pestis quarundam 
laniar. et incantatricum terras tue dominationis 
inuasisse diceret. Itaq. cum nonnulle tuo sub 
imperio mulieres dehmoni heresi suspecte capte 
forent. apudq. torturam interrogate varia respon- 
derent. Unum tuis osulibus varia eadem de re inter 
se opinantibus. vno quippe in illam : alio nempe in 
aliam partem declinante. tandem apud tuam clemen- 
tiam mei memoria incidit Itaq. per insita tua 
auiditate veritatem cognoscendi per tue dignationis 
consules demandatum suscepi. vt quod ego ea in re 
sentirem id tue excellentie stili officio designare 
non omitterem. Uerum quamuis istud laboriosum 
et periculosum sit. laboriosum quidem mihi in alijs 
occupato. et victum querere curanti. periculosum 
autem propter inuidos et detractores qui cuncta que 
nequeunt imitari non tarnen cessant calumniari. et 
que ipsi sua inertia experiri non poterunt venenoso 
dente veluti seteger hircus lacerare non omittunt. 
Quamuis insuper ista materia preclaros etiam viros 
in dubium aduocauerit. attamen dignum existimaui 
quia per tua excellentia corpusculi mei membra tuis 
obsequijs obtines deuicta. eius etiam si que sint 
animi vires possideas vt dum exterioris hominis 
partes sese ad tua deuouent obsequia. debilis quoq. 


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et rudis intellectus meus ad tue celsitudinis gloriam 
non dormitet. Opus itaq. ponens sub tua tuorumq. 
sapientissimor. consulum cörrectione presertim cla- 
rissimi viri Conradi sturzel vtriusq. iuris doctoris 
ac tue precellentie maximi secretarij Cuius quippe 
corectioni hunc tractatutn specialius submm;. quo- 
niam Rundem prislinis temporibus in prereptorera 
et magistri locum habui. Eloquentie etiam elementa 
iurisq. sententias adhuc iuuenis ab eo suxi. hodieq. 
sugere desiderem. vt sic aggressus sum. Etenim cum 
apud priscos oratores dyalogus plerumq. aliquid 
iocundioris delectationis afferri extimatum eat. id- 
circo pnti. in tractatu per viam dyalogi ymmoi» 
trilogi procedere decreui Verura quae xnulta ea de 
re disputatione digna cum prouido et prestanti viro 
Conrado. scliat* huius inclite ciuitatis mee Con- 
stantiensis plurium annor. pretore et magistratum 
gerente viro vtiq. spectato et facundia. florente re- 
censui. qui tanq. pretor hmoi. mulierum Confessiones 
didicit. Itaq. ipsum presentem dyalogum seu trilogum 
sub tuo excellentissimo ipsiusq. Conradi et meo 
nominibus expedire arbitratus sum. Idcirco sub 
benignitatis venia ad materiam accedcns quasdam 
questiones pro claui huius materie discutiendas 
premisi. < . i>ip 

Capitula presentis tractatus 
> Primo vtrum ex faeto laniar. et incantatricum ae 
cooperatione demonum possint prouocari grandines 
et tonitma in lesionem terre. 

Secundo vtrum lanie et incantatrices possint adiu- 

9 


iu. 



I 


130 

turio dyabolihominibuset infantib. nocere. ac morbus 
eisdem inferre.i - - v". -t ‘ ■ ' - 

Tercio vtrum possint hominem coniugali in stata 
constitutum ad coeundura inficere et > impotentem 
reddere. • iii;’) • • i •>'>" , 

• Quarto vtrum possint hominum hymagines et. 
facies eorutn, in alias forpias transmutare x > 
x.. Quintovtrum possint sup» baculum vrictum vel 
sup. lupum vel aliud animal equitare. et ad sui 
conuiuijdudumde loco ad locum tradaci vbi bibant 
et comedant ac mutuo se cognoscant atq. letentur. 

- Sexto vtrum cum talibus maleficis mülieribus possit 
dyabolus incubando in forma hominis coramisceri 
Septimo vtrum ex tali coitu possibile sit generari 
filios. 1 i ‘ * 

• Octattw vtrum possint adiutorio demonumsecreta 
scire. et Consilia principum reuelare. ac futuros euen- 
tus pTedieet*e, 

Nono vtrum iusto iudicio possint tales malefice 
et scelerate malieres igne concremari vel alijs penis 
affiei. J • > .r . « i / o t .1» 

1 Exorditur itaq. clementissimus Sigismundus ar-. 
chidux austrie Fidelis nobisq. dilecte doctor vlrice 
qm. singulari fauore ob tua in nos merita te perse- 
quimur. idcirco pnti. de materia tecum pre ceteris 
disputare decreui. Ulricus Illustrissime princeps 
quamquis gratum sit vt per tua in me clementia me 
digrtüVn tMbr dispntandum fore iudicaueris. attamen 
ecce adest Conradus schätz pretor mee ciuitatis ,vir 
vtiq. ingenio prestans conuersationeq. argutus conso- 
dalismeus. placeat igit. eius industriamhaodere prius 


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131 


experiri. Sigismudus Placet. nam et eundem consiiio 
maturum conuersationeq. facetum noui. Idcirco que 
nobis sermo de laniar. et incantatrieum maleficijs 
habendus erit. Itaq. querendum primo duxi Utrum 
ex facto laniar. possint prouocari tonitrua pluuie et 
grandines Conradus Quamuis in hmni. difficultate 
que etiam doctissiraos yiros pro discussione terreri 
solet me inscium putem. iuxta verbum socratis qui 
solitus fuit dicere se hoc solum scire quod nesciret« 
attamen ne videar clementis principis monitis nofl 
acquiescere. loquar pauca rt initium dem mouendi 
maiora Sigismundus. Die igit. Conradus, Apud 
philosophum tritum est sermone prouerbium. vt fama 
quam omnes famant non omnino prodatur. Fama aut. 
communis est que ipse srige tonitrua et grandines 
effecerint. magnaq. damna segetib. et hominibus 
intulerint. Ex confessione quoq. ear. in tortura 
facta se talia fecisse et modum faciendi tradisse 
eompertum est. Sigismundus At ego nude fame non 
intendo. facile enim dictum sequitur vulgus. nec con- 
fessione torturali satiabor. cum metu enim tormentor. 
quis inducitur qunq. ad fatendum id quod in rer. 
natura non est. Verum ea q. oculis non conspeximus 
autoritate tarnen vel concludenti ratione percipere 
desideramus. nam recta disputatio autoritate et ra- 
tione concluditur. Ulricus Profecto experientia in 
decidendis causis contemptibilis non est, cum expe- 
rientia dicat. esse rer. magistra. irt dicit. in c. vbi 
periculum. de elec. li. vi. Unde tritum est apud 
populäres prouerbium Experto crede rupertd Sigis- 
mundus. Ad ostendendum igit. q. lanie maleficeq. 


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H2 


mulieres nihil sciant. me istud mouet. videlic. Nam 
si talia iste maledicte mulieres scirent et efficere 
possent non esset opus principib. temp. belli clientulos 
militesq. conducere qui in terras hostium irruerent 
agrosq. deu&starent. incendijs domos et villas con- 
eremarent. Verum salis esset talem mulierem phi- 
tonicam aduocare: eidemq. saluum conductum ad- 
dicere. et hortari quatenus sup. hostium terras talis 
mulier grandines fulmina et tempestates prouoc.aret. 
ac vt sic hostium terram periclitare moliretur Etenim 
quia videmus quod ipse talia facere non possunt etiam 
si vellent: Ad faciendumq. etiam si aprincipibus(quod 
tarnen absit), inducerentur. Unde inferendum censeo 
ipsas talia facere non posse. Pretereaex fide habemus 
solum deum stellar, et elementor. esse gubernatorem. 
qui legem pati sidera iubet. et qui ( cum Boetium in 
li. de consojatione) perpetua mundum ratione gu- 
bemat. stabilisq. manens dans cuncta moueri : quo 
igit. tales mulieres adiutorio demonum illum sum- 
mum motorem (qui certa ratione omnia gubernat) 
in hmoi. suo motu impedire. et in alium motum 
dirigere possent. Conradus Ponderanda quidem est 
magni principis ratio. Sed non minus ponderandum 
est illud quod Exodi. yij. dicitur Nam quamvis moy- 
ses ante iaciem pharaonis regis egypti multa signa et 
prodigia fecisset. ni nilominus malefici talia sili effe- 
cerunt. qui incantationib. suis aquam in sanguinem 
verterunt. et ranas sup. terram perduxerunt. Ecce 
igit. ex sacra scriptura veteris testamenti clarere. 
quod malefici adiutorio demonum aquas turbarunt. 
q. eas in sanguinem verterunt. et agros prediaq. ranis 



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133 


confudenmt. Item in primo libro lob. c. primo legit. 
quod dyabolo procurante ventus vehemens irruit a 
regione deserti. et concussit quatuor angulos domus. 
q. corruens oppressit liberos iob. et mortui sunt. 
Ecce quod dyabol. poteslate sua aerem prouocauit. 
puerosq. oppressit. Dicitur etiam eodem li. dyabolum 
fulmina ignis prouocasse. dicit enim tex. Ignis dei 
cecidit de celo. et tactas oues puerosque consumpsit.' 
Item Iohan. apoca. vij. ait Post hec vidi angelos 
stantes sup. quatuor angulos terre tenentes quatuor 
ventos ne flarent sup. terram. neq. in mare. neq. in 
vllam arborem. Et vidi alterum angelum descen- 
dentem ab ortu solis habentem signum dei viui. et 
clamauit voce magna quatuor angelis quib. datum est 
nocere terre et mari dicens Noli te nocere terre 
neq. mari neq. arborib. quousq. signemus seruos dei 
in frontib. eor. Sigismundus Doctor qui sunt illi 
quatuor angelis quibus ait iohannes esse datum posse 
nocere terre mari etc. ' 

Ulricus. Sunt dyaboli Sigismundus. Appellatur ne 
dyabolus angelus Ulricus. Ita. nam dyabolus ibidem 
et etiam alibi sepius angelus dicitur : q. etiam missus ' 
a deo vt ibidem dicit glosa ordinaria. 

Sigismundus. Forte iohannes hec in spiritum 
vidit dans nobis sue visionis exempla Conradus. 
Dignissime princeps non opus est exemplis dum res 
ante oculos facta existit, vt audistis a maleficis coram 
pharaone. et a gestis lob. Si igit. hec facta fore legun- 
tur etiam et nunc fieri posse quis dubitat Ulricus. De 
illa materia in fine ex post clarius. Iam conferamu* 
nos ad alia. 

gcttfe^unj ) 


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V 


134 

IV* Semiphoras 93nb Schemhamphora» Salo- 
monis Regis. 

Sine fcemütljige Sitte ümb (Srfangung 2Beißf)cit unb Berftanb. 
©prädi». ®al. 3. v. 6. 

®tr ^€rr giefctt SBtifftcit, unb «u$ feinem ÖRunbe gebet 20ct{&eu 
un& SOerflaitb. 

©pift. 3ue. 1. v. 5. 

Cc 3emanb unter eud> SEBciff>eit mangelt/ ber bitte eon ©Ott/ bet 
ba gibt einflltiglicb/ unb rücfet Sftiemanb auf. 

© ©Ott mein fßater, unb $©rr affer ©üte, ber 
bu alte ©ing buref> bein SBort gemacht, unb ben 9Renfd)tn 
bureb beine SBeißbeit bereitet fjaft, baß er berrfdjen foOfe 
über bie Greaturen, fo »on bir gematzt/ baß er bie 
SBelt regieren feite mit £eifigfeit unb ©eredjtigfeit, 
unb mit rechtem $er{jen rieten, ©ib mir bie SDeißbeit, 
bie ffet# umb betnen 3!^ron ift, unb »erwirff mid) nidjt 
au# beinen Ätnbern, Denn id; bin bein Änedjt , unb 
beiner QJfagb ©ofm, ein fdjroacber ©lenfdj unb furjje# 
geben#, unb ju geringe im SSerftenb be# Steckte# unb 
©efefce#, ®enbe (!e herab »an beinern .£>. £immef, unb 
au# bem £bron beiner $errligfeit. ©enbe jte, baß fie 
bei? mir fep, unb mit mir arbeite, baß ich erfenne, unb 
tbue ma# bir roofgefalle, ©enn fie roeiß affe# unb «er» 
flehet#, unb faß fie midj feiten in meinen SBercfen müffig* 
I idj, unb mid) behüten burd) ihre ^jerrligfeit, fo trerben 
bir meine SBercf angenehm fepn. ©a ich noch jung mar, 
fudjte ich 2Öei#heit ohne ©d)eu in meinem ©ebet. 3m 
Stempel bat id) brum, unb miff fie biß an mein ©nbe 
fudjen* 5)?tfn #er § freuet jldj über ihr , af# roenn bie 
Strauben reijfen, ©u bift mein SBatter, mein ©Ott unb 


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435 


£ort , bet mir fcüjjrt. ©eine $anb bat mid) gemalt 
unb bereitet , unterweife mid) , baß id) beine ©ebot lerne. 
Oeffne mir bie Slugen , baß id) febe bie Sßunber an 
beinern ©efefc. ©ebenrfe #<5rr an beinen ©unb, unb 
gib mir ein , waö id) reben unb benefen foll. Unterweife 
mid), fo lebe id). £(Jrr, jeige mir beine SEBege, unb 
lebre mid) beine ©teg, leite mid) in beiner SBarbeit, 
unb lebre mid). 3<b bin bein dfneebt , unterweife mich , 
baß id) erfenne beine .ßeugnüffe. SErüfte mid) wieber mit 
beiner .£)ülffe, unb ber freubige ©eilt enthalte mich. Du 
Siebßaber beö Sehend, bein unvergdnglicber ©cift ijt i« 
allen, Seßre mid) tbun nach beinern Sßolgefalten , benn 
bu bift mein ©Ott, bein guter ©ei|l fübre mich au(T 
tbener ©abn. ©enn bei bir ift bie lebenbige Ouelle, unb 
in beinern Siebt feben wir bad Siebt. Saß meinen ©ang 
gewiß fetjn, unb laß fein Unreebt Aber mid) betrfdjen. 
Sebre mid) btüfame ©itten unb ©rfdnntnüß, benn i<b 
gldube beinen ©ebotten. Seite mid) in beiner SEBarbeit, 
unb lebre mid), benn bu bift ber ©Ott ber mir bilfft > 
tdglieb barre id) btin. Saß bein Slntlifj leutbten über 
beinen Änedrt , unb lebre mid) beine Rechte. Saß mieb 
beine £>errligfeit feben. ©enn bu £Srr bift mein Siebt, 
unb bu wirft meine gitifternüß liebt machen, ©u wolle)* 
bid) mit mir verloben in ©wigfeit, unb mich bir ver* 
trauen in ©ered)tigfeit unb ©eriebt, in ©nabe unb ©arm» 
berjjigfeit , ja im ©lauben wolleft bu bicb mit mir ocr* 
loben, baß id) bicb $£rr erfenne. $Srr, laß meine 
Älage für bicb fommen, unterweife mich nad) beinern 
SEBort. Saß mein gießen für bicb fommen , errette mid) 
nach beinern SEBort. SBeife mir $Srr beine SEBege, baß 
ic b wanbele in beiner SEBarbeit. (Srbalte mein J^er§ bei) 


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136 

bern Sinigen, baf ich beinen DJabmen furzte. 3c h will 
beineö DJabmenö gebenfeit von Äinb ju Äinbeö / ßinb, 
barum werben bir bancfen bie ©dlcfer immer unb ewiglich/ 
8men. 

.'.JL \ . ' r 

3 

' \ * * 't * , 

3m Dlabmen beö Reffen aßmdcbtigen ©chdpferö bebe 
3<b Äönig ©alomon an bie ©rfldrung beö 9la^menö 
(©Otteö) Semiphoras , baö ^eifl baö (Jrfle unb baö 
©rdffefle, baö dltefte unb baö verborgene ©ebeimniifj 
groffer Ärajft unb SEugenb, aße baö Wenige ju erlangen, 
waö man von ©OÜ X bittet, bann ©OSESE will im 
©eifl unb Sßabrbeit angeruffen fep, welche befielet , 
wann man nicht mit vergebenen Porten 3b« anruffef, 
fonbern weil ein jebeö SSBort unb JRabmen ©Otteö fein 
felbftdnbig ijt, fo foß ber Dlabme mit ber ©itte eigent* 
lieh überein flimmert, unb fein frembber DJabme unnütjlid) 
gebraucht werben, wo man ettvaö gruchtbarlicbeö er/ 
langen , unb wunberliche SDinge verrieten miß , bamit 
bie ©dttliche Gigenfchafft feine ©nab unb ©aben unferm 
©eifl unb ©eelen eingieffe unb mittbeile, baö iji, bie 
©rfdnntnüß ©Otteö in feinem DJabmen, burch welche 
©r fuh ben fDienfchen , bie 3b" fürchten unb DJecht tbun , 
jugejleßet, unb bei benen bleibt, bie feinen DJabmen 
fennen , barum man folche vor ben unmürbigen böfen 
unb leichtfertigen SWenfcben verbergen foß, unb ganfj 
@b r würbig halten , weil ©OSEX in Exodo felbfV fagt: 
5luö aßen Orten ba bu meineö DJabmenö gebencfen wirft, 
miß 3d> ju bir fommen unb bich fegnen. Oabero haben 
bie J^ebrdifchtn Mecubales jmer> unb fieben|ig Dlabmen 
©Otteö, unb ber ©ngel auögejogen, unb Schemham- 


\ 

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137 

phoras tren Siahmen »on 72. ©udjßaben geschrieben unb 
genennet. ‘ • 

ßrfHrd) iß gu wißen, baß bie Slahmen ©Otteü in 
feiner anfeern Sprache at$ in ber JgjebrdifdjCn fönne ge* 
.lehret unb eigentlich perßanben werben, auch f innen wir 
fie nicht anberö auöfprechen, al$ wie fie unö burch 
©httliche ©nabe (mb offenbaret worben, ©enn fie fepn 
ber ©ottlichen Allmacht ©aerament unb Sluößuß, nicht 
»on ÜJienfchen , noch »on Gngeln , fonbern »om bhthßf« 
©Ott auö gewiffer Sßeife, nach feiner Gharacteren un* 
beweglichen 3 a hl unb ftigur au$ crniger ©eßdnbtgfeit 
eingefegt unb burch ©otteü ffrafft (genereert) geheiliget 
bie Sittliche Harmonium eingufldßen, barfür ftcf> fürchten \ 
bie über ben $immeln fepn. ©ie Gngel unb alle Grea* 
turen ehren ße unb brauchen ße ihren ©chöpffergu loben, 
unb 3h« in feinen ©ittlichen SGercfen gu preifen mit 
bücbßer Ghrerbt’etung /, wer ße nun mit furcht unb 
Rittern gu ihrem rechten 53raud) Ghrwürbig im ©ebet 
«nwenbet , unb mit reinem #ergen behüt, berfelbige 
wirb frdfftiglich »on ©Otteö ©eiße erleuchtet, mit ©itt* 
lieber Ginigfeit »erbunben, baß bie groffe Sßlacht ergeiget 
ber leiblichen ©ingen , wirb ße mdefotig nach ©OtteS 
SÖillen, unb würefet übernatürliche ©inge, baß er ben 
Gngeln unb £eußeln fan gebieten , bie Glementifche unb 
3rbifche ©inge binben unb lifen, über welche ße ßch au$ 
©Otteü Stacht erheben, berwegen wer burch ben ©lauben 
gereinigte Ohren hat, unb burch unoerberbte Gin* 
bilbungen feinen 93erßanb unb ©itten gereiniget unb 
»erbeßert, baß er burch unoerfdlfchte SBerenberung ©itt* 
lieber ßiahmen ©Ott offtcrö anruffet, ber wirb ein #auß 
unb Sßohnung ©Otteä, baß er ©Etlicher Ginßüße fdgig 
unb tbeilbnfftig wirb, lc. 


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138 


3«m Slnbern ifl ju wiffen bi« Orbnung ©Otted, baf 
©022 jwifdjen ben ©ngelen anbere SEBbrter brauset, 
«u<b jwifdjen ben S0?enfd>en anbere, aber ber wahre 
Siabme ©Otted ifl weber S0?enfd)en nod) ©ngelen befanbt, 
welche ©022 feiner 2lUmad)t allein bat oorbebalten , 
nicht ju offenbabren, bif feine ißerorbnung unb Sludjlellung 
erfüllet unb oollenjogen ifl worben. ©arnad) baben bie 
©ngel unter ftd) ibr eigen 3ungen unb ©pracben, barumb 
wir und wenig ju belämmern , weil fte und unnötig ifl 
ju erforfcben. > 

• 3um ©ritten fetjnb alle ffabmen ©Otted bei und 
SJlenfd)en genommen oon feinen ©erfen, eine Sfflittbeilung 
«njeigenbe an ©0X2 ober ben ©ngeln felbfl offenbaret, 
ober jte werben gejogen aud ©btrlicber ©djrifft , burcb 
bie Äunfl Cabalisticam , Calculatoriam , Notariacam 
unb Geometriam. 

Slnfangd ber ©uchflaben unb ©orted ©emipborad , 
welched @0X2 ber ©cbdofer gegeben b^t 

im ^parabeif , begreift oier ^jebrdifcbe ©ucftflaben 
Jehova bed unerforfcblichen ©cbbpfferd ber ©eit allmädjtige 
gürftcbtigfeit unb allgewaltige flarcfe ©ottbeit. 

©arnad} fepnb oier Xbeile ber ©eit, bad allerfub* 
tilefle Sidjt ber geifllicben ©eit hält 4. Hierarchias, 
Cherubin et Seraphin , Potestates et Virtutes , Ar- 
changelos etAngelos, Spiritus et Animas Hominum 
bie oor ©0X2 fommen, btefer Xbeil ber ©eit bat aud) 
»ier ©ngel bie oorfleben ben oier ©den bed Jjimmeld, 
ald fepn , Michael, Raphael, Gabriel, Uriel, Oter 
©ngel bie ben ©lemenfen fürfleben, ald Seraph, 
Cherub, Tharsis, Ariel: 4. |)Oc^erfld()Cter IDZenfc^ctt 
OoCed Sidjtd ©Otted. 


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I 


. 139 

3um «nbern Sicht ober ber Sßeft ift ber #imntel 
aller ©ferne, tyat »ier Triplicitates ber 12. 3 e t<hen, 
barunter bie ©onne 3dhrlich lauft, baff fte macht »ier 
3eiten beö 3ahre$, ben Seng, Sommer, Jperbft 
unb SBinter ber ©ebdhrung unb 93erwefung, unb »er# 
Änbert bie 4. Element. 

t 

3um britten SEbeif ber 2Belt fe^nb bie ©lement, unb 
affeö waö ihnen ift unterworfen, barinnen ift bie fleine 
SBelt, ber b«t wieber 4. ©lement in (ich. Anima ift 
im Jjaupt per nervös; Spiritus ift im Jpergen; würcfet 
burch bie Arterien; Corpus ift ber gange Seih mit 
Stbern Genius ein guncfen geuerä ift in Stieren, regieret 
bie ©ebdhrung, #at 4. ©eift unb SBirdfung frdfftiglic^ 
«lö facultates actiones, ober Spiritus alö fetyn Animalis, 
Vitalis, Naturalis ; Genitivus; ©ie @ee(e hat inner ficfje 
Sinne, alö sensum Communem, barinn fich ber ©lauhe 
faffet , alä (Fides) anbere ©inne Intellectus im ©ehirn 
iiveftovixv. 

2. Imaginatrix bie ©inbilbung ift bie anbere ber 
©eercn Sßürcfung unb «phontafia , welche bie 93ilber »ott 
ber ©ewalt abjeucht unb würcfet affe ©inge. 

3. Ratiotinatio wieberholet bie Species auf bie 
©inne §u allerlei; Urfachen, Urtheifen, Scientia, wenn 
ftd? nun bie ©eefe au|f grünbliche Urfachen wenbet, ©r* 
fanget fte Sßiffcnfchaft natürlicher unb weltlicher Sßeijjfieit. 

4. Memoratrix bie ©ebdchfnüfj behdlt alle$ waö an 
fBermögen unb Sßürcfung beö ©eifteö behalten wirb , ad 
experimentum unb Sensus ju bringen, burcf)$ SBewegen 
ber Steroen fommt »on ©ott bie SDteljrung ber SOtenfchen. 
©er lebenbige ©eift be$ ^erjenO h«t > n jt«h bie SCffectett 
ßlö »ier SEugenben, Justitia, Temperantia, Prudentia, 


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140 


Fortitudo, ligt im Slrterialt'fdjen ©eblüt, »erbinbet bie 
©reit mit bem Selbe Appetitus Senfitivus , ber natür* 
lieben ©ciflfUöürtfung unb *Dta<fc t . in ber 8eber unb 
5lber , bringet bie 93e»egung ber Slnjiebung, 93ebaltung, 
5tod)ung, unb Austreibung, ©er ©cb.lbrenber ©eifl 
Ärafft unb ©afft ligt in ben filieren (©aubbauß) . . . 
au$ ©bttlicber ®^lifpmmenbeit fub ju »ermebren. 

©er Se i b bat 4. Element, ©eifl, grud)t, 
gleifd), 93 ein, bat 4. Complexiones ober Tempe- 
rament; SEBarm, geuebt, Slrucfen, attractio ge* 
fd)id)t burd) »arm, feuebt, trutfen: fei retentio 
gefebiebt burd) falt unb truefen: Lien Coctio 
bureb »arm unb feuebt, Epar ex pussio bureb 
»arm unb feuebt, id est stomachus, »ier geudjten, 
©all, 93lut, ©cbleirn, Melaneholia. 

3lm pierbten SEbeil ber SEelt ifl ginflernüß, 
ber 93erbammnüß eingefejjet beö 3° rn $ unb 
©tröffe. 4. gürflen ber SEeuffel fepn febdbliebt 
,tn ben 4. Elementen, Samael , Azazel, Azael , 
Mahazael ; 58 i er gürflen ber SEeuffel über bie 
Pier SBinfel ber Srben , Oriens, Paymon, Egyn, 
Amaymon. 

©aö erfle ©emipboraS ifl be« 2lbam$ , ba Sr mit 
bem ©eböpffer im ^arabeiß gerebet batte. 

©er Slnber ©emipboraä , ba Sr mit ben Sngeln unb 
©eiflern gerebet bat. 

©er ©ritte, ba Sr mit ben SEeuffeln gerebet bat. 

©er 93ierbte, ba Sr gerebet bat mit ben Sreatureit 
ber vier Slement, ber 93oge(, gtfebe, 3Eb* fr unb Sßürme 
ber Srben. 

©aö günffte, ba Sr gerebet bat mit unleblidjen 


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©ingen, «Ti Ärdutern, ©aamen, ©Aume unb «Htm 
©ewAcbä. 

©ad ©ecbfie bat (Sr gercbet mit bcn SBinben. 

©ad ©iebtnbe bat er gerebet mit ©onn, ÜJtonb unb 
©ternen. - 

©urcf) bie Ärafft btr fieben ©emipborad fonte (Sr 
machen wad (Sr wolt, unbjerftdren wad (Sr wolt. 

©ad (Srfte ©emipborad bat ber SSbam erfännt ba 3b« 
©0X3! erfcbajfen, unb ind «parabieß gefejjet batte, unb 
nur 7. ©tunben barinne »erblieben, ber Ufabme ijt 3ora. 
SBelcber genennet wird in groffer 9?otb, mit febnlicber 
Slnbachr, oor bem ©cbflpffer, fo ftnbcft bu ©nabe unb 
gtwiffe Jpülffe. : :r •• 1 >: 

©ad anber ©emipborad, ba ber 2lbäm mit bem 
(Sngel redet, welcher ibm biefe ©chrifft gab yeseraye, 
bad ifl, ©OXX ohne Anfang unb (Snbe , bieftn nenne 
wann bu mit bem (Sngel rebeft, fo werben beine fragen 
»nb SßiHen erfüllet. 

©ad britte ©emipborad , wann Slbant mit bet* 
©eiftern unb ©erworbenen rebet, unb jie fraget , geben 
fie ibme gnugfame Slntwortt auff bie SBort Adonay Sa- 
baoth , cadas adonay amara, biefe 2Borte fage wann 
bu 2Btnbe, ©eifter ober Xeujfel oerfainmlen wilt unb 
jufammen bringen, Aly Adoy, Sabaoth, amara. 

©ie Pierbte Semiphoras, Lagumen lava, firin, 
lavagellayn Lavaquiri , Lavagola , Lavatosoryn , 
Layfialafin , Lyafaran , mit biefem Htabmen bat (Sr alle 
Xb« r und ©elfter gebunben unb auffgelofet. 

©ad fünffte Seiniphofas^ Lyacham, Lyalgema, 
Lyafaran , Lialfarab , Lebara , Lebarosin , Layara- 
ralus , fo bu ©ewacbfene ald ©Aume unb ©aamen wilt 
binden , fo nenne biefe SBorte. 


I- 


l 



*7 

F 

(* 




142 


©aß fedbjte ©emipboraß ifl groffe 2ttad)t unb SEugenb, 
Letamnin , Letaglogo , Letasynin , Lebaganaritin , 
Letarminin , Letagelogin , Lotafalosin , braud) biefe 
wenn bu wüt baf bie ßlement oberSößinbe beinen SßiUen 
tfcun fotfen. 

©aß jWenbe ©emipfyoraß ift groß unb mächtig , eg 
fepn bie JRabmen beß ©dwpjferß, wetd?e in jeberm SEBercfc 
foll gefprodjcn werben im Anfang Eliaon, yoepaadonay 
cadas ebreel, eloy ela agiel, ayoni, Sachadon, essuselas 
eloym, delion iau elynla, delia yazi Zazael, paliel 
man , Umiel, ouela dilatan saday alma paneim alym, 
cannal, dens Usami yaras calipix, calfas sasna saffa 
saday aglata panteomel auriel arion phaneton secare 
panerion ya emanuel Joth Jalaph amphia , than 
dcniisrael mu al le Leazyns ala phonar agracyel pyol 
paeriterop theferoym , barimel, Jael baryon. ya 
apiolell echet. 

©iefe ^eilige 9labmen nenne gu jeber 3«* ®^Sfcn#»e(l 
bamit ®OXX an , wenn bu mit ben 4. (Elementen ober 
anbern barauß »ermifdjten ©ingen etwaß mirefen wilt, 
fo gefdjidjtß , unb waß bu (ger jtbren) baß (gerjtöre) benn 
©©££ wirb bir beiwohnen , weil bu feinen Stammen 
fenneft 

folget ein anber Sfaljme Semipboras baß ©£)££ üftepff 
gegeben bat in 7. feilen. 

©aß Srjfr ift ba fidj ©lopjtß »erbarg aujf bem SBerge 
unb rebete mit bem ©d)6pffer , ba bie glamme ben 2Balb 
angünbete , unb nid}t »erbrennete. 

©aß Staber, alß Sr rebete mit bem ©Zipfer auff 

bem SBerge. 

s ' 


'Sk 

1 


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143 


. ©«3 ©ritte, afd (Sr jertfeeilete bad rotfee SJteer, unb . 
gieng mit bem ganjjejt 93oIef 3frael feinburtb, «. 

©ad 93ierbte, wenn fein ©tab ju einer ©drangen 
warb, roeltfee bie anbrrn ©tfelangen perfddang. 

©ad,gänjfte fepn bie Stafemcn fo an ber ©tirn Slaronid 
geftferie&en waren. > ;• d. iv 

> ©ad ©ecfejle, ba (Sr bie eherne ©drangen matfeet> 
unb bad Äalb »erbrennete, ber Sfraeliter ^Mage ab* 
guwenben. 

©ad ©iebenbe , afd ed ÜJfanna regnet in ber Sßüflen^ 
unb bad Söaffer aud bem grifen fprang. . ( r. 

3m (Srften fepn bie 3Borte bie ÜJtopfid fprad), ba (Sr 
auff ben 33erg gieng , unb bat gerebet mit ben geur* 
glammen J- Maya , Aflaby:, Zyen, Jeramye yne 
LateTmi damaa yrsano noy lyloy Leay yly yre Eyloy 
Zya Lyelee, Loate, elideloy eylo , meeha ramethy 
rybifassa fu aziry seihiarite Zelohabe vele hebe ede 
nego ramy hahabe (conoc anuhec:). Sßann bu biefe 
Sföorte mit Slnbacfet $u @©2S bitteff, fo wirb bein 

SBerdt obne 3*®eifef »offbraefet, "ri \T*. m 

3um anbern fepn bie Sßorte bie ©OSS mit SERopfi 
rebet ba (Sr auf ben $3erg gieng , Abtan Abgnistan , 
Zoralen Jutau nondieras poiartefaya aiapeina pogny 
pocay sacroßcum. ÜJtit biefrn Sßorten rrbet ber ^ropfeet 
ju ben (Sngeln, mit weidirn bie 4. Sfeeil ber 2Beft 
jinb oerfirgelt gewefen , bamit warb ber Sempef geftifft» 
Bosale. SBann bu biefe nennen wi(t, fo fafte 3. Sage, 
fei> feufefe unb rein, bann bamit fanft bu oiel SBunber tfeun. 

3um ©ritten fepn SSBorte bie fpratfe SKopfed, bad rofete 
ÜJJeer ju oertfeeifen eua elaye sayec holomomaati , be- 
kahu ayalo inare asnia baene hiehayfale malieba 


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144 io, <§:, M-e frtl. 


amya aramebolona queleye Lineno feyaao , yoye 
malac habona netliee hycere. Söenn bu beineb Jperreit, 
4julb oerlobren,j ober wenn bu ^emanbg ®unß erlangen 
roilt, fo fprich bie 2Borte mit Slnbacht unb Cemutb, ic. 

; 3um ©ierbten fepn 2Borte bie Slopfeb fprad), ba ©r, 
feinen ©fab oermanbelt in eine ©cblangen, Micrata. 
raepy sathonich ; petanith pistan yltmyjer hygarin 
ygnirion temgaron aycon dunsnas castas Lacias astas 
yecon cyna calbera nater facas. ©iefe Stammen nenne 
wann bn bein ©egebren wilt erfüllen. . i 

3um günjften waren bie getriebene 9fabmen an bet 
©firn 2lronib, alä ©r mit bem ©cbbpjfer rcbet: Saday 
hayloes Lucas elacyns iacony hasihaia vcyrtino , 
sep, actitas bamelud doneny eya Jiiebu reu , yalia^, - 
vialia , eye. Vie liahya hoya fava salna baliia , 
cuci yaya. El enehel, na vena, serua. ©ie DZabmen 
ftnb fräjftig jegliche ©itte ju erlangen. 

3«nt ©ecbften. fepn Sßabmen, bie gefchrieben waren 
am ©fab SSJtopjl, ba Sr bte ©berne Schlange machte/ 
unb jerbrach baö gülbene Äalb,. Yane mare syam , 
abyl alia , uano , liya actenat tijogas ijana ejoim 
ijo, nehn ijane hay ijanejhu, abijaca meai j SOlit 
biefem 9fabmen oertreib alle 3«thfrep wnb Übel, bu 
folteß fie nicht eitel nehnen in beinen SBercfen. 

3um ©iebenben fepn SSBorte bie SDlopfeö brauchte , 
ba ©r 3frael auö ©gppten fhbrete, bamit Sr baö SOlanna 
oom £immel brachte, unb baö SBajfer auö bem ©tein 
floß : Sadaij ainata elon pheneton eloi j eneij ebcoel. 
messias ijahe vebu hejiane, ijananel elijon. ,-SDiefe 
Sßorte fprich, wenn bu wab SCBunberlicbeS mirdfen wilt, 
ober wenn bu in groffen 9iöiben hiß, ruffe ©Ott fleif» 
ftglicb an, tc. ^ 


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W), . 


145 


(B t M t. 

© üebcnbiger (5<£>ZZ , bu großer garerer gowal* 
tigcr b«I»ger unb reiner ©ehdpffer, polier (Büte, ein 
gebenebeyter StCRÄ aller (Dinge, gebenebeyet fey bein 
nähme, bieh umbfahe ich, erfülle unfer öegehren, 
bu rang es matten , lag (SlO big UJerd? jurn guten 
iEnbe bringen, gib uno beine ©nabe, unb perleihe 
uno beinen (B6ttlid)en 0eegen biefee TüercP glücffelig# 
lieh 3“ Pollenben. <Du ^eiliger barmherziger unb 
gnabiger (BZ>ZZ , erbarm bieh unfer: ©ein nähme 
Jeseraye: fey gebenebeyet in alle ifiwigfett, Simen, :c. 

• > * 
3nt Stahmen be$ attmddgigen ©ehöpferä tybt 3<h 
©alomon an bie ©rfldhruug ber ©ältlichen Nahmen; 
Slgla: ©u big ein garefer @D£5£ in ©migfeit. 2öer 
ber\ Sflahmen geghrieben auf gülben ©lech bep geh trügt, 
ber girbt feineö bäfen fchnellen £obte$: Slrarita, ein 
Anfang aller ©inigfeit. Slben : ©u harter 3relf bereiniget 
mit bem ©ohne, Simen, K. ©u Jpörr ein getreuer 
Ä6nig »oöjeuchä, jc. 3 

- ©ie Sflahmen entgehen oon Slnfang ber ©apittel 2lbo* 
nap, »eiche bie £ebreer an gatt be$ unauöfprcchlieh*« 
9lahmenö brauchen. Asser Eserie. 

©ie 7. hohe« unb frdfftigen glahmen fo an guter* 
©tunbe unb bequemen Ort erlanget wirb: Comiteijon, 
sedelaij, throtomos, sasmagata bij vl ijcos. 

©ie hier Ulahmen be$ ©ehöpfferö. Joat, Joua, 
eloij, Jeua, 2ßer nun ©ottfürchtenb 3hn tm ©lauben 
unb in ber Garheit oft anrufet , unb mit gülbenen , 
SBuchgaben ge bep geh trügt, bem wirb e$ an ehrlicher 
Sßahrnng unb dtjejibuncj nicht mangeln, ©er 3?ahme 
m. I 10 


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welchen 2(&am im Singang ber fallen genennet bat, i(t, 
mephenaij phaton , 2Ber 3^it t>«9 jld) trügt / ber^ ijt 

unübertmnblich. 

1 ©er 9?abme meinen ©©££ SOJo^ft auff bem öerge 
©inai gab , Hacedion , vertreibet baö SErauren. /V* 
* ©er 9labme welchen 3ofua betet ba bie ©onne ftiffe 
ftunb, baohando beltzlior dealzhat. ©a$ bringet Dtacfje 
»on ^etnbeit. ■ v 

— SHabmen Sephiroth b«be 3dj ©alomo iit 
meinem ©ebet ju ®OXX gefprochen, baß Sr mir Älug* 
|>eit geben wolte: Eether, Hochmal, binach, baesed, 
Geburah, tipheret, nezah, hod Jehod, malchud. 

golgen bie 3 e & en Sßabmen ©Otteö , Eseie, Jod 
tetragrammaton, Tetragrammaton elohim, El Elohim, 
Gibor Elolia, Tetagrammaton Saboth, elohim , Sa- 
baoth, Sadaij , Adonaij melech, alle mit 3*b*n ©u<h* 
ftaben , Tetragrammaton Zidkenu bat 9. ©ucbflaben , 
Eloha Vadahad, Tetragrammaton Vedaath haben 8« 
Shtcbftabcn , Ehoie bie ©elbfldnbigfeit ©DtteS / xöv 
tö ov. Arerite Äser , eheie , bie 9iabmen ©Otte$ »on 
7. ©uchftaben. 

; Eseh, oom SDloi;(t gebraucht ©Otteö Jeuer, Eiion bat 
5. ©uchftaben , unb fepnb alleö .£)ebreifcbe SSuchftaben. 

Emeth ber roarbafftige ®OXX ift ©DtteS ©iegel 
bie äuölegung ber 3 e & e « 9iamen ©Dtteä unb jebett 
Sephiroth betreibet Cornel. Agrippa de occulta Phi- 
losophi. Lib. 3. Cap. io. 

‘ Hacaba ber heilige unb gebenebepte ®OXX. 

Hu , Sr felbft bie Ärdffte ber ©ottbeit. 

Hod, Jod, ein ©bttlich Sßefen. 

Jah, Sin gerechter ©0X31/ (ich »ergleidjenb mit 
SRenjchen. 


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147 


Inon , ' . 

Jaia, Unfer ©OCC ein einiger ®OXX. 

Jesuba, Cer SWefiiaS werbe fornmen jur gülbenen 3*it. 

Jaua, Cer baö Sicht fchufF. ... 

Isaia, SfJlitbem Dfabinen El, C^rdbgleicbtt ber 3»bl 
(tbun jebeö 31.) nerdnbert. i 

Metattron, für Sadai tgut jeber 9tabm 314. 

Icuru Marpaz, Cie Sftabmen fornmen Be^be au6 
löerwanbelung ber 93uchftaben beö Siafimeni 3ebona. 

Messiah, au£ Slerfegung ber löucbflaben Jisma 
Macom. ’ 

Na , Cer 9?abme @Ctte$ ift ju gebrauten in 2Bi* 
berwdrtigfeit unb ©efehwernüfr. 

Oromasim , Mitrim , Araminim , Ca$ ifl ©oft 
genannt unb@eiff, baä fet?n brei^gfirfien ber Seit Ort. 

Pele , Cer ba Sun ber wtrefet, jc. 

Ciefe SKabmen werben auö einem jebern ©udjflaben 
gejogen von ben Scrcfen, barumb man ©CStSE anruffen 
will. 2Us eö ift ein gewiffer JEert in Grob. 14. non brepen 
S3erfen, welcher jeber mit 72. iBuchftaben gefchriebrn 
wirb, anfabenb mit 3. Sorten : Vaysa, Vaiduo, Vaiot, 
welche in eine Sinie gezogen. 1. unb 3. non ber Sintfen 
jur Rechten , ber SERitteljle nerfebret non ber Rechten ju 
ber Sincfen ftch enbet, ober ^inmieber gefegt, macht 1. 
fRahmen , baf ibrer 72. 53uchflaben werben Schemham- 
phoras genannt. 

Sann nun biefen julegt ber ©bttlichen 9?abmen El , 
ober Jah jugefegt wirb, fornmen barauä 72. Crep* 
©yllabige JRabmen ©Otte$, wie gefebrieben ftebft: 
5Df einen Gngel gebet nor bir b« , merefet auff $b»/ bann 
mein Sßabme ift in ibme, Ciefe feyn gürfteber ben 72. 


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148 


Rimmels 5. £&tüert, fo »iel Söfcfern unb ©praßen, 
unb ber SRenfchlichen 2eibe$ * ©liebern, unb wircfen mit 
ben 72. Sängern (5|>rifli. Unb ba$ ift eine SBeife , baß 
bie Gabaliften bie Slabmen auöjieben. 

©ine anbere 2Crt ifl ba8 Schemhamphoras ju machen/ 
wann bie 3. 33er0 in rechter Orbnung subalternatim oon 
ber Siechten jur Sincfen gefchrieben werben. Ob« bie 2lrt 
mit ben Staffeln Ziruph außjujeigen, ober wie fie mit ben 
Staffeln Commutationein auägejogen werben. - — - 

Vehuiah, Jeliel , Sitael elemiah , Mahasiali, 
Lehahel , Achuiah , cahetel , haziel , aladiah , La- 
viah, Haniah, Jezalel, Mebael, Hariel, Hakamiali, 
Laviah , caliel , Leuuiah, Pahaliali, Nelchael, 
Leiaiel , Melahel , Hahuiah, Mittaiah , Haaiah. 
Jerathel, Scehiah Rauel. Omael, Lecabel Vasarias, 
Jchuja Lehahiah Chauakiah manadel aniel haamiah. 
Richael , iciazel hahael Michael, Veliuel, Daniel, 
Hahasias Imamiah. Nanael. Nitael. Behahiah. Poiel 
Nemamiah ; Selalel, Harael Mizrael , Sahhel An- 
nanuel Mehael damabiah menkiel Eiapel. Habuiah. 
Rochel Jabamiali Haiauel. Maniah. 

3n ber ©rflen 3*^ ber 9?atur wirb ©©$££ ange* 
ruffen mit ©Otte8 0l«bmen Sadai Trigrammaton, 3& 
ber anbern 3*it be8 ©efefjeö ber unauöfprecbliche SRabme 
@©tte$ Tetragrammaton , bafür Adonay gefagt wirb. 
3n ber ©naben ?3fit ber SRabme ©Otteö Pentagram- 
maton effabile Jesu, baß auch mit 4. S8ud)jlaben 
3©©U, unb mit 3. JHS. gefchrieben wirb. 

©er Satter bat bem ©obne alle ©ewaft gegeben: 
Son ben ©ngrfn empfaben bie £)immel wa$ jte einflieffen*^ 
©ie aber in bem groffen SRabmen 0©tte$ unb 3©©U , 




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149 


weldreä ftrafft btt erftc ift in ©OSE^: Sarnadj geuft ti 
fid> «uö 11 t bte 12. unb 7. (Sngel, burdj welche jtcbd au i* 
titlet in bie 12. 3 e ‘^ en unb 7. glätteten, unb fofgenbä 
in alle anbere Siener unb Sßercfjeuge ©Gtted biß tn 
bie Unterfte bringenb, baber fagt (Sbriftuö: Sllleö wa$ 
3br ben Gatter bitten weroet in meinem 9tabmen , ba$ 
wirb (Sr euch geben , fo mir mit reinem bergen unb in* 
brünftigem ©eift 3b« nennen, benn eö ift fein anber 
{Rahme ben ÜRenfcben gegeben in bem fit fönnen fertig 
werben , alö in bem {Rahmen 3(S©U , Simen. 

* ; • . r 

S3on bem 9iug unb SBraucb be$ Semiphoras. . 

2Beld)er SERenfcb für allen Singen einen ftarcfen ©lau* 
ben unb feft SSertrauen in ben (Srften ©djopffer faffet 
unb grünbet, ber fotl Slnfangä »on bem bbcbftcn ©djöpjfer 
bitten feine £ülffe unb ©eegen, unb baö nidjt allein mit 
bem SSRunbe, fonbern auch mit heiligen ©eberben unb 
bemütbigem #ergen ojfterä »ollfommen unb unnacbldßlid) 
bitten, baß (Sr wolle baä ©emütbe erleuchten, unb »on 
ber ©eelen wegnebmen alle 33er(tnfterung beö Seibeö. 
San gleid) al$ wann~unfere ©eele burd) orbentlicbe llr* 
facbe beweget wirb, fo beweget fte alle ©lieber, etwa« in$ 
Sßerrf ju (teilen. Sllfo ber bbdjjte ©choptTer , wann (Sr 
im ©eift unb in ber SBabrbeit, baö tft im regten ©lau* 
ben unb Sßeißbeit, U mb feine unnüge Singe angebetten 
wirb, unabldßlich, ernjtlid) unb anbdchtig, fo beweget 
(Sr, alö bie- gemeine ©eele bie (Singelc ©eelen ber 
Kreaturen, baß (ie. feinem ©ebott geborfamen müffen, 
n ad) ihrem ©tanb, Orbnung unb (Beruff, bann ber 
SOfenfd) trügt ©Otteö (Sbenbilb jum Sßerftanb unb jflar* 
bett, (Sr wirb erhalten unb wirefet mit©C££ unb ben 


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150 


Intelligentiis burdj beit ©tauben unb 28siß6i*t : mit ben 
$immeln unb ©eflirn burdj pernünjftigeü 9tad)benfen 
feines hintmlifcheS ©eifteS: mit ben ‘tljirrrn burd) bie 
©inne : mit ben ©ewdchfen burd) 93egetatipifd)e Ärafft r 
mit ben ©lementen durch pierfaltigcn geib. ©arum burch 
bie 93ergleid)ung binbet ber 9Jlenfd) bie ©reaturen, durch 
Slnruffung ber ©berjten 23anb, burd) ben JJtÄhmwt unb 
Ärdffte welche ein ©ing regieren , Darnach burd) bie Un* 
fern und bie ©inge felbft, sc. 

Speicher nun ber (Seelen SEßircfung will mdchtig fepn, 
ber muß wiffen bie ©rbnung aller ©inge, wie fie von 
©©££ in ihrem ©fand geordnet fepn, pon Dem ©ber* 
ften biß ju bem Untersten, burd) natürliche 93erbinbung , 
baß man gleich burd) geifern abfteige , daher ift ber 
ÜJlißbraud) entbanden bei ) ben $epben , baß ©ie bie 
^landen unb ©ferne angebettet haben, nicht baß ftc e$ 
ßüreten, fonbern baß berfelben Grifft« »reiche fie re* 
gierten, baburch beweget würbe, unb ber ßüchfte ©tiffter 
unb ©chüpffer jugfeid) angetrieben. 2llfo ift ber «Mißbrauch 
bei) ben ©hriften eingefdjlichen, baß fle bie perjlorbenen 
^eiligen angebettet, unb alfo bie ©hre ben ©reaturen 
jugeeignet, welche üllein bem ©chdpffer gebühret, da ©r 
doch feine ©hre ber Slnruffung will feinen andern geben , 
barumb ift bem gläubigen ©ebet mit jugeeigneten JBorten, 
ber ©inge barum man bittet, bem ^geeigneten Nahmen 
©CtteS perwanbt, bapon man mit Porten abfteiget, 
von einem auffS anber, welche auS natürlicher Verwand* 
fchafft einander folgen etwas ju pollbringen. 

2llfo beweget ber ©ofm den Sßatter baß ©r arbeite, 
bamit er ihn ernehren (mag) obS ber SSatter fchon un* 
willig thut, bod) weil er pon ihm fommen, muß er ihn 


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1 


151 

aud) gebenden ju erhalten. SöBelcbe ©orge btr himmlifdje 
SSatter aud) für und trüget , »ann mit 3 Im reefjt ju 
bitten »iffen. 

Sllfo »er bet ©onnen Gfinfluß begehret/ ber muß 
triebt aflein feine Slugen nad) ber ©onnen reenben , fon# 
bern feiner ©eelen 9Wad)t ju ber ©onnen ©eelen üttadbt, 
»eiche ©ott felbß ift , erbeben, »eld)er er ftcf> juoor 
burebdgaßen, Steinigen, guteSßertfe, muß gleicbmdfßg 
machen, ober im Stabmen bed SDtittferd bitten, neben > 
imbrünßiger Siebe $u ©Ott unb bem Stdcbßen ju ber 
©onnen ©eelen fommen , baß er erfüßet werbe mit ihrem 
©lanjj unb Siebt, »elcbed er oom hob*» Fimmel an ßd) 
jeuebt , unb bamit befeuchtet wirb , er mif ©üttlidjen 
©oben begabet mit ber boebßett Älarbeit, baß er aße 
feiner »ermanbten gormen , nach SSunfcb bed 93erßanbed 
erlanget, unb fo er bad Subt bed bücbßen ©rabed ge# , 
faffet, fo erlanget feine ©eele bie SJoflfommenbeit , unb 
»ergleicbet ßd) mit ber ©onnen ©eiß , ergreiffet bie über# 
natürliche ©rleudjtung, unb roirb ihrer SERacbt tßeiibafftig. 
©eromgot ohne bie ©ottfeligfeit ber iERenfd) feinen ©lau# 
ben an ßbrißum oerldugnet, unb ©0£5t nicht angenehm 
iß , bamit er offt wirb ein Staub ber böfen ©eißer , für 
»rieben nid>td befferd befdhirmet ald ©ottedfurdjt , in# 
brünßige Siebe ju ©O ZZ unb feinem Stdcbßen. 

©ie meißen SÄenfcben bie ju @6ttlid)en SBercfen ge# 
febieft fe^n, auch ben ©eißern $u gebieten haben, müffen 
»on Statut ober burd) Unterrceifung barju gercürbiget 
fcijn , aß ihr £hun geheim halte« # aber einem getreuen 
»erfdjmiegenen frommen SDtenfdjen ed nit (offenbahren) 
»erbergen. ©ie SBürbe ber ©eburt fommt »om ©tanb, 
©emegnüß , Sicht unb ©influß ber (Jörper unb Stimmt 


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iifchen ©e efen , beß ihr neunbteS $auß burch Saturnum , 
Sol , Mercurium ober Martern glütffelig gemalt iß , 
ober baß er in «p^pftca , SSJfattfjefi , Jüßeotbgia , gelehrt 
fetj , unb bie ©erhtnbernüß abfdjaffett , feine ©eele auffS 
fRachbencfen richte, unb in ftd& felbß gehe. Denn in 
unS felbß ßeefet aller Dinge ©rgreiffung unb ©c»alt, 
baß wir ße aber nicht genieffen , oerginbert un6 bie »er* 
berbte Slatur bie unö angeboren , bie falßhe ©inbilbung, 
bie unmäßige ©egierbe , auch iß bie ©otteäfurdjt ojft 
genug »erborgener Dinge ©rfahrung §u gelangen , aber 
er lebet nicht lange rter ßch nicht ber Reinigung beS SeibeS 
unb ber ©eelen neben allen Stugenben befleiffet. 

SBann^iner nun Srfanntnüß ©Otteä hat, alö aller 
Dinge erfte Urfachen , muß er auch bie anbern Urfathen, 
ober mit*»ürcfenben ©eifler erfennen, »a$ nach eineä 
jeben 3lmbt*@tanb für SSSürben, unb ©hre «f ihnen gtben 
foll, ohn »elcheä Un»iffenheit ihre ©egenmart unb $ülffe 
nicht erlanget »irb , benn ihnen folche ©hre nic^t ihrenU 
halben, fonbern threö £©rren ©Otteö haß*«, »reichet 
Diener ße fetjn, erjeiget muß »erben, alfo lügert ßd) 
ber ©ngel beö #©rrn umb ben ©ottöfürchtigen üRenfchen, 
unb »ie Slugußinuö fagt, ein jebeö Ding in ber 2Belt 
hat eine fürgefegte ©nglifche Ärajft bei? ßch. 2llfo hn&tn 
bie #ebrdifchen SEhfologi , SDlecubaleö unb ©abalißen 
3chen fürnehme ©ettliche fftahmen alö ©lieber @Dtte$, 
unb 10. Numerationes ober Zephiroth genannt, alä 
Kleiber unb SBercfjeug beö ©chüpfferö, baburch@r in alle 
©efchöpjfe einßeuß, burch jebeö Cberße in fein Unterßefl, 
nach ber Orbnung ber 10. ©ngelfcher unb 10. g-ürßen 
ber ©eeligen ©eelen ©hör, burch biefelben in bie himm* 
lifchc ©phhren , Planeten unb Sßlenfchen , oon »eichen 
alle Dinge ißre Ärafft unb^igenfefjafft nehmen. 


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\ 


; i 

1. Cer Stamme EHEIE, aser Eheie, feine 3<i&l 
Cether elion, Sin #Srr/ ift ba$ ©impelfte ber ©ott# 
beit, baß fein 2luge gefeben, wirb ®OZZ bem ©atter 
jugeeignet, gibt Sinfluf burcb bie Orbnung Seraphin 
haiath heiadosch , JE^ier ber £)eiligfeit ober beö £eben<, 
baf burcb fte Eheie, ®DZZ aller Cinge baö ßeben mit# 
ibeilet. ©on biefem fleufl Sr ein burcbä primum mo- 
bile, baf alle Cing befteben muf, ftcb ber #immel in 
24. ©tunben gan| umb bewegen/ unb umbfaujfen, welcbeä 
fonberltcber gürfteber feift Intelligentia Metattron , ba# 
ift ein gürfi ber Ungeliebter , fein Slmbt ift, baf Sr 
anbere einfübret fürö Slngeficbt öeö dürften, unb burcb 
tiefen b«t ©022 ju UJtotjfi gerebet. 

2. JEHOVA. Jod vel Jah , feine 3«bl Chochma , 
SÖeif beit: Cie ©ottbeit »olle$ ©eifted. Cer erftgebobrne 
©obn burcb welchen ber ©atter bie SDienfcben erlbfet »on 
feinem glucb / fleuft ein burcb bie Orbnung Sberubin, 
^ebrclifcb Ophanim, ber gorm ober Kabö. 93on biefen 
fleuft er ein burcb ben ©ejtirnten #immel, fcbaffenbe 
bafelbft fo »iel giguren als er in ftcb: Ideas begreifen/ 
unb unterfcbeibenb baö Chaos ber Sreaturen, ©0££, 
Jod Telragrammaton , burcb bie fonberlicbe Intelligen- 
tiam razielem , melcber mar ein gürfteber SlbantS , jc. 

3. TETRAGRAMMATON ELOHIM, feine 3abl 
beijt Binah , Caö ift bie ©orficbtigfeit ober ©erftanb , 
bebeut Vergebung unb fWube, grblicbfeit, ©uffe unb 
©efebrung, bie grofe ^Jofautt, ber 2öelt Srlbfung unb 
baö Seben ber fünfftigen 3 f »t/ wirb jugeeignet bem 
Jjeiligen ©eifte , unb fleuft in feine ©tacbt burcb bie 
Crbnung Thronorum, reelle J^ebrÄifcb Aralim btiffen, 
baß ift bie groffen ftarcfen unb mächtigen Sngel »on ban# 


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154 


nett Durch bei Saturni Sphaeram, gibt ei bte flüffigeit 
SKaterien eine gorme ©OO^P @3®. SBefdjei eine 
Intelligentia Zaphekiel war 9?oachi gürfleber, unb ein 
anbere Intelligentia Jophiel ©emi gürfleher/ unb bai 
fepn bie bre» b6cf>ftert unb griffeften Nunierationes a(i 
ein ©tubf ber @6ttlid>en *perfonen, Durch welcher Befehl 
ottei gefchicht, unb Durch Die anbern 7. rollenjogen werben/ 
welche Darum Numeraliones fabrice genannt fepn / ic. j 

4. EL , feine 3 a &l Haesed , bai ifl ©enab ober 
©äte, unb buffet ©armberjjigfeit, grbmmigfeit/ ©roß* 
mdchtigfeit / ©cepter unb rechte #anb / fleufl ein burch 
ben Orben Dominationum , Jpebrdifd) Hasmalim burch 
Sphaeram Jovis, machenb ber ©6rper ©ilbnöß ©enab 
unb frieblicbe ©erechtigfeit , allenthalben fchendenb feine 
fonbere Intelligentia: Zadkiel 2ibrabami ^rflcber. 

5. ELOHIM Cubor, ein ftarefer ®OXX, ber ba 
flraffet bie ©chulb ber Q36fen / feine 3®bl iß Gebitrah , 
bai ifl SfRacht, ©rapttdf, ©tdrfe, ©icherheit/ ©erichte/ 
flrajfenb Durch Ärieg unb ©chwerbt, wirb jugefefct ©Ottei 
JRichtfluhl/ ©Ottei ©ürtel/ ein ©chwerbt unb linder 
2lrm, aud) Pachad, bai ifl gurcht oor ©0££/ fleufl 
ein burd) ben Orben Potestatum Hebrai Seraphin ge# 
nannt, oon bannen burebi Sphaeram Martis, welcher 
hat ftarde Ärieg unb ©etrtibniß, wirdet bie ©lement 
herfir, feine fonbere Intelligentia Gnmael: ©amfoni 
gürfhber. • 

6. ELOHA, @0£3: ber Sllcbimp: feine 3 a &l 
Tiphereth, eine 3iftbe, ©diine, ©chmud, ^jerrlichfeit 
unb SBolluft, hebeut bai $ol$ bei Sebeni / unb fleuft 
ein Durch ben Orben Virtutum , bai ifl £ebrdifch Ma- 
lachim: Oer ©ngel unb Durch Sphaeram Solis gibt er 




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V 


155 

Äfarftett unb geben, unb bringet bie SOletalT berfür, 
feine fonbere Intelligenlia , roar 3faac$ gör# 

fleber unb be$ jungen £obid, unb spebel ber Gngef 
3acobd görfieber. 

’• 7. TETRAGRAMYIATON SABAOTH ober Ado- 
naySabaoth, ©£)!££ ber Jf^eerfcbaren, fetne3«bl Nezach, 
bat ifl £riumpb unb ©ie$ , e$ wirb »bm jugeeignet bi« 
red)tc ©dule, unb bebeut Gioigfeit unb ©eredtfigfeit 
©Dtted , fKddferd , unb fleufl ein burcb bi« Orbeit 
Principatuum ober Jpebrdifdj Elohim , ba$ ifl ©Otte$ 
in Sphaeram Veneris, (Ziffer unb Ciebc ber ©erecbtigfeit, 
unb bringet beeför alleö ©etodcbö Vegetabilia, fein fon* 
bere Intelligentia Haniel, unb ber Gngel Gerniel ©ft* 
»ib$ görjleber. 

8. ELOHIM SABAOTH, be« £eer«, 

nidjt dfrieg ober S^ac^e , fonbern bie grömmigfeit, bann 
Gr bat beruhe JRabmen, unb gebet för feinem #eer, fein« 
3«bi b*‘ft Hod, baö ifl 8ob*©efdnntnöß, 3‘ tr unb 
9*lubm , 3bnr wirb jugeeignet bie linde ©dule , fleufl 
ein burcb ben Crben Archangelorum , förber ber ©öfter 
in Sphaeram Mercurii , ©djmucf , ©idberbeit unb Gin# 
flimmigfeit, bringen berför bie Spiere. ©ein fonbere 
Intelligentia Üfticbael ©alomonö görfieber. 

9. SADAI, ©er 2lllmdd)tige , ber allem genug tbut, 
unb Elhay, bad ifl ber lebenbige ©03l£, feine 3 a $f 
Jesod , ba$ ifl ein ©runb, unb beifl guter 93erflanb, 
©inbnöfj , Grlöfung unb SRub« , fleufl ein burcb ben 
©rben Angelorum, ^jebrdifd) Cherubin in Sphaeram 
Lunae, aller ©inge 3unebmen unb Slbnebmen, pfleget 
unb tbeilet auä ber 9J?enfcben Genios , unb SBdcbter: 
©ein Intelligentiae ©abriel, ein görfieber 3of f PH/ 
Sofue unb ©aniefiS. 


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10. ADONAY MELECH, ©a« ijl ein £<5rr unb 
Äönig, feine b«ift Malchat, ba$ ifl ein Ä6nigreid> 
unb ^errfd)afft , unb i>eiffet bie Kirche unb J£>auß @©tte$, 
unb bie £bür fleuft ein burcf) ben Orben Animasticum 
ber gläubigen Seelen. £ebrdifd> ba$ ifl, bie 8eben 
»eien ber dürften, unb fe»?n niebriger alö bie #ierard)ia, 
flieffen ein ben ÜJlenfdjen.'Äinbern ©rfdnntnüjj , unb ber 
©inge wunberbabre Sßiffenfcbafft unb gleifcb/ unb geben 
^ropbfJfVbungen , ihnen (lebet für bie Anima Messiha 
Meshia, ober nad) anbern bie Intelligentia, Mettatron, 
»eldje genannt »irb bie erfle Greatur, bie Seele ber SBelt. 
SWoyfid gürjleber, ber 33runn alle$ 8ebenö. 

©erbalben »erben eingefloffen im Archetypum alle 
fRabnien ©Otteä , unb bie 10. Sephiroth. 

In mundo Intelligibili »erben begriffen 9?eun Gbor 
ber Gngel, ober nach Dyonisio 3«b™ frtige Orben: 

1. Seraphim: 2. Cherub in: 3. Throni: 4. Do- 
minationes: 5 ■ Potestates : 6. Virtutes : 7- Princi- 
patus: 8. Archangeli : 9. Angeli : et 10. Animae 
Beatae. 


©ie $ebrdifdjen nennen ft e alfo, 

Haioth, Hacados ophanirn: Aralim: Hasma- 
hm: Seraphim: Malachim , Elohim , ben Elohim: 
Cherubin : Jssim. 

©ie 3 c $en fürftebenbe Gngel fe^n 

Mattron: Jophiel: Zaphkiel: Camael: Raphael , 
Manie l: Michael, Gabriel , Anima Measiae. 


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157 


©ie 9?eun Sf)or ber Qrngrf Reifen bie SCfjeofogett in brep 
- ftierarcbiaO. 

Sn ber ©rflen #ierard)ia fepn ©erapbin, ©berubin, 
Sbroni: ©iefelbe überbimmlifcbe ©elfter werben genannt 
©öfter ober ©öbne ©Otteö , baß fte ftetö anfcbauen bie 
Orbnung ber ©öttlicben 93erfebung. ©ie Srfte in ©Ot# 
teö ©ütigfeit loben unb preifen ©OSS oßne Sluffbören, 
bitten für unö. ©ie Slnbere in ©Ctteö SSGefen ale in 
ber Jorm: ©ie ©ritte in ©Otteö SECeißbeit, ergeben jie 
ftetö für ©£>££. • • 

3n ber ©tifteln J£)ierard)ia fepnb Dominationes, 
Potestates , Virtutes , ale ©eifter ber 93er jtdnbnüß / 
ade SBelt ju regieren: ©ie Qrrfte befehlen waö bieSlnbere 
Ausrichten. ©ie Slnbere {teuren bem, waö @©tteö@efe$ 
»erßinbern fan: ©ie ©ritte oermalten bie $imme(, biß/ 
weilen oerfctiaffen jte Sßunber ju tbun. ©iefe 6. Orben 
ber ©eifter werben nid)t in baö Untere gefanbt. 

- 3n ber untern ^)ierard)ia fepn Principatus , Ar- 
changeli et Angeli , welche als bienftliche unb bienfibare 
©eifter bie untere ©t'nge ju oerwalten abfteigen. 

©ie ©rften oerfeben waö inö gemein betrifft dürften 
unb Dbrigfeit, tragen ©orge ber Sdnber unb Königreiche, 
ein jeber fein fonberö , fo fpridjt SSHopfeS im ©efang 
©euter. 2114-ber JFjöchfte bie 93öltfer jertbeilet, b<*t 
jeberm feine ©rdnjje gefegt nad) ber 3 a H ber Grngel 
©Otteö: Unb ©aniel fpricbt (@ap. 10. o. 13.) ©er 
gürft beö Königreiche ^erfen bot mir 21. Sage wiber/ 
ftanben : Unb 3efuö ©prach bezeuget, baß ein jebeö 93olcf 
feinen Gfngel jum 93orfteber habe. Sllfo hoben bieSKömer 
allejeit ben ©ngel/gürften beö Sanbeö gelaben. 2. ©ie 
Slnbern fepn bep ©öttlichen ©adjen, richten ben ©otteö* 


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158 


bienjl an Uy aßen OTenfchen, tragen ®£)XX für ba$ 
®ebct, Opfer unb grömmigfeit ber ÜÄenfchen. 3. ©ie 
©ritten »erorbnen alled anbere geringe S^un, unb ^eber 
tfl jebem ÜÄcnfcben $um f)üter jugejtellet. 

Stlfo ift bie ©ierbte ^jierardjia ben »origen jugefcjjet, 
al$ bie ©eelen ber bimmlifchen Sbrper: AnimaeCorpo- 
nun Coelestium. bie ©eelen Der gelben vel Heroas, 
unb ber Martyrum. ©ie Grjten perwalten ba$ Sicht unb 
©influd ber ©tarcfen , baf ihre .Kraft pon ®OXX in ba$ 
Unterfie fliefe. ©ie Slnbern fepnb bie auferweblten ©eer 
len ber feligen SDtenfchen: ©ie ©ritten bie ©eelen ber 
unfchulbigen SJldrterer unb ©efenner ©Otteö , welche i&r 
geben für bie Siebe ju ©Ott mit «Pein übergeben fcaben. 

211$ nun @0££ ber ©atter bem ©ohne unferm 9Witt« 
ler, #eplanb unb ©eeligmadjer alle ©lacht gegeben b«t 
im Jfjimmel unb auf ©rben, unb bie (Jngel »on bem 
groffen 9tabmen ©OiE£@© unb 3®©U, welches erftc 
©lacht in ®0£X ift: ©arnacb ergcuft fidjö in bie 12. 
©ngel unb 12. 3 f id>fn> burch welche firfjg erflrerft in bie 
7. «Planeten , unb folgenbd in alle anbere ©iener unb 
SBerefjeuge ©OtteS, biß e$ in$ Unterfie einbringet/ baf 
ein geringes Krdutlein fonberlidje «Dladbt erjctget, wennS 
fcbon perborret i(l, baf ber «Btenfchen ©ngel affejeit für 
©0££(5© Slngejicht fommt, ibr ©ebet ©Ott fürjutragen. 

Ohne ben flabmen 3®©U fönnen bie £ebrdifchen 
Gabaliflen mit ber alten 2lrt, wie fie bie ©dtter gebraucht, 
nichts auSrid)ten jejjiger 3“t. ©arum (ich »or 3fmt 
fürchten alle ©efchbpffe ©OtteS , unb 3b« tfren jc, k. ic. 

(Sortierung unb 95efcblufi im nlcbfUn Streite.) 


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dritte % b tf) t H ung, 

Sfctenfläcfc ju einer 9ie»i|ton beö $ er e n* 
proceffea ent&altenb. 


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161 


QSorerinnerungen. 


Um flucfc in btcfer 21 St Teilung bi« ©httfceilung brr 
Stctenftticfe fo wenig, afd mdg(icf> ju fcfcmdlern, (tier 
nur einige wenige ^erioben ! 

Num. I. 

Num. I., ober bie wahrhafte unb umftdnblidje 
9lac&ri(f)t »on bem fo &ad jungfrdu* 

liftjt Älojter UnterjeH bei SBtirjSurg betroffen, 
«ft baß fluöfü|>rlid>fte unb in feiner 2lrt wicf>tigfie 2ieten* 
ftäd in SRenaten’ö 'Projef?, baö biä jefct, fooielmir 
wenigftenä bewußt i(i, barüSer erijtirt. — £>er 21 uf* 
ffljj ift »on bem int 1785 in f>o$em 2Uter »er# 
ftorSenen , unb burd) »iefe fleine ©Triften unb fliegenbe 
Söldtter, welche er in ber ©afjnerifcben ©«(fee ßeraud 
gegeben, Sefannten 21bbte be$ Äfofterd ßberjell, Oi* 
walb SofcSert, gefd)rieben, ber felbjl in ber ©acfce 
eine fefcr Sebeutenbe 9toUe gefpiett, unb gegenwärtige 
©efcfjidjtderjd&lung ober ©arftellung auf aud* 
brdtflid)eä Verlangen ber Äaiferin, Staria ^Serejta, 
an biefe SDIonard)in eingefanbt |>at. ©, ©ättingifdjed 
$iftorifd)ed SWagajin, berauägegeben »on(£. 9D?ci» 
ner$ unb 8. X. ©pittler. 23.11. ©t, 4. ($anno»er, 
1788 .) ©. 594. — 

Qi ift in 9? e n a t e n ’i ©a<&e je§t nur nodj Gf i n djfcnt* 

m. 11 


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162 


licheS Slctenfrücf jurücf , ba$ »on ben btö jefjt in bcr 
3auber<©ibliothef mitgetheilten »her fehr »er* 
fchieben. ifl, unb in bem folgenben »ierten ^beife 
feinen ^lafj finben fotT. — Sllöbenn will ich jum ©e* 
fchlufj auch noch ein Sßort über biefe 3 au bergefd>icf)te 
fagcn, bic weniger wichtig an (ich «fl/ als fie’S in ihren 
folgen war, inbent fle mehrere fchdjjbarc (Schriften über 
3auber*#exerei unb £erenprocefe »on benfenben 
italienifchen , beutfchen / franjöfifchen , englifchen unb 
fchwebifchen ©eiehrten »eranlajjfe, in welchen ohne ?luS* 
nähme / ba bcr ©eifl ber 3«’* nun ein anberer unb Die 
ftnflere 3«uherperiobe »orüber war, ber £erenprocefi 
befdmpft, unb, wenn nicht bie 3 au ^ re i ot, er 5Ragie 
«n (ich , in höherer , ich möchte fagen , gelehrter ©e* 
beutung, boch bie gemeine £ererei ber alten SSBei* 
ber (btefen llnterfchieb machten befonberS STOaffei, Xar* 
tarotti, unb ©eil’ Offa) in ihrer lächerlichen SSBichtig* 
tigfeit bargeflellt würbe. 


Num. II. 

i 

£>ie ertrahirten $erenj©efenntniffe unb 
$e*en*Urtheife Num. II. , »erbanfe ich ber lobend 
würbigen literarifchen Ciberalität unb freunbfcbaftfidwt 
©üte beS königlich f ©aierifchen Jperrn ©ibliotbefarS 
Dr. 3äcf ju ©amberg. (Sie »eranfchaulichen unbebaraf* 
ttrifiren bie ^er tobe beS jjerenproceffeS , unb finb 
ein fcbäjjbarer ©eitrag ju ihrer ©efchichte. ©tnjelne 
©emerfungen machcich fe$t über 3UleS noch 
nicht. ©iejj wirb unb muf» in eigenen ausführlichen 
Äbhanblungen noch i« ber 3* 53, gefchehen. 2Ben eS 


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163 


intereßirt — ber fann in nt. ©ümonomagie über 21 Heg, 
ntaä in bt’efen ©efenntniffen »orfommt , 3 . 03. über bie 
SEeufelgtaufe, bie©ruben* ober Xeufelgjeicben/ 
bie ©ubt* unb ©efellfcbaftg / Teufeln , bie bi« 
^>ub(a ober ^)u b lein genannt »erben, über bie ßlben 
unb ^>o I ber (ein u. f. ro. ben nötbigen Sluffcbluß jinben. 
Uebrigenö haben toir biefe (leben ©efenntnijfe, nebfl bem 
peinlichen Urtbeü abjicbtlieh a(fo jufammengejlellt, um mit 
(Sincm ÜJtale eine Ueberjicbt unb ben Xotaleinbrud 
»om unerhörten Jammer be$ #erenproceffe$ ja 
geben. 2 ludj jtnb bie ©efenntnijfe in ber ^)injicbt für 
bie ©efcbicbte beö £erenproceffe$ hitforifcb fehr wichtig, 
»eil fafb bag eine lautet/ wie bag anbere, wovon noch 
augführlicb in ber 3 « ®* faß gehanbelt werben, ©iefe 
Slctenflücfe jtnb um fo banfengmerther, ba fte, wie ich jum 
Ueberfluß noch bemerfe/ hier jum erjten *Uiafe gebrudt 
erfebeinen. ©abei jtnb fte ju gleicher 3 *it / fo wie ber 
junäcbft folgenbe $erenproceß aug bem ‘preußifdjen ein 
fpreebenber ©eitrag jur Gultur* unb ® ittengefebiebte 
ber 3«i/ ber fte angeboren, unb welche bag ©eifpiel 
von folcben unerhörten ©ingen gab — »on einer ©eijteg* 
»erbunfelung, ^erabwürbigung ber ©tenfebheit unb un> 
begreiflichen 9taferei bei allen cbriftlicben Gonfefjtonen 
unb in allen Cünbern , auf völlig gleiche 2 lrt , unb ohne 
einige Slugnahme, baß jet$t unfer ©ntfejjen babureb erregt 
wirb/ unb man mit furcht unb (Srjtaunen fleht, wohin 
ein einfeitiger craffer ©ogmatibmug, wag hier 
bie bibfifebe Jteufellehre war, - ohne Leitung 
ber ©er ttuttft unb beg £erjcn* ju führen 
vermag. ; • ••■ 


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164 


. j . Nüm. HI. 

Num, III.,, ober ber ©unb mit bem SEeufel , 
ober actenmüßige ©efchichtüerjdblung eine« 
er c nproceffeö ju Uteuenborf in ber Slltmarf 
»om^abr 1671 ifl mir vom#errn ©omprebiger, Dr. 
©roße $u ©tenbal, freunbfchaftlichft für bie 3«uber» 
©ibliot&.ef mitgetbeüt »orben. ©iefer £erenproceß 
jmar fchon im SlltmArfi fchen 3nt eilig enj* 
©latt für ba« er ft e ^Departement ber jtüniglich» 
*Preußif<hen ^rovinjen jwifdjen ber (Slbe unb 
SBefer Sa^rg. 1815.. Num. i 4 f. abgebrueft. ©a bieß 
©latt inbeß außer feinem nüchften bejlimmten greife 
wenig ober gar nicht befannt ifl ; fo fann berfelbe ge» 
wiffermafien ebenfalls al« noch ungebrueft betrachtet 
werben. St fleht hier mit bloßer £inweglaffung einiger 
Wenigen, jundchfl für bie Sefer jene« ©latte« bejlimmten 
allgemeinen ©emerfungen genau fo abgebrueft, wie er 
»on #errn Dr. ©roße nach ben ©riginal»2icten 
barin bearbeitet ifl. ©a bie SD? a r f e n wdbrenb ber 
Seufel«» unb 3auberperiobe, wie man fchon au« Sffiüb» 
fen’« ©efd)icf)te ber SS?iffenfcf>aften in ber SDlarF ©ran» 
benbur g, G. g* a u l i *« allgemeiner 'preußifcher ©taat«» 
gefehlte k. erficht , fefir reich an #erenproceffen waren;' 
fo haben bie 8efer ber 3®uher»©ibliotbef au« ben 
bortigen ©egenben vielleicht noch intereßante SfJlittheilunge« 
§u erwarten, ba mir bie literarifche ©üte biefe« ©e# 
lehrten baju Hoffnung gemacht hot. ~ <i;» 

SRehr al« gegenwärtige, Slctenflücfe fönnen bießmal 
au« SDlangel an JRaum in biefer 3lbt&etlung nicht ge» 
geben werben, fonfl würbe ich gern noch etwa« über ben 
#erenproceß im Slrierifchen hinju gefügt haben, wovon 


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/ 

165 

ftd) eine für je aber gehaltreiche , nach beit Original* 
Sieten bearbeitete Ueberficbt in % $. SB^ttenbaeb’* 
SSerfucb einer ©efebiebte non Girier 93. BI. ©. 102*116 
»ergl. ©. 227. f. bejtnbet. ©S foß nun im folgenberi 
Steile gefaben. r.* i im 



I* SBahrhafte nnb umftünblicbe tflad)xiä)t non 
bem 3 u f f I e ^ fo ba$ jungfräuliche ßloflet 
Unterjell näcbft SBirjburg bei Praemon- 
«tratenfer* Orbenö betroffen. SSerfaffet im 
Sabre 1749. ... • >. • b? ■ 

93er eit$ »or 50. 3«*hren ifl in ba$ 5?Iofter Unter jeff , 
jeboeb mebr auS B^ang 'beer ©Itern, (benen e« an jeit* 
Heben ütttttefn gefehlt) ja »ermutblieb «u$ Antriebe be$ 
bbfen geinbeS (ber fab biebureb einen 3utritt ju biefem 
non ber flöfarlicben ©ifciplin unb ©trenghti* be$ Seben# 
jiemlieb befannten ©ott geheiligten Orte öerftbajfen wollte) 
alb «u$ eigenem SBillen eingetreten ÜJtaria Dtenata, 
©ängerinn non SÖtoban , im 19ten Sabre ihres SllterS 
aus ÜÄüncben im Raitern gebürtig , welche ohne SSBiffen 
ihrer eitern in ber SBelt baS Unglüef gehabt, febon im 
7ten, 9ten, nacbmalS wieber in bem Ilten unb 13ten 
3abre ihres 2tlterS jur ^ejcerei? bureb ein altes SJBeib, 
nacbmalS bureb einen fWeuter, unb nach unb nach bureb 
jween OffaierS (bie «ermutblieb »erfaßte Teufel gewefen) 
wie aueb bureb eine ÜÄagb, unb noch bureb eine anbere 
»ornebme Brau »erführt ju werben j »on welchen fa »er* 
febiebene jauberifebe Ärüuter, nebft einer SBurjel/ unb 
einem Bettel mit 3‘efern, unb SBucbfaben, nebft biefen 
ein fcbwarjeS ÜJtännlein , fo aber halb wieber »erfebwun* 


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166 


bta fepn foll, befommen; Äraft beffen allen jtebie Seutc 
nach ©elieben fonnte entweber franf machen , ober von 
©innen bringen, ober auch ihnen einen bbfen ©eijl in 
ben Seih hineinjaubern : welche* benn bureb ihr Sn * 
baueben, ober bureb ©topfen mit einer fRabel in ein 
Rapier , woju auch gewifie Sorte mujten auägefprocben 
' werben ; ober bureb Segung ber ßrduter unter bie Xbör* 
©cbmelle, ober auch bureb ©ebung einiger Qßt Saaren, 
fo juvor bep ber jauberifeben Surjel , in weither bie 
mebrefte jauberifebe Jtraft folt beftanben fepn , gelegen : 
ober aueb nur mit bloffem flarrem Snfdjauen nebfl 
©preebung etwelcber Sorte gefebeben fonnte j ja jte feilte 
bierbureb fo gar wiffen , maß |ie unb ba von heimlich 
von anbern gerebet würbe. •. y 

211$ nun 9t e na ta foldje* in ihren jüngfien fahren 
aufTcr bem Älojter erlernet batte, ift jie fo gleich (alle* 
ihrem mehrmaligen ©efldnbniß gemdfi) bep ber 9tacbt 
bfter*, wie fic bafür haltet, leiblicher Seife, gemeinig* 
(ich aber auch nur ihrer (Einbilbung nach, jeberjeit boeb 
mit ihrer juvor gegebenen (Einwilligung nach auf bie ge« 
wbhnlicben Jf)eren«3ufammenfünfte abgehohlet worben, 
allwo fie ba* erftemal von bem gürften ber ginflernif 
aufgenommen , bie übliche Sbfcbwürung gegen ©ott 
unb bie «Herfeeligfle Jungfrau (welche nur ber ©roffe 
unb bie ©roffe allba genennt worben) ablegte ; ihr 
9?ahm würbe mit Serdnberung be* Sort* ÜJtaria tn 
©ma Stenata in ein febwarje* ©ueb eingefebrieben , (ie 
aber auf bem SWücfen , al* eine leibeigene beb £eufel* 
gejeiebnet, worgegen ihr biefer fubenjig 3ahre ihre* 
Ccbenö, unb in bemfelben alle*, wa* fte verlangen würbe, 
lugefagt h«t. 3n$wifcben feget fie ihre ndcbtlicbe 2lu** 


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167 


führten fort / roorju fit ft <6 auch nach Slulfag ber 16fr« 
©eiftern, unb ihrer fdbjtigen ßtngefMnbntß einer noch 
cbnldngft Porgefunbenen ©cbmtere fammt eineö gelben 
Sumpen#, ben fit »on einem Slltdrlein beruntergenommen, 
bebiente, metl fie ben geijUichen ^>abtt bierju nicht an* 
fegen borfte. 2Öefche$ bod) jebeömaf alfo gefcfeaf>e , baß 
fie fftachtä um 12. Ubre in ber Witte jeberjeit erfebtenrn , 
alfo baß ee fJiiemanb im filofier gcroafjr mürbe: oiel* 
mehr ba fftenata in ihren duffcrltchen Verrichtungen 
foroobf/ ald für bie flofierlidje ©ifeipfin eine punctuelle 
©enauigfeit perfpubren liejfe, auch fogar weltliche $er* 
fenen »on ihrer perfielften grimmigfeit eine befonbere 
.norf)fd)At}ung batten, mürbe fie $ur ©ubpriorinn ernennt, 
cnblich mürbe fie ihrer bepmobnenben guten Vernunft 
megen fogar bie ©teile einer ^riortnn Idngflenö erbalten 
habe«, rmenn man nicht an tbr, eine Unjufriebenbcit mit 
ihrem vermeintlich ? gciflfichen ©tan De , nebfl einem bt* 
fidnbtgen SßiberwiHen gegen bie Obern , unb auch einige 
Unrabe megrn innerlichen Anliegen, fo fie nur mit halben 
SBorten an >Stage geben, aber niemanb erifnen roodte, 
bemerfet bitte. 

Qi bat bie gittliche Vorficht ti hoch barbep babin 
geleitet, baß feine au6 ben geifiüchen Jungfrauen mit 
SRenata einen befonberen Umgang gepflogen, ja biefe 
bat (ich felbft mebrentbeilä pon ihnen abgefonbettj folgfam 
fid) nicht unterfianben , auch nur eine einige in ihren 
befttt fünften ju unterrichten , ober ju gleichen Qw rep 
innerhalb funfjig Jahren $u »erführen. 

Jnbeffen ftnb Doch nach unb nach Perfchiebene »on ben 
tauglithfien dtlofter^erfonen in bie aufferorbentlichen , 
unb pcrmunberlichflen 3uftdnbe gefallen , unb in ihren 


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168 


beflen 3ahren im Äfofier bafytn geftorben , von welchen 
bie böfcn ©elfter gwar auö ben Söefeffenen anje|o aui* 
fagen, baf Stenata t^nen bureb Sptrcrty folcbea Uebel 
verurfaebet, unb t^re jauberifebe Ärduter, Sßurjel ic. bie/ 
jenigrÄranfheit an ihnen gemeiniglich hdtten verurfaefcet/ 
worju fie »oit Statur auö einige ©iöpojition unb 3“' 
neigung gehabt/ worvon aber Stenata nur einen X^til, 
unb jwar mit 2Biberfpredjen jutn oftern in ©rjdblung 
ber Umftdnben bat eingefianben. SSJtan fanbe gar feinen 
©runb, bergleicben von Stenata $u argwöhnen, bii 
vor wenigen fahren eine bureb auönehmenber Vernunft 
unb ©otteöfurcbt in befonberer Jpodjacbtung fiebenbe 
Jf lojler t grau auf ihrem SEobeä * 33ette wieberhoblt be# 
tbeuertc , baf fie ohne minbefte Unruhe vor bem Stiebtet/ 
©tuble ©otteä gienge, in ber ÜJtepnung/ mit Stenata 
fep e$ nitbt ri<btig, fie fep eine Unbolbimt/ von weither 
fie ju Stacbtö mebrmalen ficbtbarlicb geplaget, unb biefe 
von ihr , bavon abjufteben gewarnet worben. 

©te übrigen frommen Älofier * grauen wollten berlep 
Slrgwobn feinen «piafj geben / obfebon fie bep ber Siaebt 
von bem #eren * ©ejinbel (unter bem fi(b Stenata mehr/ 
malen prdfentirte) groffe plagen erbulben muften/ fon/ 
bem fie wollten lieber alleö in ©ebulb übertragen/ ficb 
bargegen mit geiftlüben SMitteln bewaffnen/ al$ bergleidjen 
von einer religiofen ^erfon (fo Stenata wenigfiend bem 
Äleib nach war) gebenfen. ©er böfe geinb behauptete 
aue einer befeffenen Älofter * grau / er habe Stenatam 
fdjon von SDtutter * Seihe au$ befeffen/ unb fep bureb einen 
,£)eren/2Jteifter ju Slmberg, ber nun tobt fepn foll/ in 
fie eingeführt worben/ bahero glaubte man auch/ baf fo/ 
thaneS Uebel bureb fie in ba$ Älofier fep gebraut worben. 


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169 


iß nachmal« fowoßl burch bie gegen bie bhfen ©elfter 
oorgenommenen Äürchen * ©eßhwörungen , al« burch bie 
2lu«fag Stenatd felbß fooiel an 2ag fomnten, baß, al« 
iw 3ahre 1738. ber je&ige ^>r. ^)ropß $u Unterjed wahr* 
genommen/ wie ßtenata burch einen ganj unorbentlichen 
Umgang mit einer jiemlichen Stenge Äafjen in bem Gon* 
»ent oiele Unruhe oerurfachet, er biefelbe fogleich au« ber 
Gfaufur fcfjaffen (affen/ in ber obwohlen mit einem 
3w>epfe( oermengten SKeinwng, baß e« wahre natürliche 
Stb^re gewefen, welche aber ber 2lu«fage nach ber bdfen 
©elfter meßrentheil« ber ßtenata §u ihrer Unterhaltung 
unb jurn 2luefd)icfen jugegebene oerßedte Xeufel foden 
gewefen fepn, fo auch Stenata ganj unb gar nicht ge* 
Idugnet hat. , ■ •: . m . .. ,*.» 

Snjwifcben h«t biefe 2luefchaffung ber oermepnten 
Äa|en ba« ©emütß ber unglücffeeligen ßtenata berge* 
ßalten gegen ben ^prn. «propß aufgebracht/ baß/ nachbem 
fte e« meßtmalen auf oerfchiebene SEBeife an ihm oerfuchet, 
benfelben $u oerjaubern, ober befeffen $u machen, aber 
©ett. hat foltheö niemaf an ihm (gleich auch nicht an 
anberen, fonberhar ben ©orgefefjten) jugelaffen, mithin 
hat ße folche« an feinen ndcbften Sßcrtoanbten theil« burch 
anbere hieju oon ihr beßeflten Unho(binnen , auögeübt , 
toooon ber oie(e 3aßr (ang bejauberte, unb befeffen 
gewefene, auch bi« oor wenig SBochen noch dufferft ge* 
plagte Stitolau« ©enino ju jtloßer Slbenßabt in 
ber Sßetterau, wie auch beffen noch befeffene geißliche 
0dhweßer ^u bloßer Unterzell Staria 5£b*reßa, benn 
«benfad« ber eine lange 3«t oerheret gewefene ©ruber«* 
0ohn mehrerwdhnten ^)rn. ^)ropßen«, oiedeicht auch ber 
brep Saßre (ang in dufferßer Verwirrung mit öfterer 


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I 


170 


ougcnfchtinlicben Gebens «©efabr berumgegangene, nun 
«ber voUfommen bergejtetfte geijtlicbe 33rubrr beflfelben 
fit JUofter ©brach einen ©ewciS fbniten geben. 

Jg)iebe^ jeboch iflbie Sßutb SRenatd, biefes Untbiere* 
fowobl als beS b6»e« geinbeS nicht geblieben, fonbern bat 
fleh auf mebrert änbere Älofter « grauen / befonberS bie* 
fertige, welche wegen fonberbaren guten ©igenfchaften 
fcbienen bem Ätofler am nä&licbften unb anftdnbigften 
gii fepn, erfheefct, welchen jie fobenn batb mit Streuung 
ber jauberifcben firdutern in ihren Sellen unter bie Sbtir* 
Schwede (wovon man adfcbon einen jiemlichen 2tntbeif 
gefunben , unb verbrannt bat) balb mit SDarreichung ver* 
ftbiebener ßß«3Baaren, bie juvor bep ber 3auber*2Burjef 
gelegen, balo mit ibrem teuflifcben Slnbauchen, balb auch 
nur in 2lbroefenbeit mit einigen JRabel* Stopfen in ein 
Rapier ober ©ilbniß, entweber einen ober mehrere b6fm 
^©eifter in ben Seih geberet, ober auch nur biefelbe tun* 
■feffen gemacht, ober ndcbtlicbe plagen von bem 3a«ber* 
©efinbel, unb dufferlicbe Unruhe in ben 3eden bep ihnen 
«nvecfet , von welchem adern jeboch 'etliche ber älotfer* 
grauen big beute ju Sage, entweoer weil fie benfelben 
gu fchaben feinen Sßiden gehabt, ober weil ©ott auS ihm 
befannten Urfachen bie Sßirfung biefer ^ererepen ge* 
hemmet bat-, ganj befreiet geblieben jtnb. 

93iele au« ben itlofter* grauen ftengen von etlichen 
gabren her an , fleh ju beflagen, wegen biefer nächtliche* 
Unruhen, unb Sumult in« unb auffer ber Seden, wobcp 
ihnen manchesmal vorfame, als führten Shaifen im ©or* 
mitorio herum: als wenn in bem ndcbft gelegenen ©arttu 
obngewbhnlicheS ©efchrep wdre, unb cabep würben 1 fie 
febr gebrucft, gefchlagen , gegwicft , unb gecfuält , »alfo 


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171 


baß ße ßcf) morgens faum 'regen fonnten, unb meßrmalen 
blaue ÜJI A^Ier ba»on trugen ; worgegen ihnen bit 21b/ 
jießung beö (£eßen«©cblüßeld, baö ß* £reu|«3*tthen, Söeiß/ 
SBaßer, unb ßh- Reliquien $w«r üfter, bod» nicht aßjeit 
helfen wollten: eine ber bloßer# grauen fanbe einömal 
früh ben 28eih*Jteßel mit ©anb , flott beS auöge/ 
leerten 28eih«2Baßer$ angeffiflt; eine anbere berfelhen 
fthluge einömal mit einer ftbarfen ©eißtl in ber Geße 
herum, unb früh faß man an bem 2luge brr (Renata 
ein 3ti(htn, unb SEBunbe angebracht, welches jwar ba/ 
malen einigen 2lrgwoßn, boch noch feine ©ewißßeit machen 
fonnte, bis lejjtlicb biefe Jauberinn freijwißig cinge/ 
ßanben, baß eö ißr bort alfo wiberfaßren fep. 

©ep anbern Äloßer »grauen neßmlich bei ben wirflidj 
©efeßenea gieng bie ^lage noch weiter, inbem fie nicht 
nur fobalb fie ßdj jur (Ruße begaben, fogleich außer ficß 
famen, unb boch nicht fdßaften; boch faßen fie in wiefern 
3ußanbe aßerßanb ^erfonen , unb meßrentßeilö bie un/ 
glücffeelige (Renatam babep »or fich ßeßen, »on weldjen 
fie gequület mürben; fonnten (ich aber ßierbeg roeber 
regen, fchrepen, ober roeßren> unb »erfpüßrten noch über 
baö ben Sag ßinburch ganj außerorbentlicße, fonß niemal 
noch empfunbene innerliche 2lengßig» unb ©angigfeiten, 
befonberö ba fie jur ©eicht, unb@otteöbienß geßtn foflten, 
in welchen ße auf aße Sßeife p(6$lich »erßüßrt würben, 
unb in folcße Verwirrung gerietßen, baß ihnen oßnmüglich 
fcßiene, barbep $u »erbleiben unb meßrmalen wiber ißren 
SBitten burcß innerlichen ©ewalt außer ßcß gebracht; unb 
fortgetrieben würben. 

' $ier$u fam eine mehrmalige ©timmen#©erünberung 
in bem Sßor, welche ißnen halb entßele, halb wieber 


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172 


bergeflflTet würbe. Salb fidj iit ein ©eheul oerwanbelte, 
unb bei? einer ober ber onbern ber £al* bahep Iwd> auf* 
fcbweHte, halb wieber plofclicb einfiele , ein öftere^ flarfe« 
3»ttern , unb ©oblagen an #dnbe , unb IBufen , heftige* 
Äopf ? ©cbütteln , fammt mehreren anberen aufferorbent* 
lieben Seihe* * ^Bewegungen , wobet) ihnen war , al* wenn 
ein Üttau* , ober Statt burdj ben ganjeh Seih laufte , fit 
aber in groffeÄleinmüthigfeit, unb »erjwettfelte©ebanfen, 
auch Sieben (woran fte aber, wie man nacbmalen gefunben, 
feine ©cbulbe hatten, fonbern eine (eibige SDBirFung be* 
ihren Äopf beftfjenben ©atan* war) aud) mit öfterer ©efahr, 
ihnen fclbfi baö Sehen $u nehmen gebracht würben« 

Da nun aber ade biefe ^erfonen von einem gefunben 
5Serfianbe fowohl, al* Seihe* ? SBefchaffenheit ju fepn , 
aud) »on SWebiciö erfannt worben, annebfi t>on einem 
fonft ohntabelhaften Sehen* »JBanbel waren, fonnte man 
freplicb biefe fonfi niemal im Äloffrr erhhrte SBirfungen 
weber einer natürlichen Urfache , oielweniger einer 93or# 
flellung jumeffen , fonbern nicht anberft urtheilen , a(* 
bah fold>e burch eine Umfeffung vom leibigen Satan, 
unb ^tretet) oerurfacbet würben, ohne jeboch an eine 
IBefeffung, a(* etwa* hier ju Sanbe ganj ohngewühnliche* 
ju benfen. 

3a al* au* einer biefer Älofler* grauen ©?. Gdcilia 
be *J)iftorini au* Slmberg (naebbem fte fchon im Sto* 
»itiat fehler alle obbemelbte plagen erlitten , unb alfo 
über ihre ‘Profeffion befjwegen oerfebiebene Slnffdnbe ge# 
madjt würben , boch enblich geflattet worben) »or vier 
3ahren ber ©atan ju reben, feinen Siamen al* Siaba# 
bonafach anjugeben, auch wie er in ©lütter# Seihe fchon 
oberwdhntermaffen hineingehcret worben ju erjdhlen. 


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173 


nicht minber viele jufünftige Dinge von benen j»ar 
richtig erfolgten , aber bamalen noch m'rfjt geglaubten 
SBetrdgniflen beSÄloflerS vorjufagen anflenge: fo nahmen 
boeh bie mebrefle in bem ^lofler ber Urfachen »egen 
groffen Anflanb , eS für eine ©efeffung be$ büfen geinbed 
ju halten, »eil nehmlicl) bie ©efeffene feine frembe Sprachen, 
noch fonberlich geheime unb verborgene Sachen rebettn. 
Annebfl fcbienen viele ber »unberlichen ©ereegungen unb 
©erbrebungen ber ©lieber natürlicher Sßeife ju gefchehen, 
unb nicht leichterbingS ju SKit * SEBirfungen be$ SeufelS 
gemacht »erben ju fdnnen. ( 

Dafl nun bep biefer Sdnvefler Gdcilia feine ©er# 
fleüung ^)la{j habe, »aren bie Obern, unb Gonvent 
nicht überjeugt, »ie bep ben anbern, »eil biefe in folcbent 
©tanbe fchon in ba$ Älofler getreten, anbere aber burch 
»orbergegangene ohntabelhafte auferbdulicbe Aufführung 
(ich gröflereö 3«lrouen erworben hatten j barum hotte 
biefe Gdcilia manche ©erbemüthigung unb harte ‘Prüfung 
von ihren Obern auöjufleben, »orju bie unglücffeelige 
9*tenata vieles beptruge, als »eiche bie betrangte Gd* 
ctliam dufferft verfolgte, unb »eil fie 9fenata bep 
vielen threS Alters unb guten ©ernunft »egen, noch in 
einigem Anfeben (lunb , bemühete (ich folche dufferfl, 
benen imÄlofler bepjubringen, eS gebe »eher £eren noch 
©efeffene (»elcheS nach Sehre ber hie»vn fchreibenben 
Authoren alle Unholben, als ein allgemeines ‘Principium 
behaupten müffen) mithin fep eS bep obgebad)ter Schweflet 
Gdcilia ein lebiglich verfleßteS unb mit vielen flrdf# 
liehen Unorbnungen vermifchteS 2Befen. 

©leich»ie nun 1) biefe Gdcilia alles- »ibrige mit 
einem genauen ©ehorfam unb einer geifllichen ^perfon 


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174 


anßdnbigen £>emutf> willig unb gebuibig audgeßanben, 
auch mehrmalen in ber Hoffnung, ed möge ihr baburd) 
geholfen werben, folched felbß begehrte, unb man 2) bep 
fothanen Umhßdnben nicht abfeben fonnte , was bod) eine 
geißliche ^perfon, welche weber Hoffnung, noch Verlangen 
hatte, einen @chritt außer ber ßlaufur thuen $u föitnen, 
annebß wohl fahe, baß burch biefen eienben ©tanb bet 
Sachter ihre grau OJiutter unb Wnverwanbte in dußerßet 
©etrübniß , ße felbß aber bep aßen nur in ©erachtung 
gefegt, fdjier einem Sföaleßcanten gleich gehalten würbe* 
für einen ©ortheil haben fönnte, wenn ße ftch Pom höl* 
lifchen ©atan , beffen leibiger 9iam ihr einen ©chröcfeit 
»erurfaebte, befeffen $u ferm «nßellen wollte, welched 
3) ohne hin bem Slbfehen , unb SJlepnung ber ©efeßene* 
felbß fchnurgrab entgegen lief, ald welche ßd> nicht wollte 
hereben laßen, »om böfen geinbe befeffen ju fepn, fon* 
bem bafür hielte, baß nicht ber Steffel aud ihr rebete, 
fonbern fte felbfi nunmehr ihrer ©ünben wegen von ©ott 
»erlaffen, unb verworfen wdre, baß ße nicht anberft 
reben , unb thuen fönnte , woburch ße oiel hunbertmal in 
bie große ©efahr ber ©erjwepflung gefefjet würbe. Ueber 
bad aud) 4) ber böllißhe ©eiß, obfchon er in biefer fo* 
wohl ald anberen ©efeffenen fein Satein, ald nur juweilm 
etliche SfBorte, vielroeniger eine frembe ©prache gerebet, 
anbep fogar manchedmal auf bie in gatein vorgebrachte 
gragen (wovon, baß feine aud ben Äloßer * grauen 
etwad »erßehe, man wohl verfuchet hat) aud einer ihm 
eigentümlichen giß , unb in ber 2lbßd)t , bie geute irrig 
ju machen , eine fo verfehrte Antwort gegeben , ald wenn 
er ebenfalld bad 8atein nicht verßünbe, bennoch befonberd, 
wenn ed an ber innerlichen Sidpoßtion ber ©efeßenen 


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: i75 

fomobl, ßl« bra Gfrorcißen nicht fehlte , biefe lefctern im 
2atein halb auf biefe, halb auf eine onbert S^ebene ; 2( rt 
stuäiose »orgebaltenen ©efeble richtig voßjog/ unb bie 
eben f©;»orgebrachte 5 rfl 9 en me&ren'thnte genau beant* 
mortefe, unb mebrmalen felbft »erteutfcbete. — 5) SDie 
entfefcliche ©otted # 2dfterungen , aucb fiele ©cbmdbe * unb 
©<belt#SDorte gegen alle ohne Unterfdneb ließen {ich aud 
bem Stöunbe ber ©efeffenen bdren, bie man mobl für eine 
bem Teufel gemöbnlühe ©orache , nicht aber für Dieben 
etneö ebrlid) erjogenen üinbed, fo nicht aud D?otb»3n>®ng 
in em Älofter gangen, anfeben fonnte. Söelched 6) burcb 
iffentliche ©erratbung ber innerfien £er$end-'®ebeimniffeif 
ber befeffenen <Perfon miber ihren SBißen, unb Dleigung, 
ja mancheömal ju ihrer grüßen ©efd)dmung noch mehr 
beßdrfet mürbe. 9iid>t minber 7)bie2lrme, ftüffe, unb 
Jgjale fcbier jugleid) an ber ©efeffcnen burcb viele ©tunbrit 
lang alfo jfarf ©erfreuet mürben ; biefelbe auch viel bun* 
bertmal flumm, blittb, taub unb (ahm gemacht ; ben &epf 
unb Änie mit folcfaer ©emalt an bieSßdnbe, <£ifcb'®pi$en, 
unb fteinerne ©oben mit groffen ©chmerjen, jeboch ohne 
minbeße ©erleguHg, auch ohne ßinfchlagung ber Daumen, 
unb anberen btt) einem ©efraifcbe, ober anberen natfir* 
liehen 3»fMnben fonß (td) ergebenben Äennjeichen ; mit 
©e^bebaltung ber natürlichen garbe bed 2lngeßd)ted auf# 
gefloffen , unb angefchlagen , morbep ber Seih ganj »er# 
ßarrt, unbemeglich, unb rceit fchmerer, alb jmef ober 
bre»> begleichen Leiber , auf bem ©oben angebeftet liegen 
bliebe, baß ed mobl fdjiene, fein Qttenfcb fünne »or {ich 
biefed aßein nachtbuen , unb oielmeniger folcbed affectiren. 
hiervon aber 8) feine gemeine natürliche ©emalt (mit 
man ifterd mit ©iegung ber »erfrümmten ©liebem unb 


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176 


Stufrichtung bet niebergeworfenen { Perfon «Ser vergeblich 
verfucbte (wohl aber ber im allerb. Stamen 3efu bem 
bdfen gjeinbe gegebene ©efeljl, bie geplagte ^erfon wiebet 
ßerjuftellen, augenblicklich abbelfen fonnte, unb bierburch 
wieber an 5£ag gelegt mürbe, baß in biefer unb anbertt 
begleichen «perfonen etwaö anbereö, alb bet ©tenfch allein 
fep, unb bieweil folcheS nicht unter bie ©inne fällte, 
hoch aber einen ©efebl anhorte, antwortete, unb gehöre 
famte , ein (eiblofer unb mit Vernunft begabter ©eift 
ferjn muffe. 

• Sllfo jmepfelte man nicht mehr an ber wahren ©efeffen* 
heit bitfer ßdcilia. @b würben bahero bie von ber 
(Shriftfatbolifcben Kirche verorbneten CJrorcibmi tdglidj 
unb fleifftg angewenbet , ihr von biefem böfen (Seifte ab * 
juhelfen. SDiefe geglichen Drittel hatten auch wohl (mn* 
bert ' unb mehrmal ihre erwünfchte SBirfungen; worbe«; 
man dfterö bemerft, baß, wenn bie ©chwefter Gdcilia 
$u ihrem unb be$ ßonventö unauöfprech liehen ©ergnügen 
burch bie ©roreiömod befrepet war, bie ungläcffeelige 
9t en ata ihr mehrmalen auf ben guß nachgienge, allerlep 
Sßenbungen machte, etwas mit bem SDtunbe murmelte, 
unb fie ddciliam anhauchete, worbep biefer war, als 
wenn ihr eine feurige Äugel in ben Seib fahrte, unb balb 
barauf wieberum bie vorige ßonvuljioned (ich jeigten, 
auch ber fie juvor befifcenbe bofe ©eift fid; wieber auö ihr 
hdren ließ. 

Obmoßlen nun biefeö einen wohlgegrdnbeten Slrgwobn 
gegen mehr befagte Stenatam erweefte, annebft ber bofe 
©eift, baß er burch biefer ihre 3<tuberepen wieber in fein 
vorige^ Quartier jurüctjufehren fep gezwungen worben , 
in ben £ird;en.'©efchw6rungen auö ber Sdcilia befennte. 


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- fe wollte man hoch in Anbetracht , bag bet) beriet? ©e/ 
fd>Iecf>t fonft mebrmaf bie ftarfc Sinbilbung groffen Sin« 
flu# in bie «Siepnungen unb äufferlidje SStrfungen habe , 
unb auch ber 6atan al« ein Sßater ber Sägen/ in feinen 
Au«fagen betrügen fönne , ju weiter nicht« al« ju einer 
Gorrection ber Renata fchreiten, welche jid) in allen ganj 
fein ju rechtfertigen wufte. 

Snbejfen aber wenbeten fid) bie Obern, unb Gonvept 
beflo eifriger ju ©ott, unb ber alterfeel. 3ungfrau 9Jlaria, 
unb orbnete £. *probfl ju Unterjell am lefctverfloffenen 
2Bci'hnacht«*geft eine nachmittägige 2lnbad)t mit jtitterAu«/ 
fefjung be« atterh. Altar« / ©acrament«, unb SBorbethung 
breper Sitanepen be») verfchloffenen Äirchen/S&üren Dem 
-Gonvent an, um von oben herab £ülfe in biefer fchweren 
©eträgnif, unb ba« nöthige Sicht ju Gntbecfung ber 
wahren ©efchaffenheit ber ©adjen ju erhalten. 

Äaum waren biefe Anbadjten burch breg 5Eage fort/ 
gefejjet, fo fiengen an jweg au« ben fünf bi«hero flumm 
gewefenen Teufeln in ben übrigen fünf SBefeffenen nebfl 
ber oft geb. Gäcilia auf bem unfd)ulbigen5tinblein«/£age 
in ©egetiwart be« £rn «probften« , unb grau QRutter 
*Priorinn nach vielen vorbergegangenen erfchrdcflichen ©e/ 
wegungen unb Sftieberwerfungen au« einer nach ber 
anbern $u befennen: Sich unfer 3 f *t »ft ba, wir 
barfen un« nid)t mehr verbergen jc. worbeg fie 
auch Stenatam, al« bie Urheberinn aller biefer Uebel 
anjugeben, fich von ©ott geswungen ju fegn Vorgaben. 
Oiefe« wieberhohlten fte in ben fogleich vorgenommenen 
Äirchen / ©efchwörungen : ba nun bie bdfen ©eifler au« 
ben übrigen breg SBefeffenen, obfehon ein paar SSochen 
fpdter nach unb nach ju reben , ihre 3 a hl {»veil eine jebe 



178 


\ 


brep, »ier ober fünf auch mannichntal noch mehrere ber* 
gleichen böfen ©elfter in jtch batte) wie aud) ihre tarnen, 
alä ba war, Datas Calvo, Dusacrus, Nataschurus , 
Nabascarus, Aatalphus, Elephatan etc. anjujeigen 
anfingen, unb bie bisherige ^plagen an ben 6. frommen, 
aber äufferft geplagten geiflltcben 3 ‘«n 9 ftauen fttb »et* 
hoppelten, fonnte (ich niemanb auch Stenata felbft bem 
äufferlichen Slnfeben nad), bie übrigen aber aud innigstem 
SDtitleiben ber itbrdnen enthalten. 

Qi wollte niemanb mehr an ber ©efeffenbeit aller 
biefer 6. 3ungfrauen jwepfeln, inbem nebft obenbemelbten 
alle biefelbe ohne Unterfchieb eben fowobl betreffenben atbt 
Urfacben , auch bie 3abl unb bi* bidbertge gottedfürchtige 
Slufübrung biefer in JBabrbett ganj gefunben unb »er* 
nünftigen geglichen 3 u » 9 ftauen nicht ben minbeften 
Slrgwobn einer ©erfMung mehr julieffen, fo fonnten 
benn alle nicht genugfam bewunbern, wie ©ott in einem 
jungfräulichen Gonoent, wo man ihn Sag unb Stacht 
$u loben befchäfftiget ift , an foldjen ^erfonen ein fo er* 
ftaunliched Uebel habe julaffen fünnen. 

Cfd würben aber halb alle mit einanber überjeugt, 
baff bie ©orjtdjt bed allerbochfien biefe 3eit beftimmt , 
unb biefe betrübte Umftänbe jugelaffen, um baburch mit* 
teld ber Sludfage ber bötfifchen ©eifter felbften offenbar 
werben ju laffen , road für ein abfdbeulicbed Untbier unter 
bem geiftlichen jlleib inner ben 4. SSJtauern bed Älofterd 
bidbero »erborgen geftecft, bamit burch folche Gntbecfung 
ibrer Soweit (weldje ohne biefe ©efeffungen, unb Offen* 
barung ber boöifdjen ©eiftern fonft »ielleicbt nimmermehr 
-.i toür and £aged* Sicht fommen) entweber burch eine wabte 
©efebrung, ober wobloerbiente ©eftrafung, unb 2lud* 


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fchajfung aud ber geifHidjen ©efettfdjaft , welcher fü nie# 
malen in Sahrheit ein&erleibet gewefen, ein ©nbe gemacht 
mürbe , in maffen ein jeher auö ben bifen ©eifern in 
ben fechä SBcfeffenen (beren eine »on jtoei) # anbere »on 
4 # unb 6# anbere aber »on 10# unb 11. Staben in biefe$ 
Unglücf burch bie QSerjauberung JRenatä gerothen) baö 
3ahr, ben £ag, bie ©elegenfeit, unb bie Seife benennt 
bat, wo unb wie Stenata ihnen einen über mehrere 
Steufel in ben Seib gebannet habe. n- 

©ie mit vielen anberen wahrfdjeinlichen Umfiänben 
begleitete 2luöfage ber (wllifcben ©eifern fonnte jwar 
einen groffen ©inbrucf bei; ben Obern »erurfachen, felbe 
ober boch nicht bahin bewegen, ber SÄenata einiges 
Seib anjutfuen, bis enblid) ben 4ten 3>anuar a. c. ber 
£err Slbbt ju Ober jell »on bem ^>rn ‘JJrobf en §u Unter# 
jeU befonberS erfucbet worben, unter bem SSorwanb einer 
93iftation, unb nach bem vorn ganzen jungfräulichen 
Sonoent bem OrbenS# ©rauch nadh abgelegten Qurament 
in ber Älofer# grauen SluSfage fo viele indicia gefunben, 
baf man $u einer Slbfonberung 9ienatd »on bem übrigen 
(£on»ent provisionaliter ju fchreiten, »or allen für oh*»' 
umgänglich nothwenbig erachtet. 

GS muf e (ich ^ierbe^ auS gerechter Slnorbnung ©otteS 
fllfo fügen, baf nachbem ffenata »on einem ganjen 
3«hre her ben £rn SJIbbten gu OberjeU (in ber büfen , 
nachmalen wofferfannten 2lbftcht, um ber befeffenen, unb 
oon ihr äufferf »erfolgten ©djwef er G ä c i I i a, unb anberen 
burch ihre unter bem Scheine eines läblühen GiferS »orgu# 
fctingenben Klagen ju fchaben, ftch fclbft aber rechtfertigen 
ju fönnen) um eine balbige 23iftation infänbigf erfuchet 
hatte, erntelbter Slbbt aber in einem fo wot>l beftcllten 


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(Eonoent frierju feine Urfacfre gefunben hatte, nunmefrro 
tiefe ©ijttation Stenatam adein jum ©orwurf ber adge« 
meinen gerechten Klagen, unb llnterfucbung fraben, folgfam 
ba$ »on ifrr au$ unchriftlichem 2lbfefren, unb jur gort« 
fe&ung ifrrer ©oSfreit arioeriangte SDlittel, ju ifrrent eigenen 
©pott auSfcfrlagen mufte. 

@ie würbe benn ofrnoermutfret jur Webe geftedt , ber 
unglücffeelige ©tanb ifrrer SKebe sorgelegt, weif jie aber 
noch befrauptete, in adern unfcbulbig ju fepn, frat man 
jte in ein »on bem Sonoent abgefonberteS Ort »erwiefen. 
©ie begehrte (Jrlaubniß , nochntaletv $v»or in ifrte Seden 
gefren ju börfen, mit bem ©orwdnbe, um etlidte »on 
©ewiffenS» unb ©eicht «©achen franbefnbe ©cfrriften mit 
ficfr ju ncfrmen; in ber Sfrat aber, wie man nochmals 
wofrl »ermerft, um etliche jur 3auberep gebrauchte ©achen 
auf bie ©eite ju rdumen, barum ifrr auch biefe Srlaubniß 
obgefchlagen worben. $ierbep frat ftch nun ber befonbere 
Umjtanb ereignet, baß, ba man gcflijjentlicb bie ©efejfenen 
bep ber ©infperrung ber Dtenata frerbepbringen laffen, 
bie bdfen ©eijter erbärmlich ju freulen , ju jammern unb 
unter anberen auS etlichen ©efeffenen aufjufchrepen an« 
ftengen: o ifrr »erflucfrte £unbe! warum wollt 
ifrr unfer jJtejt jerflören? o Siebelcin! (alfo 
nannten jie SRenatam) »erlaffe und boch nidjt. 

©er orbinarie Son»ent$« ©eicht «©ater wenbete ade 
©füfre an , um biefe unglücffeelige jur aufrichtigen ©e« 
fenntniß, unb 2ebcnö«©efefrrung ju bereben, er brachte 
auch fo »iel juwege, baß Dtenata bie nun wofrl fafre, 
baß jte »on ben bfrfen ©eijiern »iel ju »iel »erratfren wdr, 
inner wenig Sagen nid)t nur ifrnte auffer ber ©eichte, 
fonbern auch ben Obern beS JtlojlerS ganj frepwidig 


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eingeßanben, ße fep «ine £e«, ^abe bi« 3 auter «9 außer 
bern bloßer erlernt, unb ben 6. befeßenen Jungfrauen 
mirflid) bie böfen ©eißer in ihre Seiber hinein gebannet; 
unb jroar biefeö mit eben ben Umßdnben, roie e$ juoor 
bie Üeufel aud ben ©efeßenett befannt bnNtn. 

Qi mar feine Uebung ber Steue, feine Slbfcbmdrung, 
unb Slbfagung ber Teufeln, melcbe ße nidjt in dußerlidjer 
Slnßeßung eines bußfertigen $erjenö ben ^rießern nach* 
gefproeben , unb ßierbep fo rubig ßd> jeigte , al$ wenn 
fie gar niemalen mit ben bdfen ©eitlem einige ©erßdnbniß 
gepflogen; ja, ba fie allein mar, mürbe fie auf ibren 
Änieen »or bem Grucißr > ©ilb liegenb ober mit bem 
Stofen «Granj in ber ^>anb gefeben; ba aber bie ndd>t# 
lidte plagen an ben ©efeßenen eben fo mie juoor fort* 
gefefjet mürben, mooon man früh bie blauen ÜJtdler an 
benfelben roabrgenommen, birrbep auch fdjicr alljeit * 
Stenata fogar in jenen Sfddjten, in meldjen eine 2apen*< 
®d)meßer bei ibr im foß/ unb fr beobachtete/ 

ganj fenntlicb feben ließ, über baß mie bie bdfen ©eifter , 
über ihre »ermepnte ©efebrung nur baö ©efpütt trieben, 
fonbern nod) befonbere Saßer *2b«t*n, bie St «n ata fo* 
mobl »or a($ nacb ihrer (Jinfperrung ohne ©epfepn einige* 
ÜJienfdjen auSgeübt, Pon ibr offenbarten, fo fanb malt, 
billige Urfacbe, ju jmepßen, ob nicht auch biefe ange* 
nommene ©ußfertigfeit eine gortfefcung ihrer 50jdbrigen 
©erßellung in bem Äloßer fep, melcbe* ßcb htmadj 
baröurcb ermiefen, meil ße felbß folcbeS eingeßanben. 

©iöbero hotte man abfeiten beS jtloßerS für ratbfam, 
ja für ndtbig gefunben, alle bie ©egebenbeiten nach 
SDtoglicbfeit oerborgen §u Ratten. SJtan glaubte roiebtige 
Urfacbcn b‘ fr S u i u haben; benn meil mir muffen, baß 




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wir in einer ©iöceS leben, wo man nicht leidjfglaubig 
ju fepn gewohnt ijt, unb Sßahrfchein liebfeiten nicht für 
Sßabrbeiten leicht angenommen werben; fo wollte matt 
in ber Stille unb ©ebulb baS ©nb abwarten, um au$ 
bent AuSgang ber Sachen abnehmen ju fönnen, worin« 
bie bblKfcbe ©eifler auS einer ihnen eigentümlichen Sift 
unS betrügeten , ober worinnen fie auS ^ö^erm 3wange 
bie SBabrbeit auSgerebet hätten« STOan wollte auch ber 
©her fowohl beS ÄlofterS, welches 9t e na tarn als eine 
j£)ere auSfremben Sanbe befomnten, als aud) ber Oie na ta 
felbjt unb ihren ©erwanbten auf alle 2ßeife fchonen, 
enblich ben ohne fie feh c geplagten unb fid? ihres rer* 
bemüthigenben StanbeS alljuoiel fcbdmenben 6. befejfenen 
Älofter*5ttMen burch berfelben Offenbarung feine unnö* 
thige neue ©etrübniß oerurfachen. 

2Benn fdjon eine öffentliche Austreibung ber Steuflen 
als ein nach ber ©erfjeijfung ©hrijli wahrhaft unb eigent» 
licheS Äennjeichen unferer 9Wmifcbfatholifcben Strebe bie 
©laubenS*2öibetfacher ihres 3rrthumS überjeugen fonnte; 
fo war man bodh nach ber ftchern genauem ©inficht ber 
SKcpmmg, baß weber bie ©efdjaffenbeit beS Ortes (ndhm* 
lieh einer ©laufur) noch ber Stanb ber befejfenen sperfonen 
als gefchdmigen 3ungfrauen juliejfen , frembe unb befon# 
berS weltliche Seute Pon einer anbern Oieligion hierjuju# 
laffen/ in beme folchfallS oonndthen gewefen wdre, bie# 
felbige juforberift anerfl oon ber wahren ©efejfenheit 
pollfommen ju überjeugen , welches anberfi nicht als 
burch bie ©ingeftdnbniß ber 3auberinn un b eigentliche 
©rfenntniß beS ©ewiffenS#StanbeS, unb ber bisherigen 
Aufführung ber ©efeffenen hdtte gefchehen fdnnen. 

Sßenn auch febon g«n>t# iß, baß biefe büfe ©eifler 


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alle noi) burefj bit ton ber Äirdjc ©otteö terorbnete 
SfJlitfel enblid? müften auBgetricben roerDen, fo ift Bod) 
ber Sag unb ©tunb @ott allein befannt, unb menn aud? 
biefe mirflicb gefefeiebet / bot man ftd? eben nicht auf ein 
dufter lid?eö , unb in bie ©inne fallenbe« 3ti<ben ber aufls 
fabrenben bofen ©eiftern gu terlaftcn , al« melche 3«id)en 
felbft oft betrüglidj finb, mitbin mürben unfere ©lauben«# • 
©egner (benen e« ©ott an ©infprechungen , unb anberen 
tauglichen Mitteln gur ©rfanntnif ber SEBaferbeit nicht 
laftet erminben ) immer etma« au«guftellen miften. 

©a aber ba« ©efdjret? unb ©ebeul ber büfen ©eiftern 
au« ben Sefeftenen mannichmal in ber gangen ©egenb De« 
Jtlofter« erfchallte , unb ber Teufel au« ber befeftenen 
©chmefter SKaria I21^rrefta Sejtino äße« ihm auf» 
erlegten ©ebotbe« gu fchmcigen obngeachtet , ihren ©Item 
in ber 9teb«©tube gu ihrer dufterften Seßürgung be» x 
feebauerlichen 3 u ftanb ifewf geiftlichen Tochter »or Ulugen 
(teilte, annebft 9ten«tam für Die Urbeberinn alle« biefe« 
Hebel« auorufte, fo mar nicht mehr gu »erbinberu , baft 
nicht ber 9tuf btfbtn (ich obmofel mit gajtg ungleichen 
ßrgdbtungen immer mefer auebreitete, folgfam ndtfetg mar, 
feie unb Dort Diejenige, melcbe feinen Unterfchieb unter 
einer £er, unb unter einem Sefeftenen gu machen muften, 
eine« anberen gu belehren. 

SDlan verfiel bitrndchft auf bie ©ebanfen , baft viel* 
(eicht bei? Dienata ein frember Seicht * Sater mehr au«« 
richten möge , unb miemobl fie einen folcfeen angunefemen 
anfdnglid? (ich gemeigert. Dennoch ihr ex officio gu geben 
rodre. SBorgu man au« befonberen triftigen Urfacfeen 
*p. ©lau rum au« bem I6bl. ©chotten*Älofter gu SEBirg* 
bürg au«fabe , meldjer folcfee« auch müligft mit torfeer* 


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gegangenen bezeigen Cfrlaubniß Celsissimi Episcopi, 
et sui Abbatis auf ftch nahm, auch anfangs gleich an 
ihrer aufrichtigen ©eftänbniji , 3<*hren , unb anberen 
Äußerlichen Slnjeigen eine« jerfnirfchten $erjen« fo viele« 
©ergnügen fanb, bafi er an ihrer vollfommenen ©efehrung 
nicht ehenter jn>er>fette , al« bi« er fowohl au« bem 9)?unbe 
ber Älofter» grauen vernahm/ wie ihre nAchtliche plagen, 
wovon er bie 3ri<htn etlicfjmal an ihren #Anben , unb ' J 
»ngefkht erfehen hatte, annoch fortgetrieben , unb 9t t* iä 
nata vor beren Siegerftatt unter anberem #exens@eftnbel 
ganj erfanntlich mehrmalen gefehen würbe , a(« auch in 
ben <5xorei«miö von ben böfen ©eiftern hären muftc, 
wie viele Steufel unb auf wa« für eine SBeife 9tenata 
feibe neuerlich eingehexet, unb ihre $u allen biefen plagen 
«nb SBirfungen jeberjeit nüthig feyenbe Sinwiltigung bei» 
Steufeln, unb anberem 3auber>©efinbel alle 91 Achte bi«* 
hero ohnauögefe&t ertheilet habe. 

IDiefe bhfen ©eijtcr mengten jwar oft viele hanbgret’f* 
liehe Unwahrheiten barunter ; fagten aber ihm s p. ÜJtauro 
juweifen gan§ befonbere ©achen, 91 ena tarn, unb ihre 
©efehrung betreffenb, bie fit niemanben guvor offenbarten/ 
fonbern nur au« 3»»ange ©otte«, weil jte burch beffen 
9tamen befchworen worben , folche« erüfneten , befonber«/ 
weil ihre, ber JEeufeln 2lu«fage ju öelehrung ber 9lenata 
viele« beitragen fonnte, aber hoch fchnurgrab ben teufU* 
fchen Slbfichten entgegen liefe, unb von bal;er auch einigen 
©lauben verbienen ju wollen fchiene. 

91 e n a t a geftunbe ihm viele« bavon auf eifrige« 
3ureben; 3nbem aber, welche« fte lAugnete, würbe jie 
etlichmal mit benen au« ben ©efefienen rebenben häßifchm 
©eijtern alfo confrontirt, baf fie in ihre ©ejtAnbnif 


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weiter giftig, unb öu eh, wie jte noch auS bem Orte ihrer 
©infperrung etlichemal auSgefahren, unb btt anbrre ©tift* 
liehen beunruhiget, auch oben bemelbte ©inroilligung , 
jebod) mehr auS 3«>ange beS SleufelS, als eigenen Sillen 
gegeben ; unb rote jtf fchon etlichemal an biefem Orte bttt 
$rn Sibbt ju Älojler Oberjetl »erbert, ober befejfen ju 
machen, aber ohne SEBirfung oerfuchet hdtte, nicht mehr 
Idugnen wollte; anbet; aber alle ©efferung oerfprad; unter 
f anberen oorgebenb, wie jte »ermdg ihre« pacti mit bem 
bdfen Jeinbe nicht mehr fchaben fdnnte , wenn jte Pont 
Älojter abroefenb, unb an ein anbereS Ort gebracht rodre. 

SDtan hatte billige Urfache an btr Sfßahrheit bieftS 
festeren ju jroepfeln , boch »eil bie ©egenroart biefer 
Unholbinn »ielen ©djrdcfen unb Slbfcheuen bet; anbtrttt 
»erurfad;te , welcher barburch fleh oermehrte, weil matt 
jum jroeptenmal in ber 9?acbt an bem Orte ihrer ©in# 
fperrung oerfebtebene , unb mehrere frembe ^erfonett 
mit JRenata reben hdrte; unb auf ein gleichwie mit 
einem fjorae gegebenes 3 e * c & en fine leichte SEBolfe als ein 
©djroarm ©dgel pon barauS fahren, mit Slugen gefegten ; 
annebft ju beforgen war , baß bie böfen ©eifter in ben 
befeffenen ^perfonen ber OTenata felbjl in ihrer Unbuß# 
fertigfeit einmal ben JpalS brechen bdrften, roie fie benn, 
baß fie h»er$u auf eine geroiffe 3eit einmal pon ©ott bte 
©rlaubniß hatten, oorgaben, unb einmal fchon bie 
dujferjle Slhär beS OrteS ihrer ©infperrung aller ba* 
gegen gebrauchten ©orficht ohngeadjtet, mit einem ofm* 
gefdhr ergriffenen ©eile pfdjjlid; eingehauen hatten, fo 
roar man auf bie ©ntfernung ber Dtenata auS bem 
Älofler Unterjell bebacht. 

Seil nun baS Älofter fel&ft h»erju feinen tauglichen 


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Ort fanb, würben ©r. hochf&rfM. ©naben nebjt ©r* 
jdhlung bed bidherigen Verlaufe* erfuchet, SÄenatam 
eindweüen in einem fixeren Orte, ald etwa bad©chloff* 
SNarid ©erg wdre, »erwabrlich überbringen ju.laffen; 
ju bem ©nbe burd) jween Jperrn geglichen JHdthe bie 
wahre ber ©achen ©efchaffenheit einfehen, bie ©efenntnift 
aud bem SWunbe ber 9?enata felbft »ernehmen> unb 
bdcbftbenenfelbcn hierüber unterthdnigft referiren ju laffen. 
©r. hothfürfH. ©naben lieffen ihnen ben Vortrag belieben/ 
ald hüchftbiefelbe aber jwe»; 2age barauf »erblichen, btfant 
bie ©ache einigen Auffchub, bid enblid) in inteiregno 
»an Älofier# ©eiten barum abermal angefucht, bad ©e* 
gehren bewilliget, unb nebfl jween Jperrn SHdthen, noch 
jween Patres Societatis in ©orfchlag gebradjt würben, 
weldje ftch fammtlich am legten Afd)er*9)iittmochen, unb 
wieber barauf ben gretjtag ftch nach ItnterjeU verfügten 
unb nach bem ihnen pro informatione communicirten 
Älofter#unb Orbend ? ^}rotocoH, bie ©efidnonif »an 
Stenata felbft vernahmen, annebft von bem 3 u ft an &* 
ber 6. ©efeffenen, ald ber £aupt*3EBirfung ihrer 3°«* 
bereden , unb Corpore delicti ben Augenfehein auf eine 
furje einnahmen, worbet; jwar etliche aud ben 
büfen ©eiftern fehr wüteten, an ben ©efeffenen ihre 
plagen erneuerten, auch in©d>elt*unb ©chntdb<2Bort 
gegen jebermann ohne Unterfchieb auebrachen, anbe»; ftch 
fehr ungefdjicft anflellten, unb auffer jween ihnen in Satein 
gegebenen ©efehlen, fonft feinen »offjieheten.; ©d war 
jeboch hitrhet; ber Unterfchieb unter ber ©efeffenen be# 
fcheibenen Aufführung, unb vernünftiger gebend# Art, 
wenn fte bet; ftch waren , unb unter bem ©erhalten ober 
Söorten bed SEeufeld, wenn er fte vom ©erftanbe brachte, 
gar wohl abjunchmen. 


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©leicbwie ber Obern be$ Ätoßerd, ber cprießern 
unb be$ Gonoentö »orgügliche (Sorge auf bie ©efebrung 
ber ßtenata (an welcher auch baö ©nbe ber biö^ertgett 
plagen ju bangen fcbien) bauptfüchtich abjielte; ju bem 
<5nbe bicfelbe forberiß äße ihre Slnbachten »errichteten, 
auch bie ©efeßenen felbß aße ihre große Oualen, fo ße 
er butten mußen, für ßtenata ©ott aufopferten, atfo 
fonnte man eö auch nicht anberß , al$ für ein SÖerf ber 
unenbtichen ©armbergigfeit ©otted gegen biefe groffe 
©ünberinn anfeben , baß bie b^ßifche ©eißer in ben 
©efeffenen felbß jum jweptenmal mit »orbergegangenem 
entfefcticbem ©ebeute,' unb 2ßiberfe|lid)feit gezwungen 
worben, ber ßienata in ihrer ©egemoart burch eine 
rooblgefejjte unb bie Jdbißfeit ber jtloßer grauen nicht 
überßeigenbe ßiebe, einer nach bem anberen bie unauö# 
fpredßiche Sangmutb be$ obfchon gegen ßtenatam er# 
jörnten ©otteö, unb im ©egentbeit beffen ßrenge ©e# 
rechtigfeit gegen ße (bie er wegen einem einigen bofför* 
tigen ©ebanfen geßürjet, unb auf ewig »erßoßen b^tte) 
atfo beweglich »orjußeßen , baß aße Slnwefenben ßch ber 
3übren nicht enthalten fonnten; ßfenata aßein ßunb 
gang »erßocft ba , unb ob ße gwar baöjenige Uebef , 
welchem ße fowobt in ihrem »origen ßeben , al$ infonber# 
beit in ber 3«it tbccr (Jinfperrung getban , ober geßiftet 
bat, unb ihr bie böfen ©eißer gum StbeM »onuarfen, 
enblich geßanben , fo gab ße boch »or , baß ihre 3*it 
noch nidjt auß wäre, worauf man wobt abnebmen fonnte, 
baß ße mef;r auf bie Jlreue beß üeufetß in Srfüßung 
feined *pactß mit t’br, al$ auf bie burch bie »erßuchten 
Jpößen? ©eißer felbß gur ©ujfe ße eintabenbe göttliche 
©üte ©ertrauen batte. 


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211$ nun auch bif 5£eufel in ben 4. ©efeffenen mit 
einanber jugleich ju brr Renata etnbringeten , ^ierju 
auch bie anbern gween 53cfeffencn , bie anfänglich bep ßcfj 
waren, unb hieran feinen Slntbeil nehmen wollten, mit 
©ewalt mit ßd) fcbleppten , und *prießer aber ßierbep 
»erßcherten, baß jle , wie wir ihnen befohlen, am Sehen 
gu fchaben , feinen ©ewalt »on ©ott (>dtten , fonbern 
allein auf bie Slufßebung bed <pactd , J^erau6gebung ber 
3auber#2Burgel, unb gefcbriebenen 3 fttf i n aud 93tf*Me 
©otted bringen mäßen, fo beharrte SKenata beßänbig 
barauf, baß ße fothane Sßurgel , fammt bem gefcbricbenen 
3ettel »or ihrer Sinfperrung »erbrennt, worbep ße je# 
hoch halb biefen , halb jenen Ofen , worinnen folched 
gefdjeben, benennte; bie b6fen ©eißer hingegen bebaup# 
teten , baß jte folthe bem ihr ßetd an ber ©eite fepenben 
JEeufel gegeben, unb »on felben ©ie, wenn jte nur wollte, 
augenblicflich jurücfhaben , unb und ßcßtbarlich einliefern 
fbnnte, unb mäße, fo fern ißr, (ich gu befeßren Grnß 
wäre. 

3Bir erhielten aber nichtd »on ißr , afd eine gute 
Portion SDtaud * #aar , unb Ärduter, welche ße jur 
#ererep annoch im fterfer referoirt gu haben, einge# 
ßunbe, ja ald ße unter bem ©orwanbe, mehrere ber# 
gleichen ©achen gu fudjen, ein paar (Strohhalmen in 
ben £dnben gufammenbrucfte , machte ße eine ber ©efef# 
fenen auf ber ©teile lahm, bie aber bod) gleich wieber 
grab fporben; bie übrigen Teufel fchlugen bep biefem 
Vorgang ber Renata biefe ©troßhalme aud ber #anb. 

©ie b6fen ©eißer hatten ber Dien ata 3. Sage $u# 
»or aud bem ÜÄunbe ber ©ejejfenen 3inal 24. ©tunbe 
angefiinbet, welche ße noch ala bie le&te 3«! ber ©naben 


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gu t^rer ©efebrung haben würbe; ba nun eben biefe 
3eit eollenbet war, fiel SÄenata vor bem *p. SOtauruä 
in ©egenwart ber ©efeffenen ftehenb plöfclid), alö wie 
von einem ©ddage, ober ©onner getroffen, obne 3e/ 
ntanbed Slnrübren gu ©oben, worüber ^3. SOtaurud 
erfdjrocfen, fie tobt gu fet?n erachtet, bie Üeufel aber in 
ben ©efeffenen frohlocfenb baoon liefen, unb auöfcbrien, 
baß SRenata nun bin, unb ihnen eigen wAr. ©eflalt/ 
fam aber firf> Renata nach einer furgen SCBeile wieber 
aufgeriebtet , unb oon felbft aufgeftanben , haben bie 
büfen ©elfter folgen ©d)lag , unb ©arnieberfallen , al$ 
ein 3eicben ber ©erftoffung oon ber göttlichen ©nabe 
(mit wag für einem ©runbe ber SBabrbeit, ift ©ott 
befannt , unb wirb oielleicbt ber Sluögang lehren , fo 
ohnehin nach ber gefunben Theologie gu oerfteben feiert 
mußte) auegeben, worauf fie aud) immer beharret. 

Stenata würbe halb barauf oon bem bloßer auf ba$ 
©cf)loß in baö für fte gubereitete 3 , *nnter in einem weit/ 
lidjen bleibe nach abgenommenem £abit geführt, allwo 
fte auch noch immer bem fieberen ©ornehmen nad) eben 
bie oorhinige, ja nod) mehrere, unb folcbe ßenngeicbett , 
einer wahren ©uf fertigfeit con jub gegeben, baß bie 
^3rieffer fie befudjenb, felbe wohl nicht anberft, ald eine 
befehrte große ©ünberinn anfehen, unb halten fonnten, 
wohingegen biejenige, bie ihre ©erfdjlagenbett, unb oer/ 
fleltteö Sßefen oon 50. fahren her, »or, unb nad) ihrer 
Gntbecfung haben fennen gelernet , aud) ben 3wf«mn»en/ 
hang ber ©egebenbeiten in bem bloßer Untergell biöhero 
miteingefehen , foldje ©efebrung gwar oon J^ergcn wün/ 
(eben , unb barum ©ott obnablAfßg gu bitten nid)t unter/ 
laßen , ßcb jeboeb fein ©ewiffen barauö machen , an Der/ 


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fefben einen großen 3»^#! barum ju fdjbpfen , weif bie 
ndcfßlichen plagen ber ©efeßenen fowolß , als etlichen 
unbefeßenen Äloßer # grauen pon bem Sptxtn # ©eßnbel 
(worunter mehrmalen SÄenata gefehen, unb gehört wirb) 
bie »ftehreße JRdcbte hinburcf) mit Jg>interlaffung ber SDterf# 
mahlen an £dnben unb Slngeßcßtern ber ©eplagten, wie 
auch mit 3urücflaßung beS 2Berf$eugeS, ben baS 3®uber# 
©eßnbel auS einem anberen Orte beS ÄloßerS genommen, 
unb bamit jugefchlagen , bep ber Siegerßatt einer ober 
ber anberen ©efeßenen liegen laßenb, eben fo fortgefefjt 
toorben, als wie ße burch SRenatam ihrem eigenen 
©eßdnbniß nach angefangen , unb biefe ganje 3«t t^red 
Aufenthaltes in bem bloßer ungehalten hoben. 

2DelcheS ebenfalls auch vor wenig SBochen noch ju 
bloßer 3lbenßabt in ber Sßetterau an bem burch SRena# 
tarn oiele 3ahre btr fdjon geplagten *p. SRicolauS 
©enino ßch ereignet hot/ unb oon 9tenata bem ©er# 
nehmen nach fchon eingeßanben worben, ohne baß man 
jeboch grünblich entfcheiben fhnne, ob fRenata leiblicher 
SBeife »om ©d)loß auS nachcr 3lbenßabt , unb Unterjell 
fomme, unb bargegen ein bienftbarer böfer ©eifl burch 
Slnnehmung ihrer ©eftalt , ober audj burch eilfertige 
©Sieber Lieferung in ihr 3‘ntmer, wenn ihre ©egenwart 
auf bem ©dßoß in ber JRachte oonndthen , ben Augen , 
unb Ohren ber ße beobachtenben geißlid? # unb weltlichen 
‘Perfonen ©lenb#2öerf oorßelle, wie bie böfen ©etßer 
auS ben ©efeßenen behaupten wollen, unb ßd) auS einer 
ohnldngß burch eine beherjte, unb nicht befeffene Sapen# 
©chwefter in ber fltachte befchehene ©rgreifung ber 5Re# 
ngta bep beeben Sinnen (welche^ bie ©efeßene, weil ihnen 
ber bofe ©eiß bie $dnbe Idhmet, nidjt thuen fdnnen) 



191 


nicht ohne ®runbe mutbmaffen laffet, ober aber fie 9t u 
«ata leiblicher Sßeife auf bem ©chloß bleibe, unbein böfer 
(Seift ju Unterjed ihre ©eftalt annebme , um baöjenige 
inä 2ßerF ju jtellen, roaö fte adbort au^jumirfeit »erlanget. 

©$ ift jmar nicht ohne , baß bie böfen ©eifter ihrer 
2trt nad) fo oft fte Finnen , betriegen , unb auch in mdb* 
renben ©efchroörungen Umoabrbeiten miteinmifchen , bodj 
hat man bid^er nod) allezeit beobachtet, baß fte folchenfadö, 
nebmlid), wenn fte betriegen , in ihrer 2luöfage nicht ein* 
ftimmig fepn, unb wenn ernftlich barauf gebrungen wirb, 
ba$ Unmahre ju miberrufen gejmungen rcerben. ©a fie 
nun aber in biefem ©tiicf unoerdnberlid) unb einftimmig 
mit einanber barauf »erharren, baß 9tenata nun ihre 
SBerftocFung aufd duflerfte gebracht, ihnen Teufeln ihre 
SEreue immer aufö neue angelobe, »on benen ihr jtetd 
an ber ©eite ftebenben böfen ©eiftern alle Slnfchldge be* 
Fomme, roie fte fleh »erhalten, unb anjtellen folle, fchier 
«de Stdchte entmeber felbft nach Unterjed Fomme, bie 
©eiftlichen ju plagen, ober aber bod> anberem 
©efinbel barju bie aderbingd nothroenbige ©inmidigung 
unb ^Befehle ertheile, unb man in ber SEbat bie 2Birfungen 
empfinbet ; biefe Sluöfage anbep bem 3lntereffe ber fEeufeln, 
unb ihren 2lbfid)ten entgegen ju laufen, mithin auö einem 
. f>6h«*cn 3v»ange herjurübren fdjeinet, fo glaubet man, 
nicht unbidig ju befürchten, eö möge eine 50jdbrige 
©leißnerinn, unb öOjdbrige £er, alö 9tenata ift, an* 
noch adeö nur jum ©tbtine tßuen , wobep man boch 
hoffet, baß ber Sluögang bie wahre ©efchaffenheit ber 
©achen entbeefen roerbe. 

3wep auö ben ©efeffenen ftnb jwar mirFlich nadj 
unb nach burch bie gewöhnlichen ©jcorciömoö (fo »iel 


t 

* ' 


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\ 


192 

y 

man auS affen Umffänben gtaubmürbtg abnehmen fann) 
non ihrem büfen ©affe , wenigffenS fo »iel bie ©efe ffung, 
ntd)t aber bie Umfeffung bep einer berfelben betrifft, be* 
freuet worben; ba aber an ben anberen ebenfalls feine 
SWühe, unbSorge für ihre ©efrepung unter laffen wirb, 
unb eS fein Slnfehen hat, baß an ihrer guten ©iSpofftien 
etmaS ermangle , annebff bie nur mit einem JEeujfel be# 
fejfene je guweilen wieber mehrere befommen; bie auch 
für befrepet gehaltene halb barauf wieber neuerlich befeffen 
worben, auch in ben ßrorciSmiS feine anberc Antwort 
gu erhalten iff, als baß baS (entere burch ein neues 
maleficium ber «Renata gefchehen, fo fann wohl fepn, 
baß gleichwie ©ott ber böfen ©eiffern, als »erfluchte« 
Sßerfgtugen (ich bebienet hat, barburch ben unglücffeefigeit 
©tanb ber «Renata gu entbecfen, alfo auch einige ber« 
frlben noch fo lang in ben ©efeffenen auS Slnorbnung 
©otteS »erbleiben werben , als »onnüthen fepn bdrfte , 
«Renatam, welche wohl leichtlich auf bie äbläugnung 
alles »orher eingeffanbenen »erfüllen borfte, barburch 
hinlänglich gu übergeugen. 

GS iff gwar fein 3roepfel, baß bie ©efejfenheit »on 
einem ober mehreren bdfen ©eiffern ein groffeS Uebel 
unb beffdnbige «plage fep , fowohl für bie befeffene «per# 
fonen felbff, als biejenige, fo mit ihnen umgehen, fonber* 
bar aber jene, fo Dergleichen «perfonen ©ewiffen gu 
birigiren hoben ; in Grwdgung beffen, gleichwie ber geiff« 
reiche unb ebenfalls »iele 3abre mit biefem Uebel felbff 
behaftet gewefene % ©ur in S. J. in feinem ©enb* 
©chreiben melbet, baß ber SEeufel, wenn er gu wirfen 
anfangt , gleichfam als bie gwepte ©eele in bem Seihe 
bie innerlich * unb dufferliche ©inne beS «JRcnfchenS, 


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w 

ohne jebot ben fre^e#; 5&jtfen benehmen ju f6nnen>- 
gleitfant gdnjlit beherrftet;, in bem SKenften rebety 
unb affed würfet , maö ec aut nicf>( reben not wirfen« 
»vH, aut weher ben $age., weber . in ,bcr 9tatt, 
feiert,, ber <perfon , bie er befifcet, «He nur erbenfli^e 
innerlit* unb dufferlite Dualen unb Anfettungen / al$ 
»iefe ihm (Sott julaffet, anjuthuen, unb, biefelbe , wo 
müglit umö geben , unb um ibre ©eeligfeit ju bringen^ 
fo.fann man aber bot aut nitt in Abrebe Reifen, baß 
e$ eine ©elegenheit für bie befeffene «perfonen fowohf* 
ale anbere fer>, viel ©uteö ju tbuen, ja eine ©tute f tq r 
in ber man oieleö erlernen/ unb im geiflliten geben, 
gr offen Fortgang maten fann. , • 

JDenn bie äßefejfene an fit felbft erfahren, mit wa4 
dufferflem f)af[e ber höllifte geinb gegen bie burt baS, 
foflbare 53lut 3efu erfaufte ©eelen brinne; wie er abft,<|f|, 
jur 93ergröfferung feiner felbfligen jufdlligen feinen* 
weit mehrere SDtühe anwenbe, bie ©eelen in baä 9Ser<- 
berben ju flürjen, al$ ber heiligjle ÜJtenft tbuet, feine 
©eele gtücffeelig ju maten; wie mannigeömal an ihnen, 
©ott bie unfern Augen, unb ©tdfcung fehr geringe fehler 
einer Ungebulb, ÜHij? oergnügenö , ober 93erfdumnifj mit 
einem viele ©tunben lang bem Teufel jugelaffenen ©ewalt 
fte auf allerhanb Art erftrbeflit ju peinigen , beflrafe , 
unb wie biefer burt ihre Ueberwinbungen, unb 93er# 
bemüthigungen fo fehr geftw.dtet werbe, bafj er ftt in, 
ihnen oft faum regen bbrfe, lernen fie hieraub, beut 
teufet ju wiber flehen,,, unb nittb weber im ©uten ober., 
im ©bfen für gering ju ftdfeen, waö ©ott angenehm 
ober mififdllig fepn fann. , , 

©cp ben übrigen geiflliten Jungfrauen, ba fie. äugen# 
m. 13 


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fcheinlicb wabrnebmen , bttfr ob« erachtet biefer bermaligen 
«plage, ber @eift'ttodj : mentalen bie ©rbnung im 
©bor geben, 'tmb ahbtren geifHic&en Verrichtungen aud> 
nur für etnen einzigen £ag habe f!6|>ren , ober bie 58 e* 
ftffene »on einer einigen ^eiligen Gommunion mit alt 
feiner angewanbten 9Rübe habe berbinbern fünnen, muf 
nmbmenbig bie ^o(bfd>ü&ung «Her biefer geiftlicben Uebun* 
geü, unö Sffierfen beS ©eborfamS bet? ibnen um ein 
merflicbeS »achfen. ©ie (eben mit Verwunberung bie 
SBorftd>r ©otteS , welche btt ©efeffenen niemal über ihre 
forcobl leiWicbe als geiftlidjen Ärdften qudlen ober »er* 
fltdjen laffen, «nb »on ber 2Butb eine* geinbeü, über 
»eichen nichts natürliches einen ©ewalt , »unber* 
barlicb befreiet, ©ie lernen bie Äirche, ibre Geremonien 
ünb ibre ©iener , fonberbar aber bie allerb. (Rauten 3efu 
dnb 9Rarid in groffen Gbeen i« galten , als »eichen 
ber böfe ©cift felbft geborfamet. ©ie greifen gleichfam 
thit £dnben ben fonberbaren ©cbujj Starid unb ben 
©eoftanb beS b- ©<bu&*GngelS , als auf beren Slnrufung 
bie ©efeffenen mebrmalen »or ber augenfdjeinlichen SEobeS* 
©efabr errettet , unb ber tobenbe geinb S ur 9tube un& 
©eborfam gebracht »urbe. ©ie ftnben in biefer ©efef* 
ftttbcit ein fleineS SDtufter non ber «Pein , »eiche bie »er* 
bammten ©eelen in ber $6l(e auSfteben müffen unb 
fbnnen »oblubnebmen , mit »aS ©raufamfeit ber ©atan 
mit ben feiner SEtjrannct? »on ©ott gdnjfidj übergebenen 
etnftenS iit ber ewigen Unglücffeeligfeit »erfahren »erbe, 
weil er je§t foldje 2öutb unb (Raferetj über biejenige auS* 
übet, »eiche hoch »ermutblid) alle m ber ©nabe ©otteS 
fe»>nb , unb einjlenS Äinber ber ewigen ©eeligfeit boffent* 
li<h fepn »erben. 

f , 


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195 


9?un weiter bie unglücffeelige Renata betreffenb, ift 
felbe, weil bie ndd)tlid)e plagen ju Unterjell feilt Grnbe 
nahmen, au cf) jwet) auö ben jtlofter « grauen , fo burcf> 
bie Äirchen « ©efcfjroörungen vom böfen geinbe in§n>ifcf)en 
befreiet worben , nach etlichen 2ßod)en wieber unD jwar 
allen Umftdnben nad) burd) ein neues maleficium ber 
Renata unb ihrer weltlichen SDlit « (Jonforten brfeffen 
gemacht worben , nad) einem abermal von ber geiftl. 
Regierung mit ihr vorgenommenen (Svamen, worbet) 
fte auf iftre vorige ©efanntniß beharret, aller geifllichen 
^Privilegien verlujtigt erfennet, unb fogleid) bem weit# 
liehen @erid)te übergeben worben, welches nach abermal 
vorgenommenen Unterfuchung unb ad Celsissimum abge# 
flatteten Relation biefefbe §um geuer verurteilet, welches 
«ber Celsissimus im Anbetracht ber jarten 3ugenb, in 
welcher Stenata §ur 3« u &rrei) ©erführt worben, bahin 
mitigiret hatte, baß berfelben juvor auf bem ®d)loß ber 
Äopf foHe abgefchlagen , hierauf ber Körper nachmals 
öffentlich verbrennt werben, welches alles ben Ittenf 3a# 
nuar biefeö 1749. 3af)reö frühe ohne minbeffe llnorbnung 
an ihr votljogen worben. 

3m übrigen war Sfenata fowohl bet) Anfünbung 
beS HobeS« UrtfjeilS, als bet) ©olljtrecfung beffelben gan§ 
gelaffen unb ruhig , gab anbei) immer alle erferbrrfid)« 
üufferliche Anjeigen ber Weue unb ©ufjfertigfeit , ob« 
wohlen bie Teufel in ben ©efeffenen biefe 9tuhe unb ©e# 
laffenheit ganj anberS auSlegten , bie ©tunbe ihrer £in« 
richtung unb viele Umfldnbe beffelben, bie für IRenata 
nicht favorabel lauteten, vorfagten, unb anneben ben« 
felben Hag jween auS ben ©efeffenen , wie auch nachmals 
noch jween anbere dtlofter « grauen ju untcrfd)ieb(id)cn 


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196 

• • ' »' 

3eiten in einer jle plijjlicb überfallenen ©innen «©erctu# 
bung bie ^6Hifc6e ^ein ber Stenata, nebft bert Umftdn* 
ben, unb Urfacben berfelben mit vielen erfcbrocf lieben 
Sluöbrfiefeir in einem ©ejicbte (ohne bid dato ju roiffen, 
ob barunter ein Sßetrug be$ ©atanä »erborgen , ober 
folcbei aud befonberer Slnorbnung ©otteö gefebeben) 
ganj beutlicb gejeigt roorben, melcbeä man babero an fein 
Ort laffet geflellt fepn. 

' ©« mar nun, mie bereite febon gebaut, bie Stenata 
auch nicht allein , fo bie befeffenen unb obnbefeffenen 
Älofter grauen bet? ndcbtlicber SEeile fo oft gequdlet, 
fonbern ed iieffen jt<b noch anbere 3«“berer unb 3«ube# 
rinnen fomobl in ©efellfcbajft ber Stenata, ba fie noch 
lebte, alb nach ihrem £ob allein btt) benfelben feben, 
beren ein# unb anberer ihnen gar fenntlicb in bem 2ln* 
geflehte, Äleibung unb ©pracbe bib biebrr ohnaubfe|(icb 
»orfommen , unb auch bie bdfen ©eifter obnoerdnberlid? 
in ben Äircben*93efcbm6rungrn auf etlichen berfelben eben 
fo, mie »ormal$ auf bie 9t en ata, befennen. ©aß auch 
bierinnfallä feine leere Ginbilbung *piag habe, fonnte 
man biöbrr mobl au8 folgenbem abnebmen , allbiemeil 
1) bie auch nicht befeffenen Älofter* grauen §um Sbeil 
ben üumult ber 3«u&erer b6ren, ihre eigentliche 2Borte 
mebrmalen beutlicb »erfteben , unb ohne einanber jemals 
ju miberfprechen , »on SEorte ju SBort oftmalen $u er# 
jdblen miffen — 2) »on benjenigen, roelcbe bureb ©cbldge, 
©roßlungen , $dnbe * unb güffe t 33inben früh bie 
©cbmerjen noch erppftnbeu, unb bie blaue 9Rabf*3'id)tn 
»orjeigen , folcbe auch richtig rcabrgehommen meröen — • 
3) bie »on folgern Jperen * ©efebmeiffe einigemal einge* 
feblagenr gwfto , btneinsworfene ©teine, jerfdjlagene 


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197 


©über , geßreute neue m&leficia , u. b. gl. bepm Sag« 
gefunben worben, unb benn 4) ba fonfl bie teufet, als 
fxe ein unb ba$ anbere mal au$ ben ©efeffenen unfd>ul* 
btge ^Oerfonen in ifrrer SluSfage mit eingemifdjt, fotdjeS 
jeberjett in ben ©efchwürungen $u wiberrufen gezwungen 
worben , bennod) bep be r ©enennung ber anberen ohn* 
abdnberlich aud> bey iBrem 2lu$fahren geblieben,: unb 
ba fle folcheS ju offenbaren »on ©ott gejwungen würben/ 
beharrlich vom Stage ju Stag Befennenj welche man je* 
hoch, weil fie alle auffer bem bloßer, ja jum Stheile 
in anberen Canben fid> beßnben , auch lauter weltliebe 
*perfonen ßnb, überbauet in einer fo ^eifiic^en ©adje 
nicht für überzeugt f Annen angefeben werben / bi^ber 
nicht hat »erfahren fAnnen. - r < /.<;« 

©ier aus ben befeffenen 6. Äloßec * grauen, 
bureb bie gewAhnlicben 5tird)en<©efchwArungen »on ihrem 
Bofen ©affe befreiet worben , mit benen ßch / für^lich ju 
mefben, folgenbe merfwürbige Umßdnbe ereignet hoben. 
Sie erßc unter ben ©efeffenen, bereits 34. 3ahr alt., 
»ernabm mehrmalen in ber Stacht ohne ju miffen, wer 
ju ihr rebe, baß fie am geß< Stage «Stand Himmelfahrt 
burd) bie ©orbitte biefer groffen * ^ünigid» 

würbe »on ihrer Dual erlebiget werben. SBorbep ihr 
auch bie befonberen Umßdnbe biefer ©efrepung »orgefagt 
würben, welche ßch auch alle baarffein ereignet hoben, 
nehmlid): baß bie Sluöfahrt früh nach 3. Uhr geßbehen, 
unb fie felbß ihren BAfen ©aß in ©eßalt einer ©iper 
au$ ihrem SDtunbe auegehen fehen würbe , baß ber Stcufef 
»or ber Uuöfahrt alle jene in ber 3«* ih*** ©efeffung 
gegen ©ott, gegen bie allerfeligße Jungfrau uab anbere 
Heiligen ©otteS auSgeßpffene Sdßerungen wiberrufen. 




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198 


unb btßwegen auf ber Grbe (iegenb eine Wbbittung t(um 
würbe ; baß auf bie erfolgte (Befreiung t>on ber ©efeffung 
eine 7tdgige Untfeffung , unb erftaunlicbe Dualen erfolgen 
foOen , .wdhrenber biefer 3 e »t aber bie tflofter * grau bie 
Itölltfc&e ®eifter beftdnbig um fid) ßerum würbe heulen 
hören weldjed aber ben 7ten Sag Stbenbd um 9. Uhr 
ein Snbe nehmen foll, wenn ber höllifdje ©eift ficb »br 
ihren Slugen in feiner erfchröcf liehen ©eftalt feßen (affen/, 
ißr eine SWaultafch geben hierauf aber von ihr abweichen 
werbe. Dtefed alled hat ftd) bidhero alfo ereignet/ unb 
fanb man um halb 10. Uhr bie Äloftcr»grau ohnmächtig 
auf bem ©oben liegenb, ber auch bad ©lut aud ber Stafe 
von bem ©aef en * Streiche lief. Sie befannte nachmald / 
baß fte ohnmhglich in Slnfehung biefed hötfifchen ©eifted 
hätte vor Schröcfen nur einen 2lugenblicf lang (eben fön* 
nen, wenn fte nicht fonberbar von ©ott wäre erhalten 
worben. 

Der gweyten aud ben ©efeffenen würben 8. SEage 
vor ihrer ©efretiung alle Umftänbe unb bie 3*it ihrer 
©rfre^ung unter ber h« 9Äeffe gleichfam in einem Xraumc 
gegeiget, bem fte gwar feinen ©lauben beymeffen wollte/ 
alö bid wirtlich ben 3ten Sluguft um bie ihr benennte 3*it 
btr SEeufel in ihr genugfam gu rafen unb gu heulen anger 
fangen/ worauf mit ben ^irchenbefchwörungen bid um 
i. Uhr in ber Stacht angehalten worben; wo benn unter 
Kbftngung bed Te Deum Laudamus in ber €Otettc vom 
©har ber böllifche ©eift nach vorherigen SBiberrufung 
feiner audgeftoffenen ©otttd * Säfterungen, unb ©orfagung 
verfchicbener Dinge fte verlaffen, jeboch bergeftalten, 
baß er noch etliche SBochcn lang neben ihr in ©eftalt eine* 
Weinen SKörlein htrgeloffen ; ißr im Gfwr bad ©uch aud 


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ben £4«btn geworfen; ißr ©töffe unb SJhtultgftbtn ge* 
geben ; bie geber, wenn fie f<brie£e, jerßoffen, unb 
allerbanb Ungemach »crurfacbet, bis er cnblieb an bem 
b* (StbiftJ?©ngelS*geH unter ber ©efebwörung nach »er/ 
festem gewaltigem (Stoffe / »on welchem fte barnieber ge/ 
fallen, »on ibr gdnjlicb getrieben ift, alfo baß felbe nun 
nichts mebr ftebet unb büret, als bie juweilen »or ihrem 
genfter unb ber Sbüre tumuftuirenbe 3auberer >, benen 
aber ber Eingang in bie (Jeden bis baber »erfaget ift. 

©ie Dritte auS ben ©efeffenen bat 11. 3«bre bureb, 
in welchen fte befeffen war, aber nicht baf|r gehalten 
worben/ befonberS aber »on ben lebten 9. SDtonatben b«*/ 
»on welcbtr 3?it ber b6fe ©eift auS ibr $u reben bat an* 
gefangen/ fo crftaunltcbe plaget} auSgeftanben, baß fte 
öfters befennt, fte mode lieber ben adergraufamjten Job/ 
ben jeraal ein SKenfeb auSfteben müffen, erbulben* als 
nur rine | ©tunbe fang bie innerlichen Dualen leibfn, 
wobei) ißr beftdnbig war K als würben ibr alle, intestina 
mit bem SDteffer jerfebnitten j unb ber Äopf mit einem 
©loSbalge »on einanber jerfprenget. ©aS dujferlicbe be* 
langenb/ erflecfet öfters in einem Sage nicht lOOmal, 
baß fie ber Teufel auf bebe; mit dufferftes, ©ewalt / bet 
fein ÜJtenfcb fann ©inbalt tbuen, auf bie jtnie berge# 
ftalten binwerfe, baß felbe jebeSmal natürlicher Sßeife 
müflen ju ©tücfern geben, bo<b aber ; obn»erle|jt bleiben, 
wiewohl fte ben ©cbmer jen , empftnbet > auch mannigeS* 
mal, wenn er ihren Äopf an eine ©pige anfcblagt, baS 
©lut baoon laufe, wie er ibr benn obnfdngft (fo er auch 
einer anberen ©efeffenen getban) baS ©eftdjt mit ©lafir 
^anMieifcbnitten , ohne jeboch bie Slugen »erleben ju 
feuntn /. botb tff baS ?lngtjttbt inner 2. Sagen »on ficb 



200 


felbfl cilfo jufammengeheilet , Iwf man nicht* mehr babon 
hat fehen Finnen.' 3 SDtefe Äfofler # grau ift mit 7. Seufeln, 
bie alte ihren Kamen, unb SMrnt angejeigt haben, befeffen 
gewefen, beren ber erfte burch biegürbitte bei h* 3ofeph$ 
«m 93or » Slbenb feine* gefte*, unb ber 2te ben 6ten Sagufl 
teebe fidjtbarlich tn ©eftalt abfcheulid)er Sbitr«» ftnb au*< 
gefahren. 3l ftnb ben 5Bor<Stbenb, unb am gefUSage 
SOI arid Himmelfahrt, unb ber 6te burch bie SBorbittt 
ber b- ©er trüb i< au*getrieben worben, »orbet> viele 
ben Älofter / grauen fehr triftlidje ©achen geoffenbaret 
mürben, gon welchen man ben 2lü*gang erwartet. 0a 
tnbeffen btefelbige oon bein 7ten, unb jwar bem 3°™' 
Teufel noch befefftn »ft , unb recht hbßifche Dualen au** 
flehet, ohne baf man bi*ber eincHinbernif bet ©efretyung 
»on biefem Teufel hat entbecfen Finnen , wohl aber ab* 
nehmen, unb l/iten müffen, bap ©ott noch ein beforfbeTe* 
3te!> unb ©nbe, fo ju feiner ©fre , unb beö 5?foflet# 
Sßolßfahrt auifchlagen würbe, ^tcrbep fich vorbe^fKUte« 
habe. * •• •••" «n-/ « 

*' 2lu* ber 4ten JBefeffenen (welche mannt’chmal bitfe 
Legionen ber Teufeln in einer Stacht wieber burch 3 au# 
bererj beFommen, fo aber halb jebeSmat wieber auögetrieben 
worben) rebet ber bißifehe ©eift fchon 5. 3af>re lang, in 
welcher 3*it er felbe viele lOOOmal Frumm, blinb, ftumm, 
unb lahm gemacht-; fte würbe mel;r al* lOOmal burch bie 
©jcbrci*mo* gdnjlich befreiet, aber nach etlichen Sagen 
ober SBochen alljeit wieber burch ba* 3auber/©ejinbel 
befeffen gemacht, in welchem ©tanbe fte (ich annoch be* 
flnbet, unb »ießeicht barum in ber löefrc^ung bie le$f« 
fe^n birfte, weil Stenata felbfl geftanbcn, bap fle'&ftr 
elbcnf mehrere maleficia, als ahberen in ben 8eib gebracht 


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201 


/ » 


f 

fdtte , jtirttfllen man aub ber (jrfahrniß Jot/ bafl ohne 
gänglidjer £eburig fothaner ©lafefmen feine »otlfommene 
Siberation erhalten »erbe. ' J 

5Die fäitfht aub ben öefeffenen foffe ber unter ben 
(Jrorcibmen erhaltenen 2lnt»ort nach nicht burd) Siena* 
tarn felbfl, foribtrn aub Slnftiftung berfelben burd) einen 
«nberen 3auberer ben ßjftfn ©tift in' ihren £eib befommen 
haben, jur 3*it/ alb fie eben in bab Älofter eintreten 
wollen, »ooon iie duch bajumah einige SÖirfungtbn «er* 
fpühret, aub benen ober nieWanb eint ©tfeffiing arg* 
»obttete, afd bib ber ©atan : <&»# i(jf’ jtffrcbert anflcng, 
feit welcher 3«t fie erfrf>rßcflicf>e Buaierf biwn'btölifcben 
Reifte aubjuphen gehabt > unb ohulÄngjt antift in ihrem 
©lute, »egen harten in ber Siadjt empfangenen ©chldgen, 
frühe licgenb gefunben »orben. Vieler aribtren tdglich 
roieberhohlten fchweren plagen ju gefchweigen , bib fie 
enbfidj dm gefl*Sag ber ©ebuffrt SETi arid uni bie nehm* 
liehe SDiittagb*@tunbe, alb eb oor 4. Sßochen fd>on oor* 
’gefagt gewefen, non ber tBefeftung ift befreiet »orben, 
'ttfcchbem ftet Teufel junor alle gegen ©ott , unb bie $ti> 
figen ©otteb aiibgeftoffenbn'' ©ottcb * ßdfterungen aub 
3»ange ©dt'teb »iberrufen , unb abbitfen müpn: bie 
barauf aber'burch 15. Sage lang fich ergebene Umfeffung ' 
ben 23ten 7 Wis Stbenbb um bie ebenfallb etliche 2ßod)en 
<ju»or benennte '©turibe burd) diiprlidjeb 2(b»eichen ber 
höllifchen ©eiftern (»eiche jtd) nor biefer 5ilofier*grau 
in großer SJienge haben fehen laffen , unb fie mit fort* 
jureipn lang oergeblidje ©ewaft angelegt hatten) in bem 
Grorcibmo ebenfallb ein ©nbe, »ie man (»Ptr genom* 
Uten hat. 

©ie fechbte aub ben 33efepnen »urbe aub ©elegenheit 


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’ 202 


eine« getanen ffarfen ©elichterö m ihrem Kovitiat vor 
2. Sauren burcf> Ken ata in biefen elenben ©tanb gefegt/ 
aber wieber bavon auf bem geft * Zage- beä b* Crbenä* 
©tifterä Korberti, fo J( in bem Orben ben Ilten 3ulii 
gehalten tpirb, vermittels ber Äirdien -- Sflefdjwbrungen, 
wie eä nebmlich ber Zeufel am '43or*2lbenb beb b. 3 o a n n i i 
beä Zduferö mit etlichen , gateinifcben 2Bortfn vorgefagt 
- b«Kt» befreiet, worauf biefelbe am b<>!©<bu$s>(£ngcl0* 
gejle ; ihre g tjßlicbt «profefjton bat abgelegt. 

2luä bjefem alfo erfettften wir, bafa irä ben 6. befef» 
fenen ßlofter »grauen 4. berfelben (fo viel man bermalea 
finbet) gdnjlich befreiet ; ynb wiewohl man an allen 
wabrnimmf , baf wegen erlittenen obnauöfprechlicben 
Dualen ibr Sebeit nicht lang anbauern werbe, wovon 
man auch bet) einer ober ber anberen fcbon jiemlid) glaub» 
wurbige 93or*93otben bat, fo haben boch alle barbet) fo» 
viel aujferorbentlicbe @ut*Zbaten von ©ott unb merf» 
wärbige jtennjeichen feiner liebreichen 93orjuht , befonberS 
aber beä machtigften, unb bfterä ganj rounbertbdtigen 
» SBepftanbeä «breä b*il* ©d)uß*<5ngelä bet) fo vielen taufenb 
fieibeä* unb Seelen *®efabren erbalten, baf fte bie bil# 
ligfte Urfacbe haben , baftir nicht nur im £eben , fonbern 
auch in ber ganzen ewigen ©lücffetligleit banfbar ju fepn, 
beren befonbere 93efchreibung aber auä billigem ©ebenfen 
wohl nicht ebenber, alä nach berftlbcn Slbjlerben anä 
Zagä<£icht fommen borfte. , 

i , r , 

Crtrabüt Älojiet 3cH ben 29teu 7bris 1749. _ ; ,,,, 


; b. '(• -i ‘ • 


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203 


II, Sjrtrabirte £eren<S3efenntniffe unb Jptjctn f 
KrtbeUe, nach ben noch ungebrucften Crigi/ 
na(»2(cten abgebrucft, fdmmtlicb aud ber trt 
flcn Jpdlfte beö fiebenjetynten 3flb r N«&er t$. 

. . , ^ Nura. ' 1. 

. ./i; f . •• , 

i-r (Barbara 3? eübecf berin 2ebigßannbt$ in 
fei« . 15. 3«br alt, «fl, auf ©nbterfcbieblicbe $efanbtnuß 
bwere y falber juer ©erbafft genobmen ©nnbt berentwegen 
ben Äa©ftr(. Rechten gemeß, gärt ©nb <pein(id) ©raminirt 
worben. Die befennet ba$ ©ie auf weiß ©nb formb 3«' 
baßt 3brer original 2(uffag, nunmrbro ©or 2 3«been ju 
biefem ©lenb ©nbt erfcbrdtf blieben £er«lafter ©trfübrtwor* 
ben/ habt aueb ©olgenbte Uebeltbaten warbafftig begangen. 

<5rfllict>er bette ©ic fid) in einen Knaben verliebt 
gehabt, weßre bernacber bie geflaft beffelben 3üngling$, 
fo au d) in biefem £eren(ajler ju 3be fomme, mit 3b* 
gefcberfjet, ©ie juer 53n§ud)t ©nbt babin berebt, baä 
©ie ßcb 3b»ne ©ein ju fein ©erfproeben / welche* bernadj 
ber bbefe feinbt geweft, bene ©ie an ftiner abfdjeulitbm 
grflaßt rrfennet. 

Jpabe aueb jum anbtern vjf ©eß boefen ©eiß* betrüben 
»nnbt 3>*eeben ©ott ben aßmdebtigen ©nbt bie heiligt 
3ungfrau STOaria ©ncbrißlicber weiß ©erlaugnet. 

©ritten* roebre ©ie aueb off bcrgleicben bdefen Sr&tß 
begehren, an einen ortb.gefäbrt »erben albta ©ie ßcb in 
biß onbt 3ebnänabmend anbteßer tbaufen (affen/ welche 
tbaujf bie ßanjjlerei ©errichtet, roeldje ben 24 January 1628. 
(onbt nit wie etlidje fdjnardjer in ©aßerepen ^Jlaubtern 
bdrffen) oor 3 Seiten 3ußißcirt worben aueb bannen b«ro 
gar woß( foldje ©rutentbauff ©erridßen fdnnen , bero* 


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204 


felben twfiter Samara 5H6bmin wffjre bamaf>fi>- 3b* 
brutentobt worben, 3(jr ein ©tilberneö SRihglrih iinge# 
fcunben , dlbta ©ie aueb an 3brem Selb ein bergleicben 
fefifelifeb ©rutenjaicben »on 3br«n tßubla empfangen , fo 
jtcb aud) alfo befunben. 

93iertenö bette ©ic »or ongefebr 2. fahren balbt nach 
3b*er 53crfubrung a!f} ©ie im Collegio jur ©ortrt ibifeb 
gangen aujj atttrib beö boefenfrinMö bie beHtge ijofH* 
ftuf? 3brem munbt getban , fettige »or ©rft in 3br«* 
©ebueeb einen tag legen, baraujf geben , aljibann 3brem 
fPubla fotefje juftellen muffen, »nbter ber elevation habe 
©ie aueb an ©tatt beö gebetö fonbterbare93nrecbte.wbrtt, 
wie folcbe in 3bi*r Original Slujfag befebrieben, fprecbm 
-miiffen. !i . 

• ftiinfftenö webre 3br aueb einmabl »on einer ber# 
gleichen $eren<perfobn ein fd)war$eö Cebl jugeftelt wop# 
ben, barmit ©ie ein ©cbwein »mbbringen folle, ©o-©te 
aueb getban. . • ■ •. 

©ecbfienö webre ©ie aueb »om böefen ©eifl in foleber 
3eit ju oielen bergleicben Jperentenjj gefübrf worben, 
barbei bie 3 ent 9 c ^erfobnen fo ©ie in ihrer original 
Sluffag angeben , warbajftig erfd)ienen , bann ©ie felbige 
mit 3&ren 2eib(ieben Slugen barbep gefeben, wölle-aud) 
barauff leben »nb fterben, onbt 3br gewiffen im wenig# 
ften befebwebren, bette biefeö fiafter gern lengft wiber 
gebeichtet, habe eö aber auß bero *publa 93erbinberung 
nit tbun fbnnen. •< - 

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205 


Num. 2. 

•beinrtrfj Sßenfjel fonjfen ber Sunge .£)6pfflein ge« 
nanbt, melrfjer ebenmeffig alß berfelbe $ererep falber 
juer »erbajft fommen , berentmegen 9ted)tlicbem gebraut 
gemefj , güet «nbt ^peinlich Sraminirt morben. 

(Sagt mit bod)betrttebtem £er{} «nb gemttetb ba$ roeif 
Sr 3e Saiber «or 4 3abren in biefeö Slenbte Cafler fommen, 
fo motte Sr feine ©önbtnit attein ber roeltlid)en fonbern 
aüd) ©eijtlidjen obrigfeit beichten, barttber ©ueft tbuert, 
f>at aud) «nbter anbtern «olgenbte ©ünbt »nbt üttiffe« 
traten , bie (Sr marbafftig in foldjer 3eit geflifftet 
begangen habe befennt «nb außgefagt alf 

Srjtlicber bette 3bne ber bttefe feinbt, burdj feine 
»nfeüfcbe merfb meldje (Sr mebrmablä »erübt, fo meit 
binbtergangen, melden Sr anfangs «or eine 9tfed)te *per« 
fobn gebalten , baö (Sr fid> mit «erfprecfeungen gegen 
3bme jue meitb eingelaffen. Jfjernacber aucb «nb fürd 
anbter meil 3b«f berfelbe fein rube laffen «nbt mit er« 
fd>r6fblid)er betrobung furjjumb haben motten, bette (Sr 
Saiber ©ott im Fimmel erfcbrbfblid) «nnbt »nd)riftlid)er 
meifj »erlaugnet, barttber Sr bann herzliche rette trage, 
»nb melbtet auch barbep , baö Sr in feinem gebet, 
mebrerntbeilä bie mainung «ff ben bttefen feinbt ridjten 
mttffen. 

SDrittenö mehre Sr aud) berndeber in benfelben tagen, 
gegen 2ibent, alfi Sr einen halben SHaufd) gehabt, in 
beö laibigen (sathanä nahmen anbterfler getbaufft morben, 
Stgatha ©ettthin mehre feine tbaufferin 3acob ©taube 
aber tbaufftobt geroefen , meldjer 3bnte mit bem Diotben 
gelt betrogen , Sr bette aud) bamalä »on bem bttefen 
©eifl ein tettfelifd) 3aidjen an feinem Seih empfangen. 




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206 


©iertend ©edagt Sr fidj aucb, Sr ferje von bem 
fcoefcn feinbt , mei( Sr nit feinem befr(d) nad) ©ebl flifften 
wollen, mir fcblagen feftr vebl gehalten worben , welcher 
3bne babin genbtftigt, bnö Sr ein $bue , Sin Äalb, 
vnb 1 ©ofb beb Wenigen in feiner orig. Sluffag benentben 
leütb bff Vergleiche* £erenmittel vmbbringen müffeit 
feye auch J^iebeuor barbei gewefen Slljj 0ie vnbtereinanbcr 
grüßten , vnnbt obd eingegraben , folcbed barburd) juer# 
frö^ren 3nmaffen bann and) befcbeben. 

günfftend btN* Sr aud) 5Wdd>tlid>er weifen auf vnb# 
terftbieblicben Jperen 3ufammenfbunfften vnbt tenfjen 
erfcbeinen vnbt albta bem SEeüfel fonbterbabre Sbr antbuen 
muffen wad fonften weiterd für facben bev foldjem wefen 
verübt wirbt/ ift alled in feiner original Slujfag , fowo^I 
aud? bie «perfobnen , bie Sr oarbei mit feinen Slugen ge# 
feben vmbflenbtig befcbrieben, Sr wülle aucb affo vff 
feine befanbtnud, baö felbige bie Sautere warbeit leben 
vnb fterben, Sr vermaine aucb/ ba Sr jtcb nicbt in etwa« 
peinlich angreüjfen laffen, Sd bette 3b»nt »nfer £ err 
©ott noch nit gnab geben, bad Sr feine fadjcn befennen 
fönnen. 


Num, 3. 

©ertraut Äeylin ©efbin neben bem 3 u n»o ab 
bitr je. 3fl vff einfomene vnbterfcbieblicbe befanbtnuf 
^ererety halber in gefdnglicbe verbajft genobmen vnbt 
bercntmegen ben Äapferlicben fWecbten aucb ber gürftl. 
©amberg, reformation gemefj fo güet alß peinlich 
Sraminirt worben, bie befent vor vngefebr 5. 3abren 
webre 0ie von ber alten Jpojfcaftnetin in biefed Saibige 


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gafter befr^efcttei?, anfpmeifi vnb geflaUt , wie in i^rer 
Original 2lujfag »eitleäffig befebrieben , gan{} erbärnw 
lieber wtiff Verfährt morben , ho&t auch in folcber 3*** 
vnbter anbtern volgenbtr ©liffethaten begangen 

$ftrb (?rfle bette 3hr gemelte alte ^joffcaflnerin Slbentb 
bei? einer^afttrep einen mann melden ©ie Jpannfi Kumpel 
geneniiet ^rftepen vorgefielt, mit melcbem fie fo »eit 
Äbun&tffrafft gemacht , bab @te mit 3bme in 33nebren 
gelebt, ! vbrr btf 3br ber b6efe feinbt fo flarfb jugefe$et, 
bab ©ie fi<b ju 3bme ©ein ju fein verfproeben , bann 
3br bie bepmefenbte alfo flarfb $ugefprod?en , mit biefer 
verträflung, ©if folte eb tbuen, fo mürbte ©ie auch 
alfo ein ©tattlicbe frau gleich mie ©ie merben. 

3»m anbtern mehren 3br bamablb vnb bierauff von 
Sbrem ^ublteüfef, in einem ©eütel etliche golbt gülben 
jugefleit, fo aber befl ätrtbtern tagb. s. v. nur fRofffoth 
geroefen »nnbt 3hr barbep jugefprochen , bergleichen vnb 
mehrerb ju fdjaffen, folte aber hingegen (Bott im $imel 
verlaugnen, 2Ufj ©ie aber fold;eb Sßatürlicber weift h^h 

•I 

vnrecht ju fein bebunfhet, vnbt folcheb nit thuen wollen, 
bette <5r ©ie aber mit {Tiner erfdjräfblicben ver(f nbterung 
vnb betrohung bahin gebradjt, bab ©ie laiber ©ott ben 
Allmächtigen inv JPjimmek fambt allem beme roab barinnen 
verleugnet, Shren ^publa auch mit fonbterbahren in 3brer 
original Sluffag vermelbten mortt, miber bab Grfle gebott 
©otteb Slnftatt eineb gebetb verehren vnbt anbetten muffen. 

©rfttenb mehre, ©ie alfj bamahlb ein einfältige bienjt* 
ntagbt, von vornehmen weibern bahin vberfcbwefjt mor« 
ben, bab ©ie fid> in beb Saibigen ©athanb nahmen anb# 
tttfler thauffen laffen , baebei fleh auch bie Ganjjlerin 
3h r tochter Katharina , vnb ein ^erfobn fo noch am Sehen 



208 

• Befunben , ^ette audj an 3hre*H le& öon bemböeften ©eift 
ein teAftfifcB Drutenjatd>f n empfangen,, ( t , ,-jt 

Vierten« fepe ©ie auch in foldjer 3, e ‘* W»f »nbfrfcbieb* 
lieben £erenten§en unb begleichen ©rutenjufamenfhunfften, 
erfcbienen , Bep welchen ©ie bie Wenige in ihrer original 
Befanbtnuö Benente albereit tobt opbt noch lebeubtige ‘Per* 
foBnen , toarBafftig mit ihren leiblichen, Singen gffeBen» 
»nbt oBrooBl ©ie jroar viel 93bel$ ftifften fallen/, roeil 
©ie aber foldjed nit tBuen roöllen, Bette ©ie 3Br?nt ‘PuBla 
jum Bfftern 3ebtf5n>eilen einen halben fdjrdC^enbcrgcr , 
auch 3e off ein B«lh ortB juftellen möffen / »elcber ©ie 
bod) oor i 3aBr baBin genötBigt, 3&r ein ‘Pulfer jugeftelt 
barmit ©ie ein ©d)toein ombgebraebt , »nbt fonften auch 
3Brem ‘PuBla be»j foldjen teüfelifcben ten^en mehr abg6t* 
tifdje ©B« angetBan , Bette bjefeä Salier gern gebeichtet , 
aber auf beö ©athanö betroBen, ed nit tBuen börffen, 
n>6Ue alfo auf 3Bre Sluffag baö . ©6 alle$ ber SSarBeit 
gernep leben »nb fterben. ii}f . . \.,j , 

Nuro, . 

' 1 * \ J« • ■ • ■ i 

©atBarina Sagerin £ebigftanb$, eon Samberg, 
3ftauf»nbterfd)ieblich ©infommene Sefenbtnußen Jpererep 
Balber juer »erhafft genoBmmert,:;önnbt berentwegen ben 
Äapferlicben 9ted)ten auch ber färftl. Samberg. refor r 
mation getndp , fo güet alp ‘Peinlich Sraminirt morben, 
bie befennet ©ie fepe auf weift unb formb 3nBallt »Beer 
Original Sluffage nunmeBro »pr »ngefebr 10 3ahten ju 
biefem Safter ber $erercp »erführt worbten, »nnbthahe 
in folcher 3eit »olgenbe üblthaten warhafftig begangen. . 

©r ft lieber alft ©ie bamahlä ftcb in eine 9Äannft* 
^JerfoBn ^»»ttBltcb »erliebt gehabt/ auch mit /3Bme in 


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209 


»njucht geraten , ^ettc (ich. bernadjer ber B6efc feinbt in 
beffelben gefeUen geftallt, wiberumb ju 3br »erfliegt, 
welche, ©ie an feiner erfchrbfblicben SBerenberung ©rfrnt, 
barob ©ie bann b»d) erfchrocfen, bod) uff fein 3 ur{ *tn 
fntte ©ie (ich auf febreefb. ja 3bme »erfprodjen. 

3um anbtern ^ette ©it btrnacber auch »ff bef bbefen 
fteinbtd betrüben unb nbtbigen Saiber ®ott im £immel 
»nb alle ^eilige »ncbrijtlicber weiß »erlaugnet. 

©ritten$ roebre nach etlüb tagen, jue Slbenbtd etliche brr* 
gleichen £eren»^)erfobnen ju 3br fommen, »eiche nachbeme 
©ie mit 3brem «publa wiberumb Un jucht »erlebt fuh babin 
berebet, baö ©ie fub in bef Saibigen ©atband nabmen anb* 
terfler tbauffen laffen, roebre ein23eib fo »or3.3<*brtn9ta* 
türlich« tobeö geftorben bie tbaufferin, 3br totster aber fo 
»erbrent bie tobt geroefen, bamablö ©ie »on 3brtm ^Publa 
an 3brem Seih auif) ein ©rutenjeichen befommen. 

SSiertenä »or »ngefebr 4 3<*bren bttte ©ie »ff antrib 
be$ boefen feinbtö bie heiligt £oftiam Ginmabl auf bem 
munb getban, felbige »ff ber »nbtern brufben in$ SÖaffer 
geroorffen , berentroegen »eil ©ie felbige nit b^ber »erdn* 
ehrt, roebre ©ie »on 3brem «Publa roaibtlich abgefchmiert 
worben , babero ©ie 3bre gebet in ber Kirchen roiber* 
fpreeben »nbter ber elevation auch unfern Spttt ©ott, 
mit fpöttlichen ^Borten nennen »nb »eronebren mtiffen. 

' günfftenö roebre ©ie auch in folcfjer 3eit «Monatlich 
ju bergleichen |jerenten{j »nb teufelifeben jufambenfbunften 
nächtlicher weil auf einem ftecfchen gefahren, an’ »eichen 
Ortben ©ie alle bie 3enige in 3brer Original »uffag an* 
gejeigte ^erfobnen, roarbajftig mit 3b«»* Seiblidjen Slugen 
gefeben, wolle au d) alfo bad c« alle« bie $uer Sautere 
r eine SBarbeit barauff Sehen unb jferben. 

nr. . 14 • 


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210 


Num. 5- 

£elena2Ben|jelin, als beS jungen Jpöpffleinö £auß* 
fraro in ©amberg , 3ff off onbterfdjieblicbe befAnbtnüßen 
J^mrei halber juer oerbafft genehmen , onbt brrenwegen 
bf r Äapferlicben 9icd)ten gcmeß , gört unb peinlich Sra s 
minirt worbten, bie befennet baS ©ie auf toriß onb formb 
3nbalt ihrer original Stuffag nunmebro oor ongefebr 
2j 3abrtn verführt worben onb habt in fo(d)er 3®it ®ol* 
gcnbt übt onnbt ©liffetbaten warbafftig begangen. 

©rfflicber 9iad)beme ©ie {leb in fiebigemffanbt mit 
etlichen ‘Perfobntn onebrficb oergriffen, bette bernacber 
btr böefe ©eiff welcher ©ie anfangs für ein rooblbefanbte 
^)erfobn angefeben baS ©ie nad)beme ©ie mit 3bme aueb 
©nebe getrieben, ftdj ju 3bme oerfproeben, bann ©r ißr 
hingegen geUt onbt alle Dieicbtbumb jufdjaffen oerbeiffen, 
aber nichts gebauten. 

3um Slnbtern bette ©ie aueb bernadjer off beS bbefen 
©eiftS 3«eeben, auß forebt ibreä £ebenö fo @r 3br JU* 
nehmen getrobet, ©ott im J^immet onbt baS ganfje 
Jf)imblifdje .P)cr , erfcbrbfblid) onb oncbrifflicber weiß per* 
laugnet, 3b r en ^)ubta aueb bemacher; auff bie in ißrer 
original Stuffag befebriebene roeiß onb formb alß 3br<« 
©ott oerebren onb anbetten müffen , roelcber 3br aueb an 
3brem Seib ein teüfetifcb trubtenjaidten gemacht , fo ffcb 
auch atfo befunben. 

©rittenS atß ©ie nach wenig tagen, allein in ein- 
$auß §u einem Stbenttrunfb fommen, ba felbfffen ficb 
etliche bergleicben bbefe £eutb befunben, welche ©ie babin 
berebet, baS ©ie ftcb anbterffer off teüfelifdje brutemoeiff 
tbauffen taffen, SOlagbf. Samprecbtin, roebre tbaufferin, 
Dtoffbaubtin aber tobt geroefen bei welcher tßauff (ich auch 
etliche ^erfobnen fo noch am fieben ftcb befunben. 


S N 


i 


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211 


. IBtertend »or 2 fahren alf ©ie im Collegio commu- 
nicirt bette ©ie auf befelcb Bef 66efen ©eiftö bie f>eüi^e 
Jpoftiam auf 3b r * m OTunbt genobmen , foldbe 3b r f*n 
^pu^ta »bergeben, t»o (St mit hinfommen reife ©ie nit, 
»nbt reeil ©ie fonflen mebrerd Sßbelö nit fifften reöllen, 
rcebre ©ie »on bem böefen ©eijl etltcbmabl fcftr ge# 
fcblagen reorben. 

Stuf ben #erentenfcen , beren ©ie aud) »nbterfdjieb# 
lüften be»)gereobnt, pflegten ©ie bem obriften Jteüftl aller# 
banbt ab©6ttifd?e ©br anjutfuen, reie »mbflenbtig in 
ihrer original 2luffdg »ermelbtet , »nbt habt aud) bet) 
folcben J^eren »nbt teüfelifcben ,3ufammenfbunfften , bie 
Wenige 2eütb fo ©ie in ihrer original Stuffag biefed . 
Eafterd halber angeben , mit 3h^en Eeiblüften Äugen ge# • 
feben , barauf ©ie bann aud) begehre $u (eben »nbt )U 
jlerben. 

Num. 6. 

Dorothea ^Pfiflerin, ©artftel ©raunf gewefene 
SDlagbt , 3fl »ff »nbterf<bieb(i<be ©efanbtnud Sfrxxtxtxf 
halber juer »erhofft genohmen »nbt btrentreegen ben Äat)# 
ferlicben Wechten, aud) ber gärflf. ©amberg. Reformation 
gemef, güet »nb peinlich (Sraminirt reorben, bie befennet 
bad ©ie auf reeif »nb for.nb 3nbadt Obrer original 
Äuffag nunmehr» »or »ngefehr 4. fahren $u biefem Cajler 
ber #erere») »erfährt reorbten , »nbt f>abc auch in foldjrr 
3eit »olgenbte ©beltbaten rearhafftig begangen. 

Srfllidjer Wacftbeme ©ie ber bbefe feinbt juet ©er# 
fäftrung gebracht, reie folcfted »mbflenbtig in ihrer original 
Äuffdg »ermelbtet, b«tte ©ie 3bnte »erfproeften »nbt ju» 
gefagt , bad ©ie wolle fein fein. 


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212 


3unt anbtern nad» folgern ber fcöefc auch ©egertf»,. 
©ie folte ©ott im Fimmel bie (»eilige SWutter ©otteS »nbt 
alle (»eilige Sngeletn »erlaugnen, welches ©ie gaiber auf 
, fein erfd»r6ff»licbeS betrogen würffjlid» »olbrad»t. 

©rittenS , »nerad»tet ©ie »orbin einma(»l bie Gbrijt* 
licf»e tfjauff empfangen , »nbt billid» barbet» blieben fein 
fette , mehren bod» ju nad»t$ etliche 3unge burfd» ju 3br 
in bie (Jammer fommen »nbt ©ie ba(»in berebet , baS ©ie 
ftd» ins teäfelö nahmen anbterfler tbauffen taffen , Qi 
bette 3h* bero ^uftla aud» an ihrem geib ein bergleid»en 
teüfelifd» ©ruten 3«»d»en geben, fo jtd» an benenten ortf», 
auch burch ben ©charffrichter alfo ^robirt befunben. 

©iertenS (»ette ©ie auch »nbter ber elevation anfiatt 
eines Siechten gebetS, anbtere ©ngereümbe wortt, welche 
in 3t>eer original Sluffag »ermelbtet, fpred»en aud» bet 
(»eiligen #oftien bif weilten ben Starren fled»en muffen, 
Cbwo(»I ©ie fonflen auf antrib beS boefen ©eiftS etliche 
Seüt(» erlahmen, jRranfheit anhenfhen, ober fünften fd»a# 
ben jufägen folten, weil ©ie aber nit gehorfamb fein 
willen , wehre ©ie »on 3h r **n ^Pu(»lteüfel OfftmahlS 
waibtlich gefchlagen worben. 

günjftcnS weil ©ie »on 3hrent ^Juhla feine Küche 
haben fönnen, hette ©ie »or 2 3®h ren / alf ©ie $u ©otteS 
thifd» gangen , gleichfamb burd» einen Jfjuften bie heilige 
£oftia auf bem munbe gethan felbige 3hretn *pu(»la juge# 
fielt, waf ßr mit gethan wiffe ©ie nit. 

©d»liefltd»er fet»e ©ie in foldjer 3eit bep »nbterfchieb* 
liehen bergleichen ^»e«nten|en »nnb 3ufammenf(»unfften 
gewefen barbey ©ie bie 3enige in 3hm original Sluffag 
angebene ^erfohnen warhafftig mit 3hren geiblichen Slugen 
gefehen , wille auch «tfo barauff geben »nb fterben. 




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213 


Num. 7. 

SJrfula SBleibtnerin fonften #ewmenin genanbt 
3ft Hexerei? halber »ff »nbterfcbiebliche ©efanbtnupen «in# 
gegogen »nb berentwegen ben Äapferl. Steckten »nbt ber 
gürflf. ©amberg. Reformation gemep güet »nb peinlich 
©rantinirt worben.. ©ie befennet mit wainenbten Stugen 
»nb Uleüenbtem $ergen, baS ©ie »or 4 fahren 9lemb# 
lieben 2lnno 1626. bureb fine ©lannp ^erfobn fo noeb im , 
Seben »nbt auch in begleichen J^erenlafier welcberS ©ott 
»ergeiben wolle , gang erbArmblicb h»mwgebracbt »nbt 
«erführt worben , höbe auch neben anbtern »olgenbte 
SWiffcthaten warhafftig begangen. 

©rjllicber ölp ©ie Slnno 626. alp tben wegen bei 
groflS, bie grüchten alfo tbeürer worben , ©ie anbeimbi 
weil ©ie Fein ©eit onbt bod> Äorn ho<b»onn6then gehabt/ 
febr befümmert gewesen, wehre angegogene SOiunnö'per# 
fobn fo ©ie «erführt gu 3hr fommen , 3h r etwas an 
gelt gugeflelt, welcher ©te mit mehrerm »ettriflet, ba 
©ie feineö willens ^flegete , fo ©ie gethan / ©S wehre 
ober beS anbtern tagS »ermainte ^Jerfohn wiber gu 3h r 
fommen, 3br 5 thaler gugeflelt, welches aber hemacber 
Fein gelt gewesen, «nb ©ie wiberumb gum ßpebrueb 
berebet, biefeS wehre hemacber wie ©ie Saiber 3nnen 
worben ber Seibige ©athan gewepen , welchem ©ie ftd> 
»ff fein betrohen, baS ©ie wolle fein fein »erfproeben, 
bann ßr 3br barbe»; ©erpeiffung gethan, 3pr aup allen 

fachen guhelffen. ‘ \ 

" 3 um Slnbtern hette hemacber auch »ff bep boefen feinbtS 
betrohen »nb 3ureben , welcher gar erfcbrüfplicb aupge# 
fehen, ©ott im Jpimmel baS gange bimblifebe #eer, »nb 
bie heilige Jungfrau SDlaria ©ndjrifllicbet weip »crlaugnet. 

. * 

> v « 


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214 


©ritten« wehre ©ie auch »ff Dergleichen ©rutenroeif 
anbterfler gethauflft worben/ ©abl ÜJIüllerin wehre ba» 
mahl« 3hr tpbt gewefen, (Sie bette 3b*en ^ubla nu* 
©chueflecfb nennen müffen , welcher 3b r auch an ihrem 
Seih ein teüfelifch ©rutenjaichen gemalt, fo ftch auch alfo 
»on Dem naehrichter *probirt hefunben. ©ey biefer 3hrer 
t hauff, wehren noch elftere fo berfelhen beygewobnt noch 
hei lehen. *..:••• : 

©iertenö habe mehrere ©bitbaten nit geflifftet, auffer 
ba« ©ie in folget 3«t hie ^rtlt^e Jpoftia 2 mahl auf Dem 
munbt gethan felhige öor (grfl mit füefen getretten, her» 
nadjer 3hrem ’publa jugeflelt »nbt fet^e auch nächtlicher 
weil non 3hrent *pub(a ju onbterfchieblichen ©rutentenjjen, 
welche orth in 3hrer Huffag benennet, geholt worben , 
berfelhe beN* ©ie nur alfo gefchwinbtin her mitte ange» 
fajt »nbt alfo hinauf geführt/albta @ie Die Wenige Seiith 
fo ©ie in 3hrer original Sluffag angejaigt, warhafftig 
mit 3hren Seiblichen Hugen gefchen , wälle auch meinig* 
lieh »nbt 3hr gereiften »erfichert haben , Da« ©ie weber 
3br noch feinem anbtern »nredjt gethan, »nbt juer befferer 
rainigung 3bre« $er fcen« , feye 3hr auch beijgefallen, ba« 
©ie »or 1 3«hr auf antrib be« bäefen ®eift« ein tfalb 
»mbbringen müffen , w6Ue allfo Darauf (eben onb fterben. 


, , U r t h e i l 

»6er 7 Perfobnen ben 1, gehr. t630 6efd)lof[en. 

Huf (Flag antwortt auch alle« ©erichtlicbe« vor »nb 
anbringen notthuefftige erfahrung onb fowohl güet alf 
‘peinlich gethane felbft aigene ©efanbtnuf onb Huffag , 
fo befhalb alle« nach (aut bef hochwürbtigen ©nfer« 


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215 


ottcrfeitd gndbigen gürflen »nb £errn$ »on ©amberg jc; 
Stecbftneffigen Reformation befebeben > ift (Jnbtlid) jue 
rcdjt erfent ba$ ©ieben ^Jerfobnen, beren Extrahirte 
Auflagen Sub 9Io. 1. 2. 3. 4. 5. 6. »nb 7. orbtentlicfc 
angebbrt worben, »egen ber lerere» »erübter SDtiffetbate« 
3n beme ©ie Srftlid) ®ött bem Mmdcbtigen, bem gan| 
bimblifcben Jpetr erfcbrbfbHcb »nb »ncbrijttüf) abgefagt 
bem £aibigen ©atban ftcb mit 2eib »nb ©eet ergeben; 
aucb anbterö Ueb( »nbt ©nbe»l mehr geftijftet, $nfonb# 
terbeit »eil tfyeilä bie bod)bei(ige £oftiam erfcfjrofblitber 
weip »er»nebrt, alp 3Jo. t. 4. 5. »nb 6. jebe 1 mabl, 
»nb 9to. 7. j»e»mabl , alp foUe 3ebe ^3erfobn , fo ojft 
©ie biefeä Uebl begangen, »or ber <5nbtlid)en tdbtung, ! 
fouil griff mit gläcnbten 3 an 9 en gegeben , alp bann 3b** 
aller 7. G6r»er, mit bem feüer »om geben jum tobt bin# 
gerietet, »nb jur «Puffer »nbt Sff cbe »erbrent »erben. 
Actum »ffm IRatbbnup ©amberg ben 1. Jebruary 
Slnno 1630. • • 

Stidjter »nb ganzer ©djöpffen fbu^f bafelbften. 


III. ©er ©ttnb mit bem £eufel, ober arten# 
mdpige ©efdjicbtöerjdblung einefl ^crcn« 
»roceffeö ju ffieuenborf in ber Slltmarf 
»om 3flb* 1671. 

« ©ie fmftcrn 3 e ‘** n be$ Aberglauben« (tnb »enig# 
ftenö in ben »rotejlantifcfeen gdnbern grdptentbeil« vorüber, 
in benen man ^ranfbciten be« ÄbrpertS unb ©eific« für 
SBirfungen bbfer ©eifter erfldrte, unb ©tatt auf ben 
angegriffenen Ädrper unb burcb ibn auf baö leibenbe @e< 
mutb ju »irfcn , mit ben abenteuerlich™ unb un»irf< 


( 


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I 


216 

• , 

famften 9D?itteln gegen etroad ju ftelbe jog, bad nicht war 
unb ijl, ich meint/ gegen böfe ©eifler, bie benflfanfen 
befijjen füllten. SBcnn in Holland ber oerfannte ©altbafar 
©effer in feiner bejauberten Sßelt in biefem Jelbc 
menfcMicbcr ©rfenntnifj juerjt feinen 3*itgenoffen ein Siebt 
auffteefte, fo folgte ibm im nürblichen ©eutfcblanbe rühm* 
lieb Gbriftian Shomafiud, Seipjig’d ©tolj unb Jpalle’ö 
9%uhm , in mehrern feiner ©driften , wobureb er befon* 
berd bie fRechtdgelehrten jur Slbfcfjaffung ber eben fo tbö* 
richten , ald fcbdnblicben, £erenprojeffe aujforberte. 2Bie 
manched unglüeffiebe grauenjimmer würbe nicht allein 
febon wegen ©ehwdehe unb Sntjünbung ihrer Slugen ober 
wegen organifeber Äörperfefjler für eine fogenannte Jpere 
gebalten/ unb, wenn in ihrer Umgebung ein oft unbe* 
beutenber Unfall jicb ereignete/ bem, bureb bie natürlich* 
flen SWittel nicht entgegen ju wirfen, man »crhlenbet 
genug war., entweber 3 e »t Sehend in bem engjten ®t* 
wahrfame gehalten/ ober, wad befonberd früherbin noch 
After gefebah/ wenn bie Slngefchufbigte nicht bie Jeuer*, 
Sßaffcrprobe unb begleichen beflanb, auf bie fchmdblid)fte 
2lrt um’d Seben gebracht! S33ie mancher Scheiterhaufen 
loberte nicht, bie unglücf liehen ©ch(ad)topfer ju »erjehren! 

©anf alfo ben eblen ÜJtdnnern, welche babureb, bafl 
fie in’d Sicht fefcten, baft bad ©eiflerreich in feiner 
in unfre ©inne fallenben ©ejiehung jur ficht* 
baren Sßelt flehe, bie ÜRenfchh«it oon ben brüefenben 
unb entehrenben gejfeln bed Slberglaubend befreieten. 

9J?einem 3wecfe gemdfj theile ich bie Sieten Sludjugd* 
weife unb bem Hauptinhalte nad) mit, unb (affe alles 
bad weg, wad in irgenb einer Jptniübt ben jarten ©inn 
ber Sefer unb Seferinnen beleidigen fünnte. Sluch ifl bfe 
\ 


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217 


JDarfMung bem beffern ©efchmacfe unfern feiten fo viel 
als möglich/ ohne baS eigentümliche Solorit gang gu 
»erroifchen, »on mir angepaßt roorben, ba fie, tute ge* 
roöbnlich , in ben öffentlichen ©erbanblungen in beutfcher 
(Sprache ber bamaligen 3«*/ faft gang »ernachläfiigt ift. 
5Die häufig »orfommenben (ateinifchen SluSbtücfe finb mit 
gleichbebeutenben beutfchen »eriaufcht unb überhaupt allei 
roeggefchafft roorben, was bem nicht gelehrten Sefer un* 
»erffdnblich fein fönnte. 


©efchehen 2lmt Sleuenborf b. 9. Jebruar f m Jahre 1671. 

#eute ift Katharine ©tampeelS, gebürtig auS SDlöfenthien, 
»orgeforbert unb auf einige peinliche Slrtifel in ©e» 
trejf eineö ©unbeS mit bem Teufel befraget, unb ihre 
SluSfage treulich nicbergefdjrieben roorben, roie folget: 

peinliche Älagefragen, nebft Slntwort ber peinlich Shtgeflagten : 

1. Ob nicht bie peinlich Singeflagte ungefähr 14 Stage 
#or SDtartini »on QRöfenthien (nter (nach SReuenborf) 
in ben Krug, roo ftc gebienet, habe gehen wollen? 

3a. 

2. Ob nicht bei Krichelborf eine ©au gu ihr gefommen, 
barüber fie fehr mübe geworben fei, unb nicht weiter, 
als 4 ©tücfe breit, fortgeben fönnen, ba fie fleh benn 
niebergefejjet habe? 

3a, als jie gurürf »on ÜÄöfenthien gefommen, unb 
nach bem Kruge allster habe gehen wollen. SS fep beS 
IBormittagS geroefen. 

3. Ob fie nicht in folgern ©ijjen fich umgefehen habe. 


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218 


unb ctneg Wanned ttt ©eibe gef leibet , aber fef>r 
ungeftaLtet »on ftftfjen, fo 'Pferbefüfien d n l i 
getrabt geworben fei ? : : : • - .t \ 

3a, bad fei wahrünb fei alfo gefthebot. ©d fei ein 
fchwarjed feiberted Äleib gewefen , bad er angebaht; 
er babe febr garflig audgefehen, worüber fie fiel; 
entfejjet. ■ • : 

4. Ob nicht biefer Wann fie bei ihrem Flamen & a# 

tharine angerebet habe? i . , . 

3a. 

5. Unb gefaget: fie wäre eon 93ater unb Wutter unb 
»otn ^)errn Sbriftuö »erlaffen? 

3«v 

6. Ob er nicht »on ihr begehret: fte fülle jicb ib«t/ 
bent erfchienenen Wanne, mit 2eib unb ©eele er# 
geben, er wolle ihr afdbann ©elb unb Out 
genug jubringen? 

3a; bad hätte er begehret. 

7. Ob fie nicht alfofort folcbed Slnfinnen werffteßig 

gemacht, unb ©ott, ihrem ©cböpfer, abgefagt, 
unb bem Teufel ftch »erfproeben, unb wie ba6 
jugegangen fei? . 

©r habe begehret, fte fülle fagen: ich »erlaffe hie u 
mit ©ott unb ergebe mich ©uch; welcbed fie auch 
gethan unb ihm alfo nachgerebet habe. > 

8. Ob fie nicht mit bem leufel unmenfchlicfje Un# 
jucht getrieben? ju welcher 3 e »t? an welchem Orte? 
wie oft? unb auf welche Sßeife folcbed gesehen fei? 

3a, ed wäre am heil. ©briftraontage bed »erflojfenen 
1670 3abrf$ ju Ulacht in $errn Slmtmannd fRicolaud 
ßöißmannd £aufe ju ©arbelegen gefchehen , wofelbjt fie 




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' V 

219 v. 

bamal« gebient fmbe- ©ie h«&e in bet ©tube auf ber 
(Jrbe »or ber grauen 93ctte gelegen; ba wäre ber SEeufel 
gang nacft $u ihr gefommen — . 

. ,r , v , , . ' l < • . 

i " "“l - 1 ' ji'f 1 •* , 

10. Ob ße nicht ber Steufel angereijt ^«be , jemanb ' 
»oh €D?cttfrf>cn unb Sieh Schaben jujufßgeh unb um ba« 
geben ju bringen?: . , . 

<5ie hätte jjjfj m {t £ errn sßiCfmflnn« Änedjte furj »or 

SBeihnadjten be« »erwicbenen 1670» 3ahre« — 

erjürnet; ba wäre ber Teufel be« 2lbenb« in bie fleine- 
©tube, ba nientanb bei ihr, al« ein ffeineö SBMbchen, 
geroefen, ju ibr gefommen in üJlanne« ©eßalt, hätte ein 
fcbroarje« Jtleib an unb ^Pferbefüße gehabt, unb 
begehret: fte foüe ben Unecht, weil er ihr getnb wäre, 
«mb Sehen bringen, hätte ihr auch ein große« ©feßer, 
ale> ein ©dßachtmeffer , in bie Jpanb gegeben, um folche 
5£h«t ju »errichten, fie bdtte ihm aber folche« »erfaget; 
baß fie e« nicht thun fdnnte noch wollte, unb hätte ihm 
bet« SWefTer jurücf gegeben , welche« er aber juerfl nicht, 
enblich aber wiebergenommen, fagenb: wenn ße nicht ben 
fötecht ober bie SWagb umbringen wollte, fo wolle er fie 
im Jßette umbringen', ba fte ja ©ott »erfdjworen 
«nb fich ihm, bem Steufel, ergeben habe; er wolle 
ihr auch gut bafür fein , baß ihr beßhalb fein Seib wiber* 
fahren folle — womit er weggegangen j ße aber wäre feie 
bige 9facht nicht ju SBette gegangen, fonbern bei ben Seuten, 
welche Ärugbier geholet, bie jftacbt über geblieben, unb 
wäre ihr nicht« wiberfahren. ©aß ße follte bem 93ieße 
©chaben jufügen, hätte ber Teufel »on ißr nicht begehret; 
ße hätte e« auch nicht gethan. 


/ 


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220 


~\ 

- SS bitte ber JEeufel in regten ^fec^ten f tu 
nen ©i& bei ihr gehabt an bie 5 ©ierteffabre t>on 
ber 3*'t fln / ba fie ficb ibm juerfl ergeben , unb , wenn 
fie mit einigen Seuten gerebet, fo bitte er fie allemal 
im 9?acfen angefloßen, unb begehret, baß fie folTe 
ben SWenfcften ©ebaben thun, welches fie aber nicht g u 
tban ; fie wdre aber boch in folcber 3 e *t $um bfiligen 
SRacbtmable gegangen; einemalö, ba fie noch bei bem 
jfr.iiger allbier gebient, bitte fie ber Xeufel binbern 
»ollen, jum heiligen JJtacbtmable ju geben; fie 
bitte e$ aber boeb getban unb »ire bingegangen. * ; - 
, llngefibr »ot 5 Soeben »ire ber ^)riefler ju iüf* 
fingen, $err «^ermann O Iben bürg, ju ibr, ba fie im 
SDorfe Süffingen gewefen, gefommen, unb bitte ibr bie 
böfe fftachrebe, in ber fie fiinbe, oorgebalten, unb fie 
jugleicb ermähnt, ibr ©efenntniß ju tbun; ba bitte fie 
gegen ihn ben ©unb, welchen fie mit bem Teufel gemacht, 
iefannt, unb fleißig gebetet, wonach e$ gefcheben, baß 
ber böfe geinb von ihr gewichen; er wire aber felbige 
Stacht in ©romann’S £aufe wofelbfi fie bewachet worben, 
§u ihr gefommen, bitte einen ©trief mitgebracht 
unb }u ihr heimlich gefaget: «©iebe, bu bafi eS naebge* 
fagt, ich will bich bimpfen, ich will bich umbringen, 
ich will bich aufbingen;» worauf fie laut gerebet: 
«.Stein, baö will üb nid)t tbun; ich will bei meinem 
(Sbnftuö bleiben; ich bin oon ißm abgefallen, ich will 
meine ©inbe befennen. » — ©a nun bie Siebter biefei 
gehöret, bitten fie. angefangen ju lefen unb ju beten, 
worauf ber Teufel non ißr entwichen fei , unb bitte fie 
nachher feine Anfechtungen oon ihm mehr gehabt. 

11. Ob fie fich nicht oerlauten lajfen: fie wolle ben 
Ärug bterfelbfi mit geuer anflecfen? 


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■i 


221 > 


Sletn; fte bdtte bai nicht gefaget. 

(©o weit geben bie vor mir liegenben Steten be$ QJer# 
bbrü; hoch fcheint ber ©cblufj berfelben gu fehlen.) 

"1 ©er ©ecan , ©enior unb bie anbern ©octoren ber 
Suriften gacultdt gu ^elmftdöt, benen baö ^rotocoll 
von bem bamaligett Slmtmanne gu fReuenborf, Weimar 
grefe , gugefanbt woeben , um and ben Strebten gu erfab* 
ren , wie wiber bie Slngeflagte ferner gu verfahren fei, 
erwibern unter bem lüten gebr. 1671 : jte hatten ba$ 
9>rotocoll bei verfammeltem Qollegium mit gleifS ver* 
lefen unb wohl erwogen; unb erfennten barauf für 
Stecht, guvörberft unb vor alten ©ingen mit 
gleiß unb gwar in beweifenber gorm ft ch gu erfunbigen: 
SBie alt bie 2lngef tagte fei? 

•j : : 2Ber ihre ©Item gewefen? 

Ob fie (bieStngef(agte) guten ober böfen Seumunbü, auch 
2Bo unb wie jte ergogen , wobt ober übet ? 

SEBie ihr geführte* Sehen bewanbt, gut ober büfe, auch 
SBiefte ftd) bei benjenigen, wo fie gebienet, verhalten, unb 
3n waö für einem ©erüebte fte gewefen , wa* bie Seute 
von ihr gefaget, unb au$ welchen llrfachen folcbeü 
gefcheben ? 

Ob etwa einige SOtelancfjolie bei ihr verfpüret 
unb worauf folcbeö gu fdjliefen? 

. 3“ »em. fie ftch gehalten? 

Ob fte auch gu rechter 3“* beitigen Stbenbmabteü 
ftch bebient^ unb wie oft; auch, wenn folcbe* gu* 
legt gefcheben , wie fte (ich fowot in ber Reichte , 
al* ©eniejjung be* ^eiligen Slbenbmahte* begeiget? 
9?un folgen bie anbern ber Slngeflagten fchon von ber 
richterlichen SBebürbe votgelegten gragen unb berfetben 


/ 


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,/ 1 

222 1 ' 

' f 

Antworten, wieber fragweife geftellt , unb jwar in folgen* 
ber Orbnnng: Ob fie — nach öteuenborf gegangen 
(f. gr. 1.)? Ob fie — in Sillmann« Jpaufe gebienet , 
ju welcher 3ett, ob ft* bei be« Slmtmann« grau in ber 
©tube nabe an ihrem ©ette gefcblafen (f. 2lntw. 8>? 
Ob fie jich mit Sillmann« Unechte veruneiniget unb 
warum ; ob bamal« bie SeuteÄrugbier au« be« Slmtmann« 
£aufe gebotet; ob bitfelben be« Stacht« aufgebfieben ; 
ob fie , bie Slngeflagte, bie ganje 3tad)t bti ihnen oer# 
blieben; ob in be« Slmtmann« ^)aufe eine (feine ©tube; 
ob fie in berfefben nebjl einem (feinen SDtdb eben allein ge« 
fbfafen (f. 2lntw. 10)? — 9tid)t weniger, eS 
weiter, wirb ber «priefler ju fiüfftngm ei bl ich ju vet* 
nehmen fein : ob er etwa vor 5 Soeben ber Slngeflagten 
bie böfe Stadjrebe, in ber fie wäre, vorgebalten unb fie 
jum ©efenntniffe vermahnt; ob fie ben ©unb befannt 
unb fleißig gebetet; mit welchen Sorten unb Um* 
fldnben folcbe« gefebehen; von wem er bie Siachrebe g e* 
höret , unb wa« für eine Siacbrebe folcbe gewefen ? Ob 
unb wie fie barauf jur #aft ge(ommen ; wer fie inbaftiren 
(affen; ob unb wie fie bewad)et worben; ob fie be« Stacht« 
(autgerebet: 9? ein, icb will e« nicht thun; ich will u. f. w* 
(f. 2lntw. 10 am Snbe); ob bie Sdcbter folcbe« alle« 
gehöret; ob fie (bie Sdcbter) angefangen ju lefen unb 
ju beten; wa« fie, bie Slngeflagte, $u ben Sdchtern ge« 
faget; wa« ihr gewefen; wie eigentlich ihre Sorte gewefen, 
unb wa« fonfl habet vorgegangen? » — Senn auch fonfi 
ein mehrere«, heißt e« am ©cbluffe, von ihr burch erb# 
liebe *) Äunbfcbaften eingejogen werben (ann, ifl folcbe« 

*) i|l dufierji auffallcttb unb incDttfceuent. grftcre«, meil 
man »orauefocu mii^te : bie. $crßn leibt an 0tiftt<jclj®<lcbe 


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nicht ju unterlaßen , fonbern atteS in tiefer feßr btt 
ben fliehen © acf) e mit gleiß ju rrfunbigeit* Senn 
foldjed §u»6rbrrjt gefcheben; aläbann ergebet erft ihrtr 
IBeftrafung falber ober fonfl ferner, wad Strebt 4ft> »on 
Steditbwegen. . j ! i ; r. ■> ■ 5 

• 2luf bie hierüber gegebene Siuefunft bcö Slmtmanng, 
bie jebod) nicht in ben »orlicgenben Originalacten befinb* 
lieh ijt, wirb unter bem 9ten 9Bdr$ 1671 folgenbed »on 
gebaebter Suriftrn > gaculidt erroiebert: ©ecan, ©enior 
unb anbere ©octoren ber 3ttrißen>gacuttdt haben btt 
peinlichen Sieten , bie gefangene unb ber 3o‘ , beret 
»erbdebtige Äatßarine ©tampeelö betrejfenb, nochmal# 
bei »erfammeltem Sollegio mit gleiß »erlefen unb 
wohl erwogen, unb erfennen barauf für Stecht: baß 
an bem Orte, wo bie Slngeflagte eigentlich geboren, im 
ßirchcnbuche nadjjufeßen fei, wie alt fte eigentlich fei, 
unb fte ben ©eiftlichen ju übergeben , unb »on brnfelben 
mit adern gleiß unb (Jrnfl in Ootteö SBort ju unterrichten 
unb burd) fleißige# ©ebet unb Anrufung ©otteö, be# 
SlUmddjtigen , »om Teufel unb beffen ©ünbniß 
ab^ujiehen unb ju befebren, unb, wenn folehc# 
grfd)ehen , fte nodtmal# unb mit Cfrnfl ju befragen , auch 
baß jte nicht# falfcbe# , ober ba# an (ich nicht wahr wdre, 
wie fchon gef che ben, hingegen aber bie redtte reine 
SQahrhtit fagen feilte , anjuhalten unb $u bebrohen, unb 


C njicb fa felbff eben auf iWelanchoIie bingebeuttt); festere«, 
»eil man au i il)r«r eignen äuiifage entnahm : fit hübe ©ott unb 
Shriflo abgefdworen j auf »eichen eriiern fte fiel) bei jebem £ibe 
überhaupt blichen muhte, fo mit ber SC'unfcb |u ertangeubee 
Seligfeit burdt Shriftum von einem leben Gbnflen am Schluffe 
ber «brigfeitlichen Cibegformel au^brücflich auegefprochen »er« 
bea rauf. ;i. . '.;s 



224 


jrear: warum ße bei ihrer SKutter nic^t habe bleibe» 
wollen, ob fie ficb mit' ©avib ©arben grauen 
©«feilen in ©aljwebel gefchleppet; wo unb wie 
oft folcheä gefchehen; ob fie bem <prebiger ju 2Bußro» 
einen filbernen SB e cf) er geflogen; wo fie folchen 
gelaffen ; wa$ fie bafür befommen; wo fie ba$ ©elb ge» 
laßen; ob fie au$ ifjrcr Butter Jpaufe einen glor unb 
anbere ©achen geßoblen; wa$ baö für ©achen ge# 
toefen ; wo fie folche gelaffen ; ob fie mehr geßoblen unb 
wo fie e$ gelaffen ; wer ibr baju geholfen unb Stath ge# 
geben; waö fie in ihrer Kammer, n>ie fte bei ^$oac^)tm 
Cieft gebienet, alle 3 e * f gemachet; warum fie b ti 
9tacht$ im ©ette fo gepampert; wann baö Meine ÜJtdb# 
djen Katharina bei ihr gefchlafen, unb waö baö ^arn# 
pern fei; warum fie ju Soacßim 8ieß gefaget: jie hdtte 
in ber ©6rbe gebienet, ba jie hoch ba nicht bergefommen; 
warum jie gefaget; baß in ber @hrißmontag$nacbt in 
Sßillinannö ^jaufe Ärugleute gewefen unb SBier geholet, , 
bei welchen fte aufgeblieben / ba boch folcbeö nicht 
wahr fei; warum fie geleugnet/ baß fie bem Krüger ju 
JJieuenborf baö #auö. habe anftecfen wollen (f. gr. unb 
2lntw. 11)/ ba fie boch folcfjeö gegen bie 2lmtmdnninn 
SBidmann befannt, baß fie ber Teufel baju angefchün# 
bet; warum ße ju ©arbelegen in ber Slmtmdnninn ©ruhe 
nicht fomrnen unb mit beten wollen / wann baö anbere 
©eßnbe jum ©eten gegangen fei ; warum ße in ber ßlacht, 
ald ße vor ber Slmtmdnninn SBette gefchlafen/ laut auf# 
gerufen/ wie ein ©chwein; warum ße gefaget/ 
baß, wie ihr ©tiefoatcr mit einem Raufen 2Berg nach 
ihr geworfen unb geßuchet, ber Teufel ju ihr gefommen, 
ba ße boch vorher gefaget: er rodre auf bem gelbe ju ihr 


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225 


gefommen; ob bem £eufef, wenn er mit ihr gerebef, 
glommen auS bem $alfe gefommen, unb ob fte 
ihr nicht gefchabet; ob er als ein £unb bei ihr her* 
gelaufen; warum fte nicht nad)fprechen wollen: ©ott 
ber heilige ©eift; ob ihr bie3unge lahm geworben, wenn 
fte folcfjeS nadjfprechen fotlen unb warum; ob fie gefaget: 
bie Slmtmdnninn SBillmann folle fie nur geben laffen, 
ehe jte ein Unglücf anrichtete unb waS baS für ein Unglücf 
fein follen; ob ihr ihre ÜJtutter gu (Salgwebel gefluchet 
unb wie; ob fte SßißenS gewefen, bem Teufel ftch gu er# 
geben, ehe berfelbe gu ihr gefommen, unb auS waS für 
Urfochen ; ob fte ftch bem üeufel ergeben unb mit welchen 
Sßorten ; ob jie ©ott im £immel abgefaget unb mit waS 
für SJÖorten — worüber fte eigentlich unb umftdnblicb 
gu befragen : wie Der Teufel befchaffen gewefen , als er 

— ; ob er jefct in ber #aft noch gu ihr fommej 

waS er bei ihr mache ober rebe , unb wie er gefialtet fei; 
ob fte ftch nicht oor ihm entfege, wenn er fo abfcbeulidj' 
auSfebe, wie jte ibn befchrieben. — (JS ijt auch, lautet 
ber @djluß , in ber £aft fleißig auf ibr ^ trir 
unb gaffen Sicht gu geben unb fie nicht allein gu 
laffen. — SEBann nun biefeS alles gefcheben, alSbann 
ergebt ferner in biefer febr bebenflichen (Sache, 
waS Stecht ijt, Pon StechtSwegen. 

©iefeS SlechtSerfenntniß erfolgte benn enblich unter 
bem 24jten SJtdrg 1671 in ber 21rt: baß bie Slngeflagte 
nochmals von ben ©eift liehen wobl gu unterrubten unb 
nach wfpürter Srfenntniß, fluch rechtfchaffener SBuße ur.b 
©ereuung ihrer ©ünbe gum fettigen Slbenbmahle gu laffen, 
auch, wenn folcheS gefdjeben, jte nochmals ernftlich gu 
befragen: ob eS bie redjte reine Sßabrbeit fei, unb fte es 

m. > 15 

/ 


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226 


nicht erbichtet, baß fte ©ott abgefagt unb bem Teufel fich 
ergeben unb mit bemfelben unmenfchliche Unjucht getrieben. 
2Benn jte nun fernerhin babei Perbarren, unb folcheö aufö 
9ieue gefleben wirb, ift fie por ein öffentlich gebeg* 
te$ bocbnotbpeinficbeö £>al$gericbt ju flellen, 
unb jtnb ibr bafelbft ihre unterfdjiebenen ©efenntniffe noch* 
tnalö beutlicb Porjubalten, unb wenn fte auch albbann aber# 
malö babei beharren wirb, bat fie bamit baö geben 
perwirft, unb i ft if;r Körper ju n?obiP«P fc ienter 
©träfe unb Slnbern $um abfcbeulicben Grenvpel, 
gehalten ©athen unb Umjldnben nach/ mitbem@cbmerte 
pom geben jum £obe $u richten, unb nach »oll* 
fireefter Srecution ihr geib mit g cuer S u Per* 
brennen. 93on 9?ed)töwegen. Gin Urtbeil, baö injmi* 
fchen in weiterem Antrag ber furfürftlichen Slmtefammer, 
unterm 26i 3un. 1671 im lebenöldnglige ©efangenfehaft 
be* notbbürftiger illeibung unb Unterhalt per* 
wanbeit, unb babei pererbnet warb, bafj bie ^Jrebiger 
fie öftere befuchen , treulich auö ©otteö 2Bort unterrichten, 
unb forgfdftig . barauf Sicht geben follten, baß jte nicht 
»ieber pptn ©atan perftrieft würbe.» 

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Vierte 2T b t 0 e i l u n g / 

wiffenfdjaftlicfje, b»itorifcf)*pbifofopbifcbe 2lb* 
banbfungen über beit ©efpenjterglauben, 33e* 
ritftte »on merfn>ürbtgen ©eijtererfcbeinungen, 
abnbungett, ^propbejeibuitgen, fpmbolifd)en 
Ürdumen u. rc. entbaltenb. 



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* 


229 


QJorcrtittterungen. 


Jm vorher gebenben Steife h«be ich @. 251 gefagt, 
baß gegenwärtige 2lbtbei(ung in biefem brüten Jßeil mit 
ber JortfeJjung beö 3luf|'a§eö Ueber ben ©eifter»unb 
©efpenfterglaubcn in alter unb neuer 3 f ‘* tx> 
öffnet werben follte. 

Mehrere ©rünbe bejlimnen mid), biefe Sluffäjje, 
welche gerabe vielleid)t manche Sefer mit vorjüglicbent 
3ntereße aufgenommen hätten, für immer jurücf $u legen. 

SOfan fann von Gingen ber Slrt nicht fpreeben ober 
fchreiben wie vom JEramentano, unb fo ift’ö natür* 
lieb, baß auch bei ber liberalflen SBebanblung berfelben 
9)fißverjtänbnijfe , ja Slergerniffe, fe^en’d immer gleich 
nur genommene, entheben fönnen. 

©ewiß biefe verfebiebenen Sluffäjje fottten feine 5*>rt< 
fefjung, ober fublimirte Erneuerung ber ^ung’ifcben 
©eiflcr» 5Ebeorie fepn. Ca ich von bem oft genug wieber/ 
bobltcn roiflcnfdjaftlicben ‘Princip auöging, baß wir 
von überfinnlicben ©ingen feine reale Srfennt* 
niß hoben fönnen, unb bie SSJfaterie bloß literarifefj* 
biftorifcb bebanbelt f>atte; fo glaube id) nidü, baß ba# 
bureb bem ©elfter * unb ©efpenjierglauben ein SJorfcbub 
gefaben wäre. ^njwifcben, fo viele Arbeit mir biefe 


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I 


230 

• * > 

Sterbe wn AirffA|erwwf<ftbt bat — td> lege fle ohne 
$arm unb Aufopferung bei ©eite. ©elbft oon Ahn* 
bungen, ßrfdjeinungen , fpmbolifcben 5Erdu* 
men k. foll indfünftige in biefer Abteilung nicbtö mehr 
»orfommen, bamit aueb bie unberufene Deutelei niebt 
fogen fönne, ber Aberglaube möchte aud begleichen 
©«eben 93ortljeil jieben. 2öie icb alte biefe bunflen 
©acben jur ©pracbe ju bringen gebaebte, ober richtiger, 
gebracht hatte, (benn jie liegen fertig in meinem pulte) 
mürbe , menigftend meinen ©infiebten unb meiner lieber« 
jeugung nach/ ber Aberglaube feinen 93ortheil baraud 
haben jieben fönnen. Aber fo rnenig bin ich für biefe fatale 
Ipierte Abteilung ber 3auber ?93ibliothef eingenommen, 
baß ich folcbe, rcenn man bieß für nod) angemeffener 
hielte, oom fünften ZtyttU an ganj aud ber 3auber« 
SBibliothef ^guö^ufdjneiben bereitwillig bin. ©d ifl ganj 
natürlid), baß ein SBucb mie bie 3auber«$3ibliotbtf 
perfebiebene Urtheile erfahren mußte, mirflicb ich will 
Äeined Urtheil meber meijlern, noch befreiten, bad 
123 lief) mußt von unb für |t<b felber jeugen,. ©eilt 
fcbönjler 3*»*^ ift erreicht, menn ed bureb feinen 3n« 
halt bad Unglücf ber ginfierniß unb Barbarei, unb beit 
©egen bed ?icbtd unb ber {)umanitAt hiftorifcb »eran* 
febauliebt, unb fo bad bunfle 9tetd) bed Aberglaubend 
^aftifcb befdmpfen hilft, ©d miß freilich eine böfe SBfobc 
täglich mehr auffommen, ndmlicb bie, baß Qeber febreit: 
©d lebe bie Preßfreiheit unb man verbrenne 
SJen, .ber niebt fo febreibt, roieSÖirüJ — Die 
3ouber t SBibliothef wünfebt inbeß bei ihrer rein hi' 
. ilor.ifcben SEcnbenj, unb eingebenf ihred SSBablfprutbd 
Omnibus aequa , frieblicb burd) alle Parteien bureb? 


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231 


jugehen, unb felbft btcfen frommen ©cherj über eine nicht 
fefcr fromme SOfobe wirb man hoffentlich leicht einem QÄanne 
verleihen, ber burch fein ©tubiurn beä ^jerenproceffeö 
nun einmal vor vielen Slnberen eine gan§ befonbere 2lb* 
neigung vor ben Scheiterhaufen bat. 2lbet fein 2Bort ' 
weiter, fefbft im ©cherj foll bie 3«wt cr ^ ©ihliothcf bet 
spoiemif feine (Stelle vergönnen! — 

©onft banfe icb bei biefer ©elegenbeit ben einfichtd* 
»offen öffentlichen 93eurtbeilern ©er alten unb 
neuen fflfagie, fo wie ©er 3«uher*93ibliotbtf in 
ben ^allifcben, Jenaifdjen, unb 2ei»jiger 2ite* 
ratur#3 c,tun 9 e n / in ben $eibelberger Jahrbüchern, 
ben tbeologifcben Slnnalen, bemÄleirt’ifch'Scbrö* 
berifcben Journal, bem literarischen SBegweifer 
u. f. n>. für bie nachjuhtdvotte ©üte unb ben Sßeifaff, 
womit mein Unternehmen einmütig »on ihnen ift auf# 
genommen worben, fffamentlich unterfchreibe ich, wad 
ber ffiecenfent in ber 2eipjiger 2. 3» fngt: baff bad 
Unternehmen, wenn ed einen vernünftigen ©inn unb 
3n>ecf hoben folle, von ©eiten bed Unternehmer^ affen 
©lauben an Sbcurgie audfchlieffen müffe, unb bie Jort« 
fetjung ber 3ouher*©ibliotbef wirb i hm, 1 wie ich 
hoffe, beweifen, baff wir überein ftimmenber hierin benfen, 
ald er ju glauben fcheint. 


fff och benutze ich gegenwärtige QSorerinnerungen, 
auffer ben bercitd Sh* I* ber 3* 93. in ber 9Sorrebe an* 
geführten ©teilen aud Räuber, ©entler, Jean 
*Paul ic. über ben fffufcen unb bie SBünfdjend* 
würbigfeit eincd literarifdjen Unternehmend 


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■i 


232 

»icetiöan btc 3auber»93ibliotbef, gur SDlittbeilung 
fett folgenden intereßanten 2leußerung beä verewigten 
$erber’$, n>e(cf)c mir feitbem in beffen ©Triften 
(ebriftf. ©griffen II. ©ammlung ©. 96.) gu meinem 
Vergnügen aufgejloßen tfh «Sötvdreeinfebrnüg* 
licheb 2Berf , wenn 3emanb bieUBunberfucht ber 
alten (mir bürfen getroft bingu fegen — unb neuen) 
3eiten aub ihren unmittelbaren Duellen ber# 
boblte. Die SEBunberfÄranfbeit war viele 3abr# 
bunberte bin epibemifch. Äeine griccbifdje unb rbntifcbe 
SEBeiebeit »iberftanb j vielmehr fchlang biefe fid) an fie 

unb verberbte mit ibr bie ©ilbnijfe ihrer dlteften ein# 

* 

faebften SEBeifen. 93on ©riechen unb SRomern biefer 3«* 
her follte bem ^ubenthum (unb ©briftentbum) barum 
fein SSormurf über SEBunber gemacht »erben ; gumal bei 
ben Dfömern ifl von Prodigiis, Ostentis unb MiracWis 
nicht ihre alte ©efchichte allein, fonbern eben bie ©e* 
Schichte ber christlichen 3abrbunberte voll, ©ie Silben 
aber »aren geborne SEBunbertbdter. ©ie batten auö 
ber perfifchen Religion gelernt, ben Teufel auö einem 
©lieb in bab anbere gu jagen. 3m 3 e «b # Slvefla finbet 
man bagu noch bie gormulare. ©ine unbefangene ©e* 
Schichte begaßunberglaubenö ber alten unb neuen 
SBelt unb ber ürabition beffelben auö 3 £ tten 
unb Sdnbern in 3 £ iten unb Sdnber, »dre ein 
f e br nüglicheb ©efchdfte, »enn, ohne ©pott unb 
£obn alter unb neuer 3«ten, flarer 93erflanb, ©elebr# 
famfeit, unb ein menfchlicheb SOfitgefübl eb gugleich 
aubfübreten. » 

Ueber betbe erfte ©rforberniffe fleht mir fein Urtbeil 
gu. £eb festeren, — menfchlichen SERitgefüblb, 


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233 


(baö fern »on ©pott unb #obn ijl) mepne id) ntt'dj 
rühmen ju fönnen. 3d) (mb’ eö fcbon auf bem Sitel 
burd) baä Omnibus aequa ju bejeidjnen gefud)t. 
Slber »ielleicbt bab’ id) mich eben begtvegen bie unb ba 
ju fcbonenb unb jurücf baltenb auögebrticft, unb baburch 
»iber meinen SEBillen SEJlißoerftänbnijfe veranlaßt. 


I. ©eifpiel eines merf roürbigen betrügerifdjen 
©efpenfter # ©pufö. 

«!3n Ardivilliers, einer febr fcbbnen ©egenb in 
ber Picardie, nid)t roeit von Breteville, mad)te vor 
einigen fahren (um 1690) eine feltfame ©efpenflerge# 
fcbidjte ein greuliches Sdtrm. Cie gange 9?acf)t binburdj 
fdjien eS, als ob halb einjelne ©tuben , balb baS gange 
©chloß im geroer fiünbe, »nb ließ fid) aud) babep ein 
erfcbrecflicheS ©ebeul bbren, gefebab aber nur ju einer 
gewiffen 3 e i* im Sab*/ gegen Slllerbeitigen. GS ge# 
trauete jicb aud) Oliemanb ba ju rcobnen, »nb wenn ein 
Passagierer baS Unglücf batte, baß er beS £J?ad>tö ba# 
felbjt ju fcblaffen , ftd) erbreuftete, fo tourbe er erfebreeft, 
baneben auch biStveilen abgefebmieret, baß man ein bat# 
beS 3aßr bie ©triebmen an feiner $aut feben fonte. 
2ßae baS ©d)loß betrifft, fo faben bie umber toobnenben 
©aroern natürlicher 2Beiß noch »iet mehr. Cenn balb 
batte einer gerabe ein Cuget femrige ©eijter in ber Sufft 
über bem ©d)loß einen ©aroren # Sang batten feben: 
Gin anberer batte auf einer SBiefe bepm ©d)loß , ich 
weiß nicht wie »iet Presidenten »nb ©erid^tö|>crrit in 


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234 


rot^cit »nb unffreitig femrigen Kleibern gefunben, bie ba 
im Äreifj gefeffen, »nb über ben £obt eined ©belmannd 
beffelben Sanbed, bem »or bunbert 3a^ren ber $alß roar 
abgefebnitten morben, ©eridjt gebalten batten. 9tocb 
einem Slnbern mar bed 9?acbtd ein ©beimann »nb 33etter 
bed Praesidenten , bem bad ©ebtof gehörete , mit ber 
gram eined anbern »on Steel in ber ©egenb , fo man auch 
nennete, fpafjierenb begegnet. 5)?an beliebe aber biebei 
ju merefen, baß biefer ©betmann »nb fotbane Dame an* 
noch bei) Sehen »nb guter ©efunbbeit ftcb befinben. 3a 
man molte nod) baju fagen, fie habe ftcb » 0 » befagten 
©beimann caresiren laffen, »nb fepe bernacber nebfi ihrem 
Galant »erfdimunben. Stlfo batten noch »iele anbere bie 
Sßunber bed ©cbloffed d’Arvilliers gefeben , ober junt 
menigjten alte ba»on fpreeben gehöret. » 

«©iefed ©efpenfter ^offenfpiel mdbrete »ier, fünff 
3abre, »nb tbatc bem Praesidenten »iel ©ebaben, bie* 
weil er fein Sanbgutb feinem fpadjter um ein ©pott*©elb 
mufle laffen. ©nblid) aber entfcbloß er ft d)/ biefer ©au* 
feiet) ein ©nbe $u machen , inbeme er aud »ielen Um* 
ftdnöen ald ein gefebeuter ©aoaltier fddoße, baß mobl ein 
ItfHged günblein babinter jieefen müfte. ©eßmegen fo 
reifete er um Stlterbepligen auff fein 2anb*©utb, legete 
fid) in feinem ©ebloß $u 33ett, »nb behielte in feiner 
Kammer nod) jmep ©belleute »on feinen 3tn»ermanbten 
bei) ftcb, bie jtd) entfdjloffen batten, beptn erfien 2erm, 
ben fie böreten, ober bet) ber erffen ©rfdjeinung mit ©egen 
»nb ^piftoblen auf bie ©eifter log ju geben. SEBie nun 
bie ©eifter alted miffen , alßo muffen fie altem Slnfeben 
nach auch um biefer 3urüftung, »nb ließe ftcb wobt feinet 
' ba»on feben , benn jte fürchteten ftcb für bed Praesidenten 




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235 


feinem Seift, intmaffen fie wohl wuften, baf er ftdrFer 
pnb flüger war , ald fie. ©efjwegen jogen fie nur in 
einer Kammer über ber feinigen betten herum, bep welchem 
©etüfj bann bed spaebterd gfraw Pnb J?inber gu ihrem Jperrn 
liefen , pnb ifjne guffdllig batben , er müchte bod> ja 
nicht in bie Kammer hinauf geben. Sieb, Monsigneur, 
, Monsigneur , fdjrpen fie , waj? ift menfd)lid)e ©tdrfe 
gegen ©eifter? ©er £>err pon Fecacour wolte aud) ein* 
mablen bergleidjen unternehmen, er fam aber mit einem 
perrdefeten 2lrm wiebe». Monsieur de Vurselles wolte 
ebenfalls einmabl tapfer tbun, er mürbe aber mit einem 
häufen $eu überfchüttet , onb wäre ben folgenben Sag 
febr franef. ÜJtit einem üßort, fie erjehleten bem Prae- 
sidenten fo »iel bergleichen Exempel , baß feine greunbe 
nicht molten , baß er felbjl en fich bep bem ©eift in ©efahr 
fegen, fonbern ed ihnen alleine überlaffen folte. ©eß* 
wegen giengen fie benn bepbe hinauf in bad groffe 3immer, 
mit ber ^Hjlohle in ber einen, pnb bem Sicht in ber an* 
bem £anb, unb laßt und nun büren, waß gesehen.» 

«Stnfangd, ald fie in bad ,3immer traten, fahen fie 
weiter niebtd , ald einen bitfen fchwefelhaften JRauch, 
benebfi einem h ie Pnb ba fchnell aufbligenben gewer, 
pnb warteten nur biß er fid) »ertheilete, ba fie bann ben 
©eift gang furios in ber mitten flehen fahen. @d war 
ein gang fdjwarger Keiner ^icfel * Jfjdring , wcldier ein 
häufen frumme ©pringe madjte, aber Pon wegen eined 
auffd neue entflehenben gernerd Pnb groffen ©ampffed 
ihnen mieberumb aud bem ©ejichte fam ; er hatte babep 
grewltche ^ürner auf bem £opff , Pnb einen gefährlichen 
©chweif, mit einem 2Bort, ed war re<ht waß erfdjretf* 
liched Pnb gefpenflerhaffted , baß auch einem pon ben 


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236 


gween Cavallieren ber ÜJlutb entfaden »ölte/ »nb gum 
anbern fagte: ©d t ft wag U ebernatürliche d* 
Äomrnt, laffct Und geben! — ©iefer aber n»ar 
beherzter, fo roolte er auch nicht weichen, fonbern fagte: 
Stein ! nein ! ed ift nur ©chweffel »nb Stauch »om ©tütf# 
3)ul»er, »nb nichtd Ungemeined. 3a, ed fann ber ©eijl 
felbft feine Äunft nicht einmabi recht , benn fonft bdtte 
er und tt>obl bie Sichter außgeblafcn , » 

« ©arauff fo rücfete er auff bad ©efpenfl |>er^^afft 
an, wiUend ibme eine ^pifloblen *$ugel gu fchencfen; er 
gieblete auch mit groffer Contenance »nb feblete nidjt; 
mujte aber erflaunen, ba er fabe, baß bad ©efpenfl nicht 
fiel, fonbern »ielmebr umfebrete »nb (ich gegen ibm fejjete, 
ba er benn fafl felbft ein bidgen furdjtfabm worben wdre. 
©och er ermannete ftch allegeit wieber, geroiß übergeugt, 
baß ed feine ©efpenfter gebe , »nb baß ed folglich fein 
©eift fepn fönne. 53nb roie er fabe, baß bad ©efpenfl 
{ich nicht erfübnete, feiner fernerd ju erwarten, fich auch 
hütbete, baß ed nicht mochte angerübret werben, ent# 
fd)loß er jid) , ed auff einmablen feft gu faffen , um gu 
feben, ob man ed fühlen fünne, ober ob ed einem alfo# 
halben unter ben Jgjdnben »erfd)t»inbe. 2Bie er nun aber 
bem ©eift tapffer gu Seibe gebet, »nb aUgu nabe fommen 
will, entfpringet er gum 3‘mmer btnauß, »nb fdbret 
eine fleine 2ßinbel*$treppe hinunter.» 

«©er ©beimann aber flugß hinter ibme btt/ »nb 
Idffet ihn nicht aud ben Slugen , ob er gleich allerbanb 
Sßege burd) ben ©arten nimmt , fonbern lauffet ihm, 
ftetiglid) eplenbd nach, biß bad ©efpenfl an einen Sßteper# 
hoff fommt, welchen ed offen flehen ftnbet, ficb ba bi«' 
(in wirfft, »nb auf folrfje 2ßeiß »erfchroinbet. ©d flür# 


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237 


i 


fett aber juoorn erft gegen eine 9D?auer , wo ihme ber 
öbelmann fo gar nabe war , baß er eS »ermepnete $u 
gafcben, »nb lief ihn alfo gang confus »nb curios 
fielen. » 

« 2ßie er eS aber alfo ^atte fallen feben , bleibet er 
gleich fbiffe flehen, ruffet aifbatb Sfeuthe, bie ba an bent 
Ort, wo baS ©efpenft fcbien »erfcbwunben ju fepn, gleich 
graben folten , ba er benn halb eine Übüre $u einem 
verborgenen @ang ffnbet , fo man inroenbig, nacbbeme 
man b»n*>tt gangen war, mit einem Spiegel jumacbm 
fonte. Sr fteiget hinab »nb ftnbct ben ^pücfel^äring, 
nebft guten IDJabragen, welche macbeten , baf er nicht 
hart fallen fonte , wann er über ÄopffS hinein fprange. 
©efwegen fo hafcbet er ibne , »nb jaget ihn herauf. 
©aSjenige aber, fo ihn ju einem ©eijl »nb wiber ben ’ 
^öiftohlen # ®chuf , fo ihn würflich getroffen, fefte ge# 
machet hatte, war eine berbe, baju jugerichte Ochfenhaut, 
bie ihme an bem gangen £eib fünftlicb gerecht gemacbet 
war. ©er Starre geftunb auch gleich alle feine ©tücfgen, 
»nb würbe wieber fort gelaffen mit ber ©ebingung , baf 
ber spacbtmann, fo »om gangen #anbel bie ©chulb trüge, 
feinem #errn , bem Praesidenten, alles baSjenige, nach 
bem guf , fo baS Sanb#@uth »or ber Srfcbeinung ein# 
getragen hatte , »on fünjf fahren her gut thun mufft. » 

Monsieur Oufle (mir werben bief ©ud) fogleidj 
in ber folg. 2lbth. Num. I. ausführlicher betreiben) 
SCh- 1. 1617. 


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I 


* 238 


3d) ^a6e biefe ©efcfjichte in ber SlBflcfjt mitgetheift> 
um ju jeigen, wie weit bei angeblichen ©efpenfter* 
erfdjeinungen ber ©puf, bie SEdufchung, ber 
betrug, ber Jfobolbiömuä möchten mir fagen, 
bisweilen getrieben werben fann. 3n ber SEßat, 
inan muß bie 93efonnenheit unb ben OTuth biefeö ©bei# 
ihtannä ju jener 3 £ it, baSBeife unb Xhoren im ©efpenfter» 
glauben befangen waren, bewunbern. ©aß er bie $df* 
fung nicht verlor, afö bieitugel, von ber er wußte, 
baß |1e getroffen hatte, baö ©efpenft nicht nteber jlrecfte, 
war fchon viel , noch mehr aber verbient bie Ueberlegung 
S'ob, womit er ben ©aufler verfolgte , unb baß er (ich 
itn 2lugenblicf be8 93erfchwinbenö, ba ber ©eifl feine 
Sache wtrflich recht fünffach machte , nicht verwirren , 
ober betduben ließ. 93on t>e$ Sbelmannö aufgefldrter 
©enfart unb richtigem Urtßeil jeigt auch ba$, baß er ba$ 
©efptnfl ju berühren unb anjufaffen fuchte. Sin 
tteber$eugungö*9D?ittel, baö Ghrifiuö felbft feinen 
Jüngern fchon vorfchlug, ba ft« ihn nach feiner 2(uf* 
erfteßung für ein ©efpenft ju halten Suff geigten. 
Suc. XXIV. 38. 39. ©aö ^Berühren, baö 2lnfaßen 
unb gühfw ift bei fogenannten ©eiffererfcheinungen bifc 
Jpauptfache , bie aber gcrabe au$ einer freilich fehr 
verjeihlichen natürlichen ©cheu beinah’ immer unterlaßen 
wirb, unb bie jicberfle 'probe, ob man einen ©ei fl, 
pber einen Körper vor fich hat. 


Seiber ift biefe 'Probe auch bei ber nun folgen ben 
©efchichte Num. II. nicht gemacht worben, ba fte ba» 
burch vielleicht auf einmal aufgefldrt worben wdre. ©enn 


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239 


auS Fünftlidjem ©etrug , ober unfreiwilliger fSAufcbung 
fann bod) atfein aud ) biefer ©puf nur crfldrt werben , 
unb gehört infofern mit Num. I. büd)ft ivabrfcbeinlidj 
unter ©ine unb biefelbe Äategorie. 

©iefe feltfame ®efpenjtergefd)id)te ift mir faft ju 
gleicher 3eit von jwei ©eijtltcben in unferem Sanbe 
mit bem äßunfd) überfebieft worben, fo(d)er eine ©teile 
in ber 3°nberj©ibli otbef einjurdumen, wobei ber 
eine von ben freunbfdjaftlicben ©ebern auSbrücflid) be* 
inerFt, baß biefe Slctenjtjütfe nod>. nirgenbS ' gebrueft 
. fepen. ©iefj war mir um fo .angenehmer ju vernef>men> 
ba idj in ber SEfmt mit ber neueren ©efpenfters Seetüre 
fo wenig vertraut bin, baß ieb in bem 2lugenblicE uid)t 
einmal 3ung’S ©eifterfunbe bei ber ^>anb fmbt^ um 
wegen biefer ©efebisbte barin nacbjufeben. 3d) leifte 
Ijiemit alfo bem an mid) ergangenen SÖunfcbe ein ©enüge» 
2lußer ben *Paar fragen ju ben 8'r«3 m beS mir un * 
beFannten *prorectorS, f>ab’ icb weiter feine ©emerfungert 
$u beibert Slctenftücfen machen mdgen. ©ine abentbeuer* 
liebere ©efpenftergefebiebte ift mir nod) nie vorgefommen. 
©3 banbeit ftd) f>ier niebt von ber febneß vorüber gebenben 
©rfebeinung ©ineS ©efpenfteS; fonbern von einem 
3al;re langen Äommen unb 2Dieberroeggefm -ic. einer 
ganjen ©efpenfter*f$amilie. (©enn baS Fleine ©e* 
fpenjtdjen war bod) wol ber beiben Slnberen Äinb ?) Unb 
waS baS ©eltfgmfte ift, unb weber nach fatfjolifcber , 
noch protejtantifdjer ©efpenftcr^^beorie, ift baS, baß 
baS ©ine von beiben ©efpenftern , ber SOtann, ver# 
bammt, unb baS Slnbere, bie 5 rau / ffüg i u f e 9 n 
fdjeint, unb baß ©eibe bod) 3aljre lang a^uf ßinem 
g (e cf neben einanber fpufeit unb sie Sebenbigen beunrußü 


/ 


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240 


i 


gen. Unb benrt ber 3wedf ber ganjen (Jrfdjeinung? 

£aben , möchte man habet fragen , auch bie ©efpenffer 
ihre Saunen? ©ie ©ad)e muß ju ihrer 3*‘t ungemeineg 
Stuffeben gemacht haben. Um fo mehr ift ju bebauern , 
baß jte nicht grünbltdjer unterfucht worben tft. ©a |!ch 
unter ben ©ubfcribenten ber 3* ®. mehrere acbtungg* 
»tirbige SfJfdnner aug ber bärtigen ©egenb beftnben; fo 
barf ich vielleicht einer gefdlligen ndberen ÜÄittbeilung 
barüber entgegen feben, ndmlid) mie ftd) ber ganje 
©puf enblicb aufgefldrt hat. Jperr .fjahn fchreibt 
mit 93erftanb unb man fann ihn feineöwegg einen ^ban* 
taften nennen, auch bie fragen beg sprorectorg jetgen 
»on Sinjtcht, bennoch ift bie ganje Grfcheinung fo menig 
umjtchtig unb ernfl unterfucht , unb überhaupt »on ber 
2lrt, baß fte ung um feinen ©chritt in unferer ©inftcht 
in bag ©eifterreich weiter bringt, (wag überall ber 
SSernünftige »on ©efpenjtergefchichten auch 
nicht erwartet) unb »on ung jundchit nur in ber %bt 
ftcht mitgetbeilt wirb, um, wo möglich, beftimmtere 
Sluöfunft barüber ju erhalten. — ©em ©efpenfterglauben 
werben biefe ©eifler feinen SBorfcbub tbun, unb wag 
ju feiner 3 c *t wie biefe ©efchichte SEauffenbe in ©chrift 
unb 9febe befchdftiget unb intereßirt hat, bag barf bie 
3. 93. alg in ben ^reig ihrer Unterfuchungen unb b‘fU> # 
rifchen ÜJfittbeilungen gehörig, betrachten, unb nach ben 
barüber »orhanbenen Steten ndberer Prüfung unter* 
werfen« 



% 

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24 1 

II. £>ie ©eifter^amilie. 

(gine abenteuerliche ©efpenftergefcbichte au$ neuerer 3ett. 


JÖodjehrwürbiger unb .hochgelehrter , 
mein infonberd .hochjuoerehrenber ^)r. Prorector! 

JOie 33egierbe in einer fo oft beftrittencn ÜJtaterie at$ 
bie Grfdjeinungen ftnb, auf einen geroiffen ©runb ju 
Fommen, h«t (Jw. .£)ochehrwürbcn ol;nlängft oeranlaßt, 
mich mit einem angenehmen ©d)reibcn ju beehren. S)enen# 
felben ifl bie ©rfdjeinung, bie ehemalö in meinet SSaterö 
.£)auß gefehen roorben, unb fo »iel Sluffehenä »erurfacht 
auch befanbt roorben, unb ©ie roünfdjen oon mir eine 
müh?« juoerlAßigere fftadjricht oon biefem Vorgänge, «nt 
vielleicht baburch beftimmt ju roerben , biefer ober jener 
liypothese unb SERe^nung ber ^P^tlofophen bepjutretten. 
3d) roünfchte im ©tanb ju fe^n, burch eine auäführ* 
liehe ©rjehlung £>ero 2ßißbegierbe ganj jtillen ju fünnen, 
allein noch jur 3 e * t /- fabe mid) wegen Üflenge ber ©e* 
fdjdfte außer ©tanb benenfelben eine jufammenhdngenbe 
relation ju überfenben, ba mir jumal mein eigner Stuf* 
faj, roorinnen allcö , roaö ftd) von 3 e »l ä u <3 flt juge* 
tragen, angemerft hotte, »erlobren gegangen,, unb bie 
©efchichte biefer ©rfdjeinung überbent aud) fehr roeit* 
Iduftg ift. 3d) begnüge mich atfo , unb muß biefelbe 
bitten , fid> einftroeilen mit einer unb anbern annectote 
begnügen ju laffen , biö 3 e 'l unö Umftdnbe mir ©elegew 
heit geben, ben ganjen Verlauf ber ©adje aufjufegen. 

2ln ber ©croißbeit biefer ©rfdjeinung ift fo roenig ju 
jroeifeln, baß man fonft genötigt würbe, nicht nur fdmtliche 
in. 16 


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242 


J^auSgenofTen meines ©aterS #außeS, fonbern oudj 3 
biß 400 SWenfcben , bie eS gefe^cn $u hoben Bezeugen , 
notßwenbig $u lauter ^Pbantaften J« machen. $i) wenig/ 
flenS, ber icb f eine ©egenwart fo oft gebürt unb ge/ 
feben , bilbe mir ein , jebeSntal in einer foIcBen gaffung 
ber (Seele gewefen ju fepn, wobep fein ©lenbwerf ber 
©innen, ober einer ersten Ginbilbung mid) betrügen * 
fönnen; bann wann 3emanb begierig gemefen, hinter bie 
Sßabrbeit ber ©acbe ju fommen, um einen mabren 3eugen 
abgeben ju fünnen, fo war id? eS. 3dj felbfl jweifelte 
anfangd (inbem bie ©efdjicbte furj »or meiner Stnfunft 
»on £alle angegangen) unb bemübete mich atterfe^ natür/ 
liebe Urfadfen anjugeben, bie baS ©etöfe unb foltern im 
$auß oerurfacben fünnten , bann im Stnfang war feine 
©rfcbeinung $u feben. Stilein, icb mufle enblicb oft felbfl 
famt meinen ©rünben baoon laufen. 

9lacb Verlauf »on einem 3abr würbe ber *poltergeifl 
flibtbar, unb man entbecfte, baß eS 3 »erfdjiebene ©e/ 
ftalten fepen, eine fdjwarje unb 2 weiße, beren eins 
mittlerer ©röße, baS anbere aber bie ©rüße eines 
3jdBrtgen ÄinbeS fyatte , jebodj war lejtercS feiten ju 
feßen. 5Son ber fdjwarjcn ^tgur fonnte id) meines Orts 
nidjtS weiter febcit, alß einen betten ©cbein, ber bem 
©cbein dnlicb ben ein (Spiegel »on jtd) wirft, wann bie 
©onnenftralen bineinfalten. üflein ©ruber aber, ber »on 
biefen ©eiflern beftänbig geplagt würbe, »erjtcbert, paß eS 
eine lange febwarje büßlidjegigurfep, unb baß baS geuer 
baS anbere fä&en, auS beffen ©ruft beroor lobere, man 
fünne aber fonfl fein menfcbltdjeS ©e|lebt an ibm wahr/ 
nehmen, ba er boeb oft wieber unb neben ibm geflanben. 
@o »erhielte eS ftd> aud) mit benen weißen Figuren. 3d) 


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243 


fonnte nichts als eine mittfere weiße gtgur ohne ftopf 
ttnb fließe fe^en. ÜRein ©ater »erftchert eS aber einmal 
in einer fo feinen ©ejtalt unb ©efichtSbilbung gefe^en 
ju b«ben , bie einen erghgt habe. Körper ift burdj* 
fichtig, fo baß man bie ©äume unb ©ewäcbfe im ©arten, 
(wo eS fleh am meiften aufgebalten) burd? feinen Körper 
fcben fönnen, biefe subtilitaet beS JthrperS ift aud) mol 
ber ©runb, warum eS bep oerfchloffenen Spüren in bie 
SBoßnungen fommen fonnen, unb ftcb halb jtchtbar halb 
nnfühtbar habe »crfleilen fönnen. 

©S bat eine Sprache, fowot ber fdjwarje afß größere 
Sßciße. ©rfterer, wie mein ©ruber »eriichert, bann 
mit bem rebeten jte nur allein *), fo oft auch mein 
SSater fte nötbigte, jureben, fpridjt eine bonnernbe unb 
fürdjterlidje lejtereS eine, wie auS einer Xiefe beroor* 
fommenbe unternebmliche ©prache, nach bem ©Ißaßer 
accent, min oor mein, fnnte »or feinte, gen »or geben, 
©ie werben fagen, waS rebete er bann? fRur immer 
»on feinem Sinliegen. Qi fagte einftmalen $u meinem 
©ruber, ben eS in ben ©arten ju fomnten jwang, auf 
feine Jrage: waS eS wollte? id) l;an birS fan wollen, 
baß idj bir meinen ©d)a| ßinte um 11 Ußr gen 
will, als er hierauf antwortete, wann ti feinem ©ater 
erlaubte mit ju gehen, fagt eS: fRein, bein fl ein 
©rüberlein (bamalS ein Jttnb oon 3 Saßr) nn ft 
bu mitnehmen, ©in anbermal dchjete ti , unb ant* 
wortete meinem ©ruber auf bie grage: waS ihm fehle, 
mit ben Sßorten, eS i ft mir fo webe! 3ulffct fam ei 

*) £>ae i(t fdtfant. 5ö a r u m rebeten de nur mit bem 
allein? Söarurn feilte ber gerabe ben Schott hohen! 
.paben bieSeifter auch Saunen? — 


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244 


normal ju meinem ©ruber in ©cfelffc^aft beß Fleittcit , 
anß ©ette, roccftc tt>rt unb fpradj: id) ßaan birß fciatt 
mollen, baß min 3‘* uö iß *), i d) fann birg ijt 
nidjt me^r gen, aber cß fommt bie 3 e »t/ baß idj 
birß bodj gen fann, von bießcr 3^ an, »erließ eß 
unßer SZBoßnßauß, unb ließ fidj, bodj ttidjt me^r fo oft, 
nur im ©arten fet;en. 

©ie roeiße ©eißer mären gefcllig unb freunbfdjaftlidj, 
fte erfdjreften Sfticmanb mit gleiß, ia baß größere marnte 
oft meinen ©ruber »or bem fdjmarjen, ber i^m un* 
roißenb über ben .fjalß fommen moßte. ©epbe batten 
audj feinen Abfdjeu am ©ebetf» unb ©efang. ©ann biefem 
fidußt. ©otteßbienß, in meldjem meine gamilie bamalß 
i^rc beße Aufmunterung unb £roß fanbe, moßnten ße 
oft »om Anfang biß ju Snbe be»>. ©er fd>marje aber 
iß ein feinbfeliger ©eiß, ber gern erfebröeft, unb baß 
»erbrüßl. empßnbet, maß miber baß ßieidj beß gürßen 
btr ginßerniß ßreitet Alß meine gamilie einft ben 
©erß fung;. ©eien SßJdrber, alte ©dßange, jog ber 
fdjmarje einen fürcbterl. ©treidj gegen meinen ©ruber, 
ber aber auf baß ©cfdjrep meiner SJiutter ßdj bü fte, unb 
bem ©treidj entgienge. 

©er meiße ©eiß ein befonbereß Vermögen auß 
ber (Entfernung im SOfenfdjen ju mirfen, unb baß aufß 
ßdrfße. 3 U »erfdjicbenen malen molltc cß meinen ©ruber 
im ©arten fpredjen ; eß »erurfadjte ju bem (Enbe eine foldje 
©eflemmung auf feiner ©ruß , baß er genötigt mar , 

£inauß ju geben, um frifdje £uft $u fdjöpfcn, ba cß bann 

. ✓ 

*) meine 3 eit au« i ß — £>iefi flingt nach bem gant 
gemeinen ®efpen|terglauben. Unb roarum frrachett fie boeb mit 
mit bem SBater unb bem ®tiefileller nicht?!? — 


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245 


fo glctcfj bet; ißm geweßen. ©ep «Dfct« gefelfigen unb freunb* 
fdjaftf. Sßefen beö Seißen gegen bie SSttenfcßen, fo ift bod) eine 
fo natürf. Sfntipatßic jwifdjen beiben, baß man feine naßc 
©egenwart nid&t fange auöfleßen fann, bann fie »erur« 
fad?t felbft benen , benen eö unjtdjtbarer 28eiße naße iff , 
eine fofeße ©effemntung beö ^erjenö/ bie in ©djweiß, 
unb eine 2frt oon Oßnmacßt audbridjt. - 

3d) will »or ijt mit biefen wenigen ©emerfungen 
fdjlicßen , idj jweifle tiidjt , Gw. ,£)od)eßrwürben werben 
aud bem wenigen Sfnfaß genug ßaben, oerfeßiebene ©c* 
Pachtungen anjuftclfen. ©olften ©iefelben rioeß einige 
Grfduterung bebürfen , über ein unb anberen spunct ; 
fo erwarte ©ero gütigen ©efeßf, ben td; midj ju ©cro 
grcunbfcßaft unb ©ewogenßeit beftend empfehle, unb 
mit wahrer #ocßfcßü{jung bie Gßre ßabe ju fagen 

Gw. $ocßeßrmürben k. je. 

Äircb&eim, beit 4ten Juli 1772, 

£af>n. 

P. S, Um mir tticHeidßt in biefer ©ad)e QHüße ju 
erfparen, wünfdjte, baß ©iefelben biefe correspondenca 
nor jtd) beßieften, Dann ©ie fünnen nid)t glauben, wad 
id) feßon in bießer ©adje feit »ieten 3aßre« feßreiben unb 
«Den müffe. 


g r a g e n. 

1) 3n welchem 3«ßf bie Grfdjcinung überhaupt ßd) 
ßoren unb feßen faßen? 

3m Sluguß 1757. 


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246 


2) 2Gfl« fie aufgepört? 

Oie ©rfdjeinung in unferm SKobnbauP bat ad 65 aufge* 
$6rt, man bemerft eS aber noch bann unb mann im ©arten. 

3) Ob mit ber Slbreipe beS #rn. ©ruberä auf ba$ 
Gymnasium? *) 

9tod> oor ber Slbreipe meines ©ruberS. 

4) Ob er bafelbft auf Unioerfitdten unb natbber feine 
weitere Slnfedjtung gehabt? 

9?ein. . , 

5) 2Bie alt ber #r. ©ruber bamalS gewepen? 

12 3abr. 

6) Ob bie ©rfcbeinung audj bep üage gefdjepen? 
©in ganzes 3apr burcb fonnte man eS gu allen ©tun* 

ben beS Stags feben, bann eS war gar oft ein ©aft 
bet? bem ÜRittag *£tfcf;. 

7) Ob nidjt ju einer 3abrS 3*it/ ober bet; bem 
SBedjpel beS üRottbS mehr als fonflen? 

Um bie Advente unb Jaftenjeit mehr als fonft. **) 

8) Ob fte juweilen plöglid; im 3immer unficbtbar 
geworben finb, ober ob fte immer berauSgegangen? 

ÜRan b«t febr feiten f. Slnfunft ober äßeggepen an 
ben Stbören »ermerft. 

9) Ob ber fcbwarje aucb wol allein erfdbienen? 

©ebr oft, bod; nicbt mehr als 2 mal im Sßobnbaup , 

wobl aber im ©arten, unb bem nabe habet; aufgebaueten 
neuen £aup. 

10) Ob er immer bet; bem Sßeipen gewepen, fo oft 
er erfcbienen? 

*) £ine febr »erftdrtbige gra«e , wie bie betbett fplgrnbett. 

**) @oHte bie# wirtlich ber galt sewefnt fepn ! iß bie# gar (u febr 
nach bem ©open» bcö ©efpeitßerglaubetrt. 


i 

/• 


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247 


Vid. Res. praec. 

11) Ob auch anbere 8eute ben £on unb Saut gehört 
unb »crftanben haben, wann fte gerebet? Ober ob fle 
nur gerebct haben, wan ber #r. ©ruber allein geweßen ift? 

SRein, nur mein jüngerer ©ruber, ber ben anbern 
allenthalben begleiten mußte *). 

12) Ob anbere Seute auch bemerft baten , baß ber 
eine ©eift fchwarj war ? ober ob fte nur alle einen bloßen 
Schein unb Schimmer gefeben buben? 

Oie SDfeiften haben nur ben feurigen Schein gefeben, 
Slnbere aber auch bie ganje begliche gigur / turch beren 
einßtmaligen Slnblicf ber 3^arf>tn>dcf)ter im Ort fo er* 
fdjrocfen, baß er »on Stunb an, ein epilepticus ge* 
worben. 

13) Ob ber weiße ©eift nicht erjeblt habe wer er 
fetj , wo er ftch aufbalte , unb warum er ben ©cbaj nur 
bemJ^rn. ©ruber jufommen laßen wolle? 

Dfiein, außer baß ihm einmal im 5£raum »on 
bem SEÖeißen gefagt worben **), fte ftp bie grau 
beö fdjwarjen. Oiefer ©chaj fer? barnalö oerborgen wor* 
ben, alö bie ©panier bie spfalj ruinirt b4 ttcn / 
SOlan n wollte nicht haben, baß et ben ©djaj befomme, 
er befdrne ihn aber boch noch. 

14) Ob er feine Urfache angegeben habe, warum 
er allein mit in ben ©arten geben folle? 

9lein! 

15) Ob er ben «piaj beS ©chajjea im ©arten nicht 
habe beftimmen wollen? 

*) ®iefc fdjeiut i« bet ganten ©efdjidjte.ber widjtigite ^unct tu f<o«. 

**) @ef«gt worben — Äonnte beim bao nidjtein gant na tut« 
lief) et Ztanra fetmt 



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248 


Oer sptaj ip »ottfommen bePimmt, inbent etnflcnö 
mein ©ruber beß Pfacptß »on bem meipcn ©eip abgepolt, 
unb an ben spiaj geführt mürbe* (Sr peng faum an $u 
graben, fo fam ein ÄdPgen »on opngefebr 2 ©cpup, 
»ben unb neben mit Jpanbgriffen aufß jierlicppe gemadjt, 
jum ©orfdjein. Oer fepmarje aber fam auf baß meipe 
loPgefcpopen , Piep eß in bie Cuft mit einem betten ©e« 
fdirei? , roorauf baß ÄdPgen mit einigem ©et6pe anpeng 
;u pnfen, ohne bap eß mein ©ruber pdtte galten fbnnen, 
in ber £uft aber entpunb ein fo entfejlicpeß ©etöfe, 
gleich alp man alle ©dume im ©arten jufammen geripen, 
unb jertrümmert mürben, rcorauf ber ©cpajgräbcr bie 
glucpt genommen. *) 

16) Ob man niemafß gegraben pabe? 

9febp jenem mal noch »erfcpiebentlicp am £ag. ©er 
£err beß ©rtß , gretyperr »on $ad liepe felbp am be* 
Pimmten Ort burep Stagldpner graben, allein man fanb 
feine ©pur einer pep etman außjeicpnenben (Srbe , bie 
angetropene felpenartige ©efd;ajfenpeit beß (Srbreicpß 
nötpigte pe aufjupören. 

Oer weipe entbefte auch einmal meinem ©ruber bap 
pdp einige ©cpajgrdber auf bem ^laj beß Pfacptß ringe« 
funben um baß ttfep außäupeben , pe mären aber mit 
©pr fei gen fortgefepieft roorben. 

17) Ob feine alte tradition in bem Oorf »orpanbett 
fey, bap bergleicpen (Srfcpeinungen an bem ^laj fepon 
meprmalen epebem bemerft morben? mer »orpero ba ge« 
mopitet pabe, etman »or ben 3eit*n ber reformation? 

*) 3f ba$ auep mol nur ei n St raum geroefeit? tautet faft niept 
anberä. 2Sar ber junge SKenfdj satt} allein bei biefem ©raben < 
3« fßft allen ©cpa^grdbergefcpicptcn fommen dpnlicpe Scencn »er. 


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's 

249 

OB etwap etn Äfofler ba geßanben Babe? OB etwa bafetbß 
jemanb ungleicher Sßeiße umgcfommen, unb bergt.? 

3a! man Bat Idngß behauptet, baß eö in bem »on 
meinem Sßater geFauften £auß, welcheg abgerißen, unb 
ber $um ©arten juBercitet worben, nicht ßcber 
fep, Siiemanb aber witl jentafg etwag gefeBen Baben. 

SEJtan will auch ßcheYe traditionen Baben, baß »or 
ben feiten ber rcformation bafetbß bie SßoBnung eineg 
grühmeßerg (juoerldßig woBnte einer im Ort) geßan* 
ben Babe. 

18) OB aucB GatBottfen in bem ©orf wohnhaft, 
unb bieße einen Pfarrer Baben? 

3a. 

19) OB bie tutBerifcBe ©emeinbe Feine ©treitigFeiten 
mit ben GatBottfchen Baben , unb tejtere Feine Slnfpritche 
auf Äirche unb ^farrßauß machen? 

GBematö feBr heftige, wdBrenb bem aber, atß jene 
ißre eigne Kirche unb ^JfarrwoBnung Baben , nicht mehr. 

20) OB bie ©achen im ^PfarrBauß ober in einem 
eignen Jpauß »orgegangen? 

3n meineö 93aterö eigcnthämtichen SßoBnßj. ©an eg 
iß Feine ^Pfarrwoßnung »or ben tutBerifchen ©eißlichen ba. 

21) Ob Fein SDtdnchgfloßer in ber ©egenb fep? 

3wep ©tunben oon ba §u Sautern, eine ©tunbe aber 

#om Ort war eBemafg eineg, wooon meineg 93aterg 
93eßaßung BerrüBret. 

22) Ob fich feine catBolifche ©eißlichen eingefunben, 
bie eine tßcfchworung Baben »orneBmen woßen? 

3a, aßein e8 fcheinet atg ob iBnen ber ©eiß ju 
mddjtig gefchtenen , ße giengen ohnoerrichteter ©achen 
wieber weg. 


/ 

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250 


23) Ob feine gerichtliche Unterfudjung bon ©eiten 
brr SanbSobrigfeit in tiefer ©adje angeftefft worben? 
Unb casu quo non, warum nicht? 

StfferbingS! ffJlan bat »on ©eiten bafigen $lmt$ biele 
unb ernffbafte Unterfuchungen anftellen laßen. 

24) Ob eS wahr \tx) , baß bie ©elfter nach ben 
3uf<bauern geworfen? 

©ie haben oft geworfen, bocfj ohne jemanb treffen ju 
»offen , ober wan fie bießeS im ©inn batten , fo ließen 
fie fo fcbwacbe unb leiste SDtaterie fallen, bie nicht be* 
fchdbigen fönnen. 

25) Ob bei; ihrer Slnfunft ein ©erdufch borangegangen, 
ober ob fie oft auf einmal bldjlich ba geweßen finb ? 

Ohne ©erdufd? unb plöjlich. 

26) Ob Seute, bie gan§ unb gar nicfjtö bon ber ©actje 
gewußt haben bet; ber unfichtbaren Slnndberung fo gar in 
ber freien Cuft unb in bem ©arten fcbon eine ©eflem* 
ntung ber ©ruft gefühlt, ober ob foldjeS nur benen wiber# 

% 

fahren fei?, welche in ber 2lbjicht etwas ju fehen gefommen, 
unb alßo fcbon borher bon biefen ©ebanfen eingenommen 
geweßen finb ? *) 

. Seute, bie in ber Slbficht famen, weil fie an ber 
ganjen ©acbe gejweifelt. 

27) Ob fie ffch jebeSmal haben fehen laßen »an 
frembe 3 u f<hauer fommen , ober ob nicht manche ohne 
etwas ju fehen, haben fortgeben müßen? 

3u einer gewißen 3eit hat cS jeberman fehen fönnen 
bie ©eifter fehen, ban eS waren berfchiebene jugegen, 
bie, ba eS 10 gefehen, eS nicht fel;en fonnten. 


*') €in< wichtige Stage! ®ie Stntroort feheint nicht genügenb. 


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251 


\ 


28) Ob ßw. ^odjebrwürben ba$ geuer bet; bem 
fdjroarjen auch felbft gefeben buben? 

©ebr oft. . , . 

> 

29) Ob bteßer bie JFjebung beö ©cfjajjeö bem Anfeben 
nach b«be ocrbinbern wollen? Ober, ob er auch wie ber 
Sßeiße barauf gebrungen? 

. Auö Nro. 13 unb 14 Har. 

30) Ob ©ero §r. Sßtutter bet? bem ©treid; beit er. 
auf beit £rn. ©ruber geführt auch etwan bie©ewegung 
eines Armeö bemerft höbe? 

3«. *> 

31) Ob ©ero wertbgefcbdjte ßltern beyberfettö nod; 
leben? unb noch in bem ndmltdjen Jpauß wobnen? 

©ie (eben noch / unb wobnen nod) im ndmlicben $auß* 

32) Ob ber $r. ©ruber nadjbem er auf ©cbulen 
gegangen, wieber jemafS nach Raufte gefommen unb alß# 
ban bie ndmlicfje Anerbietungen erfolgt ftnb? 

ßr fam oft nad) $auße , e$ ließe ibm aber nad)bero 
SKube, unb biß dato. v , 

, 33) Ob ber 2öetße , wie er ben £rn. ©ruber ge# 

warnt bat, oor bem anbern, feine Urfacbe angegeben/ 
unb nid)t gefagt l;ube, wer berfelbc etwan fei?? 

Yid. No. 13. 

» 

34) Ob betjbe ©eijter *inanber auch felbft juweilett 
feinbfelig begegnet ftnb? 

' Vid. No. 15. 

35) Ob ber febwarje bet) bem ©ebetb nicht »erfdjwun# 
ben fei?? 

+) ab« warum f«(> ei beim bie SDlutter nur allein? Unb über* 
baupt — warum fa!>en tu gleicher Seit (Einige €twai, unb 
anbere nic&ti ! - ^ 


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252 


Sluf bcn getanen ©treidj »erfdjwanb er , fonft liefe 
ber fdjwarje (ich nicht im SBofmhaufj feiert. 

36) Unb ob er bet> 9?ennung bed 9?amen8 ©otte$ 
unb Stfu ntcf>tö »crbrüfHiched gedufert habe? 

Ex arteced. ju [erliefen. 

37) Ob ed nicht gefdllig wdre, roenigfiend etliche 
ber angefef;enften SUdnner , $. ©♦ benachbarte ©eiftlidje 
ober ^Beamten ju nennen, welche eben bie Erfahrung 
gehabt hohen? 

©er Dortige Seamte, $r. Insp. Fassei unb $r. Doctor 
Pollig »on Häutern, $r. <pf. Ley »on St. Alban je. 

38) Unb ob bie 93orftcffung von biefer ©ache bet) 
allen 3«f c bauern ih«r Slufage nach in ber Jfjauptfache 
einerlei gcroefen? 

Sa. 

39) Ob fie benfelbigen nicht feinbfelig begegnen, 
ober nicht fonft ihren Unwillen über ben 3ulauff ber Heute 
bejeugt haben? 

Sinem oorwiijigen ©ürger bed Ortd, welker bep ftch 
felbjt jweiflcnbe reflexionen an Dem neuen Jpauf machte, 
warf cd bie Uugen »oH ©anb , fonft fdjeuete ed bie 3 U ' 
fchauer nid)t. 

40) Ob bie ©eifter atTeij 3ufchaucrn bie jugteich ba 
waren, in gleichem ©rab fif^tbar gewefen ftnb? Ober 
ob nur einige jte ju erblicten gewürbigt worben ftnb? 

Vid. No. 27. 

41) Ob jemanb nadj ihnen gegriffen habe? unb wad 
alfban f. ©mpfütbung gewefen? 

Stiemanb wollte fie betaflen. *) 

*) Über warum wagte beun bieg fein SRenfcb ? $ie SJerjUttbigfcit 
biefer Jrage erhellt au« 2uc. XXIV. 39. 


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253 


42) 06 matt einen ©ruf ber 2uft, einen Sßinb ober 
bergl. bep i 6 rem kommen , ober Sßeggeben »erfpürt Ijabe? 

3f?ein! 

43) 06 fie alleß in bent #auß ruftig geiaßen, ober 
tm ©egentbeil jutoetien etwaß burdjeinanber geworfen? 

©ie ließen alleß fielen unb liegen. 

44) 06 jie in alte 3ii»mer bcß #außeß gegangen, 
ober nur i 6 ren #auptjt§ in einem ge 6 a 6 t 6 a 6 en? 

3 n allen 3 * m t nc r«t beß Jpaußeß. 

45) 06 ber 2öeiße Feine ungefe 6 re 3«t befiimmt {iahe, 
man er ben ©djaj mieber außliefern wolle? 

Sßein! 

*■ 

46) 06 er nidjt gefragt morben , marum er i(>n 
nt cf) t 6 tt) Sag geben rcolie? *) 

9fein! 

47) 06 anbere 3»fd>auer/ bie ©eijier nidjt gefragt 
fmben? 

SKein SBater fe^r oft, o 6 ne Antwort $u befommen. 

48) Unb casa quo 06 fte bloß ftumrn geblieben ob^r 
unwillig morben (tnb? 

©inmal festen baß weiße burdj ^ c f t i g e Vewegung 
unb fürchterliche Vergrößerung über meinen Vater 
unwillig worben fepn. 

49) SBaß ©ero JPjerr Vater, ba er jte jum Dieben 
bringen wollen etwa gefragt b<d>e? 

SBarutn eß fein £)auß fo qudlc , unb maß mau tfjun 
folle, um auß berOual ju fomnten? ben febmarjen rebete 
er oft mit bem gröften Unwillen an : maß er »or ein 3ied)t 
habe, ihn in feinem ©igentbunt ju plagen? 


*) auch f«l;r »ernunftig! 


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50) Unb ob ftc bem $rn. ©ruber nicht bte Urfache 
gefügt haben / warum ftc fonft 9tiemanb Antwort geben 
fünnten? 

Sßein! 

51) Ob eö wahr fepe, baß ber ©eift bem $rn. ©ruber 
eine SfJiünje alö eine <probe beö ©chajjeö in bie £dnbe 
gegeben habe? unb wa3 eö »or eine geweßen? 

3n bem Nro. 13 angeführten SEraum befabe er ein$ 
ber golbenen medaillen worauö ber ©chaj befteben fottte, 
worauf bie mit bem $abr ber . fpanifchen ©erwüjtung 
correspondirenbe 3abrjal ju feben geweßen. *) 

52) Ob ber $err ©ruber nicht juweifen »on ibnett 
«ngerübrt , unb etwa bet? ber $anb ergriffen worben ? 
Unb wa$ er alßban empfunben? 

■Die ©erübrung beö äBetßen war febr falt. Oie ©e# 
rübrung beä ©chwarjen, welche allemal in Ohrfeigen 
befianben , febr hart» 

53) Ob, wan frembe 3«fthaucr gefommen? man in 
©egenwart ber ©elfter »on ihnen discoucirt habe, unb 
wie (ich bie ©eifter habet? »erhalten? 

©ar oft, boch »on ©eiten ber ©elfter ruhig. 

Stfun wa$ fagen bie Sefer ber 3* 33. ju biefer 

©efpenftergefcbichte? ©ie werben 9?tcf)t6 bet* 

ju fagen fonnen, wie ich auch. Üftan lieöt , »erwunbert 
fich, ftufjt bei einem unb bem anberen einen Slugenblicf, 
}.©. wenn bie ©efpenfter, wooonfich’ö bift banbeit, recht 
geifterartig burch magifche geheime Slttractionä* 
frdfte wirfen, halb in bem ©arten, halb im $aufe 
bem Slnfdjein nach ftd? feben laßen, ohne bie 31f?ären ju 

*) €itt £raum ift feine Süirflicbfeit , unb man ficht hierau* , wie 
Sam« bie @efpen|tcrgefc&ic&ten ausbilbet. 


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( 


255 

öffnen ic. , unb muß beit ««bereit Augenblicf lachen/ 
roenn j. 93. bie fe Iben angeblichen ©eiftermefen auf eilt# 
mal tut* ©lepbanten # $dlber auftreten, mit ficht# 
barem Arme Ohrfeigen auStbeilen , beit Seuteit ®anb iit 
bie Augen merfen u. f. tu. 216er mir mollen feine roeitere 
93emerfungcn barüber machen, unb mieberboblen nur 
noch/ baß wir auffldrenbe 9fadbricf)ten barüber au$ 
ber bortigen ©egenb mit Vergnügen in bie 3« ©♦ auf# 
nehmen meroen. 


III. ©in EeufelSgefpenfl auS bem ftebenjebnten 
3abrb«nbert. 


3ur fortgefefcten G>f)arafterifTrung tiefer ©attung »on 
A6erglau6en. 

& ijf uon ben fogenannten £eufelS#@efpenflern 
bereite im jmeiten £betl ausführlich bie 9?ebe gemefen , 
b. b* »on gefpenjlerlicben ©rfcbeinungen, bie nach ben 
gegriffen beS roben Aberglaubens unmittelbare 9ie# 
prdfentationen beS SteufelS fmb. 3m acbtjebnten 
3abrbunbert, (benn ©ocfef, auS bem mir biefe ©e# 
fcbicbte nehmen, fdbrieb 1717!) füllte man glauben, b^tt’ 
eS feine ©efpenfler ber Art mehr gegeben, eS ift bem 
aber nicht alfo. SBie unglaublich tief biefer unjlnnige, 
«uS bem müftejlen SteufelSglauben beroor gegangene Aber# 
glaube eingemurjelt mar , baS fiebt man auS bem folgen# 
ben 93eifpiel. Äein »ernünftiger SOfenfcb fann baS minbefle 
S£eufelif<be in bem Vorfall entbeefen, ber an ficb ganj 
unbebeutenb ifl, unb moju ficb bie natürliche ©r# 
f Idrung (ber 3dger mar entmeber ein mirflidjer 3^9 


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256 


ober ein 2Bilbbieb) ohne weitereg barbietet. 3Sad ba$ 
Stuffatlenbfte ift , fo erjählt «in gu feiner 3 e it berühmter 
Slrjt bie Sache, ohne auch nur ben ©ebanfcn $u bet 
rühren, baß eö eine natürliche Grrfcheinung habe 
fepn fännen. ©och rooju bebarf’ö ber 93emerfungen , 
hier ift bie ©efdjicbte! 


«3um 33ef<hluß biefeö ßdpitefö will ich noch ei« 
rareö ©rempel hin^u fegen, wie ein SEeufelögefpenft 
ober Sßalbteuffel einen Knaben in ber Ulmifchen 
JEjerrfchaft vor etlichen Sohren in bem $olg irregeführet, 
erfdjrecfet , unb in eine gefährliche ätranfheit gefeget hat. 

Anno 1684 um baä geft beö h- Martini, ift fpeter 
Sßtncfler, ein Ißater# unb UÄutterlofer Sßapfc »on 9 
Sagren, mit ^Bewilligung unb (Jrlaubniß fcineö ©roß# 
»aterö »on bem ©orff Urfpring, Ulmifcber .fjerrfchaft , 
gang alleine in baö benadjbarte IBallcnborf, feine $ep# 
matg, um bafelbften feine 23lutöfreunbe ju befudjen, 
fich ju ergügen, unb mit ignen bie Martins # fftacbt ju 
halten, gegangen. 2llß er nun oon biefem Ort wieberumb 
jurücf nadjer #auß fegren ober gehen wollen , ift er ein# 
ober anbere ©tunbten in einen btcfen unb groffen Sffialb 
in ber Srre utngeloffen, wofelbften er benn unoerhofft 
einen Säger , ober vielmehr einen 2Balb#£euffel in 
Sägerö ©eftalt angetroffen, weldjer einen flüchtigen 
Jfjirfd) , mit hinter fuh gelegten @ewid)t ober ©tangen 
»erfolget, unb felbigen mit einem spürfch^SKogr , nicht 
ohne graufamen Änall unb brachen barnicber geleget, 
unb gebachten Jpirfch im 0epfepn beö Änabenö bep bem 
Saujfen ergriffen, unb gemacher folchen in ein ©e# 
büfd; gefchleppet unb bafelbften »erfteefet hat. 


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257 


fflaij biefem, fo tft ber Säger, einen # unb an b«t 
$anb fübrenbe, »oieberumb auö bem 93ufd> §« bem 
Änaben beröor getreten , unb b<d ib«* e lä<benbe gefragt: 
ober nicht halb roifberumb einmal bergleicfre«* 
3agb bepmobnen «wolle?;/ burch «»-eiche gang ent# 
feglicbe ©egebnuß unt> Visionfin ben £(><** /bw 
gebt einem ber ©erftanb aus!) mebrgebaehter Änabe ber# 
«taffen, mit ©chrecfen unb älngfi angefullet worben, baß 
er grarofara gefchrpen, .unb naebbeme er enblithben regten 
2Beg gefunben, roieberumb nacber $)duß: gefommen ift* 
»ofetbjien er über 8 Säg gang beftürjt gefeffen, unb 
feinen J^außgenoffen baöjenige, t»a6 ibme in bem 2Bdlb 
begegnet, erjeßlet bat-. 9lacb »erflojfenen 8 Sagen ijl 
ba$ Uebel, fooon bem empfangenen ©chrecfen unb Stngjl 
tnibme gefteefet, audgebrodjen, inbeme biefer Änab bie 
©prad) »erlobren, graufame ©iebter befommen, bei» 
SDtunb unb Rachen angelweit aufgefperret , . -benfelben 
gefrümmet, unb bie Seffjen gang wunberbarlicb unb 
abenteuerlich b»n unD wieber gejogen, ben 2eib »on 
einer ©eiten ju ber anbern geworden, bie ©lieber jw* 
febhttert, ein gräßlidjeö unb jornigeg ©eficbt mit grim# 
migen Slugen gemacbet , unb folcfje erfebreef licfte ©ebebr# 
ben, mit anbern abfcbeuligen 3“fätfen unb Symptom 
matibus, fo jwep ganger SUtonatbe gewähret, mft hädjfter 
©eftürjung unb Srfiaunung ber Umbftebenben »on fid) 
bliefen unb feben laßen, baß e$ einen ©tein hätte er# 
barmen follen, unb baö auögejtanbene Glenb. faum ju 
befebreiben ifh Sßelefoem ungemeinen Patienten jwar 
ein benadjbarter Medicus Remedia »orgefcbricben, n>elct>c 
aber ihren 3«»etf *tid)t erreichet haben, SDejfentmegen benn 
ber £«rr fPfavrer »on Urfpring , welcher biefen ar«pei| 
iil 17 


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258 


fttaben mit fdjünen £roßfprüd)en unb burdj ba# ©ehrt 
»ieberum aufjuridjten getrautet , benebelt bem f)errn 
Slmtmann $u ©allenborf biefen miserablen Casum an 
einen J£>od)eblen Magistrat ber ©tobt Ulm berietet, unb 
um Obrigfeitliche £ülff angefudjet haben. SBorauf btcf? 
gebuchter Änab nacber U(m in baö $ofpital geführet, unb 
et bafelbßen mir, aU bnmable gemefenen Medico Xene- 
dochiali Ordinario, felbigen ju euriren , übergeben unb 
aufgetragen rcorben. äßcldjen id) bann ben lflten Januarii 
1685 baö erjtemahl befuchet, unb i&ne j»ar gang fprad)* 
loß, aber boch J»id)t ohne ©egör unb 93erjlanb, jebodj 
mit Äreugmeiß übereinattber gefdßagenen, unb aufrodrfä 
gegen ben 2eib gejogeneit §üßen /»eiche er nid)t fhrccfett 
fönnen , beßgfcicben mit einer unbeweglichen 3 u ngen, 
fö er nicht für ben SDlunb h*rauö ftrecfen fönnen , unb 
mit einem gang higigen Selb angetroffen h«&e» £ahe 
bemnad) biefen büßen unb faß unerhörten 3»ß<Hib befto 
leister ju euriren, gleich nach ben llrfadjen gefraget, 
ba ich bann auö oberjcßlten Umßdnben unb bem eütges 
«ommenen Stugenfdjein befunben, baß biefer Mectfowahl 
»on Äußerlichen, alö innerlichen, tßcilö magifchett, 
jauberifchen, unb teufelifchen, theilö aber natür? 
liehen Urfachen h fr g f fommen fep. £)ie Äußerliche 
Urfach iß magifch, jauberifd) unb teufelifd)., 
»eiche »on bem erfchienenen fißrftb, bem^dger unb feinem 
#unb , fo biefer Änab gefehen , . unb probabiliter nichts 
«nberÄ, als Sleuffelö » ©efpenßer , ÜBerblenbung unb ©w 
fpiegnuß beö iteuffelö gemefen , unb baö um fo »iel beßo 
mehr, »eilen bie Erfahrung bejeuget, baß begleichen 
©efpenfler , »eiche ftch an bem hellen SDlittag fehen laßen, 
in ben Sßdlbern unb ©inöben, in »eichen ße fich gemeinig« 


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259 


Ikfr jmti^rfr ©tlufiigung aufbaften,. bt't fßrßfeergtbenben 
SBanbtröleute entroebfr mit if>rcr grety5Hd)en unb tntfejj* 
litten Srfcbetnung , ober burdj 2tn6tafung eineg giftigen 
unb ptfH{en$taltf<f>en ©ampfcß , ober auf anbere 2öetf} 
trftfrretfen, befähigen, ober gar um baß geben bringen*. 
SBHefje 2lrt ber Xagj©eifter ober SagjSeuffel Jatricus 
DEBER, bie 9?acf>t f ©eifler aber KETEB nennet.» *) 

" " !■ T * > 1 «r ■ — t -» > *t U ' : v 1 4 ■ »> s • ‘ ‘ * 

' • ■ y. , * 

*). £>a itittl ift laug uttb abfcbrecfeub, »crbtent «6er bocb , weit 
er ba« 95ucb c^araCtecifirt , hur gan{ Ijcrgeic^t ;u werben: 

'Tfac'tatüs Poly fristoricus M a gi co-M edi c u s C ur I- 

( osus: Ober ein fur^er/: mit »ielen »erwuiiberbar> 
lieben £i#orien »ermengter SSericbt oon bem ©* 
febrepen unb «Berjauber n, au d> benen brau$ en U 
j ff ringenben Stand bei teil unb jambe rifeben ©cbäbeit. 

S83a« balfelbe eigentlicb fege? 2luö mafetlep Ur jachen folcbe« bet; 

' föntmt? SOie fieb »or folcbem tlitwefen ju böten? Unb auf wa« 

- , SBäfje bie barau« entjianbene Srancfbeitc» unb jauberifebe ©cbfe 
ben, »ernutteljl eine« anbäebtigen ©ebete«, unb beten baju ge; 
hörigen befonbereit Strßitep » »Kitteln curitet werben feinte. Stile« 
au« berühmter Stirer unb Sfleucr Medkorum Scriptis , aueb au« 
eigener ©rfabrung, unb 4sjibtiger Praxi (4 adriger? unb bo<$ 
niebt flöget?.) fleifiig jufarnmen getragen unb bereut gegeben fßon 
Eberharde» Gockelio, Med. Doct. jraneffurt uab 
£eipjig, b. 3- -»jagen, 1717. (20enn £effing fagt, 
ein SSäcber ; Stitel bürfe niebt wie ein Sueben .- Settel au«febn,‘ 
fo fann man jur €nt|ebulbigung be« .perm ©ocfel anfubrett, 
bafj Eeffing bamal« uoeb niebt gefebrieben hatte.) 

Ju ben lebten SÖorten obiger ©rjäblung bemerfe ieb noch 
v • bi«t/ ba§ fieb im« Flamen auf eine uuriebtige ©rflärung oon 
tftfalm 91f 5. grunben, bei welcher ©teile bereit« mehrere Sire 
eben» (Ster an teufelifchc Xa$< unb Sflacbtgeifter ober £eufel«; 
gefpemler baebten. Stuf ähnliche Slrt erflärt namentlich aueb 
•pieronpmu« ba« a b o f . IV. 5. Sßergl. m.SSifionett 

£abafuf’4 b. b. ©t. ©erabe folcbe auffallettbe ®inge beweifen 
am beben , wie unglaublich tief ber bämonifebe Slberglaube ein; 

. gewurjelt. war , unb wie er fieb gleicbfam wie eine giftige Gatter 
um «Ue SujHnbe unb Slnficbten be« wirflicben £eben« 
gefeblnngen ^a(te. 1 < . 

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260 


©er ©erftanb ge^t einem trre, wenn man folcfee 
©inge ließt , rote fte 6ier auß ber Jeher eineß fonft 
vernünftigen UJtanneß nieber gefebrieben ftebn. $iftorifcb, 
ttnb fclbft bogmatifd) babei roiebtig ift , baß burdj ben 
©lauten an begleichen JEeufelß * ©efpenfler bie Sleufel» 
Sehre ihre |>6cf)fte #ehe unb furrfjtbarfte 
erreichte, ©enn bureb bie SEeufelß»@efpen{ter warb 
ber Teufel, fo ju fagen, gleicbfam unenblid) »eroiel# 
fdltigt, fiebtbar, leibhaftig; er roar nun überall gegen» 
rodrtig unb ju fürchten, am ßellen SDtütag, roie jur 
(Racbtjeit; er »erftriefte nun, alß ber unfidjtbare 
büfe Jet'nb, nid)t mehr allein bie (Seelen ber SDtenfcben, 
fonbern betreute burch bie üeufelß s ©efpenfter auch beren 
Seit, ben er befebdbigte, ober roie ©ocFel hier faßt, 
mit giftigem ©ampf dnbließ , in ollerhanb Äranfheiten 
ober gar urn’ß Sehen bradjte. 

©ocfel ift »oller folcber ©efebitbten, unb bie Sie ufc Iß» 
©efpenfter ftnb ein redjteß Sieblingßtbenta für ißn. 
5Bir roollen hernach noch einß unb baß anbere auß feinem 
©ueb barüber anführen, hier aber obige ©efebiebte noch 
ju einigen anberen ©cmerfung'm benufjen. 

@ß ift , roie gefagt , in biefcr ©efdjidjte nicht baß 
allerminbejtc Sluffallenbe , vielmehr — eß ift 211 leß 
recht febr natürlich barin, unb ber arme Änabe 
hat fie »ollfomnten roahr erjdhlt, roie wir, unt 
unnötige Slnmerfungen ju erfparen , bureb bie mit ©du», 
©ehr. gebrurften ©teilen bemerflieb ju machen gcfud)t haben. 

3njroifchen herrfcht noch immer ein roo nicht Ähnlicher, 
boch »erroanbter 2lberglaube bei unferen Sanbleuteit, nur 
baß fte nicht mehr roie biefer arme 3unge biß jum ÄranF# 
roerben, ober gar biß jur ©errüefung barüber erfdjrecfen. 


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261 


wovon ich Bei biefer ©elegenheit bodj ein SBort fagen »UI, 
weil bie ©ad)e in bie 3- 93. gehört, unb man barauö fieht, 
wie tief manche 2lrt bed ülberglaubend ftch gleichfam in 
baO^nnerjle beä üJlenfdjen einfrift. IKamentlich SBdlber 
waren ju allen 3eiten bie ©rte, weldje bie ^Phontafte aud 
fehr natürlichen Urfadjen am mdchtigjlen in ^Bewegung 
festen. 


IV. ©er »Übe 3 d g e r. 


2lld Seitrag $ur ©efdjichte bcd Solfdaberglaubend. 

§Ö3er lebt auf bem 2anbe unb ^at noch nidjtd vom — 
»ifben 3dger gehört? ©ad 93olfd*ÜRdrchen vorn 
»ilben 3dger ober görfter ^jacfelberg ift befannt. 
Slber nicht bief? hol bie gurdjt vor bem »ilben 3üger 
erjeugt, fonbern ed ift aud ber alten allgemeinen gurcbt 
vor 2Balb * SEeufeldgefpenftern felbft erft erzeugt 
»orben. (Sßelche wichtige Stoße fpielen bie SEBalbgeifter 
ober «phontoficiv»®*!*« / wenn auch nicht unter bem 
Stamen von ©eijtern unb ©efpenftern — • ed ift aber boeh 
immer baffelbe ! — fchon bei ©riechen unb Stömern unb 
eben in ben 93olldfagen unb SJtpthologien aller QSölfer!) 
©enn nicht an btefe, ober jene befonbere Segenbe, fon# 
bem an eigentliche Steufeld * ©efpenjter benft ber 
aberglaubifche unb weniger unterrichtete 5£heil unferer 
Sanbleute, wenn fie bidweilen in ben Sßölbern ©aud 
unb SBraud unb ein »ermeintliched J^unbegebell ju 


/ 


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262 


L 


hiren glauben , ober wirffidjbüren *). Sticht feiten ift 
&i<fe Srfdjcinung bloß ber 2ßttber(jaß einer roirflid>cn 
3agb , welche eben in weiter (Entfernung ßatt hat. 2ßie 
erßaunlid) weit ßch bcr ©djaß, jumal in SBdlbern unb 
©ebirgeit, unter begünßigenben Umßdnben fort pßanjert 
fünne, fe^rt bie 2lfußif, unb eS ftnb eben neuerbingd 
fafl unglaubliche Sntbecfungen unb ©erfuche barüber ge# 
macht worben , wooon hier ausführlicher $u hobeln ber 
Ort nicht ift. ©iSweilen liegen bem ^hünomen anbere 
Urfachen $um ©runbe, wooon ich jur natürlichen Sr# 
fldrung beS — wilben^dgerS hier eine ber gewühn# 
lichßen anführen wiß. 

3m fedjSten ©tücf ber ©erlinifchen 3eitung »om 
3«hr 1788, beßnbet ßdj ein weitlduftigeS ©chreiben beS 
sprebigerS SombiS ju ©ißebieu in ©aS ©enbomoiS irt 
granfreich non bem wunberbaren ©etüfe unb ©eheul, 
welches fleh bafelbft brei bis oicr SBochen lang aße Slbenb 
gegen jteben unb acht Uhr, als ein ©ebeß oon einer jahl* 
reichen Doppel ^)unbe, mit abwechfelnben ©timmen in 
ber 2uft habe h^ren laßen. ÜJtan unterfcheibet , heift 
eS in biefem ©ericht , pornemlich bte Stimme eines Seit# 
hunbeS ganj beßimmt, weldjer ein 2ßi(b ju jagen fcheint 
unb Anführer iß. 2lße übrigen ©timmen ßnb nicht fo 
ßarf ober grob, fonbern entweber hfßrr, ober bumpfer. 
©iefe 3agb fommt auS ben benadjbarten SBalbungen. ©aS 

*) €in Hauptbuch, roelc^ed ^ier(>er gebürt, unb roeson bie 3a übet# 
©ibliotbef ned) »eitere 9tacbricf)t mittbeilen »irb, ift© »bi« 
»om «u»gelaffenen »utbigen Xeufel »beer. Strafte 
bürg, 1591. <Sinc gewifff 9leb«»Jicf>feit mit bem »üben 3^9« 
bat ber — ^3llcti#3dger. 53oit biefem: ©äfebing’» €t# 
iftbiungen, Dichtungen, S«ftnacbt9ß>iele unb @cb»<Snfe be« 
«JlittelalterS. ©b. I. @t. 1. (1814; VI. 2Utbeutfcf>e £ridt>luttgen. 
Num. 3. 


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263 


•Sjunbebellen iß poltfomnten, unb giegt bed Slbenbd übet 
ben Hopfen ber, um eg ju frören, jablrefdr vcrfammtUtn 
erfdjrodenen ßufrörcr weg. fiutj, eb iß ein £>unbe* 
cfror in ber guft ober in bem ©ebolje, beut cd 
bloß am Sagbljorn fehlt.» (©icß fegt bie aufgeregte 
^Pbantaße fonß beim toilben Sdger auch noch baju , 
fo baß eine »ollßdnbige Qagb beraub fommt.) ■: 's 

J^alle macht in feiner fortgefegten ÜÄagie, ober oon 
ben 3auberfrdften ber Statur Zfr. L ©. 444. baju folgenbe 
©emerfung: 

<« (Jinige nennen biefed bie 3agb beb Äönigb oon ®ng* 
lanb Slrtburb; 2lnbere nennen ed bie 5K4d)te ber 2ufr, 
nach bem ©t. «Paul; bie «Pbilofopgen (!) SJiittelgeißer 
ber 2uft, mit bunbeförmigem Stebelgeroebc *); 
bie ©ubtcr 3agbf»lpbcn / unb jeber ©tanb nad) feinem 
3ntercße. » 

« 3n ©eutfdßanb Jeißt biefc Slbcnbjagb bcr roilbe 
Säger, bad wßtbcnbe £cer, ber 3äger ober 
*5 6 r ft er $atfclberg. 3<b habe biefer 3«gb felbften 
»or einigen fahren ju Äircbrobc, bei ber ©tabt $an* 
nooer, an einem ßnßern Slbenb bepgeroobnt; 2Uled mar, 
wie ed ber Sanbprebiger in ber©erliner 3«tung befdjreibt, 
längd ber ©eite eined Sßalbed. ©ie ganje ©aebe fpielt 
ein 3ug »on Sßafferfdjnepfen, wenn ße toegjieben 
wollen, etwa im October, unb bcr 2lnfß(;rer locft bie 
nod) an ben ©öntpfen im ©ebolje jerßreuten Schnepfen 
an ben Stanb bed 2Balbed ju ßd), efse ße ßd) in bie £uft 

*) 3» ber SteufeU* utib Sauberperiobe feftrieben bie Stuf* 
geflarten ober »ou -fjalle hier fogenannten $bilcfbp(>en ber? 
glcidjcn <£rfdE>eiuungen ben ftfiralgeißern tu, tooimt fie bie 
£uft bcoolferten Bcrgl. a(lralgei(ter iu ber allgemeinen <En* 
« coclopdbie ber Äuujte unb 2Biffen|c&aften. 


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I 


264 


beben. ©er jefjige gern 5 gelinbe 2Binter (foH ohne 3»®tifel 
erb fl beiden, wie man auö bem golgenben fiebt) bat 
biefe 3u9 tt ög<{, tnelcbe ber groft fonft in bie rnarmen 
fBrücber biefer Sßdlber nerbannt, in bie Ueberfdjroenw 
mungen ber ©ebölfcer, n>o fonft feine roaren*. gerufen , 
unb baß alle 3«gb6gel ißren ©fanberberg ba&f«/ ber 
ftcb ben SDlenfcben am meiften ndßert, unb alfo lauter 
anfdjldgt, ift befannt. ©ie ©tille unb ©unfelbeit be$ 
Slbenbö, unb ber 233 ieberfd)alf non Sßdlbern unb ©ergen 
auf bie djdufer , unb »ielTeicfjt auch baö non ben £übn £ r # 
bunben abgelernte ©ebelle , tnirb bae 2Bunber nollenbö 
entrdtbfeln , ber grofl aber geiniß mit einmal enbigen. » 

Sr b*t eö geiniß in bem SBtnter non 17 ||/ bem 
ftrengften unb Idngflen im Saßrbunbert geenbigt, unb 
fomit genug nom toilben 3 d g e r , ober g 6 r jt e t 
$acf clbe r g! 1 


V. 9 focb einige feltfame Xeufele« ©efpenjler 
- auö nerfdjiebenen 3 £ * ten * 


3ur @barafterißrung bcö £eufeföglau6en3 nach feinen ner# 
febiebenen 2luöbilbungen. 

© ie ©adjenfinbbiernon ber 2lrt, baß fte weber 
© orerinnerungen, nodj Srfldrungen bebürfen, 
alfo — 

« 3 u ben 3 £ it £ a Cosdrois (fo!) unb Justiniani, tnie 
Procopius berietet, alö eine boße unb tnunberfamlidje 
(baö foll bei £errn ©oef el bod) tnol niebtö anberö b £ if £ «/ 


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265 


V 


ölö übernatürliche, burdj teufelifche Snfluenj Beroirfte) 
©eucbe faft ben gangen ©rbboben oon feinen GinmoBnern 
entblüjfet, Bot man « teuffelifche ©efpenjter» in menfcb/ ' 
lieber ©eftalt auf offener ©träfe unb an sprittat/Oertern 
angetrojfen, unb Berum geben gefe^en, welche bie iBnen 
begegnenbe 2eute gefchlagen, worauff fte gleid) 
ttermittelfl eineö iBnen angeblafenen ©ampffeS in eine 
fdjweBre ÄranfBeit gefallen, unb baran geftorBen fepnb.» *) 

« 3« bent Grientalifchen SReuffen ober fftuffenlanb B«t 
ein «teuffelifcheä ©efpenjt » ju Grnbtjeit, am Betten 
SDtittag , in ©eftalt einer SBittiB unb in £rauer*Äleibern 
(welche Seufelöeinfdffe!) einmal pflegen bureb bie Sieder 
unb gelber einBer $u geben, welche^ ben Schnittern / 
wann fte fold>eö gefeben , unb nicht alfoBalben für (ich 
auf baö Slngeftcfjt gefallen unb foldjeö oereBret (angeBetet? 
baö mar ein ftoljer SEeufel!) B^™, ftradä Slrmunb 
' Sein verbrochen Bat.» 

« 93on einem anberen SEBalb#5£eufet unb ben 
gleiten oerbammten SEeufelS; ©efpenjt wirb ge/ 
lefen, baf ed in bemSBalb auf einem ©erg neun ©auern, 
welche bafelBftcn £olg gefeget, ober abgefchnitten Baben, 
alle jugleich mit feinem ftharffen unb entfeglichen ©epldrr 
unb grimmigem Slnblicf ertöbtet ^abe* » 


©0 graufam waren bie £eufel$#@efpenjter inbeß 
nicht immer. SJZanchmal fpielten fte bie geinen, ober 


*) auf obige Seife eingef (eibet , fomitit biefeg 'profligiou weit* 
(duftig bei bem S«bel()ait^ Jöclrio »er, be« .£crr ©ocfel fleißig 
unb «uc6 I)icr bemiljt l)«t. Disquisitt. magie. Lib. IL 
Quaest. 27. Sect. 2. pag. 313 seq. 


N 


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266 


frommen int Sanbe unb — man wirb erßaunen, unb 
fangen unb beteten fogar mit ben Leuten. 

«gerbet mag auch fdmurrichtiglicb baS (Stempel 
einer ehrbaren grauen ju {Nürnberg, fo in Doctors 
Muralti bunbert unb fechSiigßem ßbprurg. (Bericht, am 
464ten (Blatt ju lefen, gejogcn werben, weldjeS ßd) fol# 
genbermaßen »erhält. ©ine 30jdbrige ©olbfcbmibtS» 
grau batte oft mit einem ©eiß $u fdjaffen, welcher, wa$ 
ibr jufallen werbe, »orber ju fagen pflegte: ©r batte bie 
©eftalt eines mit einem weißen langen ßlocf befleibeten, 
unb in ber 9ted)ten eine ©anb#Ubr b«ltenben ÄütbeS. 
3n biefer ©eftalt rebete er ße einßmalen mit folgenbeit 
SBorten an: ©u wäreß »erloren gewefen, wo nicht ein 
©anbförnlein , welches baS 2od) in biefem ©laß »er# 
ftopfet, »erbinbert f>dtte , baß ©u »on biefer SSÖelt ge# 
fchieben wdreft. ©S b<H auch biefer 9tebe an feinem 
©rfolg gemangelt, bann bie folgenbe 2Boche barauf, 
welche er $u»or gefaget, lag fte an einer faft töbtlichen 
dtrancfbeit barnieber, »on welcher ße bod> wieber burch 
göttliche ^)ülff genefen. 3 U einer «nbern 3cit »ermabnetc 
er ße , ßch beS anbern SagS , fo ße anberß auffer ©efabr 
fepit wollte, nicht aus bem $auS ju begeben, ©ie grau 
entfchloffe ßch, biefer (ßermabnung ßatt ju geben, aber 
auS bringenber ßtotb ihrer Jfjaußgefchdfte ßch bin«uä 
machenbe, fonnte ße bem gefährlichen 3ufall nicht ent# 
fliehen. (2Bor in beßanb biefer gefährliche 3 u f fl ß/ unt) 
warum iß er nicht erjäblt?) ©iefelbige nämliche ßtadjt 
wedjfelt ße mit bem ©eiß »ielerlei Dieben , ßngt fchöne 
©efänge, bergleichen ihr SDtann bep Sag ju»or niemabld 
»on ihr gehöret, er erfennet unb »erßebet allein bie©timm 
feines SEBeibeS, fielet ober höret aber nichts weiter. 2llS 


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267 


fi^aitf eine änbere 3eit, '•ben ©eift ju feheh verlangte, 
urtb mit bfttrer 9?etmung : toünfcht*> baf et fid) ib* $*i$«tf^ 
»erfprache er e$ nicht ofme SBebrofung einer ja fpaten 
fcarauff ju erfblgenben 9teuc. 211$ fte etliche Sage her* 
itacher in ihrer ©djlaf* Kammer befhdftiget tvar , wirb 
fie, etwaö anberö oerrichfenbe, gleichfam in einem ©<hat* ' 
ten eines Äinbleinö, obgemefbte ©eftalt an ber SBanb 
gewahr, welche barauf in furjem wicberumb oerfchwunben. 
Salb barauf aber verfiele bie^ran in eine heftige Äranrf# 
heit, welche ffr febr jufefjte, unb woraus ju crfehen, 
baf ber ©eift n id)tS anberS, als ein teufelifcheS 
©efpenft gewefen. » (©ocfel erjdblt biefe in 
Serbinbung mit mehreren XeufelSerfdjeinungen.) 


SBiSweilen waren bie HeufclS * ©efpenfter auch 
fpafhaft, unb fdjienen eS blof auf SÜecfereien , *})ofen 
unb #annSwurjtenftreicbe anjulegcn. 33on ber 2lrt ift 
ungefdhr baS folgenbe £eufelS*@efpenftS* ^drehen. 

« GS ift auch ber leiöige Scuffef ben 9Jienfchen fo 
auffdfjig, baf er auch manchmal™ ber jauberifchen £>dn* 
beln unfchulbige 2eute, benen er fonft nichts fann an* 
haben, per Fascinationem unb burch SSerblenbung ju 
beunruhigen pfleget. 2Bie er vor wenigen fahren bann 
(alfo noch im achtjefnten ^abrhunbert? £)aS ift boch 
merfwürbig!) befanntlich ben Gommenbanten ju ßoburg 
auf ber Seftung bergeftaltcn mit feinem eigenen, 
annoch lebenben Sßeibe vexiret hat, baf wann 
berfelbige mit feiner gtnuen am SEifch gefeffen, 
beS SEeuffelS ©efpenft in fotdjer noch lebenber 
©eftalt leiblich jur ©tuben hinein gefommen. 


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I 


268 

baß frefag^er Sommenbant manchmafen ange* 
flanben unb gang irre geworben, n> efe^eä atu 
jego fei» wahr ^aftiged unb natürliche^ Sh*' 
2 S et b fep. SJobei) biefeö benfwürbig, ndmlicb al$ biefeä 
Herren Sommenbanten grau Sicbfte ihre 93 ehaufung vtn 
dnber t, fiat baö bep ihren Sebjeiten erfdjeinenbe teufe# 
lifche ©efpenjt biefe SEBorte oon jtdj ^ 6 ren laßen: Du 
jießejl gleich hin/ wohin Du wilffl, fo jiehe ich bir nach/ 
wann bu auch bie gange S 33 elt burcbjögefh ^ievon befiele 
»eitlduftiger ^>@rrn Doctoris grommann in feinen» 
herrlichen Stractat De Fascinatione. » 

SSßarum erfcheinen nur begleichen XeufelöfQefpenfter 
jegt nicht mehr? — Die Slntwort liegt nah« SEBeil mir 
barüber lachen. Der SEeufel ijl flolj. Sr fann’ä nicht 
leiben/ baß man ißn auölacht. 


VI. ©efpenfter jum Stobtladjen. 

2llö SBcitrag ju ben S16entheuerlid;fciten be$ ©efpcnftergfau6en$. 

i l i 

' ' Num. I. 

•* ! ©a$ Snngferit* ©efpenft ju jjanau. 

u 2Ilö ich Anno 1679 ttbermahlö in Ähniglichen Com- 
missionen }u $3erlin wäre, berichtet ber hodwornehme 
Autor Manuscripti weiter/ pnb Monsieur fReich loco 
Secretarii bep mir h«tte, erjehlete bcrfelbe mir, wie jid)d 
ju #anoue, al$ er be$ ERachtä bepm Sicht gefeffen nnb 
gelcffen, eine Jungfer in ber Zfyfiv Ü<h praesentitet. 


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I 


, m 


mtb ihme gewunden , büß tt tyr «Ißbafben fbfgen ToÄtr, 
vnb wie er nun ^ierauff gu gehet, gehet ße «on ber 
Satire »orn an nach beö Doctors Kammer, ber fein Camo- 
rade gemefen , »nb leget ßdj bety bemfelben inß ©ette, 
vnb wie Monsieur ßteitb ihr folget »nb fle embrassirtn 
roifl, ßnbet er baö lebige 9?eß, »nb niemanbtd, aff beit 
Doctor, »Hb referiret« habe» , baß jweipmabl hernatber, 
•Cd bad erßentafß in ©eßalt eineö ßbwargtn fangen ®fan< 
ne$, ben er »or einem Söiebe, »nb btrihme feine Äleiber 
fielen w ollen , gehalten, »nb baö anber mahl alß bie 
SBirthin mit ihrer SOfagb erftbienen wdre.» : • ' i 

© c l b ftb nt i b t ’ $ $6ßißber Morpheus 168. 
Historia 4. ;i.v» 

3ur hißorifdjen Stuffldrung biefer ©eftbiebte wdre 
»ießeitbt bie grage erlaubt/ bie feine' @uggeßi»*gtage 
feipn foß, ob eä noch jegt bergleidjen Jungfrau* 
litbe ©efpenßer ju Jpanau gibt? 

Num. II. 

£aö mufifalifdje £eufeI6»©efpenß. 

«©in Sauteniß, fo aber niebtö anberß, benn ein 
SEeußelb * ©efpenß geweß , »ermäße ßtb / »ermittelß fei# 
«er Musica, ber3“bbrer ©emüther nacb feinem ©elieben 
ju bewegen, unb auö fanftinütlßgen grimmige, aub traw* 
tigen fr6|>Iige , ja auö »ernänftigen gar rafenbe Seuthe 
ju matben. ©oltbeö hat er an ©rieb , einem Äonig »on 
SDennemarefe auß beßen ©efeltb wertfßeßig matben »nb 
feine übernatürliche jfunß »eroßenbaren mäßen, ba er 
bann erßftcf) einen gar tießen »nb tratorigen, hernatb» 
mahlen einen hieben »nb fröbligen £bon, legtlich aber 
eine über aße maßen febarße unb burtbbrtngenbe Melodei 




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27$ 

angefdilagen , biß er t*t* 3“&ör<? befamnibt bem Äonige 
in einen grimmigen 3<wnr, vnbnadj bitfem fogpre 4 * 
fine SEButfr unb Staferei gebracht. Dem Saute# jfien mürbe, 
nach feiner eigenen vorhero gefagten ©eflellung , ba$ $au* 
berifdje ©aitenfpiel oom jlbnig an bem ftopff jer* 
fd)lagen> vnb ber ftötrig-, fo gan§ r toll »mb 
»uthenb roprben, viele barnieber gefiür^et, 
e&liche mit gduften $a t b tobt gefchlage#^ auefc 
4 ‘Per föhnen mit feinem Degenftracfh& er {lochen 
batte boch enblidjen noch überwältiget *,mit ftdften 
vnb ©etten woßI jugcöccfet , unb alfo faft erjlicftt, bi# 
bie übermenfchlidje 23uth allgemach wieberumb bep ibme 
nachgelaßen. » ;i j 

Happel ii (in ben beiben vorher gefeenben Sh et len 
bereite veffchiebentlich angeführte} ftern*Sht©nicf pag-338, 
t ,: - U i’! uw.*.; • 'c v < 

V. Num. MI. t J{«t<eh;v vä j 
Sin Seufelö * ©efpeitfl, fo einen tBatterniuugen 
burdj bie ; ?uft wcgfiif)rt. 

«Sin frembber dauern Stenge bat $u ©drenbaufen, 
einem 2Gürtembergifd)en Dorff, in ber ijerrfd>aft Reiben? 
beim, eine ©tunb von ©iengen, bei; einer SSitrib al3 
ftneebt gebienet , fo ijl für beren Shur ju SBinteröjcit 
bep ber fRacht ein 33 o cf gefommen, vnb etlichemal vor 
ber 2bnr gemeefelt, $u beme ber Unecht, fo feine {Ruhe 
in bem #au# mehr haben fönnen , mit größer Sing# unb 
3ittern enblüh' hinauf? gegangen, unb von befagten ©oef 
aufgefejjet, unb hinweg burdj bie 8uf( geffihret worben; 
biefen fterl hot man etlichemal in ber Suft erfedrntlid» 
fchrepen hören , unb beö ©lorgenö feine ifjme entfallene 
.v>anbf<hu#e in bem ©xhneegefunben, .roo.erlfelbften aber 


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271 

bin gefommen , baren f?at SRiemanb nichts einigt 0iad}* 
riebt geben fbnnen. »» 

@ocf.el nun ©efebrepen unb ©erjaubern <55. 22* 

> I > - — * t . i . 

SSBelcbe roiebtt'ge Stoffe bie — 93 6 df e in bet fpdteren> 
jumat prorcflatttifrfjen , Jptxtrei fpielen, i>ab* i<b in ber 
©dmenomagie au$ffif>*licf) gezeigt ^ f. SEb* II ®. 92* 
106 . II. 208-211. 3nfofern ift , abgefebn ron ihrem 
ßdeberlidbm , gegenwärtige alberne Gablung au cf) in 
bijlori’fcber ^inffebt ron ^ntereße, trie’g bie vorder 
gebenbe in anberer biftbrifeber ©ejiebung ifl. — ©ab« 
jeiebnen im Allgemeinen 93 e t b e ben rerrüeften ©erftanb 
ber ÜRenfcben in ber SEeufelö s unb 3«uberperiobe, unb 
ihre bid jum Abentbeuerlicben unb Unftnnigen gesteigerte 
ßeicbtglaubigfeit, fobalb Pom Sieblinggtbema ber 
3eit* ron Xeufelg^eren t unb ©efpenjterfaeben 
bie SKebe tjl. ■ ' — >' ,f ^ t 

Num. IV. . 

' * * • « \ . > J * - .« j 

nie »eiffe $rau unb — ber ©t'ttfel^gbn. 

« G$ pflegen aber obgemelbte »»eiffe grauen ober 
Sßetber abfonberlicb bei I>o^er ^firfHicber ^erfobnen bäh» 
erfofgenben 5Eobg;g-dffen fiel; in ben Diejibenjen febentp 
laßen, trie bep bem GburfürjH. ,£tauß ©ranbenburg, 
unb ©ero .fjocbfürfll. $ugct(;anen £dußern, auch anberer 
Orten bei; b<>ber unb pornebmer Herren fjöfen biß dato 
observiret trorben *). 2Jtaffen aud) meiner «debilen 

; . . * . ' . • i * 

*) Sei Jriebrid) be$ Siniigen $ob gat fidj nieg« »on bet 
weiften Stau goren ober fegen lagen. £>a biefet fein gaujeeS 
£eben. bie ©efpenftet oerlacgt gatte , fo güte fit fieg billig tiocg 
in feinem Hob an feinem Unglauben rächen fallen. . 


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272 


SSerwaribtin (#errn ©ocfePö ©aafewar bodj feine Spofa 
firjflidje «perfon?) alfj bamalö'gewefenen Äiirb&etterin, 
Anno 1661/ ju ißrem oieröten £inb, einem £6d)teriein, 
foldjeS wiberfaßren, ju beren in ber Stfadjt ein ber# 
gUic&en • »rtffeS Sßeiböbiib, fo einer gewiffen 
befanrtfcen sperfon um etwas (affo bod> nur- — um 
etrocrS?) gleicfo gefc&en*), in öie ©tuben für baö 
®ett gefommen, »eldje:fu aber gleid) wadjenb erbtiefet, 
unb im ©ebrerfen auS öföt 53ett mit ber $anO naef) bem 
Äinb gegriffen, foldjeö gefegnet , unb ber b* ©repfaltig# 
feit befohlen / unb biefen faubern 3?acf)t»ogel ober 93n# 
gebtuer gefraget , wa$ er moUe ? beren e$ mit 6«if p rcr 
©timm geantwortet: grau, idjttju bir n i d> t $ ! 
SDorauf cö oerfefcrounben, unb unter ber SBcttflatt etwas 
wie — ein © ü efe i#.£) ab n orbentlicb auf bent 
©oben gefragt, unb öie glitgel gefdjmungen. 
(SSBenn’ö wie — ein ©ücfei#.£)abn gefrdbt b^tte, wdr 
noch gefpenflerlidjer gewefen.) 2liß nun bie erfdjrocfene 
Äinbbetterin bie ^inbbett Heilerin, fo aud) in einem 
befonberen S3ett in ber ©tube gelegen, aufgeweefet, unb 
ein ßiedjt anjünben laßen , bot jie $war in ber ©tube 
vüit bem Siecbt bin unb brr geführt, aber nid)t$ gefeben, 
ßonbent bie ©tuben, unb jwei ^üdjmtbüren, weldje 

*) einer geroiffett befannten e r fo it — Sieg ijt er# 
fd)rectlit(> unb (nflorifd) betrachtet, ein febr wichtiger 3ug in 
bieferSefpcnitergcfcbichte., auf bie art entjianbcit biiroeilen bie 
etttfcnUcblien .perenproceffe, wooou wir im »origen 
£bed ein ©chaubcr erregeubei ®eifpie! gegeben haben. (Ei mar 
ja nicht einmal ein 2icf>t in bet 0tube. Unb tonnte fie bemt 
in ber bunfleit ©tube unb bem augenbiief bei <?chrecfcni fo 
genau fehen unb unteffchiihen? — Scr aberglaube, bie ©e# 
fpeugetfurcht, bie Eeichtglaubigfcit , bie «Scrblcnbung jener £ente 
ibet|ieigt aßen ©iauben. 9Xan »ergl. bie anmerfung jur »orI>er 
geh. Stummer. 


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I 


273 

»orljero »erfchtoffen waren, offen gefunden ; fu“§ barauff 
ifl bie Retterin erfranfet unb geftorben, beren baö Äinb 
in ber fedjften Sßoch feined 2(tterd nachgefolget. » 

©ocfet (. c. ©. 18. 19. 

Num. V. 

Der Scufel unb bie brep SWöndje. 

« Sd fe»?nb in einem Orte in ber ©rafffchaft gtanbern 
brep SKöndje geweft, weiche ein mehr atd ©eflialifched 
Seben gefähret. ©a fte auff einem Sage biff in bie fpd^te 
SRadjt weiblich gefdfwelget, fprid)t einer unter ihnen: 
2Bir haben htute gnug bem ©auch gebienet, laffet und 
auch @ott banfen. ©emfelbigen antwortet fachenbe ber 
anber: 3ch tviU bem Seufel banfen, beiin foldfed eracht 
ich billig ju fepn, ba wir ihm gebienet haben, hierauf 
fo flehen jte mit ©elfter oom Sifcbe, »nb eiten inff 
SBette , ba ein 3eber feine Jpure bep jid) hatte. Stber wad 
gedieht? .Kaum haben fie (ich geleget, flehe, fo thut ftch 
bie Sfmre mit entfeglichen ©eräufeh, auff, ber Seuffel 
in ©eflalt eines groffen »nb fdjwargen SJtanned, in 
Sdgerd .fjabiet, onb mit ihme jween^e Koche, gehen 
an bie ©ettlager, »nb fpridjt ber Seuffel: 2So tjl ber, 
weither mir heute gebanefet hat , ich bin h^t ihme ben 
©and $u »ergelten. Sr jeucht ben »or Slngft beinahe 
geworbenen SOiönth auff bem SBette herauff , bejtehlet ben 
Köchen, baff fie ihn fogteich an einen ©rahtfpieff fteefen, 
»nb an bem angemachten gewer brahten fotlen. Oie 
Köche gehorchen, »nb wad befohlen, wirb werffteltig 
gemachet. Oer unglücffeelige ßJlenfch wirb »on ben 
Seuffeln ganjj orbentlicb gebrahten , »nb flirbet eitblidj. 
Oie ©tube wirb »on bem ©eruch bed »erbrennenben 
m. 18 

t 


, .*(• 

' 


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gttdjnam'’ eingenommen, barauff fo fefiret jtdj ber Seuffel 
ju benen übrigen, in gurdjt »nb 3»^*™ tiegenbe, »nö 
fpridjt ju ihnen: fe »; b gleiche ©iraffe t»ert&, 

»nb mir fehlet eö nid)t an bem guten Sßillett, 
(Such bie $ d ( ß e herum h ju brehen, aber euer 
Oberftev im Jf)immel *) ßdlt müh ab, baß id) meine 
©ramfamfett an cudj nid)t »ollfübren fann. $d) gehe un# 
gernmeg, aber td> ermahne euch, i»o ihr nid)t »out 
SB ofen ablaßet, fo werbet ißr grewlidjer gepei* 
niget werben**). Daraujf fo »erfdjwtnbet baö ©efpenjl, 
aber bie gurdjt bleibet bei ihnen, biß baß tä £ag wirb. 
£a fte nun auö bcm SBcttc aufficigen, finben fie ihren Ca- 
meraden tobt, »nb gan§ gcbrahten für ihnen liegen.» ***) 
grancifci’ö 2Beh unb Sich ber (Swigfeit. ©ief>. 
unten 9?ot. ***). 

*) ©et £cufel famt ober b a r f ben tarnen ©otte$ 
nicht autffprechen, har um betreut er fich folcber Um; 
fchr ei bungen — auf ähnliche SSQeife, wie hier, hab' ich mich 
einigemal in ben.beiben erfiert Stheilen ironifch, ober auch gans 
einfach bitforifch auigebrüeft , otjue bie iffioglicbfeit ju ahuben, 
baj folche« mifioerffartben »erben forme. €$ ift aber boch ge; 
fchehen, unb mau hat’ö theoretifch, ober affertorifeh, tun, ali 
feinen 6cherj aufgesiotnmeu. -Da bleibt mir nichts übrig, 
alä etwa mein ßchief fal ju beflagen , in bem ei gelegen hobelt 
mu§, taf ich — eine Raubet .-©ibliotbef jehreiben foilte. 

**) Sonnen Unfinn unb 3uconfcquen| weiter getrieben »erben t — 
3n ber $hat, hier hört baS £cicherlidie auf, benn auch in bem 
fSerrucftett mujj eine &rt von (Eonfequenj herrfchen, »emt 
ei gefallen fall, ©er Teufel fpricht hier »on feiner ©raufamfeit, 
bebauert'« , ba§ er ihnen nicht bie .fxSlfe brechen Föntte unb — 
ermahnt fie barauff, fich «u befehren, roenn fie 
ihm nicht i u l e ß t anheim fallen »olltenü! 

***) auch tiefe ©efchichte i|t , »ie ich hier noch bemerfen mufj, in 
mehr alii einer Jjinfid)t hi fforifch merfnmrbig. Sfflelche rohe 
fBorjtdlungen oon ©ott fich bann auäfprecheit, erhellt nicht 
weniger barau«. ©crabe ber arme Seufel oon ©londj , ber ge< 
braten wirb , oerrätb oon ben brei ©effien allein noch ein ge; 
wiffe« moralifchei ©efihl. 3rtj»ifchen liebte jene geit ber; 


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/ , 

275 

Num. VI. 

®ie ©efpenfter prebigen, lefen bie ÜReffe, 

abminifirircn bie ©acramente unb galten 
orbentlid? Äirdje. 

<i Sßaö bed ©atand ©nbubrfadje bep ben ©rfdjeinungen 
anbelanget/ fo ift gewiß, baß er ben ^>öd>ftcn »er» 
fpotten, »nb ben ^eiligen in 3frael Idflern 
wolle. (lebet ber £euffel, baß ibme bie ©naben* 
SEbär »erfd)loßen, <»nb baß er gar feine Hoffnung jur 
SBerfobnung mit ©ott haben Fönne. Sßnb babero ifl ber 
©atan befdjdfftige t , baß er in fotbaner desperation 
bie ^obeit ber ewigen SDlajejldt ©otted auff atfe SEBeiß 
»erunglimpffen , »erad)ten »nb Idcberlicb madjen möge, 
©ad ju bewetfcn, barf id) nur anfübren bie ©rfcfyeinungen, 
welche benen gefdjeben, fo bep nddjtlicber 2Beü ju ben 
JFirdjen aud 3rtbum ber 3«* ft<b b»ngemad)et , »nb 
übel bacon fepnb wieberumb abgewiefen worben. 

3fd) füge beffen ein 93epfpicbl an, weicbed^idit aud 
bem ©lunb eined umlaufenben Äüfier* jungend, fonbern 
»on einem £odworncbmen SOfanne, ber bepbed in 3b*« 
Äönigficben ÜJfajefldt ju ©ennemarf, wie auch 3b rf f 
©urd)l. ju ^jofiftein ©ienflen gejtanben T. B. nur re- 
feriret worben. 

©iefed Jfjerren ©roß* ober ©Itermutter, welche ju 
Stofiocf wobnete, unb eine fleißige jlircbgdngerin war, 

} gleichen feine ©trnferempel , unb man lief abtoedjfelnb ben 
lieben ©ott, ober beit Stenfel eine Suflifc abminiftirett, noie 
folebe ungefähr in ber Sbürfci >SRobe if. .©aber ifl obige 
©rjdblung ein recbted EieblittgO -- ©tuet für baO fecbOtcbnte unb 
fiebenjel;nte 3al>r(junbert getsefett, unb Fommt aujjer gra tieifci 
in einer »Wenge ooit ©ücf/trn über bao Jauber* unb ©efpenfler« 
toefcn oor. ^amentlicb ©elrio legt einen bol>eit religiofen 
aßertb barauf. 


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276 


erwadjte in ben langen Machten jur SßinterSjeit, unb 
als fie ocrmutbete, baß eS 3«* wäre, bie grübnteffe 
ju befuchen; flehet fie auf, fleibet an, unb, ob bie 
Sbrißen gteicf) wiberrabten, inbern es noch allju frühe 
wdre , gebet fie bod) babin , ffntfct auch bie £bti** offen, 
gebet hinein , fe&et ffch anbdd)tigli<b in ibren j?irdjflubl 
nieber, unb bcjeiget {ich devot, wie bie anbern 2ln# 
wefenben. fflacbbeme fie eine 2öeif gefeffen , nabet ju 
ibr eine ^)erfobn , bie fdjon eine 3 c ' t l<*ng tobt ge# 
roefen, onb warnet fie , hinaus ju geben, woferne ffe 
fidj salviren wolle, bieweilen ber ©otteSbienfl bereits 
»erfloßen, unb bie grübemeffe beinahe geenbiget wdre. 
©ie ©eftalt fowobl, als bie JRebe alterirete nicht wenig 
bie gotteSfürcbtige Matrone, bie aber »or getbanent 
©ebetb nicht weg geben wollen, ©arauff nabet bie 93 er# 
fl or bene *) wieberumb ju ibr unb fagt, fie foHte geben, 
fonfl würbe fie übel tractiret werben. SBorauff bie gott# 
feelige Matrone aufjlebet unb hinaus eilet , faum aber 
batte fie bie Äirdjtbüren erlanget, ba fie umgeben warb 
»on einer groffen menge ©cfpenfter in ©eflalt fchwarfjer 
ffltdnner, welche etliche ibr ©tücfe als Sonnbdnbe über 
baS #aupt warfen, mit ben Sßorten: £afl ©u ge# 
betbet, wir wollen bid) fegnen! — ©arauff ibr 
fcbwarfjer ©chleuer ober SRegenfletb »on ihnen, wie aud) 
ihr übriges Älribergerdtb , berntaffen jerriffen worben , 

*) Sie «Berftorbene — ©tan traut feilten Slugeu taum, aber 
ci ijl fo, unb fiel bamalo gar uidjt auf. Sie gante £ridt)lung, 
bie in fleh fo »oller &anbgreijli<&er SJöiberfprucbe ift, gleicht einem 
teuften SecentbernacbM t ftraum. Unb ein bocb»orne(>mer Jpcrr 
etjdblte fie , unb geigte bie Seijeit oou ben burdh bie ©cfpenfhr 
Itrriffenen £ lei ber aU SXetiguien ! ! ! 3« ber £(>at bie 2eute 
waren ju ber 3eit , fobalb fie auf ben Seufel , bie ®e|'penjter 
unb gieren famen, ganj urtbeiUloi, ja »errueft. 


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277 


baf jle bamit jerflädt gu #aufe gefe^rct ,, »nb gegen 
SKorgen bie abgeriffene Sappen auf ber ©träfe wieberum 
auffudjen lafen , wo»on ein ©tücf bep gebauten 
b»b £ n $errn als eine fonberbarlidje (ja woj 
fonberbarlt'dje!) Starität asserviret unb bepbe* 
galten worben. » 

« Saft ein gleidjeS ift mir berichtet worben »on einem 
wofdcrfafjrnen »nb fodjgela^rten Doct. Medicinae, mit 
weitem 1690 in Koppcnbagen fonberlic^e Srfunbfcbaft 
gepflogen/ StamenS Adamus Harweck, nemlid) baf in 
feiner SSaterftabt ju Königsberg »or unterfdjieblidien 
3af>rcn faft eben auf bie SBeife eine üttutter »on it;rer 
»erjtorbenen JEodjter auS ber Kird)e gewiefen, in* 
bem bafelbft bie ©eifter geprebiget, unb audj 
bie *prebigt angeböret, bie SDfeffe gelefen, unb 
orbentlid? bie Sacramenta administriret. !!! 3» mjr 
gleichen ift bie ©age, baf ju gewiffen 3 e * t£n *n 
©ubtnfirdjen ju Hamburg um ÜÄitternacbt orbentlidj 
ber ©otteSbienfi foll »errichtet/ unb baö Zeitige 
Slbenbmabl non ben ©eiftern »nb lEeufetSge* 
fpenftern administriret werben *). SBenbe bem* 
nad), ©eliebter Sefer, beine Slugen mit mir tytxtyn, 
unb id) bin gewif, bu werbeft neben mir feben, baf 
alles folcbeS SEeufeföwefen unb verfluchtes ©au* 
cfelfpteblen ber $6lle babtn jiele, ben bbchften 
©ott ju »erfpotten. SBeldjeS befto flörlicher erbeilet, 
auS ber Stadjabmung ber Administration ber b- Sacra- 


*) ©erfelbe unerhörte Unflott , bet bereit« 5t f). I. 303 fcf>on 
einmal ba roar. Ueber bie 6a<bc felbfl, bab ber Steiifel ndmlicö 
oui .fjo&n ®otte« 3nflitute unb ©acramente nadjdffe, fieb- 
£>d menomagie I. 132. 


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278 


menta. Slber erbittere, bu »erfluc&ter ©eifl, 
inbem bu ju SEaufe unb 2lbenbmabl nabefi! ©iefe 
fojibaren SWittel , und mit ©ott ju »ereinigen , ftnb bis 

f ierflucbtcn nicht gegeben , fonbern und , bie roir burdj 
briftum erldfet fet;nb. Unb folched erhellet befto beffer, 
wenn roir erroegen , rote gar fdjimpflid) ber SEeujfel t>on 
bem Sacrament bed b* Slbenbmabld gerebet bat ju benen, 
»eiche ed noch auff ihrem 5Eobtbett alb einen 3ebrpfennig 
auff ber Steife gen ^immel genoffen haben , ba»on id) bir 
aud ber Daemonologia bed M. Christophori Ehin- 
geri 165 ©L eind rotd anfüb«n. gine alte grau lag 
einige Qabife ©ettldgerfg, »nb roarb »on ihrem ©eicht* 
»ater fleißig befuchet , fte aber flagte bemfelben , baß ihr 
ber ©atan in ihrer ©djroacbbeit ^effrig jufefjete , »nb fub 
(eben ließ roie ein SDtann, aber mit einem groffen 
©rtnbfopf, »erftobfeten roüften paaren , »nb langen 
©artß, er bab ißr auch febon etlidtemabl ein groffed Sßteffer 
auff ben SEifch geleget, begebrenb, fte follte ftch bamit 
erftechen, baß fte ihrer ^)ein loß rodre. 933ie fte aber 
b»lff 3efu! 3efu! gerufen, fo rodre alled t»eg geroefen. 
(SEBie unglticflich roaren bei bergleid)en( innerlichen ©edng* 
ftigungen bie Sßienfchen hoch in jener 3 £ itl) Stad) ange* 
böretem 2rofl ber b* Absolution »nb empfangenen b ot b' 
rotirbigen Slbenbmabl , rodre ber ©oferoicht ißr roieber 
erfchienen, in ber rechten $anb ein ©tücf Ädfe 
gehalten, baoon er immer gebiffen, alfo baß 
ißme »iele ©robfamen »nb ©tücflein Ädfe in 
ben ©artb gefallen, »nb bangen geblieben, 
»nb bdtte ber »erfluchte ©chanbgeifl ju ib r 
gefaget: ©a friß »on ber dtdfe, bad roirb bir 
gefunber fepn, ald bad Sacrament »nb Slbenb* 

i \ ** 


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279 


maßl, fte aber ßab immer mit ißren X^rdnen $u ©ott, 
tßrem .fjeplanb gegangen , »nb mit- bem 3!roft , baß ißr 
^e»)lanb fte in feine .£)dnbe gejeicßnet , aUe^eit bem 
JEeuffel getrojjet »nb gefcßmdßet. » *) 
v ^)6üifd)er Morpheus ©. 357. folg. 

*" * ■ ■■ 1 — • ■■ 

Cer SteBnlicßFeit »egen nehmen »ir jum ©cßluß auS 
bemfelben ©cßriftjMer auch no dß baS gofgenbe mit, 
baS fuß würbig an bie notier geßenben UngeBeuerlidjFeiten 
anreißt. 

« Unb Fann ßierbep auch oßnmbglicß »otBep geßen , 
»aS icß auS bem Sßhmbe eines feßr ©eleßrteh »nb ©e* 
wijfenßaftcn Pastoris, als meines wertßgefcßdljten Herren 
Stacßbaßren, $mn M. 3oßanneS $olldnberS, 
glaubhaft mir Babe erjeßlen laffen »nb auff beffen Per T ' 
mission Bier anBdnge. » 

« 3n beffen ^farrßaufe, nemlicß ju ©6rup, ift ge* 
fcßeßen , baß in feiner ©tubier * ©tube , nabe an ber 
tdglicßen ©tube , fo man allßier 5« 2lngeln ©orrenß 
nennet, »on beffen Antecessor, £errn 3oßann Sundfer, 
ba er ju SDlittage, »on feiner SSJtittagSüfKußc ermacßet, 
an bem Xifcße ftgenbe ftnb folgcnbe gefeBen »orben, als 
1) ber Sßoßlfelige .£)err General -Superintendent Dr. 
Klotz, 2) ber felige SlnibtSfcßreiber 3oßann ^)olft 
auS glenßburg, 3) ber. felige Pastor ju @6rup, $err 
^paul N. , »nb 4) ein alter grauer 9Jt6n<ß, roehße 
ba vßre Unterrebung ßielten, »nb j»ar alfo, baß man 
aus ißren ßifjigen SDtinen Fonnte abneßmen, 

*) €» iji ohne 3»cifel leicht, übet bcrgleidjcn ®inge — lad) eit. 
ab«, roenn jene «Bergangen&eit rein hiftortfch bargefieUt 
»erben fotl , fo mdjfeit gerabe 3uge ber ärt f>erau« gehoben, 
unb pbpfiologifcß unb tfpchologifcf) tiefer , ol« biatjer gefcßeheu, 
Uitterfucht wcrbtn. 


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280 


baff fie fc^ar ff disputireten, affeine »aff non ihnen 
gerebet »nb disputiret »urbe, fonnte nicht »erftanben 
»erben, ©er felige $err Pastor , fofcfje' Disputatores 
an feinem £ifche jigenbe fehenb , erfc^radf nicht »enig 
barüber, »nb »ie ©r nicht »erlangete, ber Disputation 
©nbe abjumarten, alfo muffte er noth»enbig ffch »on 
feinem Siuhebette aufmachen. ©effhalben er aufflunbe, 
hinter bem alten Sffiöndje umging, bie 5£ffüre flracfö er# 
greiffet, »nb nach bererfelben Oejfnung auö ber ©tube 
hinauö eplet . » 

^)6Uifcher Morpheus ©. 198. 199. 

1 * 

Num. VII. 

SRattbiaS Sfiffau, 3nfpeetor unb Pfarrer ju 9t a* 
thenau an ber £a»el, fommt jur 9Jachtjeit in eine 
Äirche »oft ©efpenfier, unb »ertreibt mit ©c»alt 
, einen e6en prebigenben SWönch »on ber 
Ä a n $ e l. 

©efpenflergefchichten roie bie eben Num. VI. erjdhlten, 
»aren in ber ©efpenfterperiobe recht an ber XageSorbnung. 
konnte e$ anberö fepn, ba fich bie Ze ufelä furcht aller 
©emuther ganj bemächtigt batte? ©rlaubt eä ber Staum, 
fo foff im folgenben ^ffeil folgenbe ©efchidjte, fo auch 
unter biefe Kategorie gehört, unb 2üffau$ Slbenthcuer mit 
bem SOtönch erldutert, actenmdffig erjählt »erben, ©in 
^Jtebiger btlbete (Ich ein, fo halb er »or ben Slltar trete, 
fo fleffe fleh ber SEeufel alö Pfarrer gefleibet , mit SDtantet 
unb fragen neben ihn , unb mache iffm Slffeö nach, 
©prad) er ben ©egen, fo machte ber Teufel bie ndmlichen 
©effuä, theilte er baö 2lbenbmahl au$, fo »ar’d bajfelbe. 
©r bcridjtcte bie ©ache an feine geifllichen 33orgefe§tcn , 
bie ihm ben einjId)ta»offen Stath erthciltcn: ©r foffe ben 


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281 


näcbften Sonntag feine Yoc'ation mit in bie Äirdje 
nehmen , unb auf ben 2Cftar (egen. So ba(b ftcf> ber B6fe 
geinb nun toieber neben ibn (teile , folle er ibn im 9tamen 
ber b* ©reieinigfeit ernftlicb fragen, waö er wolle?, 
unb wenn feine Slntwort barauf erfolge , bemfe(ben fobann 
feine Vocation Vorfällen, unb babei unerfdjrocfen im 
JRamen bcö $errn erflüren : 9t idjt ber Teufel , fonbern 
©r, N. N. , fep orbcntlidj berufener unb beftellter ©iener 
3efu S^rifti bei biefer ©emeine. Sföeidje ber üeufel, 
wie man hofft/ unb ju berfelben 3«* unb Stunbe für 
ibn beten wolle, hierauf noch nicht, fo fotte er ibn im 
Bertrauen auf bie $ilfe ©otteö alöbenn mit ©ewalt 
»om Slltar ju vertreiben fudjen. ©er JEeufel bleibt jtebn. 

Qi fommt jum Äarnpf. ©ie ©emeine ficht mit großer 
©rbauung, wie ibr ©eiftlidjer bem Teufel 9tibbenft6ße 
gibt, unb ibn auf ade Sßeife von ben Stufen beö SUtarl 
berab ju werfen fudjt. 9iacb langem jweifelbaftem Äampf 
gelingt’^. 9?acbbem ber Böfewidft einmal Terrain ver/ 
loren t>at, fängt er an $u laufen, ©er ^)rebiget burd> 
bie Ätrcbgünge ibm nach.. SEriumpbirenb febrt ber Sieget 
jurücf. ©er Teufel ifl überwunben. ©ie ©emeine wirft 
ft<b mit ihrem Pfarrer auf bie Änie. SDtan banft in/ ' 
brünftig ©ott für ben erhaltenen Sieg, ©er ^rebtger 
wirb nie wieber vom Teufel beläftigt. ©er Triumph ifl 
vollfidnbig. ©ie greube allgemein. Snbeß b«t außer 
bem Pfarrer 9tiemanb ben Teufel gefeben. 

Unb nun fofort ju unferem SDtattbiaS Süßau! 
Sein Benehmen gegen ba$ ©efpenft auf ber Äanjel wirb 
un$ nun weniger auffatlen. ©ö war bamalö fo ©tobe, 
unb gewijfermaßen eine ©brenfadjc für bie ©eiftlicben. 

. « ©iner anbäebtigen Bürgeröfrau ju 9tatbenow FommtS > 

an einem Sonntage früh SJtorgenö fo vor , als ob man 


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f 


282 


jur gr übn»ette I dutete, welche fie nie ohne bie brtngenbRe 
Siotb gu »erfdumen pflegte, ©it fleibet pch alfo hurtig 
an unb eüet in bie Äirdje. SBie groß aber iß bag Gr* 
Raunen, worin Re beprn Gintritt in bag ©otteshaug ficb 
gefegt finbet. ©it ©erfammlung befielt größtentgeilg 
«ug ißr unbefannten ^)erfonen unb fDtönchggeßalten. Gg 
wirb gefungen, aber fie verfielt nicht eine ©plbe ba»on. 
Gin SDtönch ßeigt auf bie Mangel, unb prebigt etwa* 
baber in einer ißr »öflig un»erßdnblid)en ©pradje. ÜJiit 
hödjRer ©ee wunberu ng (lebt pe pch nad) ben übrigen 
3uhörern um, unb erSIicft unter benfelben hinter ihrem 
©ige eine ihr gwar befannte Sßeibgperfon , »on weither 
pe aber gewiß weiß, baß foldje fchon feit geraumer 
3eit nicht mehr am Sehen gewefen iR. JDiefe 
fliRert ihr ju: Gg fcp 3 f it, pe foße weggehn, ein 
Idngereg ©ableiben möchte ihr nachtheilig wetben. Gr« 
fehroefen eilt alfo bie fleißige Äirdjengängertn mit pochen/ 
bemJfjerjen aug ber Äirche fort, unb faum ip pe ßinaug, 
alg bie Rirchthüre frachenb hinter il;r gugefdjlagen wirb, 
(©o weit iR 2lßeg wie in ben beiben legteren Segenben 
Ndid. VI., woburch bie ©laubwürbigfeit ber roüßen 
Ströume eben nidjt fegr beßdtiget wirb.) 3Jtan fann 
leicht benfen, baß pe biefen ©orfaß hernach ihrem ©eicht« 
»ater, bem Snfpector Süßau, werbe erjdblet haben. 
Slfg bieß nun wirflich gefchieht , fo »erlangt berfelbe »on 
ihr, baß pe, wenn ihr bergleidjen abermal begegnen foflte, 
alg ob man gur grühmette Idutete , ihm foldjcg fogleich 
melben möchte, fo wolle er bann in ihrer ©efeßfebaft in 
bie Äirdje mitgehen. Ginige 3*it nachher trögt pch bieß 
wirflich ju , unb er begleitet bie grau in bie Äirdje. 
©ie pnben eint ber »orhin befdjriebenen ganj dßnliche 
©erfammlung, welcher ein biefer unb wohlgemdReter 


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283 


if toer £»njtf‘ tu «teer auch Dein 9 <f«^rten S Ä ßaa 
unPerfMnblichen Sprache et»a$ iotfth»Ä|jit. #trr 2Affau 
tritt an btt Äanjel hinan , unb bettelt mit lauter unb 
bretfler ©fimnie bem unberufenen «prebigee Pah btt Äanjel 
^runter ju gt^tn, benn baA fctj feine Äartjef, bte et 
ipenige ©tunben fcethad) ftaft feinet: ^«csatioil 
tfrtb fbvheP ^fttrramteA betreten Witbel 1 UlA 
tljrtt aber fein ©eborfam geletflct »urbe; fb fleigt et 
gttrofl hinauf unb ötältgt ben ©thnch mit Aheri 
tnicgenber ©e»alt juriicf, unb fo enblich PÖri* 
9)rebigtfFuhfe glAcflidj b f ru»ter. 'Öen augenbltcf 
petfch»inbet SÜTtö. Qi ifl ftnflcre Slacht in bet Äirche, 
unb bte Spüren finb »erfchlofien unb verriegelt: 58 «fr! 
Sptvt Wlattfeii! fchrept bte erfchrotf-ene gfraij; «Pit 
nrirbä nun werben? SBte wirbö »erben ! 'aht»ot# 
tet jener ganj gelafen unb gefegt; »ir ftnb herein ge# 
fommenV fA'woHen »tr wbljl auch toieber $i»au$ 
fommen. 33ep berjentgeri £bAre, burdj »eiche jie herein 
gegangen waten, ifl gleichwof ber 93erfuch oergeblich ge# 
»efen, bureh eine anberi ÄgAre aber ifl et gelungen. * 
C©riläuftg bemerfe ich hier noch, baffauchbie guten 
©tifler obe¥ ©efpenfler oft Ätrche fttelttn. ©te 
liebfiche Segtnbe oon ber frommen 2lntt«, eiher 33o(fA# 
fage auA ben 8abn#®egenben, (bie ©riffelt Gfrfft# 
mette) ifl eben in bem 2(ugenb(icf ba ich biefhfehreibe* 
von 3ofeph 33 raun pon ffteuem bearbeitet in ben 
granff. Unterhaltungen für Stabt unb Sanb 
1822. Num. 3.) » - •’« iowS .£ (* . 

Gin Ähnlicher 93erfuch, ben Jperr SDlattheiA 2öfiau 
machte, ©efpenfler $u »erjagen, gelang ihm nicht fo gut, 
alb bei biefem Äapujiner. IDian jetgte ihm an , baf ftd> 


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284 


«Be 9?d<bte ©efpenfter in eine« geroiffeit ? JEobtengewftlb« 
hören liefen, (fr geht finein , wm fte ju »ettreiben , 
»irb aber fo »on ihnen empfangen/ baß er einige Sage 
barauf por Kngft unb ©ebreefen färb. 3« bem ©eroolbe 
maren, »ie aus ber (frjdhlung augenfcbeinlicb erhellt, 
Räuber ober galfcbmünjer geroefen. Slucb biefer Vorfall 
ebarafterifirt jene 3 eit. ©arum ftef t er fier., , ©a$ (f in# 
jige bemerfe ich noch , baß Süßau reeft mitten in ber 
©efpenjterjeit, b.|. in ber erften £älfte beS fiebenjefmten 
Saßrljunberts lebte. • . , t 

GineS ^rebigerS in ber Slltenmarf an ben 
Herausgeber ber oermifchten ©epträge jur 
nähern (f infidjt in baS gefammte ©eijterreidj 
überfebitfte Relationen von SDtatthiaS Süßau 
6* 30 f« 

,■ ... '• •. 

. ©o will idjnunbiemitbieSlbtheilungfcbließen, 
unb hätte i<b eS lieblich unb recht gemacht/ baS 
wollte ich gerne. 3ft cf ahe t r$u geringe, fo fabe 
ich hoch gethan, fo »iel ich biCrm^ocht*. ©enn alle« 
geit SB e in ^ ober 2Baffer,frinfen, baS ijt ni<bt 
luftig; fonbern jutpeilen 2öein, unb guweilen 
SBaffer trinfen, baS ift luftig.. 21 Ifo ifts auch 
luftig, fo man SDtan eher lei liefet, unb ber ©inge 
mancherlei) ©cutungen höret. ©aS feij baS 

r;. . . V,- : -.r.-i , © n b<t, *> ; 

’*-,**/ * ' 

*) 3. i Dtaccab. xv. 38*40. 

tf •< ..irr. •? tiv-, v 
.. Z 1«. •« ml'. .• . i . 

v;,v h-j! '».• • : •tf/i-i i- :’r. 1 i .■ 


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fünfte 96tHi(uM/ 

benfroürbtge ©efdbtcbten, C^arafter jiige, 2lneF» 
boten k. auö alten unb neuen Söcfyern/ Weife» 
befdjre ibungen , SDJiffi ondberidjten u. f. m. jur 
G&arafterifirung beb 3 flU & er '*»nb ©eifter» 
glaubend entbaltenb. 


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* . . n i. ; t j -1 t *: , « » n u ? 

• ’jfi' . . • r- ; ; • i it , j. *. 

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287 


\ *!*:• . ■ t * v * 

’• / * t v • i ' • 

*•1 - . ’ 

I. Monsieur Oufle, ober ber abentheuerlidje 
2 ßcI;rn)olf. 


• .. i: . 

2Uß Beitrag jur @cfd)id)te ber JBefdmpfung beß 3au&er< 
glaubend. 

i 

«Sie Sllfeß, von ber tauffenb# jMrigen Griebe biß jur 
fffjnelT vergdnglidjen SDtai* ober ©d)lüfjel?93lume, bie in 
if>rem ©djatten blüht, in ber Statur feine 3eit hat, 
über bie hinauf eß nid)t beliebt unb bauert, fo aud) im 
kleinen unb ©roßen in ber moralifdjen unb in* 
tellef tuellen Sßelt. ©ie 3eit beß «Rittertbumß mar 
vorüber, alß Gcrvanteß feinen ©on Duirotte febrieb, 
unb nun fonnte alß ein ©cbaufpiel jum £ad)cn bargefrelft 
werben, maß ein «Paar hunbert 3abrc früher allen «Pfeilen 
ber ©atpre getrost hdtte. 

©o aud) ber 3auber* unb $erenglaubc im acht* 
jehnten 3ahrl;unbert, nadjbem il;n ©pee, 93 e cf er 
unb übomajiuß reiffenfdjaftlicb erfdjüttert hatten unb — 
feine 3eit vorüber mar. 

©cn 3auberglauben in allen feinen einjelnen 2lben» 
theuerlid)feiten unb ^neonfeguenjen Iddjerlid) ju machen, 
ifl ber 3»» e tf folgenber ©chrift: 

jniftorie , ober munbcrlichc Grjcblung ber feltfamen 


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288 


Cfinbilbungen , welche Monsieur Oufle auf Sefung 
fordjer ©üchtr befommen, fo »on bet 3auberep, ©e# 
fchwöbntngcn, ©efeffrnen, 3äu&erern, 2Böhr#2S6lffen, 
Incubis, Succubis, ©abbath bet f)eren, roeiffen Jraoen, 
wilben SOtännern, ^olter # ©eiftern »nb ©efpenftern, 
»ie auch »on SErdumen , Lapide Philosopborum , 
Astrologie, Navitdt# ©teilen, Talismannifchen ©Übern, 
*©täcf# »nb Unglücfätagen, ginfiernuffeit , Gometen »nb 
Galenbern , furjj welche »on atterhanb Grfcheinungen , 
2Bahrfag#3«uber# »nb $erenf»injten »nb anbern aber# 
gläubigen ©ingen banbeln. ©urchgehenbö mit »»den 
curieufen 9loten »erfehen ic. »nb in jwo fett ab# 
gebanbett. Stuß bem Jranjojifdjen überfejjet. ©anfcig, 
Anno 1712. 

©er 9tame be$ gelben beb ©uchä ift anagrammatifdh, 
(le fou) unb brr ©erfafjer beö SBerfd fott brr 2tbt Bour- 
delot gewefen fepn. Sr beruft jid) in ber ©orrebe auf 
SDtoliere’ä Üartüjf, welcher mit Stecht fage, bap bie 
Seute wo! lafterbaft, aber nicht ridicul fepn motten, unb 
baf baher eine lächerliche ©arjtettung ihrer SEborbeiten 
mehr fruchte, al$ eine ernfthafte ttttoral. 

©aö ©uch erfchien im Slnfang beö adjtjehnten 3ahr* 
hunbertö, alö eben beö ©rafen ©abaliö magifche unb 
theurgifche Schwärmereien in granfreich gtojjed Staffehen 
machten, unb hat ohne 3n>eifel jur ©efämpfnng be$ 
Slberglaubenö feinen 3n>ecf in einem Sanbe erreicht , wo 
bie 3*bl ber Üacher immer bie größte unb jiegreiche war. 

©ie ©arftellung im ©anjen ift bei Weitem nicht fo 
originell unb geiftreich, alö in ©on ui rotte, ben 
ba$ ©uch fühlbar nachahmt, boch fommen einige trefliche 
unb wahrhaft wi$ige ©eenen barin »or. 


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289 


3u Riffen gehren oorgüglid) bie dapitel x>on ben 
SBA^r«3B6,lfen, moraub mir, ba bad ®ud) feiten, unb 
babei felbjt in SBegiepung nicht unwichtig 

ijt , gur drpeiterung. unferer Sefer hi« einen gebrdngten 
Außgug geben wollen. • # • < 


9lad)bem ber 93erfaper Sh« I. dap. III. bie ÜÄetnung, 
bap pch SOfcenfdjen burdj £ilfe bed Seufeld in Spiere, 
befonberd in fogenannte 2B4br#2B6lfe *) »ermanbeltt 
fönnen, im Allgemeinen lächerlich gemalt hat; f° folgt 
hierauf dapitel IV: : 

. • ■* * “ • * * • ; 7 ' • 

üBie Monsieur Ouflc geglaubt, er fetjc fel6ft ein 

3B & l) r» 9ß o lf , »nb road er in biefer ®in6ilbung 
gctl)an. 

«An einem Sag im Carneval tractirte Monsieur 
Oufle feine gange gamilte unb einige gute greunbe gu 
Abenbd, benn ob er glcid) fonjt nidjt gar gcfdjeib unb febr 
aberglaubifcb mar, fo mar er bod) oon gutem dffen unb 
Srinfen eben fein geinb, menn nur biefed babei beobadbtet 
mürbe, bap man ja bad ©algfap nicht umfeprete, bie 
Üfteffer nicht frcugweip legcte, unb jtd) nicht ihrer breigehn 
^Perfonen an ben Sifch fegten, dr madjte an bemfelbigen 
Ahenb AUed munter, bap man macfer triufen fallt e, 
ingroifchen fonnte man mohl eben hoch nidjt fagen, bap 
er pch gang »on ©innen getrunefen, fonbern cd mar nur 
ein redjt chri^lid) jftaufebeben. 

*> 34 4>abJf ! #ett bem 3tUett auifubrticb in bet Stämonemagi« 
gcMttbelt, namentlich t>o:t beit 2l>icr? SBenoaitDliiitgen 2b- U< 
©. il7-234. uitb ooit beit Sföiibt-- Sßolfen 2I>- L 60-71. 
.., 225. 229- f. .-i 

Iff. 19 


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290 


• 

SRachbeme man nun nach btr SOtahljeit ftdj 66er unter« 
fchiebliche SDtaterien über bie ÜÄaf en im ©efprdch munter 
unb luftig bejeiget batte/ rote ed faft aCfejeit ju grfcbebn 
pflegt, roenn ber SEBein $err roirb, begab jich ein jeber 
gan| »ergnügt nach ^)aufe. Sßie ftth benn aud) Mr. 
Oufle nadjbem er bie 2lbfd)iebd«Complimente feiner 
©dfc angenommen, in fein ©djlafgemacb , Madame 
Oufle aber in bad ihrige »erfügete, bie Äinber aber 
fudjten auch ein jebed fein 3*ntmer. Camele unb Ruzine 
(Mr. Oufles ©öfme) famen mit ben Jtifen faum auf bie 
(Srbe, fo feicbt batte jte ber SEBein gemacht, road aber 
ben Sansugue betrifft, fo fudjte berfelbe, fo balb er 
allein roar, feine ÜJtaöquen«Älciber burcb, baoon er audj 
eind nahm, unb ftcf> eiligft mit anbern jungen Scuten 
auf ben ©all verfügte. Mr. Oufle roar nun faum allein, 
fo überfiel if>n gleich, ich roeif nicht road »or eine Un« 
ruhe, baf er nicht lange an einem Ort bleiben fonnte. 
fltachbem er eine jeitlang in ber Kammer auf unb nicber 
fpajjieret roar, gieng er enblid? herauf, ba er bann bte 
JEreppe hinauf roanberte, »nb roie er »or bed Sansugue 
3intmer »orüber roanberte »nb bafelbige ofen ftanb, 
machte er (Id) 'hinein, entroeber auf Curiosität, ober 
mit ihm ju fchrodfjen. ©etn fep nun roie ihm roolle, 
er ging hinein , fanb aber ffticfttd ald nur bie ÜJladquen« 
Äleiber feined ©ohned, bie er in ber Crpl entroeber liegen 
lafen, ober ju »erfdflief en oergefen hatte, unter welchen 
er eineö erblidte, fo ba eigentlich baju gemacht roar, fd) 
ald einen ©dren ju »erf leiben, roeldjed ihm benn am 
meiften in bie Slugen fiel, baf erd hinten »nb »orne recht 
betrachtete, »nb ftef) nicht fatt baran fefen foqnte. <Si 
roar aber biefer Habit aud jottlichten ©dren > #duten 


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391 


gemachet, t>nb bergeflalten fünfilich wrffcrttgt, baß ber# 
jenige, fo e$ angelegt b«tte, «ore $aupt biß auf bte 
güße einer folgen SBeftic Ähnlich fab. 28ie er nun baffelbe 
lange bi« «nb b*r betrachtet batte , frtegte er eine 2uft , 
fidj beffelben ju bebienen, vnb feiner gram eine Äur§# 
weil ju machen, bie Äur$rotil füllte aber barin beftefeen, 
baß er biefen $abit anlegen, »nb fte tüchtig erfchretfen 
«joüte. SBeldjeä er benn oor eene um fo viel befto 
wtfjigere Invention hielt, »eilen Madame Oufle »egen 
feiner £ei<htglaubigfeit »on ©efpenftern, ijerereten rnb 
Dergleichen Sachen , aUfirtig mit ibme etwaä ju tfmn 
batte. Önb jmeifelte er nicht, baß men« ihr nur erflt 
einmabl tapfer eine rechte gurcht eingejaget, e$ ibme 
fünftig nicht mehr fo fchwer faßen würbe, fte in biefen 
Sachen auf gefcheibere ©ebanfen ju bringen, ©iemeüen 
er nun eben »om SBeine noch recht munter war, fo ging 
er baä ©tng an mit ©efdjwinbigfeit , »nb glaubet eä 
fJlientanb , wie ibn baü erfreuet , baß er einen fe wi&ige» 
Streich erbacht, inbeme er boffete, baß unfireitig etwaü 
favorables für feine Sieblingdmeinungen barottd crwachfen 
würbe. 1 . 

(Sr nahm baraujf biefe ÜJtaeque, pnb erbub (ich wiehere 
umb in fein 3* mmer / »nb nachbeme er fte angeleget, 
fchlid) er gan§ (etfe bem ©ernach feiner grauen ju , um 
ben febretfbaften offen , ben ihm bie ©elegenheit an bie 
£anb gegeben, bafelbften ju fpielrn. 3nbcm er nuit im 
©e griff war, feine ßomübie anjubeben, merfete er, baß 
ber Madame Oufle ihre Äammerfrau annoch bep ihr 
wäre, welcheö ihn bann wohl fefjr oerbrof , er ließ ibift 
aber fein Sßorbaben injwifdjen nicht entfaUro, fentbern 
febrete nur wieber jurücf in feine Kammer , um bafelbft 


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292 


gu »»arten, bi# biefe Sftngfrau würbe »on »'br fepn, 
bamit er: feinen ©treid) aldbann befto fixerer auefüijrm 
•wiflftttl «•••» "• '»-'S ' ! 

3njnrifchen fejjte er fwh gunt Äamin, »nb bamit er 
#d)ii« *twa$ ergbgen »nb ben ©crbrufj fcefto beffer »er» 
ireiben möchte, nahm er »on einem üifdj bag erfte ©udj, 
fo ibme in bie $Anbe gerictb, »nb baö »»ar eben Bodini 
Dämonomania, roeUheö er benn auffdflug, »nb »on 
»b«3*füb r ben Ort antraff, fo »on 2BAbr»2B6lfen 
banbeite, waö er nebft anbern bergieicben ^crriidjen 
SWaterien fcurchlafe, bafj etwa eine batbe ©tunbe ftdj mochte 
»etfchlichen haben, ba benn ber 2Dein, bie SßArme »nb 
ter ibequeme ©i{}, ben er batte, »erurfacbtcn , baf? er 
«infchlummerte , »nb obn»ermerft in einen tiefen ©djlaff 
fiel, bajj er Sllleö »ergafj, waö er getban batte, »nb mi 
er noch batte tbun wollen. t > 

t Smmitteifl fann man (eidbt erachten, ba# Madame 
Oufle, nöeUen fie »on bem, waö man wiber fie »orbatte, 
nicht ben geringflen 2lrgi»obn batte, eben fo fanft werbe 
igefcfelaffeit haben, alö ibr^err, obgcbacbteÄammer»5ratt 
aber batte if;r Quartier gerabe über Mr. Oufle feinem 
3intmer , »nb mochte eö »ielleidjt fepn , baf» fie auch am 
Stacbtifcb »»are, ju guteö ÜWutbeö gewefen , fo lief fie ein 
©efebirr, beffen fllabmen ich hier nicht gern nennen mag, 
mit folchem ©tpraffel auff bie @rbe fallen, ba# Mr. Oufle 
terplöfjlich ba»on erwachete, »nb ganjj »erwirret »on bem 
©tuble auffprang. 3Bie er ftd) nun gegen bem Äamin 
über befanbe, al# »or welchem ein ©piegel'b* n 9' trt 
bliefete er ftch in bemfelbigen ©piegel in bent ©Aren» 
Habit , »»eichen er angeleget batte. 93nb bieweil ber 
SBein »nb baö grtuer ib m ben Äopf erbi&t batten , f«* 



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Schlaff fo gang »täglich war unterbrochen worben , »nb 
er ßch habe» in folgern Habit erfahr ; fo »erurfacbetebiÄ! 
2llte$, nebfi bent, waß er . eben »orgero gelefcn fratte > fo 
wunbediche opdnbcl in feinem ©egirn »nb in Aberglauben 
gefegten ©emßtb/ baß er glaubete, er fe» gewiß, »nb 
wabrbaftiglicf) nicht allein ein 33dr, fonbern 
ein wirf lieber SEdgr * SBolf. 9Snb jware fo War er 
bergejlalten »erbugt , baß et gang unb gar »ergeffen batte 
ben Ort/ allwo er biefen Habit : gefunben , »nb woju er 
ign batte gebrauchen wolle» > »nb ftd) nichtä mehr be» igitt 
fanbe, atä alleinig bie Idee oon feiner »ernennten 
SBerwanblung in einen 2Bolif, henebjt bem 33or# 
fag, burch bie ©affen $u lauffen, auö »ollem 
$alfe &u b rufen, bie 2eute anjufalfen onb Sille $ 
anbere, wai er fonjktt’&jon Sßdgr * Sßölfen ge* 
göret »nb gelefen gatte, $u tgun. ©abero er beim 
auch ohne UCufffdjub fort ging, auff bie ©affe lieff, »nb 
recht entfeglich anftttg ju geulem; 

3# muß üem ßefer ju gefallen anbei? biefeö melben, 
baß. ervfitt; »ierfegrötiger, «nbtfiartfer Äerl, »on, gutem 
Äreug unbj^Sruß gewefen, »nb ber »on 9fatur mit einer 
groben /.iftarcfen »nb bonnernbett Stimme wobl »erfegen 
wäre, ©abennnun alfo er fte, auch noch baju in ber 
J8aÄt yJ ,aMff6.:ib6ÄÄe ; trieb, »nb ba« ©ebeul ognebem 
etwaß grewlicfee^ rift fo :ßeßt fei» »» tr mit 

feinem ©ebeul jebermann fo eb nur gebärt, in gurcht 
»nb große Angft gefeget. SSnb er tbat auch wirklich be# 
erßen Ißerfucg in ber,@aßen^ibif er buregrannte an einer 
2lbenb*9Äußf, fo einer jungen artigen {Rdgerinwon einen 
ßlerblichen in fie.bsr liebten jungen SRenfchen gebracht würbet 
©«efer junge ; 4|erlr war ein Äram *©iener ,ge» einem be» 



294 


rühmten Kaufmann in ber ©tabt , aber nicht fo ein ge« 
meinet &auff*©iener, fonbern einer »on ben ftol§en, fo 
bie &auf?;£eute gu nichts fonfl galten , alß baß fte bie 
SfBeiböbilber , bie etwan in ben gaben fommen , mit ihren 
glatten SBorten »nb galanten Aufführung betrügen. SBüb* 
renber üHuftcf hatte ftch berfelhige gan$ in feinen großen 
ÜJtantel oerhüllet/ »nb gab genau acht/ oh er nicht feine 
Allerfchönfte etwan an bem #enfter erblicfen, »nb an ihren 
ÜRinen ein Vergnügen barüher ahnehmen möchte. 93nb 
wie nun bie Musicanten eben mit ganzer 5Jia<ht baö 
©tütf la Descente de Mars aujfmocheten , hüteten fte 
ein erfthrecflitßeö ®ebeul »on Monsieur Oufle , ba bann 
ber ©chrecfen über ein« fo greroltche »nb un»ermuthete 
Symphonie ihr ©ehlütß bergeftalten als in <5iß »er« 
roanbelte, baß fie alle miteinanber auff einmal eine ^)aufe 
machten , welche gewiß nicht in ihrer Tablatur ftanb. 
3ngwifchen fo Igufcßeten fte , ob jte »erfahren fönten / wo 
rt biefe grewltche (Stimm woßl h«rfommen, als ber einge# 
bilbete 9Bdbr / äRofjf eben noch weit fiÄrcfer artfing gu 
heulen , »nb ftch i^n«n fchon giemlich genähert hafte/ auch 
»on ihnen allen wtrcflich ba»or gehalten würbe, »o»or 
er ftch felbften hielt. 2l<h ! was »or einen Jammer »er* 
urfachete bis in bem befiür§ten ©emütß be$ fierblichen 
»er liebten ÄramsS5iener$, als er feben mufle, wie -baß 
bie Musicanten mit aller <Blacht baö ^)aaffti «panier er* 
griffen , »nb er eS auch felhfien »orS ftche»fib- hielt, ihnen 
gu folgen. » 

> •. Jfjier folgt nun natß frangöftfchem ®ef<hmacf eiii »eit* 

läuftiger wortreicher ©cßerg über bie ÜKuftfanten,' wie 
ber eine über ben anberen bahin gefallen , (Sinige'in 
SBeinhäufetM^gefprungen unb »on ihren Sßaten geprahlt 




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295 


hätten, her mit ber 23aggeige auö Jurdjt unb SerjroeifTung 
feine Sag geige an einem ©tein entjroei gefcblagen , ben 
er für ben 2Bdbr*2Bolf gehalten u.f.w. u. f. w., worauf 
6er Serfager alfo fort fdbrt: 

« ©oeb ich benfe nic^t baran , baff wir über unfere 
»erflöreten unglütffeligen Musicanten unfern 2ßdbr*2ßolff 
gan£ au$ bem ©efiebt verloren. 9?un fo wollen wir benn 
feben, ob wir ibn im folgenben Gopitel wieber finben 
f dunen. » 

©aö Vte ©apitel. 

SB a d firb ferner mit Mr. Oafle als SB d ^ r * SB o If f e n 
jugetragen. 

«Monsieur Oufle nun würbe, naebbeme er fo viel 
ÄerlS , bie ein fo grämlich Serm malten , in bie glucbt 
getrieben batte, noeb um fo viel mehr befrdftiget in feiner 
ßinbilbung , als ob er wird lieb ein wahrhaftig SBdbr* 
Sßolff fetje, vnb wollen wir je|o feben, was er in feinem 
3Bäbr«2BolffSlauf erfcbrecflicbeS angejteHet. ©enn er war 
gar $u voll von feinen Ideen von feiner gefächenen Ser« 
wanblung , vnb batte eine viel ju groffe Scgierbe , felbige 
ju unterhalten, als baß er ftcb an bie luftigen Musicanten 
gemacht hätte, vnb eS febiene faft, als ob biefe Seute 
feinem Verlangen, feine IffidbrdZBolffS 3Ratur $u probiren, 
noch nicht genug wdren. ©S wdfjrete aber nicht langf, 
fo hatte er eine bequeme ©elegenbett, ftcb biSfallS ju 
ergäben , vnb baS war folgenbe. 

Qg giebt nehmlicb in allen groffen ©tdbten fo artige 
junge Herren, welche von wunberlichen ^)dnbeln Profes- 
sion machen, vnb benen eg eine ©chanbe wdre, wenn 
man ft'e vor weife hielte, fonbern welche Öhre sieben wol* 
len aus folgen ©ingen , fo ihnen bodj nichts als ©ebimpf 





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296 


»nb ©chanbe geben fdnnen. 93 nb baö mar ein ©lüd 
für Monsieur Oufle , benn in ber 9lad)t , ba er ald 
2Bd^r?2BoIff herum lief, fanben (ich eben begleichen 
feine £eute auf ber ©affe , immaß en »ier junge ©urfchen, 
welche »or Äurgern eben bem »erbrießlichen ©chulleben 
gute Stacht gegeben , gerabe au8 einem Sßtrtbähauß famen, 
»nb alibalben eine »on ihren tapferften £baten »or bie 
$anb nahmen, ©iefelbige beftunbe aber barinnen, baß 
fie ben Seuten bae ©rath an ber Äloden abreijfen , bie 
Klopfer an ben ^^ftren abbrechen, ober wenn baö nicht 
angeht, baß fie boch roader anlduten, auö aller SDlacht 
anflopfen , bie ©renjen oerrüden , bie betten an ben 
©den ber ©tragen gumachen, bie ©djldßer »erroechfeln, 
»nb anbere (ihrer Sapferfeit roohlanfidnbige ©inge »er* 
richten, gürroahr man fiehet feine oermegenere »nb 
fühnere gelben , alö folche geute , »nb mann fie »on 
einer Sbhre ben Äldpfer abgebrochen haben, »erntepnen 
fit mehr ©fme eingeleget gu haben, atö bie flügfte »nb 
tapfferfit Generals -^perfohnen, fo eine große Operation 
glüdlich audgeführet. 

2ln biefem Slbenb nun , ba unfer SBdhr y Sßolff auf 
war, lieffen (ich biefe »olle flacht y©chrodrmer auch nicht 
faul jtnben , fonbern arbeiteten tapfer an ben ©loden 
»nb Ärdngen ber ^jdußer, an ben ©üben, rote auch an 
ben ©dnfen »nb Äetten auf ber ©afen. 2Bie fie aber 
eben einanber ihre rühmlichen Saaten errieten, »nb 
bie groben berfdhen einanber geigten, fng Mr. Oulle, 
alö melchen fein 2Beg gerabe auf fie gutrug , graufam an 
gu heulen, roelched, unfere gelben alfo erfchredte, baß fie 
gan| »erbufct flehen blieben »nb nachbachten, ald welche* 
gar feiten an fie fam. 3ngmifchen erneuerte ber 2Bd&t # 


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297 


. 1 1 • / - • 

2Bolff r fein ©ebeulmit größerer ©tdrefe »nb ©facht, »nb 

ba würben unfere junge £>erren auff einmal fo ftitf »nb 
friebfertig, baß ße einanber anfaben, ogne baß gerthgft« 
SBort ju fpreegen. SBdhtenben ihrem ©tillfcbweigen hielt 
baö ©egeul an , ber SBolff fam ihnen ju ©eßegte'; »nb 
unfere »ier ©Itlchbdrtige Jp eiben forgeten, je ndber ihnen 
bie JBeftie fam , wie ße ßdj epligß auö bem ©taub machen 
möchten, bagero ße benn auch enblüh, wie ße ! fdgen, 
baß baö Ungeheuer gewaltig auff ße loörannte, ohne 
weitere Unterfuchung gerfengelb gaben , »nb gurtigß bie 
glucht ergriffen. 3njwifchen unterließen ße am SSÄorgen 
barauff nicht, mit »ielen »nb prdegtigen Söorten ju er# 
gehlen , in waö oor ein furieufeö ©efeebt ße ßcb tapfer# 
mütgig mit bem 2Bebr#2Bolff eingelaßen, »on bem beb 
fofgenben Slageö in ber gangen ©tobt gerebet, »nb eine 
©lenge erfchrecf lieber ©inge, fo er »errichtet, erjeglet 
würben , alö wie er einer »ornehmen Dame bie Jpanb 
abgebiffen, einige arme Äinber gefreßen, einem fficifen# 
ben bie ©ebarme auö bem Seib gerißen gäbe u. f. w. , 
wie wir im Verfolg biefer ©efchichte weiter »ernebmen 
werben, ©er »ornehmße ©roßfprechcr unter ihnen hatte 
fogar auö einer helbenmütbigen gürßegtigfeit , bamtt er 
möchte »or recht tapffer gehalten werben , gar in ber grübe 
in ber Kammer gleich feinen ©egen entjwep gebrochen, 
um benfelben ju jeigen , »nb gemacher bie alten Sßeiber 
in feinem Quartier mit ©rjeglung feiner Jpelbentgaten 
ju unterhalten, mit waö »or eine Kühnheit er ßch gegen 
bie graufamen Slnlduffe biefer erfcgrocflicgen Bestie »er# 
tgeibiget hätte, ©och mir wollen ihnen ihre £uß, 
Victoria! ju fegrepen, gerne laßen, »nb fegren wieber 
ju Mr. Oufle jurücf. ©enn ein bummer Äerl iß in un# 


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298 


ftren Sagen fo etwas gemeines worben , baß man burdj 
ihn meßr importunieet , als vergnüget wirb/ aber ein 
2Bäbr*2Bolff, als Mr. Oufle, iß etwas fo rares, baß 
er einem wohl eine Srgöfclichfeit machen fann u. f. w. 
u. f. w . » 

0o gebt eS nun noch bureb einige Kapitel burdj, 
unb ob wir gleich annehmen bärfen , baß viele £efer ber 
3 - 53« noch ÜÄebrereS von £errn Oufle’S Slbentbeuern 
als SBdbrwolf mit 93ergnügen lefen bärften; fo iß bcS 
ÜBifjutbeilenben für gegenwärtige Slbtheilung boch noch 
fo viel/ baß wir hi« abbrechen muffen. 


II. Cer Seufel belehret ben Jperrn von 

Queriolet. 


(Sin merfwürbtger Seitrag jur berüchtigten ©cfcfjic^te ber 
Seufel unb Sefeffenen von Loudun. 

I. 

35on ben Senfe ln ju Loudun, bie ju ihrer 3«* 
ein faß unglaubliches Siuffeben gemacht haben, wirb noch 
einmal eigenbS in ber 3* ©• bie 9tebe fepn, ba hier ber 
Staunt baju gebricht. — Ob bie gange ©efcbühte auf 
unabfichtlicher Säufchung unb 3 ( t t '3 r > : t v abn beruhte, 
ober, wie man gewöhnlich annimmt, ein fänßlicb atu 
gelegtes, abßdjtlicheS SeufelSfpiel war, um ©ranbiet 
auf ben 0cheiterhoufen gu bringen, will ich h» tlr noch 
nicht entfeheiben. Cie Sache iß weitläußig unb ver* 


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tmtfelt, unb Aber feine SEeufelJ# unb ©eft$ung8gefcbi(bte 
iß öießeicht fo »iel gefcbrieben , al$ über biefe. 3« 
©etfer’S bejauberter Sßelt, C£b* III. ©. 362 f. nach 
ber ©chwager’ifchen Ueberfefcung) befinbct (üb ein ganjeg 
wcitlduftiged Sap. baoon; Räuber bot mehrere Steten# 
fiütfe barüberj in 3o bann Sleichen’ö fernerem Unfug 
ber 3ouberet ©. 273 — 544 ftnbct man bie Ueberfefjung 
einiger ber widjtigften ©Triften, welche baoon bonbU«/ 
u. f. f. 2tbcr bief aßeö erfobert eine oiel ausführlichere 
©arfteßung , alö gegenwdrtig hier möglich iß* 

£err t>. Q ueriolet mar oor feiner ©efebrung ein 
febr gottlofer SWenfcb* Slad) feiner ©efebrung trieb er 
feine ©ufl# unb grömmigfeitöübungen bis $u einem 
©rab non ©errüdftbeit, ber ju gleicher 3«t OTitleib , 
Cfrftaunen, unb dntfejjen einflof t* 

' 2Ba$ mir bitr über ibn in ©ejiebung auf feine ©e# 
februng burch bie Teufel »on Loudun mittbeilen , 
iß au$ folgen bem ©uch genommen/ beffen langen unb 
abfcheulichen Slitel mir unferen gefern notbmenbig §ur 
©elußigung mit biplomatifcher ©enauigfeit gan$ mit# 
tbeilen müffen: 

' «£>ie unerforfchltchen SBege ber getunter# 

laffung ©otteö, in welchen er ftcfj nach benen 
offt undchten ©egriffen ber STOenfcben richtet/ 
bargeleget in brepen auö ber gran&öflfchen 
©brache ind Steutfdje überfefcten geben 6# 
£ duffen* Slebß bepgefügten Srmegungen über bie 
SCbfonberung unb ^erunterlaffung / worinnen »or ber 
falfchen unb felbßflugen Condescendenz ber Steulinge, 
roeldje tbeild au$ ©efebrfuebt, tbeilS auö Äreu§# flucht/ 
neben ber geraben Siegel ber ©djrift »orbep gebet, unb 



I 4 / 


300 


ohne innere« Siebt bcö ©eifte« bet ^enmterlaffung ©otte« 
nadjjuabmen oorwenbet, befonberö in biefen lebten 3«ten 
bc« ©eridjt« be« Oralen unb ber £ure, wie aud? $ugteicb 
»or »ermeffenem, au« bem Unglauben unb eigenen SDtobell 
berfommenben Stiebten über biefe unb bergteicben ber 
naebgebenben # er unter laffung ©otte« gemüffe gübrungen 
ber ©eclen gewarnet wirb oon ©inem, ber bie lang« 
mütbige Siebe unb J^crunterlaßung ©otte« 
unb ba« ©alg in ©btijto 3efu fuebet unb er* 
bittet. Seipjig, 1735. 

• Sfceber ber franjüjifdje 93 er faß er ber Sebenildufe, 
no<b ber beutfebe Ueberfeger jinb genannt. Oie 93orrebc 
ber Ueberfegung ift unterfebrieben ©ber«borf, ben 
29ten 3anuarii 1735. Da« Original febeint »on einem 
frommen, fatbolifeben, ber myjtifcben 5£beologie ergebenen 
©eijtlicben gefdbrieben $u fei?n. 2tber fofort jur ®ad;e, 
wobei icb mid) ber möglicbften i?ür je befleißigen , unb 
ganje ©lütter in wenige 3?ilen jufammen brdngen werbe. 
Oie Seben«befcbreibung bc« $errn v, Queriol.et ;j ifi 
bie jroeite im ©u<b, unb führt ben folgenben Xitel: 
Oft« Seben Monsieur Pierre Gouello de 
Queriolet, eine« ber allergrobflen ©ünber, 
ju beffen ©efebrung jtcb ©ott bat gefallen 
(affen, bie Xeuf fei ju ^rebigern ju machen. 


„ .. v • - !« ' , * (J 

Oa« XIVte Äapitel. Oie SKittel, roobureb 
©ott ben Sptttn p, Queriolet befebret. *©o 
fam benn enblicb bie glüdfelige ©tunbe feiner ©efebrung, 
unb ba biefer »erb.lenbete ©ünber eben am gefcbdftigften 
war, feiner tb®rid>t*n Sßeltlufl nacbjujagcn, unb ejbe$ 


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301 

ba$ fe§te Opfer feiner Suffe ju erreichen oorbatte , fo 
fam ©ott unb gab ftch ju feinem Jperrn unb $eilanb aiß 
Oaju gab nun gofgenbel bie ©elegenbeit. : • ' 

©r' batte bie Slbrebe genommen , mit«: einigen feiner . 
gretmbe nad> Loudun.ju geben, oßne einige befoabere 
Slbftdjt, als eine fchbne Huguenottin ba ju (eben, »on 
beren feltener ©chönbeit er Zieles erjdblen bören. @r 
reifete alfo babtn , biefe junge jfeufchbei* 5« rauben , 
unb um feine Äoflen unb Sift ju fparen, fo wollte er 
auch bffentlicß ju ihrer ^Religion übertreten» 311$ er aber 
an bem Ort angefommen mar, fo gefiel e$ ©ott, ibn 
in feine eigene ©eile ju jieben, unb fübrete ibn unser* 
tnerft »or bie Kirche jurn Äreuj, too er son Obn* 
gefdbr einen großen Sdrm sernabm, unb alö er nach ber 
Urfadje fragte, fo antwortete man ibm, e$ wdren be* 
feffene 2öeib$f^)erfonen , son welchen man bie Seufäl 
auötriebe , wo ß<h gemeiniglich viele Seute son fernbet 
einfdnben, oon aüerbanb ©tanb, auch fogar fprinjen 
unb .§>errn be$ £of$ jc. hierauf befam er Sufi in bie 
Äirche $u geben, mehr um ©elegenbeit jum Sachen ju 
haben, alö au$ einiger grömmigfeit, aber ©ott gebrauchte 
hier bei ibm nach feinem unerforfchlicben 9iatb ben ©tenfl 
ber Teufel , ber Herren ber ginfierniß , wefche nur nach 
bem 93erberben ber Sßienfchen trachten ic* ©enn ber 
5£ e u f e 1, welcher burch bie ÜÄadjt ©otteä getrieben mürbe, 
ibm bie SÖabrbeit $u entbccfcn , tbate eö mit folcher Jiraft 
unb SBirfung, baß er bet Jperrn »♦ Quer.iolet 
ein außerorbentlicheö SBerfjeug ber 33orfebung 
unb SOiacht ©otte$ warb, wie wir nun weiter bäten 
werben u. f. w. £>a$ XVte ©apitef. 2Bie ^)r. 

». Queriolet $u Loudun bef^tet worben, unb 


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302 


burcf) feine Sßrdnen unb ©uße bie gewiffe 
ÜJterfgeichen baoon gegeben. 

53 on feiner ©efebrung jeuget er felbjl folgenbermaßen: 

21 Id ich mid? eines SageS btp einem meiner guten 
$reunbe oon 2lbel befanb unb »on ben ©efeffenen ju ' 
ju Loudun bie 9tebe war, fo lachte ich hierüber , jebodj 
ging id> auch babin, aber in einer gang anbcren 2lbftcht, 
als bie ©efejfenen ju feben. 2llS ich nun ju Loudun 
angefommen war, fo ging td) allein in ber ©tabt herum, 
um gu meinem bbfen ©orbaben ju fommen. Da id) nun 
unoer ftbenS an bie Äirche fam , wo man bie ©efejfenen 
befcbwor, fo bürte ich barinnen ein fo groß ©erdufdj, 
baß mich ber ©orwig trieb, ba hinein ju gehen; itb 
ging ganj unerfcbrotfen an ben Ort, wo bie ©efcbwü* 
rungen gefaben, benn ich furchte nichts auf <5rben» 
Den anbern Sag ging ich auS fReugierbe wieber babin; 
ben britten Sag ging ich abermals hm in ©egleitung 
eines oon 2lbel, welcher ftch aber fo fehr furd)te, bah «r 
fich alSbalb jurücf begeben mußte, ich int ©egentbeil 
fpottetc allegeit nur hierüber, ©er Seufel aber, welcher 
bis jefct nichts von mir gefagt batte, ftng an mit mir 
alfo burch ben Sßhtnb einer »on ben ©efejfenen ju reben: 
SÄein #ert, was macht 3h r h irr, als ein 
SRann, ber Sapferfeit *) unb ©roßmutb bat, 
unter biefen elenben SJidbcßenS. Unb als ich bent 
Seufel geantwortet , baß ich rin ©erichtSberr wdre, unb 
nichts mit SBaffen ju tßun hdtte, fagte er: ja, ja, ba# 


*) Querioiet mar «u ein gefürchteter ©uellant befanrtt, unb batte 
auch ‘iuige Seifige im breijjigjiibrigen Ärieg mttgentacbt, wobei 
er fich burcb feine StapfcrEeit ausgejeitbnet batte. SSßar'tf bem 
•teufet »ielteicbt infanuirt , fo , ober fo ;u fpreeben ? 


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303 


ju gehört eben einSJfann, ber ^erj baß 
er btt ©erechtigfeit auSübe. (Sie gewanbt unb 
fein bocb ber Seufel ift!) 3cß fenne Such wohl. 
©aS gefchabe ben 30ten Januarii 1636. Unb btn anbertt 
Sag ging ich wieber bin , ba eS fdjon jiemltch JRadjt war/ 
unb bie löefchwörung ju Snbe lief, ©er Seufel wanbte 
ftd) §u mir unb fagte: SDfein £err, eS ifl fchon fpdt, 
warum macht 3b* Sud) nicht baoon? gürchtejl 
©u ©ich nicht »er beinen geinben? — 3« ber 
Sbat batte ich geinbe genug, aber ba ich ihn* antwortete, 
baß ich an biefem Ort nichts fürchtete, fagte er: 3a, 
ich hin bein geinb un b aller berer, welche ©u 
am wenigften fürchteft. (Sie abgemeffen, wie 
neologifch * epigrammatifch ! ) 

3ch ging beS folgenben SageS nodj einmal bin, unb 
als mich ber Seafel fabe fommen , fing er fogleich an, laut 
ju fchrepen: ®iebe, mein ©roßmütbiger, mein 
©roßmätbiger! ©arauf fam er ju mir unb rebete 
alfo mit mir: SOi ein 4>err, waS macht 3bt? — 
Sarum gebt 3b* ^i e r nicht weg? 2tlle$, waS 
3b r ju Loudun feben werbet, wirb Such nichts 
n u | e n. 

©er Pater, ber ihn befchwor, fagte ju ihm: 3*fuS 
GbrijluS würbe burch fein Sicht ade Solfen ber $inber# 
niffe jerfhretten, weldje er mir machen wolle. Sir 
wollen 3hn fchon baran binbern! antwortete ber 
Seufel, unb alSbalb fam er unb machte ein großes 3orn* 
gefdjrep, ünb fuhr mir mit ben £dnben 5 bis 6 mal oor 
bem Slngeficht ootbep, als ob er mich jerreiffen wollte. 
(Jintge Stugenblicfe b«rna<h rebete ber ^)ater von bem 
b. Sacrament mit biefen Sorten: ©iebe, ber Sburm 


r 


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304 


©aoibS, wo bie ©djilbe fangen, ©u fcrauchft alfo 
feine.anbere Sßaffen, fagte alhhalb ber fteufel ju 
tltir, nimm bie, fuhr er fort, unb beutete auf baä 
Sacramf ot unb laß bie beine fahren! 

, , ©aö machte enblid), Daß id) anjtng ein wenig in müh 
ju gehen / uitb. al$ ict> pach .fjauö gefomroen war , fo 
merftchcr j&firth einige 93erdnberungen an mir, benn 
id) war ein wenig eingejogener , alö fonft, Doch wußte 
er noch nicht , baß id) bei ben ©efeffenen, gewefen war , 
fonbern glaubte nur, ich ^dtte gewartet, bis mein neu 
5?leib oerfertiget worben. ©en anbern Xag gefchah «8 
an einem fefjr abgelegenen Ort, baß ber Pater ben Teufel 
befcbwur , oon ben SBefeffenen auS jufahren. ©er SEeufel 
antwortete, er tfy&te eö nicht, e$ hielten ihn weber 
3auberer, nod) ^ejccnmeißer hier *). 2llö i(m 
ber Pater ferner antrieb unb ihn fragte: wa$ er ben» 
ba brachte; fo antwortete er,, mit bengi» 3 «n auf mich 
weifenb unb fid) ju mir wenbenb: 2Ba$ weißt ©u, 
ob e$ nid)t gefd)ief>t, biefen ÜKenfchen ju bt* ' 
febren? **) ■ . • : •, u, 

*) 3m 3tnfang be4 ©peftaFcU fpracfjen bie ©efeffenen anber#, 
nämlich ba® ©rattbier ber gauberer fep, ber vermöge eilte* 
mit bertt Jeufel errichteten ©fiiibniffe « , alle bie® Unglucf äuge* 
richtet habet unb bie Äraft ber ©efchtvörungen burch feine 
3auberetett roirfungälv* mache tc. Sejauberte SSelt !£()• 111- 
365 f. 

**) 'Sowohl ber Sßerfaf er , al« Ueberfe^cr unfere« Such* feiten itt 
biefet ämroort eine gnabenreiche — .£terunterla®ung 
©otte* unb eine 5>em dthigun g be* JeufeU/ ber 
burd) gottlidte 3Racht roibey feinen SBiUett gejntungen trvrben 
fett , biefen rudjlofen ffilaitu ju befeltrett. (Bi ift unbegreiflich , 
auf trab für ©inbilbungut ber SXeufch verfallen Cami , unb man 
mu® über eine fvlc&e atöcetif lächeln. ©an* ftefetbar leuchtet in 
bet ©efeltrung be* #crrn v. üueriolct etwa* aufgelegte* unb 
fßerabrebete» bnreh , unb ei i® ju verntniibern, ba® ber sffiüjb 


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305 


©arauf fafje ber Pater unb bie ganje ©erfammlung, 
weldje bafelbft war , auf mich , unb ber Pater lief mich 
ndher hinfommen. Ob ich aber fchott befonbere ©er* 
dnberuttgen in ben ©ejichtern biefer ©efeffenett fahe, fo 
baß fte mir halb fchön , unb halb barauf fo »erfteilt »or* 
famen , baß ti gräulich mar , jte an jufeljen , unb mir 
biefeä Slßeö ©ebanfett machte, e$ müßte ftmaö Slußer* 
orbentlidjeS »orgehett, fabe habe») auch/ baff fte mir fchott 
»iele fefcr ftetm(tcf)e ©inge gefagt hotten, mooon Fein 
SKenfch etmaö mußte*): nichtö befto meniger Fonnte ich 
mich nicht ergeben , biö ich enblich fprach: 3<h möchte 
gern »on ben Teufeln brey ©tücfe miffen. 

©a$ er fte, mer mich behütet hdtte »or bem ©onner, 
ber »or fünf SDtonaten an bem guß meineö ©etteS f)tt* • 
unter gefallen, bie dauern gehalten, unb ba$ dpauS 
son oben an bi$ unten auö burchlöchert? 

©aö anbere, mer mich erhalten hdtte betj bem 
fpiftolenfchuß , ber auf meine ©ruft gefchehen fetj? 

lins, ber fonf nicht tmmm war, bieg nicht merfte, unb baburch 
erbittert , unb wo möglich, noch mehr oerbdrtet würbe. greilich 
traten bie Steufcl anfangs gar leife auf, unb machten bem -fjerrn 
©erichtsherrn Schmeicheleien. Ueberhaupt, wenn man bie ®e, 
fchichte ber Steufel »on £obün liest, fo möchte man fagen, ber 
Steufel habe fich nach bem ©enie ber Nation accommobirt. 

*) ®iefe bcttttlicben ®inge beftanben nach ®. 289 unb 290 in 
einigen SDtorbthaten, (ohne Zweifel bei Quellen, benn bag ber 
©erichtSherr eigentliche ®lorbthaten begangen hoben follte, lögt 
fich bei «Btt SSilbheit ber bamaligen feiten faum betifen) »er/ 
fchiebenen (Ehebrüchen, atheiilereien unb Äirchenraub u. f. w. 
aber tonnten bas bie Herren spater nicht aUeS reifen , um fo 
mehr, ba er fich eine geitlang in einem Slofer aufgehalten? 
3ch mug noch ein «Paar gragen hinju fügen. 2ßarum machten 
bie Steufel anfangs auf fo galante art mit fy. o. ßueriolet Se< 
fannrfchaft? Unb, warum gefchah bie ©efchreörung, als fie ihm 
«befer tu £eibe gingen, an einem abgelegenen Ort, unb wo nur 
wenige gufchauer jugegen waren? 

ni. 20 


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306 


Oftö britte, welches bic Urfcufje gewefen , baß ich 
au$ bem Jllofler wieber heraus gegangen? » 

O! mein ©ott, fegt ber SJerfaßer be$ SebenSfaufeS 
nun hier hinju, wer fann bie »erwunberlicben Sßirfungen 
beiner Sltlmacht auSfprechen , unb betne liebreichen Sr# 
finbungen, bie ©ünber ju befebren, genug preifen! 
©enn waö ijl baö für eine SSerdnberung »on beiner 
üJladjt, auS einem 2BoIf ein Samrn ju machen, auä 
einem 9laben eine Haube, unb häufige Spänen herauf 
ju locfe.t auö einem ©tein; ja baß bu bidh gar ber 
Teufel, unferer Argften geinbe, bebieneft jur 
^Belehrung biefeö 5 re i9 c *P cö unb Sltßeiflen. 
3n ber £ßat machte biefeö StUeö eine SBeflürjung nicht 
nur unter ben SETCcnfchen, fonbern fogar auch unter 
ben Teufeln felbfl. » 


3dj wage »orläuftg hinju ju fefjen, unfere SBeflürjung 
wirb nicht fo gar groß fepn. 2lbcr hier müffen wir in 
gegenwärtigem 5theüe abbrechen , tbeüö um unfere Sefer 
mit einer an fich wenig erheiterlicben ©efchichte nicht $u 
ermüben, thtilS um fKaum für ba$ ju behalten, wa$ 
noch jurücf ijl, unb in btefer 2ibthei(ung mitgetheilt 
werben foll. 

©ie Sefer ber 3 * 33 * werben bei ber britten Jrage 
mit 93erwunberung fragen: SBie fam benn biefeS 
wüßte SZßeltfinb in ein Älofter unb waö that 
er ba? 

©ie ^Beantwortung biefer $rage ift nothwenbig, um 
bie Slntwort ber teufet non Sobün barauf ju »erflehen, 
©ie bient jugfeich jum tßeweife, wie weit eö ber ÜJlenfch, 


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ber ßdj wie $err ». Dueriolet einmal abßdjtlidj gegen 
bie ©efe£e bed ©uten unb ^eiligen auflehnt, im S'iuch# 
lofen gu bringen vermöge, unb Idßt tiefe wehmütige 
©liefe in bie 2lbgrünbe bed menfchlicßen JnerjenS tljun, 
fobalb ed fre»entlid> ben Sinßüßen »on ©ben entfagt. 
©aß ße gugleid) ald ©eitrag gur ©itten#unb Sulturge# 
fdßdjte jener 3eit intereßant iß, brauche id) faum gu 
bemerfen. 

©er ©eantwortung obiger grage 'ft e ' n ganjed Sa# 
pitel (bad lOte) in ber Sebendbefchreibung Jfjerrn »* 
©ueriolet’d gewidmet, baß folgende Ueberfdjrift führt: 
©eine größte ©egierde, eine Äloßers^ungfrau 
gu fd)dnben. j^ier heißt ed nun ©. 281. 282. unter 
anberem alfo: « Unfered ©ünberd ©odheit fann baraud 
gefchloßen werben, baß er ßcb eine geraume 3*it b'nburdj 
alle SDtüfje gab, eine Jtloßer# Jungfrau gu fdjwdcben, 
unb allerhand Stß unb S^dnFe erbadjte, wie er fein teu# 
fclifdjeö ©orhaben gu SBerfe ridtfen ntödße. 2lld er in 
biefer Slbßdjt ßd) in ein grauen #Äloßer begab, fo wollte 
er feinen ©ranb nid)t oerbergen, fonbern er hatte gern, 
bafclbß alö ein reidjer unb gewaltiger DJathdherr unb 
Äaoallter, wie er auch in ber Sßat mar, befannt gu 
werben. Um ße nun beßo leichter gu »erführen, fo be# 
mühte er ßd) , »on ihnen ald ein bußfertiger unb frommer 
ÜJfann angefehen gu werben, unb rebete mit ihnen ald 
ein Üttenfd), ber ber Sßelt »öttig abgeßorben. Sr fagte 
gu ihnen, baß er erfennete, wie furg biefed arme Sehen 
fe») , ba wir. gubem nid)t wüßten , wann wir folcßed auf# 
gehen müßen, baß, ba ber ©ohn ©otted und belehret, 
wie wir allegeit auf unferer £utb feyn follten, bad bie 
größte Xhorheit wdre , ßd) mit fo »iel Sitelfeiten unb 



30» 


tbürichten ÜJBeftbingen auf§ubalten , »eiche bodj »erfdjrodn* 
ben , rote ber 9faucf) ; baf eä alfo »iel beffer fep auf bie 
Groigfeit ju gebenfen, welche auf bicfe 3eit folgen würbe, 
unb ftd) bußfertig jubereiten auf bie Rechnung, fo man 
$u ber 3«it / &« ber $err fommen roerbe , ju richten bie 
Sebenbigen unb bie lobten, ju geben haben »erbe, aU 
auf bie Vergnügung biefer SSelt $u gebenfen u. f. ro. 
u. f. ro., benn fo fpricht ber abfcbeuliche feuchter noch 
ein ganjeö Söfatt binburd). Slber fcbon ba$ ftier SDhtge/ 
feilte ift jur biftorifchen Slufflärung obiger grage bi«* 
Idngiich, unb ben Scfern ber 3«uber * ©ibiiotbcf wirb 
nun im fofgenben £bcile bie Antwort ber Sobüner Teufel 
barauf feine fonberlicbe ©eflürjung oerurfadjen, unb über* 
baupt gar nicht fo aufterorbentiich unb übernatürlich vor* 
fommen, al$ fte’d #errn ». Duerioiet felbjt ju fei?« 
bünfte. 

( Sortftgung uttb SBefcblufj int ttac&ftcn Steile. ) 


III. Oer Äoblfcb«>ar|e JEeuffel, 

bäij ifi: 

(Sine fcbarffe ^)rebig »cm »nb roibbet ben £euffef, 
2luß ber erflen Gpiffel ©t. *petri am 5ten V. 9. 

f . 

Groer SSDieberfacher ber Seuffel gebet umbber , roie ein 
brüüenber Söroe, unb fucbet, weichen er ©erfcblinge jc. 

Ueber einen erfthrücf lid)en gaü einer SfJlanni* 
*Perfobn, bie fidj in ©dbroermutb bem SEeuffel 
mit eigenem SBiutb »erfchrieben , barüber in 
Verjroeifflung geratbcn, aber burch ©ottef 


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309 


©nab wieber jurecht gebraut, »nb bemSteuffel 
auf bem Stadien geriffelt worben; ©eit 24ten 
©ontag £rinitati$ biefeö binlauffenben 1642 
3obrö, in beren bef}£eiligen9t6mtfd)en1Keicf)$ 
©tabt ©ßlingen, bet> 93 o Idfreicfter ©emeinb ge* 
halten; 2lu<h befambt J^iflorifcber ©rjehlung 
befi fchweren ©ewiffenfallö felbfren, »nb «uff 
festen bef? Ministerii mit ber armen ©ecl ge* 
haltencn ^projefü; 

©eit 93erflocften jur Sßarnung , ben ©tebenben jur 
Vermahnung, ben Slngefochtenen $um Stroft, betrieben 
»nbt in ©rucf gegeben, ©urch Tobiam JBagnern, 
ber ^eiligen ©c^rift ©octorn »nb Pfarrern bafelöften. 
©ebrueft ju Ulm, burch Valtbafar kühnen, Annoi643. 

I. 

JOiefeä feltene öffentliche SKctenfHcf bringt ben wüften 
Unftnn, bie unbegreifliche Jinjferniß , ben ganjen befla* 
genöwürbigen 3ammer ber Teufels* unb 3auber* 
9 er tobe recht »eranfchaulichenb »or bie klugen, unb ifl 
infofern »on bebeutenber liiftortfe^er Sßichtigfeit. 

<5$ ifl ein ©egenftuef $u ©crioer’ä Verlornem , 
aber wieber gefunbenem , unb bem Xeufel au6 ben flauen 
gerijfenen ©chAflein ; einem weniger unbefannten, in ber 
©Amonomagie ndher befdjriebenen Vuche. (£b* H. 
©. 173.) 

- ©ie 2Bagner’if<he ^rebigt ifl gerabe 70 eng ge* 
bruefte ©eiten in 4 lang, unb wenn fte SBagner fo 
gehalten hat, fo muß er wenigflenö fünf biö fechö ©tunben 
geprebiget ^aben. ©o »iel Qntereßanteö, ben ©eifl jener 
3eit VergcgenwArtigenbeä ,. unb mitunter SrbeiterlicheS , 


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310 


€dcf>erltd)eö , ja Unglaublidjed fie audj enthält ; fo ge< 
flattet ed bocf> ber 9iaum nidjt, auch nur einen Sludjug 
baraud mitjutßeilen. 3Bir begnügen und etnjig bamit, 
bad SEßema berfelßen |>icr abbrucfen ju laßen. 

©er (Eingang entßält eine Grflärung ber Sfiorte 
1. ©al. XVII. 34. 35.: ©ieße, bein Änecßt ßütete ber 
©cßaafe feined ©aterd, unb es fam ein £owe unb ein 
ffiär, unb trug ein ©cßaaf weg oon ber Jpeerbe, unb icß 
lief ißm nad), unb fcßlug ißn, unb errettete ed aud feinem 
9Kaul , unb ba er ftd) über mid) macßete , ergriff id) ißn 
bei feinem ©arte'*), unb fcßlug ißn, unb töbete ißn. 

©ieß nad) bamaligem ©efcßmad ungemein wiljig ge* 
wdßlte Exordium, ßenu&t Sßagner nach meitläuf* 
tiger ©rflärung ber Sßorte §u folgender auferßaulicßer 
Slpoflropße: 

« 2Dolan bcnn , meine Sltlerliebften in bem Jperrn! 
bezeuget folcßed 2Uled nicht ßer) Unß auff bißmat aud) bie 
gegenwärtige , augenfdjeinlicße (Erfahrung? — - ©ann 
fieße, o! bu lieber £err 3>efu Sßrijte, deine ilnecßte, 
bad Ministerium, ßüteten ber ©d)aaf beined t»nb 
»nferd ©aterd, bie er bir bei) biefer Äird) vnb ®e* 
mein burd) bad Sßort beß öoangelii gegeben ßaf. 216er 
wad gefeßießt? SSnb ed fam ein Söm, neßmßlicß ber 
jroar inwenbig briillenbe , aber »on aufferi in eined 

— - t ^ 

*) Stäßnen. SofepßuO Antiq. VI. 9. 3. ßat gar bei feinem 
©cßroeife, »oju Stieß« eli« in f. guten £auue bemerft: 3ber 
ieß modßte boeß ©eit feßen, ber einen 2oreen beim ©cßroeif föf eit, 
nnb fc gegen bie (Erbe fcßleubern fann, baß er tobt bleibt. 
3ucß pflegt ber £ot»e, roenn er einem anfallt, iticßt ben ©cßrocif, 
fonbern Jdßne unb Älauen barjubieten, unb wenn man ißm 
fagt, er ntoeßte fitlie fiebert , bio man ßerum ginge, fo tßut er* 
nießt. 3- »erroccßfelte alfo offenbar rpf ung 33 ) mit einanber. 
O r. © i b I. £ß- VII. @. 189. ©oeß bteß im Sorbeigeßn! 


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311 


IBtannögeftalt oerftellte, bergefcbli'-bene 26n>e, ba$ ifl, 
bet letbt'ge ©atban onbt SEeuffel. © n b trug e i n © dj a ff 
roeg oon bet beerbe, nemblicb ein Sßtittglib oon 
vnfrer ©emein onb 5?ircben, ein 99?ann$ «perfobn , etwa 
von 25 Sabren am Sitter, burcb 2ijt onb SBetrug, onb 
enblicb burdj jufammengebottnen ©pi£ onb Änopjf ber 
©erjtoeifflung. ©nb Sßir, |)err 3efu Gbrifte , beine 
Änedjte, tieffen biefem brülleitben 2üoen auff 
ber ftert mit bem ©tccfen onb ©tab beineö b- SßortS nach, 
nahmen jbn burcb bie £anb onferä Ministrii bep — 
bem ©art, fdjlugen tapffer auff jbne, onb brach* 
tcne, (©ir, o! frommer £eplanb fep ewig 2ob onb 
©ancE!) burd) onfer onb ber gefambten $ird? ©ebett 
babin, baß er biefeb ©djaf muft falten laßen.'- 
©ebet! t>it ft e b t e$ auff frepem guß beß 
©taubenö b* e »or etoren Slugenü! — 

SBapn eö ban nunmebro an bem, baß biefed oerlobme, 
aber burcb ©otteö ©nab toiebergefunbene ©cbaf, toieber* 
umb jur #eerb @b r tff* fott gefüßret , onb burcb Siuff* 
fünbigung beß oerfprocbenen £euffelgbienjtb, auch offent* 
liebe Stbbitt beß gegebenen Siergernuß, toieber ju ©naben 
auff* onb angenommen werben j fo ftebe auff foldjeö mat 
baö ©ontdglidje Evangelium an feinem Ortb , bamit 
mir bep fo febroerem ©etoiffenö galt bie oertefene Slpofto* 
lifcbe 2Bort $u genugfamer Information $u erfldren @e* 
legenbeit b^en mögen. Sllß in welchen eben bie jmeen 
rechte, b‘erju geborige |)aupt*^3uncten ftd; beffnben, alß 
ba jtnb; 

©rftlidj (im erften 5£beit) bie epgentlicbe 
©efdjreibung beß Xeuffetß, mit feinen leben* 
bigen, natürlichen, f oblfcbwarfjen garben " 
abcontcrfepet ono auögeniablet. 


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312 


gärg anber im jwepten Stbeil bet 
ti ge QSort^eil ber (Sänften, bemfelbigen un* 
ttr Slugen ju gehen, »nb $u wiberfiebcn, ba* 
mit, trän baö böße ©tunblein fompt, alles 
wobl außgerichtet »nb ba$ gelb erhalten 
werbe. 

93on welken be^bett gurteten nach 9?otbturjftb $u 
banbien , und (£(>rtftu$ 3efu$ , ber bem £euffel fein Steich 
jerftört , bie ©nab feinet Jp. ©cijtö geben »nb »erlepb«» 
wolle. Simen ! » 

3n biefem SEon gebt’S nun burdj jiebenjig ©eiten 
in einem fort/ unb £err SBagner fpricht befonberö im 
erften Steife mit recht glübenbem Seufelöfiafi , ba er ben 
SBöfewicht mit foblfchwarjen garben aubmablt. 2Bir 
fönnen aber, wie gefagt, mdjtö weiter barauö anfübrei». 
©agegen bie ber prebigt »on ©.71 bis 86 angelegte 
Relation beö 3S o r f a 1 1 6 ift in biftorifdber £>inftcbt 
unb als 3 e »* * unb ©ittengemdblbe fo wichtig, 
baß jte bei ber ©eltenbeit biefer prebigt ber 3auber< 
©ibliotbef einoerleibt ju werben oerbient. 

II. 

«§iftorifche Relation, beß fchweljren gallo, auff 
welchen btefeoorbergebenbesprebig gerichtet wo x> 
ben: folgenber maffen ber »erfammelten Äirchcn 

bep »olfreicher ©emeinb »orgetragen »nb 
e r j e h 1 1 1. 

©eliebte in o bem Herren! 

«< ©S ift jum ©ingang biefer prebig Slnregung getban 
worben, wie baß folche »ornehmblich fepe gerichtet aujf 
einen febr fehwehren 2eibö onb ber ©eelen galt, fo ftd) 


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313 


in vnfrtr Äirctyen vnb ©emeinb jugetragen , mit einem 
Witglieb berfelben , natymtytyafftig einem jungen Wann, 

' n ad) biefen jefct fofgenben Umtyjtdnben, roie fie (idj in ber, 

vor einer tyoctygeetyrten Otyrigfeit getanen felbfieignen 
93efanbtnuö, erjinben. 

©iefer ift vor vngefetyr 25 Sauren von ©ottdfdrcty* 
tigen, fdjlectyten vnb rechten Gltern allste gebotyrn, in 
tiefer Äirdjen auff ben fJiatymen beff $errn 3efu GtyrifH 
getaufft, auefj von Sugcnb auf fiilT vnb ein gezogen be* 
funben »orben , fomotyl in feinem Iebig * alö (S^tic^en 
©tanbt, barin er bocty auffä tydctyft vnb nictyt gar ein Satyr, 
Biß auff biefe ©tunb ju rectynen, gefebet, fiety mit feiner 
4i)anbarbeit reblid) genetyrt. 

©iefen nun vbernimmbt bie ©org ber fRatyrung , bie 
fdjtvttyre 3 e ‘ ten / üon »tgen ber getyl Satyr vnb beö Jhiegä 
Contributionen *), fectyten jtyn fdjarff an, baff er vor 1 
nunmetyr 8 Sottyen, Stbenbö umb bie ©emmerung, auff 
bent SBeinberg tyeimb getyet, vnb auf bem 2öeg in fo gar 
desperirte ©ebanefen gerdtty , autty mit Sßorten betj ftety 
felbffen auffbrictyt: 

SBann jtyme bocty nur jentanb ©efbt brdctyte, 
<& »vere gleicty ber Xeuffef, ober feine ©roff* 
mutter **); Sßorauff ber Seuffel nictyt vnbetyenb ftety 

*) 3>ie ©efebiebte fpielt im breifj ig jdbriB«« Äriege, anb aud) 
biefer Vorfall famt all ein geringer ©eitrag jur nähmt Äenntnifj 
jener uitglücflicben geit betrachtet werben. Stuf ber einen Seite 
«emutb , £)rucf , $ftabr»ng«lojigfeit , unerhörte ipiage uttb 
Siotb , auf ber aitberen , bei religiöfem Aberglauben, 
befouber« bei (leter Seufeläfurdjt , s£fti§mutb, 95er* 
jmeiflung, Sittenoermilberung — fo mären foldje ©rfebeinungen, 
mit fie in gegenwärtiger ©efcbicbWcrjiiblung oorfommen, möglich. 

**) Aehnliche Abrufen ftnb je?t beim roheren Stbtil unferer £anb< 
leute tum Schert geworben, ohne bafj Eueifer ftoti} baoon 
nimmt. 3clj roeig nicht, ob ein beffeted, aber gemifs ein 


JT 

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l 



314 


j&me in ©effaft eitted fdjwar& befleibten üJlatmö «uff bcm 
2Bcg praesenliret , gleicb»olen mit einem ©eiß* 
fuß *), anfonjten aber im Slrtgcficfjt anjufeßen mie ein 
äußerer Sßlann: ©er bat jßn »egen feiner SSrawrtgfeit 
angcrebet, »nb jßme jugefprodjen : ©r folle jßm nur 
traroen, ©r, (ber üeuffel) »olle jbmc ßelffen: 
©ä f e 9 e nicbtö mit ©ott, er folle ©ott »er* 
fdjmoßren, ficb jßme ergeben, fepe beffer : fon* 
berlicb jtm gefragt ^ ob er in »ier Saßren »olle 
fein fepn? 

2llß nun biefer angefodjtene , »nb »on bem ©eelen* 
2Jl6rber binterfcbltcbeneSSJlann, auff folcbe »orgelegte grag 
geantwortet 3a!, ba hob jb^t ber Seujfcl jugemutbet, 
mit feinem ©lut ficb ju »erfebreiben, »eldjed 
folgenber muffen gefdbeben, baß er ffcb an ber £anb mit 
einem ©orn, fo an bem 2Beg gelegen, geriet, »nb ba$ 
©lut berauffer gangen : SBorauff ber Steuffel ba geroefen 
mit geber »nbt *Papir , »nb »eilen er nicht febreiben »nb 
lefen f6nbte, ^ ab jbm ber Seuffel felbß bieJpanb 
geführt **), »aß er aber gefdjrieben, bae fönne er nid)t 

gefcheiberea unb fraftoolletea ©efchlecht lebt gegenwärtig in 
2>eutfchlanb unb (Europa. 

*) €o recht ! ffltan muß mol erflaunen — folcbe £>inge würben ba* 
mala ohne einigen 3ln|loß ala auagcmad)te Jhatfacfje, oor ber 
SSerfammlung einer gaitjen Stabt oon öffentlicher fianjel Beriefen. 

**) ’2öa0 |'oU man tu folgen, mit fo großer Umftänblichfeit 
erjähltcn Unffnnigfeiteu fagen, bie ju ihrer 3eit ein gan)t< 
hocbroürbigctf Ministerium , eitlen ganjen hoebweifen SJlagiflrat , 
eine gaitje freie Keichaffabt bea reeilanb heiligen römifchen iXeich< 

in ©ewegung feisten? €1 läßt ftd? Me« nur aua inner; 

liehen ©eängftigungenbe« armen fchmermäthigen SDlanne« 
erflärcn , welche in biefem SSorfall , wie in hunbert ähnlichen in 
ber tollen Stcufelaperiobe, bia ju äußerlichen 3ntuitionen ge.- 
fteigert rrfcheinen. IDtan oerfenne hiebei nicht baa 
©lief, in aufgeklärteren feiten tu leben. 


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315 


wiffen , audj barauff jbme etwap «uff bie $anb geben , 
fo einer ©ucaten gleich gefeben. Sßorbei) eS nod) nicfet 
»erblieben: 2lngefel;en jbn ber Xeufel bip in fein ^)aup, 
fo nid)t weit auper ber ©tabt in einem Filial fielet, 
begleitet, »nb mit jbme in bie ©tuben gangen, ba»on 
feine .fjaupfrawen nid)tö gefpüret, nichts gefeben, (©a$ 
glaubt man gern. ©$ war ja auch ntd)tö ba!) nod) an 
ben Sßorten, ober ©eberben biefeö jbreS ÜJtanneS ge* 
mercfet. 

Slber febe! waö gefd)id)t? ©ie fommbt faum jut 
©tuben binaup , (teilt enjwifcben ber f?ub im ©fall ba$ 
Strindfen für , gebet auf ber ©tett wieberuntb ber ©tuben 
ju, ba fnbet jte btefen jbren SDtann, neben bcm ©ifdj, 
allba er 23robt gefen, auf bcm S3anrf bcpm genfer 
ft(jenbe, »ernennte, er were entfdfaffen, »erwunberte 
fd), wie fo halb: Slber ba wirb fie gewal;r, bap er mit 
feiner ©ürtel uinb ben $alp, bilden bepm genfer, an 
ein fdjlecbt ftdgelein, warb angemadjt »nb gefnüpfet, 
ba fe ban bie ©ürtel alSbalben mit einem ‘JÄefer auf* 
gefdjnitten. ©a war er »or mcnfd)lid)en 2lugen tobt: 
©ie 3“ n 8 b‘tng j^mc junt 2D?unb berauP, »nb er lag 
ejjlidje ©tunb, mit blop aup* »nb eingebenbcm Obern, 
bip er enblid) mit grofem ©cwalt , »nb 336rfen bef 
Seibö, wiebcr ju fcb felbfen fommen, wie befen bie 
9tad)barn 3 eu S tn fepnb / melcbcn biepeö gedngf igte SBetb 
in fo grofer Slngf »nb ftotb gerufen: S3on welkem 
febrüeflidjen attentato er, ber Slngefodjtene , ben 9tad)* 
tarn »nb greunben, fo in jl;ne, wegen ber $8rfadjen 
biepeS desperirten ^Beginnend, haben gefeljet, aupgefagt 
»nb befanbt: 

«©er ©euffel bab jbme jugemutbet, er folle alles 


i 


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316 


»erberben, ober ||m f e 1 6 ft e it etwaß ju lepb 
tbun: 3Snb ob er woblen geantwortet, @r wiffe cd 
nicht; fo habe hoch er, ber £euffel, ju jbme gefagt, 
@r wollö jbn wol lehren*). SBorauff er in £eben$ 
93erbruf geraden , »nb gebucht , er müge nicht mehr 
leben: #ab alfo felbften bie ©ürtel umb fein $alß getban, 
(ich hinten angefnüpffet , ^a(te boch bafür, ber leuffet 
bab fbme ben Jtopff für (»or) fich getrucft: 
(überall, allüberall ber Seufel unb wieber ber Teufel!) 
©6 bab jbm aber burch beß Xeuffelß ßifl nicht 
webe getban, er habe auch feine ©cbmerjen 
* empfunben. 

SBorauff fich ber Xeuffel weiter nicht mit ©ewalt* 
tbütigfeiten weiter bei jbm praesentiret, (!!!) 
bitweilen bie greunb , »nb auff fepten befi Ministern 
jemanben, ( ohne 3«>eifel 2B a g n e r felbft ! ) 
bie notbmenbige Rettung mit betten »nb Slnruffung ju 
©ott in ber ftill getban, auf genommen, baß bie britte 
Stacht bfmad)er, »or bem Äammerlaben, ba biefer am 
gefochtene SDtann, fammbt feinem Sßcib, gelegen, umb 
SDtitternacht, ein »ngewobnlich forchtfamb 3if c h* n 
pnb ^Pfeiffen ift gemercfet worben, worüber nicht allein 
bie benachbarte greunb, fo in ber ©tuben gewagt, 
fonbern auch baö SSBeib in ber Kammer, hart erfchrocfen: 
Gr aber, ber SDtann, nichts gebürt, außgenommen, baß 
er gefaget, ©S were jbme gar bang, ei bauchte 

*) 9Xan fann fokfe ©adjen , wie fie unjäf>lig oft auch iit fytitw 
t>roce|j t acteu oorfommett, nicht ohne 2Bebmutb lefeit. Sann 
man fich »erwirtereO, närrifchereO £cug benfen? — 
aber, anjlatt bergleicpen oerrücfte, ober melaitdjolifcbc 'Pecfoneti 
ältlich, vernünftig unb liebreich tu betjanbel« , würben foldje 
Chimären fo behanbelt, wie man in gegenwärtigem Vorfall fiept. 


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jBm, baff fein SiucFen »otter gtöB lieffe. Sßie 
bann gleichfamb ein »erftocfte ©djroermutff bep jBme 
continuiret, »nb ba« ©etten, laut eigner ©efanbtnu«, 
mit jBm nicht r ec^ t »on hatten geffen mollen *). 
@« Bat ftch aucf) bie »ermepntlich »om SÜeuffel empfangene 
©ucat nicht meBr bep jff me gefunben. (®a« glauB’ itB!) 

Da feffet, liebe GBriften t wohin e« mit »n« SKenfdjen 
fompt, man ©ott Bern lepbigen £euffel nur ein Augcnblicf 
pergönnt/ »n« in ber Anfechtung »nter bie gaujt $u 
nemmen , »nb feineö ©efallen« mit »n« umbjugeffen , ba 
Biret er nicht ehe auf ba« ©emiffen anjuflagen, er B«B 
benn fein SSJerf au«gericbtet , baff ffeifft, einen 5Wenfchen 
jur ©erjmeifflung gebracht. Lutherus in ben SEifch* 
reben C. 23 fol. 204. a. SD ! emiger ©ott , taff »n« 
nicht entfalten »on beff rechten ©tauben« SEroft : 

gtfhre 25 w »»t« * n SSerfuchung nicht, 

ffiann »n« ber b 6 fe ©eijt anficht, (wie albern!) 

3«r linden »nb jur rechten £anb, 

#ilff »nß thun (tarcfen 2Biber(tanb, 

3m ®lau6en »e|t »nb mot geruft, 

35nb burch bef ^eiligen ©ei|te« SEruji! (SEroft!) 

3ft ba« nicht ein aufffichtiger ©ei ft, ber Achtung 
gibt auff »nfre ©eher ben, Achtung auff »nfer $umor, 
Achtung auff »nfere Sieb, »nb ftch nicht »nbeBenb prae- 
sentiret, mann er auff Seich tffnnigfeit, ober desperirter 
©chmeBrmütBigfeit mirb ju ©aft gebetten ? 

3ft ba« nicht ein »erlogener, Idfterlicher, 
Ärgerlicher, »nlepbfanter, bo«roichtiger ©eift. 


*) ®ie unoernurtftig beflagenrfmfrt&e «Rertfcbert obiger 2lrt in pfpt 
d) i f cb e r Jjinficbt in ber $<Uf'eUperiobe bebanbelt mürben, baoo» 
werben in ber junäcbfl folgenben Kummer Belege geliefert werben. 



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318 

welcher fagen barff, (56 fep nichtö mit ©ott, bcr 
hoch ein fo grunbguter, gndbiger, wahrhaftiger , barm# 
herziger, trewer ©ott ift, »on welchem ber weife 9Jtan 
©prach C. 43. v. 31 et seqq. mit ©runb faget: ©er 
$err ift »nauffprechlich grof »nb feine 9Äacht ift wun# 
berharltch k. :c. jc. 

3 (t ba 6 nicht ein Slhabbanifcher , Slpollpani# 
fcher , fchabenfreobiger , »erjwepffelter ® ei fl ^ 
ber bem «JJienfchen barff jumuthen, 2 llle 6 $u »erber# 
ben? — Slnjujeigen, baf er fepe ber rechte fuaav^tgmcog t 
welcher gern wollte, baf nicht ein ©rdjj lein ober SAuhfetr» 
roüchfe, £ifchreben Lutlieri c. 23. fol., 209 . *) 

3 fl ba 6 nicht ein hurtiger .Ipencfer, ein 2 eib 6 # 
unb ©eelenmörberifcher ©eift, ber ben Seih ohne 
©chmertjen, vielleicht per sistationem spirituum 
subitaneam, (wiewi&ig!) baftifi, burch eine plö§# 
liehe ©tiHung berer lebendigen ©eifter , in ber ©erjweiff# 
lung ohne ©chmer^en erwürget , bamtt er bie ©eel befto 
gewaltfanter in ber (Jwigfeit möge quelen ? 

3 ft ba 6 nicht ein n i ch 1 6 w e r t f> i g er , »n»er# 
fchambter, verfluchter ©eift, bajj er bej? ÜWenfchen 
©luth J«r ^janbfehrifft »nb Obligation hegehret ? — - 
©erab alf wann ba 6 ©lut 3 efu barburch folte 

geflehen, (gerinnen) »nb alfS wie fonften ein ÜRenfchen# 
— — 

*) 3# bin bet ©eift, ber fteti »erneint, 

Unb ba« mit SHccbt ; ben« 2llle« roa« entfteht , 

3ft ruertb , baft c« ju ©runbe gebt ; 

®rnm beffer nxSr’« , baf nicht« entftünbe.. , 

©o ift benn Stile«, wai ihr ©unbe, 

Jerftotung, fürs ba« 95bfe nennt, 

SKein eigentliche« Element. 

’ ■ - ; ®l e p h i ft 0 p h 1 1 1 i 

• . . • in ©oethe’« Sauft. 


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319 


Blut extra vasa sua putrescim »nnb »erfaulln , ba cS 
bodj noch biß auf biefe ©tunb burd) bie GTanal »nb 
2lbern ber .^eiligen Sacramentett fo frifcb auf »nfre 
(Seele rennt »nb fpringt, alß e$ am (Stamm beö Äreufteä 
auß ben Sßunben »nb ber ©eyten biefeä »nferö £ei(anbeä 
tft geronnen »nb gedrungen. 

baö nicht ein betrogener, »erlogener, 
biebifefjer © e i ft , ber auch ba$ »ergüngliche ©olb 
bent SDtenfcfjen nidjt gönnet, foldjeö mebrmalen ben »er# 
füßrten armen ©cla»en, bie er macht, geiget, »nb anß 
ben ©audeltafchen feiner »ergauberten ©etrügerep laßt 
(eben, im 9?ad)trucf aber nichts, fo für bie Slugen gut *), 
im ©ad »nb ©eutel Idßt fnben. » 


Slber btemit genug für biefen Stßeil ! — 2Öir febfießen 
mit ber ©erjlcherung, baß ber bei SBeitem tntereßantejle 
£fml biefeö 2lctenftücfö , ber liturgifche, ober »iclmebr 
ber acti»e utjb bramatifche, b. ß. bie ©ebete, bie 21 n# 
reben an baö ÜJtinift erium , ben SSJlagifrat k. , ber 
feierliche Actus Revocationis u. f. t». noch gurücf 
ijl. £kr folgenbe Slheil roirb ba$ ©ange enthalten , ba8 
mir alöbenn noch mit einigen allgemeinen ©emerfungen 
begleiten roerben. 

*) S?. 50 a 9 n e r erinnert fidj of)ttc 3 »eifel, baß er auf ber Äanjel 
|tcl)t , benn biefe eu^beniifHfcbe Umfehreibung iji gar belicat. 
Statt Singen hatte et geroiji Sftafett im Sinne. 5)ai $cu;elg* 
gelb »erroanbelte ficb nämlich gemeiniglich in <jjfert>cmifi, SEütber» 
brect unb begleichen. i m o n o ra a g i e £h. II. 268 f. , 


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320 


IV. ßtt»a$ aue bem geben ber G^riflin« tyoe 
niatotoö ober 'poniatoroi ^ fcfj , 

al$ Seitrag jur ß5efd)id)te tti spropbeten * unb 23ifion$»efen$ 
im (iebenjebnten 3at)rf)unbert. 


( feltfame , für beit arjt fctjr wichtige förderliche nnb j>f?ebifc&e 
3uf4tte enthaltend ) 

I. 

«Ofme finb in feinem 3 e » tr < lum ber neueren 

®efd)i<bte fo »iele Propheten , Sßifiondre unb ^pbantajten 
«Iler 2lrt $u gleicher 3 e it, ober »enigflenö furj hinter 
einanber in ©eutfcblanb aufgetreten , al$ in ber erften 
.fjdlfte be$ fiebenjebnten 3abrbunbert$. 2Bir wollen fyet 
unter Slnberen nur an bie fRanien pon ^)aul 91 a gel *), 
Gbriflopb Dotter **), Sobanneä ^piaufirariuS 
ober ÜBagner ***), ^paul gelgenbauer ****), 3o# 
bann SSBarner f), ©eorg 9fei(barb ff), Oticlau« 
•Drabiciuä fff) u. f. n>. erinnern; ^bantaften , auf 


*) SRectot }u Sorgau. amolb £irdjen< unb Äeßerfnfi. $&. HI. 
€. V. ©. 53. f. ©tfftn Schriften: Nova Pbilosophia; 
Prodrom. Astrologiae etc. 

**) abelung ©efd). ber menfcb. Starrheiten £(>. VI. @. 231. 

***) (dorrobi’i!) ©tfd). b. (EbüiaOmusl £()• III. ©. 45 f. 

*+**) abelung Sb- IV. @. 388 f. amolb £&. III. <£. V. 

.(jtbopfer 95. VL 6. 73. Unfcp. Stacpr. 1705. ©t. 2. 
@. 268 f. 

f) ©täte!’! gäbet!. Äirdjengefelj. ©. 845. f. 1014. f.- 
’H') abelung Üb- V. amolb Stt). III. 1- c. Möller Cimbr. 
lit. T. II. p. 690 seq. 

ttt) ©efcbicbte be« ©bilia«mu< £&• HI- ©• 79- — ^eterfe« 
unb helfen ©attin &ab’ idj nicht genannt , weil 95eibe bocp 
nicht gaitj in bie Äategoric obiger Ernte gehören, eg toirb aber 


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I 


321 

welche gurn £f;eü bie 3* 53* noch ausführlicher wir® 
gurücf fontmen müffen. 2lucb mehrere SBeiber unfc 
felbjt Jungfrauen mürben in ber 3 e *t *®n d&nüd)em 
©cbminbelgeift ergriffen, g. 93. außer unferem grduleiti ' 
^poniatomijjfcb eine gemiffe ßoa SD?argaretha grüße 
lieb, ©attin eines ©cbmebifeben ©berften, eine anbere 
SRdrrin, 9?amen$ Slnna gleifd)er> eine britte 2lnna 
ÜRaria 9Setter, eine vierte — bodj mir ßaben anftm 
9tdrrinnen feßon übergenug! 

®urcb bie manniebfaebe unb unerhörte ©rangfale. 
Welche junger , ^efl unb Ärieg ju jener 3«it über fafl 
gang (Juropa, unb oor allen anberen Udnbern namentlich 
über ©eiitfcblanb brachten, mürben oiele 2JJenfcben gunt 
SErübfinn , gur bangen ©rmartung neuer plagen , gur 
©ebnfuebt nach Srlöfung, gurn £c(benglauben an einen 
enblicben munberoollen Sluögang alles GlenbS geflimmt. 
£)aju fant, baß ber breißig t jdßrige Ärieg niebt oßne 
©runb als ein fReligionSfrieg betrachtet marb, roelcbeä 
bem ganatiSmuS unb Propheten rSifer btefer 9Henfcbeit‘ 
neue 3iabrung gab. 9ßie meit biefer aud) bei sponia* 
tomijjfcb ging, erregt nunmehr, ba mir unö in folcbe 
©acben niebt mehr recht gu ftnben miffen , in ber Üßct 
©rjtaunen. Cod) bie <propbetieen unferer £elbin in* 
tereßiren unS meit meniger , als bie munberfamen phpft* 

oieHetcbt febett in biefem 2(jct( noch ©iniged von ihnen vor* 
fommen. ©ine Schrift , in ber man von bieftn «Propheten , 
ihren 3naugurationen , Sßciffaguugen unb Schtvärmereien Sßach» 
rieht ftnbet/ alfo, baß fie faß bei jebem cinjeiuen, ber hier ange* 
führten tarnen hütte genannt merben föitncn, tvill ich jum 
(Schluß hier nun im allgemeinen nennen: Job. Amos Co- 
menii Lux in tenebris. Amsterd. 1605. tiefer ©eiehrte 
fah ju feiner 3cit namentlich auch in ben SSifionen ber 
niatotviafch etn>a$ ©«Küche*. 

ui. 21 


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322 ( 

\ 

ßhen unb pfpcbißhen 3uffSnbt/ »flehe Sri ißr wdbrenb 
bei ßtitraumt , ba ße ihre Sißonen batte , ßatt fanben 
unb wooomwir fofort fprechcn wollen. 

\ II. 

G(mflina ^oniatowi&fcb war bie SEocßter eine« 
polnißben’ ©cißlichen non Slbel , ber ßcb jur proteßanti* 
fc^eti Utefigien gewanbt , unb barauf nach 336(>men be# 
geben batte, ©ie batte eine nach bamaliger Sßetfe fircblicf) 
ßrenge unb fromme ©rjiebung genoßen. 3br SSater war, 
wie »ielleicht bemerft ju werben »erbient, ein ©egner 
»on ßotter, ben wir oben genannt haben, gegen beße« 
Sßtfionen er fogar gefeßrieben batte. 2llö berfelbe au« 
©6bmen entfliehen mußte, würbe unfere junge #elbitt 
ju einer gewiffen Saroneß ©abowäfp non (Sngelburg 
getban , bei ber ße fub noch nicht lange aufgebalten batt t, 
al« fte in eine Äranfbeit »erßel, in welcher fte bdußge 
unb lange (Jfßafen batte, ©ie erßen ©efießte batten 
bloß auf ihre *perfon Sejießung , unb waren »oller an« 
genehmer Silber »on ihrer Sermdßlung mit ihrem ©eelen« 
■vj grdutigam 3efu« . Salb aber ßjeirte ftch ihr ^ropßeten« 
geiß faßt auöfcßließlich aufbie bamaligepolitifcheSBeltlage, 
unb nun wei ffagte ße »om gall beö J^aufeb O erreich, 
wn gerbinanb’ö unb beö ©eneralö SBallenßein 
Untergang u. bgl. Sßdßrenb biefer ©eftchte mußte fte 
auf Sefebl be$ ©eißeö Snefe an alle g?ationen_fd>reiben, 
unb folchen bie Serble ©otteö $u wijfen tbun. Sßirflicf) 
gab ße mehrere bergleichen Sriefe, namentlich an bie 
morgenldnbifcßen, abenbldnbifchen unb mitter« 
ndehtlichen Stationen jur Seßettung ab. - ©a man 
bie Slbbreßen ju weitlduftig unb unbeßimmt fanb, fo 


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325 

, \ 

fcemerft, mir fennen noch nicht alte müglidjen ftranf# 
litten, am roenigßen bie, fo au« ben Einflüßen ber 
©eele auf Den ßörptr entfielen fönnen. S« fann fe^n, 
baß tiefe mit Umßanben bereitet ßnb , welche aller 
2Bei«heit tcr Aerjte fpotten , unD gdnjlich außerhalb De« 

Greife« ihrer Erfahrungen liegen. 

©ie Efßafen unferer #efbin holten , toie man fleh 
benfen fann , Da fie »on Den Sßletßen für etwa« Ueber# 
natürliche« gehalten wurDen , unD Eonteniu« fo!d>e« 
aueDrücflich »erßdjert, täglich mehrere Augenjeugen. 

©ie waren mit einer außerorbentlichen 3 e rruttung ihre« 
Neroenfoßem« , ober »ielmehr mit einer ©rauß unb Er# 
ftaunen erregenben Annihilation ober 3ern,ichtigung 
ihre« ganjen Sßefenö begleitet, ©ie fürdjterlicbße 
Epilepße, Die man fld) gebenfen fann, gefeilte ftch ju 
onberen Den Damaligen Aerjten gdnjlich unerforfchlichen 
3ufällcn bei ihr. ©ie hatte einmal in »ier# unb jwanjig 
©tunben nicht weniger al« fünfjig ^arort'ömen. Ein 
anbere«mal fiel ße »om SNorgen bi« Nachmittag« »ier 
llhr, in mehr al« Dreißig, wobei ihr ganjer dldrper auf 
bie unbegreiflicbße Sßeife gcfrummt, »erjerrt, in Die Jpöbe 
geworfen würbe , unb Die fo fchrecf (ich waren , baß ße 
nid)t ohne Sntfefjen angefehen werben fonnten. 93i«weilen \ 
ßel ße in tiefe lange Ohnmächten. SOfanche« 9Jlal war ße 
bei ihren Efßafen ganj ruhig unb innerlich heiter, jumal 
wenn ß^babei, wie oft, »om ©eiß in einen febbnen 
©arten geführt warb, wo ße lauter liebliche ©egenßänbe 
»or ßch fah, (wie j. SB. in Der 93ißon »om I7ten Januar 
1628, fo wußen »olitifdjen Inhalt« biefe auch an ßch iß!) 
um ba« frembe Elenb, Da« ße Der SBelt »erfünbigen foß, 
weniger ju empßnben. 3“ r anberen 3 f,t gebettete' ße 


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326 


ftdj bähet wie eine 9?afenbe , ober von fremben ©emalteit 
©efeffene. Sin 9J?af warb fie plhglich gefährlich franf 
unb hefam ein bcftigeö lieber, unb eben fo ploglich »ollicj 
wieber gefunb. 3 un >eilen litt ft* an ungeheueren geizigen, 
wie fie mepnte, ober frampfartigen ©celen # ©chmerjeit ; 
»erfcbiebentücb oerftel fte in einen pollfommen tobten* 
gleichen 3 u flanb. 3 w * e &t flarb fie, (ich behalte hier 
<Fometttu$’$ unb Gorrobi’d SGorte bei) wie eS 
fchien, wirflich, unb lebte nach einigen ©tun* 
ben *) wltber auf. — 3S3aö forperltch unb geiftig ba« 

*) Stach fcbr »ft. ©eit urtgcfdbr eitlem 93iertel * 3abre , nacbbent 
icf) ba« fföanufcript in bit 5)rucferei abgefaubt b«be , bin ich fo 
glüctlicb geraefen , mir eine tiemlich »ollftünbige Eiteratur über 
biefe feltfame ©cbroiScmerut ju »erfdjaffen , rcorau« ich ;u biefen* 
»icbtigftrn fünfte ihre« Erben« ba« Solgenbe nadftrage. Sfiacb 
einigen ©näblungen befanb fie ficb jebn bi« jroülf ©tunben int 
sjuflgube eine« anfebeinenben Stöbe«, nach anbereu fogar vier* 
unbimanjig ©tutiben. SDiefi ifi falfcb. ©orcobl au« bem ooit 
3. 91. fomeniu« barüber befannt gemachten Slctenflücfe, (in bett 
£ücbfii>ern>unberfamlicben Offenbarungen, roelcbe 
ber ©übntifcben €bel*3ungfer <£br- f oitiatooia ic. 
in benen 3«btgüngen 1027, 1628 tmb 1629 gt* 
febebm k. k.) ©. 288-3Q5. (nach ber 9luäg. oon 1711, 
ebne ©ruefort) fotoopl au« biefem Stctenfificf , al« au« ibrer 
2ri(ben»f rebigt felbfl, (oon 9Bcnce«lau« Eocbariu«, 
«Pfarrern ber SBoberaifcben Äircben , 1644.) erfiebt man , baji 
fie nur einige ©tu nben anfdjeinenb tobt ba gelegen, nämlid> 
»on fünf Ubr abenb« be« 27ten 3“uunri 1629 bi« ungefähr 
L(benn bie ©tunbe ifi leibet nicht genau genug bejimtmt!) neu» 
ober boebften« jebn Ubr abenb« befTelben Stage«. Oodf roar 
fie febon auf ein Stobten* «Bette, ober toie*« in biefen Elctenflücte» 
beifit, auf ben ©trob * ©aef gefegt tvorben- 3cb.%b«lte mir 
»or, fcioobl über ihren Stob, al« über bie ©cblüge, reelle 
mebtere Stage oor bitfer Äatafiropbe in ihrem Jimmer gebürt 
tourben, im folgenben oierten Stbfile, bie »icbtigflen 9tcten< 
fl ü cf e reörtlicb mitiutbeilen, ba bie ©acbe für ben fpfocbologen, 
«Pbofiologen unb SUit immer oon 3öicbtigfcit ifi. — SJSa« mich 
betrifft, fo ntufj ich gefiebn, naebbem ich alle 9tctrnflücfe felbü 
aufmerffam burebiulefen bie ©ebult gehabt habe , baft mir 
fümmtlicbe, ba« üRÜbcben betreffenbe Srfcbeinungen gar nicht 


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V 


i 

/ 


327 

SCuffaßcnftflc if*/ $ *«$ *»* mit bie f tw 

lebten fürchterlichen 3 u fa fl i&r« ganje Ätanfi« 
teit augenb lief lieb unb für immer embigte, 
unb — bamit jugleid} bie SSifionen uttb Offen» 
barungen au fb orten. 3b re ©enefung mar ©on fcte|er 
fcbrecflicben (Srife ober ©ata&ropbc an C ober wie man’« 
nennen foll) fo ©ollftAiibig, bag fie nicht einmal mebr 
StücFfdUe befam, unb nach bret3ab«n Ijeirat^cte. 5lu<b 
in ber (Sfr, woburcb meUeic^t i$re ©ollfommene ©enefung 
mit beforbert würbe , befanb fie jt<b eine 5 “'tulidK M« 
©on fahren wobl unb gcfnab/ jb& fie enbltcb*rw'|n>61ften 

Qabr ihrer SSer&eiratbung an ber s 2lu$iebrung fförbi 

Oft fagte fie, wAb«“& ifa« Äranfbeit , wi e unfert 
gegenwärtigen, ^eüfeherinnen , ©orauliv wa« 
ihr begegnen würbe, ©in SÖial fonnti fte ohne 
frembe #ilfe webet geben, »web fteben. 9lber fte ©er* 
fieberte , fie würbe ben unb ben Sag (ben gkujabrstag) , 
wieber geben fünnen, wobin fie wollte, unb' ed t am 
alfo. ©ie fagte bief brei Sage ©or bem Skujabrotag > 
unb ©erfuebte eS am Sage ©or ber noch um|onft , aufiet 
bem Söettc aufrecht ju fteben, ber 9ieujabr$tag fam, 
unt> _ (i« fonnte nicht blofi’geben, fonbern aud) büpfen 
unb tanjen. ©in anbereÄ OJtal ©crlor fie nach ibr« ®«>r* 
ausfage auf ad)t Sage ben ©ebraueb ber 3p*acbe,. wieber 
ein anöerk SKal auf fo tmb fo lange ba$ ©ebor. 9tocb 

t r V » .<* *, , ■ * \ 1 1 j. 1 . -i v ' I 

, !> 

tnebr fo feltfam ootfomraeu , aM fie, itb wtK triebt f«0**/ 
Äometiiu«, Atnolb nnb ©#rift#eBer» #n(icb<n ©«‘Me 
fenbetn aU fotefce felbft Cotrobi »orfamen, beit TOemanb einet 
Verliebe für ©ebtoärmeret unb Aberglauben befcbulbigeu wirb. 

- €« tji AUe* «oUfommtn , ia rec&t natütlid» natürlich 
erfldrbar. %od) bie 9kcf)fcl>rift roicb ju lang, roe&t im folgenbett 
2Öetl! ' 


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mehr!- — ©te fagte eb auch »orfter, alb fte — ftarb, 
unb baß fte wieber aufltben würbe , unb matt f>6rte Drei 
Sldcßte nach einanber vorder, ein feltfameb Jochen unter 
ihremlßette jc. tt~ ©ieß ftnb non fo »feien wunberbar# 
ließen 3uftdnben ihrer Äranfßeitbgefchicbte nur einige ber 
merfwürbtgßen. ©aß bie Urtheile fcßon ju ty. £eb$eiten 
fcfcrübrt.uerfchieben waren.; baß bie ©leiflen barin über# 
natürliche göttliche; Slnber e magi fch # b d m o n i f ch e (Si n# 
fl üße unb 3ußdnbe erblichen; öinige fogar betrug 
ober itdußchungi — bemerfen wir mit biefem einzigen 
SEBorte nad». j 2Bir begreifen/ baß bab SDiitgetßeilte für 
ben rtiffettfcbaftlicben 2lr$t, ben bie ndbere Äenntniß 
biefee &&&fbfeltfamen 3ufdlle noch je£t intereßiren machte, 
nicht auefübtlich unb genau genug iß, fönnen unb hier 
aber nach ben ndcßften 3®e<fen.ber 3* ©♦ unb inbbefon* 
bere gegenwärtiger 2lbtheilung nicht umflänblicßer bar# 
auf eittlaßen; unb »er weifen ju bem Snbe außer Some# 
niub.auf btewollßänbige dltere Literatur über unfere 
©e&etitt.wi'joftlthe «tan bei Slrnalb an bem oben aitge# 
jeigten Ort angeführt ßnbet. 

v ' i . 1 ' , !.'<•; • . . . 

m. vi'IVV:. • , \ ■ 

SÖenn auch bie SSiftonen unb ^rophejeihungen biefeb 
SOldbchenÄba» fich wichtiger wdren , alb fie'b ftnb ; fo 
lünnte man* »Krnünftiger 2ßeife bocß nichtb Uebernatür# 
licßeb, webet tßcurgifcher, noch bärnontfcßer 2lrt in ihren 
3ufidnbeti gnnehmen. „ , 

(5b fanu nur bie Jrage fh>n-, war ^Poniatowifjfcß 
eine Betrügerin, ober war fie franf? 

*■ «Sb ift , fagt Sorrobi ®. 95., nicht mit ©tili# 
fcßweigen ju übergehen , baß Biele argwohnten , ber *p. 


\ 




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329 


feltfame ßrantyeit ©etrug geroefen , »eil fit burd) bie 
graufamjten «Parojcidmen oft fo wenig gefdjwdcht, auch 
Vilich beffer würbe, wenn fte vorher tdbtUch matt fchien, 
ibregarbe nicht verlor, wenn fte über fcbrecfltcbe Schmer# 
gen flagte *). ©ie erwdbnten ber SRoftne ©aberin, 
eine ©etrügerin , fo bte *)&. vielleicht nachguabmen £ufl 
befommen haben mochte. Unb man fonnte ÜJlanched an# 
führen , biefen ©erbacht gu bejldrfen. ©ie fdjeint ftdj 1 
gleich bei ben erflen ©eftchten fo viel auf ihren neuen 
©eruf etnjubilben unb vorauö gu feben, baf ©ott fünf# 
tige Dinge burch fte oerfünbigen wolle. SEBie fann fte 
auf ben Sag vorher fagen, wenn jle wieber wirb geben 
fbnnen, wo eä nicht ©erjlellung ijl? Unb bann, baft fte 
gur ©ejldtigung ihrer 2Borte am 30ten December einen 
vergeblichen ©erfuch gu geben tbut, unb borgen barauf 
laufen fann! — 2öte fchwer ijl eö, bie fiebentdgige 
Stummheit, bie Saubheit, bie plöfcliche ©enefung unb 
©rfranfung gu erfldren, wo jle nid)t ©erjlellung waren? — 
Söie verbddjtig ift baö wunberbare Jochen unter bem©ette, 
beffen Urfache fein DSJfenfch erratben fonnte? ©twad 2lebn# 
liched ergdf;lt £utcbinfon in feinem ©erfuch von ber 
^ererei von einem befeffeu geglaubten Änaben. Unb am 
©nbe war er felbfi ber Äobolb. ÜJfan bat ©eifpiele von 
febr gefdjicften Slctricen, wenn’ö barauf anfommt, ©r# 
fcheinungen gu ajfectiren, £ranf beiten, ©fjtafen, ©on# 

*} ^Diejenigen oon unferen geitgenojfen , welche in ben 3ufltten ber 
5>on iatorotefcf) (reit in ähnlichen, ober verroanbten 
a u i neue|ter 3 e i 1 0 ctrcaa SRagifchea , ti fep guter,, ober 
bdmonifchcr 2lrt, bei ihren Snficftten oon SRagnetiCrnu« unb 
SDiagte erblicften, roerben bie# äilei freilich gerabe für iljre 
-hopotbefen günflig jtitben unb benuijea. aber beibe Meinungen 
finb nur igpftcmtf > Meinungen, unb man rauf habet jtehn bleiben, 
bajj >}3oitiat«nuBfcb tränt war. 

• ' ■ / 

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* 


330 

»ulßonen nachjumacßen : *p. »drc nicht bic erße unb 
nicht bie legte. 3^r legter tobtenglcicher 3ußanb tonnte 
ein ungebetener fepn, ße hatte vielleicht aud 

(Jitelfeit etwad geprophejeit, bad ße nachher »iberrufen 
wollte. ®fan glaubte ifr ja Med. Mer jegt traf ein , 
»ad fte nicht »unfchte, baß ed gefdjdhe. ÜJian barf 
nicht behaupten, baß fte gar nicht franf gewefen. ©ie 
»ar franf, aber fte ßellte ficht vielleicht frdnfer, ald fte 
»ar, fo wie ed viele ©efeßent auch gemacht haben. >» 
2Uled bad fann man freilich für biefe Meinung an« 
fuhren , unb , »ie ich hinju fege , wenn man einmal fo 
erfldren will, noch manched Slnbere, $. 23. baß unferep 
©chwdrmerin Äotter’d ©tßonen befannt fepn mußten, 
bie ihr ©ater »iberlegt hotte j baß fie mit ben Propheten, 
ja mit bem 4ten ©uch (Sdra, »oraud fte in ber 45ten 
©tßon eine ©teile anführt , vertraut »ar u. f. f. 
(Somcniud behauptet j»ar, ße habe bie öibel nie 
ganj gelefen , mag bieß fepn — fte hatte gerabe boch bie 
prophetifchen unb apofrpphtfdjen ©ücher gelefen, 
»ie ber Slugenfchein lehrt.) 

« Mer ber fdjeinhare £ob , fegt unmittelbar hierauf 
nun gleichwol ber ndmliche ©chriftßcller f>in§u , bie bar» 
auf erfolgte völlige ©enefung, bad Slufhören ber Offen» 
barungen »on biefer 3«t an, Idßt ßdj nicht auf biefe 
SEBeife erfldren. ©enn baß ein ÜWenfch in ber Sßelt einen 
erßarreten /lobten vorßellen fönne , ohne ed »irflich ju 
fepn *) , ober ohne in ber 2hat in einem gefdhrlidjen 
tobten »ähnlichen 3ußanb §u fe»;n, iß unmöglich. 2llfo 

*) Spitt brüeft (leb <L fonberbar aut. 55ir flieh tobt war fte ja 
boch gewifj nicht. $öer einmal wirtlich tobt ift, wirb nicht 
wiebet lebcnbig. 


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war biefer fdjeinbare £ob unoerfMt. Sßarum «poitta# 
towifcfch eben auch bet btefem 3 u f fl H e ih« ^omöbte 
gefchloßen , wo eö ©erftellung gewefen , feh ich nicht ab. 
Ä Otter mußte im 3aßr 1629 aufbören $u propbejeiben. 
IDie 3 f *t batte ißn feiner Sögen überwiefen. Slber *p. 
hätte nod? eine gute Sßeile fort fahren fönnen. 


Unb alfo lieber 3llle$ für wirfliche, unoerftellte, 
unb, wie jtd) »erfleht, natürliche pbhfifdte unb 
pf)?d)tfdje Srfcheinungen erfldrt! — ©ieß ift in 
biefem , wie in jebem ähnlichen Jalle / wo willfübrlicber 
©etrug , ober unwiHfübrliche £dufchung nicht nachge* 
wiefen werben fönnen , gewiß immer ba$ jtchecfle jugleich 
unb »ernunfrgemdßefle , unb wo bie SEBiffenfchaft am 
tneiflen babei gewinnt. !Die 2Biffenf<haft — benn bei 
wunberbar ober übernatürlich fcheinenoen ©egebenbcite« 
hält ber gorfcbenbe immer gern feinen ©lauben jurücf: 
nicht, alö ob man baö Sleicb ber ÜRbglichfeiten überfeßen 
fönnte, fonbern weil man bie ©renjen beffelben 
bejlimmen lernen will. 2öie bie wunberbaren @v* 
fcheinungen ber ^oniatowijjfcb aber (wir werben inbeß 
in bem fogleich folgenben 2luffaf$, wo möglich, noch 
wunberbarere unb unbegreiflidjere bbrtnl) rote ft«/ faß« 
ich, ärjtltd) erfldrt werben fönnen: — barüber fleht 
mir alö 9ltchtj2lr}t nicht ju, auch nur ein SSBort 5« 
»erlieren. 



332 


V. (Jva (Margaretha gröblich, 2(ttna gleifcher, 
unb 2lnna (Maria S3etter. 

t 

Z> 1 1 i sprop&etinnen. 


3(1$ Seitrag jur ©efcfycfjfc bcö 3l6crgfaubeit$ , unb namentlich 
beS SBeiffagungö » unb 33ifionön>efen$ in fle&enjefynten 
3al)rf)imbcrt. 

I. 

* • i . * . 

©a tvir biefe brei 9?drrinnen einmal im vorher geben# 
ben 2tuffah genannt haben , fo tvollen mir hier eine furje 
Nadjricht von ihnen geben. 2Bie unbebeutenb an fich 
ihre ^erfonen unb ihre 93ifIonen fet?n mögen : — fte finb 
jur Sßeranfchaulicbung beö 2lberglauben$ , ( namentlich 
auch ber ^>ejren#gurcht) beb ©d)tvinbelgeift$ unb be$ 
ganatiämuö beö ftebenjebnten 3abrbunbertä für bie 3* *8. 
nicht ohne biftorifcheö 3ntereße. 

grau Gva (Margaretha gröblich tvar bie Gbe* 
frau eineö ©djtvebifchen ©berften , von frommem ©inn 
unb Sßefen unb nach bamaliger 3 c ‘t nidjt ol;ne Gilbung. 
Sie auöfübrlichften , aber mit einfeitigem <j)arteieifer 
gefchricbenen Nachrichten von ihr, ftnbet man in geult* 
fing’O Gynaeceum Haeretico - Fanaticum. Nach 
biefem tvarb ÜJtabame gröblich ju Niga mit einem 
fanatifchen ©olbfchmib , 93ernbarb Sörchmann^ 
bcfannt, ber mie fie im ©lauben an bie nabe Grfcheinung 
be$ tauffenbjdbrigen Neidjeö , ober , tvte jie’ö nach g* 
nannten, ber feligen fünften (Monarchie lebte, unb ihr 
fagte, baß fie von ©ott $u großen Singen berufen fei;. 


; 


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■ 333 

©ieß teflArftc jte in ihren tbeofopbifc&en 5£rdumereien , 
fie Jjatte ©eficbte unb Offenbarungen unb betrachtete fi<& 
balb al$ eine von ©ott berufene ^ropbetin. 2113 
fie in 93erbinbung mit ©örcbmann unb einigen anberen 
^Pbantaffen 9tiga allarmirt batte , mar ibr ber 2ßirfung3* 

Freiä bter ju Flein; fie ging nach ©toffbvlnt, mo fie 
ihre Meinung münblicb unb fcbriftlicb mit allem erjinn* 
lieben Sifer auäjubreiten fuebte. ©ie 3«it mürbe Fommen 
unbfepnaße, prebigte fie, ba ba$ 92 eich Sb*ifti auf Sr ben 
fxcbtbar mürbe errichtet merben. ©er Anfang merbe tat 
mit gefebeben, baß baä 93olf Sfrael au$ feiner ©efangen* >. 
febaft erlöf’t merben follte. 3» biefem SBerF habe (icb 
©ott ben Äonig von ©cbmeben, Sari Xlten auäerfeben, 
unb fie fclbft fep baju befiimmt, baß bureb fie bie nabe 
Slnfunft SbrifK vorher gefagt, alle Jpeiben auögerottet, 
3erufalem mieber erbaut, unb bie 3uben jum cbrifllicben 
©lauben befebrt merben follten. ©ie ©acbe fam bi3 vor 
ben Äonig, unb ÜJtabame ^ r 6 b l i cb verlangte mieberboblt 
eine Slubienj bei bem SSJlonarcben , bie ibr enblicb bemilTigt 
mürbe. SBunberfcbön ift bieSlntroort, melcbe ibr Sari XI. 
ertbeilte. Sr bbrte fie rubig an, unb naebbem fie 3b« 
lange mit ihrem göttlichen Auftrag an 3bn / unb baß er 
von ©ott befiimmt fep , ba$ fiebtbare 92eicb Sbtifii ju 
Serufalem aufjuriebten, barangutrt hatte, fagte ber ernfle 
gürft troffen: SOt eine liebe grau, fo ich mich bann 
nach euerem Söcf e b l $u meiner näßen Slbreife 
nach 3erufalem fertig machen foll; fo ßuiitt 
mich jefct nicht Idnger mit ©efprdcßen auf, unb 
Fommt ein anbermal mieber, am beflen, mann 
ich von 3erufalem jurüd fomme.» 

©ie ©eifllicbFeit ju ©totfbolm gab ficb alle Sßlübe, 

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334 


V 


bie SiArrin eines SBefferen gu belehren. 211$ affe SOlübe 
umfonjt mar , unb jic mit einigen ihrer 2lnhAnger fana* 
tifcb auf bie 2lbreife nach 3erufalem oon ©eiten bed 
ÄünigS brang, warb jte 1685 auf ein ©chiff gebracht, 
unb au$ ©chmeben meggefübrt. ©ie fam nach Ülrnfterbam, 
perfünbigte ihre Sehre, unb fanb hier mehr ©eifaff, ai$ 
in ©chmeben. 28ie weit ihre ©cbmArmewi ging, fteljt 
man barauS, baß fte gu Stmfterbam an ihrem Haufe ein 
©chilb aubhing , mit ben Sßorten: H* er rnohnt eine 
^Prophetin beS tauffenbjAljrigen 9teid)S , mit 
Stamen @pa SDtaria grhhüchin ! ! ! ©ie hat audj 
©erfchiebeneS brucfen faßen , aber eS lohnt ber SDtühe 
nicht, bie Sitel abgufdjveiben. 

II. 

©aß gur 3eit, als ber breißigjAhrige Ärieg begann 
untv aöe Sßeft gefpannt mar , wie bie ©inge , bie ba 
fommen fofften , jtch enbigen mürben — baß ba ‘Prophe* 
geißungen ohne 3 a hf entftanben , morin ftch bie allge* 
meinen Hoffnungen ober ©eforgniffe auSfprachen , ift 
nichts meiter , als maS in einer 3ett nothmenbig erfolgen 
mußte , ba bie Theologen unb *prebiger felbjt in ihren 
hffentlichen ©ortrAgen auS ben perfchiebenen biblifchen 
©chriften , über fünfttge JüBeltbegebenheiten afferhanb 
SOluthmaßungen anfteUten , ja, mie mir im erjten üheit 
ber 3* 93. gefehen haben, auS H Ar in gen unb ©chmert* 
ßfchen bie ^efl , ben Untergang beS fffümifchen 9ieich$ 
unb ben jüngften Sag meijfagten. 3n biefe 3 e <t fallen 
faft affe N. I. beS porher gehenben 2luffa|je$ genannten 
©ijtonArS unb mahnmifcigen ‘Propheten. W air^*^ 

Sluch 2lnna gleifch 



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335 


unb ^ropheflnnen, welche ber breig igjdhrige Jtricg hervor 
brachte , unb jwar unter btejenigen , welche , bevor er 
noch vorhanben »rar, burd) bie Umfldnbe ber 3 f it auf 
aßerhanb melancholifcbe (Stnbtlbungen geleitet würben , 
bie man fpdterhin ju Sfßeijfagungen flempelte. 

Anna gleifcher war auSgrepberg, unb ibr geben 
ifl von bem beilegen ©uperintenbenten ., AnbreaS 
*Ot oller, eigenbS befcfjrieben worben. Jpier liest man 
benn ganj unerhörte ©inge, wovon wir ©inigee anführen 
wollen. 3n jebem galt interegiren unS bie unbegreiflichen 
förperlidjen unb pfpcfflfchen 3ufldnbe, welche unS «ST? of ler 
von igr berichtet, mehr, als alle ihre ^rophejeihungen. 

©iefe grau war, wie man fchon auS ihren SBeif* 
fagungen unb ©ugprebigten fleht, auch wenn eS 5)1 oller 
nicht fo nahm , von fchwermüthigem SBlut unb ©eifh 
©ie litt bähet an ber ©pilepfle, unb hatte fo unerhörte 
unb graufame Gonvulflonen, als fle nur feiten bei biefer 
Äranfbeit angetroffen werben, ©ie warb, wenn ihre 
^Parorinien famen , mit bem ganjen £rib wie burch 
frembe magtfehe ©ewalt hi« unb her,jafogar.in bie 
$öbe gehoben, ©ie fdjwebte fogar juweilen 
babei eine, jwei, brei, bis vierthalb ©llen hoch 
in freier 8uft, ohne fich irgenbwo anjugalten. 

©ieg erjdhlt ihr eben genannter gebcnSbefchreiber , 
unb ©orrobi, ben Niemanb ber Seichtgfaubigfeit, ober 
beS Aberglaubens befchulbigen wirb, fchreibt eS ihm, 
ohne eine $3emerfung ginju ju fügen, nach. 3<h habe 
baffelbe gethan , ba mir weitere Nachrichten mangeln. 
3d> bejweifle aber bennoch bie Sßagrheit biefeS UmflanbeS 
ganj unb gar, ohne beSwegen behaupten ju wollen, bag 
50t oller, ber fleh getdufcht haben fann, ober gctdufcht 


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336 


worben ift, gelogen habe. 333a« fagen vernünftige Slerjte 
baju ? 3ft’« an (ich möglich ? überall ein Äranfbeit«* 
juffanb möglich, ober auch nur benfbar, burch ben eine 
fo aufferorbentliche unb unglaubliche Gfrfcheinung bewirft, 
ober erfldrt werben fünnte? — 

2luch bie SSiftonen, welche gleifcher batte, batten 
etwa« Sigene«. Sffach ihrer 93erjuherung erfchien ihr 
üfter« eine weiffe gldnjenbe Änabengefialt *) , 
bie mit ihr rebete , ihr DDfutb einfprach , ihr guten SRatfr 
erteilte, auch ihr fünftige SDinge offenbarte, ©iefe 
waren nun freilich Pon ber 2lrt, baff e« baju feine« 
(Sngelchen« beburfte. 3 u *n ©etfpiel bie Äleiberpracht , 
bie feltfamen Erachten, grifuren ic. , (woblgemerft , 
im 3affr 1620!) ber SÖucffer, ber 9D?iffbrauch be« @e* 
treibe«, worau« man fünblicher SBeife ©ranntewein **) 
unb — ©tdrfe jum SBafchen be« Sinnenjeug« verfertige, 
bie Erunfenbeit unb .£)urerei reiften ben gbttlichen 3orn, 
unb würben in furjer 3eit 2(ufrubr , ^rieg, rpeftilenj 
unb Ebeurung , 2lenberung be« 9leligion«jufianbe« je. 
nach fleh jieffen , auch würbe ein vornehmer ^otentat 
unb anbere höbe ^erfonen in groffe Erübfal geratben, 
gefchlagen, ja wol gar gefangen unb bingeriebtet werben. 


*) ©a bergleidjen ©rfdjeittungen ober »ietmefir (Eittbilbungen fo 
oft bei tiefer rntfe$lid)jten aKet Äranfbeiten, wie 53. eben 
auch bei tponiatowiijfct) , oorfommeit — mar’ä ein Sffiunber, 
Ca§ fie in ber alten Söelt bie heilige Sranfbeit genannt unb 
©Antonen jugefefmeben warb, unb bafj man Spileptifcbe, ©4« 
montfefje , ©efeffene nanntet 

**) SOOelcOc« S83el> würbe unfere Prophetin je$t über ©eutfdjlanb • 
auärufen, ba gegenwärtig ohne ^weifet allein j. 55. im ©r»f* 
berjegtbum Reffen mehr ©etreibe ju Sranntwein »erbrauc&t 
wirb, al« löiO in gatu ©eutfe&lanb. wär’ ihr 5öcl> 
gegrdnbet. 


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337 

roo bieg 3Weö nicht burcb Q3uße unb burdj’ö ©«bet abge* 
roenbet würbe. , : 

©a fe biefe Offenbarungen , (ißrem Sorgeben nach 
burd) bie gldnjenbe Jtnabengeftalt , wo»on eben bie 9t ebe 
war,) tm 3abr 1620 erhielt, unb ßinigeö von biefen 
melancbolifcben Slbnbungen jufdlligerweife eintraf ; fo 
madjte bie Seicbtglaubigfeit beö 3 f itfllterö lauter 2ßeif> 
fag ungen barauö. 2lnna gleifcber gelangte $u 
großer Gelebritdt, unb fpielte wdbrenb ber erften 3abre 
beö breißigjdbrigen Äriegö bei $oben unb Stieberigen 
in jenen büjteren 3 f i fcn ttngefdbr eben bie Stolle, alö 
wdbrenb ber erften Sabre beö ©efreiungö # Äriegeö in 
unferen aufgefldrten Sagen — baö 0t e<far*£0tdn neben. 

SOtan fann fie nicht geraoeju weber eine 0tdrrin, 
nodj eine ^Betrügerin nennen, ©ie war eine fromme, 
trübfelige <perfon, bie an ferneren förderlichen Uebeln litt. 

in. 

\ 

©eflo mehr oerbient Slnna Setter ben Stamm einer 
Stdrrin, »ja einer fanatifeben ©cbwdrmerin. 3t r n o l b 
bat ihre Sborbeiten in f. Ätrcb. unb Äejj. ^jiftorie Sb. IV. 
über bie ©ebübr weitlduftig befebrieben. #ier nur einige 
3üge barauö ! 

Stadjbem ihr ©ejicbte unb Ofenbarungen ju Sbeü 
geworben, hielt jte feb für eine oon ©ott berufene spro* 
pbetin unb bie allgemeine geiftlicbe SEliutter — ber ge# 
fammten Seoolferung aller ©tdbte unb <proütnjen, ju 
benen jte gefanbt wdre, jte ju belehren. ©ie machte 
ben Slnfang bamtt, baß fte mehrere propbetifebe ©enb# 
febretben in ©eutfdjfanb b^unt fd>idfte , eineö an ben 
SWagijtrat oonStürnberg, ein anbereö an baö Sonjljtorium 
in. . • 22 




! 


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338 


% gu Slnfpach , ein britteg an bie (Stabt Slnfpadj u. f. m. 
Sßir lachen nun über begleichen Slborbciten, bamalg 
machten fte Sluffe^en , unb man fanb fie nidjtg weniger, 
a(g Idcberlith. @ie nennt (ich in einem ihrer (Schreiben 
eine Mittlerin gwifchen ©oft unb — ben Slnfpacbern, 
unb »erjtchert, baß fte bie ©ünben biefer ßeute, fo wie 
bcr Sßeijfenburger ©ürgerfcbaft, burch bie Äranfheiten, 
weldje fte »on 3*it j“ 3«* auoflehn müßte , ( fie fcheint 
befonberg an ^^ftertfc^cn 3ufdllen gelitten gu hoben) 
abgebüßt , unb ftch ©ott gu einem freiwilligen Opfer für 
bie Sinfpacher unb SBeiffenburger bargejiellt hohe ! ! ! — 
SDabei enthalten ihre fdmmtlichen ©enbfchreiben unb ©riefe 
Ermahnungen gu einer fchnellen unb ernftlichen ©uße. 
Sflamentlich flraft fie barin fünf große Safter, welche 
bie göttlichen (Strafgerichte unb ben jüngfien Stag herbei 
führen würben , wenn nicht halb 93uße erfolgte , unb biefe 
finb nach Slrnolb’g gfaffiftcation bie folgenben: 

1) ©aß fo öiele unfchulbige ßinber »on gauberifchen 
gebammen in ber ©eburt umgebracht würben. 

2) ©aß bie Jfjererei fo erfchrecflich int ©chwang ginge, 
baß alle ©tdnbe, ^)ohe unb fRieberige, baoon angeftedt 
wdren', unb bie armen jtinber fe|»r oft in ihrer garten 

^ugenb gur 3ouherei »erführt würben *). 

3) ©aß bie nichtgnüfjigen (fo jicht’g bei Slrnolb 
unb gorrobi) 3uben fo geoultet würben, bie man 


*) &e mifdäte fich bie £eufel«furtfit unb ber ^eecnßUubt 
beim in alle«, auch in bie fanatifdj » politifc&en SJifionrn ber 
Seit, unb wo »on gaiij anberen Gingen bie 9iebe mar. Saran 
erfennt man ba« fiebeinetjute 3al)ri>unbcrt. 3u €f)rijii 3eiten hielt 
bie eine ^>4lfte ber (Oienfchbeit bie anbere für unfreiwillig 
©efeffene, in biefetn 3aWunom für freiwillige Ser» 
•• bünbtte be« fcruftl«. 


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339 

entroeber mit ©emalt ju (griffen matten , ober «er» 
jagen jollte. 

4) £5af man ben ©auern baß SBtlb ntc^t ja erlegen 
berftattete. ©nblid) — 

5) £>aj? ben ©etrügereien ber Amtleute fo fe&r burcfc 
bie ginger gefe&Mt mürbe. 

Aber unfere £efer merben nidjtß meiter bon ber 
Anna üttaria ©etter in miffen mollen, unb icf? !ann 
eß ihnen nid)t berargen. ©enug olfo tfon biefem Älee# 
blatt ndrrifdjcr SBeiber! 


VI. Antoinette ©ourignon unb 3anr trabe. 


I. 

«i 

©djriften beibcr graneit. 

JDa mir bereits in ber Keifte rceg bon hier pftantaftifd&en 
Sßeibern gefprocften ftaben; fo mollen mir/ um gerabe 
baß halbe ©ujjenb boll ju machen , an biefem Ort unfer 
frühereß ©erfprecften erfüllen, unb bon ©ourignon’ß 
unb Seabe’ß Seben, ©cftriften, unb magifcft #tfteofopfti* 
fcften ©cftmdrmereien fmnbeln. 

©eibe grauen *) fonnen injmiftbeu feineßtbegß mit 
ben hier oorfter geftenben unter ©ine Sgtegorie gefegt 

*) 3$ nehme ba« SSBort t>ter in feiner alt < tmjt$e« ©ebeutung , 
(bentt £eabe rcar »er(>eiratl;et geroefen) tm e$ jagleid) SBeib 
unb 3ungfrau bejeicftnet, rcie ). 33. ia 2ieb> Jtanen* 
firc&e u. bgU 


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340 


»erben, ©iefe gejjteren waren & 6 rpe;* unb ©ernüthS# 
franfe , wenig gebilbete ©cbwArmerinnen , beren fAmrnt* 
liebe ©iftonen eine JEinctur non politifdjem unb firdüicbem 
Fanatismus haben. Slucb ©ourignon unb £ c a b e 
waren ©cbwArmerinnen , aber non ganj anberer 2(rt. 
©eibe hatten Äenntnijfe, ©Übung unb ©eilt, ©eibe 
finb ohne ben fircblid)*politifd)en ganatiSmuS, ber (ich 
$u ber ben ©ifionen ber beutfeben Propheten unb 

Prophetinnen auSfpridjt, unb ©eibe nehmen , wie immer 
man auch über ihre Meinungen unb Phantajteen urteilen 
möge, unfere perfAnlicbe Sichtung in Slnfprud). 

©ourignon’ S wiebtigfte eigene ©ebriften fowohl, 
als bie übrige, fit betrejfenbe Literatur ijl bereite SEh. I. 
ber 3* 53- ©• 226 angeführt, id> braudje alfo baS bereite 
©emerfte hier nicht ju wieberhohlen. ©aSUleuejle, mir 
befannte , über fic »ft ih>* £ebenSbefd)reibung im 
Ilten SEbeil beS Pantheons berühmter unb merf* 
würbiger grauen, (Seipjig, 1809.) worin aber ihr 
innerliches £eben piel ju einfeitig aufgefafjt ifl. (ÜJlan 
fann fte j. ©. feines wegS, wie hier gefdjieht, eine wahn# 
wijjige Prophetin heißen u. f. w.) SBaS fonfl nod) non 
wichtigen ©ebriften über baS merfwürbige 2Öeib, 
(benn nur baS 2ßid)tigfle fann genannt werben, ba 
über baS £bun unb Sreiben ©ourignon ’S befonberS 
in ©eutfcblanb fafl unglaublich niel gefebrieben ifl worben) 
$u bemerfen ifl , foll in ber folgenben Ulummer bei Qv* 
jAhlung ihrer £ebenSgefcbicbte angeführt werben. 

3 ane, ober Johanna £eabe war eine bis in ihr 
hohes Sllter fruchtbare ©djriftfleflerin. ©ie nollflAnbigfte 
Siteratur nbn ihr ftnbetman in 3Ager’S Acta Leadiana. 
Tubing. 1712 ., fo wie in beffen Hist. Sec. XVII. 


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polit. et eccles. p. 90. seq. , vergl. Slrnotb’S £. unb 
Ä. Jpiß. Zf). III. ©. 1107. SBeiömann Alemorab. 
hist, eccles. T. II. p. 906. u. f. tv. ©aS Sßeueße 
(mir tvenigßeno befannte) über fit/ (natürlich außer 
befannten größeren äßerfen $.53. ©cbröcfb jc.) iß eine 
gebrüngte SebenSgefdßcbte berfelben im erßen Jpeft ber 
Guriofit&ten ber 53or» unb SWitivelt, (2Bei* 
mar, 1811.) n>o man als tbeofopbifdte ©lerfrvürbigfeit 
auch öaö Sluge ©otteö abgebilbet ßnbet, wie es Ucabe 
in einer ihren 53ißonen fab. 3bre jabfreteben ©ebriften 
ftnb meißelte* $u Slmßerbam auf slleranßaltung eines 
5ir$teö unb SBerebrerS von ibr, ßotb 53ifdter, in’S 
©eutfebe überfegt, heraus gefommett. ©ie folgenben ftnb 
bie tvidßigßen bavon. Sßir tvollen ße nadj ber 3eitfo(ge, 
tvie ße $u Slntßerbam erfdjienen ßnb, hierher fegen: 

1) ©ie bintmlifebe SZßo IdP e. Stmßerbam, 1694. 

2) Offenbabr ungen ber Dffenbabruttgen. 
Slmßerbam , . 1695. 

3) ©er £enocbianif<be Sßanbel mit @ 0 1 1. 
älmßerbam, 1696. 

4) ©ie ©efege beß ^arabirßeS, Slntßerbam, 
1696. (§ür Seabe’S magißhe «nb tbeurgn'dje 
©d)tpürniereien von vorjüglidtem bißorifebem 3n» 
tereffe , baffer in bem golgenben vorjugetveife 
benugt.) 

5) ©ie SEBunber ber fdtöpffung ©otteS ge< 
offenbabret vnb ber Autorinn tvürcflid) $u 
ernennen gegeben, in 8 unterfcbieblicben 
tvelten. SImßerbam , 1696. 

6) Sine botbfebafft an bie Philadelphifcbe 
SocietAt. Slntßerbam, 1696. 


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f) ©er 53a um be« glauben« ober lebenöbaum, 
fo im parabief ©ofte« wddjft, wo»on alle wunber 
ber neuen fd)6pffung auägeben müjfen. Slmfter* 
bam, 1696. 

- 6) ©ie Strebe be« glauben«, aff? ein anbang be« 
oorbergebenben »om lebenebaum, »nb eine ent* , 
betfung ber neroen weit in ftcb baltenb. Slinfler* 
baw, 1696. 

9 ) ©e« ©arten * brunnen ober diarii erfler 
tbeii. Slmfterb. 1697. 

IO) ©e« ©arten*brunnen anbrer tbetl, (beffen 
>• britter tbeil noch fofgen foC) in welchen 3 tbcilen 
alle göttliche Offenbarungen, fo ber autorin »on 
' Anno 1670 biß 1680 au« gnaben gefaben, ent* 
batten (tnb. Slmflerbam, 1697. 

•11) Offenbarung einer bottfcbafft be« ewi* 
gen e&angelü. Slmflerb. 1697. 

12) Theologia Mystica, ober geheime »nb »er* 
borgen« göttliche lebre »on ben ewigen unjlcbtbar* 
liebfeiten. I. P. M. D. 1698. (©a« J^aupt* 

> werf , «nb nddjfl Num. 4. beim folgenben Sluöjug 

4b*ft ©Giften bauptfdeblid) berdcf flc^ttget. ) 

mw*. . )}’• . j. *; ;v : \ ‘ . 

• • ■ 1 ■' , 

n. 

* * ; • f r t . 4 . 

©ufje febcnögefcbicbtc 6 eib er grauen. 

il fy ' W , ‘ ^ . 

»r, ©onrignon warb §u Stpjfel in glanbern im 3abr 
1616 geboren, ©ie jeigte »on ber jarteften jtinbbcit 
an einen befouberett Sßiberwillen gegen bie gefellfcbaft* 
lieben greubcw , irtib bagegen febr »iel Steigung jur ©in* 


. \ 


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/ 


343 ; 

/• 

famfeit unb ©tiße , wie $u frommen SteligionSübungen. 
^jicoon mar bei reiferen fahren anfdnglicfj bie Siebe jum 
Älojlerleben eine unausbleibliche golge. 3bre ©Item 
aber wollten fchledjterbingS nicht barein willigen, unb 
»erlangten, baß jie in ber SEßelt bleiben, unb (ich »er/ 
heiraten follte. Snbem jie jich hartndefig wiberfejjte, 
wdre jie gern heimlich in ein Älofter gegangen , wenn 
man jie ba nur obne ©elb , baS jie nicht batte , anfgc/ 
nommen bdtte. ©a jie ihren 3»ecf nicht ju erreichen 
»ermogte , juchte jie jich hoch wenigjtenS flöjterlich einju/ 
richten, ©ie batte in ihrem ©cblafjimmer einen fleinen 
2tltar, nebji einem Grucifir, »or bem lag jie bie meijte 
3eit ber Stacht auf ben Änieen, unb unterhielt jich 
mit ihm.,; • 

SBei biefer SlnbachtSübung {teilte ihr ihre eraltirte 
‘pbantajie einmal eine ©rfchetnung bar, bie jie als ihre 
SBerufS weihe betrachtete, unb welche für ihr ganjeS 
fünftigeS Sehen entfeheibenb war. 2ßtr werben biefe 
©rfcheinung in ber folgenben Kummer ausführlich be/ 
fchreiben. 

93on biefem Kugenblid an warb ihre ©ntfchließung , 
ber 2Belt »öllig Slbfchieb ju geben, unerschütterlich / unb 
ba ihr »on 3eit ju 3 e *t eine innerliche ©timme befahl/ 
in — bie Sßüjte ju gehn j fo jog jie eines SEagS eine 
©infiebler / Äleibung an , unb »erließ ihr »dterlicheS 
£auS , ohne einen geller ©elb in ber iEajcbe ju haben. 
Stach einigen fleinen Slbentheuern warb jie aufgefangen, 
unb wieber ju ihren ©Item jurücf gebracht. 3nbeß ftarb 
ihre SPtutter unb jie war genöthiget, eine 3 £ ‘t lang ber 
Haushaltung »orjujtehen, waS ihr wenig jufagte. 2llS 
ftch ihr 33ater »on Steuern »erheiratete, unb fie fort 


/ 


V 


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344 


bauern b Darauf bejtanb, unverheiratet ju bleiben; fo 
jog er nach unb nach feine Jpanb gdnjlich von ibr ab, fo, 
baf (ie (tch julegt von ihrer £dnbe Slrbeit ndfjren muffte. 
SBalb aber (tarb nicht allein il;r SSater , fonbern auch ihre 
©chwejter. 9iun fab fie (Ich im ©eftg ber Sßerlajfenfchaft 
ihrer SWutter , unb eineö SbeilÖ ber S3erla(fenfchaft 
ifreö 93ater$. * ... 

Da fir unaufhörlich mit bem Vorhaben umging, 
bem ©eficht, baö (ie gehabt hatte, Jolge 5 U Wften, 
lief jee (ich von einem gewijfen ©t. ©aulieu, ber jich 
ihr tßertrauen ju erwerben geteuft lwtte, bereben, ein 
SJldbchen *Qn(iitut anjulegen unb fol<bmt:varjujtebcn. 
Um babei bem göttlichen (Ruf in jener SBvftött, baf jie 
ben Orben Sluguftinö aufrichten füllte, ju geborgen, 
fleibete jie (ich wie eine Sluguftiner *9ionne. ©ie fegte 
baö ihrige Dabei ju, baf fünfzig ÜJtdbchen nach ihrer 
SÖeife in ber Slnjialt erjogen werben fonnten. ©aö %n» 
flitut fanb halb über Erwartung S3etfall unb Unterjiügung. 

SBet ihrem von ber Sßelt ganj abgewanbtem ©inn 
hatte (ie jeberjeit wenig Sichtung gegen bie 3fefuiten 
gehabt, bie (ich ihrer SEReinung nach ber 2Belt viel ju 
gleich (teilten , unb nach seitlichem SBeifall jirebten. ©ie 
wollte alfo feinem 3tfniten bie (Erjiehung biefer .Rinbet 
anvertrauen , fonbern nahm baju bie R a p u j i n e r. 
©aint ©aulieu hatte nach verabrebetem ^3lan ein 
dlmlitheö $auö für junge Knaben angelegt; < DiefeS 
aber ging, weil man weniger Vertrauen in ihn fegte, 
unb er nur geringe Unterjiügung fanb, balb naef) feiner 
(Errichtung wieber ju ©runbe. (Er wanbte (ich Darauf 
an (Bourignon unb Slnbere, um bie nötige Unter* 
ftügung ju erhalten, ein neueö ^nftitut ju begrünben. 

i*. 



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345 


511« er bat nötige ©elb jufammen gebracht ^attc , fanb 
«r e« für bat ©equemfie , Sitte« für ficb ju bemalten , fid) 
eine unabhängige ßrifienj ju verjtchern unb ju bem 
Gnbe — ©ourignon ju hrirathen. ©ie gottfelige 
©ourignon mar jugleid) von 3 orn unb Sntfefjen bei 
bem Slntrag ergriffen, unb — mie er empfangen marb, 
motten mir, ba mir feinen Vornan fdjreiben, b»« nicht 
meiter autmahlcn. 

©on biefem 3eitpunct an fchnaubte ©aint©aulieu 
nach 9iad)e, mclche er burd) ©erläunibungen unb anbere 
©erfqlgungen an ber frommen ©chmärmerin au«ließ. 

3n biefen 3 c ‘ tr «um fallen bie außerorbentlicben ©e# 
gebenbeilen, meldje in ©ourignon’« Qnjtitute ftatt 
fanben, nämlich bie Seufel«# unb Jperen/ ©eenen, 
roeldje mir Sb. I. ©. 226 f. ber 3* ©• befdjrieben buben, 
©ie mürben von ©ielen ©t. ©aulieu unb ben ^efuiten 
jugcfchricben. ©erniß finb bie eben angeführten Sb«U 
fadjen, bie biefer ©etmuthung viele Sßabrfcbeinlichfeit 
geben, moju nod) fornrnt, baß ©aulieu ein verfcbmifjter 
gottfofer €D?enfcfj mar, rcorin alle Urteile mit einanber 
überein fttmmen. 

SOfan verfuhr mit ©ourigrfon, bie boeb felbjt fv 
finberunbefangen in ber ©adje mar , baß (ie feinen ©e/ 
trug, feine Slrglift, feine Attache ahnbete, fonbern Sitte« 
al« bloße Prüfungen betradjtete, fo bie g 6 1 1 1 i ch e 
©nabe bem Seufel verffattet hätte, über fie ju 
bringen — man verfuhr mit ©ourignon, al« ob fie 
felbfi im ©erbadjt ber 3 a über ei märe; fie marb au« 
bem 3nfHtut mit ©emalt meggehohlt, unb einer Unter/ 
fuebung untermorfen. ©a man nicht« auf fie bringen 
fonntc unb ihre fleinen eueren nicht auf fie befannten; 


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346 


fo begnügte man (Id?/ ihr ihre ©achen roeg $u nehmen, 
unb eine anbere Siuffeherin an ihre «Stelle ju fegen, 
welche — bie Sefuiten »orfdjlugen *). Unter fotdjen 
UmftAnben unb nach folgen (Erfahrungen |>ie(t ed 
SBourignon nach bem SRath roohlntemenber greunbe 
für baö bejte, ftcf> burch bie gludjt cor Ähnlichen, ober 
erneuerten Verfolgungen ju ftthern. 


Unb hitnut beginnt nun gleichfam ber jweite 9lb* 
f rf> n i tt ihreö Äußerlichen Sebenö — Äußerlichen, fage l 
ich, ba bei Seuten ihrer 2lrt, wie fie felbft fagt, ba$ 
innerliche Sehen bie $auptfa«he, unb baä Äußerliche faunt 


*) 3<h mu§ boch hier noch ein ?kar ©orte über biefen £eu< 
fela > unb Jhereit > Spectafel fugen, ©a(j bie 3efuiten bei ber 
Sache fehr thätig waren, iß gewilfe Ohatfache, ob ich gleich 
beOrocgcit noch nicht in ba4 faß allgemeine Urtbeil einfiintmett 
will, baß fie bie Urheber bei ganten .pepen/Sput« gewefen. 
«Jtachbem bie ©eißlichfeit bie SEcufel ber jungen ferchen oet« 
gebeui befchtooren hatte, warb ein SSKdbcben wegen angeblicher 
•pe.rerei aui bem 3n»lttut weg gejagt. Stber bie ffiiutter wanbte 
fieh au bie ßbrigfeit unb oerflagte 8. , baß ße bie ihr anoer* 
trauten Stinber burch ihre (Schwärmereien in üblen 9iuf brächte, 
©ic Obrtgfeit Perfuhr gan) anberä mit ben Räbchen, alg man 
fonji jn biefen gelten iu begleichen gälten tu äöerfe ging , wo 
auch bie Äinbcr nicht oor bem Scheiterhaufen ßcher waren. Oie 
Äittber würben menfehiieh unb oernünftig behanbelt, unb ei 
gefchah ihnen weiter nichti, ali baß man ße nach -paufe fehiefte. 
©icß wirb #on alteren unb neueren ©efchichtfchreiberu bem Sin/ 
ßuß her 3efuiteit jugefchrieben , welche bie «Bache nicht weiter 
treiben wcllteu, unb ßch begnügten, eine anbere äuffeherin 
in bai 3«ßitut gebracht ju haben, bei ber ihnen ber gutritt 
oergännt , ja ber Steligionönnterricht ber Äiuber auifdjließlich 
anoertraut warb. 8eim Schlug ber ganten SJragöbie oeratu 
ßalteteu bie 3efuiten tur ©hre ber inbet unb gleichfam jur 
Schablo^haltung berfelbeit ein öffentliche«} geß. 


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347 


beachtenswert ift. aber auch baS äußere geben war 
bet biefem weiblichen 2Befen »iel reicher, als eS fonft 
bet Seuten ber art ju fepn pflegt, tute nur fofort hären 
werben. 

fRach tßrer ^Iud>t hielt fte ftd) längere ober fürjere 
3eit ju ÜÄecheln, ©ent jc. , bemach m $ollanb unb 
anberen ©egenben, jule£t vornehmlich ju Hamburg unb 
int ©chleSwigifchen auf, wo überall jve ihre SWeinungen 
münblich unb fchriftltch auSjubreiten fuchte. anlaß in 
tiefe (enteren ©egenben ju foutmen, gab ihr ein San* 
fenijtifcher ©migrant, ©hrtftiart ©artholomüuS 
»on ©orbt auS SDtecheln, ber mit einer f (einen ©plonie 
hierher gejogen , bie 3nfel 9lorbjiranb jtf beteten über» 
itommen, unb noch mehrere »erfolgte SanbSleute nachju* 
jiehn »erfprochen hatte* ©ourignon, »»eiche »on 
ihm als eine ©ertraute ber ©oetbeit unb ©raut ©hrifii 
»erehrt, faft angebetet würbe, follte ihn beerben, als 
er 1669 plofclich an ©ifte fhirb. 3 U £amburg fanb 
©ourignon anfangs an einem franjhftfchcn £>ffijier, 
©ertranb be la ©ofte, einen enthuftaftifdjen ©e* 
wunberer. als fte aber feine ©rftnbung ~r ber 3irfel* 
Duabratur nicht fo bewunDcrn fomtte ober wollte, 
als ihre eigenen ephantafteen , unb feinen ÖntbujtaSmnS 
für biefe @ache als etwas S&dtlidjeS tabelte, fiel et ihr 
ab. ©in anberer ihrer feuerigften ©ewunbercr war ber 
berühmte ober berüchtigte spoirct, beffen theofophifche, 
theurgifche unb mantifdje Schwärmereien hiftorifcb fo 
wichtig finb , baß bie 3* 53* »och ausführlich »on ihm 
wirb banbeln müffen. ©iefer trieb bie ©adje fo tpeit, 
baß er {ich, um ©ourignon ja gefallen, »on feiner 


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348 


eigenen grau trennte/ tnbem er glaubte/ baß er (nt? 
ben ©efehl 3efu, 2llle$ ju ©erlaßen unb eheloö ju fepn, 
um ba$ Himmelreich ju ererben/ in feiner gangen ©trenge 
audüben muffe *). 

£)aß ti ©ourignon eben fo wenig an ben bitterffen 
©egnern werbe gefehlt haben , fann man in jener 3«t 
»oraues fefcen. 3n ©eutfchlanb batte fte befouberd mit 
ben ©elehrten unb ^Jrebigern in ihren nächjien Umgebung 
gen, ju Hamburg/ im HoUfleinifcben je. ju fdmpfen, 
bie fie ©abcllianifdjer , Drigeniflifcber unb ©nojiifdjer 
Srthumer anflagten **). Qi war bieß febr natürlich/ 
ba ihre ©ebriften auch in ©eutfchlanb ungemeined Sluffehn 
machten ***) , unb fie eifrigft ^rofelpten $u ntadien fuchte. 
2luf Sinen ihrer ^profelpten , ber ihr bid in ben üob 
getreu blieb/ unb in Sinem 3abre mit ihr jtarb, im 
Sahr 1680, burfte fie fiolj fetjn. Qi war ber berühmte 
SRaturfünbiger , Johann ©wammerbam, ber ein fo 
bemüthiger ©ereßrer bed feltenen SBeibed war, baß er in 


•) SO « l d) ’t 9tetigionS*©treitigfeiten au|ier ber 2uth- Äirche 95. IV. 

©. 911. f. Comment. de vita et scriptis Poireti , Vor beffen 
Opp. posthum. 92 i c e r 0 n £()• IV. ©. 316. f. 

**) ®. ■£>. 55urcfe barbt Slnmerf. über bie 3Vrtt>. tn ber A. B. ihren 
©chrifften, 1674. ©effen <Er}4hlui»g, roaSmit ber ©chivürmerin 
A.B. VOtgcggngeit K. 1677. Oergl. Sculteti lnnocent. Theolog. 
Hamburg, p. 181. seq. Uitb t»eit mehrere ©cfyriftett ber Slrt 
fännten noch angeführt «erben. ©. bie folg. 9lote. 

***) Um fiel) hievon ju überjeugen, vergleiche man nur: ©er theol. 
gacult. ju Äiel theol. 95ebenfen über A. B. ©eba> 
ft i a n vßieman*« ©ebenfen ic. in ©urcharbi’d änmerf. 
übet b. 3rrth. in ber A. B. ©chriffteit jc. ©. ao<). Äraft'» 
Jfmfumfche Äirchenhiü. ©. 187. f. ©pener’v ®utacf)ten übet 
©ourignon, in beffen theol. Sebenfen ©. I. @. 315. 93. IV. 
0.138. £e$te Sebenfen ib. ©. a4. f. 


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349 


ben legteren Sohren Fein ©latt mehr brucfen ließ, o^ne 
baß fte e« burdjgefehen unb gebilliget hotte *). 


©o feßr wir gufammen gebrdngt hoben , fo Fonnteit 
wir nicht Fürjer fepn. Seane 2eabe, beren Äußerliche« 
fieben , bei gleich reichem innerlichem , weniger bewegt 
unb fd)icFfal«poll war, wirb weniger ßtaum entnehmen. 

Johanna 2eabe war au« bem £erjogthum 9?or# 
folF gebürtig , unb genoß in ihrer Sugenb eine gute 
CSrjiehung. Slber wie ©ourignon , fo jeigte auch f i c . 
(nach ihr« eigenen ©erßdjerung) fchon früher £ang jur 
(Sinfamfett, unb felbft Anlagen jur SOielancholie. 

Snjwifchen warb fte boch an einen ihrer ©erwanbten, 
SBilhelm 2eao, perbeiratbet , unb lebte mit biefem 
fteben* unb jwanjig Sabre im G?be*©tanbe. 

fftach ihre« ÜJtannc« £ob behauptet fte eine <S x* 
f Meinung von ihm gehabt ju hoben ; bie (Jrjdblung 
aber, welche fte baPon gibt, beweif’t, baß ßch ihre 
^Phontafie bamalö in einem 3ußonb Pon Ueberfpannung, 
ja 3errüttung hefunben hohen muß. 

©on btefer 3fit on jog ße ftch, wo mfglich noch mehr, 
al« jupor gdnjlich in ftef) felbft jurüd , entfagte allen 
hduölichen ©efdidften, wibmete ßd) einer faß einßeb* 
Ierifchen 2eben«weife , unb wollte pon Feiner anberen 
©erbinbung mehr, außer mit ihrem ©eelen* ©rdutigam, 
Chrißu«, etwa« wißen. 


Boerhave Vit. Swammerd. #0f bc< Zeßtcren Bibi, naturae. 
91 1> e l u tt 9 ®cf4). ber metti'd). 9t«rr(>. £(>. V. 3m ©attjen 

lag tiefen €rfcb«inuttgen glcicfytvol bi« Kligtffe Stimmung b«g 
3m«ltcw tum ©runbe. 


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350 

3n biefer Stimmung hatte aud> fte, gerabe wie 
93ourignon, ein ©effcht, worin fte, (roieber wie biefe!) 
i^re tjimmlifcfje Sßeibe erfabnte , tutb baö für ihr 
ganjeS übriges £eben entfdjieb. 

Dief? ©eficht werben wir iw ber folgenben Stummer 
umftdnblidj , roie’S in feiner 2lrt oerbient, erjdhlen. 

5Bon nun an fdjrdnftc fte fld> faft auSfdjliefflich auf 
ben Umgang mit wenigen, ihr gleich geftnnten UWdnnem 
ein, namentlich mit Johann sporbage, XhomaS 
SBromlep, Gbuarb ijoofer, ©abberton unb 
einiger Slnberen. Den (Srften ehrte fte als ihren jroeiten 
ober getfllichen SSater, unb wohnte in bejfen £aufe, 
fo lang er lebte. Dicfe fleine ©efeUfdjaft »on fromtnen 
(Snthujiaften unb ©eiflerfehern auS »erfchiebenen ©tdnbcn 
unb SöerufSclaffen, ^rebiger, Slerjte, ©eiehrte, itauf* 
leut» jt., bie eine eigene, unb in ber £hat merfroürbfge 
©rfcheinung in ber ©efchichte ber theofophif<h*magifcb' 
theurgifd)cn ©chrodrmerei ift, oermehrte ftcb nach unb 
nadh bis auf hunbert fjftttglieber, unb erhielt ben Stauten 
ber ^hilfc&clphifthen ©efeUfdjaft ober ber (SngelS# 
Sörüber. Seabe fpielte eine fehr wichtige Stolle barin, 
unrichtig aber ift’S , wenn fie bie ©tifterin biefeS 3i*felS 
»on Kbepten beS höhttf« Sidjts genannt wirb *). 

, ©ie hatte nun beinah tdgltdj ©ejtdjte unb Offen* 
barungen. - 3« ber £ljat ifl ihre SebenSgefdjidjte »on 
biefer ßtit an weiter nichts, als bie ©efchichte ihrer 
SSiftonen unb innerlichen Intuitionen, bie fte 
thetlS fclbft auffdjrieb, r£;ctlS ihrem greunbe in bie geber 


*) 23ergl. 3«ne £caJc lc(}t« Ee&eutf (iinjbett mib UufdJ. 
9ta$r. 1703. St. 1. Ö. 25. f. 


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351 


i 


bictirte •). ©ie flarb, »on Vielen »erlaßt, oon $ln# 
bereit Aber bie ©ebühr bewunbert, oon 2Ufen wegen ihrer 
aufrichtigen 5r6mmigfeit geachtet, im ein; unb achtjigften 
3abr ihreä SflterS, unb blieb bt$ in ihr Sllter eine frucht; 
bare ©chriftjMerin. Sßir haben oben Num. I. gerabe 
ein ©ufjenb »on ihren Schriften genannt, bieß jinb fie 
aber noch lange nicht alle. 

9tach ihrem Xobe foOC fte einer Sßittwe ju Utrecht, • 
Johanna JpalbertS, einer großen Verehrerin oon 
ihr, «rfchienen fepn , wie biefe — erjdhlte. ©ie hatte 
ein SErauergewanb an, unb auf ihrer 33 ruft war 
ber gefreujigte Jpeilanb, nebft ÜÄaria unb 3o# 
bannet, bie unter feinem Äreuj flanben, wohl' 
gemerft! nicht gemahlt, fonbern wirflich unb 
lebenbig ju fehen. Sine Srfcheinung, bie fo.fchbn 
ift , al« fte nur in einer 2egenbe be$ SfJtittelalterö »or# 
fommen fann. 

53a ber 2luffa£ bereits ju lang geworben ift; fo 
fhnnen bie SBeih#' unb 3naugurattonö;©efichte 
beiber Jrauen, wie ich Slnfangö glaubte, in biefern 
Xheile nicht mehr mitgetheilt werben, baher 

bie gortfefcung iro ndchfieit 5Ch eile. 


*) SJoti roelcfjer 9lrt mit unter biefe ©efidjte roarett, föttneit 
uitfcre fcefer jum Stbeil fc&oit auä bem erftl>en , n>m5 mit £b- 4. 
6. 314 f. bet 3 . 93. basoit angeführt haben. 


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352 


VII. ©djrecflicbfeiten 
au$ ber SeufeU » unb #erenpre jeß * ^eriobe. 


gortfeijung btt im eorfjer gctjtttbert Sbjxile abgcbroctiaten 
auffa?e«. 

53on bem a6fcf>cu(t«^en SSJiißbrauch ber 5 öfter, in bie* 
fern 3*itraum, bte nach SSorfcbrift beö ^)eren Jammer« 
porjttglich in ben ^exenproceffen bis jum ©ntfegiiehen 
gesteigert rourbe, jeigt auch bie fofgenbe fchauberßafte 
©efchichte. 

« SS fanb (Ich, erjA^It Sirnoib in f. Kirchen* unb 
Kejjerljiftorie Sb* III. 0. 368. f. , in biefem 3abr 
(ndmiidj 1636.) auch ein Wann ju Königsberg , ge« 
bärtig auS ber ©egenb bep Slbingen, eines <priefterS 
unehlicher ©obn, fo in feiner 3>ugenb roobi ftubieret, 
pnb abfonberlich bie Sprachen toobl perftunb pnb reben 
fonte , roie er auch alle 3e*t ein gnechifch onb lateinifch 
neu Seffantent bei ffch führte, pnb in ber 93ibel fo 
Briefen roar , baß er auch bie 93erfifei anjieben fonte. 
SDiefer machte, n>o er binfam A ein Stuffcßen, bieroeil er 
febr etenb pnb perdebtiieh aufjag , pnb ju Königsberg 
porgab, baß er por brep Sauren bep Shoren feinen großen 
Sag ber Srleud)tung gehabt, ba'ifmte fieben Sngel, 
bep einem böijjernen Sruciffr ain SBege ftebenb, erfd)ienen 
pnb bie Offenbarung Pont £immei gebracht, er folite 
bie ^Jerfon ©otteS, beS fßaterS, auf Grbeit 
leiblich unb toefentlich praesentiren, alles 
Sö 6 f e auS ber Sßelt tijun, aud) bie liebe Obrig* 
feit mit Stutzen ffdupen u. f. ip. » 


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353 


©er arme Hropf, brr gan$ offenbar im jlopf per« 
rücft tnar , machte feine ©oft * ©aterfchaft an mebreretr 
Sorten burd) ©cnbfchrcibcn befannt, worin er ftcf> b t6 
folgenben H i t e I 6 bebiente , pon bem er behauptete,, 
baß ihm biefe fieben Engel folgen gegeben, unb ihm 
befohlen bitten, £>af er ibn führen folle; - . i - •» 
2Bir Johann SUbrecbt Slbelgreif, ©prbof, 
Slmata, ^anemata, Äifiö, ffJtatalbiö, ©cbmal* 
filimunbiö, ©abrunbiö, Elioriö, Uebererj« 
boberprieffer unb Äaifer, ber ganjen 2ß eit' 
gr iebefür ff , beö heiligen göttlichen 9teid)e$ 
lieberer jfonig , 9t ich t er ber Sebenbtgen unb 
ber Hobten, (Sott unb Pater, in welches- 
$errlicbfeit SbtiffuS fommen foll jum jüng* 
ffen ©ericht, Jfjerr aller Herren unb Äönig 
aller Könige. •:■># j 

2Öir ffnb burchauö überzeugt , baff auch nitht ein eine' 
jiger Sefer ber 3«uf>er * © ibliotbef biefen närrifthenv 
übererjperrücften Hitel ohne bcrjlidjeö Sadjen lefen bürfte. 
3m 3*br 1636 faben ©iele eine unerhörte 2dfferung> 
ja ein ©orfpiel Pom Slnticbriff unb jtlngffen Hag barin. 

©er 9tarr warb feff genommen unb perbört,:unb 
bie ©eifflidffeit follte ihn belehren. 

Sllö tbm biefe porffelltcn , trenn er fetnt Schämet 
nicht erlernte unb roiberrufe, fo oerfcherje et bie ©eligr 
leit feiner ©eele, antwortete er: §ür feine ©elirgfeit 
braudtten ffe nicht ju forgen, benn er empfange 
feine ©eligfeit, fonbern tbetle foldteals ©ott 
ber ©ater felbff auö. 2lffe ©itten , Ermahnungen 
unb ©orffeßungen hörte er mit üOtitleib ober Sachen an/ 
baff man ©ott ben ©ater befebrcn trolle, 
ui. 23 


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354 


©lieb ba »ernünftigerroeife etroaÄ anberS übrig , afo 
ben »errücften unglücflicben SWenfchen cingufpcrren, unb, 
fo »iel ald möglich, burd) ärjtlidje $ilfe ju feiner ©e* 
uefung beijutragen ? 

n ©anj anbereö gefchab. Sadjbem bie ®cißlid)feit 
»ergebend ihr döteil an bem Sarren »erfudjf batte, mürbe 
tr auf bie goüerbanf geroorfen , um ju befennen, 
ich roeiß nicht, ob er ©ott ber ©ater nicht fep, 
•ber ob er’$ fep? 9J?an bemerfe hie* ben unftnnigen 
SWißbrauch ber Tortur in biefer 3 e * f * @3 tft fcblechter# 
bingd unbegreiflich, ttoic biefer üJtenfd) gefoltert roerben 
fonnte. ©enn menn man ihm burd) ben Schmerj nun 
auch baä ©efenntniß abgejmungen hätte: Sr fet; nicht 
©ott ber ©ater — mar benn bieß meniger Unfinn? 
<5r blieb unter allen SSWartern babei, er fepboch ©ott 
ber ©ater! — Sun marb ihm btr ^Jroceß gemadjt, 
»nb ba$ entfe^liche llrtheil gefAUt: baß ihm bie 3 un d e 
mit einer glühenben 3' ,n 3 e auö bem £al$ geriffen, bar# 
auf ber Körper geoiertheilt, unb unter bem ©algen »er# 
brannt »erben follte. Sa meinte er bitterlid), nicf;r über 
fein ©djicffal, fonbern über bie ©erblenbung feiner 
Sichter , bie ©ott bem ©ater fo ein Urtheil gefprochen. 
©er Scharfrichter felbft marb »on ©litleib ergriffen/ unb 
bat ihn im Slugenblicf ber Grrecution , boch ju roiberrufen 
unb ßch ju belehren, ©er 2öahnftnnige mieberbofjlte , 
er fep boch ©ott ber ©ater, unb menn man ihm auch 
bie 3« n S e ' auä öem £alf« riffe, unb ©ott ber©ater 
brauche (ich nicht ju befehlen! Unb fo marb jur 
ffibr* ©ottei beö ©aterö, »on bem man glaubte, baß 
fein 3orn burch biefe ßäfterung beö Sarren gereift fep , 
bae unmenfehliche Urtheil »olljogen. 


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356 

©oldje 3^9*/ ba$ ftebenjebnfe 3a&rfcpnb*rt 
in SDlenge barbieret, (teilen Die gepriefenft Steligioßtüt 
beffelben feljr in ©diatten, unb jtnbt rcbenbe ©etpeife 
ber religiöfen ©efdjrdnftbeit jener SDJenfdjen, fite, tp»r 
hier, oft an ©ummbcit grenjte, ja in 0 drüber erregenbt 
Hnmenfd)lid)feit überging. , •. ... . _ r : 

• ■))', ■ ■ ;.y < in mr* 

. ‘i .1», Tim 

3m »origen Steile ifb- unter ber ffiubr.if gegenrodr# 
liger Stbfmnblung bcmerft »orben, baß btt angeblichen 
£cren unb ^jerenmeiji« .-.oft p(ö£-(idfc ngd) audge? 1 
ftanbener Sortur gejtorben fepen, ober »fidj 
felbft entleibt bitten. G6 ftnb bort j»ei ©eifpielf 
ber 21 rt angeführt. £)ier iji noch ein anbered/ ba$ 
britte! , , 

«3nt August 1669 ifi bie alte ©djpljjin, fo »on 
»egen ber £Krercp Idngft »erbädjtig gercejt, »on <pauf 
JDra»ennen auf ßino» bern 2lmpt denunciiret »orben , 
n? ei cf> e6 aud) fofort bie Inquisition roiber biefe ... 
»erbddjtige 'Perfobn angeftellet, »nb nad)bero 
»on ber £6blid)en 3ur»ft‘fd)en Jaeultüt in ^elmftdbt bar* 
über erfennen laffen, fo bann i(>r, nad) epblidjer 2tb* 
börung ber $eugen, bie Tortur juerfannt, roeld)« 
oud), nacbbeme fte offt gütblid) »ermähnet/ enblid) am 
3te Januarii 1671) SDtorgenö umb2 Uhr (»arum benn, 
muß man hier fragen, in ber S^acfct? 2Bar benn am 
Sage feine 3 c|t baju? Ober batte bie ©ad)e fo ju eilen? 
Ober ging man habet fo tumultuarifcb ju 2Berf ?) burdj 
ben ©d)arffrid)ter auf ©arbeleben bep il;r »orgenomnten, 
ba fte aber niefytö mehr befanbt, alß baß fte Paul Draf* 
fenen nadtgefeljen. — !!! — Uinb 4 U^r obitgefebr 


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356 


IBfo’rgenß bin , £a#par Ärafj p. t. Pastor huius 
’Coenobii , $u i^re gefobbert moroen , »nb bab fte no dif/ 
mabftn ermahnet: ©ie möchte in (Jrmegung ber Smig* 
feit ©ott bie @t}re geben, »nb ftd) nid)t fomol fürchte« 
»or bemjenigen, fo ben Seih töbtet, bie Seel aber mag 
nid)t tobten, alf »or ©ott bent „fterrn, ber folcbe böße 
?eut mit Selb onb ©eel in bie £6lle »erbamme. Slber 
fie bat gegen mir nichts befant, fonbern immer fürge/ 
»anbt, ©i« »Affte »on UlicbtS, ©ie mdre »n/ 
fcbulbig. Carauff »eilen id) nichts bei ibr auSricbten 
fönnen, bin id) oon ibr gangen. (Jö i fl aber biefe 
©cbnlßiit rtod) bemfelbigen Sag eine« natAr/ 
lieben Sobeö geworben. 93nb bat man mir fagen mol/ 
len, ee follte fte naebber haben ju »erflehen gegeben, 
baß fie Paul Dravenen heberet, mie »nb mornit aber, 
folcbeS ©efleben bat man oon ibr nicht bringen mögen. 
0lacb bem ©prueb ber 3uriflifcben gacultdt ju djelmfldbt 
ift ihr ba$ ÜBegrdbnufj auff bem Ätrebbof ju ßinom juer/ 
fanbt, boeb ohne jflang »nb ©ang. » 

5Iu$ bem St ird» enbudje beS 2Imt$ unb grdu» 
lein»JHofter$ 9?euenborf bei ©.irbefcben, 
»ergl. 9teid)barbt’4 SBeitrdge Sb- II* ©. 420. 


JBiSmeilen befannten bie alö #eren eingejogenen un/ 
glAcf lieben ©d)lad)topfer auch fofort frtimillig allerbanb 
ndrrifcbeö 3 eu 9/ entmeber auö Wlelanebolie , ober auch 
Aber legt unb bloß au$ Ißerflellung , um ben 
Startern ber golter $u entgehen, unb meil man fteb in 
btefent gall begnAgte, anflatt fte $u braten , ihnen nur 
bie Äöpfe abjubauen. Sntfe&licbe Sllternatioe , aber fo 
befielt ftdj’d in ber £erenproceß # <periobe ! 

1 


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$3on ber 2lrt fdjeint ber folgenbe ftaff.gewefen gu fepn, 
«Anno 1671 auf S}, brep j?6|itg ift eine 'Jttagb mit 
SRabmcn Trine, »on 2llt<0al|jr»ebe| bärtig , fo bep bem 
Sfrüger allbie gebienet, wegen ein« bößen ©efdirepeä, 
von ShurfüriH. Simple gefdnglid) eingegogen , ba fie ban 
fogleid) nid)t allein gegen ben Sl^ptpjan , fonbern aud) 
gegen mir (mid)) befanbt, b wiewohlen aujj 
groffer ©ejtürfcung, ba 0ie ihre ÜÄutter (foll »er* 
mutblid) Reißen,, ba i|>re SOtutter t^r) bep ihrem 2lbfd)ico 
Übel nad>geflud)et, pactum cum DiakoJ? V et postea, 
tviewoblen gezwungen, concubitum gebalten. 3d) bin 
uinb ben anbern Sag gu thr im Shurnhauß gangen, 
vnb bat jte , dußerlid) ba»on gu judiciren , gutbe 2ln/ 
jeigung einer red)tfd)affenen Poenitenz »erfpühren laffen. 
Sßeilen fie bann bep ihrer getanen Confession bejtenbig 
verharret , ha* entlieh / nad) »orhero gehenben öieleri 
Interlocutorien , bie 3uriß.; Facult. gu« Jpflniflebt, ein 
fold) Qrnbvrthcl gesellet, baß ihr vorhtro ber Utp-pff 
abgehauen, pnb her n adjgehenbä ber Äörper 
follte »erbrannt werben. .(SBie gndbig!) 0cine 
GburfürfH. ©urdjleudjtigfeith aber haben, beptelted 33ytbel 
auß angebohrner Clementz, biewpilen man fcinfc 
tieffe Melancholiam bep ihr beforget, fo 3d) *) 
aber »nb anbre meine Jfjoebebrmebrtige Slmptehriiber nicht 
mahrnehmen mögen, foldjer geflalt gemiltert, baß ih* 
bie Scbeneftraffe pollig erlaffen, »nb fte auff ben» Kmpt 
lebenslang fpinnen »nb werwarlid) bleiben falle. @ie hat 

ti.oi 

*) £ai beift bet aberglaubifcöe utib eiitfdlttge Pastor Ätfl?! Statt 
liegt folcbe ©acbeit mit jitbignation. Sl«n fiebt betulich , £crr 
Jtrag bitte ti lieber gefehlt, wenn man btt ; Uttgltf<f lieb» ®b«e 
, «eitere« »erbtatutt bitte, r - 1 '*• . « s ; 



358 


jW) aber wenig 3üag nach publieirung foldjd gemilderten 
©rtbeld bed 9?ad>td ba»on gemadjet, »not ift in ber 
(Koggen »®r nbt ba»oir gangen. ©ott gebe, baß ihre 
©uß roabrbaftig »nb beftenbig fepe, mb be^ütfje fie für 
beß leuffelß ©triefeit gndbiglid) ! » 

SJud bemfHb^V jf ird)cn6itcbe unb »on bem* 
felteh-^efjf ^dj-en , Ära$. 

. . ■ : : '.ij.uS*?? sfdi v . . , . • ■ • ;• 

i r , . . i • "" "’" ' 

©ie © d> r e cf l i‘d) f e i t e n ber #erenproccß» 
<))er tobe fonnen faum mit bunfelen färben genug ge» 
fdjilbert toefben. 2lud) baö folgenbe 2Jctenffücf ober 
3ülid) t ©ergifcbed SXefcript an ©ertram »on 
Sanbdberg, ju ©lotbo ©roften jc. beroeif’t, t»ie 

graufam unb unmenfcblid) mit ben »ermeinten £eren 

: , 

»erfahren warb , 'unb baß man fid) jur % o i t e r , ju 
gruer unb SBöffer, furj ju allen Slrteit »on ©ar» 
barcien gegen bie Unglücflidjen für beredjtigt 

i ■ (j i 

: S Siebet ©etrerocr ( 

SBaß © u newlidjer 5£dgen an ©nfere (Käbte »on 
roegert Jp i fielt ©ußen bejüd)tigter 3duberep gelanget, 
folcbß ifl ©nd fürbracbt. ©ieroeilen nun allerbanb fiarcfbe 
©erntütbung ju fcbrpfen, bamit ban anbre ©nfre ©ntber» 
tränen burd) berührte SÖepbdperfobn glcidtfalß nidit be* 
fcbebiget, »nbt folcb »nebrifllid) ©moefenb ber ©ebubr 
geffraffet «erb ; fe ifl ©nfre SDfepnung »nbt ©efeld) , 
angericbte Perfobn gefanglid) cinjunebmen, fte baraujf fo 
gutblid) alß peinlid) abfragen, aud) imb gatl fie ber 
geßakb nodjt.n^bt befennen t»urb, (mürbe) alßban uff 
bern SBaffer ber ©ebur (nadj) $ur prob (feilen juc 


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359 


\ 


(affen, »nbt ©nß fürbter ade gefegenbeitfr §u eerftenbigeit. 
©erfeben ©nß altßo foldjß ju ©ir. 

©eben ju ßleue amb 24ten Julii 1581. 

* Sobonn Söübcfm. 

©eptrdge jur ©cf i rf) te bet Sntoferanj, 
ober autbentifcbe Slacbricbttn oon bem 
?c6cn, beit SWepnungeu unb ©dndfafcn 
D. 5? a 1 1 1). ©ecferä, »on 3. ÜR. ©<b»ager. 
S. 133. 


28aren bie bernteintlidjen $eren $u beflagen; fb 
rcaren’ö in ber £eufelö t unb 3 a uberperiobc biejenigen 
nicht weniger, metcbe man für — bewert hielt. 3$ 
n>ilt b»fr nidjtö baoon fagen, rote |te von ben ©eiftticben 
gepeinigt unb bmngefudjt mürben, bic fic jwangen, in 
einem fort ju beten unb ju fingen , mdbrenb jte gemeinig* 
!id) an ganj natürlidjen 3 u fMen litten, unb burd) ba3 
ewige ©eten unb ©ingen nur nod) Fleinmütbiger, ja oft 
rafenb gemacht mürben*), ©aß fte felbjt »on ben 2ler§ten 
nicht vernünftiger bebanbeft mürben; baß au<b biefe in 
faft alten $ranfbeit$$uftdnben bamalä fo gern ©efcfyreu 
ungen unb ©erjauberungen fa(;en, unb ihre (Suren Unb 
2trjnei?S0titteI barnadj einridjteten : — baä gehört, wie 
ber ©cfd)id)t$fcbrei6er nicht unbemerft (affen barf, vor* 
jugemeife mit ju ben ©chrecFlicbfeiten jener ©er* 
gangenbeit, bie unter Feiner gorrn wieber Fommen Fann 
unb barf. 

Um unferen Sefern ben wüßten Slbergfauben unb ba« 
Glenb, ba$ er aud) in drjtlicber £infid)t jur golge 


*) ©ergl. 38Ubet«93iMtotM £b- I @. Ml 


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300 


»or Die 2lugen $u bringen , »ollen »ir ihnen bi« einige 
Neeepte für ©ejauberte auö 6er ©chrift eineö ju feiner 
3eit berühmten 2lrjte$ mittbfifen. ©ie »erben foldje 
nicht ohne 93er»unberung lefen, mit Dem jieten »cb* 
mütbigen ©efübl : mieging manbocbinjener3tit 
mit Den ÜJlenfchen um! — 

* <? i n ©rbinari»^JurgiertrdncfIein für Die 
Sejduberte. 

©. ^>eterefraut»urb einen ©crupel, 33ra»o»ur|j 
ein b<»lb Duintlein, ©uranb, ©ulDen»ibcrtob, jebed 
ein ©er. , ©t. ^obanniö jfrautblumen $»ep ©crupel , 
SBepraucb, 9J?prrben, jebeä ein halb ©er.. Die £eber, 
£erfj »nb ©allen oon einem -ö c d)t/ jebeö ein © r. , 
Serpentin , Den ©afft oon Antimonio pnD distillirted 
©t. 3obanniebluin»affer, jebeö fo »iel »onnötben. 

©iefe Purgation folle Dem Patienten 8 Sag, ober , 
fo lang alö Die Jftotbburft erfoDDert, ©iorgenfj ftüb nüd)* 
tern tingegeben »erben, »obep Denn »ieberumb er* 
innern, bafj alleö Dasjenige, »a$ »on Dem Patienten 
, »ermittelfl Diefer Purgation Durch Den ^)arn 
»nD ©tublgang gebet, »obl aufgehoben, baä 
33 lut, fo man ibmeauö Der 2lDerfp ringen laffen. 
Darüber gegoffen »nD alöbann folgenDe ©adjen 
Darunter gern ifdjet »erben fo l len , aljs ndbmlich 

©t. 5 peterefraut»ur|, ©rau.i»ur§, 5Jieifler»ur{j, 
?lngelica»urj}, ©urant, ©ülDen-'SßiDbertob, öifenfraut, 

©t. Subannisblumen k. ©iefe$ atfed miteinanDer foU 
man in einen »oblbefcbloifenen oerlutirten $afen tbun, 
onD felbigen 3 Sag in Den 9laucb ^enefen , b«nacher 
Diefen £afen erblich oon »eitern, halb aber immer ndber 


V 


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361 


jum fjreur fegen, »nb i(>ne 2 ober 3 ©tunbt babep (leben 
laffen, nacb biefem wieberumb in ben JRaud) bencfen, 
»nb baö fö lang »nb »iel , bi# bie 3 f * f *>eä Purgiren« 
wieberumb »or&anben. 2llöban falle man atfeö, fambt 
ben Excrementen beö geibeö in ein flieffenb Sßaffer 
fcbütten, »nb mit biefer Manier fo lang anbalten, bii 
ber SBejauberte »6Hig gefunb worben , wobep bann aucb 
ber (Ebdter, fo ben Patienten bejaubert, funbt gemadjet, 
»nb heftig gcquälet werben wirb, 
r . ■ • 

Sine ©albe ober Wirtur fitr bic ScjAiib erte. 

ijl. — Jg)ier nun eine Wenge 2ßur$ef unb .fträutcr, 
bie id) nid)t abfcbreibe, weil fein Wenfcb bie ®albe mehr 
machen wirb. Sllebenn — bie&u tbue weitere binju : 
$unb$fd)ma(j}, lödrenfcbmalg, Gtappaunenfdjmalg, jebe« 
ein halb 'Pfunb, J£)irfd?unfd)litr 16 2otb, Oe&l »an bem 
Gummi Apoponax je. je. ic. 9iun folgt ba$ Werfwür* 
bigfle: ©iefe ©tucf laffe man in einem woblbefcblofnen 
©efd)irr 3 Wonatb an einem warmen Ort (leben/ ald* 
bann truefe man ee jlarcf aus , »nb befebmiere bainit affe 
SEbeil »nb ©lieb beö bejauberten Wenfcben / fowobl bie/ 
in welchen bie 3 a M^ f tep ofenbal;rlicb erfebeinet, aljj auch 
bitjenigen, in welchen fte annoeb »erborgen 
lieget, jtefepnb gleich mit ftrampff, ©iebtern, 
SBerfrümmung ober 33nempfinblicbfeit , ober 
mit groffen ©cbmergen, ober mit einer anbern 
2trt »nb ©attung ber Sßcjaubcrung »erlegt »nb 
angegriffen. (2tber jtnb benn baö nidjt lauter gaitj natür* 
liebe Äranfbeitenf) 

* ' . v »i i . 


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/ 


362 


Spccies ju einem #auptf)Aubf ein, ©Acflein »ab 

Ä'üfjlcin für b i c Sefcbrpne »nb 53 er$au&crtc. 

> 15!. ©t. speteräfrautwurjj 8 2otb je. ic. ©iefe ©tücf 

folle man jerfcbnitten wohl untereinanber mifchen , »nb 
»on biefen Speciebus £auptbuublfin , ©dcfiein »nb 
Äüpciein machen, welche man tbeiiä in beö ©ejaubertett 
©ett legen , theilß ihnte an ben ^alß hencfen fotte. 
Sßeldjen ©tütfen man noch fernerd — ein 28 olffä* 2 lug 
»nb ein ©tücflet’n »on einer $irfcbfcbalen hinju thun 
fann , weiche ©achen ber Äranfc täg(id) bet> fich tragen 
mu{?. 3n bie £auptbdub(ein aber fott man nodj über« 
bief? einen abgefireijften ©d> langenbalg mit foicher 
©lanier ndben , baß er im auffe^en baä bloße ^)aupt 
berühre. (2Uleä, wie albern, efell;aft unb abfcheulich'.) 

<£in Mittel wiber bie jauberifche Unfinnigfeit. 

©?an nehme ein fchwarjed Samm pon ber ^eerbe , 
biefem fchlage man in einem ©treid) baä £>aupt ab; 
»nb foche foidjeö mit ber fpaut unb 2 öol(e, 
aldban theiie man felbigeö, wohl gcwürjjet , in 3 Sag 
nad) einanber einen Sheil früh nüchtern baroon $u effen. 
( 9 Jlit ber £aut unb SBolle — ©uten Slppetit!) 

NB. 2 lnbre (bie nicht gefebeiter jtnb, ald unfer 3 lrjt!) 
ftblachten ein fdjwarjj Äalb, »nb hinben feine- gwngen 
bem ©ejauberten auff ben ahgefebornen „fjaupt « 2ßirbel. 

Slnbere (©. 198 .) hinben bem Patienten 
eine fcfcwar&e £enne auff ben Äopff, »nb laf« 
fen fie 3 Sdg baroh brüten *). 

- ü . 

*) Siefei mefjr ali feltfame Mittel Kafereifit unb SÖetjtaubei / Sfcer* 
rücf tbettert ju I;eilcti, muß im fec&öiehnteu unb ficbeitiebnteit 
3at>i*i)uubcti fci;r beliebt gewefeu fepn. Slli j. iS. 1521 ber 


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i 


iti 

SBie man Scfefftne *>«b »t>n 3a«6ert9 SSnfiiutigc 
»ieberumb j u SS e r n u.itf ft bringen »nb $u resti- 
tuirett Ij ab. 

ijl. Keinen Serpentin ic. jc. jc. Kacfy biefem Srand 
öffne man beit S3er$nuberten bie £aupt < Sihern auf bep# 
ben £dnt>en, »nb taffe fie fo lang fpringen biff 
ber Patient o n nt A d> t i g wirb; (fo fann man einen 
fdjon ju Vernunft bringen!) nad) 4 Sögen fdilage man 
beebe Q3röun » Siöcrn unrer ber 3u n 9 et t/ (wieber, b i 6 
ber Patient obnmffcbt'ig wirb? — ©er Sinologie 
naef) ofjne 3weifel l ) »nb befebeere ifrme baö Jpaupt babep 
mit einem ©djeermeffer. 3:hmittelfl folle ber Patient 
allewegen über ben anbernSag mit »orbenaf>mteft Sarir» 
«pttluln habe»; purgiret werben. — !!! — *) 

.£>efiifcbe sDiimlter oon Sdjrautenbach »oti Sinnen fara, fa 
würbe foldjei bei ihm angewenber, unb folt gute 3)ieuffe gett>att 
haben, eben fo bei bem oerräcftcit lepten .ijcriog »oit Jülich, 
Johann 23ilbelm u. f. f. SuriofitiSten ber 23or< 
unb «Ritus eit. 0. VIII. 0. 3‘i. IX. 0. 379. ©emeiniglich 
warb bai .(jubn auigeweibet, nm ben Sopf berüm gefcblageu , 
unb mujjte barauf oerbleiben , bii ei gattj unb gac in $Aulnifi 
dberging. Ttad) ®ocfel (iebt’i fo aui, ali ob er gar ein leben» 
bigti Jjutsu auf bem ÜEopf befejliget haben wolle. 

*) Mgntissaobergugab benabmtlicbe bie Mylianifd>e jufam» 
men gefammelte ©ebeime arhu:9*3Rittel 5Siber bie jdubenfehe 
0d)4beu ober itranJbeiten : Ober eine richtige 2lrt onb 23ai(j, 
wie man bie 3aubcr»0ad)en, 0;fd)roobtuugen, ®:fpott/ affen» 
Spiel onb ®juc!.l»f offen bei lepbigeu Jeuff;l§, aui welchen 
Coneracturen , «Jerfrämmungen , ®td)ter , ©attgigfeit bej 
^rijeni u. f. w. ju entfpringen pflegen, Sepien , wegtreiben, 
aufjrotten, oerbuten, onb bie oou folchen angegriffenen, ober 
t er ja über tat onb befebrpneu 'Perfobaen befrepen onb curiren folle, 
Söelcbei bt|j anbero nur gefcbriebett in etlicher gelehrter Ecut 
•fjJitben oerborgen gehalten, nuttmehro aber auch in Ieut|d)tr 
Sprach an bai Jageilicht gebracht worben oon Eberharrto Go* 
. tkelio , Med. Doct. (1. c. 0. 154-182. 0. 283-314.) 


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364 


@o bcbanbefte matt bamafa bie SDicnfdjen ! Unb fo 
bereinigten (Id) Slerjte, ©eiftlicbe, 9lid)ter, alle 
(Stdnbe,'um Bad Glenb, bie (Scbrctflicbfeit jener 3 e ‘*^ 
ji'Der nad) feiner Sßcife, $u »erniebren , unb Die 4 JJfen|d)en 
)u peinigen! Sßar’a ba ein ttöunbcr, meint SMandje 
an ©ott unb fid) felbfl irre mürben? — 

©egeurodrtige Mbbanblung böte, rnie mir faum 
ju bemerfen braudjen, «Stoff ju mehreren Steilen bar. 
Ulber mir merben fletö, junial in biefer fünften Ülbrbeilung 
für möglidjjte ütbmedjfefung (Sorge tragen , motten aucf> 
beö Sunflen, ©d)retflid)en, mitunter Gmpürenbcn, um 
ber ©efüble ber Sefer jit fd)onen , nid)t ju »icl auf 
G inen s punct jufammen häufen, baher^beren 

©efd)lujj im ndcbfteii Stbeile. 


VIII. £ ä d) e r I i d) f e i t e n 
au$ ber XeufeH» unb £erenprotcß * Periobe. 


SJortfcijung betf im »or&er gebenben (beeile abgebrochenen 
2luffa$e<. 

9?ad) fo viel ernflen, ba$ ©efübl oermunbenben (Sachen 
»ollen mir unferen Sefern hier eine SHeibe oon Sicherlich* 
feiten jur ßborafteriftrung ber 3«ubers { periobe mittbeilen. 
2ßir motten babei fo »iel alä möglich bie 53erfafer uns 
mittelbar reben, unb bie 3 e,t (*<h felbfl malen laßen. 
2l!fo ohne meitere Ginleitung — 


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I 


365 

« 9JfafTen bie ©nbofben, $ejren »nb bcrgleldV 
Seuffelßge fd>meiß burd) »bre teuffelifdte Äünfte niebt 
«ttteine bie 9Wenfd)en , fonbern aud) baö ©itd) an greif# 
fenonbtbefdjretyen*), ben Äü^en bie9Xtld) nehmen, 
ober oerbinbern , baß bie SJBeiber nicht außrüßrn »nb 
©uter machen F6nnen, fo »iö id) |>ier folgenbö bintju 
fegen. 

©o ndbmbtich bie Sßeiber »on »egen ber ©nbofben 
»nb #eren feine ©utter madjen f6nnen / nehmen fie nur 
frifebe Äubmild), gieffend folcfje ind Gioac, ober auff 
QJtenfchenmijt , fo fonnen bie ©nbolbinnen nidjtd mehr 
fchaben. 93nb »ie eine ©durin einjimalen ©fut son 
ihrer £ub gemolcfen, onb beßmegen febr tra»rig geroefen, 
gibt ibr eine Slnbere ben Rabt, fie fotte nur (mit 
©rlaub) in bie Wild) bofieren, onb fie and geur 
fegen. 3ch inepne bie alte bcnadjbarete ©ettel frigte 
?tugen»eb, onb ailed, »aß fie roeb ober fdjntdcfte, »ar 
nach SRenfcben * ©reef. 3ene aber befam flugß »ieber# 
umb »eiffe 9Rilicb , baß alfo bie älcfermdnnifcbe ^)robe 
eintrifft, »eiche auch Dr. ^ommeranud (ber berühmte 
Reformator) »uffte, immaßen alß Dr. fppmmerd £übcn 
bieSRild) burtb 3^ u ^ erf 9 geflogen »ar, jireiffte er flugd 
feine £ofen abe, onb fejjete einen feinen 2Ödcbter 
in einen 2tfch ooll SRilch/ rübretd umb, onb 
fagete: Rufrett, JEüfel, nufrettü! ©arburch 
fo »arb ißnte bie SRildj nicht meßr entzogen, ©enn in 


*) Sicji finb Ä u it ft a u ij t> r u efe, rooeon ich unter betrt Strtifel: 
©6tbe< (ober Btfprecbung«»unb Befcbreiung*«) Äunjl aui< 
ful)tlirf) gcbaitbelt habe in bet 2Ulg. BncpcUpdbie ber 
Äittßc unb 'Biffeufc&aftert beit ich tu Obigem tu «er« 
gleichen bitte. 


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ftiefer Mumia spirituali ftecfet baS rechte ©eheim* 

nuß / ade 3 au f ,fr f £ M ö t n i u htpUn* » 

» 

Dr. J. Christian i Fi'uncisci Paullini f>epU 
fame X>rccf * Stpotfjecf. grancffurtb a. SDl, 
, 1687. tlbtl). 5. Gap. 15. @. 263. 

Daß biefed wichtige ; SSJerf feinen eleganten Xitel 
mit ber X(?at führt, baoon fönnten mir (Belege in ÜHenge 
anführen. 2Birflid) aber mir müffen, ohne ben 93orwurf 
übertriebenen Sfelö befürchten $u bürfen, 3lnjknb nehmen. 
3njwifchen fobert auch bie ©efchidjte ihre Rechte, unb 
baß man in 2?eranfchau(ichung eineg 3 f i ta ^ fr ^ gerabe bie 
bejeichnenben (Eigenheiten bcffelben nid)t mit ©tillfchweigen 
übergehe, ober auS übertriebener 9füct|id)tlid)feit perbeefe. 
Unb fo war’b benn atlerbingö in ber £)erenproceß*93eriobe 
ber gall, baß bie fogenannten antt*magifchen ober ent* 
jaubernben (Euren in ber Siegel recht eigentlich — ©reef* 
Suren mären, alfo, baß ^jerr ©octor s paullinu$ 
mit gug unb fRccht unb ohne Slergerniß ju geben, ju 
feiner 3 C * 1 e * ne ©recf*2lpothef fchrciben fonnte, ein 
SBuch, ba$ ben 3 e i t 9 tnoßen fo fchdljbar oorfam, baß e6 
mehrmals aufgelegt werben mußte, ©aber jur htftori# 
fchen tßejeidjnung jener 3«t in mebicinifdjer J£)injuht au8 
ber ©reef * Slpotßef nur noch jwei einjige, hierher 
gehörige, Idcherlidje, unb, wenn man will, efelßafte 
Slnefboten ! 

^JaullinuS nannte in ber oben angeführten Srjdß# 
lung bie menfchlidjen Srcremente eine Mumia spiritualis. 
Äein SBunbcr fonach, wenn er Sap. 14. ©.258 ©inge, 
wie baS golgenbe, erjdhlt: 

«3<h felbftcn fenne einen ^ontmerfchen Saoallier, fo 
«rft unter ben SDUinfterifdien Golfern Sapitain gewefen. 


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I 


£67 

nun’ ©brifter ift, bent einmal eine STOefje ehoaß bepge* 
bracht/ onb Dermalen betöret, baß er oft in ber 9)?it* 
temacbt aufffteben onb mit ©erbruß ihr nad)iauffcn müfen. 
9tad)beme if>nt aber einji ibr SWifi in feint neue ©cbub 
gofeget worben, onb er barin eine giemlicbe ©tunb fang 
gangen > onb jtcb fatt geroeben batte, tfi alßbalben bie 
gitb aud) beo ih«« ftincfenb geworben. » 

3n ber Xbat, bicr erfdjeint ber Aberglaube im buch* 
fldblid)tn ©inn efelbaft unb ftinfenb. 

. • ©ben fo Iddjcrlid), unb weniger efelbaft ift bie fol* 
genbe ©efebiebte ®. 258 in ber Dretf «Apotbef: 

«3« $alberftabt erjeblete mir Jg>exjr 9)f icbel 28ir(j(et 
Rector bep ber Martins - ©cbule , wie baß er einen 
©cbrtinerb'©efelltn gefannt, bem ein SSRdgblein etwas 
bepgebraebt , onb er nicht oor ibr bleiben fbnncn. ©eine 
SKutter aber bab ib»n ein par newe ©ebub gefauft onb 
©t. 3ob«nnefraut binein gefteefet , worin er nacber 
Sßeringeroba gefdjwinb onb in einem £rapp laufen 
ntüfen, &aß Uwe aueb ber ©tbweiß milbiglid) über beit 
£eib getröpfelt. 2öie er bortbin gefommen onb ftd> ein 
wenig abgcfüblet, ließ er ibme eine £anne ©rüban geben/ 
goß foldje nad? onb nach in ben rechten ©d)ub/ 
unb trunefä flebenb onb gefebwinb nadteinanber 
auß. . SBorauff er gleid) ber £ur fpinnegram geworben/ 
baß er nicht einmal mebr ibren 9iamen anbören mögen. » 

©enug, unb ju anberen Sdcberlidjfeiten ! — 


©6 ift Num, I. biefer Abteilung in ber ©efebiebte 
beS Monsieur Oufle ben gauberifdjen Itbieroerwanb/ 
lungen, unb namentlich ber fogenannten SS3ebr <2Bölfe 
gebaebt. Selche l&djerlidje Unfinnigfeiten barüber in ben 



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. 1 ' • ■ , / 

368 

Sagen be« Aberglauben« gefabelt würben — baju hier 
einige abenteuerliche iöeitrdge , big mir einmal mit 
wiffenfcbaftlicbem ßrnfl in ber 3* 53. ton biefer ©Faterie 
ju fjanbeln SKaum ftnben. 

©ie Cefer ber 3 * 53. fennen ^omponajji bereit« 
au« bent erften 2luffa$ gegenwdrtigen Sbciie«. ßr mar 
$u feiner 3 f <* «l« Arjt berühmt, babei al« Äenner ber 
©tagte ober 3ctuberei geehrt , nicht gefürchtet. 

3u biefem brachten einmal mehrere Q3auern einen mit 
SBlut beöedten unb übel pon ihnen jugeriebteten ©lenfcben, 
mit ber 93itte, er mödjte ihn hoch fchinben unb un* 
terfueben, oh e« ein ©tenfeb, ober — ein 2ßolf 
fep. ©ie Ratten ben Unglüdlichen irgenbwo auf bein 
£eu Hegenb gefunben. ß« ging ihm mie Monsieur 
Oufle, unb er litt an ber barnalö fogenannten 2Bolf«* 
Franfheit, ober Spfantrophie *)• 211« ftch i^m bie 
93auern nahten, rief er ihnen ju: ßr fep ein SSBolf, 
unb wenn fte fid> nid)t gefebwinb baoon machten, 
fo merbe er auffpringen, unb — fte freßen. ©te 
bemaffneten ftch alfo mit prügeln unb Jpeugabeln, feblugen 
ihn nieder , unb bemdchtigten ftch feiner, ©ie buttert 
ihn barauf, fagten fte ganj treuherzig $u ^Jomponajji, 
felbft fdnnben wollen, um nacbjufehen, oh er unter 
feiner febeinbaren menfchlichen $aut unb ©eflalt ba« 
SßolfofeU hohe, ba er ale 2lrjt folcbe« aber boeb beffer 
perfidnbe, fo bdten fte 3h n bie Operation oorjunebmen, 
um ber ©ad)e auf ben ©runb ju fommen. 

1 

*) Sine Sföamt, motten in ber 3- eigenb« noch einmal »irb 
gebanbelt merben. tiefer Stberglatib* reicht in ba« tief fte 
beibnifdje 2llrertbum bitteilt. SBergl. fcuguftinu« De 
Civitate Dei L. XVIII. C. 17- 18. 


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369 


Camerarii Meditt. Instor. T. T. L. IV. C. 12. 

\ 

Sahini Tract. de Nativitate Magorum p. 2o3. 
21 g r i p p a de Vanitate Scient. C. 44 - pag 3 19. 

3n Alberti Cranzii Hist. Dan. Lib. I. 
C. XXXII. mirb erjä^It, her Äonig Jrotbo tion ©ine# 
marf bäte als ein großer greunb ber INagie eine be* 
rühmte 3 auberin an ftinem $ofe gehalten, roelche fidh 
nicht allein felbfl in alle beliebige £bier*@eftal* 
ten »ermanbeln fonnte, fonbern auch anbere 
9ttenfd)en. ©ie £ere hatte einen ©ohn, ber eben fo 
fdjlimm unb gefcßitft mar, al$ ftc fefbjt. 23eibc beraubten 
ben ©d)aj$ be$ .ffönigö , unb machten fid> mit ber 33eute 
baoon. ©er Ü? 6 nig funbfdjaftetc cnblich ihren Aufenthalt 
auä, unb begab fich bahin. ©ie Jperc |lcbt ihn fommen, 
unb oermanbelt augenblicflicf) ihr £>auö in einen ©tall, 
ftch in eine jtul;, unb ihren ©ohn in ein Üfalb. ©er 
Äönig erfannte fogleid) bie 3 auberci, ndherte ftd) inbeß 
ber Äuh, um (Ie recht in Augenfdjein ju nehmen, unb 
ob er bie entflohene £>ere r>ielleid)t barin erfennen rnüchte. 
©a gibt ihm baö boshafte &(ufr ein spaar ©toße mit 
feinen Jpornern in bie ©eite, baß er auf ber ©teile tobt 
ju 33oben füllt. 

33crgl. außer Cranzii Hist. Dan. 1 . c. auch Le 
Loy er (Sh* L ber 3* ©• 243 ausführlich be* 

fdjrieben) Des Spectres pag. 142. ferner 274 . seq., 
mo man mehrere SolfS* 33erroanblungen erjdhft ftnbet. 
* 8 efonberö reid) an ©rempcl oon 2öel?r ; Soffen unb 
anberen Schier j ÜWetantorphofen ijt 33 obin in f. ©d# 
monomanie p. iy 5 . seq. 45 o. seq., fo roie ©elrto 
Disquisit. mag. p. 124. seq. unb <J. ©d)Ott in ber 
Physica curiosa. 

tu. 24 


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370 


©ad ?uftigfte non Ottern ift ba3 9lecept, reit bie 
SBolfd*£ranfbeit fönne gereift werben. 

«©ie fo ba an ber 2ßolffd*£ranfbeit laboriren, 
!6nntn gebettet werben/ wan man fte mit ber 
©abel nnnerfebnd einmablen just jwifeben bie 
bepbe2lugen fcblAgt. » — ©a hier ob« 3meifel non 
einer Sptm ober SDtiftgabel bie 9febe ift, fo burfte bie 
Gur leicht rabifal fepn, fo baß ber jtranfe auf immer 
»or jebern Stücffall gejicbert war. 

Cicognae Magia omnifaria , seu de Spirltibus 
et Incantationibus etc. nach ber beutfeben lieber* 
fetstmg ber ©t. bet @o beimann. 


©ie Iddjerlidjjten Sollbeiten im ganjen 3<m&tr * unb 
#erenwefen fornmen in ben gabeleien vom Seufeld# 
©abbatb nor. Gd mifebt ficb freilich manchmal ein 
tiefer ©cbmerj hinein, unb bad Aachen möchte fich in 
SEBeinen verwandeln. 3cb glaube, baß ed im unermeß* 
liehen ©ebiet bed 2lberglaubend, ber £irnjerrüttungen 
unb SBabnftnntgfeiten Siicbtd gibt, bad bamit verglichen 
werben fann. Slber wir abftrabiren jegt non allen 
trnfteren ©etrad)tungen über bie ©adje, unb geben 
bier jur ©eluftigung unferer £efer nur einige Selcher* 
liebfeiten aud bem bunflen greife biefed Sbeild bed 
Seufeld* unb 3 au & er 9 to«k et td. — £ad SMcberlübfte ift 
bie ernfte gewidjttge 21m td* SW ine, womit bie £exen* 
Snquifitoren non ben ©acbe fpredjen. 2ßir wollen bienon 
jurn 2lnfang fogleid) ein *paar ©eifpiele bisher fegen. 

2ßir fepnb aud bem SWunb non mehr benn fünfjig 
biß fecbdjig 3 tu 9 en »erficbert, baß niel £eren aud) nn* 


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371 


gefchmieret ctuff ben ©ahhath $iehen, auch nicht ein# 
maf)( gebaffen finb, junt ©djornflein, Gamin, ober 
fonjl wo hinauf? $u fahren. (Sßie wichtig unb gefebrt! ! !) 

©er ^)erenricbter Stemigiuö *). 

©ie $eren in granfreich braudien fein gett ober 
(Salben, fonbern nehmen nur einen ©efem jwifdien bie. 
©eine, onb fagen habe»? etliche Sßorte **), unb bantit 
fahren fie fort jum Sabbath. hingegen bie in Italien 
haben allejeit einen ©ocf an ber Sthüre flehen, welcher 
auff jte wartet , onb fie $um ©abbatb führet* 

©er $erenrichter ©obin***). 

Johanna d’Abadie Pon Siboro fagte in peinlicher 
grag auf?, ber £eujfel hob am ©abbath »orne onb hinten 
am Äopff ein ©eficht, wie man ben ©oft Janus mahle. 
(© i e #ere war in ber 9J?pthologie hewanbert!) 

2lm ©abbatb liffet jtch ber Teufel, wie anbre au$# 
fagten, alö ein groffer ©ocf mit jroep Jphrnern oornen 
»nb jween hinten, ober nur mit brepen feben, jwifchen 
welchen mitten eine fiucern flehet, welche pflegt 
j u leuchten. 

I 

*) 21u^fuf)rlt<d>ere Sfladjricbteu oon iftm unb fritier fauch bcfarnttlidj 
in’« Z> e u t f cf) e überfchten) £>emonoIatrie in ra. Sldinono* 
magie. $h- II. 

**) iöiefe Worte ßtib int -fjeren * Sgilern nach ben eerfchiebenen 
Säubern oerfchieben. 3n Schroeben riefen bie .fjeren: älnteffer, 
fomin , unb führe un« nach ©lofula!, too ber Schwer 
bifdjc Sabbatb war ; in Srautreich , (fuglattb , Italien ic. 
Emen-Hetan, Emen -He tau!, ober auch Ti ran, Ti ran, 
Beelzebub!; in £>cut|cblanb (f. 5DÜmonomagie $(>■ II. 
S. 901 f.) ilben’naui, unb nirgenb« au! u. f. ». 
©inb baä nicht merf w ür b ige $ in ge H ! — 

***) 2luch ©obin wohnte al« 9tath«h«c mehreren ^ejeen<3m)uifi< 
tioiien bei, utib ilimmte für — ben Scheiterhaufen. SOian »ergl, 
bie ©orrebe ;u f. £dmonomauie, too er tief fribft fast. 


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372 


Maria d’Aspilcouette fagte auf, cd erfcbicne btr 
SEeujfel am ®abbatb in geftalt «nee Söocfd, mit einem 
©cbroanfj, unter welkem ein fcfyroargee SDlcnfdjtn erficht 
ju ftben fei;. 

Maria d’Aguerre, »on breijjeben Sauren, 
bffannte, eö jlünbe ein grofferJfrug in üttitte Der 93eti 
fammlung bcö 0abbatbe , auö roetd)em ber £euffel 
aid ein f lein SB 6cf lein herauf? fricdje, enb alebati 
fo grof werbe , baf man »or ihm erfiaune; mann b‘er 
©abbatb aber oorbei;, fried;e er roieber in 
feinen Ärug. 

©er Jjerenricbter De Lancre *). 

9?un noch einige 3üge »on Sdcberlicbfeiten über 
ben ^jeren j ©abbatb / wo bad Sdcberlidje bie jum 53ur< 
leefen unb Ungeheuerlichen gefteigert ifb. 

Johanna oon Hortilapits fügte auf aujf btt 
fragen, ob jte ben Sleuffel am ©abbatb angebetbet onb 
ibne bähet; hinten gefüffet bab, mit 9? ein, fonbern fagte, 
ee bab oielmebr ber SEeuffel ihnen infgefammbt 
ben ©teif gefüffet. De Lancre pag. 76. 

Slnbere fagten auf, ed gebe ber Jteuffel einem 
jjeben oon benen, welche ibme am ©abbatb ben 
^intern gefüffet, eine — filberne, ober gla* 
firne 8aue **). 

*) Sei btefem ftitbct ma« beit .ijeren -- ©abbatb am au«fül)rUc&üett 
befcbrieben , bei ihm finbet matt 2lttc« über bie Stollbcit , roa« 
in l)i(iorifd) er £inftcbt nur einigermaßen aou 2ßi<btigfeit ijt. 
©ein mebrmal« aufgelegte« unb in mehrere Sprachen überfeste« 
55ucb führt ben S£itel: Tableau de l'Incons tance des 
mauvais Auges et Deraons etc., roODOU mehr an einem 
anbereu Orte. 

**) ©ouflrelet’« ©bronif T. III. fol. 84. (Edit Paris. 1572. f.) 
3n öitfer i|t befsuber« btr Jpereiitaiii ju ärra« im 3ahr 1459, 


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373 


(Sine anbere JEjere fagte auf , eö hielte ber £eujfel 
ben ©abbatb manchmablen aud) in #dufern / babin er 
alöban jebeämabl ein alt »erjlüberteö 2öeib , fo er 
Johanna Bisclmr beife, in ©ocfgeftalt trüge, welche 
barauff »or ibm ©urgelbdume machen, »nb 
fi.bern Äopff fchieffen müfte, worüber er bau 
laut lache. De Lancre pag. 141 . »crgl. 3* 53» 
Sb. I. ©. 217. 

Johanna d’Abadie fügte fernerf auf, jte habe 
bie graro b. Martia Balfarena auf ben ©abbatb 
mit vier — Ärütten t a n g e n f e b e n ; eine mit 
fcbwargem ©ammet befleißet »nb mit gülbenen 
©ch eilen an ben güffen, bab jte auff ber (triefen , onb 
bie anbere ohne ©chellen , auf ber rechten Slcbfel getragen, 
»nb überbeme noch eine in jeglicher gauft, welche 
brep legtere aber nicht gef leibet, fonbern natürlich ge# 
Wefen. De Lancre p. 210 . 

2lujf ben ©abbatb tauffet man nach ihrer Sluffag 
auch Ärüten, welche in rotben »nb febwargen 
©ammet jlatioö gefletbct fepnb, »nb am Jpalf 
»nb güjfen ©djellein haben, ber ©e»atter bdlt jte bepm 
Äopjf, bie ®e»atterin aber bep ben güjfen. ©in 2Öeib, 
Sfabmenö Sansinena, bat ibreä äßefantnuf auch offt 
aujf bem ©abbatb SDlejfe gelefen »nb »nterfchiebliche 
Ärdten getauffet. De Lancre p. i53. p. 142 * 

ißtfweilen fo gehen bie £ retten »or bie $eren au* 
auff bem ©abbatb her, »nb tangen auff taufenberleg 


ber fo oiele Uitgldeflid)« auf bie Jolterbaitf unb beit ©«heiter^ 
haufeit brachte , febr utnftdttblid> befcfcriebeit. 3» ber S dm o» 
nomagie Stlj. I. < 3 . 137. f. habe id) BCit biefem f<bauber|)aften 
■fWiiproctg »eitl duftiger gefjaubelt. 


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374 


luftige Sanier; perflagen nach ihrer 2lußfag aud) ihre 
Herren pnb ftrawen beim 3!cuffcf , baß fte fte nic^t xoofft 
gehalten. De Lancre p. 3ga. 

2Ga« bebürfen mir weiteren 3 e W9 n *ff eÄ ^ jene 
SJlenfchen perrücft im .topf, unftnnig unb rafenb waren? 
©a« Jachen über alle biefe Üollbeiten perwanbelt ftch 
bei ernfter ^Betrachtung in tbeilnebmenben ©chmerg unb 
heilige Gntrüftung, wenn man bebenft, baß alle biefe 
2lu«(agen auf ber Jolterbanf gefchaben, unb baß Die 
pon Den unmenfcfftichen 3>nquifttoren ©cmarterten gum 
SEheil Äinber pon gwülf, breigeßn, Piergeßn 3 a h # 
ren waren. 


$iftorifch wichtig unb bie 3 au ^ fr P er ' ol,e * n mehr* 
facher ^inftcht charafteriftrenb , ift folgenbe Idcherliche 
Grgdhlung. 

2ilß Wenceslaus Jfapfer« Caroli IV ©ohn mit 
ber ©aperfchen ^pringefjtn Sophia fein ©eplager hielte, 
»nb ber ©cbwieger > ©atter wohl wufte, baß fein Gpbarn 
Idcherliche 3 au & fr &<*nbcl gerne anfahe , ließe berfelhe 
einen ganzen 2ßagen poll ©cbwar{ 3 * Äünftler 
nacher ^Qrag fornmen. ©nter Dem ©old befanbe ftch 
aber auch De« Wenceslai fein £)erenmeifter / Nahmen« 
Zito, (pon biefem 3‘ t0 n5 ’ rö bie 3 * *B. noch ftiacb* 
richten geben) pnb hatte Durch ©ergduberung nach bem 
Slnfehen ein ÜJiaul biß an bepbe Ohren , welche« er alß* 
halben aujfricß, pnb beß .fjergog« feinen 3 au ^ crme ^ cr 
Gonin lebenbigen aufffraß, mit Kleiber, Jpautb pnb 
£aare, auffer bie ©chuhe, fo fehr fothig warn, bie er 
witberumb außfpic. Gr mochte aber ben ©ijfen nicht 


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375 


game nerbamen fönnen, bcpitjcgen fo fe£ete er ftdj über 
ein groff gaß mit ©affer, nnb gab ben Äerl (mit 93er* 
laub) per Posteriora roieberumb non ftd). 

Camerarii Medit. hist T. I. L. IV. C. io. (Sfllßer* 
bem bei ©elrio, ©ier, ©obelmann unb 
Stnberen.) 

Sortfeijung unb ©efebtuj; im ttäcHtn St&eilt. 


SOI i 8 c e I I e n. 

3m ©aljburgifdjen mürben nur allein im 3abr 1678 
fieben < unb neunjig ^erfonen beiberlei ©efcfolecfetd 
alö £>eren unb ,3 a ufcerer ^inaicridjret. ©ie Jpaupturfadje 
mar eine ^inber^eft, melcbe man non $ererei ableitete, 
©er heilige Seonarb that jmar an bem heberten 93teb 
niele ©unser* Suren, fonnte aber boch nidjt allen Reifen* 
©iefer .^eilige ift als ein großer 93ieb*2lrjt nerebrt, 
unb feine ©tatüe, meldje SInfangS nur ein unförmliches 
©djnigmerf eines girier» mar, befinbet <td) bei JtarnS* 
meg. Sin 93auer, beffen 93icbfhUle er einmal non ben 
£eren befreit batte, foll einft begciflert auSgerufen haben: 
Ol heiliger 8onerb! menn ©u bod) unfer^err 
©ott mdrjl, ©u nerftdnbft boeb etmaö nom 
9Sieb ü! 

©afi6urg unb ©ercbteägaben tn biflorifch# 
(iatiitifchcn ©eitrigen k., non 3. <5. Dtitter 
' non Äocb*<5terufelb. ©algburg, 1810 . £!)• H* 
Num. VI. 


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376 


©ie ©ewohnheit Beim Oliefen ©ott hilf! ober etroaö 
Sle^nlicfjcö ju fagen, (©ott hilf! ober ©ott helf’! fagt 
unfer ganbmann, unb ti wirb fo flreng oon ihm auf 
biefe (Sitte gehalten, baß bie Unterlaßung baoon alö eine 
intenbirte Seleibigung betrautet wirb) — biefe ©e# 
wofmheit wirb gemeiniglich , ich weiß nicht oon welcher 
großen ^>eft in ©eutfchlanb abgeleitet , ba baä liefen 
ein3fid>en beö SßohlbeftnbcnS, ober ber Sßiebergenefung 
gewefcn fet). ©ieß ifl aber nur eine ©age, wie man 
begleichen befonberö auö ben 3 e ‘ ten breißig« jährigen 
Kriegs noch fo oiele hat. ©ie ©ewohnheit ifl ganj gewiß 
oiel älter , unb flammt au$ ber oorchrifllichen Sßelt. 
Sßie weit ber ©laube an SSorbebeutungen befonberö 
in ber alten ßtömerwelt ging, ifl befannt. Sö gab 
wirflich SRtdjtö , baä nicht abnbungöooH war, nament* 
lieb — • ba$ ^liefen. SBantt eö oon guter, wann oon 
bofer Sebeutung unb waö fonfl babei ju beobachten war, 
flnbet man gut erörtert in ber folgenben (leinen unb 
feiten geworbenen ©chrift: De Ri tu, Sternutan- 
tibus bene precandi oon M. Sr. §rieb. SSBernd* 
borf. Seidig, 1741. 4. 17 ©. 


2(uö SEhomafiuö fünf Sogen flarFer QSorrebe ju 
SBebflcr’S oerme^nter^erere^ ftehtntan, welchen Sßiber* 
flanb ber eble Sefämpfer bcö Slberglaubenö , (£homa* 
fiuä) §u feiner 3 e ‘ f erfahrt« hat. Sergl. geipjiger 
neue 3eitungcn oon gelehrten ©adhen, 3ahrg. 
1720. SEh* H ■ ©.686. SB e hfl er hatte hefonberö gegen 
© l a n o i 1 1 gefdjrieben , nämlich gegen beffen Zf). I. 
©. 212 ber 3auher s Sibliotljef bereite angeführten 


1 


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377 


Sadducaeismus triumphatus. 33on biefern 93udj tfi 
im 1701. eine beutfc&e Uebtrfefcung $eraud ge# 
fommen. ©a fit 3 u fÄ&e unb nichtige f tterartfdjc 
Sdacbritljten enthalten foll; fo gefcbäbc mir ein ©efallrn/ 
wenn fie mir eine ©ucbbanblung / ober oielleicbt ein 2efer 
ber 3* ©♦/ ber folcfee btjtjjt, burdj bie SBerlagdbanblung 
gefällig# um einen billigen ‘preid jum Verlauf jufommen 
liefe, ©ajfelbe märe ber galt bei folgenben jmei ® ücbern: 
SWeliffanted furieufen £i#orifud, fo wie bei Neffen 
furieufen ©efdjreibung einiger jerflbrctcn töergfdjlöftr in 
jDeutfdjlanb. 


Sie »oll bad SD? ittelalte r »on ber Steufeldibee mar/ 
haben und Befonberd auch bie Sttaler binterlafen. ©o 
warb jum Sßeifpiel ber $«#9* ©orud, ©cbufcpatron 
ber Säpfer, abgebilbet mit einem Ärug in ber £anb/ 
«nb — einem 5£eufel auf ber ©djulter/ ber über 
bie Acbfeln meg grinfenb nadj bem jerbrecfelicbtn ©efüff 
blirft/ gleicbfam ald ob er eben über irgenb einen argen 
©treid? nacbfiitnc , ben £öpfer unoermutfcet um bqd 
Sßerf feiner £änb e ju bringen. 


SBaumgarten (£all. SBibliotb. SB. III. ©. 382. 
J^enfe 9t. ©. 5£&. III. unb Anbtre, j. 53. SHceron 
2$. XIII. ©. 140. f.) führen S3obin*d Colloq hept. 
dld bid fegt blof panbfe^r iftlicö erifiirenb an. 93ergl. 
SDämonomagie S£f>. I. ©.189./ fo mie 3 ß uber* 
SBibliotbef 5£b* II* ©♦ 127/ mo id) im Vertrauen 
auf foldje Autoritäten bad Stümlidje auch gefagt habe. 

25 


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; 378 

• ' _ ^ 

©fit ber 3 «t aber habe ich in beit Seipjiger neuen 
3eitungen »on gelehrten ©achen 3abrg. 1720. 
£b« I* ©. '368 golgenbeä gefunben, waö bamit in 
offenbarem SBiberfprucb fleht: 

* * . ii f » • * . ’ , 

# e I m ff ä b t. 

$err Prof. £ 9 f er babier bat Jo. Bodini Collo- 
quium Heptaplomeres de abditis rerum sublimium 
Arcanis, benebft feinen Slnmer cf ungen, barinn er aUti, 
waö ber SBabrbeit entgegen ift, wiberleget, nun würcf# 
lieb unter bie ^Jreffe gegeben, unb ben Anfang jum 
©ruefe gemacht. Sßelcheö er birrmit befannt machen 
wollen, weilen viele auf bie ©ebanefen geratben, alä 
würbe baö SSSercf nicht $u ©tanbe fommen. ©j 
wirb mit einem Privilegio »erfeben, unb folT bie 
Praenumeration »or ein ©xetnplar «uf ©chreib? Rapier 
anbertbalb Sftcich^tbaler , «or ©ruef t Rapier aber einen 
fReicbätbaier , noch biö 5ffiicbaeli$ , ba ba$ 28 er cf ani 
Sicht fommen wirb angenommen werben.» 

3ft’ö vielleicht bodj nic^t ^eraud gefommen? Ober 
bat bie 2 tuögabe, bie Verbreitung beö 2 Berfö ©cbwierig* 
feiten gefunben? etwan gar ftäfalifd; unterbrich 

worben? ©a$ eine ober ba$ anbere muff ber galt fepn. 
©$ ift »on fo groffen Siteratoren alö SZiceron, 23aum* 
garten, Igjenf e jc. gar nicht anjunebmen, baff ihnen 
ba$ Vuch fönnte unbefannt geblieben fepn > wenn e$ 
gebrueft exiffirete unb wirflich b* r auö gefommen wäre. 

©onft bemerfe tdj bei tiefer ©clegenbfit nöch/ baff 
(ich 2 t)fer unter anberem bantalö mit bem Stben unb 
©chriften ©ob in ’ 6 »orjüglich befchiftiget batte. <5r 
ffat auch wirflich feine ©cfjrift De vita et scriptis 


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379 


« 


i Bo dti ni «m bwftlbe 3«* beröud gegebe*. 
9?icfron,’$ Sßadjridjten Sb^XIII. ©. 140. f. r* . 

r ' 1 — -■ - y « . y . I . V * * %4 

, SDJrt JBtfcfeof ju 2lho 3. ©lofdfobn Setfetud 
befcbulöigtc unter Qatl ©uftat.eioen ©tubenteli bäfelbji 
ber £>ererei unb eineö 0unbeö mit ,bent. Teufel , xoul 
er in furjer 3ci f ju »iel — gelernt batte. 2lußer# 
orbentliche 55ortfd>rirtc in bcn fünften unb 9SJtffcnfd>aftcit , 
mürben, »ie mam fcfco« aud gaufl’d ©efdjnthte ©ber 
gabel nxjiß^ in bet $erenj>roceß*^etidöe allgemein für 
ein SSerf bed Seufrld gehalten, baber 9lübd mit Dtedjt 
bewerft;; baß bieß ben 93ecbien(ien biefed fffnfl febr eint 
(uhtdooHerf , um ginnlanb »erbienten 'SJtanned feinen 
©intrag tbue. ©chäfcbar finb auch biefed SSerfaßerd 
23emerfungen über Die eigentliche Sebeutung beb Sßortd 
genne ober ,£)eren»9Jleifter. 9lach 9f»H gab’d im 
heibnifcbenginnlanb bloß äöabrfager, 3 e *d)enbeuter 
unb Jperenmeifter, ater feine eigentlichen *})riefler. 
>Dieß ijt, mie mir Sb. II. Slhtb. I. ber 3* ©• bemerft 
haben, noch je§t bei mandjen 5$6lfern ber gall, wenig» 
flend jlnb bei ihnen $erenmeijter unb ^riefter in ein« 
*Perfon Bereinigt, ginnlanb unb feine äöewobnct/ 

»on grteb. SÄübd. ßeipjig; 1809. -v 

i; . ■ — ~ — • i- : — — .v, ■ ••,{ 

3n ©uinea bat ein jeber Sinwobner einen 4- 
Seufel, welcher gemeiniglich aud einem toben,, bunt 
angeflrichenen ijoljftücf an ber Sbüre behebt. ©ie fe$en 
ihm »on Sag ju Sage SDleblbrep unb anbere ©achen 
regelmäßig oor, um ihn nicht $u erzürnen, ©er Seufel 
bed Äönigd bagegen ift ein (ebenbiger Seufel, nämlich 
ein junger SKenfch, ber abgefonbert »erpflegt, unb ©on 


i 


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' \ '• 


380 

- 3«t }u bur* einen berauf*enben, giftartigen Stranf 
gang routhenb gemalt wirb, um feine SRolle ati Teufel 
gut ju fpielen. *p. Sabortht’i £Äei*fe na* ber Ä üfte 
»on ©uinea, ober 93ef*reibung ber toejlluben Äüften 
»on Stfrifa k. 21. b. 5 rftn i* Slnmerf. überfefct w« 
3. 51. 93 er gf. 1 Seidig, 1803. @. 89. f. 


I 

(H ifl merfroürbig, baf ber £eufel im #iob, 
b. b. in einem 93u* , bai »ieHei*t arabif*en Urfprungi 
ifl , in bem »enigfteni SUlei auf Slrabtcn bin roeif’t, 
mit bem SCeufe! unb ben Teufeln im Äoran, 
befonberö ben D f * i n i , eine auffaltenbe 2lehnli*feit 
bat. Die Df*ini jinb ni*t fo f*limnt unb na* alten 
Determinationen büfe, wie unfere b6fe SMmonen , fte 
gelten felbft no* etroaö bei ©ott unb flehen fort bauernb, 
gerabe roie ber ©atan im $iob, in einiger Gon* 
nerion mit ibm. ( SErefli* ifl au* in biefem 23etra*t bte 
erfle ©eene in ©oethe’i gauft, namentli* bie ©teile: | 

Sßon 3 f *l ju 3 e 1 1 f«b’ i* ben 21 fte n gern jc.) 
©onjl ifl ber üoran no* weit rei*er mit Ddmonen 
aller 2lrt auigeflattet, alö unfere neu* teflamentli*e 93ibel, 
unb aHeitt »on ihrem (ber Ddmonen) Ginfluf rührt ba$ 
fogenannte 9? a f i * unb 9D1 a n f u * ( abrogans unb 
abrogatum) in ber Sinologie bei 3ölamilmuö htr. 
SBir werben feiner 3«t »on bem Sillen auiführli*er in 
einem befonberen Sluffafj lieber bie SEeufel * Sehre 
bei Äorand hageln, ©ergl. 9fti*ael ii ©rientafif*e 
©ibliothef £h. VIII. ©. 82 f. , in ber meiflerhaften 
Stecenfton »on ©oyfen’i Äoran. 


N 




j 


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J 



38t 


©ie gabel »om©rat iftmit ber Jabel bet ÜHeluftn« 
»ermanbt, fo n>te beibe einem Oberen gemeinfcbaftlicbei» 
gabelfreife orientalifdjen Urfprungö angebdren. Die 
Spontanen t unb 3aubermtlt floß im SÄittelalter 
unmittelbar in einanber; SDfdcbtigen Gin flu# auf bief 
2We? batten bie Äreujjdge. 93ergl. 3en. 3U 2. 3i 
1809. HL 191 . f. 498. f. :: . ' i •; ;;*•> ;<J • n C 

;»r<; '■l;'« 3 ? } h Vj > f .1 ; i'i • . 

-••• . 'i. . .r- | nsjji« r, 

3m:Unbang $u G. Quatremere’s Recherche« 
critiques et historiques sur la Langue et la. Litera» 
turfe de l’Egypte , (Paris, 1808.) tot Uber literarifcfcc 
SRotijen über bie bieroglppbiftben unb bie gemeine«/ 
ober profanen dgpptifdjen (Schriftarten entbdlt, fommen 
auch fcbdgbare ©emerfungen über bie (Schriftart Kalfa- 
tiry oor, welch« ait$fd)ließlid) jut ©tagte, Stbeurgie 
unb ©lantif, unb namentlichju ^aliftmaneit gebraucht 
toarb. SRach biefera 2tuffa$ ifl ju ergdngen tmb §u tot 
ridjtigen, ma? in ber Gncpclopdbie b.eir Sßiffettf 
fdjaften be? Orient?, Scipjtg, 1804. einem 33ud)t, 
auf ba? mir noch etgenbä in ber 3* 93. furiicf fornmen 
werben, ©, 505.vf.* gefagt wirb. x .. ' a 


©ie ©pmpatb« fpielt in ber natürlichen ©tagie 
eine graßr 91 oll* > mitr.mir 31b tß. I. tn gegenmdrtige*** 
Sbeil gezeigt haben, ©oetb« bemerft.m Wr SBablneri» 
wartbtfcbaften, baß ,<td> ^Dtttlien*ö unb Gbuarb’? ©d>rift* 
jüge unoermerft immer mehr gendbert bdtten. ©ie# 
ift feine bloße mittföbrlicbe poetifebe Grfütbung, (ob’4 
gleich in biefem SEBerfe auch alö fold>e octr3ntereße todre) r 


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383 


Jfcmbetn «0 liegt bef ©ad)e efwaä Siefereä $um' ©rttnbe. 
^Jttfrfrtramb (eint j» gleichet 3af> 

rkä) ©eibet ©erfidjerung »eilig un&bfidngig »on einanber, 
Bttir^aribitt^eofcpftt^}« .£rAumerritif nieder. Skrsfromrne 
fybm&rmfcbnfäeKti,) (ic {)Atfen :babernidjt aßeih einerlei 
SReinuiigemaöb iSkbail f c n . * u dgqb* ü of 1-, fonbern a«d). ihre 
#anbfcbriften (©djriftjügeJ fe^t* fitbf aldWi<M)Wrt) 
fo Ähnlich geworben, baß fie faum mehr »on 
cinanber bitte« unterschieben werben Tonnen. 
©ik-©ad>e;ijlpfpcbö(ogifd) inttpejjant.ii?(Sä fottim ( ff$Jgen* 
ben SljeiH baoon .gebdnbelt werben^wo icb 'bUM^ierber 
gHjbriyeu! ©Villen «u$'<^p ettrf e n ■?$ ©cbr i'ft«« 
; erführen werbet !. r.. *. : ui ir;ii tru'.ViUi 
. Sii. ’lirt V , !, rr.mvfoiq nit 

-ul ' A ntnhti 1 vi j i Jür mf-nulwnjfJ 'nwlqUb) (iuo 
Vst,-. $rj 38 abmaitfli ;9^eingad '^»Iv t>e8nbetiifttb ■über 
titf ^mwiftn/'öiM^örunje«; Senfie(efcefi§£ngeniJ.fcigk 
WOöföbt^<be^^od)iiungebrl»cfitJd ! ; 83äcbtid)ten »an bx; 
tKkftnb&n Qfttrr«fü rSurd) fcie ©litt; eihe# 

illbrdrif^ea'rgstiuttfeö. werbend) fdfc&e ermatte«;, ucnO gdbp 
bewS'eTcciirtM#' $ 0. b»bnu* b<f*$er (Ererbet», ine 

erfle £Alfte ba»on foforf . im ttöchften-fö b eil eSmitgetbeiit 
werben foff. 

irnfciliuJifH tv 5 m )!ii<|| iTTt U q in <i > vrj 

itviQSti t n I2t0 1 0 *5 rinngsgegenibdift'grm 

Wideren uv». tproipbetihnea 

8eö ilobenjebttbew ö^bwfrt^t» Ui«! {Rebe gewefetfc,-, (Daf 
m-OBrang»bßeit tad^en 'peopbetrn' Kmfjlebn , ’ ifb etwa« 
febr >n^ü*Iid>cri'y gilben »irbÖ*#> freilich mdjrbbne 
b«^€efl*unat imr- ®efo« itA*e tt>J ; uw fer eitJ Sagen 


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383 




ba« St?cfar #ü)?dnnchen i« btn gldttjenbflen 3‘ r ^^ 
eine Propheten #Stolle fpielen feben! %u<t) im fieben# 
jährigen Stiege fehlte e 8 nicht $n begleichen *pro# 
p^eten unb ^p^antaflen. Sluffallenber alö bie ©ache an 
fuh, ifi bie 2 lrt, wie borgend, ber greibenfer, 
ber ©pütter, von einem biefer ©chtvdrmer an ben Äönig 
fchretbt., £ier alö £72 a cf> t r>a 9 ju ben propbetifchen 
©cbtvdrmern biefeö Ztyili, ein ^)aar ©teilen auö bed 
Patriarchen 3 faaf ’ö — fo nannte g rieb rieh ben 9Jtar* 
quiö — ©riefen von biefem 3 e,itpunct an ben 2 Jtonard)en! 

’ :■ ■ ;'y. K i 

.. . . , 1 . 93«ltn ben 34 ten Site. 1759. 

©ire! 

i 1 II'J : 

G$ tritt hier eine wichtige Perfon auf, gegen »eiche 
©aniel, 3 eremia$, Jf)ofeaö unb .alle gro|e ; unb fleine 
Propheten nichts |!nb. ©iefer SJtenfch galt vor anbert# 
halb 3a^ren für einen Starren, tveil er im 3af>r at&t 
unb fünfjig vorder fagte, baft ©ie im^Sabr neun unb 
fünfjjg gtcfje Söiberroärtigfeiten mürben erfahren müffen. 

Gr »ar f; vor vierzehn £agen bei allen beneu , welchen 
er bamglf feine ©orberfagungen mitget^eilt f ^atte , unb 
fagte .ibnenifebr.ernftlicb: ,« SfJieine Herren, ich galt bei 
ihnen für einen Starren, weil ich ihnen bie. Wahrheit 
vorher gefagt batte. ©er ßrfolg hat fltfe wäge 2 Beif# - 
fagungen gerechtfertigt, galten flc mich nptb fü? einen 
Starren, wenn e$ ihnen gefdllig ifl! 3«h WitRdKre fie 
gegenwärtig , baf ber ftopig über ade feine geinbe er# 
haben ftpn, unb bis jum Cfnbe beo i?riege$,ftetf .©lüef 
haben roirb. » ©a bie Sieben biefeS fonberbareu IBtanneS 
ba$ ©efprüch ber ganjen ©tabt auömadjcn fo npar ich 
' neugierig , mich genauer von. ber ©ache ju uuterridjt.en. 



$err ©ottöfowöfp unb anbere 8eute »on (5inffcbt, bie 
bicfrn Sföenfcben fennett, fdgtn> er ^abe wirflicb im 3abr 
acht unb fünfzig gefagt, btt *preuffen würben neun unb 
fünfjig große SSBiberwdrtigfeiten auöjufteben haben, unb 
baß er immer binju gefügt habe, unb noch je§f behaupte, 
baß im 3abr fecböjig bie ^reuffen glücflicber unb rufyttv 
polier fepu würben , afö fte je gtwefen wdren. 2Öa$ 
mich betrifft, fo bin ich, ohne Prophet §u ftpn, unb 
obne bie ßbre ju baten, meinem ©tifte biefen ©cbwung 
geben ju fönnen, »öllig überzeugt, baß ©ie allen ©tbaben, 
ben gebier Slnberer perurfaebt baten , unb ben ©ie al$ 
SDlenfcb wtbtr porber feben, noch ibm auöwcicben fonnten, 
im ndcbften gelbjug wieber gut machen werben, ©ie 
v mitwirfenben Urfacben finb nun einmal über bie menfeb* 
liebe Älugbeit erbaten u. f. w. ' 

Berlin beit 24ten 3«n. 1760. 

©ire, 

SD?ein ^ropbet/ worüber ©ie ©icb luftig machen, 
fagt noch immer Sßunberbinge porber. Ob er ein falfcber 
•Prophet fep, weiß ich nicht, baö ater weiß ich, baß e$ 
ibm nicht an ©tift gebricht. (£w. SfJfajeftdt fönnen bieß 
©tlbft auö ein ^)aar SIntworten beurteilen, bie tr»or 
wenig Sagen einem Sbeologen unb einem •prinjen gab. 
©tr Sbeolog ift ein gewiffer ^prebt'ger, £err ©üßmitch. 
©ie perfteben, fagte biefer $u meinem •Propheten, m* 
ber ©riechifch/ noch Sateinifcb, wie fönnen ©ie benn 
nun nach einer beutfeben Ueberfejjung ber griechifchen 
©ibel über ba$ urteilen, waö barin enthalten ift? «Kein 
Jfjerr , perfekte ber IBtrlinifche ©aniel , liefert alfo bie 
beutfehe Ueberfejjung nicht ben ©inn ber ©chrift ? SEBtnn 



385 


bieß nicht ift, wie wagen ©ie’ö Denn, biefclfee beit Gtyri* 
fielt oorjutragen, al$ entsafte fte ba$ reine SSort ©otteü? 
Cfntweber müffen ©ie eingefteßn, baß ich beit wahren 
©inn ber 0ibel au« ber beutfchen Ueberfejjung abtwbnte» 
fann, ober man muß jugeben, baß alle proteflantifchen 
93rebiger Diejenigen betrügen, beren #irten jte jtd) nennen, 
^err ©üßmilch fchwieg, unb er tbat fe^r wohl Daran, 
Denn er fonnte ihm bod) nichts ÄrdftigeS entgegenfe&en. 
3(fe fomme jefct ju ber Slntwort, Die er bem *prin$en gab. 
®ieß toar ber SDlarfgraf »on ©chwebt. ©iefer fragte 
ben ‘Propheten , ob er fid) wirflidj mit 0erherfagungen 
abgebe? 3<h war bis je|t glücflid) genug, antioortete 
er, einige SBabrheiten oorher ju fagen. ®e(jt, fagte 
ber ©tarfgraf , ihr fepb ein 9larr! ©leine fjrau / #«*' 
fefcte ber Prophet barauf, bie eine 9tdrrin ifl, fagt mir 
baS tdglich, aber ich merfe nicht Darauf, noeil id) De» 
Umfang t^red ©eijteS fenne. 3dj weiß nicht, ob ©aniel, 
SeremiaS , #abafuf unb alle große unb fleine ^rop^ete« 
feiner geantwortet bitten. Qm. ©lajeftdt werben oiel* 
leicht fagen , baß mein 'Prophet ein *paar SRibbenjlüße 
»erbient ßdtte. 3d) b«be nichts bawiber einjuwenben, 
außer baß man Stibbenflüße oerbienen fann, weil man 
wifjig, aber beleibigenb antwortete, ©ie werben fafl 
glauben, ©ire, baß ich halb befebrt fcp, unb baß ich 
halb an bie alten Propheten glauben werbe, weil id) fdjon 
an bie neuen glaube, ©od) id) muß (5w. ©lajeftdt fagen, 
baß id) immer ein treuer Slnbdnger (JpifurS bin. ©ennoch 
fann id) augenfcheinlichen 0eweifen meinen ©tauben nicht 
«erfagcn, unb hier haben ©ie ein 5aftum, baS ich auS 
bem ©lunbe eines lutherifcben «prebtgerö habe , ber jtt; 
gleicher 3*it (in ©lann oon Äopf unb ein ©litglieb unferer 


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386 


Stfabemie ift. Sinen ÜJlonat wn ber ©djlacht bei Itüjlri« 
fommt mein 'Prophet ju biefem 'Prebiger, unb fagt ju 
ibm: Wein #err, ich fomme 3b«en anjujeigen, bap 
ber Äünig in breipig Sagen eine blutige ©chladjt über 
bie SRuffen gewinnen wirb, an 15000 SKann werben 
bleiben, unb lange 3*it auf bem ©chlacbtfelb liegen*. um 
ben ©ügeln jur ©eute ju bienen, ©er Sag, ben biefer 
SRenfcb oorauä gefagt batte , war gerabe ber Sag ber 
©chlachf. 3<h weip jwar wohl, baä OhngefAhr hat bie 
©orberfagung bijefeb SDlannefftpahr gemacht, aber man 
muP bod) gegeben , eö war ein fonberbareä OfmgefAbr. 
SBAr* icb überjeugt, bap ber 3«faß mir auch fo günftfg 
fepn wollte, fo würbe ich mich »ielleüht auch noch bamit 
abgeben , ein «Prophet ju fepn. ©iep würbe ©öltairen 
nicht wenig aufbringen , unb er wärb’ e$ nicht meb> 
wagen , ftd> über fieute, bie» ihrer ©feie eine« habere» 
©chwung ju geben wifien, luftig ju machen. *i 
"■ ':3<h habe bie Qf>re »c. • 

< . 3m folgenbert ©rief vom 4ten gehr. 1760 fommt 
neben unferem 'Propheten fogar ein ®efpen fl oor. £ier 
bie hierher gehörige ©teile barauil ,i •, j.,.. 

<■ Qm. ÜJlajeftdt machen ©ich noch immer über meinen 
Propheten luftig. 9?un fo büren ©ie benn noch von 
eemaei ganj anberö a(ö ^rophejeihungen. (Siner nnferer 
^tfabemiften , #err ©lebitfcb, behauptet, &err pwi 
SBaupertutd fep ihm auf bem Slfabemiefaale an ber ©eite 
ber Sßanbubr erfchienen, unb er habe ihn faft eine?öier< 
teljlunbe hinter eötanber gefehen. ©iep macht hier ein 
erfcbrecflicbeä 2luffeben. 9lach biefem fahren ©ie ben« 
noch fort, ben Ungläubigen ju fpielen! 2Da$ mich h t* 




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I 


m 

* 

frfab’ iit mi) wtfdtfoßen * $wei; ®ef[en f&t bie 
3?u^e btr ©trfe bei ^«dflbatm Uf«n. j« Irtf?r»j> röamtt, 
»ertn ifaf^« Sjwft ibetArae /: bi« atefTe : einef 93aw#irö ju 
fpteUity ernfidr.in 9iu&e?fAUfen (aße ,unb na* ©frtf 
•uWv'bewtt ben,i^erxu(älrftueft^Bi>Üaire'aHiiMfftuä«it 
4Mb: JU: quälen. miiPÜS 3Jl n**n Or. ,‘t .'i '».■< :r .. i 

rvö.1 II. ©rei* 

get)Hter 5ä<**b; gffinrt 

» n . W:,/,: V,iir irr ,is | j!' 

»*£*>». Ct ti'jt/iinh 4+*4 — . ' » j» -r -,.H.,.’i * i*! . •? ' 


r4 £Sfftf$ ter #rffce n: ÄetVe'‘2(«'ffa| W fc'ir'l 

5EJJ ü d) fer bereift in einigen '^eUfcfrrtfiBt aB'gefei*ücft 

# tic bit ' ^W'cr?tS^Uot|e! dort 'fofcbem 

3ntereße, baß er ' <!{ n e' 1 ©Y4 ift ' ! *b äri tt'bf r bien £ : :r '© etj 

W r m ^ r: 'junt''^füp n 'gcpltt»^figen 'Ü£|eile* 

»Mnli« |ll,; ' ' : rjX • n - d,!, '' i;n ' ,i; n 6:!l 

ii r.ru 19 .‘biitUf } tn mi.'/j • t v> > r:.l m'*:: i 4 

Wfciff*» « j MV- tur in 

■M um»h> r«"’WÄ i-gpr^V ettflfi# Wf' <2>*a a «' 

' 4 * Vf ' ihS ^ ik’- efftk ^eh' ber 

t>rf* ö '/ V& ©roßen V ' ' WMfc' ‘ M ^Mitral Vierter* 

futfjuri^ert, J j’üV SCu^rntttfUitg * (eXnfbS^ nictjit J ^flÄdinof» 

lid) ernneferien 93erbrcc$e'n$ ™8{i XtMitt tit' iäfiiv^ÄCrtmg 
^ffcrltfß?^ r ' nt. :;i «ov uw 

' 7 ' tDenVbe^'angen ©tef^enfrug'ln' 23erfin'*) fkfäß eine 
’ÜtWeiTofe 'S&tyfce, 'un&fy'ßlditm rooftni*/ ‘'atiffer ’fyr 1 , 
jifttemanb / afö e'rn arme^ j&mbftjdf , roef*ir fld) Öaooh 
«ptbbürftig ern<ü(;rte, beiß er ttont borgen l 61'6 juiVt'5lbenb 
'hinter wofrifjabenber Bürger itnftrri*t"frt bin erjten 

; . .i.r\ ■■ i . . v l. ca 


i bei» aujttintnr^. /it-. .u . .,,.,•1 r f oivi _ 


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388 


Elementen ber latetnifcben ©p rache, ber CFrbbefchreibung, 
©efchichte , im Steinen unb ©chreiberi gab. 

©ineö SDtorgenö fam bie SS5ittn>e nicht, tote gewöhn* 
lieh/ auö ihrer ©chlaffammer jum ©orfchein, bieß er t 
regte enblich ©eforgnijfe, unb alö man bie JEhilt biefer 
Kammer öffnete, fanb man bie Sßittwe labt in ihrem 
©ette. ©in um ihren£ißf$ btftnblüher ©trief lief feinen 
3meifel, baß fle erbroffelt fe^n müßte. 1 * 

2iuf bie bießfdUige Slnjeige an bie ©btigfeitliche ©e* 
hörbe, veranlagte biefe fogleich, ben einigen #au$ge* 
nojfen ber Grmorbeten,, ben Äanbibaten , vorforbern §«» 
lajfen, um ihn |u vernehmen; oh er über biefen SWorb 
feine ndhere Sluöfunft,, jur Sluömittelnng unb habhaft« 
Werbung bed £bdterö angeben fönne. 

£>e$ Äanbibaten 3»mmer mar ebenfatt# verfdjlojfen 
unb er nicht aufjuffnben. Jftach ©erlauf von einigen 
©tunben fam er in feine SJBohnung jutüef. er mürbe 
fogleich vor ben Stiebtet geführt unb über bie SRorbthat 
vernommen, er verficherte,, baß er barüber nicht bie 
minbefte Sluöfunft geben fönne, inbem er bie Stacht gar 
nicht in feinem Quartier gemefen fej>. — Stuf ©efragen: 
wo er folche benn jugebracht? antwortete er; er h«be 
geftern einen greunb , einen Sanbgeiftlichen , einige SDteü 
ten von ©erlin wohnhaft, befucht, folchen jeboch, um 
bei guter Seit wiebe r in ©erlin ju fepn » am Slbcnb ver* 
laffen, um ju guß ben Stücfweg ju machen, ©ei ber 
eingetretenen ©unfelbeit habe er ftch jeboch verirret unb 
bie Stacht auf bem gelbe jubringen muffen. 

SDiefer Umftanb, unb ba er fcblechterbingö nicht im 
©tanbe war, bie ndchtlicbe Slbwefenbeit außer bem#aufe 
gehörig ju beweifen, machte ihn beö SOforbö verbdebtig; 


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m 


er würbe baber fogleidj »er haftet, unb ber Beft^ula» 
bigt. Sr Idugnete folcfje ftanbhaft , inbef achtete man 
barauf nicht unb trug fein ©ebenfett, um ihn jum ©ex 
ffdnbniß ju bringen, an ihm bie Slortur »olljiehen ju 
laffen. ©ei bem erflen ©rabe berfelben flehte er, ben 
©chmerjen erliegenb, inne ju Ratten ^ unb befannte {Ith 
alb SfJffirber. : 

Ca« ©erficht baoon verbreitete jich fcljnetl bureb bie 
ganje ©tabt. 2lm meiften erflaunten unb erfcbracfen 
aber btejjenigen , bie ben Äanbibaten fo viele Sabre alb 
4?aubfebrer gefannt unb ibn , wegen feine« füllen, 
frommen S33efen« unb feiner liebreichen ©ebanblung fei# 
ner ©chuler, febr lieb gewonnen b«ütn- ©ie biüten 
ihn eine« folchen greoel« ganj unfähig unb befchloffen, 
in einer Ceputation (ich bef |>alb an ben bamaligen ©roß# 
fanjler oon Socceji ju wenben, um ibn barauf auf« 
merffam ju machen, wie e« höchft wabrfcheinlich fep, 
baß bem Äanbibaten , bei einem fo lange unbefcholtenen 
£eb«n«wanbel , nur burch bie ©ehmerjen ber göltet ein 
©ejtänbniß erpreßt worben fep , ba« fetncbweg« auf 
Sßabrbeit beruhen fönne. 

G o c c e j i b^rte bie Slbgeorbneten ruhig an , unb 
entlief! folche febr human, mit bem Strofte, baß er ihre 
SBinfe gewiß ber ü cf richtigen werbe. Sr ließ e« auch 
nicht bei biefer leeren ©erficherung bewenben, fonbern 
forberte fogleich bie über biefen SDiorb unb fiber bie 
wiber ben jümbibaten »erbdngte Unterfuchung »erßanbel* 
ten Slften ein. 

©ei genauer Curchficht fanb er, baß man noch nicht 
gehörig unterfucht , ob nicht etwa bie SBittwe fich felbft 
erbroffelt h«öe, unb er »erffigte ju biefem ©nbe ein« 




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I 


390 

/ 

neue ©eßdjtigtrrg teer 8enhe>* bie man <*4#, -iW einem 
pormald h«rrf<hroben ©orurtbeile 4- nicht $u, berühren 
gewagt. 3 U biefer ©ejichtigung würbe ber ©charfHtbtec 
pon ©erfin jugejogen , um *iber. tue ©rbrnffelung fein 
©utacbten abjugeben. <5r crfldrte: bie Srmoroete fep 
burd) einen fu ungerechten Änoten erwürgt worben. 
Gocceji fiel biefeö ©eiwort auf. Sr ließ .ben ©d)arfe 
richter ju ftctj befcbrtöen unb fragte? ihm:: naß. et. Unter 
bem ‘SBorterfunfiger ecbt, perfidnbe? .1 . t - 
•••«Sä ijt eine eigene 'äfcrt', • in einen ©tri£ einen 
knoten $u fdjürjen, wenn ein Dieb oon und gebdngt 
»erben (oll , woburd) biefer gewaltfame £ob bcfchleunigt 
unb erleidjtert wirb. » • . ...■•■'..o., . - ,.1 , ‘ • ( 

3fi benn Dabei fo etwad gang fünftlidjeö ? fragte 
G 0 c c e j i. ' - ' • /(' 

« Dieß wobt nicht , » perfekte ber ©djarfriebtee: 
« aber eö ift bod) ein befonberer Äunftgriff ber nur bene 
jenigen befannt fepn fann, welche jum SKetier gehören. » 

Ditfen Uriißanb beachtenb , ließ nun ber ©roßfanjler 
im ©tillen Grfunbigungen einjieben , ob etwa ©charf# 
richter ober ihre Änedjte in biefer 3«* in ©etlin ge# 
wefen wdren. Qi würbe auch- halb auegemittelt / baß 
jwei ©charfrichterfnechte auö ©panbau an bem Slbenb, 
wo in ber barauf folgenbcn 9Zad)t ber SOforb per übt wor# 
ben, nad) ©erlin gefommen. Qi waren bie leiblidjen 
©rüber ber G-rntorbeten. ©ie würben auf feinen ©efeßl 
perhaftet unb befannten bie Shat. ©ie b«*ten ihr« 
©cbwefier erbroffelt , um al$ bie nddjften Grben ißred 
©ermügenä, beßo früher ju beffen ©e{t$ ju gelangen. 

SlufGocceji bießfalljtgcn ©erid)t an griebrtcb, 
ben ©roßen/ unterfagte biefer fogleich bie Sinwenbung 


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391 


ber SEortur in feinen Staaten. griebridj hat baö 2 (n* 
benfen Gocceji’ä burd) beffen SfJlarmorbüfte , bie er 
auf bem #ofe beö ßammergerichtd in 23erlin auffteUen 
taffen, noch geehrt, unb Wenn er auch fonfl feine 33er* 
bienftc Min bie juriftifche 3ufti$pflege hätte, verbient er 
bod) fd)on biefer^alb ein folchcö ©enfmal. S33ie »ielen 
wiro ed errichtet/ weil fte viele SEaufenbe in ben 5Eob 
geführt/ ber biebere ßocceji hat aber viele JEaufenbe 
»on bem fchmerjoollen Stob ber 93erbred)er gerettet, bie 
früher alö SOMrtprer einer graufamen 3uftijverwaltung, 
hingeopfert worben jtnb. 


tßnbe beo brttten £h«tl«$. 








SDl a i n j , 

g < t> r u cf t bei 3 1 # t i a n Ä u p f 1 1 b 1 1 g. 

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£rucf# erftljen uitb Serhefferungtn. 


£>bsleid^ ein ooKfHnbige« fSergeichrtifi btr' iOrucfcerfe^en einem 
bet folgenbet! 2 {>ei(c beigegeben teerten wirb/ fo haben iitfj boch in 
gegenwärtigen Ibeil einige fBerfebctt eingefeblichen / welche fe gleich 
bemerft werben müffen. 6 . 114 rauf beigelegt werben: gertftgung 
folgt. Oai hi« gegebene ift ungefähr nur ber britte Stbeil oon 
gaufl’g fogenanntem SOunber« unb 59tiraf eibuch. 0. 127 am 
@ch(ufi ber Imtructio finb burch ein SOerfeben in ber Orucftrei bie 
folgenben SEBorte übetfeben worben/ welche beigefegt werben muffen: 
Romae , Ex Typographia Reu. Cam. Apost. MDCLVII. Superiorum 
Fermissu. @. 18 3 * 9 . unb 26 influxu für influxa, fo wie 
©. 20 3* ü voco für voce. @. 4l 3 . 6 EProphetiren für ?>ro< 
phetieen. Ster Orucf/ ober vielmehr bie Orthographie oon 59t e i 
litor ijl auch int Original fegr incorrect , unb boch raufte ba< 
Originit gegeben werben) wie’» »erliegt/ intwifchen hoben auch hi« 
einige neue Sbrucfoerfebett flatt gefunben, welche nach Sollenbung 
be< SSbbrucfe bieftf fchägbaren fleinen 5öerfg auf’« genauere feilen 
emgegeigt werben. 

©chlieflich bemerfe ich noch/ bajj ich bie Abbilbungen in gauft'rf 
59t i r a f e l b u ch fauber unb gerabe fo iüurainirt beftge / wie fie 
©ehr öpfer in -jjoHanb gefauft hat. @ie ftnb nicht mit garben aug< 
gemahlt worben/ weil folchei bie 3 auber< Sibliotgef nur »ertheuert 
haben würbe. BBirb ba* 2Derf aber fort bauernb oont Seifall bt« 
tpublifunt« uHterfügt/ fo bürften für ben Eiebbaber oon begleichen 
literarifchen Suriofitäten wenigflenä bie ©eifler*©iegcl noch einmal 
iDuminirt mitgetbeilt werben , um ben theurgifchen Aberglauben , ber 
jebem ©eifl re. feint befonberen garben anmeif't/ btflo mehr gu »er< 
anfchaulichen. Oie (egten acht Sogen habe ich oor 58oQenbung bef 
OrucW nicht >u ©eftebt befommen. Sollten bebeutenbe Orucfoerfeheu 
#att gefunben haben/ fo follen fte im folgenben £beile angegeigt werben. 


1 


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3 

3it Seite 92. 


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